… mit Stolz und Würde der Katzenmusik Zierde … (D. Schaaf)

Die Katzenmusik Villingen im Wandel der Zeit

Wenn man sich heute den Umzug der Katzenmusik am Fasnet-Mentig-Morge als Zuschauer betrachtet, ist es kaum noch vorstellbar, dass sich der Verein aus heimkehrenden Soldaten aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 gegründet hat.

Sie als Soldaten hatten die Welt gesehen und waren durch dick und dünn gegangen. Jetzt galt es, die Erlebnisse, auf die Fasnet bezogen, in den kleinen heimischen Bereich umzusetzen. Spiel, Spaß an der Freud und vieles mehr waren dominierend; ebenso nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, also nach den Zeiten der Entbehrungen. Nach den durchgemachten Strapazen hatten die Heimkehrer einfach den Wunsch, die Welt mal anders zu sehen und zu erleben.

Maler der Meier’schen Uhrenschildmalerei waren 1872 die ersten Katzenmusiker. Sie zogen musizierend und singend durch das Städtle. Zogen von Wirtshaus zu Wirtshaus. Wie nicht anders zu erwarten, schloss sich den Musikanten schnell die Jugend an. Nach ihrem ersten Auftreten vereinigten sie sich mit ihren Freunden zu einer Musikkapelle. Die Proben hielten sie in der eigenen Werkstatt, der Meier’schen Uhrenschild-Malerei gegenüber der Tonhalle, ab. Der Volksmund gab diesem Zusammenschluss den Namen „Langsche Kapelle“, da der Dirigent Lang hieß.

Die neue Jugendfigur der Katzenmusik de Katzerolli Bild: Foto Singer

Die Kapelle spielte aber nicht nur an Fasnet sondern auch bei Hochzeiten und gelegentlichen Tänzen, wie an Pfingsten und zur Kirchweih. Zu dieser Zeit entstanden auch die „Hutata Tänze“, welche als Abschluss auf dem Marktplatz stattfanden und der noch heutig gültige Katzenmusikmarsch.

In den Folgejahren zog die Lang’sche Kapelle in den frühen Morgenstunden des Fasnet-Mentig mit umgedrehten Kitteln, Frauenröcken, gefärbten und geschwärzten Gesichtern, selbstgefertigten Larven, Frauenhüten und Kappen, ja mit allen erdenklichen närrischen Kopf bedeckungen und Attributen in die närrische Stadt. Als Stammlokal diente die Wirtschaft „Zum Ochsenfuß“ in der Berholdstraße. Dadurch wurde man dem Wunsch vieler, auch an den hohen Tagen einmal etwas zu gelten, gerecht. Schließlich wollte seit Jahren auch der kleine Mann an den Freuden der Fasnet teilnehmen. Der Narro im Mittelpunkt des Treibens stehend, konnte schon aus Kostengründen nur aus gut betuchten Kreisen kommen.

So zog also dieser bunte närrische Haufen schon vor dem Morgengrauen am Fasnet-Mentig, durch Erzeugen eines „Mords-Spektakels“ unter Zuhilfenahme von allerlei Lärminstrumenten wie Blechbüchsen, Kochhafendeckel, Blechtrommeln und vielem mehr zum Wecken in die Stadt.

Am folgenden Umzug nahmen dann immer mehr Gruppen teil, die die örtlichen und persönlichen Begebenheiten in satirisch-scherzhafter aber humorvoller Weise, auch vor den Häusern der Betroffenen, glossierten.

An der Spitze dieser Vereinigung standen Ende der 1870er Jahre hauptsächlich zwei Männer, welche die Sache dirigierten: es waren dies Müller Rudolf, Uhrmacher und Breig Gottfried, Eisendreher; zu ihnen gesellte sich zu Mitte der 1880er Jahre noch ein biederer Schreiner, Christian Wolber, der stadtbekannt wurde durch seine vielen, von ihm verfassten Gedichte. Mehrere Jahre war er auch Herausgeber einer etwas phantastisch ausgestalteten Fasnachtszeitung.

Diese Vereinigung, schon 1882 als Katzenmusik fest etabliert, erhielt bereits 15 Jahre nach Ihrem Bestehen von Jungfrauen und Frauen der Stadt eine Fahne gestiftet. Von da an wurde der Umzug von einem Tambour-Major angeführt. Trommler und Pfeifer sowie die „Kuner’sche Kapelle“ folgten. Der Zug bewegte sich durch die Straßen und Gassen, wobei zwischendurch ausreichend Einkehr gehalten wurde. Der Abschluss erfolgte jeweils zur Mittagszeit auf dem Marktplatz, der sogenannte und noch heute gültige Schlussappell.

