Der Villinger Komtur Franz von Sonnenberg – und der Johanniterorden (Wilfried Steinhart)

Erinnerungen an einen bedeutenden Mann

Wappenstein 1671 mit dem persönlichen Wappen des Franz von Sonnenberg, der laut schriftlicher Mitteilung von Stadtarchivar Fuchs an den Oberbürgermeister aus dem Museum des alten Rathauses im Jahr 1983 in die Johanniskirche an der Gerberstraße gelangte und dort im Chor einen neuen Platz fand.

 

Der Johanniter- oder Malteserorden führt seinen Ursprung auf das gegen Ende des 6. Jahrhunderts gegründete Pilgerspital und Hospiz in Jerusalem zurück. Die Sarazenen zerstörten das Hospiz mehrmals. Karl der Große stellte diese wohltätige Einrichtung wieder her. Im Jahre 1048 gelang es italienischen Kauf leuten in der Nähe der Kirche des Heiligen Grabes Grund und Boden als Eigentum zu erwerben. Hier bauten sie vorerst zwei Kapellen und zwei Hospitäler und weihten sie dem hl. Johannes. In diesen Herbergen erhielten die Pilger Ruhe, Pf lege, ärztlichen Beistand und Ausrüstung für die Heimkehr ins Vaterland. Viele fromme Christen zogen es indessen vor, ihr Leben fortan der Krankenpf lege zu weihen und an dem Orte zu sterben, wo auch Gott gestorben war. Mit unablässiger Sorgfalt versahen sie den Dienst an den Leidenden. Da die Kapellen, wie erwähnt, dem heiligen Johannes geweiht waren, nannten sich die Mitglieder dieser Einrichtung Johanniter oder Hospitaliter. Das bescheidene Hospital, das anfänglich unter der Leitung der Benediktiner stand, entwickelte sich allmählich zu einer Bruderschaft christlicher Krankenpf leger.

Bei der Eroberung Jerusalems durch die Christen (1097) ließen sich mehrere junge Edelleute aus den vornehmsten Häusern Europas von der Idee des Hospitals begeistern und traten der Bruderschaft bei. Der damalige Vorsteher des Hospitals St. Johannis bildete nun eine Johannis-Bruderschaft, der er eine feste Ordensregel und Ordenstracht vorschrieb, die schon bald durch ein achteckiges Kreuz gekennzeichnet wurde. Der Johanniter- Orden war entstanden.

Er ist als letzter Ritterorden bis heute in ordensähnlichen Zusammenschlüssen mit einem evangelischen (die Johanniter) und einem katholischen Zweig (die Malteser) erhalten geblieben.

Zahlreiche Johanniter griffen auch zum Schwert, ohne dadurch ihrem Gelübde untreu zu werden. Im Kampf eroberten die aus Palästina (dem hl. Land) vertriebenen Johanniter 1309 die Mittelmeerinsel Rhodos, was ihnen Ruhm einbrachte. Im Jahre 1522 unterlagen sie allerdings in der Seeschlacht von Rhodos den osmanischen Türken und mussten ihren kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Hauptsitz Rhodos an die Osmanen abtreten.

Karl der V. überlies 1530 den Johannitern dann die Insel Malta (deswegen der Name Malteser) als Lehen. Bis 1798 konnten sie Malta behaupten, dann nahm Napoleon Bonaparte die Insel ein.

Adelsbrief der Herren von Sonnenberg, am 23. Juli 1666 vom römisch-deutschen Kaiser, dem Habsburger Leopold I., ausgestellt.

 

 

Durch seine siegreichen Kämpfe im Orient berühmt geworden, verbreitete sich der Orden rasch über alle Länder Europas. Kreuzfahrer und Jerusalempilger lernten die wohltätigen Einrichtungen des Ordens kennen und gründeten aus Dankbarkeit und Sympathie solche Institutionen auch in der Schweiz und Deutschland.

Die Ordensmitglieder waren in drei Klassen unterteilt, in Ritter, Ordenspriester und Brüder. Die Ritter und die Brüder versahen den Kriegsdienst, die Priester den Gottesdienst und die Seelsorge. Alle drei Klassen widmeten sich je nach Bedürfnis der Krankenpf lege und dem Armenwesen. Die Ritter teilten sich in Rechts- und Ehrenritter. Die Rechtsritter mussten aus altem, tadellosem Adel herstammen, währen die Ehrenritter auch aus ungleichen Ehen stammen konnten. Im Kampf trugen die Ritter als Unterscheidungsmerkmal von den Brüdern einen roten Waffenrock mit dem weißen Kreuz, das über Brust und Rücken reichte, das Abzeichen der Kreuzfahrer.

