Das Fronleichnamsfest in Villingen (Kurt Müller)

 

Abb. 1: Dekan Müller bei der Fronleichnamsprozession 2010. Foto: Jochen Hahne.

 

Die Feier der religiösen Feste ist in der Regel im Verlauf des Kirchenjahrs im jährlichen Rhythmus innerhalb der Kirchen erlebbar. Der öffentliche Raum, die Straßen und Plätze der Dörfer und Städte sind der Schauplatz des Fronleichnamsfestes in seiner unübersehbaren Gestalt der Fronleichnamsprozession.

Das war mindestens 1200 Jahre in der Kirchengeschichte nicht so. Am Anfang des 13. Jahrhunderts pflegten religiöse Frauenkreise in Brabant, Flandern und in der Wallonie besondere neue Formen der eucharistischen Frömmigkeit. Juliana von Lüttich, gestorben 1258, schaute in einer Vision die helle Mondscheibe mit einem dunklen Fleck am Rand. Die Deutung, die ihr dafür eingegeben wurde, war: Der Kirche fehlt ein Fest zur besonderen Verehrung der Eucharistie: Ein solches Fest ordnete Bischof Robert von Lüttich 1246 für seine Diözese an. Der Lütticher Archidiakon Panthaleon wurde zum Papst gewählt und ordnete als Urban IV.1264 das Fest für die ganze Kirche an. Der Termin ist der Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag. Donnerstag steht natürlich im Zusammenhang mit dem Gründonnerstag, dem Gedenktag an das letzte Abendmahl. Zum Fest, dessen Texte Thomas von Aquin geschaffen hat, gehörte zunächst keine Prozession. Die hat sich in den katholischen Ländern unterschiedlich schnell eingebürgert. Die rasche Beliebtheit der Prozession erklärt sich dadurch, dass die Menschen es gewohnt waren, dass ein Priester in liturgischer Kleidung in Begleitung des Mesners mit brennender Laterne die heilige Kommunion als stärkendes Sakrament zu Kranken und Sterbenden durch die Stadt getragen hat. Dazu kam der Brauch der Umgänge über die Felder mit der Bitte um Fruchtbarkeit und um die Bewahrung vor Unwetter und Hagel. Von daher wurde es bei der Prozession üblich, an vier Stationen Halt zu machen, je einen Abschnitt aus den vier Evangelien zu lesen und in die vier Himmelsrichtungen den eucharistischen Segen zu spenden.

Die Pflege und Ausgestaltung der Prozession war natürlich eingebunden in die geistige und geistliche Stimmung der Epochen. So war die Fronleichnamsfeier in und nach der Reformationsszeit stark geprägt von der Betonung katholischer Eucharistielehre im Gegensatz zu den Lehren der Reformatoren, das gilt vor allem für die Zeit nach dem Trienter Konzil (1563). In der Barockzeit wuchs in katholischen Gegenden die Freude an äußerem Prunk, kostbaren Gewändern und Fahnen. Dazu kamen die Trachten und Ornate der geistlichen Gemeinschaften, Orden, Zünfte und Burschenschaften, die alle es sich zur Ehre machten, in aufwändiger Selbstdarstellung zu paradieren. In der Zeit der Säkularisation war die Teilnahme an der Prozession nicht mehr selbstverständlich, sondern wurde zu einem Stück Glaubensbekenntnis. Das gilt dann insbesondere für die Zeit des Nationalsozialismus. Heute vollzieht sich die Prozession nicht mehr als kirchliche Machtdemonstration, nicht als gegenreformatorische Aktion, auch nicht als politisches Bekenntnis, eher ist die Prozession zu deuten auf das wandernde Gottesvolk hin, das auf der Spur des Evangeliums den rechten Weg durch die Gegenwart sucht im Miteinander mit allen, die guten Willens sind.

Wie das Fronleichnamsfest im Mittelalter in Villingen gefeiert wurde, seit wann die Prozession in Übung war, habe ich nicht feststellen können. Man darf aber vermuten, dass der Münsterpfarrer zusammen mit den zahlreichen Ordensleuten in der Stadt für eine würdige Prozession gesorgt hat. Ein Beleg dafür ist die kostbare silberne Monstranz, die im 15. Jahrhundert für das Münster und sicher auch für die Prozession geschaffen wurde. Von der im Münsterschatz erhaltenen Chormantelschließe (Abb. 2) kann man auf den Wert der kunstvoll gestalteten Gewänder der Geistlichen schließen.

