Eine Handschrift aus dem Franziskanerkloster in Villingen (Dr. Edith Boewe-Koob)

„Perciö tutti i frati, sia i chierici che gli altri, celebrino l’Ufficio divino, cantino le lodi del Signore e preghino…“ 1) („Deshalb sollen alle Brüder, seien es Priester als auch Laienbrüder, die heiligen Offizien feiern, sie sollen die Lobgesänge des Herrn singen und beten…“). Dieser Hinweis steht im 3. Kapitel der Regula non bullata des heiligen Franziskus aus dem Jahr 1221 und zeigt, daß der Heilige großen Wert für sich und seine Brüder auf die Gesänge der Liturgie legte, und auch die Stundengebete nach kirchlichem Brauch in seinem Orden aufgenommen hatte. Sein „Sonnengesang“, den er in Erwartung des Todes aufschreiben ließ und zu dem er wahrscheinlich selbst eine Melodie ersann, zeigt auf erschütternde Weise, wie Franziskus sterbenskrank zum Lob und zur Ehre Gottes sang. 2)

Franziskus bekannte sich in der Regula bullata des Jahres 1223 zur römischen Gesangstradition, deren Erhaltung eine wichtige Aufgabe war. Wie viele Generalminister des Ordens befahl auch Johannes von Parma (1247-1257), die Gesangstradition der römischen Kurie einzuhalten, und erlaubte nicht deren Verletzung in Wort und Ton. 3) Der Kerngedanke der franziskanischen Musikausübung ist: „… Cantus ecclesiastici can-tentur non solum voce, sed etiam corde …“ (Die kirchlichen Gesänge sollen nicht nur mit der Stimme, sondern auch mit dem Herzen gesungen werden). Ähnliches wird auch in der Regel des heiligen Benedict angegeben. „… et sic stemus ad psallendum, ut mens nostra concordet voci nostrae“ 4) („… und so stehen wir beim Psalmen-singen, daß Herz und Stimme in Einklang sind …“).

In der Regula bullata, des Jahres 1223 schreibt Franziskus, daß die Brüder die Offizien nach der Gewohnheit der Römischen Kirche feiern sollen. 5)

Damit haben die Franziskaner die Liturgie des päpstlichen Hofes übernommen, d. h. die im 12. Jahrhundert in der Cappella Papalis oder Curia Romana gebräuchliche Form der Meßfeier und der Offizien. Bezeichnenderweise tragen alle Brevier- und Missalhandschriften der Franziskaner den Zusatz „… secundum ordinem Curiae Romanae …“

Obwohl Franziskus sich nicht leicht mit dem Gedanken einer Regel für seine Gemeinschaft anfreunden konnte, da er mit seinen Brüdern das Evangelium ohne Erklärung und Abschwächung nachleben wollte, befaßte er sich damit, die Grundsätze seiner neuen Gemeinschaft in einer Regel festzuhalten. Seine Regula non bullata von 1221 hatte den Widerspruch vieler Provinzialminister hervorgerufen. Unter dem Einfluß des Kardinals Hugolin, des späteren Papstes Gregor XI., wurde die Regula bullata von 1223 durch Papst Honorius III. bestätigt. 6) Die Ausführung der Gottesdienste und der täglichen Stundengebete sind sowohl in der Regula non bullata als auch in der Regula bullata angegeben. Franziskus hat genau die Anzahl der Gebete für das Offizium vorgegeben, die von allen Brüdern täglich zu verrichten waren. 7)

Durch den häufigen Wechsel ihres Aufenthalts, vor allem in den ersten Jahren der Verbreitung des Ordens, waren die Franziskaner auf ein tragbares Brevier angewiesen, das nicht allzu schwer und groß war. So benutzten sie erstmals kleine Reisebreviere, die sog. Breviaria portatilia.

Die Ordensliturgie erhält ihren besonderen Charakter durch die Einsetzung verschiedener Heiligenfeste. Als ältestes Ordensfest wird das Dreifaltigkeitsfest, einen Sonnrag nach Pfingsten, genannt. Es wurde 1260 auf dem Generalkapitel eingesetzt und 1334 durch Papst Johannes XXI I. (1316-1334) für die gesamte Kirche verbindlich eingeführt. Die Marienfeste Maria Heimsuchung (2. 7., im Abendland durch OFM 1263 eingeführt), Maria Vermählung (23. 1. von Chartres am Anfang des 15. Jhs. von den Franziskanern übernommen), das Namen Jesu-Fest (2. 1.), das Fest des heiligen Joseph (19.3.), dazu kommen die ältesten Feste des Ordens: Franziskus (4. 10.), Antonius von Padua (13.6.), das Fest der heiligen Klara (12.8.) und Elisabeth von Thüringen (19.11.), um nur einige zu nennen.

Auch die Musik hatte bei den Franziskanern immer einen hohen Stellenwert, und wurde stets als Opus Dei betrachtet. Es zeigte sich bei den Franziskanern eine Vorliebe für das Kirchenlied in der Volkssprache, wie es unter anderen von dem bedeutendsten Volksprediger des deutschen Mittelalters, dem Franziskaner Berthold von Regensburg (1210-1270) gesungen und weitergegeben wurde.

Selbst Franziskus mag seine Brüder über die liturgischen Gesänge hinaus zu freudigem Lobgesang zur Ehre Gottes angeregt haben, da er seine Brüder gelegentlich als „joculatores Dei“ bezeichnet hat. Schon bald nach der Ordensgründung erhielten die Franziskaner eigene Musikschulen, in denen die Ausbildung der Ordensleute zu Kantoren und Choralsängern stattfand. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Franziskaner nicht nur mit der Pflege des gregorianischen Chorals beschäftigt, sondern haben auch auf den Gebieten der Musiktheorie und der praktischen Musikausübung, wie auch als Musikschriftsteller, Vorbildliches geleistet. Große Namen, wie Thomas von Celano (1190-1260), David von Augsburg (1200-1272), Berthold von Regensburg (1210-1272), Julian von Speyer 0’1285) zeugen von den großen Verdiensten der Ordensmitglieder auf dem Gebiet der Musik. 8)

Zu großer Wirkung gelangte der Franziskaner-choral durch Papst Nicolaus III. (1277-1280), der 1278 in allen römischen Kirchen die alten, in Neumenschrift geschriebenen Gesangsbücher abschaffen ließ, um dafür die von den Franziskanern bevorzugten liturgischen Bücher in Quadratnotation einzuführen. 9) Bedeutende liturgische Bücher zeugen von der Schreibkultur und der Pflege der liturgischen Musik in franziskanischen Klöstern.

Die Einsetzung einer Orgel, die sich ursprünglich nicht mit dem Armutsgelübde in Einklang bringen ließ, fand erst um 1600 gottesdienstliche Verwendung in den Franziskanerkirchen. 10)

Durch die jahrhundertlange Tradition in der Musikausübung, ist es nicht verwunderlich, daß sich die Franziskaner in Villingen auch mit dem Aufschreiben der für sie wichtigen liturgischen Gesänge beschäftigten.

Eine besondere, sicher einmalige Zusammenstellung an liturgischen Gesängen zu Feiern verschiedener Feste des Kirchenjahres bietet das handgeschriebene Buch der Villinger Franziskaner. Unter dem Titel „Devotae ac sacrae cantiones“ (andächtige und heilige Gesänge) wurden Gesänge der Liturgie aufgezeichnet. Die für die Franziskaner wichtigen Gesänge, die weder mit Notation im Missale noch im Brevier stehen, wurden alle in Quadratnotation aufgeschrieben. Am Ende der Handschrift wurden Wiederholungen und Schriftproben, Hinweise auf vordere Seiten, alles von anderen Händen, eingetragen.

Titelblatt

Es ist als eine Seltenheit zu werten, daß im Jahr 1723 noch Texte und Gesänge in einem Buch handschriftlich, ohne Hilfsmittel wie Stempel und Schablone, aufgezeichnet wurden. Die Gesänge wurden von Frater Paul Ganser abgeschrieben und vervollkommnet. Sie gehörten im Franziskaner-kloster zu Villingen zu den wichtigen Bestandteilen der Messe und der Stundengebete. Die Aufzeichnungen entstammen den Arbeiten und wissenschaftlichen Studien des Paters Hippolyt Riegger, der, wie auf dem Titelblatt angegeben ist, im Jahr 1723 Novizenmeister (pro tempore magistri novitiorum) war und auch die Gesänge zusammenstellte. 11) Ab 1726 war der in Villingen geborene Pater Hippolyt Riegger Guardian des Konvents.12) Der Name Riegger ist in den Urkunden der Stadt häufig anzutreffen. 13) Fertiggestellt wurde die Handschrift zum Fest der Stigmatisation des heiligen Franziskus am 17. 9. 1723.

