Adolf Schleichers letzte Pilgerfahrt (Hermann Colli)

Nachruf auf engagierten Bürger und Geschichtsfreund

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein halbes Jahr vor seinem Tod führte Adolf Schleicher noch eine große Pilgerschar von Villingen aus zur Wallfahrtskirche auf den Dreifaltigkeitsberg. Jetzt hat er selbst seine letzte große Pilgerfahrt angetreten. Er starb im Alter von 75 Jahren. Um ihn trauern neben seiner Frau Helga und den Angehörigen der Familie auch die Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins Villingen.

Er hatte die traditionelle Fußwallfahrt auf Initiative des Geschichts- und Heimatvereins (GHV) vor 19 Jahren wieder ins Leben gerufen und in dieser Zeit hunderte von Fußwanderern über den rund 30 Kilometer langen Nachtmarsch zum Spaichinger Hausberg geführt, wo einem Gelübde von 1763 gemäß, die Villinger alljährlich Dank sagen für Rettung aus einer schweren Viehseuche.

Adolf Schleicher ist ein waschechter Villinger: Hier geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen, begann er eine Lehre bei Binder Magnete. In 44 Jahren arbeitete er sich als Techniker hoch bis zum angesehenen Abteilungsleier mit Handlungsvollmacht. 1994 trat er in den Ruhestand.

Für den umtriebigen Villinger hieß das aber nicht, die Hände in den Schoß legen. Er engagierte sich auf vielen Gebieten für die Allgemeinheit. Ministerpräsident Erwin Teufel zeichnete Schleicher für sein Engagement mit der Landes- Ehrennadel aus.

Er war aktiv in mehreren Vereinen. Als Jugendlicher in der Stadtmusik spielte er Klarinette. Bei Kolping war er aktiv, besonders in der Nikolausaktion. Er war Mitglied im Katholisch Kaufmännischen Verein (KKV). Im Geschichts- und Heimatverein gehörte er viele Jahre dem Beirat an.

Adolf Schleicher an einem Ort seiner Heimatstadt, den er besonders liebte: Vor der Sandsteinplastik „Jakobus krönt zwei Pilger“ im Villinger Münster Unserer Lieben Frau.

Ein Vierteljahrhundert wirkte er im Pfarrgemeinderat von Heilig Kreuz. Dort gründete er die Heilig- Kreuz-Wandergruppe mit der er rund 30 Jahre lang jeden Monat unterwegs war. Dass ein solcher „Berufswanderer“ auch den internationalen Pilgerweg zum Grab des heiligen Jakobus im spanischen Santiago de Compostela unter die Füße nahm, ist fast eine Selbstverständlichkeit.

Bei allen Aktivitäten war seine Kamera dabei, mit der er viele meisterhafte Fotos schoss, die er bei zahlreichen Diavorträgen vorführte.

Bei seiner Beerdigung am 15. November 2010 auf dem Villinger Friedhof würdigte der Erste Vorsitzende des GHV, Günter Rath, vor einer großen Trauergemeinde die Verdienste des Verstorbenen.

„Nichts anderes fällt uns im Leben so schwer, wie das Abschiednehmen von einem lieben Menschen, den wir kennen und schätzen gelernt haben, mit dem wir ein Stück des Lebens gemeinsam gegangen sind,“ sagte der Vorsitzende. „Adolf Schleicher war für den Geschichts- und Heimatverein immer da, wenn dieser ihn gerufen hat. Über 15 Jahre hat er im Beirat des Vereins mitgearbeitet, uns mit seinen Ideen bereichert und mit seiner Tatkraft freundschaftlich und stets loyal unterstützt. Er hat die Fußwallfahrt auf den Dreifaltigkeitsberg angeregt und gemeinsam mit dem Geschichts- und Heimatverein und der Münsterpfarrei wieder ins Leben gerufen. Diese ganzen Jahre hat er sie auch vorbereitet, geleitet und geführt. Als Stadtführer war er einer der ersten, der vielen Menschen die Sehenswürdigkeiten und die Geschichte seiner Heimatstadt Villingen gezeigt und nahe gebracht hat. Seine Erfahrung als Wanderführer war uns bei der Errichtung des Geschichts- und Naturlehrpfads auf Villinger Gemarkung überaus hilfreich“.

Der Geschichts- und Heimatverein nimmt in Trauer Abschied von Adolf Schleicher. Mit Respekt und Liebe verneigen wir uns vor ihm und denken bei aller Trauer auch mit Dankbarkeit daran, dass ihm langes Leiden erspart blieb, so Günter Rath.