Eine begnadete Mystikerin: Ursula Haider vor 600 Jahren geboren (Edith Boewe-Koob)

 

Gemälde der Ursula Haider im Konvent von St. Ursula Quelle: Internetseite St. Ursula

 

Ursula Haider wurde 1413 in Leutkirch geboren und kam als neunjährige Vollwaise in die Klause der 1420 verstorbenen Elisabeth von Reute, einer oberschwäbischen Mystikerin. Obwohl Elisabeth bereits gestorben war, wurde Ursula Haider ganz im Sinne der „Guten Beth“ erzogen. Die Schwestern betrachteten das Leiden des Erlösers mit großer Intensität unter dem geistlichen Einf luss ihres Beichtvaters. In dieser Klause wuchs Ursula Haider heran. Ihre Passionsmystik ist bis zu einem bestimmten Punkt auf ihre Erziehung zurückzuführen, obwohl ihre Offenbarungen stark von Heinrich Seuse OP beeinf lusst waren. Sie trat 1431 in das Klarissenkloster in Valduna ein und wurde mit 36 Jahren zur Äbtissin gewählt. Dieses Amt übte Ursula Haider 13 Jahre aus, und es gelang ihr, das Kloster zu einem vorbildlichen Ort der Frömmigkeit zu gestalten.

Auf Initiative des Franziskaner Provinzials Heinrich Karrer kam Ursula Haider mit sieben Mitschwestern als Äbtissin nach Villingen, um die dortige Sammlung zu reformieren und sie dem Klarissenorden zu unterstellen. Die Äbtissin machte das Villinger Klarissenkloster zum Zentrum eines mystisch-religiösen Lebens.

Ursula Haider war die erste und bedeutendste Äbtissin des Villinger Klarissenklosters. Sie war nicht nur eine begnadete Mystikerin, sondern auch eine hervorragende Baumeisterin, die das Klarissenkloster (heute St. Ursula) in kurzer Zeit zu einem relativ wohnlichen Haus umgestalten ließ. Sie starb nach langer Krankheit im Jahr 1498 und wurde in der Ölbergkapelle begraben. Die Translatio in die Klosterkirche fand 1702 statt.

Eine Würdigung ihres Lebens soll 2014 in einem Vortrag dargestellt werden, und ebenso wird in der Jahresbroschüre des GHV ein ausführlicher Bericht erscheinen.

Quellen:

Klosterarchiv