Die Stadtfarben der Stadt Villingenin Wappen und Fahnen (Karl Haas, Stefan Rösch)

Mal ehrlich, kennen Sie die Farben der Stadt Villingen? „Blau – weiß“ oder „weiß – blau“?

So kleinlich und zweitrangig die Frage für den geschichtlich Desinteressierten sein mag, was gerade während der Tausendjahrfeierlichkeiten bei einigen „Offiziellen“ der Stadt festzustellen war, um so mehr dürfte sie für den von Interesse sein, der Geschichte ernst nimmt und die Symbole achtet. Vorab: Vom Prinzip her ist „blau – weiß“ ebenso richtig wie „weiß – blau“.

Spricht man aber von den heutigen Stadtfarben Villingens, so ist „weiß – blau“ richtig. Folgende Ausführungen sollen diesen Umstand näher erläutern, da er in der bisherigen Geschichtsschreibung weder eine besondere Erwähnung, noch eine Erklärung erfährt.

Bis 1388

 

 

Seit dem Zeitraum 1388/1415 bis 1530

 

Die ursprünglichen Stadtfarben sind „blau – weiß“. Sie sind uns überliefert im quadratischen Fahnentuch, blau – weiß gespalten mit rotem Schwenkel (s. Abb. unten) Die Villinger hatten dieses Banner angeblich in der Näfelser Schlacht von 1388 lassen müssen, das fortan als Beutestück in der Kirche von Glarus hing. 1616 wurde die verschlissene Beutefahne getreulich kopiert. Die Farben „blau – weiß“ sind die Farben des Hauses Urach-Fürstenberg, zu dem Villingen als „ewiges Reichslehen“ im Jahre 1283 kam.

Die erste Umgestaltung: 

Zwischen 1388 und 1415 wurde den Stadtfarben „blau– weiß“ ein weißer Balken im blauen Feld hinzugefügt. Dies geschah wohl, um sich vom Umland zu unterscheiden, also den Städten, die ebenfalls „blau – weiß“ als Stadtfarben führten. Hüfingen beispielsweise, besitzt diese Stadtfarben heute noch. Belege für diese Form sind u. a.:

• die Wappentafel mit der Jahreszahl 1415 aus den städt. Sammlungen, die sich als Kopie (um 1800) erhalten hat. (siehe

Abb. unten)

• im Zunftsiegel der Schmiedezunft von 1645

• Allianzwappen von 1471 (Haus Färberstraße 44)

• Wappen am Erker der Stadtkasse (Haus Obere Straße 4)

• Chorgestühl der Vetternsammlung von ~1472

Falsche Darstellungen dieser Stadtfarben, wie sie u. a. das Wappen des Romäusbildes am Romäusturm zeigt, machen deutlich, daß die Thematik der Stadtfarben bisher wenig beachtet wurde und einer Aufklärung bedarf.

 

Die zweite Umgestaltung:

Der Wechsel von „blau – weiß“ in „weiß – blau“. Junker Jakob Betz, der wiederholt Bürgermeister und Schultheiß von Villingen war, verlangte 1530 in Augsburg von König Ferdinand I die Verbesserung des Stadtwappens, als Anerkennung für den Widerstand der Stadt im Bauernkrieg und für das Festhalten am alten Glauben während der Reformation.

Am 10. 8. 1530 erhielt Villingen sein neues Stadtwappen

 

Seit 1530

 

Doch was war geschehen?

Ohne einen Hinweis hatte sich der Wechsel der Stadtfarben von „blau – weiß“ in „weiß – blau“ vollzogen. Warum fand der Wechsel statt? Hatte Junker Betz in sei seinem Eifer die Stadtfarben verwechselt oder ist die Verwechslung auf den Künstler des Wappenbriefs von 1530 zurückzuführen? Die Villinger Geschichtsschreibung schweigt. Auffallend ist, dass ab 1530 die Villinger Stadtfarben mit „weiß – blau“ dargestellt werden. Anstelle von „weiß“ wurde entsprechend der heraldischen Regeln auch „silbern“ verwendet!

Wichtig für die Nachwelt: Villingens Stadtfarben sind „weiß – blau“. Das Logo der Verwaltungsgemeinschaft VS in den Farben „rot – grün“ darf in Zukunft nie mit den Stadtfarben gleichgesetzt werden.