Ornament neben dem Eintrag des Introitus vom Palmsonntag

Herr Dekan und Münsterpfarrer Kurt Müller hat anläßlich der Eröffnung des neuen Franziskaner-museums am 17. 9. 1982 diese Handschrift dem Stadtarchiv übergeben. Damit wurde die jahrhundertlange Verbindung, die zwischen dem Münster und dem Minoritenkonvent bestand, erneut zum Ausdruck gebracht. Diese enge Verbindung hat die Handschrift wohl auch für Villingen gerettet.

Der Codex wurde 1723, in der Zeit des Guardians Bernardin Müller (1723) geschrieben, dessen 2. Nachfolger Hippolyt Riegger von Villingen (1726) war.14)

Die Handschrift enthält 80 Seiten, wobei die später eingesetzte Seitennumerierung nicht in recto / verso, sondern in Seitenzahlen von 1-80 ausgeführt wurde. Ab Seite 68 folgen Aufzeichnungen verschiedener Gesänge, die als Nachträge zu werten sind. Die gesamte Handschrift wurde neu in einen alten Einband mit 4 Metallecken und zwei Schließen gebunden.

Initialen und Überschrift aus der Franziskaner-Handschrift

 

Die Größe der Handschrift: Breite: 22 cm, Höhe 30 cm. Schriftspiegel der Handschrift: Breite: 18,3 cm, Höhe 22,7 cm. Der erste Teil wurde von einer Hand geschrieben und besticht, im Zeitalter des Buchdrucks, durch schöne Initialen und exakte Schreibweise, die einen geübten Schreiber vermuten läßt. Die anderen Schriften sind, abgesehen von der einen Seite der 2. Hand, gut lesbare Schriften. Dekorativ gestaltete Initialen zwischen 2,4 cm und 3,5 cm wurden in roter Farbe gezeichnet. Teilweise wurden die Initialen noch besonders verziert. Einige rote Initialen wurden schwarz nachgezogen, um so eine zweifarbige Wirkung erzielen zu können. 

Die vier Notenlinien sind alle mit brauner Tinte gezogen, wobei die äußere Linie mit stärkerem Strich ausgeführt wurde. Leider wurden durch eine spätere Hand die heute üblichen Notennamen stellenweise eingetragen, was sicher durch die Franziskaner geschehen ist. Die Noten im OFM-Codex wurden erst mit brauner Tinte geschrieben und dann mit schwarzer Tinte ausgefüllt.

Am Anfang der Aufzeichnungen von 1723 stehen die Benediktionen. Sie werden, wie die anderen wichtigsten Einträge, aufgeführt und besprochen: Erster Eintrag ist die Antiphon zur Austeilung der geweihten Kerzen an Maria Lichtmeß. Maria Lichtmeß oder Maria Reinigung (Purificatio Sanctae Mariae) wurde, gemäß des mosaischen Reinigungsgesetzes (Lev. 12,2 ff) 40 Tage nach der Geburt Christi, daher im Orient ursprünglich am 14. Februar, wahrscheinlich in Jerusalem schon im 4. Jh. gefeiert. Im Jahr 542 wurde durch Kaiser Justinian das Fest für sein Reich angeordnet und „Occursus Domini“ genannt, also war es ehemals ein Fest des Herrn. Die römische Kirche übernahm das Fest von der griechischen Kirche im 7. Jh. Die mit dem Fest verbundene Lichterprozession ist im Orient schon im 4. Jh. nachzuweisen 15). Seit dem 9./10. Jahrhundert ist die Weihe der Kerzen nachweisbar, und ist auch in der fran-ziskanischen Handschrift aus Villingen (S. 1-2) angegeben. Hier steht die Antiphon Lumen ad revelationem gentium (Lc 2, 32) am Beginn und das Canticum Nunc dimittis servum tuum (Lc 2,29) schließt sich an. Vor der Lichterprozession wurde die Antiphon Exsurge Domine (Ps. 43, 26) gesungen. Als nächste Einträge stehen die Gesänge zum Aschermittwoch. Am Aschermittwoch (Feria quarta Cinerum), bevor der Priester die Asche weihte, wurde vom Chor Exaudi nos, Domine (Ps. 68,17) angestimmt (S. 2-4). Seit dem 10. Jahrhundert wird die Asche vom Priester feierlich gesegnet. Ursprünglich bestreute man nur die öffentlichen Büßer mit Asche. Daher stammt der Name Aschermittwoch. Später wurde diese Zeremonie an den Klerikern und dann an allen Gläubigen vorgenommen. 16) Während der Priester in Kreuzesform die Asche auf die Häupter der Gläubigen streute, sang der Chor die Antiphon Immutemur habitu in cinere (Ioel 2, 13).

Nach den liturgischen Gesängen des Aschermittwochs schließen sich in den Aufzeichnungen für den Palmsonntag neben der Antiphon zur Palmenweihe, auch Teile der Meßfeier an (S. 4-19). Am Palmsonntag (Dominica in Palmis) feiert die Kirche den Einzug Jesu in Jerusalem (Mt. 21, 10), mit einer Prozession, die schon im Jahr 386 für Jerusalem und für das Abendland seit dem 7. Jh. bezeugt ist. In Erinnerung an den Triumphzug Jesu werden Zweige geweiht. Diese Weihe ist nicht vor dem 8./9. Jahrhundert nachzuweisen. Die sogenannte Palmweihe war ein ausgedehnter Ritus, der schließlich in einer Nachbildung der Messe17) (bis Sanctus/Benedictus) endete. Zur Weihe der Zweige wurde vom Chor die Antiphon Hosanna filio David (Mt 21, 9) angestimmt. Nach dem Sanctus und Benedictus folgte die Antiphon Pueri Hebraeorum portantes ramos, während die geweihten Zweige an die Gläubigen ausgeteilt wurden. Die sich anschließende Prozession zeichnete den Einzug Christi in Jerusalem nach. Hierbei trugen die Gläubigen die geweihten Zweige in den Händen. Früher wurde bei der Prozession unter anderen eine Darstellung des auf einer Eselin reitenden Heilandes 18) (Palmesel) mitgezogen. Ursprünglich waren es zwei Prozessionen, die einander entgegenzogen, wie die Anhänger Christi ihm von Jerusalem aus entgegengingen. In der Handschrift wurde angegeben, daß nach der Rückkehr der Prozession zwei Sänger in die Kirche eintraten und anschließend die Kirchenpforte geschlossen wurde. Die Sänger standen der geschlossenen Tür zugewandt, d. h. der vor der Kirche stehenden Prozession, und sangen den Hymnus Gloria, laus et honor, wobei der draußenstehende Chor die 1. Strophe nach jeder neuen Strophe wiederholte. Der Verfasser dieses Gesangs ist der Bischof und Dichter Theodulf von Orleans (1821).

Nun erfolgte der Einzug in die Kirche, die in dieser Aufzeichnung nicht angegeben wurde. Nach der Zeremonie schloß sich eine vollständige Meßfeier (ohne Gloria) an. Die folgende Messe begann mit dem Introitus Domine, ne lange facias auxilium (Ps 21, 20), an den sich der Text aus demselben Psalm, Vers 2, Deus, Deus meus, respice in me (Ps 21, 2) anschließt. Neben dem Eintrag des Introitus wurde ein Fabelwesen und ein dekoratives Blumenornament gezeichnet.

Die Fortsetzung des Psalmverses Quare me dereliquisti (Ps 21, 2) wurde in der franziskanischen Aufzeichnung als Responsorium aufgezeichnet. Nach dem Kyrie, dem Tractus folgen das Credo, das Offertorium Improperium exspectavit cor (Ps 68, 21), Sanctus, Benedictus und Agnus Dei, die, wie alle Aufzeichnungen in diesem Codex, mit Notationen versehen wurden, wie auch die Postcommunio, deren Text später zur Communio verwendet wurde, Pater, si non potest hic calix transire (Mt 26, 39).

