„Freudig tret ich in deinen jungen Staat Badenia!” (Dr. Annemarie Conradt-Mach)

Geschichtsbewußtsein und bürgerliches Selbstverständnis im 19. Jahrhundert am Beispiel der badischen Stadt Villingen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schrieb das Schaffhauser Intelligenzblatt über Villingen: „Diese Stadt besitzt Charakter und Rasse. … Und wenn man durch die stillen Straßen auf und ab geht, das schöne romanische Münster … den Renaissancebau des Rathauses betrachtet, dann denkt man unwillkürlich an die vielbewegte Geschichte dieser Schwarzwaldstadt. Im Jahr 999 durch den sächsischen Kaiser Otto III. zur Stadt erhoben … blieb Villingen, später neben Freiburg einer der wichtigsten Plätze der vorderösterreichischen Lande, bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts mit unverbrüchlicher Treue bei Österreich. Glänzend zeigte sich die Tapferkeit der Villinger im 30jährigen Krieg und noch mehr im spanischen Erbfolgekrieg. Im napoleonischen Zeitalter … mußte Villingen seinen Herrn wechseln; Unter badischer Herrschaft hat sich nun Villingen im Laufe eines Jahrhunderts prächtig entwickelt.1)

Und der internationale Verkehrsanzeiger schwärmte damals: „Mit ihren rund 10 000 Einwohnern ist sie (die Stadt Villingen) das größte Gemeinwesen im Herzen des badischen Schwarzwaldes … Eine rastlos aufstrebende Industrie … trägt viel zum Wohlstand der Stadt bei. … Villingen scheint ja die reinste Florenze des Schwarzwalds zu sein. In der Tat überrascht der Reichtum der Anlagen, die sämtliche wohlgepflegt sind und sofort erkennen lassen … es dürfte im Deutschen Reich nicht viele Städte von gleicher Größe geben, die Gleiches aufzuweisen haben. Und wie prächtig sich die trotzigen Türme mit den mächtigen Überresten der Stadtmauer in das Bild einreihen — altersgrau und hoffnungsgrün … Ja ihr Türme, ihr werdet in eurem Leben noch viele Wunder schauen; ihr werdet sehen, wie die Stadt, deren Abschluß ihr früher gebildet habt, die Grenzen, die sich heute schon bedeutend erweitert haben, immer mehr ausdehnt; der Verkehr, der jetzt wie in alten Zeiten schon, durch eure Tore geht, wird immer mehr anwachsen, den elektrisch betriebenen Uhren werden noch andere elektrische Triebwerke folgen, man wird Drähte, das sind die Nerven des 20. Jahrhunderts, eurem alten Leib zuführen, man wird euch mit allen Mitteln zu erhalten suchen und schließlich müßt ihr den Anforderungen des modernen Verkehrs weichen. 2)

Eine glanzvolle Geschichte steigerte in den Berichten der Jahrhundertwende die glanzvolle Gegenwart der Stadt Villingen und ließen den Leser des Jahres 1907 eine noch glanzvollere Zukunft erwarten.

Schwierigkeiten im Umgang mit vergangener historischer Größe haben Tradition in Villingen und anderswo. Seit dem Anschluß an Baden 1806 und dem damit verbundenen Abstieg zur badischen Provinzstadt gab es viele Versuche, die alte Größe Villingens zu erneuern, städtisches Selbstbewußtsein zu heben, neue städtische Funktionen zu erhalten. Die alte Stadtkultur wurde durch die industrielle Revolution verändert, teilweise sogar zerstört. Die Auswirkungen der Industrialisierung krempelten unsere Städte um, änderten ihre Bedeutung für das Umland. Dies hatte Auswirkungen auf die bürgerliche Selbsteinschätzung.

Der Umgang mit der eigenen Geschichte gibt Auskunft über den eigenen Standort, über Selbsteinschätzung und politische Kultur einer Gesellschaft. Geschichtsschreibung ist immer auch Selbstdarstellung. Welche Fragen an die eigene Geschichte im Verlauf des 19. Jahrhunderts in Villingen gestellt wurden und zu welchen Antworten man kam, das soll im folgenden untersucht werden. Grundlage der Untersuchung sind Bürgerfeste und zwar die Festlichkeiten zur Grundsteinlegung für das Bezirksstrafgerichtsgebäude 1847, die 900-Jahr-Feier 1899 und die Centenar-Feier 1906.

Fest der Grundsteinlegung für das Bezirksstrafgerichtsgebäude 1847

Villingen wurde 1806 badisch nach einem kurzen württembergischen Interregnum. Bis zum Frieden von Preßburg erlebte die Stadt eine lange selbständige Phase im Besitz vieler „Bürgerfreiheiten“ unter der Herrschaft des Hauses Österreich. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verlor Villingen seine alte Autonomie und fand sich wieder als „entrechtete Amtsstadt“ in der badischen Provinz.

„Am 11. November 1806 bemerkten Bürgermeister, Schultheiß und Rat der Stadt Villingen in einer Eingabe an den Großherzog: Es sei ein unschätzbares Glück, daß Villingen, die erste Stadt im Breisgau nach Freiburg, wieder unter einen mit ausgezeichneten Regententugenden geschmückten ,Abstämmling‘ der berühmte Grafen und nachmaligen Herzöge von Zähringen gelange.“ Man bat um Bestätigung der „althergebrachten Freiheiten“. Am 24. November 1807 aber wurde dem Magistrat von seiner königlichen Hoheit eröffnet, „bezüglich der Bitte der Stadt Villingen um Bestätigung ihrer Rechte und Freiheiten und um Belassung ihrer bisherigen Grundherrschaft über sieben Dependenzorte eine abschlägige Resolution zu fassen.“ 3)

Am 16. Juli 1809 mußte die „schöne auf Schweinsleder geschriebene sehr gut erhaltene“ Verfassungsurkunde aus dem Jahr 999 an die großherzogliche Regierung des Oberrheinkreises zu Freiburg, „in Originali“ abgeliefert werden. „Sie kam nicht wieder zurück, und gepflogene Nachforschungen blieben erfolglos.“ 4)

Für Villingen war damit der Verlust der alten Selbständigkeit und weitgehenden Unabhängigkeit endgültig besiegelt. Es verwundert deshalb nicht, daß damals einige Villinger die österreichische Herrschaft nicht vergessen konnten. In seinen Lebenserinnerungen schrieb Heinrich Dold um die Jahrhundertwende, die badische Regierung habe „streng und eifersüchtig“ alle Lobsprüche auf das Kaiserhaus verpönt. „Als 1825 der Held von Aspern Erzherzog Karl nochmals mit s. Frau Gemahlin Villingen besuchte u. die Honoratioren Villingens ihm auf der Post (Sonne) ihre Aufwartung machten, soll er den Herren und Damen gesagt haben: Jo Villingen is kloans Stadtl aber a schöns Stadtl! Das soll den Villingern so wohl gethan haben, daß sie im Donaueschinger Wochenblatt einen Artikel über den Besuch des berühmten Mitgliedes aus dem Kaiserhaus erscheinen ließen mit dem Citat des Dichters endigend: Das Auge sieht den Himmel offen, es schwelgt die Brust in Seligkeit. Ein allzu pflichteifriger höherer Beamter soll deßhalb eine Untersuchung in Villingen haben pflegen lassen.“ 5) Am 30. Oktober 1846 hatte das Staatsministerium „die Stadt Villingen als den Sitz des zweiten Bezirksstrafgerichts im Seekreis definitiv bestimmt.“ Am 25. Juli 1847 wurde in Villingen der Grundstein für das Bezirksstrafgerichtsgebäude gelegt. In Villingen schien es, als ob die Periode des städtischen Niedergangs endlich zu Ende sei. Man sah die „Morgensonne für eine neue Periode der Rechts- und Gerechtigkeitspflege in unserem Vaterland verkündet.“ und hoffte auf die Wiedereinsetzung der alten Bürgerfreiheiten. „Die hiesigen Bürger hatten die Absicht, diesem Feste einen hohen edlen Charakter beizulegen — dasselbe über eine gewöhnliche Stadtfeier zu erheben.“ 6)

