Villinger pilgern auf den Dreifaltigkeitsberg (Martin Disch)

Seit 20 Jahren wieder Fußwallfahrten /1765 Gelübde abgelegt

Ausschnitt aus dem Motivbild in der Kirche auf dem Dreifaltigkeitsberg.

 

Es ist schon eine lange Tradition auf die man zurückblicken kann, wenn am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag (erster Sonntag nach Pfingsten) die Villinger ein Gelübde einhalten, das auf das Jahr 1765 zurückgeht. Die Wallfahrt auf den Dreifaltigkeitsberg oberhalb Spaichingens ist in all diesen Jahren nie eingeschlafen. Im kommenden Jahr kann das 250jährige Jubiläum gefeiert werden. Es gab immer wieder Menschen, die sich auf den Weg machten und nicht nur in den letzten Jahren, als es „in“ wurde zu pilgern, wie man es auf dem Jakobusweg sehen kann.

Das verstorbene Ehrenmitglied des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, Adolf Schleicher, hat vor 20 Jahren die Fußwallfahrt auf den Berg wieder belebt. Bis zu 30 Personen treffen sich dabei nachts um 2 Uhr am Bickenkreuz, wo sie den Pilgersegen erhalten. Bei Wind, Kälte und manchmal auch bei Regen, machen sie sich auf Schusters Rappen auf die 33,5 Kilometer lange Strecke.

Der Weg führt über das Schwenninger Moos nach Weigheim, wo meistens der Sonnenaufgang zu bewundern ist. Danach geht es über Schura nach Spaichingen. Es gab Jahre, da wurde die Pilgergruppe auch vom ehemaligen Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel und dessen Gattin, die in Spaichingen leben, zu einem Frühstück eingeladen, ehe der mühevolle Weg hinauf auf den 1000 Meter hohen Hausberg in Angriff genommen wurde. Von Spaichingen führt ein Kreuzweg direkt zur Bergkirche. Der selige Rupert Mayer (1876 – 1945) ging ihn viele Male in seiner Zeit als Vikar in Spaichingen. Einzelne Stationen in Form kleiner Kapellen laden ein zum Halt und zur Meditation. Mehrere Kapellen enthalten eindrucksvolle großformatige Wandbilder des Leutkircher Malers Alfred Vollmar aus der Zeit von 1951 bis 1954.

Jedem, der an der Wallfahrtskirche angekommen ist und aufatmend um sich blickt, legt sich fast unwillkürlich ein Lobgesang auf die Lippen, denn wer diese Albhöhe erklommen hat, dem bietet sich ein großartiges Panorama, eine atemberaubende Fernsicht. Nach Westen hin überblickt man den Schwarzwald. Nach Süden steigen bei günstiger Wetterlage am Horizont die fernen Riesen der Alpengipfel auf, während nach Osten hin sich die stillen Wälder und Täler des Heubergs ausbreiten. Die Pilgerwanderung von Villingen auf den Dreifaltigkeitsberg geht auf das Jahr 1765 zurück, als in Villingen eine schwere Viehseuche drohte. Aus Dankbarkeit, dass die Seuche doch glimpf lich abging, trugen Villinger Bürger in jenen Zeiten ein Votivbild auf den Dreifaltigkeitsberg. Es zeigt die Krönung Mariens durch die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Maria ist bekanntlich die Schutzpatronin der Stadt Villingen. Im unteren Drittel des Bildes, vor dem Gebirge (Schwarzwald), die Stadt, weidende Kühe und eine Gruppe betender Menschen. Voran ein Priester gefolgt von Ratsherren und wohl herausragenden Stiftern. Eine Inschrift auf dem Bild, das während des Jahres auf der Empore an der Wand hängt und immer am Montag nach Trinitatis im Chorraum während des Pilgeramtes aufgestellt wird, trägt folgenden Wortlaut:

„Als ein Zeichen innigster Dankbarkeit gegen die Allerheiligste Dreifaltigkeit hat eine gesamte Bürgerschaft der Kaiserlich vorderösterreichischen Stadt Villingen wegen crasierender Viehsuchts diese tafel verlobt 1765.“

1983 wurde dieses Bild im Auftrag der Münstergemeinde restauriert.

Legende von verlorener Schafherde

Die Wallfahrtskirche auf den Dreifaltigkeitsberg hat eine wechselvolle Geschichte. Eine Legende erzählt von einer Begebenheit aus dem 14. Jahrhundert. Ein Hirtenjunge hatte seine Schafherde verloren und auf der verzweifelten Suche schwor er, der Heiligsten Dreifaltigkeit einen Bildstock zu schnitzen, wenn er sie nur wiederfinden würde. Und das Wunder geschah. Als er einen Platz für seine geplante Schnitzerei suchte, passierte ein zweites Wunder: er fand einen bereits fertigen Bildstock, den er nur noch reinigen musste.

Darauf hin baute er eine kleine Kapelle auf dem Berg. Aus dieser Kapelle ist im Laufe von fast 700 Jahren eine große Kirche geworden, die das ganze Jahr über Pilger und Touristen anzieht. 1415 weihte Bischof Konrad von Konstanz die erste Steinkapelle und benannte sie nach der heiligsten Dreieinigkeit. Seit 1924 widmen sich die Patres der Claretiner, genannt nach ihrem Gründer Claret, der Glaubensverbreitung und der Wallfahrtsseelsorge. Vor einigen Jahren wurde eine dreijährige Renovierungszeit abgeschlossen.