Nach den Benediktionen und Meßteilen des Palmsonntags stehen die Gesänge zum Gründonnerstag. Der Gründonnerstag (Feria quinta In Caena Domini), die Herkunft des Namens ist umstritten, wurde bereits im 12. Jahrhundert dies viridium = grüner Tag genannt. 19) Die Erinnerung an den Tag des letzten Abendmahls wird seit dem 4. Jahrhundert in den Kirchen feierlich begangen. Vom Gloria an verstummen die Glocken und die Orgel, und schweigen bis zum Gloria des Karsamstags. Die Gesänge zum Gründonnerstag wurden weitgehend aufgezeichnet (S. 19-32). Nach dem Introitus Nos autem gloriari und dem sich anschließenden Psalmvers (Ps 66,2) wurde nach dem Kyrie und Gloria, das Graduale Christus factus est pro nobis (Phil 2, 8) stehend vorgetragen und anschließend die Messe 20) bis Agnus Dei weiter gefeiert. Als Postcommunio steht der heute als Communio eingesetzte Text (Io 13, 5, 12/15). Die Liturgie des Karfreitags (Feria VI. in Parasceve) beginnt in den franziskanischen Aufzeichnungen (S. 32-37) mit dem Tractus Domine, audivi auditum tuum (Hab 3, 2).21) Es fehlen die Gebete, worunter auch die Passion nach Johannes und die großen Fürbitten fallen. Sie wurden nur als Hinweis erwähnt. Bei der Verehrung des Kreuzes singen der Priester und seine Mitzelebranten 22) Ecce lignum Crucis und die Improperien (Klagegesänge) und zur Kreuzverehrung Popule meus, quid feci tibi? (Mein Volk, was hab ich dir getan?), gefolgt von dem Trisagion (Dreimalheilig), das abwechselnd von 2 Chören gesungen wird: Agios o Theos, Sanctus Deus, Sanctus et immortalis. Anschließend stehen die zum Hymnus Pange lingua 23) gehörenden Kehrverse Crux fidelis, inter omnes und Dulce lignum, dulces clavos. Neben dem Gesang Crux fidelis wurde ein Kreuz gezeichnet, das im Christentum Sinnbild des Leidens und des Triumphes Christi bedeutet und damit allgemein als Symbol des Christentums gilt. Bei dem nachfolgenden Dulce lignum wurde die Initiale des D mit einem Herz verziert, das in der christlichen Kunst seit der Mystik des hohen Mittelalters als weitverbreitete Herz-Jesu-Symbolik verwendet wird.

Abbildung des Kreuzes neben Crux fidelis

 

Abbildung des Herzens über Dulce lignum

 

Nach diesen Kehrversen steht die 2. Strophe des Hymnus und die sich wiederholenden Kehrverse als Eintragsende für den Karfreitag.

Bei den Aufzeichnungen der Gesänge des Kar-samstags (S. 37-46) fehlen die Einträge der Weihe des Feuers und vor allem die Segnung der Osterkerze mit dem beeindruckenden Weihegesang Exsultet (dessen Melodie in jedem Missale aufgezeichnet ist). Hier wird nur der Hinweis auf die 12 Prophetien angezeigt, um den nach vier Prophetien folgenden Tractus in Text und Notation anzugeben. Nach der 4. Prophetie wurde der 1. Tractus Cantemus Domino gloriose (Ex 15), nach der 8. Prophetie der Tractus Vinea facta est dilectio (Is 5,1) und nach der 12. Prophetie der 3. Tractus Attende caelum, et loquar (Dt 32,1) gesungen. 24) Im Anschluß daran wurde die Litanei von zwei Sängern vorgetragen. Es folgen Teile der Meß-feier 25) (ohne Introitus, Credo, Offertorium und Agnus Dei). Dem Kyrie eleison folgt das feierliche Gloria, bei dem der letzte Satz Cum Sancto Spiritu in gloria Dei Patris, Amen fehlt. Dreimal, jeweils einen Ton höher, wurde das Alleluia nach der Epistel angestimmt, das hier mit entsprechendem Hinweis angegeben wurde. Im Anschluß daran steht, vom Chor vorgetragen Confitemini Domino quoniam bonus (Ps 117,1). Nach dem Sanctus/ Benedictus wird die seit dem späten Mittelalter sich anschließende Vesper gefeiert. Das Agnus Dei, das an diesem Tag entfiel, wurde mit dem Hinweis auf eine vordere Seite von einem späteren Schreiber eingefügt, was allerdings nicht den liturgischen Vorschriften entsprach. Die Vesper begann mit einem Alleluia und dem anschließenden 1. und 2. Vers des 116. Psalms Laudate Dominum omnes gentes und der Antiphon zum Magnificat Vespere autem sabbati.

Danach stehen noch einige Antiphonen, die eigentlich an den drei letzten Tagen der Karwoche gesungen wurden: Traditor omnes, Christus factus est, Mortem autem, Propter quod et Deus, Posuerunt super caput. Anschließend folgt die Antiphon Mulieres sedentes ad monumentum.

Für den Ostersonntag (S. 47-48) wurden Antiphonen zum Benedictus und zum Magnificat aufgezeichnet, die zu den Stundengebeten gehören. Das Gradual-Responsorium Haec dies quam fecit (Ps 117, 24) und die Antiphon Et valde maue una Sabbato schließen mit einem Alleluia.

Die bisher eingehaltene liturgische Reihenfolge wird mit der Antiphon Gloria in excelsis Deo für Weihnachten (In nocte Nativitatis Domini) (S. 48) beendet. Zu der sich anschließenden Komplet (S. 49-51) wurden die Antiphon Miserere mihi, das Responsorium In manus tuas und die Antiphon Salva nos, Domine aufgezeichnet.

Überschrift der Komplet

 

Der zwischen den Gesängen stehende Hymnus Te lucis ante terminum26) (S.49-50) wurde in zwei verschiedenen Melodien notiert, wobei die erste Melodie dem Weihnachtsfest zuzuordnen ist und die zweite den Marienfesten. Nur diese beiden Fassungen des Hymnus wurden von einer anderen Hand als der vorhergehende und nachfolgende Teil geschrieben. Es fällt auf, daß die erste Melodie syllabisch (ein Ton auf eine Silbe), die zweite melismatisch (mehrere Töne auf eine Silbe) angelegt ist.

Hymnus: Te lucis ante terminum. 2. Fassung (Marienfeste)

Die folgenden vier marianischen Antiphonen (S. 51-58) haben in den monastischen Offizien einen hohen Stellenwert. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Antiphonen, werden sie ohne Psalm eingesetzt. Als diese Gesänge an das Ende des täglichen Stundengebets gestellt wurden, verloren sie ihre Verbindung zu den Psalmen.27) Mit der fortschreitenden Marienverehrung im Laufe des Mittelalters bildete sich allmählich eine eigene Gruppe marianischer Antiphonen. Seit dem 16.1h. werden sie am Schluß der Stundengebete eingesetzt. Jede der vier marianischen Antiphonen besitzt zwei Melodien, von denen die eine einfache, die andere reichere Melodik besitzt. Letztere entspricht der Fassung aus dem Mittelalter, wobei es auch hier einige Varianten in der Tonfolge gibt.

Bei Ave Regina caelorum, Regina caeli und Alma Redemptoris Mater sind die Unterschiede zwischen der einfachen und der ausgezierten Melodie nicht so groß wie bei Salve Regina. Sie können als Vereinfachungen der ursprünglichen Melodien gelten. Die Aufzeichnungen in der franziskanischen Handschrift beziehen sich alle, trotz einiger Varianten, auf die mittelalterliche Fassung.

Die marianischen Antiphonen sind in ihrer Gesamtheit so interessant und bedeutend, daß sie hier in der mittelalterlichen und der moderneren Form verglichen werden.

Die Verwendung der Marianischen Antiphonen innerhalb des Kirchenjahres:

Alma Redemptoris Mater:

heute vom 1. Advent bis Komplet von Purificatio.

Ave Regina caelorum:

heute von Purificatio bis Gründonnerstag.

Regina caeli: heute von Karsamstag bis Samstag vor Trinitatis.

Salve Regina:

heute von 1. Vesper von Trinitatis bis Vesper vor 1. Adventsonntag.

Vom 1. Advent bis Komplet von Purificatio = Maria Lichtmeß

 

Alma Redemptoris Mater: in der Aufzeichnung der franziskanischen Handschriften

Alma Redemptoris Mater wurde ursprünglich zur Sext (eine kleine Hore des Stundengebets) von Assumptio (Maria Himmelfahrt) gesungen. Bereits im 12. Jh. war diese Antiphon in vielen Handschriften aufzufinden Die Zuschreibung dieser Antiphon an den Reichenauer Mönch Hermannus Contractus ist nicht belegt, obwohl schon Durandus im 13. Jh. die Antiphon Hermannus zugeschrieben hat. 29) Einige textliche Parallelen zeigen die Verbindung der Antiphon zu dem bekannten Hymnus Ave maris stella, der als Hymnus in der Vesper der meisten Marienfeste eingesetzt wird. 30) Dem Textdichter von Alma Redemptoris Mater war der Hymnus Ave maris stella sicher bekannt, da die Bezeichnungen im Hymnus in der Antiphon leicht abgewandelt übernommen wurden.