Genauere Nachricht erhalten wir im Jahr 1708, von da ist im Archiv der Münsterpfarrei die Prozessionsordnung erhalten, aus der Zeit des Münsterpfarrers Johann Jakob Riegger (Abb. 3).

Ich vermute, dass dann in der Prozession die Sakramentgruppe kam, anschließend die Vertreter des Rats und am Ende die Männer und Frauen.

Das Münster wurde ab 1701 in mehreren Abschnitten kostbar im barocken Stil verändert und ausgestattet, so dass zu vermuten ist, dass auch die Fronleichnamsprozession, was Fahnen, Gewänder und den Traghimmel (Baldachin) angeht reich geschmückt daher kam. Wieder belegt eine Chormantelschließe aus dem Jahr 1730 den künstlerischen Wert der Paramente.

Nach der Auflösung der Klöster zu Beginn des 19. Jh. verarmte die Stadt und auch die Kirchengemeinde, was sicher nicht spurlos an den Aufwendungen für die Fronleichnamsprozession vorbeiging. Die Stadt hatte im Verlauf der Zeit ihre Selbstverwaltung und ihre militärische Selbstverteidigung verloren. Ein bisschen aus Nostalgie wurde 1810 das Villinger Bürgermilitär gegründet.

In seiner Satzung von 1813 lautet der Paragraph 55:

„Als allgemeinen Grundsatz wird vorausgeschickt, dass die Bestimmung des bürgerlichen ewhren-Corps nicht dahin ziele, im Felde zu dienen oder außerhalb der Stadt Dienste zu leisten, sondern in der Regel nur an besonderen Ehrentagen, z. B. am Fronleichnamsfeste, am Geburtstag des gnädigsten Landesfürsten, bei Anwesenheit fürstlicher Personen oder bei einem wegen besonderen Vorfällen angeordneten Landesfeste zur Verherrlichung des Tages auszurücken.“

Abb. 2: Chormantelschließe.

Es ging nicht alles gut und die Truppe wurde 1842 wieder aufgelöst. Einige Getreue wollten das nicht dulden und setzten sich für die Wiederorganisation des Bürgermilitärs ein. Am 30. Mai 1843 war im Schwarzwälder Boten zu lesen: „Das hiesige Bürgermilitär, das in umgestalteter Form am 23. April 1810 zum ersten Mal auftrat, hat sich nun nach einem ununterbrochenen Bestande von 32 Jahren vollends aufgelöst, weil nach der jüngst abgelaufenen Kapitulation eine weitere nicht mehr zu Stande gebracht werden konnte. Dieser Zustand dauert nun schon über ein Jahr und es steht zu befürchten, dass wir nach Jahrhunderten vielleicht heuer zum ersten Male das traurige Schauspiel erleben, die Feierlichkeit des Fronleichnamsfestes, des höchsten in der katholischen Christenheit ohne die festliche Begleitung des hiesigen Bürgermilitärs zu sehen. Wir sind überzeugt, dies würde bei allen einen höchst betrübenden indruck hervorbringen, und darum zunächst haben wir aus freiem Antrieb uns vereint, alle diejenigen, welche der Sache zugetan nach ihren eigenen persönlichen Eigenschaften und familiären Verhältnissen zum persönlichen beitritt geeignet, oder für das Wiedererblühen des Bürgermilitärs geneigt sind einzuladen, sich nächsten Dienstagabend 8.00 Uhr im Gasthaus Löwen gefällig einfinden zu wollen“.

 

Abb. 3: Prozessionsordnung. Raimund Adamczyk hat mir das schwer lesbare Original in das heutige Schriftbild (unten) übertragen.

 

 

Ordnung der Procession ahm Heil. FronleüchnambsTag AD 1708, 1709, 1710

Ordnung

Wie die Procession ahn

Unseres Herrn Fronleüchnamb

nach Einanden gehen solle

Erstl.

Der rothe Fahnen auß dem

Münster

2.

Die lobl. Bruedschafft der

Heil. 5 Wunden Christi

bei den Franciscanern

3.

Die Miller mit Unser

Lieben Frauen

4.

St. homo boni Bruedschafft

bei den Franciscanern

5.

