Die Tracht der Altvillingerin (Lambert Hermle)

Allgemein

Das Aufkommen der verschiedenen Trachten geht in der Regel auf das Ende des 18. Jahrhunderts zurück.

Hauptsächlich wurde die Tracht in ländlichen Gegenden getragen. Sie unterscheidet sich nach Landschaften, Konfessionen und dem Familienstand der Trägerin sowie auch in Werktags- und Sonntagstracht. Ebenfalls spiegelt sich die Zugehörigkeit zur jeweiligen Herrschaft im Aussehen der Tracht wider.

Die Tracht wird als Traditionsgut angesehen. Dennoch haben verschiedene Bedürfnisse und Anpassungen, Veränderungen und Weiterentwicklungen der Trachten bewirkt. Schönheitsempfinden, das zur Verfügung stehende Material, Schmuckbedürfnisse sowie die vielfältigen Strömungen der bürgerlichen Mode haben bis heute ihre Entwicklung beeinflußt.

Die Altvillingerin

Die Tracht der Altvillingerin stammt aus der Zeit, als Villingen dem Hause Habsburg unterstand und über Jahrhunderte zu den vorderösterreichischen Landen gehörte (1326-1803). Dies ist im Besonderen an den Radhauben zu erkennen, die ebenfalls in den Städten Radolfzell, Überlingen, Markdorf, Meersburg, Bad Buchau, Konstanz, Saulgau und andere mehr, heute noch getragen werden. In früheren Zeiten war das Tragen der Tracht an Sonn- und Feiertagen, Festtagen und bei besonderen Anlässen und Empfängen von Persönlichkeiten üblich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute wird die Tracht bei Trachtentreffen im In-und Ausland, bei Empfängen und heimischen Festlichkeiten sowie an den Fastnachtstagen getragen. Die Altvillingerin wird oft von männlichen Personen begleitet, die Trachten des 18. Jahrhunderts tragen. Diese Trachtenform ist stark an die Dar-stellung der verschiedenen Zunftmeister auf den Zunfttafeln um 1750 angelehnt. Schwarze Bundhose mit weißen Strümpfen, verschiedenfarbige Gehröcke mit bunter Weste und seidenem Schal. Dazu trägt der Begleiter einen Dreispitz.

Das Kleid der Altvillingerin, wie die Trägerin der Tracht benannt wird, besteht aus Rock und Jacke mit Schösle, und ist meist aus Seidenstoff oder Wollstoff in verschieden gedeckten Farben. Ein weitschwingender Rock mit saumabschließender Besenlitze ist gut erkennbar. Ein weißer Baumwollunterrock mit Rüschen in mehreren Ebenen, geben dem Rock einen festeren Halt. Ärmel und Halsausschnitt sind mit weißer Spitze besetzt.

Das seidene Schultertuch mit geknüpften Fransen gibt es mit Rosenmuster, als Flammenschal, aber auch gestickt mit verschiedenen Blumenmustern. Es wird kurz gehalten über der Schulter getragen. An kalten Tagen wird der durchgewobene Wienerschal zusätzlich über dem Seidentuch getragen. Die Schürze aus Schillerseide, stets im passenden Kontrast gehalten, ist gesmokt und bedeckt die Hüfte der Trägerin.

Die Altvillingerin trägt dazu weiße Handschuhe sowie weiße Trachtenstrümpfe und schwarze Spangenschuhe mit flachen Absätzen.

Das Prachtstück der Tracht ist die Radhaube. Sie ist meist in Goldplatt-Hohlspitze gehalten, geklöppelt oder mit fertiger Borte bestückt.

Auf ihr sind oftmals verschiedenartige Ornamente zu sehen, z. B. „das Pfauenmuster“, ein barockes stilisiertes Blumenmuster und andere mehr.

Das Haubenbödele ist der Haube entsprechend bestückt und ziert die Haube nach hinten ab. Eine weiße Seidenschleife, mit zwei langen Bändern ist am Haarboden befestigt und verleiht der Haube ein schönes Aussehen. Weiße, gefaltete Spitzen zieren die Haube ab.

Die Goldhaube ist die sogenannte „Patrizierhaube“. Die etwas bescheidene, aus Chenille gefertigte „Schwarze Radhaube“ deutete früher auf den Stand der Bürgerin. Auch sie wird heute noch getragen. Die Radhaube sitzt so auf dem Kopf, daß das Rad schräg nach oben schaut.

Im Gegensatz zur Bodenseehaube ist die Villinger Haube flacher abgewinkelt.

Die Haare der Trägerin werden zu einem Knoten, dem sogenannten „Dutt“ gesteckt, der einen besseren Sitz der Radhaube gewährleistet. Ein künstlicher „Dutt“ erfüllt ebenfalls diesen Zweck.

Als Accessoire wird zusätzlich Granatschmuck getragen: eine Brosche, Ohrringe sowie eine vier- bzw. sechsreihige Halskette.

Dieser verleiht der Altvillingerin ein vornehmes Aussehen. In einem Stofftäschchen, aus dem Stoff des Kleides gearbeitet, mit Borten verziert und von Kordeln gehalten, kann die Altvillingerin weitere Utensilien mittragen.