Alma Redemptoris Mater: in der neueren Fassung

 

Übersetzung:

Gütige Mutter des Erlösers, du bist das offene Tor des Himmels und Stern des Meeres, eile zur Hilfe deinem sinkenden Volk, daß es sich wieder erhebe, die du zum Erstaunen der Natur einen heiligen Schöpfer geboren hast, Jungfrau vor und nach der Geburt, aus Gabriels Mund tönt dir freudiger Gruß; erbarme dich der Sünder. 28)

Inhaltliche Übereinstimmungen (wörtlich oder sinngemäß) von

Hymnus und Marianischer Antiphon (Fettdruck)

Hymnus:             Antiphon:

1. Ave, maris stella,         Alma Redemptoris Mater,

Dei Mater alma,         quae pervia coeli Porta manes,

Atque semper Virgo,         et stella maris, succurre cadenti,

Felix coeli Porta.         Surgere qui curat, populo:

2. Sumens illud Ave.         tu quae genuisti, Natura mirante,

Gabrielis ore,             tuum sanctum Genitorem,

Funda nos in pace         Virgo prius ac posterius,

Mutans Hevae nomen.         Gabrielis ab ore Sumens illud Ave,

3. Solve vincla reis,         peccatorum miserere.

Profer lumen caecis,

Mala nostra pelle,

Bona cuncta posce.

Regina caeli: in der neueren Fassung

 

Übersetzung:

Freu dich, du Himmelskönigin, alleluia, denn er, den du zu tragen verdient hast, alleluia, ist auferstanden, wie er gesagt hat, alleluia. Bitte Gott für uns, alleluia. 36)

1. Vesper von Trinitatis bis Vesper vor 1. Adventsonntag

Salve Regina: in der Fassung der Franziskaner-Handschrift

 

Salve Regina: in der mittelalterlichen Fassung

Übersetzung:

Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit: Unser Leben,    unsere Süßigkeit und Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas. Zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tale der Tränen. Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen uns zu. Und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes: O milde, o gütige: O süße Jungfrau Maria. 37)

1568, bei der Reform des Breviers unter Pius V., ). ist diese marianische Antiphon die Schlußantiphon des Stundengebets (Komplet). Die Einführung der marianischen Antiphonen in die Liturgie läßt sich bis ins 12. Jh. zurückverfolgen. (1135 war das Salve Regina in Cluny Prozessionsgesang). Es war ursprünglich eine Antiphon zu Maria Verkündigung. Einige Hinweise deuten daraufhin, daß im 11. Jh. das Salve Regina bereits auf der Reichenau bekannt war und tropiert wurde, es wurde aber nicht, wie allgemein angenommen wird, von Hermannus Contractus geschrieben. 38)

Salve Regina: in der neueren Fassung (Melodie nach Henry Du Mont 1619-1684)

Eventuell käme Petrus von Compostella (ca. 952-1002) als Verfasser in Frage. Dieser war    Mönch in der Abtei Advocacion de S. Maria (die Übereinstimmung des Namens der Abtei Advocacion de S. Maria und den in der Antiphon verwendeten Anrufungen ist nicht zu übersehen). Von Spanien könnte die Antiphon über Frankreich, eventuell durch Adhemar von Puy, nach – Deutschland gekommen sein. 39) Eine reich melismatische Ausschmückung der Melodie beherrscht die mittelalterliche Melodie (1.Ton). Die heute vorgezogene Melodie im 5.Ton geht auf Henri Du Mont (1610-1684) zurück. 40)

Die Antiphon in der franziskanischen Handschrift ist auf die melismatische Fassung des Mittelalters zurückzuführen.

Das Salve Regina gehört zu den wertvollsten Ma-riengesängen der Liturgie. Es ist textlich und musikalisch von großer Ehrfurcht getragen. Seit dem 17. Jh. gibt es die zweite, mehr ansprechende als bedeutende Melodie. Bei der mittelalterlichen Melodie handelt es sich um eine feierliche Version von großer musikalischer Aussagekraft, die in ihrer Gesamheit eine große Einheit von Wort und Ton bildet. Dagegen besitzt die neuere Melodie in der lyrischen Tonart, wenn auch musikalisch nicht so wertvoll, eine positive und freudige Ausstrahlung.

Im Anschluß an die marianischen Antiphonen wurde das Officium pro mortuis (S. 59-67) aufgezeichnet. Requiem aeternam, Te decet hymnus, Requiem rep. Kyrie eleison. Tractus: Absolve Domine animas. Offertorium: Domine, Jesu Christe. San-ctus, Benedictus, Agnus Dei. Post Communio: Lux aeterna luceat eis.

Bei der Überschrift Officium pro mortuis wurden die o mit Totenköpfen ausgemalt. Unter der Überschrift stehen symbolhafte Zeichnungen, die durch die Abbildung der nochmals drei Totenschädel als Zeichen der Vergänglichkeit stehen. Neben dem mittleren Kopf wurde links eine erloschene Öllampe, als Symbol des Todes, gleichzeitig als Zeichen des Friedens, des Erbarmens und der Versöhnung eingezeichnet. 41) Rechts wurde eine Sanduhr gemalt, die als Symbol der verrinnenden Zeit und des Todes steht. Aber, da sie nach Ablaufen des Sandes wieder umgedreht wird, steht sie nicht nur als Symbol für das Ende sondern auch für den Neuanfang, das ewige Leben. 42)

Officium pro Mortuis der Franziskaner-Handschrift

Im Anschluß werden 2 Antiphonen mit den dazugehörenden Psalmen für „In Nativitate D. N. Jesu Christi“, ein mit Noten versehenes Kyrie und Gloria für „In Festo de Beatissima Virgine Maria“, angegeben, wobei für das Credo, Sanctus und Agnus der Hinweis auf die Eintragung von Gründonnerstag angegeben wurde. Einige Schriftproben folgen, dann wurden für die Matutin des Gründonnerstags, Karfreitags und Karsamstags einige Antiphonen, die von einer anderen Hand geschrieben wurden, nachgetragen. Insgesamt waren bei dieser Handschrift fünf Schreiber am Werk, wobei der größte Teil (S. 1-68) von Frater Paul Ganser geschrieben wurde. Die letzten 12 Seiten sind als Nachträge zu werten, die, abgesehen von einigen Eintragungen, geringere Schreibkultur als der Hauptteil aufweisen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß es sich bei dieser Handschrift um das seltene Exemplar eines liturgischen Buches handelt, dessen Aufzeichnungen sich ganz bewußt nur auf die Gesänge verschiedener Feiertage ausrichtet, von denen sonst z. B. in Missalien und Breviarien nur die Texte aufgeschrieben wurden. Hier sind nicht nur die Antiphonen der Stundengebete und die feststehenden Meßteile mit Notationen versehen, sondern auch Tractus, Offertorium und Postcom-munio. Eine Liturgie für Verstorbene (Liturgia Defunctorum) beendet den Hauptteil der Handschrift. Danach folgen nur noch Nachträge und Hinweise auf Gesänge im Hauptteil.