Der Katzesome in den 30ernUm die Entwicklung haben sich in den ersten Jahrzehnten besonders der Hohlmurer mit Beinamen „Ebenhe“, der Maler Julius Oberle, der untere Herter Mauch, Uhrmacher Rudolf Müller, der viele Jahre als Generalfeldmarschall voranritt, Schildmaler Albert Bode, Metzger Emil Neininger, genannt „Wurster Emil“, Schildmaler Gottfried Breig, Schneckenwirt und Schreiner Christian Wolber als „Hobeloffizier“, wie er sich selbst nannte, verdient gemacht.

Gegen Ende des Jahrhunderts nahm sich der „Fröhlichkeitsverein“ der Leitung der Katzenmusik an. Dieser hatte in der Wirtschaft „Bad“, Rietgasse 5, sein Stammlokal.

Von diesem bekam die Katzenmusik im Jahre 1900 eine neue Fahne gestiftet. Doch dieser Zusammenschluss hielt nicht lange und so stelltensich die Katzen wieder auf eigene Beine.

Unter Führung von Schuhmachermeister Christian Kleinhans wurden die Vorbereitungen für die Umzüge getroffen und ein Ausschuss gebildet. Dieser traf sich mit den Zugteilnehmern an den drei der Fasnet vorangehenden Sonntagen. Auch diesem Brauch ist sich der heutige Katzenmusikverein treu geblieben.

Um die Organisation des Umzuges machte sich in den Jahren vor 1914 Norbert Mauch besonders verdient. Anfänglich marschierte er als Tambour Major voraus, und später ritt er als Generalfeldmarschall an der Spitze. Damals war der anführende Generalfeldmarschall nicht gleichzeitig 1.

Vorstand. Von Jahr zu Jahr wurde neu gewählt.

Die Kriegsjahre hinterließen auch bei den Katzenmusikern Spuren. Sieben verdiente Katzenmusiker kamen aus dem Krieg 1914 – 1918 nicht mehr zurück.

Auf Anregung eines um die Jahreswende 1919/1920 gebildeten Ausschusses, bestehend aus Norbert Mauch, August Marinoni, Andreas Heizmann, Johann Baptist Mauch, Wilhelm Axtmann, August Axtmann, Karl Seemann und dem „Rindviehkarle“ Karl Rinderspacher, fand die erste Versammlung am Sonntag, den 1. Februar 1920 im damaligen Gasthaus „Zur Schnecke“ in der Niederen Straße 13 statt.

Die Teilnehmer waren sich einig, die Katzenmusik wieder auf leben zu lassen und zwar mit dem offiziellen Beinamen „Miau“. In dieser Versammlung schuf man die Vereinssatzung.

Die Vorstandschaft in den 20er Jahren

 

1947 erfuhr die Satzung eine Änderung. Nach dem politischen Zusammenbruch und der erfolgten Besatzung im Jahre 1945 galten sämtliche Vereine, selbst die Feuerwehr, als aufgelöst. So musste sich der Verein neu bilden.

In dieser Satzung wurde nun auch der Zusammenschluss des Generalfeldmarschalls und des ersten Vorstandes festgelegt. Ihm zur Seite stellte man zwei Stellvertreter.

Seit 1920 hatte die Katzenmusik 10 Generäle:

Norbert Mauch             1920 – 1922

Wilhelm Heinzmann   1922 – 1927

August Marinoni          1927 – 1935

Ludwig Rapp                  1935 – 1952

Hermann Ummenhofer 1952 – 1968

Karl Strittmatter            1968 – 1972

Heinz Glunz                    1972 – 1980

Alfons Moser                   1980 – 1991

Heinz Gabriel                 1991 – 2005

Heinz Klingele                2005 – 2013

Seit Hermann Ummenhofer 1952 General wurde, reitet der Generalfeldmarschall nicht mehr an den Umzügen voraus, sondern hat hierfür einen Umzugswagen für sich und seine beiden Vertreter bekommen. Interessant ist auch die Tatsache, dass es von 1952 – 1966 erstmals und letztmals eine „Katzemotter“ gegeben hat, der Jägerhauswirtin Maria Zschoche.

1953 schuf sich der Verein seine Symbolfigur, den „Kater Miau“. Angelehnt an den gezeichneten Zeitungskopf der eigenen Katzenmusikzeitung von Karl Kaiser führt der schwarze Kater, der sein Domizil im Romäusturm hat, seither die Umzüge an. Seither befreien die Katzen ihren Kater jedes Jahr am Fasnet-Sunntig zusammen mit den Rietvögeln aus dem Turm.