„Badens Volk hat alle Ursachen sich zu freuen … über die nahe Verwirklichung eines zeitgemäßen Fortschrittes in einem der wichtigsten Theile seiner Gesetzgebung. — Viele Mühe — viele Kämpfe kostete die Erringung diese im deutschen Vaterlande noch selten Schutzes!“ 7)

Die Liebe des Großherzogs erwies sich gerade dadurch, daß er „sein Volk“ wieder in seine alten Rechte einsetzte. Obwohl die Wahl auf Villingen als Sitz für das Bezirksstrafgericht nicht „Ohne Kampf und Nebenbuhler“ stattfand. Verwundert nicht, „daß solche allerhöchste Entscheidung mit lautestem Jubel von der hiesigen Bürgerschaft begrüßt worden, (es) ist um so erklärlicher, als Villingen seit vielen Jahren einer besseren Zukunft harrte.“ 8) Die habsburgische Epoche galt in Villingen als glückliche Zeit. Die zweite Epoche der Villinger Geschichte, die nachhabsburgische, wurde als weniger ruhmreich beurteilt. „Im Jahre 1819 war Villingen auf den Stand einer gewöhnlichen Landstadt gestellt, auf dem selbes bis zur Zeit verblieben ist; nun aber einer erfreulichen Zukunft entgegen zu gehen, die Aussicht hat.“ 9)

Seine Rede anläßlich der Feier zur Grundsteinlegung endete der Villinger Kaplan Diez mit folgenden Worten: „Öffentlichkeit und Mündlichkeit in Gerichtsverfahren sei ein Herd der Unschuld und humaner Ernst der Schuld. Dieß sey zugleich ein Sinnbild, daß Staat und Bürgerthum unzertrennlich Eins ausmachen, und daß sie nur dann glücklich bestehe, wenn der Bürger die Verfassung liebt, und durch die That ihr Achtung erweißt.“ Die in den Grundstein eingebetteten Münzen würden, „zum fröhlich verheißenden Zeichen, daß Badens Wohlstand mehr und mehr blühen werde, wenn seine Bürger unter weiser Mäßigkeit und pflichtgetreuer Anstrengung nie vergessen, daß sich keiner der öffentlichen Landestheilnahme entschlagen dürfe, ohne selbst darunter zu leiden, und ohne sich am Ganzen zu versündigen.“ Die Rede endete: „Aller Herzen (möchten) von dieser Stunde an kräftiger und heiliger glühen fürs Rechte und Wahre, für Gott, Tugend, Fürst und Vaterland zum allgemeinen Bürgerwohl.“ 10)

Die Grundsteinlegung für das Bezirksgericht wurde zum Symbol der Wiederherstellung der verlorenen bürgerlichen „Verfassungsrechte“, zur Aussöhnung mit der neuen großherzoglichen Herrschaft. Deutlich wurde dies auch im Trinkspruch des Gemeinderats Schmid aus Villingen: „Es gilt das Fest, das wir heute feiern nicht blos dem Hause, das in kurzer Zeit prachtvoll vor unseren Augen erstehen wird, … es gilt der Oeffentlichkeit und Mündlichkeit der Strafverfahren. Allein unsere weise Regierung erkannte, daß wir ein solches Institut, das schon vor tausend Jahren ein heiliges Eigenthum unserer Urväter war, im Geiste unserer voranschreitenden Zeit im Bedürfnis liege, zur Erfüllung der heißesten Wünsche des Volkes.“ 11) Aus Anlaß des Festes wurde die Stadt prächtig geschmückt und ein Festzug veranstaltet. Die Wappen und Porträts des Großherzogs Leopold, der Großherzogin Sophie „und der sonstigen Mitglieder des Großherzoglichen Hauses“, sowie die Namenschiffren aus Blumen gestaltet „des Großherzogs Königliche Hoheit“ schmückten die Stadt. Außerdem wurden aber auch Bilder des Staatsrats Nebenius und des Staatsrats Beck ausgehängt. „Bildnisse der Abgeordneten des Volkes, Inschriften sich beziehend auf die Wichtigkeit des Festes — auf Oeffentlichkeit und Mündlichkeit der Gerichtspflege“ wiesen die Villinger auf die Bedeutung der Feier hin.

Überall wehten Wimpel und Fahnen in den Landes- aber auch in den Stadtfarben. Der Festtag, der 25. Juli 1847, begann mit 50 Böllerschüssen und Tagreveille der „bürgerlichen Cavallerie“. Dem Festzug voraus gingen Musikkapellen und die Schuljugend. Die für den Grundstein bestimmten „Denkzeichen“ wurden von einer weiß-gekleideten Jungfrau getragen, welche von zwölf weiteren Jungfrauen mit Bändern in den Stadtfarben begleitet wurde. Anschließend folgten zwölf Jünglinge mit Schärpen in den Stadtfarben; der Zug wurde fortgesetzt von den großherzoglichen Staatsbeamten, den Beamten der Gemeindebehörden, anschließend folgten die Bürger mit ihren Zunftfahnen, den Schluß bildete das übrige Publikum. Ein festliches Mittagessen, abends ein brillantes Feuerwerk und die „Beleuchtung des Marktbrunnens“ waren weitere Höhepunkte.

Das Bezirksgericht, in dem der Chronist des Jahres 1847 die Morgensonne einer besseren, d. h. autonomeren Zukunft für seine Stadt zu erkennen glaubte, hielt jedoch nicht, was man sich davon versprach. „Nach wenigen Jahren fiel (das Bezirksstrafgericht) der Neuordnung des Gerichtswesens 1864 wieder zum Opfer“. 12)

Die 900-Jahr-Feier am 13. August 1899

Ca. 50 Jahre später, im August 1899 feierte die Stadt Villingen ihre 900-Jahr-Feier.

„Wohl 25000 Fremde (!) aus ganz Baden, Württemberg und der Schweiz“ hatten sich zusammengefunden „in dem Bewußtsein, daß ihnen etwas ganz außerordentliches geboten werde“. Zumindest berichtete dies die Schwarzwälder Bürgerzeitung vom 15.8. 1899. Die Vorbereitungen und die Ausschmückung der Stadt war überwältigend. „Fast alle Häuser, durch deren Straßen der Festzug“ zog, wurden „neu angestrichen“. In den Straßen wurden Tannenbäume aufgestellt, „die durch Girlanden miteinander verbunden wurden“. Gegenüber dem Gasthaus zur Post war die Tribüne für die „fürstl. Gäste aufgeschlagen.“ 13) Die „Perle der Baar präsentierte sich äußerst gefällig“ den Besuchern.14) Villingen bot für dieses Fest die perfekte historische Kulisse.