Die Franziskaner in Villingen

Da sich das Kulturzentum Franziskaner in Villin-gen in den Mauern des ehemaligen Klosters befindet und den Namen des Ordens trägt, folgt eine kurze Zusammenfassung der über 500jährigen Geschichte des Minoriten-Konvents: Nachdem Franziskus für die Gemeinschaft seiner Brüder, die er Minores, also die Minderen, nannte, von Papst Innocenz III. 1209 mündlich und 1219 von Papst Honorius III. schriftlich die Bestätigung für seine Vereinigung erhalten hatte, wurde auf dem 1. Kapitel 1221 zu Portiuncula beschlossen, die Brüder auch jenseits der Alpen einzusetzen. Innerhalb kurzer Zeit entstanden auch in Deutschland an vielen Orten Konvente, die zuerst 1230 in zwei, dann 1239 in drei Provinzen aufgeteilt wurden. Die ersten Konvente in Süddeutschland wurden in Basel 1231, Konstanz 1240, Freiburg 1242, Kolmar 1246, Schaffhausen 1262, Überlingen 1267 und Villingen 1268 gegründet. 43)

Villingen verdankt die Klostergründung dem Grafen Heinrich I. von Fürstenberg, dessen Haus von 1254-1326 Villingen als Erbe der Zähringer besessen hat. In dieser relativ kurzen Zeit bemühte sich der Fürstenberger, die Stadt in jeder Weise zu fördern. Handel und Gewerbe siedelten sich aus dem Umland in der Stadt an, und es entwickelte sich neu der Handwerkerstand, der bald eine bedeutende Rolle in Villingen spielte.44) Das war sicher mit ein Grund für Heinrich I. von Fürstenberg, die Franziskaner nach Villingen zu berufen. Auch, nachdem in einigen süddeutschen Städten bereits der Orden der Franziskaner, sich der Verunsicherten und der Armen, getreu nach der Regel seines Gründers des heiligen Franziskus, angenommen hatte, bemühte sich Heinrich von Fürstenberg, einen Konvent der Franziskaner in Villingen aufzubauen. Im Jahr 1267 bat er den Provinzial Albert, der den Beinamen Pius trug, um die Gründung eines Konvents auf seinem Gelände und sicherte dem zu gründenden Konvent Schutz und Freiheit zu.45) Aber da der Orden arm war, nicht nur die einzelnen Brüder, sondern auch die Gemeinschaft, waren die Grundstücke nur auf Nießbrauch (ad usum vestri ordinis) und nicht als Eigentum der Franziskaner zu betrachten. 46) Hier wird noch die Bitte des Heiligen deutlich, der in seinem Testament seinen Brüdern empfahl, keine Kirchen, Wohnungen, auch noch so kleine, anzunehmen, wenn sie nicht mit der in der Regel versprochenen Armut übereinstimmen würden. Selbst dort sollen sie nicht wie Besitzer, sondern wie Fremde und Pilger wohnen.47) Schon am 15. 1. 1268 konnten die Minoriten in Villingen eine Wohnstatt beziehen. Minoriten sind Angehörige des OFM Conv. = Ordo Fratrum Minorum Conventualium = schwarze Franziskaner oder Minoriten = mindere Brüder. Diese Minoriten oder Konventualen sind der älteste Zweig der Franziskaner, die in Deutschland den alten Namen Minoriten beibehielten. 48) In dem Schutzbrief des Fürstenpaares Heinrich und Agnes zu Fürstenberg wurde erwähnt, daß die Berufung der Minoriten auch auf den Wunsch der Villinger Bevölkerung zurückzuführen sei.49) Was allerdings nicht besagt, daß die Bürger Villin-gens sich an den Kosten des Baus offiziell beteiligten.

Der Vorsteher eines Franziskaner-Klosters ist der Guardian, der gewöhnlich, wie sein Stellvertreter der Vikar, für ein Jahr vom Provinzialkapitel gewählt wird. Dem Vikar stehen mehrere Räte aus dem Konvent zur Seite. Der Lektor oder Lesemeister ist der erste Prediger und Beichtvater des Klosters. Circa 10 Klöster bildeten eine Kustodie, geleitet von einem Kustos. Die oberrheinische Provinz, zu der auch Villingen gehörte, bestand aus 6 Kustodien: Elsaß, Rhein, Schwaben, Bayern, Basel und Bodensee. Die Kustodie Bodensee umfaßte bis zum Anfang des 16. Jh. die Konvente: Lindau, Konstanz, Zürich, Luzern, Überlingen, Villinge n, Schaffhausen, Burgdorf (Kanton Bern), Viktorsberg/Feldkirch und seit 1475 auch Hausach. An der obersten Stelle einer Provinz stand der Provinzial (Minister), dem die Mönche zum Gehorsam verpflichtet waren. Der Provinzial wurde auf dem Provinzialkapitel gewählt, das alle 3 Jahre abwechselnd in einem Kloster der Provinz stattfand. Vom 15. Jahrhundert an fanden in Vil-lingen öfters Provinzialkapitel statt, auf denen auch die Wahlen der Oberen abgehalten wur-den5°). Der Ordensgeneral war allen Ordensangehörigen vorgesetzt, er hatte die Pflicht die Generalkapitel abzuhalten51).

Zu der schnellen Ausbreitung des Ordens kam es in erster Linie durch die vorgelebte, bedingungslose Armut des neuen Ordens. In beiden erhaltenen Regeln wird verlangt, daß in keinem Fall Geld oder Wertgegenstände von den Brüdern besessen werden dürfen.52) Sie waren „Missionare des Evangeliums“ und lebten von Almosen, pflegten die Kranken, vor allem die Aussätzigen, und arbeiteten in ihren erlernten Berufen. 53) Franziskus empfahl seinen Mitbrüdern, die ein Handwerk erlernt hatten, mit Freude und Demut zu arbeiten. 54) In seinem Testament schrieb er sogar, daß alle Brüder, die kein Handwerk erlernt hatten, dieses noch erlernen sollten. 55) Zum Lohn für ihre Arbeit sollen die Brüder für sich nur die zum Lebensunterhalt notwendigen Dinge annehmen. Und wenn einmal der Arbeitslohn nicht gegeben wird, so dürfen sie sich nicht schämen, von Tür zu Tür um Almosen zu betteln. 56) Die Bettelgaben zu essen, bedeutete für Franziskus am Tisch des Herrn eingeladen zu sein, weil jedes Almosen aus Liebe zu Gott gegeben wird. 57)

Je anspruchsloser die Franziskaner auftraten, um so mehr fanden sie Vertrauen, besonders beim einfachen Volk. Allerdings stellten sich bei der Ausführung dieses Armutsprinzips durch die schnelle Ausdehnung des Ordens größere Schwierigkeiten ein. Es wurde versucht, der Regel eine weniger strenge Auslegung zu geben, um den Besitz der Lebensnotwendigkeiten zu sichern, und es gab einen anderen Zweig, der sich streng am Wortlaut der Regeln festhielt, und die bedingungslose Armut befürwortete. 58)

Im Gegensatz zu den alten Orden, die in der Einsamkeit siedelten, bauten die Franziskaner, wie auch die Dominikaner, in den Städten ihre Häuser, um besseren Kontakt zu der Bevölkerung zu bekommen und ihre Predigttätigkeit besser ausüben zu können.

Die Franziskaner trugen im Mittelalter einen grauen Habit (deshalb auch Graubrüder genannt) und liefen barfuß (daher Barfüßerorden).59) Die Befolgung der höchsten Armut des Einzelnen und der Gemeinschaft und das Apostolat der Arbeit und der Predigt wurde sehr ernst genommen. Dadurch wurde dem neuen Orden großes Vertrauen entgegengebracht, zumal die Bevölkerung spürte, daß die Brüder vom Geist der tätigen Nächstenliebe erfüllt waren. 60) Durch ihre Predigten und ihren Einsatz im Beichtstuhl erwarben sich die Franziskaner die Liebe und den Respekt der Einwohner und so ist auch ihre schnelle und starke Verbreitung zu erklären. Die Predigten der Minoriten galten aber nicht nur der Belehrung und Erbauung, sondern sie geiselten auch die Umtriebe der Sekten, der Katharer, Waldenser und Albigenser, obwohl die Dominikaner zuerst den päpstlichen Auftrag hatten, gegen diese Sekten vorzuge-hen.61) Die Prediger verurteilten die Habsucht der Fürsten und auch der Geistlichkeit. Sie übten an der Justiz wegen ihrer Bestechlichkeit harsche Kritik. Diese neue Art der Predigt wurde vor allem von den einfacheren Menschen mit großer Begeisterung aufgenommen. Franziskus, der den moralischen Wert der Predigt klar erkannte, hat in seiner „Regula bullata“ auf die Wichtigkeit der Predigt hingewiesen und machte zur Bedingung, daß alle Prediger, die zum Volk predigen, vom Minister geprüft wurden. 62)

So war es eine wichtige Entscheidung des Heinrich von Fürstenberg, den Orden in Villingen ansässig zu machen. Durch Stiftungen und Vermächtnisse konnten sich die Brüder, neben ihrer Arbeit und den Almosen, die sie sich erbettelten, selbst versorgen. 63)

In der Zeit, als die Franziskaner nach Villingen gerufen wurden, war Bonaventura (1221-1274) der Leiter des Ordens. Er, der die Hinwendung der Franziskaner zur theologischen Wissenschaft einleitete, hatte die verschiedenen Richtungen innerhalb des Ordens wieder zusammengebracht und durch seine Vorschriften für die Bauten der Kirchen und Konvente die Linie des heiligen Franziskus fortgeführt. Bonaventura erlaubte beim Bau der Gebäude nur, was notwendig war. Bauten, die der Armut nicht entsprachen waren verboten, da sie eine Verletzung des Armutsgelübdes bedeuteten.64)

Um den Kirchenbau des Konvents in Villingen finanzieren zu können, wurden Ablässe gewährt. Anlässlich seiner Anwesenheit in Villingen wurde durch Albertus Magnus, OP, am 30. 10. 1268 zur Förderung des Baus ein Ablaß gewährt. 65) In diesem Schreiben wurde auch erklärt, daß an den beiden Kreuzfesten (Kreuzauffindung und Kreuzerhöhung), an beiden Festen des heiligen Franzis-kus (Stigmatisation und Tod), an den Festtagen der Kirchenpatrone, des heiligen Antonius von Padua (1195-1231, kanonisiert 1233), der heiligen Klara, der Mitbegründerin des Klarissenordens (1194-1253, kanonisiert 1255) und den jährlichen Einweihungsfesten der Altäre Ablaß gewonnen werden konnte. 66) Bereits am 16.12.1270 und 1275 konnten Altäre und der Klosterfriedhof eingeweiht werden 67) und die Minoriten bekamen nach und nach eine würdige Wohnstatt und konnten für mehr als 500 Jahre in Villingen tätig sein.

