Der Johanniterkomtur Dietrich Rollmann von Dattenberg, gest. 1632 (Wilfried Steinhart)

Kirchenrenorvierung der Johanneskirche 1924-26

Dietrich Rollmann von Dattenberg war von 1624 bis 1632 Johanniterkomtur zu Villingen, Trier und Niederwesel. Er war einer der bedeutendsten Komturen in Villingen.

Mitten im 30jährigen Krieg gab er für die Erhaltung und Ausstattung der Kirche 30.000 Gulden. Der Betrag reichte nicht nur für die Kirche und deren Ausstattung, sondern erhöhte sich durch Zinsen bis 1805 auf 35.000 Gulden. Auch war er ein vortrefflicher Verwalter seiner großen Einkünfte, die sowohl aus seinem Familienbesitz als auch aus dem Orden stammten. So hat er die Kirche der Kommende renoviert, sie mit Bildern, Paramenten und einer Orgel neu ausgestattet.

Abb. 1: Dietrich Rollmann von Dattenberg († 1632). Foto: Franziskanermuseum

 

Paul Revellio schreibt über die Kirchenrenovierung 1924– 26 folgendes: „Die beiden Grabsteine Enzbergs und Rollmanns von Dattenberg wurden bei den diesjährigen Bauarbeiten wieder gefunden. Beide Grabsteine sind einander sehr ähnlich und zeigen das kombinierte Ordens- und Familienwappen der beiden Komture, das Enzbergs einen Fingerring mit Stein und das Rollmanns einen Adler. An dem linken Rand sind die kaum noch erkennbaren Ahnenproben verwandter Geschlechter. Beide Platten sind ziemlich abgeschliffen, waren also im Boden eingelassen“ ….

Abb. 2: Deckengemälde mit dem Wappen Rollmann vonDattenbergs.

 

Abb. 3: Grabmal Rollman von Dattenbergs, Größe 1370 x 90 x 25 cm, (Originalaufnahme von Paul Revellio 1926).

 

„Einem der Bestatteten, man möchte am liebsten an den reichen Rollmann denken, hat auch das massiv goldene Ordenskreuz mit weißer Emaileinlage gehört, das in diesem Jahr, als der Boden des Chors in der Mitte aufgegraben wurde, zusammen mit einem Skelett gefunden wurde. Es befindet sich im Besitze der evangelischen Gemeinde“.

Dieses massiv goldene Kreuz gilt seit ca. 35 Jahren, nach einer Leihgabe der ev. Kirchengemeinde an das städtische Museum, auf dubiose Weise als verschollen. Aus schriftlichen Unterlagen ergibt sich, dass das Kreuz 1933/34 von der evangelischen Kirchengemeinde unter Eigentumsvorbehalt den Städtischen Sammlungen zur Verfügung gestellt wurde.

Auch das Rollmann-Grabmal galt als verschollen, wurde aber von mir im VS-Museums-Depot Lantwattenstraße wieder entdeckt.

Ein Ölbild Rollmanns (Abb. 1) von 1630 befindet sich im Franziskaner-Museum in Villingen. In der Johanneskirche ist ein Deckengemälde mit seinem Wappen zu sehen (Adler im Wappen) (Abb. 2).

Abb. 4: Jetziger Zustand des Grabmals in der Johanneskirche.

 

Es wäre möglich, dass das Grabmal des Rollmann von Dattenberg (Abb. 3) von der Nachfolgewerkstatt des Hans Amann angefertigt wurde. Zeitlich ist es wahrscheinlich. Dies kann aber durch den schlechten Zustand des Grabmals nicht mehr festgestellt werden (Abb. 4).

Nach der Renovation wurde das Grabmal vermutlich, wie auf dem Foto (Abb. 3) ersichtlich, an der äußeren Kirchenmauer angebracht. Um es vor weiterem Verfall zu bewahren, gelangte es dann in das Depot des städtischen Museums.

Am 28. September 2012 wurde das Grabmal des Dietrich Rollmann von Dattenberg, der am 26. April 1632 im Alter von 66 Jahren verstorben ist, durch das freundliche Entgegenkommen des städtischen Museums wieder in den Chorraum der Johanneskirche zurückgebracht.

Das zweite 1926 von Paul Revellio erwähnte Grabmal des Enzberg befindet sich laut Auskunft von Museumsleiter Michael Hütt nicht im Villinger Museumsdepot.

Literatur:

Paul Revellio: „Schriften der Baar 1926“, Heft XVI, S. 183–198.

Paul Revellio: Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen, 1964.