„Es hat etwas außerordentlich gemüthliches, durch die Straßen eines solchen Ortes zu schlendern und Hunderte von Szenen des Kleinlebens in sich aufzunehmen. Und ein solch behagliches Gefühl bemächtigte sich des Betrachters.“ 15) Die Stadt wurde zur Theaterbühne, in der Realität und historisches Abbild miteinander verschmolz, zumindest in den Augen der Betrachter. „Man blickt noch einmal prüfenden Augs auf das Gethane, rückt den Stuhl vor die Haustür und hält mit dem Nachbarn sein freundlich Zwiegespräch. Und alles wirkt auf den Beschauer wie ein Ausschnitt aus Goethes, Hermann und Dorothea‘.“ 16)

Kunst und Wirklichkeit wurde eins. Und wenn die Realität mit der Illusion nicht zusammenfand, so wurde sie auch schon mal passend gemacht, wenn’s ins schöne Bild von der heilen historischen Welt paßte. Wie anders läßt sich sonst die Einleitung des Zeitungsschreibers erklären? „Die Fassade des alten, von anno 1428 (?) stammenden Villinger Rathauses schmückt nebst anmutigem Bildwerk das Sprüchlein: Am guten Alten in Treue halten. Wiewohl der Hauptort der Baar mehr als einmal von hochentwickeltem Sinn Zeugniß abgelegt hat, so ist doch jener Spruch nie in solchem Maß zur Ehre gekommen wie in diesen Tagen.“ 17)

Was der Autor nicht wissen wollte, die Bemalung des alten Rathauses wurde von Karl Eydt im Jahre 1895 angefertigt, vielleicht in Anbetracht der vier Jahre später erfolgenden großen historischen Feier. Die Fassade trug Bildnisse aller bedeutenden Fürsten, die mit der Geschichte der Stadt verknüpft waren, nämlich Otto III., Kaiser Rudolph und Kaiser Maximilian, sowie Bertold III, der Gründer der Stadt Villingen und Egino von Fürstenberg. Über den beiden Eingängen befand sich ein Portraitfries mit Bildnissen von Matthäus Hummel, Georgius Pictorius, Hans Kraut und P. Trudpert Neugart. Letzterer lebte von 1742 bis 1825.18)

Da die geschichtlichen Originale bei Leibe nicht so prächtig waren, wie sie dem dekorativen Zeitgefühl entsprachen, mußten sich viele deutsche Baudenkmäler in der Zeit des Historismus eine solche Verschönerung gefallen lassen.19) Zusätzlich zur Fassadenmalerei wurde der Staffelgiebel des Rathauses erhöht, um ihm ein imposanteres Aussehen zu geben. Die geschönte Stadtrealität bot die Kulisse für einen der glanzvollsten historischen Umzüge, die Baden je gesehen hatte. Er machte „in seiner geschmackvollen Anordnung einen vornehmen künstlerischen Eindruck; er entrollte Fülle, Charakter, Schönheit … Die Hauptereignisse der Villinger Lokalgeschichte waren so in farbenreichen Bildern festgehalten.“ 20) Die aufsehenerregende Ausstattung des Zuges wurde von der Münchner Firma Diringer, Costum-Fabrik u. Verleih-Anstalt, zur Verfügung gestellt. Diese Firma hatte Erfahrung in der Gestaltung prunkvoller Historischer Umzüge. Sie hatte u. a. den Zug zur Hans-Sachs-Feier in Nürnberg (1894) ausgestattet und durfte sich wegen ihrer Dekorationsleistungen bei ähnlichen Festzügen in Stuttgart und Karlsruhe als königlicher und großherzoglicher Hoflieferant bezeichnen. Sie hatte einen reichsweit guten Ruf, auch die Kostüme für das Deutsche Turnfest in Hamburg kamen aus München. Die Wagen „nach historischem Werk angefertigt und geliefert waren je der betreffenden Zeit angepaßt selbst künstlerisch und schön hergestellt und machten einen ganz unvergeßlich pompösen Eindruck.“ Wie die Schwarzwälder Bürgerzeitung bemerkte. 21)

Höhepunkt der Feier und des Umzuges war die Anwesenheit des Großherzogpaares. „In musterhafter Ordnung bewegte sich der denkwürdige historische Festzug durch die reich beflaggte, geschmackvoll mit Tannen und Reisgirlanden gezierte Stadt, gegenüber dem Gasthof zur Post (Blume) wo die Königl. Hoheiten der Großherzog von Baden und dessen hohe Gemahlin Absteigequartier genommen, befand sich ein Baldachin zeltartig hergestellt.“ 22) An der Ehrentribüne zog der Festzug insgesamt vier Mal vorbei.

„An der Tribüne machten die einzelnen Gruppen allemal einen kurzen Halt.“ Der Großherzog „nahm die Huldigung des Festzuges entgegen“, wie die Breisgauer Zeitung schrieb. Die Hauptpersonen der Gruppen wurden jeweils zum Großherzog gebeten und von demselben „auf das huldreichste empfangen“. Der Aufbau des Festzuges lief chronologisch geordnet ab. Nach den Fanfarenbläsern und dem Herold begannen die Festwagen mit der Darstellung der Verleihung des Marktrechts durch Otto III. an Berthold von Zähringen. Den letzten historischen Schauwagen vor den Trachtengruppen bildete die Huldigungs-gruppe Wagen Nr. 21 „Villingen kommt an Baden — 1806“. Dieser Wagen wurde allgemein als Krönung des Umzuges angesehen, quasi das Endziel einer 900-jährigen Geschichte. Überhöht allein dadurch, daß die Ehrenjungfrauen einem echten (?) Zähringer auf der Tribüne huldigen durften, als Glanz- und Gipfelpunkt der Historie! Die Darstellung des Wagens Nr. 21 zeigte nach der Breisgauer Zeitung folgendes: „An den Übertritt in badische Herrschaft (1806) ward durch eine poetische Allegorie erinnert: Genien in klassischer Gewandung huldigten, Palmen schwingend, vor dem badischen Wappen; das ganze ein überaus anmutiges Bild.“

Dem Wagen voraus schritten vier Tubabläser. Die Instrumente waren so monströs, daß eigens zu jedem Bläser ein Helfer die Tuba tragen half. Fräulein Stern, die Tochter des Orchestrionfabrikanten Stern, hatte die hohe Ehre als palmenschwingende Genie aus der Gruppe herauszutreten und die „Huldigungsanspache an den Großherzog und die Großherzogin“ zu richten, der eigentliche Glanzpunkt der Villinger 900-Jahr-Feier.

„Durchlauchtigster Großherzog, allergnädigster Herr! Durchlauchtigste, allergnädigste Großherzogin und Herrin!