Der 1. Guardian des Klosters, dessen Kirche am 27. 4. 1292 68) durch Weihbischof Bonifatius geweiht wurde, war Heinrich von Freiburg. Durch diese Tatsache kann angenommen werden, daß die ersten Minoriten von Freiburg nach Villingen kamen. 69)

Der Frater Johannes, Bischof von Cadix, beglaubigte in Villingen eine Kopie des Erzbischofs von Mainz, deren Inhalt auf der Synode in Mainz beschlossen wurde.70) In einer Chronik, die nachweislich von einem Franziskaner im Lauf des 18. Jahrhunderts nach alten Quellen geschrieben wurde, steht geschrieben, daß auf der Kirchenversammlung in Mainz des Jahres 1270 den Franziskanern die Möglichkeit gegeben wurde, die Gläubigen nach ihrem Wunsch auf dem Klosterfriedhof zu beerdigen, und den Weltpriestern wird bei Androhung des Kirchenbanns verboten, die Gläubigen daran zu hindern.71) Auch könnten die Weltpriester bei schwerkranken Leuten, die sich ein Begräbnis in der Klosterkirche oder dem Friedhof derselben wünschten, keinerlei Einfluß auf die Erteilung der Sakramente von seiten der Mönche haben. Ansonsten war es den Ordensleuten bis dahin nicht erlaubt, ohne Ermächtigung des Pfarrherrn die Sakramente zu spenden. 72)

Streit gab es öfters zwischen den Minoriten und dem Pfarrer des Münsters von Villingen. Papst Johannes XXII. (1316-1334) hatte die bei einem Bettelmönch abgelegte Beichte als gültig erklärt (Bulle 1320), wodurch das Unverständnis der städtischen Pfarrherrn heraufbeschworen wurde. Erst der päpstliche Brief von 1377, in dem unter Androhung der Exkommunikation die Bettelmönche als gleichwertige Geistliche anerkannt werden mußten, verhinderte die Ausgrenzung der Franziskaner beim Spenden der Sakramente. 73) Aus einem alten Sterberegister geht hervor, daß viele adlige Familien in der Franziskanerkirche von Villingen begraben wurden. 74)

Die im Jahr 1425 gebildete Bruderschaft des heiligen Sebastian 75) band die Mitglieder der Bruderschaft eng an den Konvent und die Kirche. Diese Bruderschaft wurde vom Abt Joannes III. Kern, des Benediktiner-Klosters St. Georgen, dem Magistrat und von Jakob von Falkenstein bestätigt. 76) Die Mitglieder der Sebastianbruder-schaft beteten am Marienaltar, andere Bruderschaften hatten andere Altäre für ihr gemeinsames Gebet. 77) So wurde die Reliquie des hl. Leontius als Schenkung von Maurus, Kardinal von Alba, unter dem Pontifikat Innocenz X. am 23.11. 1654 in das Villinger Kloster überführt.78) Außerdem wurden im Franziskaner-Kloster neben anderen noch die Bruderschaft des hl. Antonius (1652) und die Bruderschaft zum Leiden des Herrn (1667/1669) eingesetzt. 79) Auch die Bruderschaft des heiligen Homobonus, eines wenig bekannten Heiligen, wurde 1697 für die Schwestern und Brüder derselben Bruderschaft bestätigt. 80) Es gab durch die Zünfte und Bruderschaften, neben den Bruderschaften bekannter Heiliger, eine Fülle von Sonderpatronen.

Die von Franziskus geforderte vollkommene Armut verlangte von den Brüdern immer größere Opfer. Dadurch kam es schon in den ersten Jahrzehnten zu Meinungsverschiedenheiten. Ein Teil der Brüder faßte die franziskanische Regel etwas milder auf, um das für das tägliche Leben Notwendige zu haben, die andere Richtung wollte die absolute Armut, die Franziskus gepredigt hatte. 81) Dann, in der Mitte des 15. Jh. bahnte sich die Spaltung des Minoritenordens in Konventualen und Observanten an. Die Konventualen erstrebten Milderungen der strengen Regel, besonders der bedingungslosen Armut, die von den Obser-vanten in aller Strenge eingehalten wurde (ad lit-teram sine glossa). Unter Papst Leo X. (15131521) wurden die beiden Zweige der Franziskaner in zwei selbständige Orden getrennt. Aus der oberrheinischen Provinz hatten sich 19 Konvente den Observanten angeschlossen, aus denen 1528 die Kapuziner hervorgingen. Die übrigen Konvente zählten zu den Konventualen 82), wie auch das Kloster in Villingen. Die Konventualen waren ebenfalls auf Almosen angewiesen, die auch für Jahrzeitstiftungen in Form von Gütern oder Einkünften aus Liegenschaften gespendet wurden. Dafür verpflichtete sich das Kloster, Seelenmessen für „ewige Zeiten“ zu lesen. 83)

Nach der Zerstörung des Klosters im Jahr 1704 durch die Truppen Tallards, bat der Magistrat, durch eine Bausteuer den Wiederaufbau zu unterstützen. 84) Am 11.4. 1711 konnte der Grundstein für die neue Kirche gelegt werden. Viele Villinger Bürger halfen beim Wiederaufbau der Kirche. Anstelle der früheren acht Altäre wurden jetzt nur noch sieben errichtet, wobei aber die Bruder-schaftsaltäre alle beibehalten wurden. Stadtpfarrer Riegger überließ den Mönchen ein Positiv aus dem Münster, das im Chor aufgestellt wurde. So waren die Brüder in der Lage, ihre Gottesdienste wieder musikalisch zu gestalten. 85)

Selbst noch im 18. Jahrhundert spielten die Franziskaner bei den Gottesdiensten der Johanniter die Orgel und erhielten dafür eine geringe Summe. Auch dadurch wird deutlich, daß die Franziskaner der Musik gegenüber sehr aufgeschlossen waren, und daß das Singen und Spielen zu ihrem Tagesablauf gehörte.

Innerhalb der über 500 Jahre, in der die Franziskaner in Villingen ansäßig waren, wurden 26 Provinzialkapitel abgehalten. Auch waren einige bedeutende Provinzialminister gebürtige Villinger oder für längere Zeit im Villinger Konvent. Im Laufe des 18. Jahrhunderts traten viele Villinger Bürgersöhne in den Konvent ein. Der Name Wit-tum wird im ausgehenden 18. Jahrhundert sehr oft in den Konventslisten genannt. 86)

Unter der Kaiserin Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II. wurde die Stadt zugunsten des Landesherrn entmachtet. 87) Die beliebten Passionsspiele wurden 1770 verboten, das Gymnasium der Franziskaner wurde 1774 zugunsten der Benediktiner aufgehoben. Dadurch konnten die Franziskaner 1775 den Unterricht der Normalschule für Jungen übernehmen. Bereits 1774 wurden die 12 Bruderschaften, die in der Stadt eine große Bedeutung hatten, aufgehoben und das Vermögen zugunsten des staatlichen Religionsfonds eingezogen. Im selben Jahr wurde die Zahl der Gottesdienste, der Prozessionen, Andachten und Litaneien beschränkt. 88) Der Klosterfriedhof mußte 1785 beseitigt werden. Kapellen und Nebenkirchen wurden geschlossen und die Votivtafeln aus den Kirchen entfernt. Das bedeutete das Ende des Franziskaner-Klosters. Der Besitz des Klosters, wie aller aufgelösten Klöster, fiel dem Landesherrn zu. Einen Teil der Franziskanerbibliothek bekam das Haus Fürstenberg. 89)

