Villingen – einst und heute (Albert Helmstädter und Lambert Hermle)

Die Vöhrenbacher Straße

Die Vöhrenbacher Straße führt auf kürzestem Weg vom Riettor durch den Neuhäuslewald nach Vöhrenbach.

Baumumsäumt zeigt sie sich an der ehemaligen Gaststätte „Engel“ und auf der linken Straßenseite ab der damaligen Fahrradhandlung „Villing“. Der Gaststätte Engel, beliebt auch als Vereinslokal mit großem Theatersaal (spätere Jahnturnhalle), folgte die Maschinenfabrik „Hollerith“ bis Ende der 1920er Jahre. Hier in dieses Gebäude sollte einst beim Bau der Schwarzwaldbahn der Villinger Bahnhof einziehen, doch man legte den Schienenverlauf links parallel der Brigach an. Geblieben ist im Volksmund aber die Gebietsbezeichnung „Am Westbahnhof „.

 

 

 

 

Die linke Häuserzeile wurde bis zum Holzbau „Flöss“ erneuert. Die ehemals dort befindlichen Wohn- und Geschäftshäuser mussten zunächst dem Neubau der Landeszentralbank-Filiale weichen.

Der Platz „Am Riettor“

Auch diese ist zwischenzeitlich Geschichte, an dieser Stelle wurden attraktive Stadtwohnungen gebaut. Geblieben ist das dominante „Hollerith- Gebäude“, das sehr schön saniert wurde.

Das Bild vom „Säge-Storz“, wie er einst im Volksmund genannt wurde, ist in den 1930er Jahren aufgenommen. In einer Zeit, in der es vor dem Riettor noch ruhiger zuging. Entlang der Schillerstraße plätscherte der Sägebach, darinnen schwammen die Baumstämme vor ihrer Verarbeitung. Danach, vor dem Riettor, befand sich ein Rechen und der Sägebach f loss kanalisiert unterirdisch durch die Stadt wieder der Brigach zu.

1970 musste das Sägewerk dem Neubau eines Kauf hauses, dem „ZK“-Kauf haus, weichen. Der Platz vor dem Riettor hat sich in der Zwischenzeit stark verändert. Der Sägebach ist ab der Schillerstraße von der Oberf läche verschwunden.

Die Straße Benediktinerring wurde dem gewachsenen Fahrzeugverkehr entsprechend angepasst und notwendigerweise dadurch der Sägebach unterirdisch kanalisiert.

Auf dem ehemaligen Sägewerksgelände ist das zunächst errichtete „ZK-Kauf haus“ dem Neubau der Volksbank gewichen. Auf dem Vorplatz ist zwischenzeitlich ein moderner Brunnen errichtet.

Das Riettor und die Tormühle

Das Riettor, das Tor zum Schwarzwald hin, stand oft im Mittelpunkt bei vielen Belagerungen, besonders bei der „Tallard’schen“ Belagerung durch die Franzosen im Jahre 1704 während des spanischen Erbfolgekrieges. Hier kam der Angriff der Belagerungstruppen aber zum Erliegen.

In all den Notzeiten kam der Tormühle im Stadtgraben die wichtige Aufgabe der Versorgung der Bevölkerung mit gemahlenem Korn zu. So sieht man auf dem Bild noch den Radkasten, darin war das Mühlrad, das vom Gewerbekanal, „Sägebach“

genannt, angetrieben wurde. Dieses Wasser diente auch zur Be- und Entwässerung der Stadt in offenen Stadtbächen. Der Zugang zur Stadt war nur durch das Tor möglich, die beiden Seitendurchgänge wurden erst in den 20er Jahren des letzten Jh. gebrochen.

 

 

 

 

Offener und moderner zeigt sich der westliche Innenstadteingang heute. Der Mühlradanbau und der darauf gebaute Erker an der „Vickers-Mühle“ stand dem linken Tordurchbruch im Wege und wurde zwar abgerissen, durch einen Steinrahmen um den Geschäftseingang des heute in dem Haus untergebrachten Cafés aber angedeutet. Durch die reduzierte Bepf lanzung der rechten Torseite ist auch das Markante mittelalterliche Haus mit dem Fußgängerdurchbruch schön zu sehen.

Beim alten Schillerdenkmal

Neben anderen Denk- und Mahnmälern in unseren Ringanlagen stand das Schillerdenkmal vor der westlichen Stadtummauerung. Auf einem Findling-Stein ist der schwäbische Dichter auf einer Plakette abgebildet mit einigen seiner Lebensdaten. Unweit dieses Denkmals war der Schillerplatz am Beginn der Schillerstraße.

Hinter dem Stein ist die Stadtmauer mit der Keferburg zu sehen, wohl das älteste Gebäude der Innenstadt. Gegenüber der Keferburg an der Kanzleigasse die Jahnturnhalle, wie sie bei ihrer Erbauung hieß, die später dann die städtische Turnhalle war. Dahinter der schmucke barocke Kirchturm der Benediktinerkirche, ein Werk von Michael Thumb. Schöne Blumenbeete waren schon damals eine weitere Zierde unserer Ringanlagen.

Das ursprüngliche Schillerdenkmal ist heute nicht mehr zu finden. Geblieben ist die Stadtmauer, die Keferburg und die Benediktinerkirche. Die städtische Turnhalle wurde hier abgerissen und durch einen Neubau am Ende der Schulgasse ersetzt.

Am Platz der früheren städtischen Turnhalle wurde durch die Münsterpfarrei das Münstergemeindezentrum mit großem Saal und mit weiteren Versammlungs- und Gymnastikräumen errichtet, ergänzt durch einen Kindergarten.

