Die Sanierung der Johanneskirche in Villingen im Jahr 2012 (Andreas Flöß)

Die Johanneskirche in der Gerberstraße 11 in Villingen ist als Sachgesamtheit Johanniterkirche mit Messnerhaus ein wichtiges Zeugnis für die Geschichte Villingens.

Dies gilt sowohl für seine Architektur – wie auch Religionsgeschichte. Das Gebäude stellt deshalb aus wissenschaftlichen, vor allem bau- und stadtbaugeschichtlichen Gründen ein Kulturdenkmal dar.

Seine Erhaltung liegt insbesondere wegen seines dokumentarischen und exemplarischen Wertes im Interesse der Öffentlichkeit. (Angabe nach Amt für untere Denkmalbehörde der Stadt Villingen- Schwenningen)

Die Johanneskirche ist Teil der dichten Bebauung des historischen Stadtkernes innerhalb der ehemaligen Wehrmauer.

Bestandsbeschreibung

Innenraum mit Blick von der Empore zum Chor.

 

Die evangelische Pfarrkirche, ehemals als Kirche der Johanniter-Kommende Villingen erbaut besitzt eine vierjochige, flachgedeckte Saalkirche mit ein gezogenem, zweijochigem, gerade geschlossenem Chor. Der Turm ist südlich als Chorflankenturm mit Spitzhelm aufgesetzt.

Die Kirche der 1257 gegründeten Johanniter- Kommende Villingen wurde wohl Anfang des 14. Jahrhunderts gebaut und dieser Entstehungszeit entstammt der größte Teil des Mauerwerks.

Auf eine durchgreifende Barockisierung geht der heutige Zustand mit den großen Rundbogenfenstern, der flachen Decke in Langhaus und im Chor zurück, während stilistisch auf die Entstehungszeit nur mehr die überarbeitete Westportalumrahmung, das Chor-Scheitelfenster mit seinem Maßwerk und eine ehemalige Sakramentsnische in der Sakristei, dem Erdgeschoss des Turms, verweisen.

Dem barocken Umbau von 1711 ist die Konstruktion der riesigen Dachstühle über dem Chor und dem Langhaus zu verdanken, die mit einem äußerst aufwendig und sorgfältig gefügten Hängewerk, die stützenlose Überspannung der großen Räume ermöglichen.

Erwähnenswert von der ortsfesten Ausstattung ist unter anderem das große Ostfenster von Georg Meistermann.

Zu der ehemaligen Kommende Villingen der Johanniter gehörte das Messnerhaus, Gerberstraße 13, heute der einzige noch erkennbare weitere Teil des einst ausgedehnten Baukomplexes. Das Gebäude ist dreigeschossig, traufständig und besitzt wegen des hoch anstehenden Grundwasserspiegels keinen eingetieften Keller. Dieser besitzt vermutlich mittelalterliche Teilbereiche, sein heutiges Gepräge ist wohl dem 18. Jahrhundert zuzurechnen.

Im Innern zeigt das Kirchenschiff als auch der Chorraum eine aufwendige Stuckierung der Deckenflächen. Im Kirchenschiff befinden sich vier, im Chor hingegen nur ein großes Deckengemälde. Die Einfassung besteht aus Stuckprofilen.

Die Raumschale und die Ausstattung der Kirche wurden im Rahmen einer umfangreichen Maßnahme im Jahre 1983 (Angabe nach Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg II, München 1997, S. 807) bearbeitet. Dabei wurden sowohl die Stuckierungen und Farbfassungen als auch der Bestand der Deckenbilder mitbearbeitet.

Zustandsbericht der Stuckierungen

Etwa die südliche Deckenhälfte musste bei der letzten Renovierung 1980-83 neu ausgeführt werden. Hierbei wurde unter der Holz-Unterkonstruktion (Holzlattung bzw. Schalbretter) Rippenstreckmetall als zusätzlicher Putzträger aufgebracht.

Der überwiegende Teil der nördlichen noch originalen Deckenhälfte wurde aufgrund ihres schlechten Zustandes durch Vergießen von oben saniert (konsolidiert). Am Deckenbereich mit den Resten des Deckenbildes, wurde diese Maßnahme nicht ausgeführt.

Beide Maßnahmen haben der Chordecke eine in der Fläche ausreichende Stabilität (Haftung an der Unterkonstruktion) gegeben.

In der Decke zeigen sich teilweise in Raumrichtung verlaufende Risse, wie auch im Stoßbereich des historischen Deckenteiles zum neuen Deckenbereich.

Im Umfeld dieser Risse sind am historischen Deckenputz Loslösungen des Putzes von der Unterkonstruktion vorhanden.

Im nord-westlichen Deckenbereich sind Abrisse zwischen Stuck und Deckenputz erkennbar.

Die außerhalb der Deckenbilder vorhandenen Loslösungen des Deckenputzes von der Unterkonstruktion waren gravierender als die an der Langhausdecke festgestellten und erfordern Maßnahmen zur Stabilisierung dieser Deckenbereiche.

