Beim Hauck kaufte schon die Oma ein (Marga Schubert)

Traditionsgeschäft am Oberen Tor / Lebendige Familiengeschichte

In der Oberen Straße in Villingen, direkt am Oberen Tor, steht das Haus der Firma Hauck.

 

„Wo isch au d’Katz?“ fragen die Kunden seit Wochen verdutzt, bevor sie sich ihren geplanten Einkäufen im Fachgeschäft Hauck beim Oberen Tor zuwenden. Komische Frage, wenn man eigentlich einen Pulli oder einen Schlafanzug kaufen will. Nun ja, der Kater Ramses war eben der Liebling aller Kunden und fristete ein fröhliches Dasein zwischen Hemden, Schürzen und Unterwäsche. Nun ist er leider im gesegneten Katzen-Alter von 13 Jahren gestorben. Doch das Textil-Fachgeschäft Hauck, Obere Straße 35, in dem der Kater Ramses zum Inventar gehörte, das „lebt“ nun bereits seit fast 80 Jahren und ist auch so lange im Familienbesitz. Werner Hauck führt das Geschäft mit einem derart breiten Angebot, wie es das ansonsten kaum noch so konzentriert gibt, bereits seit 50 Jahren in der dritten Generation.

Es gibt sie also noch, die traditionsreichen Einzelhandelsgeschäfte zwischen all den zahlreichen Filialen der großen Supermärkte und Einkaufszentren. Und sie sind, wie Hauck, unverzichtbar. Denn wie oft hört man den guten Rat von Freunden, wenn man etwas spezielles in der Vielzahl von Geschäften einfach nicht findet:

„Guck doch mal bei Hauck am Oberen Tor“. Denn wo gibt es bitteschön zum Beispiel noch die guten alten Kittelschürzen für die Küchenarbeit, die manch ältere Hausfrau einfach nicht missen will.

 

Oder die Hosenträger für den Opa mit Knöpfen statt mit „dem neumodischen Zeugs“, den Clips, oder Stofftaschentücher, Ärmelhalter, rote Kniebundhosenstrümpfe zum Wandern, Wäscheetiketten mit besticktem Namen, die Schüler im Internat oder Senioren im Altenheim zur Kennzeichnung ihrer Wäsche benötigen. Oder mitten im Sommer Schnurrbart und Zylinder für eine Theateraufführung, oder 40 fastnächtliche Ringelhemden für einen Verein, der seine Mitglieder einheitlich zum Sommerfest damit ausstaffieren will. „Was nicht vorrätig ist, wird besorgt“, lacht Werner Hauck. Er kennt die Hersteller und Vertriebsfirmen, wo er die diversen Wünsche seiner Kunden erfüllen kann.

Doch das gilt natürlich nicht nur für das Raritäten-Kabinett. Denn das Hauptsortiment bei Hauck liegt im Qualitätsangebot für den „Kunden 50 +“, in Markenwaren namhafter Hersteller, von Unterwäsche, Socken, Pullovern, Freizeitkleidung oder Reha-Ausstattung für die Kur für Damen und Herren. Das läuft immer gut, freut sich Werner Hauck und lacht: „Bei mir kaufen halt keine Teenies und Modefreaks“ – wobei das Angebot durchaus alles andere als „altbacken“ gilt, sondern eben für die Altersklasse „50 +“ der Mode angepasst ist.

Und wohl einzigartig im Umkreis und ein wichtiges Standbein des Sortiments ist das Hauck- Angebot an Berufskleidung – und das komplett von der Ausstattung für Köche, Ärzte, medizinisches Fachpersonal in Labors oder Massagepraxen in Weiß, genauso wie Overalls für Müllfahrer und Werkshofmitarbeiter in leuchtendem Orange, oder für Schornsteinfeger die schwarze Dienstkleidung. Nicht zu vergessen den „blauen Anton“ in allen Variationen für alle Arbeitenden und Hobbyhandwerker. Zum Koch gehört natürlich die passende Kochmütze, zum Ober der Geldbeutel zum Kassieren, für Arbeiter selbstverständlich Arbeitsschuhe mit Stahlkappen. Hauck stattet die arbeitenden Menschen komplett aus.