Familie Sonnenberg

Die adlige Familie von Sonnenberg ist Luzernischen Ursprungs und führt ihren Namen vom Flurnamen „Sonnenberg“ bei Luzern her. Die Familie besitzt zwei Adelsbriefe. Den ersten stellte am 12. August 1488 König Mathias von Ungarn an die Gebrüder Sonnenberg aus. Das Adelsdiplom enthält die Wappenverleihung. Ein weiteres Adelsdiplom verlieh Kaiser Leopold I., der Habsburger, wie eingangs erwähnt, am 23. Juli 1666 den berühmten Gliedern der Familie, Franz und Eustach von Sonnenberg. Seit diesem Adelsdiplom schreibt sich die Familie konsequent mit „von“ Sonnenberg.

Franz von Sonnenberg

Obwohl die Karriere Franz von Sonnenbergs außergewöhnlich war, ist seine Biografie dennoch beispielhaft für das Leben im Johanniter- oder Malteserorden. Der Nachkomme aus dem angesehenen Luzerner Bürgergeschlecht diente erst in einem eidgenössischen Garderegiment in Frankreich, ab 1625 in der Kompanie Göldlin und war 1627 bereits Fähnrich. Im Jahre 1630 trat er mit 22 Jahren dem Johanniter – sprich Malteserorden bei. Der frühe Beitritt war wichtig, denn bei Beförderungen spielte die Rangfolge, die sich aufgrund des Dienstalters ergibt, eine wichtige Rolle.

Franz von Sonnenberg (1608-1682), Öl auf Leinwand, 1662 Privatbesitz in Zürich.

 

Die Aufnahme in den Orden war eine kostspielige Angelegenheit. Die Grundgebühr betrug 393 Gulden, und fast ebenso teuer war die Prüfung der Adelsprobe, dazu kamen weiterer kleinere Beträge. Die Gesamtsumme betrug ca. 900 Gulden, was gut sieben Jahresgehältern eines Luzerner Söldners entsprach.

Mit der Ahnenprobe „more germanico“ und dem Adelsbrief des Kaisers Leopolds I. besaß Franz von Sonnenberg zwei wichtige Beweismittel, um die deutschen Ritter von seiner adligen Abstammung zu überzeugen. Zur Aufnahme gehörte der Nachweis „wahren und angestammten Adels“. Er musste also nachweisen, dass er väterlicher- und mütterlicherseits in legitimer Ehe von adligen Eltern, Großeltern und Urgroßeltern abstamme (more helvetico). 1634 bewies er seine adlige Abstammung mit 16 Ahnen, um sich von den deutschen Rittern in nichts mehr zu unterscheiden. Es standen ihm somit alle Würden und Ämter des Ordens offen.

Nach der Annahme seiner Ahnenprobe begab sich Franz von Sonnenberg vorerst als Leutnant nach Frankreich, wo er wichtige Beziehungen knüpfte. Unter anderem gewann er das Vertrauen des französischen Königs Ludwig XIII.

 

Im Jahr 1634 rief der Großmeister alle Ordensritter nach Malta, so reiste auch der Ritter von Sonnenberg mit einem Begleitschreiben des Königs von Frankreich, nach Malta.

Auf zahlreichen Schiffspatroullien, sogenannten „Karavanen“, eignete er sich das Kriegshandwerk auf Hoher See an. In seinem Tagebuch hielt er u.a. über die Zeit vom 7. Juni bis 13. August 1641 folgendes fest: „Während der über zwei Monate dauernden Fahrt verfolgten die Karavanen im Durchschnitt jeden dritten Tag eine fremde Schiffsflotte. Am östlichsten Punkt ihrer Reise an der türkischen Küste nahmen sie 200 Türken und Juden gefangen, die sie in Italien als Rudersklaven verkauften“.