Was hatte der Papst gegen diese Strömungen getan? Pius VI. (1775-1799) war ein frommer, allseits gebildeter Mann, dessen Pontifikat trotz Glanz und Bautätigkeit in Rom (Bau der Sakristei von Sankt Peter), als ein Martyrium des Papsttums in neuerer Zeit bezeichnet werden kann. Er versuchte, die staatskirchlichen Ansprüche des Absolutismus, des Jansenismus, der kirchenfeindlichen Freimaurer und der Französischen Revolution abzuwehren. In Frankreich wurden im Jahr 1792 circa 300 Priester und 3 Bischöfe hingerichtet, und 40 000 Priester des Landes verwiesen. %) Pius VI. verurteilte die Prinzipien und die Kirchenpolitik der Revolution. Der Beitritt des Papstes zur Koalition gegen Frankreich brachte durch den Feldzug Napoleons schwere Verluste des Kirchenstaates, der dann 1798 vorübergehend nicht mehr existierte. Als Gefangener wurde der kranke 80jährige Papst nach Oberitalien und von dort nach Valence geschleppt, wo er auch starb. Erst 1802 konnte sein Leichnam nach Rom überführt werden. Seine Schuld war es nicht, daß in seinem Pontifikat die Autorität des Papsttums weiter abnahm, ihm fehlten jedoch nötige Weitsicht und Willensstärke, diese großen Probleme zu lösen. Er konnte sich im Fall der Auflösung der Klöster gegen den Reformeifer eines Joseph II. nicht durchsetzen, der aus eigener Macht über 800 Klöster aufhob. Selbst die Reise des Papstes nach Wien, wovon er sich eine Klärung nach einer Aussprache mit dem Kaiser erhoffte, blieb ohne Ergebnis. 91)

Altkolorierter Holzschnitt aus dem 18. Jahrhundert (Privatbesitz)

 

 

So blieb dem Papst, wie auf dem Bild zu sehen, nur vorbehalten, die Gläubigen in Wien zu segnen. Die Klöster galten nicht mehr als Ort, in dem die Tugenden des Evangeliums in erster Linie gepflegt wurden, wenn es auch mehr glaubenseifrige Mönche gab, als die unqualifizierten Verallgemeinerungen vermuten lassen. Für einen Großteil der Außenstehenden waren die Mönche Müßiggänger, die mit ihren Einkünften viel Grundbesitz verwalteten und sich mit dekorativen Bauten ein Denkmal setzen wollten. Wenn auch im Allgemeinen der Glaubenseifer inner- und außerhalb der Klöster erlahmte, so gab es doch, besonders bei den Bettelorden, überall hervorragende Prediger und glaubensstarke Klosterinsassen, wie auch gläubige Menschen, die dieser Entwicklung mit Sorge entgegen sahen.92) Was die Reformation nicht schaffte, das konnte die Aufklärung für sich verbuchen. Das Franziskanerkloster Villingen fiel diesem Gedankengut zum Opfer. Im Jahr 1797 wurde das Kloster aufgehoben, das über 500 Jahre eine starke Bindung zur Stadt und deren Bevölkerung besaß, und bemüht war, das Gedankengut eines heiligen Franziskus — das gelebte Evangelium — wenn auch später in abgeschwächter Form zu verwirklichen.

Anmerkungen:

1) Scritti di S. Francesco, Legislazione Francescena, Regola prima, cap. 3 (La preghiera eil digiuno). Assisi: Edizioni Porziuncola 1986.

2) Brenni, Paolo: Der Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi. Luzern/Stuttgart: Rex-Verlag 1980.

3) Hüschen, Heinrich: Franziskaner. In: MGG, Bd. 4, Sp. 826.

4) Regula Benedicti: XIX. De disciplina psallendi. Beuron: Beuroner Kunstverlag 1992, p. 134 f.

5) Scritti di S. Francesco, Legislazione Francescana, Regola bollata, cap. 3, Momenti di vita, p. 84. („Clerici faciant divium officium secundum ordinem Sanctae Ecclesiae Romanae“).

6) Kandler, Agathon: Franziskus von Assisi und seine Ordensgründung. In: Das Wirken der Orden und Klöster in Deutschland. Köln: Wienand 1957, S. 190 f.

7) Scritti di S. Francesco, Regola non bollata, cap. 3, La preghiera e il digiuno, p. 63; Regola bollata, Momenti di vita, cap. 3, p. 84.

8) Hüschen, Heinrich: Franziskaner. In: MGG, Bd. 4, Sp. 830.

9) Radulph de Rivo: Tractatus de canonum observantia. Textedition C. Mohlberg: Radulph de Rivo, der letzte Vertreter der altrömischen Liturgie. Münster: 1915, prop. 22.

10) Hüschen, Heinrich: Franziskaner. In: MGG, Bd. 4, Sp. 828.

11) Pater Hippolyt Riegger stellte ein Verzeichnis der Guardiane im Protokollbuch auf, das von den folgenden Guardianen fortgeführt wurde. Vgl. Roder, Christian: Die Franziskaner zu Villingen. In: FDA. Neue Folge. Fünfter Band (der ganzen Reihe 32. Band). Freiburg: Herder 1904, S. 310 f

12) Roder, Christian: Die Franziskaner zu Villingen. In: FDA. Neue Folge. Fünfter Band. S. 310f. P. Hippolyt Riegger starb am 24. 6. 1743 in Villingen.

13) Wollasch, Hans-Josef: Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen. Bd. II. Villingen: Ring-Verlag 1971, S. 231 f.

14) Roder, Christian: Die Franziskaner zu Villingen. S. 311.

15) Kirchliches Hand-Lexikon, Bd. 2, hg. Michael Buchberger. Freiburg: Herder 1912, Sp. 839 ff.

16) Kirchliches Hand-Lexikon, Bd. 1, Sp. 364.

17) Das Kyrie, Sanctus/Benedictus und Agnus sind mit einigen Varianten der Choralmesse „Orbis factor“ entnommen. Das Credo entspricht dem I. Credo aus dem Kyriale.

18) Palmesel ist eine geschnitzte, bemalte, vollplastische Figur, die den Heiland in Lebensgröße auf einem Esel reitend darstellt. Gewöhnlich auf ein Brett gestellt und mit Rädern versehen. Seit frühchristlicher Zeit wurde auch der Einzug nach Jerusalem dargestellt. Bei den Prozessionen am Palmsonntag wurde ein Palmesel mitgeführt, dessen älteste Bezeugung in der Vita Ulrichs von Augsburg … „effigie sedentis Domini super asinum“ (982/992; AASS, 4.7.) vorhanden ist.

19) Im Kirchlichen Hand-Lexikon von 1912, Bd. 1, Sp. 1803 wird dazu angegeben, daß der Name von den bis zu Innocenz III. (11981216) an diesem Tag getragenen grünen Meßgewändern abgeleitet wurde. Eine andere Erklärung für das Wort Gründonnerstag ist, daß das Wort von „greinen“ = weinen kommen könnte. Vgl. Schott, Anselm: Das vollständige Römische Meßbuch. Freiburg: Herder 1960.

20) Kyrie, Sanctus/Benedictus und Agnus sind mit einigen Varianten der Choralmesse „Cunctipotens Genitor Deus“ zuzurechnen.

21) Ein Tractus wurde in der Fastenzeit zwischen Septuagesima und Ostern nach der 2. Lesung eingesetzt. Ursprünglich war der Tractus ein Sologesang nach einem Psalmtext, der seit dem MA wechselchörig gesungen wurde.

22) Dieser Hinweis wurde in der Handschrift angegeben.

23) Der Hymnus Pange linqua wurde von Venantius Fortunatus von Poitiers, t um 600, geschrieben.

24) Dieser Tractus steht im Missale von 1702 erst vor der 12. Prophetie.

25) Die Teile der Messe gehören zur Choralmesse „Lux et origo“, allerdings auch hier mit Melodievarianten.

26) Te lucis ante terminum ist ein Komplethymnus, der seit dem 9. Jh. belegt ist und evtl. irischer Herkunft ist.

27) Bäumer, Suitbert: Geschichte des Breviers. Freiburg: Herder 1895, S. 261, 353.

28) In Anlehnung an Alma Redemptoris Mater enstand das kath. Kirchenlied „Erhab’ne Mutter unsers Herrn“ (Text: E J. Weinzierl 1816. Melodie: Speyerer Gesangbuch 1599).

29) AH 50, 309.