Der gute Rat: „Guck doch mal bei Hauck“ ist meistens erfolgversprechend. Und das auch ganz besonders in der fünften Villinger Jahreszeit, der Fasnacht. Denn da ist Hauck eine Top-Adresse. Werner Hauck selbst war selbstverständlich in jüngeren Jahren, wie es sich für einen alteingesessenen Villinger gehört, im Narro-Häs.

„Natürlich haben wir uns im Laufe der Jahrzehnte den Kundenwünschen angepasst“, meint der Geschäftsmann. Auch bei Hauck geht man bei Bekleidung selbstverständlich in Farbe und Form mit der Mode – nur etwas dezenter – und nur dass es eben die Raritäten vergangener Zeiten als Randsortimente auch noch gibt.

Eine Neuheit, die bei den Kunden sehr gut ankommt: Geschenke aus Frotteetüchern gebastelt. Statt Blumen werden diese kleinen Kunstwerke immer beliebter. Da gibt es Hochzeitstorten mit goldenen Ringen, rosa Schnecken mit Schnuller zur Geburt, Männergeschenke aus Frottee mit einem echten Fläschchen Tannenzäpfle oder Kirschwasser garniert und vieles mehr. Gerne macht die kreative Mitarbeiterin Anita Forkel, die diese Frottee-Geschenke fertigt, auf Wunsch auch Sonderanfertigungen.

Nun ist der Firmeninhaber Werner Hauck zwischenzeitlich selbst 71 Jahre alt, hat keine Nachkommen. „Wenn ich aufhöre, wird das Geschäft vermutlich nicht weiterbestehen“, meint er. Denn ein derartiges Geschäft kann man nur mit viel Herzblut und dem Verzicht auf viel Freizeit führen. Wenigstens hat Werner Hauck, solange seine Eltern noch lebten, seine Chancen genützt und war auf Reisen in der ganzen Welt unterwegs – in Brasilien, Singapur, Peru, Thailand, usw. Davon kann Werner Hauck heute noch zehren und träumen, denn später war das nicht mehr möglich. Doch das Fernweh treibt den 71-Jährigen immer noch um. „Ich will schon noch mal fort“, meint er zuversichtlich.

Familiengeschichte ist auch Stadtgeschichte

Das Haus Obere Straße 35 ist über 250 Jahre alt.

Es wurde zwischen 1750 und 1800 als landwirtschaftliches Anwesen mit Stallungen gebaut. Viel später war hier ein Kolonialwarengeschäft Thoma angesiedelt. Seit 1934 ist das Haus im Hauck’schen Familienbesitz und Emma Hauck, die Großmutter väterlicherseits des heutigen Geschäftsführers Werner Hauck, betrieb ein Kurz- und Wollwarengeschäft.

 

Werner Hauck in seinem Geschäft.

 

Später übernahmen in zweiter Generation Ernst und Frida Hauck das kleine Lädele, das 1967 umgebaut und 1984 wesentlich erweitert wurde. Im Hinterhof wurden Wände durchbrochen und das Gebäude „um die Ecke“, Josefsgasse 2, in dem damals das Hutgeschäft Schweiner eine gute Adresse für Kopfbedeckungen war, mit in die Geschäftsräume von Hauck integriert. Heute ist dieser Teil die Abteilung für Arbeitsbekleidung als wichtiges Standbein im Sortiment. Seit 50 Jahren führt Sohn Werner Hauck das Geschäft, das nicht nur gute Zeiten erlebt hat und in zwei Jahren 80 Jahre alt wird. In Kriegszeiten total ausgeplündert musste Vater Ernst Hauck, um wieder einen Warenbestand zu bekommen, in die Fabriken fahren und alles, was noch aufzutreiben war, einkaufen. Die Menschen hatten nach dem Krieg ja nichts mehr. Erstes Gebot bei Hauck blieb all die Jahrzehnte der Anspruch auf Qualität. Und so entwickelte sich bis Ende der 60er Jahre eine „goldene Zeit“ für Hauck, die großen aufstrebenden Firmen kauften für ihre Mitarbeiter Arbeitskleidung en gros, die Menschen verdienten wieder Geld. Das Geschäft wurde immer mehr den veränderten Einkaufsgewohnheiten der Kunden angepasst.