Monatelang hat die Hauptstadt des Schwarzwaldes sich vorbereitet zu dem größten der Feste, die je in ihren Mauern gefeiert worden sind, und heute ist der Tag erschienen, auf den sie sich so lange gefreut hat. In alle Welt hinaus ist der Ruf gedrungen von dem, was auf den Höhen des Schwarzwaldes sich bereitet, und in hellen Scharen sind die Menschen herbeigeströmt, um die Geschichte unserer Vaterstadt, ein großes Stück Weltgeschichte in buntem Gedränge vorbeiziehen zu sehen.

Herrlich erhob sich der Morgen, hell glänzt die Sonne am heiteren Himmel, die Glocken tönen feierlicher als sonst, in vollen Akkorden rauscht die Musik, die Herzen schlagen höher. Aber die volle Freude, den höchsten Glanz, die rechte Weihe gibt dem Feste die Anwesenheit unseres durchlauchtigsten, geliebtesten Fürstenpaares, das herbeigeeilt ist von der goldenen Mainau in unsere Jubelstadt.

Gruß und Heil ruft ihm entgegen die in Festes-schmuck prangende Stadt, Gruß und Heil wehen die Fahnen, tönen die Festesklänge, Gruß und Heil aus tausend und tausend Herzen in brausendem Begeisterungsstrom und heiliger Kraft dem Zähringer Herzog, dem königlichen Herrn, dem deutschen Mann und Seiner erhabenen Gemahlin, der hohen, gütigen Frau.

Neun Jahrhunderte der Geschichte unserer Vaterstadt, neun Jahrhunderte der deutschen Geschichte ziehen an Euer königlichen Hoheiten Auge vorüber. Die Vergangenheit belebt sich wieder: Kaiser, Könige, Herzöge, Ritter, Bürger, Soldaten schreiten vorbei, ein farbenreiches, buntes Gedränge, und mit sich bringen sie vor das geistige Auge die alte Zeit. Wie Traumgestalten ziehen sie dahin, blicken sie herüber aus der Romantik des Mittelalters in die helle Gegenwart. Noch scheint die Sonne wie damals, noch singen die Vögel in gleichen Lauten, die Menschen freuen sich und trauern, jauchzen und weinen wie damals, aber die Welt ist heute eine andere, neue. Wie würden sie staunen, wenn sie in Wirklichkeit wieder kämen, die Gestalten, die vorübergezogen! Wie würden Sie staunen über die heutige Welt, über das in tausend Formen und Gestalten sich bewegende, riesengroße Weltgetriebe der modernen Zeit!

Wie würden sie verwundert sein über die Veränderungen der Staaten im Innern und Äußern! Wie würden sie staunend stehen vor dem stolzen Bau des deutschen Reiches, den deutsche Thatkraft nach langer Ohnmacht und Schmach aufgerichtet! Wenn aber die Zähringer Herzöge, Kaiser und Könige fragten: Wer ist jene hohe Fürstengestalt im Silberhaar, voll königlicher Würde, voll Milde und Güte? Und neben dem königlichen Herrn die königliche Frau? So würden wir sagen: Das ist unser Zähringerherzog, der Herr unseres gesegneten Badnerlandes, vom Bodensee bis an den Main zieht es sich hin, ein von Gott gesegnetes Land; und jene Frau ist unsere allezeit hilfsbereite, Not und Elend lindernde, gütige Mutter unserer Landeskinder, das ist unser Herr und Vater, dem nahe zu sein für Badens Kinder, Söhne und Töchter, das größte Glück ist. Wir dürfen ihm schauen in’s milde, menschenfreundliche Antlitz, wie Kinder in’s Auge ihres Vaters; wir stehen vor ihm nicht in Furcht und Zagen, mit Ehrfurcht und vertrauensvoller Liebe begegnen wir seinem Vaterblick, dürfen zu ihm sprechen. Seine Kinder und hören seine väterlichen Worte; das ist der deutsche Mann, der als einer der ersten deutschen Fürsten und Männer mitgeholfen, den Bau des deutschen Reiches aufzurichten, eine feste Burg, hoch in die Wolken ragen ihre Zinnen; das ist der Mann, der zurückdrängend alle kleinen Rücksichten auf’s große Ganze den Blick gerichtet hält: Ihm laßt uns huldigen, Ihm Treue schwören auf’s Neue mit Herz und mit Hand! Und bringt ihr Grüße herüber aus der Vergangenheit Taten, wir bringen die Liebe und Treue. Mit diesen Gesinnungen ist unsere Zähringerstadt, seit sie zum Badnerlande gehörte, allzeit dem Banner gefolgt, der Herzöge von Zähringen, und ihm zu folgen in Zukunft, in Treu und Liebe schwört sie heute mit feierlichem, heiligen Schwur. Treu zu Fürst und Vaterland! So soll es auch in Zukunft sein. Gegrüßt noch einmal, durchlauchtigstes Fürstenpaar! Gegrüßt herrliches Badnerland, gegrüßt deutsches Vaterland, unser Schutz und Hort in alle Zeit!“ 23)

Die Verehrung des Großherzoges von einem bürgerlichen Publikum entgegengebracht nahm nahezu mystisch-religiöse Züge an. Zumindest in der Terminologie, bei den Formeln drängen sich die religiösen Vorbilder geradezu auf. Aus dem Motto „Mit Gott für König und Vaterland“ entstand allmählich „Unser Gott ist König und Vaterland!“ Der spezifisch deutsche Nationalismus wurde immer mehr zur Ersatzreligion. Die beschriebene Huldigung fand vor den Augen von 25 000 Teilnehmern statt. Eine mystische Einheit von „Volksmenge“ und „Fürst“!

Der Fürst trotz fortgeschrittenen Alters, trotz Mittagshitze zeigte sich als wahrer Deutscher.

„Die rastlose, unermüdliche Pflichttreue, mit der unser so innig verehrter Landesherr in staunen-erregender Rüstigkeit auch den Anforderungen der Repräsentation genügt, trat am gestrigen Tage wieder so recht deutlich in die Erscheinung. Während der ganzen Dauer des Festzuges verweilte der hohe Herr stehend im Waffenrock seines Leib-Dragoner-Regiments das Haupt mit dem Helm bedeckt, auf der Tribüne.“ 24)

Die „harrende Volksmenge“ jubelte ihm zu, wie die Zeitungen einheitlich schrieben. Sonderzüge hatten die Menschenmassen nach Villingen gebracht, aus den umliegenden Orten waren alle gekommen, um an dem Fest teilzunehmen, was die Neckarquelle Schiller zitieren ließ:

„,Es war, als wenn die Menschheit auf der Wanderung wäre‘ denn vom Orte Schwenningen bewegte sich so eine Menschenmenge auf beiden Wegen wie wir noch gar nie gesehen haben: in der Fest- und Jubelstadt war daselbst ein Wogen von Festteilnehmern zu sehen, wie ein solches Villingen wohl ebenfalls noch nie zu sehen bekommen hat.“ 25)

„Unaufhörlich strömten die Volksmassen, welche der Bahnzug von nah und fern gebracht, zu den Thoren herein.“ 26)

Mittelalterliche Romantik unter den Bedingungen der modernen Industriegesellschaft! Der Gipfel und Höhepunkt der Geschichte war erreicht! Oder wie ein Journalist schrieb: „Eine seltene Fülle historischer Ereignisse scheint jetzt, neun Jahrhunderte nach der Städtegründung, zu schönem Ring geschlossen.“ 27)

So schön hatten es die Altvorderen wahrhaftig nicht in Szene setzen können! Während des großen Volksfests am Nachmittag des Festtages konnten sich die Besucher an der Vermischung von alt und neu erfreuen und das bunte, historisch-moderne Treiben bewundern.