Für ihre Verdienste am Ordenshauptsitz erhielten die Malteserritter (Johanniter) Niederlassungen in der Nähe ihrer Heimat. Franz von Sonnenberg bekam die Kommenden Villingen, Wietersheim, Leuggern-Klingau, Hohenrain-Reiden, Regensburg, Altmühlmünster und Münchenbuchsee zur Verwaltung. Die Geschichte der einzelnen Kommenden ist die Geschichte ihrer Vorsteher. Die Kommende Villingen unterstand ihm von 1639 – 1682. Er hielt sich aber bis 1656 in Malta oder auf den Ordensgaleeren auf. In dieser Zeit residierte er auch verschiedentlich in Villingen. Da er die Menschen vor allem in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges vor Not und Elend beschützt hatte, achtete man ihn sehr.

Franz von Sonnenberg vermachte Villingen auch Stiftungen, von denen einige bekannt sind: Der rechte Nebenaltar, der Bickenkapelle, der dem hl. Carolus Boromäus geweiht war, wurde 1671 laut Inschrift und Wappen gestiftet auf Kosten des Franz von Sonnenberg, Johanniterkomturs zu Villingen, Leugern, Klingau, Hohenrain und Rieden 1671. Dies ist vermutlich der ursprüngliche Ort des Wappensteins 50 x 74 cm von 1671. Er befindet sich seit 1983 in der Johanneskirche.

Am 14. April 1682 ernannten der damalige Großmeister und der Ordenskonvent in Malta Franz von Sonnenberg zum Nachfolger des Kardinals Friederich von Hessen als Oberster Meister in Deutschen Landen (Großprior). Dadurch unterstanden ihm auch die Kommenden Bubikon,

Heitersheim, Maastrich, Köln, Heimbach und Freiburg i. B.. Mit der Würde des Großpriors verbunden war der Titel eines deutschen Reichsfürsten. Zu seiner Ernennung als Großprior von Deutschland sandten ihm die Villingerischen Bürger bzw. die dörf lichen Untertanen ein Gratulationsschreiben:

„Hochwürden Gnädig Gebietender Fürst und Herr, Unser unterthänig und gehorsamst verpflichtete Schuldigkeit hat uns schon längst ermahnet, eine arme Congratulation oder Glückwünschung zu Dero Hochfürstlichen Würden vermittelst Göttlicher Vorsichtigkeit und Dero höchsten Meriten, zwar etwas schwährmühtiges unseres Theils entraubter etlich und vierzig Jahren Gnädigst gebietenden Herrn vorzunehmen, so aber dies Aufschub halber die Ursach, dass sich besser gezimmen wollen, wissend, dass die nachgesetzte unserer großgünstigste Obrigkeit als der Wohl Edel Beste und Hochgelehrte Herr Johann Hieronymus Schöttlin als Verwalter zu Dero Hochfürstlichen Gnaden zu verreisen gewillet, dieses wenige Glückwünschungsschreiben ohnbeschwert mitzugeben, … wol erkennend die grosse Gnaden und Erhaltung unserer Burgerschaft …6. Juli 1682 Dierheimb, Weigheimb, Oberesbach, Neuenhausen.“

Doch schon im gleichen Jahr, am 10. Oktober, starb Franz von Sonnenberg.

In der Johanniskirche in Villingen befindet sich im Chorraum, wie eingangs abgebildet, ein Johanniter-Wappenstein, auf diesem befindet sich innerhalb des Johanniterkreuz ein Allianzwappen. Der Wappenstein, 50 x 74 cm, trägt die Jahreszahl 1671. Dasselbe Wappen in dieser Art ist erstmals auf dem Adelsbrief für die Herren von Sonnenberg abgebildet. Der Adelsbrief wurde am 23. Juli 1666, wie erwähnt, von Kaiser Leopold dem I., dem Habsburger auf Pergament ausgestellt und umfasst 12 Blätter in Buchform, Einband in Samt.

Literatur bzw. Quellen:

„Franz von Sonnenberg“ Ritter, Komtur, Reichsfürst und Großprior von Deutschland im Malteserorden 1608 – 1682, von Franz Peter; Universitätsverlag Freiburg/Schweiz 1977.

„Museumsführer“ des Ritterhaus in Bubikon/Schweiz .

Wikipedia: „Wietersheim“ Die Schlossanlage wurde im Jahr 1323 errichtet und Jahrhundertelang als Rittergut und Kommende des Johanniterordens genutzt.

Kunstdenkmäler des Großherzogtum Baden, zweiter Band, Seite 822, von Dr. Franz Xaver Kraus 1890.