Der Verein hat sich seit seiner Gründung stetig weiterentwickelt. Den anfänglichen Musikgruppen schlossen sich immer mehr Fuß- und Wagengruppen an. Wurden die Umzugswagen anfangs noch von Ochsen gezogen und mit einfachsten Mitteln dekoriert, so sind es heute teilweise Tieflader, die mit großen Traktoren durch die Stadt fahren. Für den aufwendigen Wagenbau bekam man 1972/1973 eine Wagenhalle am unteren Dammweg. Hier entstehen in monatelanger Arbeit jedes Jahr aufs neue Motivwagen und auch die Ballkulissen durch viele fleißige Hände.

Seit 1924 bietet man den Mitgliedern eine Fasnetunterhaltung in Form eines Balles. In den ersten Jahren reichte noch der Saal des „Löwen“, dann brauchte man schon bald das „Waldschlössle“. Auch dieses wurde bald zu klein und wurde 1962 durch die alte Tonhalle ersetzt. Nun fand der Ball auch an zwei Abenden statt.

Die Bälle steigerten sich von Jahr zu Jahr in ihrer Beliebtheit. Glanzvolle Bälle wurden unter der Regie von Werner Jörres, Walther Rieger, Alfons Moser, Eberhardt Zimmermann, Andreas Erdel und Thomas Moser auf die alten Bretter der Tonhalle gezaubert.

Seit dem Abriss der alten Tonhalle ist man nun mit dem Ball in der neuen Tonhalle und kämpft, wie alle anderen Fasnetvereine, mit den Tücken des neuen Baues.

Wenn schon ein Generalfeldmarschall an der Spitze des Vereines steht, ist es nicht verwunderlich, dass es bei der Gefolgschaft militärisch zugeht. So hat die Katzenmusik ihre eigene Bekleidungs- und Gerätekammer. Dort werden die verschiedenen Utensilien auf bewahrt. So wie beim „Kummis“ erfolgt die Verwaltung über einen „Kammerbullen“. 1966 gelang es, das schon vorhandene ansehnliche Kostümlager durch einen Nachlass um ein Vielfaches zu vermehren. Auch durch Ankäufe aus verschiedenen Theatern kann der Verein heute einen stattlichen Kostümfundus zum Verleih anbieten. Die Kammer, die ursprünglich im Dachgeschoss der Karl-Brachart-Realschule untergebracht war und heute in der Wagenhalle untergebracht ist, erfreut sich in der Vorfasnetzeit großer Beliebtheit.

„Kater Miau“ bei der Befreiung aus dem Romäusturm. Bild: Foto Singer

 

Seit den 50er Jahren wurde auch die Jugendarbeit stetig ausgebaut. 1953 wurden die ersten Häser für die Kinder angeschafft und man gab ihnen in verschiedenen Gruppen wie Katzenkindergarten, Katzenjugend oder Girly Ballett eine Heimat. Um aber auch den Jugendlichen ab 14Jahre aufwärts eine interessante Bleibe im Verein zu schaffen, beschloss die Vorstandschaft 2010 eine neue Jugendfigur, „de Katzerolli“, zu kreieren. Nach alten Vorlagen des Kunstmalers und Katzenmusikers Karl Friedrich Kaiser wurde nun auch erstmals eine Figur geschaffen, zu welcher eine handgeschnitzte Scheme getragen wird. Um nun auch jungen Familien die Möglichkeit zu geben, gemeinsam Fasnet zu machen, wurden der Jugendfigur noch eine erwachsene Katze und ein Kater hinzugegeben.

Seit 1950 gibt es eine Katzenmusik-Musik, für die sich die Stadtharmonie Villingen über die Fasnettage zur Verfügung hält. Der Verein schaffte dafür 1964 neue Uniformen an, um der Kapelle ein repräsentatives Aussehen zu geben. Aber nach nun fast 50 Fasnetjahren hat diese Uniform ihre besten Zeiten hinter sich. Und so hat die Stadtharmonie beschlossen, sich eine neue Uniform zu gönnen, die sich an vorhandenen Uniformen der Katzenmusik orientieren wird, man wird sie das erste Mal an der Fasnet 2014 auf der Straße sehen. Die geistigen Väter der Katzenmusik hätten garantiert ihre Freude, wenn sie sich heute den Umzug am Mentig oder Dienschtig anschauen könnten. Ein gigantischer närrischer Lindwurm zieht hier durch die alten Straßen und Gässle der Zähringerstadt.

Vieles gäbe es noch über den ältesten eingetragenen Fasnetverein zu schreiben, aber dies würde den Rahmen sprengen. So bleibt der Verein hoffentlich noch eine lange Zeit mit Stolz und Würde, der Katzenmusik Zierde, wie es schon im Katzenmusikmarsch heißt!