30) In Anlehnung an den Hymnus entstand das kath. Kirchenlied“Meerstern, ich dich grüße“.

31) AH, 39; XXVII 46; LI 140.

32) Handschrift, Paris 12044, 12. Jh.

33) Pascher, Joseph: Das Stundengebet der römischen Kirche. München: Zink-Verlag 1954, S. 136.

34) Nach der Marianischen Antiphon Ave Regina coelorum entstand das kath. Kirchenlied „Maria Himmelskönigin“ (Text: Rottenburger Gesangbuch 1867. Melodie: Nikolaus Herman 1562).

35) LThK, Bd. 8, Sp. 1097.

36) Nach der Marianischen Antiphon Regina coeli entstand das kath. Kirchenlied „Freu dich, du Himmelskönigin“ (Text/Melodie: Nach Konstanz 1600).

37) Nach dem Text der Marianischen Antiphon Salve Regina entstand das kath. Kirchenlied „Sei gegrüßt, o Königin“ (Text: Übertragung des Salve Regina. Melodie: Heinrich Rohr 1949).

38) Oesch, Hans: Berno und Hermann von Reichenau als Musiktheoretiker. Bern: Verlag Haupt 1961, S. 152.

39) Oesch, Hans: Berno und Hermann von Reichenau als Musiktheoretiker. S. 153 f.

40) LThK, Bd. 9, Sp. 281; MGG III, Sp. 930-940.

41) LCI, Bd. 3, hg. Engelbert Kirschbaum. Rom, Freiburg, Basel, Wien: Herder 1994, Sp. 340 E

42) Oesterreicher-Mellwo, Marianne (Bearb.): Symbole. Herder-Lexikon, S. 137.

43) Roder, Christian: Die Franziskaner zu Villingen. S. 232 f.

44) Revellio, Paul: Das Franziskanerkloster zu Villingen. In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen. Villingen: C. Revellio 1964,S. 126.

45) Eubel, Konrad: Geschichte der oberdeutschen (Straßburger) Mi-noriten-Provinz. Würzburg: Bucher 1886, S. 160; SAVS, DD 77.

46) Mertens, Dieter: Das Franziskanerkloster in Villingen. Zur Geschichte seiner baulichen Nutzung. In: Geschichts- und Heimatverein, Villingen, Jahresheft XVIII, 1993/94. Villingen-Schwennin-gen: Wetzel, S. 10 E In der Chronik SAVS, DD 77 fällt auf, daß immer nur von einer Wohnstatt und nie von einem Kloster gesprochen wurde.

47) Scritti di S. Francesco, Testamento di San Francesco, Siano sem-pre poveri e minori, p. 93.

48) LThK, Bd. 6, Sp. 516.

49) Baur, Ludwig: Die Ausbreitung der Bettelorden in der Diöcese Konstanz. In: FDA. Neue Folge. Erster Band (Der ganzen Reihe 28. Band). Freiburg: Herder 1900, S. 43.

50) Stengele, Benvenut: Das ehemalige Franziskaner-Minoriten-Kloster in Villingen. In: FDA. Neue Folge. Dritter Band. Freiburg: Herder 1902, S. 197.

51) Roder, Christian: Die Franziskaner zu Villingen. S. 238; Eubel: S. 13 ff.

52) Scritti di S. Francesco, Regola bollata, cap. 8. Non ricevano denaro, p. 66; Regola bollata, cap. 4, Non ricevano denaro, p. 85.

53) Scritti di S. Francesco, Regola bollata, cap. 5, II lavoro del frati, p.

54) Psalm 127,2 „Denn was deine Hände erarbeiten, wirst du genießen; glücklich bist du und es wird dir wohl gehen.“

55) Scritti di S. Francesco, Testamento di San Francesco, Consegna di un ideale vissuto, p. 92.

56) Scritti di S. Francesco, Testamento di San Francesco, Consegna di un ideale vissuto, p. 93.

57) Kandler, Agathon: Franziskus von Assisi und seine Ordensgründung. In: Das Wirken der Orden und Klöster in Deutschland. Köln: Wienand 1957, S. 190 f.

58) Eubel, Konrad: Geschichte der oberdeutschen (Straßburger) Mi-noriten-Provinz. 3. Abschnitt: Veränderung in der Provinz durch die Spaltung im Orden. Würzburg: Bucher 1886, S. 38 f

59) LThK, Bd. 4, Sp. 273 f.

60) ebda. Sp. 273 f.

61) Eubel, Konrad: Geschichte der oberdeutschen (Straßburger) Mi-noriten-Provinz. S. 19.

62) Scritti di S. Francesco, Regola bollata. Predicatori evangelici, cap. 9, p. 87.

63) SAVS, DD 77.

64) Mertens, Dieter: Das Franziskanerkloster in Villingen. S. 11.

65) SAVS, DD 77.

66) SAVS, DD 77.

67) Revellio, Paul: Die Franziskaner-Kirche mit Kreuzgang zu Villingen. S. 5.

68) Durch den Brand, der 1271 in Villingen wütete, mußte sicher die Bautätigkeit an der Klosterkirche unterbrochen werden. Vgl. Hug, Heinrich: Villinger Chronik 1495-1533, hg. Christian Roder. Tübingen: Literarischer Verein Stuttgart 1883, S.1. „Anno 1271 jahr ist schier die ganze stadt Villingen ausgebrunen, das spitall, Jo-hanniter- und Barfüeßerkloster außgenomen. Seyndt 330 personen, weib und kindt verbrunen …“

69) Baur, Ludwig: Bd.1, S. 144.

70) Roder, Christian: Die Franziskaner zu Villingen. S. 242.

71) SAVS, DD 77.

72) Roder, Christian: Die Franziskaner zu Villingen. S. 242.

73) ebda. S. 244.

74) SAVS, DD 77.

75) In den Aufzeichnungen SAVS, DD 60 wird die Bestätigung dieser Bruderschaft für 1491 unter Innocenz VIII. (1484-1492) angegeben. In diesem Fall heißt der Abt vom OSB-Kloster St. Georgen Georg von Asch (1474-1505).

76) SAVS, DD 77.

77) Mertens, Dieter: Das Franziskanerkloster in Villingen. S. 15.

78) Leontins (Fest am 1. 12.) wurde in der ersten Hälfte des 4. Jh. geboren. Ein Apostolat Leontins in Germanien ist historisch zweifelhaft. Patron der Diözese Frejus (LThK, Bd. 6, Sp. 969).

79). SAVS, DD 77.

80) Homobonus (Fest am 13. 11.) war ein Vertreter, der im 12. Jh. verbreiteten Laienbewegung für eine geistig-religiöse Erneuerung gegenüber der Kirche. Er wird in Frankreich und Deutschland verehrt (LThK, Bd. 6, Sp. 466).

81) Roder, Christian: Die Franziskaner zu Villingen. S. 248.

82) ebda. S 248 f.

83) ebda. S. 249.

84) SAVS, DD 77a (1704).

85) Roder, Christian: Die Franziskaner zu Villingen. S. 275.

86) SAVS, 2/1 Protocollum Conventus Villingani 1755-1789.

87) Roder, Christian: Die Franziskaner zu Villingen. S. 279 f.

88) Maulhardt, Heinrich: Villingen als vorderösterreichische Stadt am Ende des Alten Reiches 1750-1806. In: Blätter zur Geschichte der Stadt Villingen-Schwenningen 2/96, daraus: Kirchliches Leben. Villingen-Schwenningen: Baur 1996, S. 6.

89) Maulhardt, Heinrich: Kirchliches Leben. S. 6.

90) Franzen, August/Bäumer, Remigius: Papstgeschichte. Freiburg: Herder 1974, S. 336.

91) LThK, Bd. 8, S. 532f

92) Aubert, Roger: Die katholische Kirche und die Revolution. In: Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. VI/1, S.7.

Abkürzungen:

AH    Analecta Hymnica

FDA    Freiburger Diözesan-Archiv

LCI    Lexikon für christl. Ikonographie

LThK Lexikon für Theologie und Kirche

MGG    Die Musik in Geschichte und Gegenwart

Quellen:

SAVS, 2/1            Stadtarchiv Villingen-Schwenningen

SAVS, DD 60       Stadtarchiv Villingen-Schwenningen

SAVS, DD 77       Stadtarchiv Villingen-Schwenningen

SAVS, DD 77a    Stadtarchiv Villingen-Schwenningen

Bildnachweis:

OFM-Handschrift: Stadtarchiv Villingen-Schwenningen

Papstbild: Privat

Abbildungen:

Rolf Semmelroth

Bibliographie:

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