Zurück zu den Wurzeln

Die Beziehungen der Universität Freiburg zu Villingen

 

 

 

 

 

Am 15. und 16 April 1999 präsentierte sich die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit öffentlichen Vorträgen, Studienberatung, einer Ausstellung in der Hauptstelle der Sparkasse und einem Konzert des Akademischen Orchesters. Der Rektor der Universität Freiburg, Prof Dr. Wolfgang Jäger sprach zur Einführung im Franziskaner-Konzerthaus über die Beziehungen der Universität zu Villingen.

Den Schlußpunkt der Universitätstage setzte ein vom Geschichts- und Heimatverein organisierter Abend, der ganz im Zeichen von Heimat- und Regionalforschung stand. Nachstehend veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede von Professor Jäger, die wir der Pressemitteilung der Stadt Villingen-Schwenningen entnommen haben.

Die Universitätstage in Villingen sind mehr als eine Referenz zum Jubiläum „1000 Jahre Markt-, Münz- und Zollrecht Villingen“. Denn im Villinger Kloster der Franziskaner, so schreibt die Geschichte, seien die Ursprünge der ehrwürdigen Freiburger Universität zu suchen. Dort nämlich trafen sich im Juni des Jahres 1455 Erzherzog Albrecht und Matthäus Hummel, ein Mann aus altem Villinger Geschlecht, um über die Errichtung einer Universität zu disputieren. Mit Bedacht hatte der Herrscher sein Augenmerk auf den dreifachen Doktor der freien Künste, des Kirchenrechts und der Medizin gerichtet, denn im Alter von gerade 30 Jahren war dieser Mann bereits ein erstrangiger Gelehrter, ein vielgepriesener Magister und Erster Rat seines erzherzoglichen Landesherrn. Matthäus Hummel erhielt den Auftrag zur Errichtung der „Albertina“ und wurde mit dem 30. April 1460 erster Rektor der Freiburger Universität. „Die Weisheit hat sich ein Haus erbaut“ begann er an jenem Tag seine denkwürdige Eröffnungsrede, die er mit der Ermahnung schloß: „Die Hochschule hat nur einem Ziel zu dienen: der Wahrheit.“ Auch nach dem Gründungsrektor, der zweiundfünfzigjährig in Freiburg verstarb,

blieben die Verbindungen zwischen der noch jungen Universität und Villingen im Bildungswesen sehr eng. Auf Matthäus Hummel folgte als Rektor der Villinger Bürgersohn Ulrich Rotpletz, Professor des Kirchenrechts, der sich mit Eröffnung der Universität als Student immatrikuliert hatte, und auch dessen Nachfolger, Jakob Streit, war als Professor der Pandekten (ein Jurist) sechsmaliger Rektor der Freiburger Alma Mater. Als ordentlicher Professor lehrte dort auch der Villinger Sigismund Wittumb Villingamus und der Ordinarius des Zivilrechts Wolfgang Streit. Auch Trudpert Neugart, 1742 in Villingen geboren, ist in seiner Heimatstadt und in der Chronik der Freiburger Universität unvergessen. Zunächst Lehrer der Theologie in St. Blasien und Seelsorger in Orten des südlichen Schwarzwaldes, kam er als Professor für orientalische Sprachen nach Freiburg und schrieb dort sein Werk „Einführung der biblischen Sprachen in das Theologiestudium an der Universität Freiburg“. Nicht nur an der Spitze der Universität gaben sich die Gelehrten aus Villingen buchstäblich die Klinke in die Hand, auch die Studierenden nutzten die Nähe zur Freiburger Universität und ihren schon damals ausgezeichneten Ruf.