Der Fürst und sein Volk, sie fanden vor der malerischen Kulisse der altehrwürdigen Zähringerstadt zusammen als lebendes Bild einer Verschmelzung der Zeitalter und einer harmonischen idealen deutschen Gesellschaft. Wie hatten sich die Zeiten seit 1847 in Villingen geändert!

Die 900-Jahr-Feier inspirierte auch die Künstler. So schrieb die Berufslyrikerin und gebürtige Villingerin Frau Prof. Bertha Weber geb. Fricker ein „Preislied“ zu dem hohen Ereignis. Das der Stadt zugesandte Gedicht, war auf Geschäftspapier geschrieben, auf dem der Wahlspruch der dichtenden Muse neben anderer Eigenwerbung aufgedruckt war: „Nicht Vielen, nur den Besten möchte ich gefallen!“

Die Bekanntschaft der Dame mit Justinus Kerner und eine Ehe mit Prof. Weber sowie ihre nachgewiesene Liebe für das „Erhabene“ und „Schöne“ bürgten anscheinend für Qualität, zumindest beim zeitgenössischen Publikum.

Über vierzehn Strophen im braven Kreuzreim und dreihebigen Versen sang die Dichterin ihr Jubelfeierlied. Dem Zwang der Strophenform fiel manchmal die Sprachlogik zum Opfer, und selbst der „erhabene“ Sprachstil, die „Helden“ mit ihrer „Treue“, „die Mannen“ „stolz wie Tannen“ wirken heute eher dilettantisch-komisch als festlich-gehoben. Die Mühsal des Dichtens wird gar zu offensichtlich. Das Publikum der Jahrhundertwende schien daran keinen Anstoß zu nehmen. Unreflektierte Verherrlichung und Selbstbespiegelung im historischen Gewand war Mode. Schiller- und Goetheverse konnten völlig mühelos in solche Art Dichtkunst integriert werden. Die Qualitätsunterschiede beunruhigten niemand. Die Werke der Klassiker, eher gemeint als idealer Gegenentwurf zu einer wenig idealen Welt, wurden für die Kunstwelt der Jahrhundertwende zur idealen Wirklichkeit, sie dienten der Selbstdarstellung. Die Zitate der Zeitungsschreiber zur 900-Jahr-Feier machen es immer wieder deutlich.

In „treuer Heldenhaftigkeit“ und „inniger, kindlicher Liebe“ zum Fürsten bewältigte man die „Stürme“ des Lebens.

Armut, Not, Unterdrückung, Angst und Ohnmachtsgefühle hatten in der begeisterten Festwelt des ausgehenden 19. Jahrhunderts keinen Platz. Die Kulturbedürfnisse der Bürger verlangten eine erhabene Innerlichkeit, die Flucht in eine von der Realität komplett abgehobene Welt.

Den gesellschaftlichen Machtträgern allerdings dienten die in der bürgerlichen Festwelt konservierten feudal-harmonischen Ordnungsvorstellungen zur Festigung ihrer Position. Die Herrscher ließen sich feiern mit den Bildern, die einer Kunstwelt entnommen wurden, und wurden so zu idealen Fürsten einer idealen Gesellschaft.

Wer anderer Meinung war, der galt dann als Demokrat oder noch schlimmer als Sozialdemokrat!

Die Centenar-Feier der Stadt Villingen 1906

Zur Centenar-Feier 1906 widmete Jos. Moder der „alten und ehrwürdigen Stadt Villingen“ ein Gedicht von insgesamt 241 Strophen.

Er besang darin vor allem die jüngste 100-jährige, badische Geschichte. In Strophen den 72 bis 78 gedenkt der Dichter des Villinger Kriegerdenkmals vor dem Bezirksamt.

„Vor dem Kriegerdenkmal

Ich seh im Geist Germania

Stolz vor der Pyramide stehen

,Sind meine Kinder! ein Hurrah!‘

Sagt sie, soll diesen Stein umwehn‘

,Ihr Lebenden, kommt aufgeschaut!

Im wilden heißen Schlachtgetöse,

War’n sie’s, die’s neue Reich erbaut

Und ihm gegeben seine Größe.“

1871 wurde das Deutsche Reich gegründet nach einem siegreichen Feldzug gegen Frankreich. Den „Opfern“ des Feldzuges und dem neuen Patriotismus wurden überall im neuen Deutschen Reich Denkmale gewidmet. Das Villinger Kriegerdenkmal wurde am 2. September 1875 eingeweiht. Das Monument war als Obelisk gestaltet und ehrte die sechs Villinger, die im Krieg 1870/71 gefallen waren. Im wesentlichen hat es den Lauf der Zeit überstanden und kann heute noch am gleichen Platz besichtigt werden, an dem es einmal aufgestellt wurde. Die Aufgabe des Standbilds war einmal die Erinnerung an die Taten wachzuhalten, vor allem aber den Reichsgedanken im badischen Villingen zu festigen. Davon zeugen auch die Inschriften: ,Wehr den Tod im heiligen Kampfe fand, Ruht auch in fremder Erde im Vaterland.“ sowie „Mit Gott für Kaiser und Reich!“

Der Obelisk, ein Zeichen für Totenehrung aber auch Symbol für Herrscherruhm, war vergleichsweise unumstritten, wenn man bedenkt, daß das junge deutsche Reich in einer wahren Denkmalflut seine Ideen und Wertvorstellungen den Reichsbürgern zu übermitteln versuchte. So wurde im gleichen Jahr auch das berühmte Hermannsdenkmal eingeweiht. Daß das Standbild eine Möglichkeit vor allem der politischen „Bildung“ der sog. unteren Volksklassen darstellte, drückte Schopenhauer mit folgenden Worten aus: „Für die unterste Klasse, der die Verdienste eines großen Geistes ganz unzugänglich sind, ist am Ende bloß das Monument, als welches in ihr, durch einen sinnlichen Eindruck, eine dumpfe Ahnung davon erregt.“ 28) Die nötige Distanz zwischen Betrachter und Denkmal, vielleicht auch Schutz vor Beschädigungen und Angriffen, stellte ein eiserner Zaun und eine Blumenrabatte her. Die Ruhmessymbole heischten respektgebietenden Abstand. Der Staat forderte Ehrfurcht. Diese Tabuisierung erstickte dann auch jegliche Denkmalskritik im Keim. Der Vaterländische Gehalt bzw. der „rechte“ politische Anspruch einer Sache entzog diese im allgemeinen jeglicher öffentlichen Kritik.

