Holzmodelausstellung 2012 (Anita Auer)

Der Geschichts- und Heimatverein und die Städtischen Museen planen zu Weihnachten 2012, parallel zum Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz, eine Ausstellung mit historischen Backmodeln im Alten Rathaus.

Gebäck mit figürlichen Darstellungen wurde traditionell zu Weihnachten hergestellt. Aber auch zu anderen besonderen Anlässen im Lebenslauf, wie Geburt, Hochzeit oder Tod, wurden eigens Model hergestellt.

Ein Beispiel aus Villingen ist das Kuchenbackmodel der Apollonia Moser, Äbtissin bei den Klarissen, die 1613 starb. Das Model ist im Besitz des Klosters St. Ursula, eine Kopie ist in der Dauerausstellung des Franziskanermuseums zu sehen. Auf diesem Model (Abb. 1) ist im Zentrum das Familienwappen dargestellt, und in einer Umschrift das Leben der Nonne nacherzählt. Die Tochter einer Patrizierfamilie kam mit 12 Jahren in den Orden, wurde mit 54 Jahren Äbtissin und erreichte das hohe Alter von 77 Jahren. Dieser Äbtissin widmete 1596 der Franziskanergelehrte Martin Digasser seine Schrift „Ein geistlich Zeuchhaus oder Rüstkammer für die Ordens- und Closterleuth“. Digasser hatte 1585 in Rom studiert, war ab 1587 in Würzburg, dann in Regensburg Provinzvikar. 1598 wurde er Hofprediger des Erzherzogs Matthias und 1601 Provinzvikar und Pfarrherr zu Villingen. Mit diesem begnadeten Prediger hat möglicherweise ein weiteres Model zu tun, das sich in der Städtischen Sammlung befindet.

Abb. 1: Kuchenbackmodel der Apollonia Moser, nach 1613, Kloster St. Ursula; Kopie im Franziskamermuseum Villingen- Schwenningen.

 

Es ist – was eher selten ist – datiert, und zwar in das Jahr 1601. Auf der Vorderseite zeigt das ovale Model einen Ritter, „S. Jerg“, also den Heiligen Georg. Er ist in Vollfigur, von der Seite, auf einem Pferd reitend dargestellt. Seine Lanzenspitze sticht schräg nach unten in den Rachen des sich dort am Bildrand windenden Drachens, der bereits als Zeichen der Unterlegenheit die Füße nach oben streckt. Hier am Boden sind Gräser und Pflanzen angedeutet. Im Hintergrund auf der linken Seite sieht man eine Architekturdarstellung mit Kirche, danebenstehendem Kloster, von einer Mauer umgeben. Das gesamte Motiv wird von einem Lorbeerkranz gerahmt.

Interessant ist das Model, weil auch die Rückseite geschnitzt ist. Hier findet sich in einer zeitlich passenden Rollwerkkartusche folgende lateinische Inschrift: „SANCTI ET SERA/PHICI PATRIS FRAN/CISCI. APUD. DEUM. DE/PRECATIOSIT NOBIS./ POST HANC VITAM./ COELI. ING(R)ESSIO. MD“, was übersetzt etwa bedeutet: „Die Heiligen und Seraphim der Franziskanerpater mögen bei Gott Fürsprache für uns halten nach diesem Leben am Eingang des Himmels. MD“. MD ließe sich als Monogramm des erwähnten Martin Digasser lesen, der 1601 endgültig nach Villingen kam.

 

Abb. 2 und 3: Model mit Hl. Georg, datiert 1601, Vorder- und Rückseite, Franziskanermuseum Villingen-Schwenningen.

 

Das Model kam aus dem Besitz des „Goldarbeiters Schilling“ schon sehr früh, also kurz nach Gründung der Altertümersammlung 1876, in das Museum. Es trägt die alte Inventarnummer 467. Andere Model, vor allem auch Tonabdrücke von Modeln, wurden von Hafnern wie Johann Glatz abgeformt und in die Sammlung gegeben. Einen unglaublich reichen Schatz an Modeln besitzt das Kloster Sankt Ursula. Die Kunst des Backens vor allem feiner Backwaren oblag traditionell den Klöstern.

Die geplante Präsentation besteht in ihrem Kern aus einer Ausstellung, die 2010 in Schaffhausen das Museum zu Allerheiligen zeigte mit dem Titel:

„Holzmodel – Süße Bilder für Augen und Magen“. Vermehrt wird dieser Kern um die Beispiele aus Villingen, dem Kloster St. Ursula und dem Franziskanermuseum. Da Schaffhausen und Villingen früher einen Kulturraum bildeten und vielfach Model auch ausgetauscht wurden, lassen sich Bezüge zwischen den Modeln der beiden Städte nachweisen. Dieselben Motive sind hier wie da zu finden, zum Beispiel Kinderbringer, Nikolaus oder Evangelistensymbole. Die Ausstellung gibt daher nicht nur Gelegenheit, einem in Vergessenheit geratenen Kunsthandwerk – saisonal passend – neue Aufmerksamkeit zu schenken, sondern im direkten Vergleich der Objekte neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen.

Abb. 4: Model mit Hl. Georg, Rückseite, gespiegelt.