St. Wendels Bruedschafft

6.

Burgers Söhn mit St.

Johanniß Haupt

7.

St. Josephi bruedschafft

8.

Die bruedschafft des Heil.

Georgy Neuen gestifft zum

wilden Karst

9.

Deß Heil. Gaists Spital fahnen

10.

Die Bekhen und Schue

Knecht von St.Johann

11.

Die Schneid und Crämer mit

Ihren Patronen

12.

St. Severi bruederschafft

13.

S. Antony Eremito bruederschafft

14.

St. Sebastians bruedschafft

von den Franciscanern

15.

Bede löbl. Gymnasia

bendictiner und francs Studenten

16.

WohlErwürdtige

Die Patres Capucini und

Franciscani

17.

Die Heil. Reliquien und Unser

lieben Frauen Rosen Krantz

Bildtnus aus dem Münster

18.

Der Musicalische Chor

19.

Kleine Corporis Christi Fahnen

 

Abb. 4: Zweite Prozessionsordnung

Das Bürgermilitär fand mit der mehr oder weniger misslungenen Revolution von 1848/49 sein Ende. Das Fronleichnamsfest hielt bis 1963 eine Erinnerung an militärische Aktivitäten fest und zwar durch das Lösen der Böller auf dem Hubenloch. Morgens um 6 Uhr am Herrgottstag und viermaliges Böllerschießen immer dann, wenn an den Altären mit der Monstranz der Segen gegeben wurde. Um punktgenau die Kanonade zu justieren, war eigens eine Signalmannschaft installiert. Im Wächterstübchen im Südturm des Münsters saß viele Jahre lang Rudolf Flöß mit Blick und Flaggenkontakt zu den Kanonieren auf dem Hubenloch und außerdem mit Blickkontakt zu den jeweiligen Flaggenträgern an den vier Ältaren. Ab 1963 wurde das Böllerschießen durch das Läuten mit der großen Münsterglocke ersetzt und das Flaggenwesen durch Funkkontakt mit dem Mesmer in der Sakristei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anfang und auf die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Stadt wirtschaftlich auf Talfahrt. Das Münster war dem Zeitgeist entsprechend ausgeräumt, der meisten Kunstschätze beraubt und bot einen traurigen Anblick. Nach 1870 ging alles bergauf. Pfarrer Scherer konnte 1905 mit der Renovation und Wiedereinrichtung des Münsters beginnen. In diesem Zusammenhang wurden auch die Paramente (Gewänder der Geistlichen), der Traghimmel und die Zunftfahnen auf aufwändige Art erneuert, so dass die Prozession, deren Ordnung aus dem Jahre 1910 hier dokumentiert wird (Abb. 4), eine würdige äußere Gestalt angenommen hat.

Auf diese Weise fand die Prozession bis in die dreißiger Jahre statt mit immer ca. 3100 Teilnehmern.

NS-Zeit: 1933, 1934, 1935 war noch als besondere Gruppe Militär genannt, ab 1936 verschwinden aus der Ordnung Militär, die Vereinigung der Kaufleute und Beamten und die Bahn- und Postbediensteten. Dekan Kling hatte Anfang der dreißiger Jahre noch den Bahn- und Postbediensteten eingeschärft: Wenn sie eine eigene Gruppe bilden wollen, dann sollen sie auch in Uniform erscheinen. Ab 1936 war den Beamten die Teilnahme verboten, staatliche und städtische Dienstgebäude durften nur mit Hakenkreuzfahnen geschmückt werden. Die Prozessionsordnung durfte in den Schulen nicht mehr bekannt gemacht werden, weil das als jahrgangsweise Manipulation (Gruppenzwang) ausgelegt wurde. Später teilte die Staatspolizei mit, auch Privathäuser sollen mit Hakenkreuzfahnen geschmückt werden. Der Stadtmusik wurde die aktive Teilnahme verboten. Monsignore Kling schreibt daher: Wir werden umso lauter beten und singen!