Ebenfalls muss eine, im Bereich der erkennbaren Rissebildung zwischen Stuckatur und Deckenputz eine Konsolidierung dieser Stuckteile erfolgen.

Deckenbild mit Lorbeerkranz und Teile der Stuckdecke.

Konstruktiver Aufbau der Decke 

Barocke Lattendecke, bestehend aus unter das Deckengebälk genagelten Latten, wobei die Lattenseitenflanken nach oben konisch verlaufen.

Über der Lattung ist ein Kalkverstrich (Boxthaut) mit Haaranteilen und einer Schichtdicke von ca. 1,00 –1,50 cm eingebracht. Auf dem Deckenrücken, in den Balkenzwischenfache, befindet sich eine ca. 3,00 –5,00 cm dicke Spreu-Schüttung. Darüber eine PVC-Folie sowie eine ca. 15,00 cm starke Glaswolle-Isolierung. Unter der Lattung befindet sich ein zweilagiger Deckenputz.

Der Grundputz besteht aus einem Kalkmörtel mit Haaranteilen und besitzt eine Schichtdicke von ca. 1,50–2,00 cm. Der geglättete Oberputz weist eine Schichtdicke von ca. 0,3–0,5 cm auf. Diese Putzschicht findet sich außerhalb der Deckenbilder und zwischen den Stuckaturen. Schwerere Stuckaturen sowie der Freskoputz der Deckenbilder wurden direkt auf dem Grundputz aufgebracht.

Bei der Sichtfassung handelt es sich um einen polychromen Kalkanstrich.

Schadensbild der Decke

Die Innewände haben eine, dem Zeitraum zur letzten Restaurierung (Einweihung 1983) entsprechende Einschmutzung (Patina). Diese Einschmutzung ist im Deckenbereich nicht besonders ausgeprägt und wird im nördlichen Deckenbereich zur Außenwand hin etwas intensiver.

Die Decke weist entlang der Nordwand verschiedene Verformung (Absenkung) auf.

Diese Absenkung, von der Außenwand bis ca. 1,50 m in die Decke reichend und sich über eine Länge von ca. 2,50 –3,00 m ausdehnend, hat sehr wahrscheinlich ihre Ursache in der Absenkung eines Deckenbalkens. Es ist zu vermuten, dass diese Verformung schon bei der letzten Renovierung vorhanden war.

Die Decke weist insgesamt eine für diesen Deckenaufbau (Deckenputz auf Holzunterkonstruktion) übliche, leicht netzförmige Rissebildung auf. Eine etwas ausgeprägtere Rissebildung zeigt sich im Bereich der Decken-Längsachse, hier vor allem in den Deckenbildern.

Blick vom Chor zu der Empore.

 

Vermehrt Risse weist die Decke auch im Bereich der West- und Nordwand auf, welche auch Risse im Deckenbild über der Empore zeigen. Partiell ergibt sich eine leichte Niveau-Verschiebung der Risskanten. Die größte Rissbreite beträgt ca. 1,0 –1,5 mm. Partiell sind Loslösungen kleinerer, an den Riss angrenzender Putzflächen feststellbar. Im Rissbereich sind lose Riss-Auskittungen vorhanden.

Am Eckprofil der südlichen Außenwand über der Empore zeigen sich Putz-Loslösungen und -Zerstörungen infolge eines früheren Wasserschadens. Die Schäden an der Fassung sind nur im Zusammenhang mit einer Schädigung des Putzes durch Feuchtigkeitseinwirkung vorhanden.

Schäden durch Loslösungen (Abplatzungen) des Anstrichs vom Träger (Putz) sind nicht erkennbar.

Zustandsbericht der Deckenbilder

Exemplarisch ist das Deckenbild im Chor ausgewählt: hier sind fein verästelte Risse zu erkennen, die sich sowohl durch den Putz als auch durch die Malschicht ziehen. Außerdem sind kleinteilige Mörtelergänzungen auszumachen, welche eine glatte Oberfläche aufweisen. In diesen Fehlstellenbereichen sind Retuschen vorhanden, die sich etwas zu hell von der übrigen Malerei abzeichnen. Insgesamt handelt es sich vermutlich um Kalkmalerei, die partiell mit Mineralfarbe ausgebessert wurde. Bei der Bekrönung des Wappenschildes, liegt eine flächige Vergoldung vor (Ölgold). Darauf wurde eine Ornamentierung mit Schatten und Höhungen gemalt. Für die Konturierung wurde ein etwas anderes Gold verwendet, wie für die flächige Vergoldung.

Bei der Darstellung des rot, gelb, orangenen Fahnentuches, zeigen sich parallele Risse im Putz, die entlang der Deckenlattung verlaufen. Im Übergang zum rotgrundigen Wappenschild ist ein kleinteiliges Rissnetz (Trümmerbrüche) im Verputz, was zu einer Ablösung einer einzelnen Scholle geführt hat. Bei der Darstellung der Trommel hinter dem liegenden Gefangenen, zeigt sich eine Reduzierung der Malschichtoberfläche im Sinne von Durchreibungen. Partiell sind die Zuschlagskörnchen ausgebrochen (Reduzierung an der Oberfläche), wodurch kleine Ausbrüche und Krater übrig geblieben sind.