Siebenmal Zuflucht vor der Pest in Villingen

Es war eine schlimme Zeit, in die die „Albertina“ hineingeboren wurde. Schwere Pestepidemien rafften in Europa die Menschen dahin, und auch die Raumschaft Freiburg blieb von der „bösen Luft“ nicht verschont, was wiederum direkt Auswirkungen auf die Partnerschaft zu Villingen zur Folge hatte. Verstorbene Professoren und ein dramatischer Rückgang der Immatrikulationen, Geldmangel und Abwanderung der Gelehrten und Magister zwangen zum Handeln. So schickte man den Magister Johannes Bollanus, ausgerüstet mit einem Kredenzschreiben und einer Abschrift des Maximilianischen Freiheitsbriefes gen Villingen, um den Rat der Stadt „um ehrfürchtige und angemessene Aufnahme“ zu bitten. Was bedeutete, daß zunächst einzelne Zweige und schließlich eine ganze Fakultät vom pestbedrohten Freiburg nach Villingen umsiedelten, wobei Kaiser Maximilian verfügte, daß die Lehrenden und Studierenden an ihrem Fluchtort die gleichen Rechte und Freiheiten genießen sollten wie in Freiburg selbst.

Die Rektoren der Universität mögen sich dabei den Rat des Freiburger Theologieprofessors Dr. Joachim Landolt zu eigen gemacht haben, als sie darangingen, ihren Lehrbetrieb vorübergehend in das Villinger Kloster der Minoriten, vornehmlich aber auch in das Franziskanerkloster zu verlegen. Der Stadtpfarrer schreibt nämlich in seiner „Christlichen Antwort von der Flucht zur Zeit regierender Pestilenz“: „Drei Dinge sind, dadurch jedermann der der Pestilenz entfliehen kann. Fleuch bald, zeuch weit von solcher Gränz, darin regiert die Pestilenz. Komm langsam wieder in die Stadt, da solche Sucht regieret hat.“

Insgesamt siebenmal erfolgten in Zeiten der Pest Verlegungen der Universität Freiburg nach Villingen. Die seit dem frühen Mittelalter bestehende Verkehrsanbindung über das Wagensteigtal den Schwarzwald hinauf, die gesunde Höhenluft, vor allem aber die fürsorgliche Aufnahme durch die Menschen in den Klöstern und auch den Bürgerhäusern mögen der Grund dafür gewesen sein, daß Villingen immer wieder Ziel der Pestflucht wurde — in Niederschriften ist allerdings auch nachzulesen, daß der Zufluchtsort Villingen nicht wegen der günstigen Lage, „sondern wegen des aus dem Zehnten dort zufallenden Getreides als der günstigere aller Orte“ ausgewählt wurde. Wie auch immer, das Raumangebot im Franziskanerkloster jedenfalls genügte den gelehrten Herren und ihren Studierenden, man hatte ausreichend Hörsäle für die einzelnen Fakultäten, zufriedenstellende Unterkünfte für Schlafräume und Lagerstätten und sogar einen Karzer für jene jungen Wilden, die statt sich der klösterlichen Ruhe hinzugeben zur Nachtzeit mit frechem Geschrei durch die Gassen gelaufen seien und anschließend außerhalb der Stadttore noch eine Gans gefangen hätten.

Die vor der Pest geflüchteten Gäste aus Freiburi nahmen die Gastfreundschaft nicht als Selbstverständlichkeit. Es gab viel Lob und Dank und sogar kostbare Geschenke. So schrieb im September de: Jahres 1594 der Rektor der Senatsversammlung daß „die Freundlichkeit der Villinger derart ist daß wir sie mit recht preisen müssen …“. Schor Jahre zuvor erhielten die Minoriten für ihr erwiesenes Wohlwollen ein kunstvoll gebundenes unc mit Silber reich verziertes Meßbuch. Eine Ehr (ganz anderer Art wurde ebenfalls 1594 den Franziskanern zuteil: Für sie veranstaltete die Universität ein Festmahl und eine „comedia“, an der de: Rektor, der Graf von Fürstenberg, die Adligen de: Stadt, der Abt von St. Georgen, der Ratsschreiber der Komtur der Johanniter und alle Franziskaner pater teilnahmen. Als Dreingabe spendeten dit Gäste 27 Gulden, die zur Restaurierung eine: Kirchenfensters genutzt werden sollten.