25 Jahre „Krone“ – Ein Denkmal erzählt seine Geschichte (Klara Allgeier, Susanne Schneider)

Abb. 1: Aus der 1821 eingerichteten handwerklichen Brauerei des Johann Baptist Schilling wuchs bis 1907 die mit 18 Beschäftigten größte Brauerei des Amtsbezirks Villingen.

 

Ist es nicht typisch für diese schnelllebige Zeit: Da wird man schon mit 25 Jahren zum Denkmal erklärt. Früher trug man dafür mindestens einige hundert Jahre seine Haut zu Markte …

Apropos Haut: Das trifft ja genau auf mich zu: Schließlich hat meine „Außenhaut“, wenn ich mich recht erinnere, mehr als 400 Jahre allen Unbillen standgehalten. Gut, mit einigen kleineren Blessuren vielleicht, aber schließlich zeugen bei Menschen die Falten auch von einem gelebten Leben. Verfolgen wir doch gemeinsam meine Geschichte:

Die erste Zeit unter dem Namen „Krone“ verbrachte ich als Weinstube im Haus des Kamm- Machers Kern (1568) in der Villinger Rosengasse. Weil mein damaliger Wirts-Herr den Bau eines Gewölbekellers plante, zogen wir um zwischen die innere Stadtmauer und die Fülle. Welche herausragende Bedeutung ich für die Villinger Bevölkerung hatte, zeigt die Tatsache, dass man gleich die Straße, an der ich mich niederließ, nach mir benannte: Kronengasse!

Man schrieb das Jahr 1720, das außer meinem Umzug noch ein weiteres bedeutsames Ereignis für die Stadt beinhaltete: Die Dominikanerinnen bekamen zu ihrem Kloster eine Kirche in der Bärengasse. Sie wurde allerdings etwa 100 Jahre später wieder abgebrochen.

Abb. 2: Welcher Anlass die Belegschaft der Kronenbrauerei 1901 zum Erinnerungsphoto bewegte, lässt sich leider nicht mehr feststellen.

 

1821 hat sich der damalige Besitzer der „Krone“, Johann Baptist Schilling, entschlossen, sein eigenes Bier zu brauen. Daraus erwuchs bis 1907 die mit 18 Beschäftigten größte Brauerei im Amtsbezirk Villingen (Abb. 1 und 2).

Anfang 1920 wurde die Brauerei von der Donaueschinger Fürstenberg-Brauerei aufgekauft und stillgelegt. Das bedeutete aber nicht das Ende der Gastwirtschaft „Krone“. Ganz im Gegenteil!

Nicht weniger als sechs verschiedene Pächter übernahmen die sog. „Reale Gastwirtschaft“, wohl weil das auf dem Anwesen ruhende „Realrecht“ zur Beherbergung eine lukrative Einnahme bedeutete.

Die letzte Wirtin (bis 1959), Frau Agathe Nosch, dürfte noch mancher Villinger Bürgerin und manchem Villinger Bürger in Erinnerung sein. Meine Glanzzeit als Gastwirtschaft endete 1960, als ich in den Besitz der Stadt übernommen wurde.

Ich musste mich sehr daran gewöhnen, dass Schüler der nahe gelegenen Bubenschule meine Räumlichkeiten mehr oder weniger sanft benutzten. Einziges „Highlight“, wie man wohl in der heutigen Zeit zu sagen pflegt, war für mich die „machtvolle“ Klavierbegleitung der wöchentlichen Turnstunden durch die damalige Rektorin Paula Straub …

Mit Beginn des Jahres 1987 hat für mich eine ganz neue, wunderbare und gänzlich andere Ära begonnen: Die Baugenossenschaft Familienheim Schwarzwald-Baar-Heuberg eG verhalf der Stadt zu mehr Geld, indem sie mich nach Begleichung von allerhand „Talern“ in ihre Obhut nahm und mit allen Mitteln begann, mein Innerstes nach außen zu kehren. Da war ich doch sehr froh, dass meine inzwischen denkmalgeschützte „Außenhaut“ auch diesen Widrigkeiten trotzte und ich 1988 komplett „runderneuert“ meiner neuen Bestimmung als Heimat für junge Familien und Senioren übergeben werden konnte (Abb. 3).

Das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg hat nach diesem „Lifting“ folgendes festgestellt:

Abb. 3: Aus alt mach neu …

 

„Die Umfassungsmauern als Relikt des stattlichen, biedermeierlichen Gasthauses, welches für die Straße prägend und namensgebend war sowie die Bauteile des klassizistischen Protals, des Rundbogens der Einfahrt sowie des schmiedeeisernen Wirtshausauslegers stellen stadtbaugeschichtlich wie auch heimatkundlich eine aussagefähige Substanz dar und sind daher aus wissenschaftlichen wie auch heimatgeschichtlichen Gründen ein Kulturdenkmal; ihre Erhaltung ist insbesondere wegen ihres dokumentarischen Wertes im Interesse der Öffentlichkeit.“

Und nun sind schon wieder 25 Jahre vergangen. Gemessen an meinem realen Alter ist das zwar geradezu unbedeutend. Aber ich weiß zu schätzen, dass dies für den derzeitigen Besitzer und die Bewohner eine sehr gute Zeit war und sie sich mit und in mir wohlfühlen. So kann hoffentlich noch lange eine interessante Geschichte weiter geschrieben werden.

Abb. 4: Ein „gastliches Haus“ ist die Krone immer noch.