Frau Maria Cäcilia Bury schreibt am 13. Juno 1937 an ihre Schwester im Vincentinerinnen Kloster in Freiburg unter anderem über die Fronleichnamsprozession:

„Am Sonntag vor Fronleich nam wurde in der Kirche verkündet: Die Straßen dürfe man nicht mit Blumen bestreuen,damit es kein Verkehrshindernis gebe. Ferner soll man beflaggen mit Hakenkreuzfahnen (an unserm Herrgottstag!) Auch wurde zunächst kein Reisig zum Schmücken gegeben, und so manches. Dann sind aber einige zusammengestanden und sagten: Wenn wir jetzt kein Reisig bekommen, schmücken wir auch nicht, wenn am 6. Juni die Saarländer kommen und nehmen auch keine ins Quartier.

Darauf hat der Stadtrat nochmals beschlossen, Reisig zu verteilen. Aber erst am Tag zuvor von 2 bis 4 Uhr. Am Fronleichnamsmorgen war schon früh um 8.00 Uhr Kundgebung in der Tonhalle. Da mussten sämtliche antreten. Wie man hörte, müsste man einen Zwischenfall befürchten. Und dann erst noch durften keine Musikkapellen spielen bei der Prozession. Die Folge aber von dies allem war: Die Straßen waren fast überall mit Blumen bestreut, Hakenkreuzfahnen sah man fast keine, die Häuser, die Brunnen und die Altäre waren selten so schön. Die Leute sagten: Jetzt erst recht. Aber die größte Freude war es, dass an der Prozession mehr Männer und Frauen teilnehmen denn je, sogar solche, die sonst nie mitgegangen waren. Auch waren viele Beamte dabei. Die große Teilnehmerzahl ist allen aufgefallen. Weil keine Musik dabei war, wurde feste gesungen und gebetet während der Prozession von vorne bis hinten. Es war viel ergreifender wie sonst. Es hat alles so schön geklappt auch mit dem Singen. Während der Prozession aber entstand eine große Aufregung. Als das Allerheiligste am Marktplatz vorüberging, stand einer an der Ecke und rauchte Zigaretten (solch eine Frechheit). Pater Hofmann, welcher das gesehen hat, trat aus den Reihen und warnte ihn. Darauf nahm er den Stumpen und warf ihn dem Allerheilgsten zu. Sofort lief dieser zur Polizei und meldete dies. Als man wieder im Münster angekommen war, wurde Pater Hofmann von der Kirche in die Sakristei gerufen, wo schon die Polizei war. Er wurde gerügt wegen Anrempelung auf öffentlichen Straßen, und wurde noch für 20 Mark bestraft (der hat ein schönes Andenken an Villingen).“

Abb. 5: Antwortbrief von Telefunken.

 

1939 wollte die Münsterpfarrei durch die Firma Telefunken eine Übertragungsanlage aus dem Münster auf dem Münsterplatz erstellen lassen. Telefunken musste am 5. Juni 1939 antworten (Abb. 5).

Das Landratsamt schreibt am 17. Mai 1939 an das Münsterpfarramt (Abb. 6).

Daraufhin wurde die Prozession auf Wegen außerhalb der Hauptstraßen abgehalten. Am 19. Juli 1939 bedankte sich das Erzbischöfliche Ordinariat für allen Einsatz zum Erhalt der Fronleichnamsprozession und bittet, auch in Zukunft nichts unversucht zu lassen.

1940 und 1941 war die Prozession wegen Aktivitäten der Wehrmacht verboten und fand auch nicht statt. An Pfingsten 1942 kam Max Weinmann als Münsterpfarrer von St. Fidelis in die Stadtmitte. Er organisierte in den Kriegsjahren 1942, 43 und 44 die Prozession auf Straßen in der Südstadt. Vor der Prozession wurden in Münster und St. Fidelis ein festliches Hochamt gehalten, dann zogen die Münsterbesucher durch die Färberstraße zum ersten Altar vor der Südseite der Fideliskirche. Von dort brach man zur Prozession auf zum zweiten Altar jenseits des Warenbachs. Der Schlusssegen war wieder bei der Fideliskirche. 1943 zählte man 3500 Teilnehmer, darunter 60 Soldaten der Genesungskompanie des Lazaretts.

Abb. 6: Brief des Landradtsamtes bezüglich der Fronleichnamsprozession 1939.