Im übrigen ist starker Glanz erkennbar, der besonders deutlich in den gräulichen Bereichen und schwächer auf den roten Flächen ausgebildet ist. Dies bedeutet, dass hier eine flächige Fixierung durchgeführt wurde.

Im Bereich der Knie des Gefangenen zum Fahnenhintergrund ist in diesem Bereich der Übergang der großflächigen Retuschefläche/Neubemalung zur ursprünglichen Malerei erkennbar. Vermutlich wurde die Retusche mit Mineralfarben angelegt und bei der ursprünglichen Malerei handelt es sich wahrscheinlich um Kalkmalerei.

Abwicklung der Deckenbilder als Fotomontage.

 

Das Deckengemälde im Chor weist großflächige malerische Ergänzungen auf. Hierbei sind ganze Figurenteile neu gemalt worden. Daneben liegen auch Retuschen und Farbergänzungen im Fehlstellenbereich des älteren Malereibestandes vor. Da augenscheinlich keine weiteren Übermalungen in den Ergänzungsbereichen festgestellt werden konnten, ist davon auszugehen, dass diese vermutlich in Zusammenhang mit der letzten größeren Renovierungsmaßnahmen stehen. Es lassen sich Mörtelergänzungen feststellen, bei denen zwischen kleinflächigen im Bereich von Rissrändern und größerflächigen in den Zonen mit flächigen Übermalungen unterschieden werden kann. Zudem lassen sich kleine, mittlerweile mit Mörtel verschlossene Injektionsöffnungen feststellen, durch welche vermutlich festigende Mörtelmaterialien in den Untergrund eingebracht worden sind (Injektionsöffnung von Hinterspritzungen).

In den bereits erwähnten großflächigen, malerischen Ergänzungen liegen auch kleinflächige Retuschen vor. Diese sind zum Teil im Sinne von flächigen Farbaufträgen, zum Teil aber auch mit Strukturierung im Sinne einer Kenntlichmachung der Farbergänzung angelegt. Die Ergänzungen sind im Wesentlichen auf die Fehlstellen begrenzt. Die Ausmischungen der Farbtöne für flächige Ergänzungen und Retuschen sind farbgenau angelegt.

Die Malschicht der ursprünglichen Malerei ist relativ matt, kompakt und zeigt partiell eine gewisse Schichtstärke. Vermutlich handelt es sich hier um eine Secco-Technik, wobei das Bindemittel durch naturwissenschaftliche Analysen bestimmt werden müsste (Es könnte sich um eine Kalkmalerei handeln). Die größerflächigen Farbergänzungen zeigen ebenfalls ein mattes Erscheinungsbild, sind jedoch zum Teil etwas lasierender angelegt. Einzelne Farbflächen zeigen eine gewisse Körnigkeit.

Restaurierungsablauf

Exemplarisch für alle Deckenbilder wurde in Zusammenarbeit mit dem Restaurator folgende Vorgehensweise zur Restaurierung erarbeitet: Vor Beginn der Arbeiten ist als erster Schritt der Aufbau des Deckenquerschnittes festzustellen. Hierbei wird von der Oberseite der dortige Gehbelag im Bildbereich geöffnet werden, um den Unterbau in Augenschein nehmen zu können. Es ist davon auszugehen, dass zumindest im Bereich der stärkeren Rissbildungen, Schäden im Unterbau vorliegen. Diese können sowohl auf Ablösungen der Deckenlattung als auch auf Ablösungen der Putzschicht zurückzuführen sein.

Mittelornament im Längsschiff mit Engelbild.

 

Gelockerter Putzschollen, werden anschließend durch Injizieren von Mörtelmasse in Zwischenräume/Hohlräume und Rissränder wieder angeheftet.

Breitere Risse, werden mit Mörtelmasse mit einseitiger Anheftung an die Rissflanke und Isolierung der Gegenseite mit flüchtigem Bindemittel, geschlossen. Dies betrifft nur das Schließen breitere Risse und Mörtelergänzungen in Ausbruchstellen im Rissrandbereich. Feinere Risse, werden mit einer eingefärbten Leimmasse ausgefüllt (Einbringen mittels Spritze/Kanüle. Die feineren Haarrisse verbleiben, wobei die Grenze im Bereich von zwei Millimetern Rissbreite besteht.

Die Oberfläche wird anschließend gereinigt und mit einer konservierenden Malschicht belegt. Einzelne Malschichtschollen, werden durch punktuelles Fixieren mit geeignetem Fixiermaterial restauriert.

Farbergänzung im Sinne von Retuschen insbesondere im Bereich von Mörtelergänzungen und Risskittungen, beschließen die fachgerechte Restaurierung. Im weiteren Verlauf der Sanierung, werden die Wände im Chor, Hauptschiff und Empore mit reiner weißer Silikatfarbe, hochdiffusionsoffen, gestrichen.

Der Einbau einer neuen Lautsprecheranlage und einer neuen und wirtschaftlichen Beleuchtungsanlage beschließen die Sanierungsmaßnahme vermutlich im Herbst 2012.