Geblieben, aber neu gestaltet, wurden die Ringanlagen und mit einem kleinen Kinderspielplatz versehen. Der frühere Findlingsstein mit dem Portrait Friedrich von Schillers wurde durch ein kleineres Steindenkmal ersetzt.

Die Rietstraße

Die Rietstraße ist die westliche Hauptstraße des Achsenkreuzes, die mit dem Riettor und den beiden seitlich f lankierenden Wohngebäuden abschließt. Bei der Einmündung zur Färberstraße sieht man als Eckhaus die ehemalige Metzgerei „Ermler“. Auf der rechten Seite beherrschen in der östlichen Hälfte das ehemalige „Spital“ des 18. Jh. und die anschließenden Fassaden der Stadtapotheke und des ehemaligen Gasthauses „Falken“ das Straßenbild. Von dem Balkon der Stadtapotheke wurde im Jahre 1848 vor mehreren tausend Bürgern die „Badische Revolution“ ausgerufen.

 

 

 

 

 

Die Partie vom Antoniuskeller bis zum Riettor ist die besterhaltene geschlossene Häusergruppe in der Stadt. Sie stammt überwiegend aus der Zeit des 16. und 17. Jahrhundert. Mit dem gegenüberliegenden Haus aus dem 17. Jh. (heute „Osianderhaus“, nach dem Bürgermeister Heinrich Osiander benannt)

und dem Franziskanerplatz (ehem. Klosterfriedhof ) ist hier eine fast vollständige Bebauung mit dem Riettor erhalten.

In dem Eckhaus der früheren Metzgerei Ermler (gelbes Haus links) war nach der Metzgerei zunächst ein Kauf haus (Tengelmann) untergebracht. Heute befindet sich darin eine Filiale des Bettenhauses Gebers.

Im Gebäude des ehemaligen „Spitals“ ist im vorderen Teil das Bekleidungsgeschäft Broghammer und die Osiandersche Buchhandlung untergebracht. Im hinteren Teil befinden sich noch einige Büros der Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen.

Partie beim Bertholddenkmal

Berthold, der Stadt-Gründer

Zur 100-jährigen Zugehörigkeit zum Großherzogtum Baden wurde diese Figur 1906 vom Bildhauer Josef Ummenhofer geschaffen.

 

 

 

 

Sie wurde damals in einem Steingarten an der Bertholdstraße aufgestellt. Im Hintergrund das ehemalige Finanzamt um die Jahrhundertwende, später das Gesundheitsamt. Auf der Südseite des Gebäudes ist an der Balkonbrüstung das Villinger Stadtwappen von 1530 und das österreichische Bindeschild, geschaffen von Steinmetz Sieber, zu sehen.

Links ist das Bezirksstrafgericht (heute Amtsgericht) zu sehen, dessen Grundstein 1847 gelegt wurde.

Die Bertholdstraße musste – dem Verkehr der neuen Zeit gemäß – inzwischen auf 4 Fahrspuren verbreitert werden. Damit Fußgänger gefahrlos auf die andere Straßenseite gelangen können, wurde eine Fußgänger-Unterführung gebaut.

Durch diese Maßnahmen musste das Denkmal des Stadt-Gründers weiter zurückgesetzt werden und ist heute – fast etwas versteckt – unter alten Bäumen der Ringanlagen zu finden. Die beiden prägnanten Gebäude – Amtsgericht Villingen und heute die Commerzbank-Filiale (ehemaliges Finanzamt – Gesundheitsamt) wurden saniert und prägen den südlichen Stadteingang.

Die Luisenbrücke

Welcher hiesige Autofahrer kennt sie nicht, die Luisenbrücke, die derzeit wieder dem starken Verkehr gerecht werden soll und saniert werden muss. Die Brücke ist benannt nach Luise, der Großherzogswitwe von Baden. Die prachtvollen Häuser an der Straße am linken Brigachufer wurden in den 1920er Jahren gebaut und zum Teil bei einem Luftangriff auf das Bahnhofsviertel zerstört oder beschädigt. Wie auch die beiden Brücken, die die Bahnlinie überquerten, hatte die Luisenbrücke Stahlbögen, die durch ganz mutige Kinder und Jugendliche bestiegen wurden um statt auf der Straße in „luftiger Höhe“ die Brigach zu überqueren.

Der Straßenverkehr führte damals über die Gerwigstraße an der Gaststätte „Drehscheibe“ vorbei ostwärts zur Bahnhofstraße und weiter über die damalige B33 südöstlich in Richtung Donaueschingen. Auf der Ansichtskarte ist das rechte stilvolle Haus, die ehemalige „Badische Uhrenfabrik Schwarzwald“, zu sehen.

Und dass sich die jungen Burschen nicht „wasserscheu“. zeigen und ein erfrischendes Bad in der Brigach nehmen, ist deutlich ersichtlich.

Die starken und breiten Rundbogenträger sind einem einfachen Geländer gewichen. Deutlich zu sehen ist auch, dass die Brücke auf 4 Fahrspuren verbreitert werden musste, um dem heutigen Fahrzeugverkehr gewachsen zu sein.

Die beiden dominierenden Häuser – die ehemalige Badische Uhrenfabrik und das linke Geschäftshaus, das heute die Autovermietung Sixt beherbergt – wurden ebenfalls saniert und tragen zum beeindruckenden Stadtbild der Süd-Ein- und Aus- fahrt Villingens bei.

Die Bertholdstraße wurde verlängert und führt heute 4-spurig geradewegs über die neu errichtete Eisenbahnüberführung in Richtung heutige B33.

 

 

 

 

Aktuell wird die Brücke generalsaniert, da in den Spannbetondecken Risse entstanden sind.