 

Schon 1945 konnte die Fronleichnamsprozession wieder in alter festlicher Weise auf den gewohnten Wegen in der Innenstadt stattfinden. Die Erlaubnis der Militärregierung wurde dazu erteilt, und auch eine auf die einzelnen 49 Namen     exakt     aufgeführte Erlaubnis traf ein, während der Sperrzeit schon um 4:30 Uhr den Aufbau der Altäre zu bewerkstelligen. Da sich ab 1946 auch eine Abordnung der französischen Armee an der Prozession beteiligte, wurde bei der Schlussmesse wenigstens das Credo lateinisch gesungen, damit alle sich beteiligen konnten. 1949 schreibt der Bürgermeister Naegele am 3. Juni an den Stadtmusikdirektor Könitzer (Abb. 7).

Damit war die Stadtmusik wieder dabei und begleitete musikalisch die Prozession bis ungefähr 1960 der gesamte Prozessionsweg mit einer Lautsprecherkette ausgestattet wurde, so dass die Münsterorgel und die Vorbeter auf der Münsterempore auf dem ganzen Weg zu hören waren und den einheitlichen Gesang und das Gebet leiten konnten. Diese Anlage wurde 36 Jahre lang mit großem Arbeitsaufwand jährlich auf- und abgebaut. Technische Mängel traten auf und im Jahr 2000 wurde die fest installierte Anlage durch tragbare Lautsprecher und Mikrofone ersetzt. Der Münsterpfarrer bemerkte damals: „Ich hoffe, dass diese tragbare Lösung sich nicht als eine untragbare erweisen wird.“ Die Einrichtung hat sich bewährt, zumal sich (leider) die Zahl der Teilnehmer, die 1949 noch 3744 Frauen, Männer und Kinder betrug, stark verringert hat.

Abb. 7: Brief von Bürgermeiter Naegele an Stadtmusikdirektor Könitzer.

 

Die Standorte für die vier Altäre waren unterschiedlich. Es gab später nur drei, später zwei Altäre. Ein besonders gepflegtes Schmuckstück am Prozessionsweg waren und sind die fantasievoll geschmückten Brunnen. Der Brunnen in der Niederen Straße vor der Metzgerei Weißer war immer mit der Figur der Hl. Agatha geschmückt, die einst am jetzt abgebrochenen Niederen Tor zur Erinnerung an den Stadtbrand gestanden hatte, um eine solche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Die Katholiken der fünf Villinger Pfarreien gestalten natürlich nur eine gemeinsame Fronleichnamsprzession und sie fühlen sich auch für die Organisation und den Schmuck der Altäre gemeinsam verantwortlich. Die Chöre bilden einen Chor, und immer sind auch eine große Ministrantenschar aus den fünf Pfarreien ein deutlicher Farbtupfer in der Prozession. Einen schönen Beitrag zur Betonung des Herrgottstages leisten Bläser der Stadtharmonie, wenn sie in der Morgenfrüh vom Balkon des Benediktinerturmes einen musikalischen Festbeginn erklingen lassen. Man hat auch dankbar registriert, dass seit wenigen Jahren wieder Frauen und Männer in Tracht von der Trachtengruppe und Bürgerwehr teilnehmen. Erfreulicherweise kann man auch eine neue Initiative zum verstärkten Blumenschmuck der Straßen und Häuser beobachten, die von Patrick Weigert ausging. Um des Glaubens aber auch um des kulturellen Gesichts unserer Stadt willen lohnt sich auch in aller Zukunft der Einsatz für die Fronleichnamsprozession. Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer dürfen sich herzlich eingeladen fühlen.

Abb. 8 Altar vor dem ehem. Gasthaus Engel vor dem Riettor, 1931.

 

 

 

Abb. 9 Fronleichnam 1939 vor dem Münster.

 

 

Abb. 10: Altar beim Agatha-Brunnen, Niedere Straße, ehemal. Metzgerei Weißer. Foto: Herzog.

 

 

Abb. 11: Fronleichnam 1957 – Blick und Aufnahme vom Benediktiner-Turm. Das Foto erhielt ich von Helmut Schofer (†). Auf dem Foto ist die große Zahl der Ordensfrauen fast unglaublich und gut sichtbar. Auch die Herren im schwarzen Anzug, wohl Stadträte und Stiftungsräte, sind eine vergangene Erscheinung. Der Altar war an der Ecke zu den Grünanlagen.

 

 

Abb. 12: Altar vor der Stadtkasse 2010.

 

 

 

 

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Abb. 13: Vier gestickte Eucharistiesymbole vom Baldachin (Traghimmel), 1909.