Krippen als Zeichen echter Volksfrömmigkeit (Christina Nack)

Auch heute noch ein liebevoll gepflegter weihnachtlicher Brauch

Ob Jesus nach seiner Geburt tatsächlich in einer Krippe lag und wenn ja in welcher, ist nicht bekannt. Der Brauch aber, sich die Menschwerdung von Gottes Sohn so vorzustellen und en miniature zu inszenieren, ist seit der frühen Christenheit lebendig. „Das Heilsgeschehen wird handgreiflich fassbar“, sagte Alt-Dekan Kurt Müller zur Eröffnung der Krippen-Ausstellung im Alten Rathaus. Die Vernissage war aus Platzgründen ins Franziskaner-Refektorium verlegt worden, das voll besetzt war.

Maria, Joseph und das Jesus-Kind sind die figürliche Minimalausstattung einer Weihnachtskrippe, die bis auf 1000 Figuren ausgedehnt werden kann, stellte Anita Auer (Städtische Museen) bei der Begrüßung fest. Die Exponate, die auf Initiative von Konrad Flöß und in Kooperation zwischen Stadt, Geschichts- und Heimatverein und dem Villinger Weihnachtsmarktverein gezeigt werden, stammen von privaten Leihgebern und vermitteln mit viel Lokalkolorit auch einen Bezug zwischen dem Weihnachtsspiel und dem Krippenbauer. Manche Figuren werden in Villinger Tracht dargestellt, andere sind eher abstrakt, immer geht es um die kontemplative Darstellung des Weihnachtswunders.

Viele unterschiedliche und mit viel Einfallsreichtum und Geschick gestaltete Weihnachtskrippen waren in der Adventszeit 2010 im Alten Rathaus zu bewundern.

 

Als Erfinder des Krippenspiels gelte Franz von Assisi, der in einem italienischen Dorf die Geburt Christi mit lebenden Menschen und Tieren nachstellte. Das figürliche Krippenspiel als gleichsam pantomimische Darstellung der Heiligen Nacht sei unberührt von Industrialisierung und dem Stress unserer Zeit, sondern versetzt den Betrachter in eine bäuerliche, romantische Welt.

Altdekan Kurt Müller stellte den biblischen Kontext her. Ob das Jesus-Kind tatsächlich in einer „hölzernen Vorrichtung zur Fütterung von Stalltieren lag“, sei ebenso wenig bekannt wie der Ort des Geschehens. Lediglich die Evangelisten Lukas und Matthäus berichten von der Volkszählung, von der Wanderung nach Bethlehem, vom fehlenden Platz in der Herberge und der Engelsbotschaft der Hirten, die ebenso unverzichtbar beim statischen Krippenspiel sind wie Ochs und Esel. Verifizierbar sei das ebenso wenig wie der Stern von Bethlehem als Symbol für den guten Stern über das menschliche Leben.

Die Vernissage wurde von einem Ensemble der Musikschule am Franziskaner stimmungsvoll musikalisch umrahmt.

Die Ausstellung im Alten Rathaus war ein Riesenerfolg. Rund 4500 Besucher wurden gezählt. Alle äußerten sich begeistert über die große Präsentation der Krippen, als ein Zeichen echter Volksfrömmigkeit, die in Villingen auch noch heute gepflegt wird.

Anmerkung der Redaktion:

Den Text der Ansprache von Altdekan Kurt Müller können Sie im Wortlaut im nachfolgenden Beitrag lesen.

Ein aufmerksames Publikum füllte bei der Präsentation der Krippenausstellung im Alten Rathaus das Refektorium im Franziskaner bis auf den letzten Platz.