Soziale Marktwirtschaft und Ethik (Georges-Henry Benoit)

Landesfachkommission

Diesen interessanten Beitrag erhielten wir von unserem lang jährigen Mitglied Georges-Henry Benoit.

Weckruf und Mahnung zugleich

In diesem bescheidenen Beitrag geht es um die Soziale Marktwirtschaft. Wir müssen die Soziale Marktwirtschaft verteidigen, denn nur wenn wir sie gestärkt haben, werden wir in der Lage sein, welcher Krise auch immer widerstehen zu können. Die jüngsten Entwicklungen und Ereignisse (Versagen der Politik, Abwesenheit des Staates, Schuldenkrise, Eurokrise) haben die Geister erregt und bei der Öffentlichkeit Fragen aufgeworfen. Dies sind Fragen bezüglich der Fähigkeit des Staates, der Wirtschaft Grenzen zu setzen, sei es als Schiedsrichter oder als Regulator, oder bezüglich der Fähigkeit des Staates, den Verbraucher zu schützen, und auch bezüglich der Bedeutung und Zweckmäßigkeit der Sozialen Marktwirtschaft, angesichts des Verhaltens mehrerer Unternehmen, die dem ehrbaren Kaufmann keinen Platz mehr lassen.

Dieser Beitrag soll Anlass geben, diesen Fragen nachzugehen, und ist zugleich eine Mahnung und eine Botschaft an die unterschiedlichen Akteure der Politik, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft. Die soziale Marktwirtschaft hat nichts an Bedeutung verloren und beinhaltet noch die Komponenten, die auf die aktuellen jetzigen Fragen eine Antwort geben können. Sie ist eine ständige Neu-Erfindung und bedarf deswegen ständig neuer Anpassungen unter Berücksichtigung der Orientierung der Wirtschaft. Diese Botschaft richtet sich an die Politik, die Wirtschaft, die Kirchen und die Zivilgesellschaft. Sie ist Weckruf und Mahnung zugleich. Weckruf, um uns daran zu erinnern, dass die Apokalypse vor der Tür steht und dass die Apokalyptiker nur einen Anlass suchen, um das Schlimmste vorauszusehen. Mahnung, um uns vor den Auswüchsen des Kapitalismus zu warnen. Es ist nicht die Aufgabe der so genannten „Occupied Bewegungen“, unsere Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, dass die Finanzwelt und die Banken den Kapitalismus pervertieren, anstatt der Realwirtschaft zu dienen.

Diese Botschaft betrifft alle diejenigen, die jeden Tag Stellung beziehen müssen. Dazu gehören neben der Politik und der Wirtschaft auch die Kirchen und die Zivilgesellschaft. In diesem Zusammenhang sind Maßnahmen erforderlich. Wenn diese Maßnahmen nicht sofort getroffen werden, dann besteht die Gefahr, dass die „Occupied Bewegungen“ ernst zu nehmende Bewegungen werden und dass sich andere Gruppen der Gesellschaft dieser Bewegung anschließen. Die vorher genannten Fragen sind klar genug, was die von der Politik zu treffenden Maßnahmen angeht. Die Politik muss alles tun, um den Eindruck ihrer Kooptation durch die Wirtschaft zu vermeiden.

„Sie muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Frieden schaffen“ (Papst Benedikt XVI. im Deutschen Bundestag am 22. September 2011).

Von der Wirtschaft kann man einerseits erwarten, dass sie die „unternehmerische Integrität wiederherstellt“, dass sie ferner die corporate Governance ständig erneuert und dass sie Freiheit und Verantwortung nicht voneinander trennt. Andererseits ist es wünschenswert, dass die Unternehmen mehr soziale Verantwortung übernehmen und für mehr Gerechtigkeit sorgen. Dieses verrückte Rennen nach dem Gewinn muss gestoppt werden. Nur so kann die Kluft zwischen den Reichen und den Armen minimiert und auch die drohende Amerikanisierung Deutschlands vermieden werden. Neben der Wirtschaft und der Politik ist die Kirche ein anderer Adressat dieser Botschaft. Die soziale Marktwirtschaft hat Wohlstand und Reichtum geschaffen. Dies entspricht dem, was Gott für seine Kinder wünscht. Die Kirche soll daran teilnehmen, die Tugenden der Sozialen Marktwirtschaft zu propagieren, um das verlorene Vertrauen der Bevölkerung in die Soziale Marktwirtschaft wiederherzustellen.

Letztlich sind die Bürger auch ein Glied in der Verantwortungskette. Auch von ihnen kann erwartet werden, dass sie mehr Verantwortung übernehmen und als Anleger gründlichere Fragen stellen, was die geplante Investition Ihrer Anlage anbelangt. So können sie dazu beitragen, die Finanzgeschäfte nachhaltiger zu machen.

Dies ist ein bescheidener Beitrag zum Erhalt der Sozialen Marktwirtschaft.