De Bott vu Villinge (Lambert Hermle)

Ich bin de Villinger Bott

Und sag dr nu: „Grüeß Gott“

I druck dr d’Hand und frog wie’s goht,

Halt di nit uf, bis z’Obed spoht;

und wer no ebis bruche ma,

Dem zoag i, wo n er’s kaufe ka.

 

Ich bin de Villinger Bott

und kon Husierer Spott,

vor dem di Sach verschließe moscht,

Der nimmi goht, bis de bigoscht

no bschdellscht, wo gar nit nötig ischt

und au no woascht, daß bschisse bischt.

 

Ich bin de Villinger Bott:

en Krämer wie n er sott;

I guck nit schäps bloß a dr rum

und werf dr au ko Holzbieg um,

nu, well de saischt, de bruchscht ko Ding:

es goht au uhni Schletterling.

 

Ich bin de Villinger Bott

und guck nit wischt und hott.

Verlang en Preis, der ehrli giht,

verkauf defür kon Lumpezieg,

und wer jetzt no im Zweifel ischt,

dem gunn i s, wenn er Krom verwischt.

Gedicht von Josef Liebermann, Bahnarbeiter, Villingen, aus der Zinsergasse 468 (laut Adressbuch von 1902), gefunden von L. Hermle.

Veröffentlicht in „Der Villinger Bott“, Blatt für Wirtschaft, Verkehr und Heimatkunde im Bereich des östlichen Schwarzwaldes, Villingen, Oktober 1928.