Das zweite politische Denkmal Villingens wurde aus Anlaß der hundertjährigen Zugehörigkeit Villingens zu Baden errichtet. Leider fehlen entsprechende Hinweise in den Akten. Die entscheidenden Zeitungsberichte sind ebenfalls verloren gegangen. Auf Bildern aus dem Jahre 1908 sieht man das heute eher unauffällig beim Gesundheitsamt untergebrachte Monument an exponierter Stelle vor dem damaligen Finanzamt (heute Gesundheitsamt) zwischen und auf Granitblöcken aufgestellt. 29) Die recht auffällige Anlage war ebenfalls von einem Gartenzaun umgeben. Betreten verboten! Eine Sitzbank jenseits des Gartenzauns lud zum Betrachten und Ausruhen ein.

Heute steht Berthold — „der Gründer der Stadt“ —auf einem eher bescheidenen Sockel, fast versteckt in den Anlagen, wohl auch deshalb weil die heutige Zeit von politischen Denkmälern der wilhelminischen Epoche eher distanziert gegenübertritt. Ohne die Erhöhung durch den Granithügel und den Gartenzaun hat der Stadtgründer auch viel von seiner ehemaligen Größe eingebüßt.

In kriegerischem Aufzug, mit Helm, gestützt auf seinen Schild, das blanke Schwert in eher gespannter, unnatürlicher Pose zwischen sich und den Betrachter haltend, ein Monument badischen Herrschaftsanspruchs um die Jahrhundertwende. Für den Betrachter des Jahres 1907 sandte der Stadtgründer die Botschaft einer nun über 900jährigen Herrschaft des zähringisch-badischen Hauses aus und ließ so die Erinnerung an eine eher eigenständige und recht unabhängige Villinger Geschichte verblassen.

„Um die Jahrhundertwende versuchte auch die Historiographie mit Schläue und Fleiß aus dem Großherzog von Baden einen Zähringer zu machen“, um damit seinen legitimen Anspruch auf die vormals vorderösterreichischen Gebiete auch wissenschaftlich abzusichern. 30)

Der Betrachter des Berthold-Standbilds wurde eingeladen sich mit der machtbeanspruchenden Pose zu identifizieren, einen Abglanz dieser Größe zu übernehmen. Auch heute noch berichtet das Bertholdsdenkmal den Villingern von ihrer verlorenen Glanz- und Ruhmeszeit.

„Es gab gute Gründe, Herzog Berthold III von Zähringen in Villingen eine Gedenkplastik zu erstellen. Heinrich Hug, Ratsherr und erster Stadtchronist sagt 1496: Die Stadt Villingen ist 1119 durch Herzog Berthold III ‚erbauen‘ worden. Villingen darf sich deshalb aufgrund der früher Markt-, Münz-, Zoll- und Gerichtsverleihung 999 durch Kaiser Otto III als älteste Zähringerstadt fühlen. Es bestand keine Veranlassung, den Namen Berthold III vom Sockel zu entfernen, als das Standbild an den Eingang der Ringanlage … verbannt wurde.“ 31)

Zu den Feierlichkeiten der hundertjährigen Zugehörigkeit Villingens zu Baden schrieb der Villinger Lehrer Otto Stemmler ein Theaterstück „Ein Ruhmestag aus Altvillingens Heldenzeit“ mit allegorischem Nachspiel. Inhalt der vier dramatischen Bilder war die sog. Wasserbelagerung vom 8. und 9. September 1634, eine Thematik der Geschichte, die um die Jahrhundertwende sehr populär war, was andere Bürgerfeste, die an diese Ereignisse des 30jährigen Krieges erinnerten, beweisen.

Stemmler schildert, wie das von einem übermächtigen Feind, nämlich den Württembergern und den Schweden, belagerte Villingen sich allein durch den Mut und die Tapferkeit seiner Bürger und Bürgerinnen befreien kann. Nach bestandener Gefahr erhalten die treuen Untertanen ein kaiserliches Sendschreiben mit folgendem Inhalt: „Es blieb der kaiserlichen Majestät

Verborgen nicht, wie seine gute Stadt

Getreu dem Beispiel ihrer tapfern Ahnen

So vieler Feinde Drohungen zum Trotz

In diesen schweren Zeiten zu ihm hielt

Es sei die Stadt zu jeder Zeit sich des Bewußt, daß sie ob ihrer alten und Der neubewiesnen Treu in sondrer Gunst beim Kaiser steh!“

Die Bürger sind sich keineswegs von Anfang an darin einig, die Stadt vor den Feinden um jeden Preis zu verteidigen. Der Gegenspieler des Bürgermeisters im Stück, bezeichnenderweise der Wirt zum Wilden Mann, äußert dazu folgende Ansicht: „Um solcher Händel willen soll der Bürger die Haut zu Markte tragen? Nein! sag‘ ich jetzt ist’s genug! Der Bürger hat es satt,

Nur als Kanonenfutter Euch zu dienen.“ Allerdings wird diese Haltung von vornherein degradiert. Eine eigene Meinung braucht sich der Zuschauer nicht zu bilden, er erfährt sogleich durch den Autor des Stücks, was er hiervon zu halten hat:

„Man weiß, woher bei seiner Winkelschenk

Der Zulauf kommt. Der wilde Mann führt gern

Auch wilde Red‘ im Mund, versteht sich auf’s

Geschäft, wie einer! Wenn er seinen Gästen

Sein Evangeli von der Tyrannei

Des Rats und von der Bürgerfreiheit kündet,

So redet er sie in’nen wahren Rausch

Hinein, und sind dann ihre Köpfe heiß,

So meinen sie, die Gimpel, %sei vom Wein!

Doch Ehre und Treue siegen gegen solche defäti-

stischen Anschauungen. Die Meinung des Bürger-

meisters setzt sich durch.

„…Wie kann eine Stadt, die durch

So alte Bande an das Kaiserhaus

Gekettet ist, die soviel Treue schon

In schwerer Zeit dem Kaiser hat bezeigt,

Die soviel Gnad’beweise seiner Huld

Sichtbarlich trägt, wie könnte die jetzt wanken?

Er beschließt seine Rede:

„Und wenn zuletzt auch alles fehl sollt‘ geh’n,

Und wenn uns Untergang beschieden wär‘.

So lassen wir als Ehrenmänner, die

Im Dienst der alten Treue nie erlahmen,

In Gottes Namen und bei diesen Mauern,

Die uns geheiligt sind, vom Feind begraben,

Mit uns hinunternehmend unsre Ehr‘

Und unsrer langgehegten Treue Namen!“

Diese Worte scheinen dann auch alle Bürger im Stück zu beschämen und stellen die notwendige Einigkeit her. Die Treue zu Kaiser und Vaterland versöhnt die Kontrahenten im eigenen Lager. Unter solch pathetischen Reden verstummt alle Kritik. Die Treue zum Kaiser im Mittelalter, der mittelalterliche Reichsgedanken wird parallel gesetzt mit der Treue zum neuen Deutschen Reich, und das neue badische Herzogtum knüpft an die alte Zähringergeschichte an. Der badische Großherzog wird zum Urenkel der alten Zähringer! Villinger Geschichte damit zu einem Musterbeispiel badischer Tradition. So äußert der Bürgermeister in Otto Stemmlers Stück während der Wasserbelagerung den Zweifelnden und Kleinmütigen gegenüber:

„Wär’s noch der bad’sche Markgraf Wilhelm, der

Des Kaisers Freund, an seiner Statt der Land-

Vogtei im Breisgau waltet, wollte den

Der Kaiser setzen uns zum Herrn, da wär’s

Ein anderes! Der hat, auf uns bedacht,

Durch manchen Dienst uns schon verbunden,

Es steht im besten Angedenken noch

Der Zähringer Geschlecht beim ganzen Volk.“

Die Geschichte diente dazu die Gegenwart zu rechtfertigen, die Bürger mit der Gegenwart auszusöhnen. Die Gleichsetzungen von Gegenwart und Historie wurden verstanden. In den Auseinandersetzungen der Bürger in Stemmlers Stück, ihren Diskussionen, ihrer Kritik an Rat und Bürgermeister, in den Anmerkungen über die katholische Geistlichkeit mag mancher seinen Zeitgenossen um 1900 wiederentdeckt haben. Durch die Probleme der Bürger des 30jährigen Krieges schimmerten die Konflikte des Villingen um 1900 hindurch. Die Treue zu Kaiser und Reich, so die Botschaft des Stücks, würde die ersehnte Harmonie bringen.

Am meisten Beachtung fand das Ende des Theaterstücks. Die „Huldigung der allegorischen Figuren Villingia, Friburgia und Badenia vor der Büste Großherzog Karl Friedrichs“.

Villingia trauert über ihr Geschick:

„Losgerissen von dem alten Herrscherhaus,

Das ein volles Halbjahrtausend mich

Hielt in treuer, vatergleicher Hut,

Weiß ich kaum mehr, wem ich dienen muß;

Gegen Neigung, gegen die Geschichte Klar und deutlich ausgesprochnen Sinn Sprach man mich dem Württemberger zu!“

Die Schwester Friburgia tröstet:

„Herrlich, wenn auch spät, erfüllt sich so der Alten Zähringerherzöge Ziel,

An des Reichs Südwestmark wollten Sie Dorten gegen Welschland hin als mächtig

Bollwerk sich erheben lassen ein

Starkgefügtes, großes Herzogtum, Dessen Herzog dann der größte wäre Aller die des Reichs Gebäude stützten. —Herrlich ist, was diesen Bertholdingern Nicht vergönnt ward von der Zeitungunst, Heut dem späten Sprossen ihrer Vettern, Markgraf Friedrich Karl gelungen, der ein Großherzogtum schuf in diesen Tagen, Der als Badens erster Großherzog in Der Geschichte Büchern wird fortan mit Ruhm genannt.“

Villingia läßt sich überzeugen:

„Freudig, froher Zukunftshoffnung voll, tret‘ Ich in deinen jungen Staat, Badenia!“

Die Allegorische Darstellung endet mit einer Huldigung an den Fürsten:

„Meine Huldigung, erhabener Fürst, Nimm sie huldvoll hin von deiner jüngsten Stadt, die doch altvertraut ist deinem Hause

Lang regier und glorreich Badens erster Großherzog, es blühe in die fernste Zukunft, als Juwel der deutschen Lande, Friedrichs Werk, das Großherzogtum Baden.“

Die Uraufführung in der Tonhalle sahen immerhin 1000 Menschen. Die Kunst stellte sich ganz unverhüllt und schamlos in den Dienst von Kaiser, Reich und Großherzog. Der pädagogische Wert schien unumstritten. Einziger Mißklang blieb die Tatsache, daß der Dichter Otto Stemmler seine literarische Leistung anders als die Stadtväter einschätzte und das Honorar von 50 Reichsmark ablehnte, weil sich seine Dichtung nicht in Geldeswert bemessen lasse. Der Bürgermeister der Stadt Villingen entschuldigte sich damit, er habe den Dichter mit dem Honorar keineswegs beleidigen wollen.

Zweck der künstlerischen Darbietungen durch Theater und Denkmalskunst war eine Uminterpretation der Geschichte zur Stützung der badischen und der Reichspolitik. Die historischen Themen lieferten Inhalte und Formen für moderne politische Propaganda. Ihre aufklärerische Funktion hatte die Geschichtsschreibung längst verloren. Zu der Centenar-Feier übernahm der Historiker Prof. Dr. Roder im Auftrag des Bürgermeisters Braunagel die Recherchen zu dem Thema: Anschluß Villingens an Baden. Roder beurteilte die Feiern folgendermaßen: „Ob die Stadt Villg. einen eigentlichen Festakt begehen wird, wird doch zu überlegen sein. Andernorts ging und geht man still über jene Ereignisse hinweg; höchstens, daß man daran erinnerte in dieser oder jener Form. Im Grunde genommen sind jene nur territorialen Umwälzungen, so notwendig und folgenschwer sie auch waren, doch für immer eine Schmach in der deutschen Reichsgeschichte, weil die Fürsten in offener Auflehnung gegen den Kaiser standen u. ihre Länder lediglich von Napoleons Gnaden erhalten haben, dessen Vertreter bei allen Verhandlungen die erste Rolle spielten.“ 32)

Die Einschätzung Roders dürfte die Situation Villingens um 1806 ohne Beschönigung wiedergeben. Die Stadt Villingen war 1806 zum Spielball der Fürsten geworden, sie hatte damit ihre Selbständigkeit erst einmal weitgehend verloren. Der Gewaltakt des französischen resp. welschen Erzfeindes, mit dem die süddeutschen Fürsten gegen den alten Reichsgedanken paktierten, wurde hundert Jahre später in der Villinger Tonhalle umgedeutet als Vollendung der alten Zähringerherrschaft bzw. eines ominösen Zähringer-Imperiums gegen die Franzosen, und Carl Friedrich Großherzog von Napoleons Gnaden fand sich in den Geschichtsbüchern wieder als Vollender des Siegs gegen die Franzosen und Vollender des Reichsgedankens! Die Geschichtsbetrachtungen des beginnenden 20 Jahrhunderts wurden immer mehr zur platten Geschichtsfälschung.

Illusion und Wirklichkeit

Ein Vergleich der historischen Darstellungen aus der ersten und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führt zu folgenden Ergebnissen: 1847, ein Jahr vor der 48er-Revolution, empfanden die Villinger Bürger den Verlust ihrer städtischen Autonomie immer noch als einen Verlust an bürgerlicher Freiheit.

Um 1900 galt „Bürgerfreiheit“ eher als Stammtischparole, als demagogischer Terminus aus dem Vokabular „demokratischer“ oder sogar „sozialdemokratischer“ Kreise, denen es an Nationalstolz und Liebe zum Vaterland fehlte. Gleichzeitig verlor die historische Rückbesinnung ihren aufklärerischen Aspekt, sie diente nur noch dem Glanz der Fürsten und der Zurschaustellung eines hierarchisch abgestuften harmonischen Gesellschaftsbildes. Die Bürger suchten „Geborgenheit im obrigkeitlichen Schutz“. Ihr Denken bestimmte „der feige Wille zur Ohnmacht“, urteilte Max Weber. 33)

Die politischen Inhalte der historischen Ereignisse wurden unbedeutend. Entscheidend wurde die Form ihrer Darstellung, die künstlerisch überhöhte Pose, konkret die geschönten „originalen“ Pracht- und Prunkkostüme. Der Historisch-politische Inhalt reduzierte sich auf ein banales: Sieg – Heil – Hurra! Auch heute nimmt uns der Glanz der Gründerzeit immer noch gefangen. Die Bilder aus der sprichwörtlich gewordenen „guten, alten Zeit“, die prächtigen Staatsempfänge, die huldvoll lächelnden Großherzoge und -Herzoginnen haben selbst auf inzwischen überzeugte Republikaner ihre Wirkung. Unsere Möbelhäuser orientieren ihre Vorstellung von Gemütlichkeit wieder an Zimmerpalmen, an Schabracken, Bordüren, gerafften Vorhängen und Stuckornamenten. Dekorative Theaterszenen verfehlen ihre Wirkung nicht, wenn man die Wirklichkeit nicht wahrnehmen will. Auch heute vermag Illusion Realität zu ersetzen!

Zwischen 1847 und 1906 änderten sich durch die industrielle Revolution die Bedingungen der städtischen Gesellschaft von Grund auf.

1862 mit der Einführung der Gewerbefreiheit in Baden wurde der Einfluß der Zünfte abgeschafft und damit auch ein Teil der Werte des alten Handwerks aufgegeben. An die Stelle der zum Schluß der zünftigen Periode nur noch mühsam aufrecht gehaltenen Traditionen traten Konkurrenzdruck und Marktdynamik. Die Gesetze von Angebot und Nachfrage bestimmten weitgehend ohne soziale Regulative das Leben des einzelnen. Die veränderten Märkte, vor allem durch die Reichsgründung verursacht, trieben Firmen in den Konkurs, riefen neue Firmengründungen hervor. Die Geschäftsnachrichten der Lokalpresse geben ein beredtes Bild davon. Selbst große und scheinbar sehr erfolgreiche Firmen gerieten unversehens in Konkurs, weil sie die Marktbedingungen falsch einschätzten. Wer heute noch ein bedeutender Industriekapitän war, konnte morgen schon seine Position verloren haben. Die Zeit wurde als unstet und voller Unsicherheit erlebt. Die ständig drohende Gefahr des wirtschaftlichen Ruins vor Augen nahm man Zuflucht zu unseriösen Geschäftspraktiken. Ängste betäubte man durch verschwenderischen Luxus. Zumindest interpretierte eine Zuschrift im Villinger Schwarzwälder die Zeiterscheinungen so.

„Es ist dieses Bankrottmachen, wie es heute zu Tage tritt nicht bloß ein Zeichen der materiellen und geschäftlichen Not, sondern auch der sittlichen Korruption des Volkes. Die unterwühlten Kreditverhältnisse in Deutschland sind seit einigen Jahren zur höchst bedenklichen und sehr beunruhigenden Tatsache geworden. Die Handelsganten (Konkurse) häufen sich in unglaublicher Weise. Es herrscht in allen Kreisen das Gefühl, daß es nicht so weiter gehen kann, wenn nicht eine schlimme Katastrophe noch einbrechen soll … Der Ursachen dieser unterwühlten Zustände sind viele, Überproduktion, lange Kredittermine, leichtfertiger Kredit … Bei größeren Geschäften ruiniert die Leute jetzt häufiger die Sucht und Mode, elegante Läden und Schaufenster herzustellen … Dazu kommt noch, daß auch die Käufer zum Teil durch die letztverwichenen Schwindeljahre und durch vermehrten Luxus in ihren Vermögensverhältnissen gestört sind.“ 34)

Konsequenz der allgemein empfundenen Unsicherheit in allen Bevölkerungskreisen war ein gigantisches Aufblühen der Versicherungswirtschaft. So zählte das Adressbuch von 1912 ca. zwanzig unterschiedliche Versicherungsagenturen, die sich in Villingen niedergelassen hatten. Vielleicht erklärt auch diese allgemein empfundene wirtschaftliche Bedrohung, die Beliebtheit solcher historischen Themen, wie sie z. B. die Wasserbelagerung des 30-jährigen Krieges darstellt. Thema: Wie sich die Villinger trotz aussichtsloser Situation vor dem Feinde retten konnten. Über die Akzeptanz der politischen Machtträger wurde dann die entbehrte Sicherheit und Geborgenheit versprochen.

Mit den beiden größten Arbeitgebern am Platz, der Uhrenfabrik Werner, 1907 etwa 450 Arbeitsplätze, und der Uhrenfabrik Villingen AG, 1907 etwa 200 Arbeitsplätze, mußten die Villinger leidvolle Erfahrungen machen. Die Dauerkrise der Uhrenfabrik in der Bleiche beschäftigte die Zeitungen über Jahrzehnte, die größte Uhrenfabrik mußte 1912/13 Konkurs anmelden, konnte aber glücklicherweise von der Schwenninger Firma Kienzle übernommen werden.

Die feinmechanische Industrie in Villingen, die Orchestrionindustrie sowie die Uhrenindustrie, waren vor allem von der Konjunktur des Weltmarktes und Auslandsaufträgen abhängig.

Dem Konkurrenzdruck versuchte man vor allem durch Automatisierung d.h. Lohnkostensenkung zu begegnen. Der Druck auf die Preise wurde soweit es möglich war auf die Löhne der Arbeiter weitergegeben, das schwächste Glied in dieser Produktionskette. Hinter den Fassaden der Villinger Altstadt, die bei der 900-Jahr-Feier einen so malerischen Hintergrund bot, fanden sich die Wohnungen der Villinger Industriearbeiter. Der „neue Anstrich“ zur großen Feier kaschierte die teilweise erbärmlichen Unterkünfte perfekt. Gerade in der Niederen Straße, durch die auch der Festzug zog, befanden sich besonders schlimme Fälle. In den dunklen, feuchten Erdgeschoßwohnungen der Villinger Altstadt mangelte es an Hygiene, Licht und frischer Luft. Die Arbeiterwohnungssituation war so schlimm, daß sie selbst den Landeskommissär in Konstanz und den badischen Gewerbeinspektor beschäftigte.35) Der Glanz der Gründerzeit hatte seinen Preis. Der industrielle Fortschritt wurde allerdings allgemein begrüßt. Das historische Dekor behinderte eine positiv, naiv-fortschrittsgläubige Einstellung keineswegs. Eher das Gegenteil war der Fall! Die Geschichte hatte geradezu die Funktion, die Errungenschaften der modernen Technik vor dem Hintergrund historischer Romantik besonders positiv herauszustellen. Sie bildete quasi die Folie, die den Fortschritt besonders hell zum Leuchten brachte. So dichtete Jos. Moder zur Centenar-Feier:

„Ein mannhaft Volk, verstand die Zeit, Es hatte Fortschritt angenommen; Verstand, daß nur mit so Geleit

Es möglich wäre durchzukommen Welch Bild zeigt heute doch die Stadt! Denkt auch zurück um fünfzig Jahre! Wer dieses noch erlebet hat

Der geb ein Stoß in die Fanfare! …

Wasserleitung, Gaslicht und Eisenbahn hatten das Leben bequemer, komfortabler gemacht. So daß der Dichter zu dem Schluß kommt:

,Wenn heut‘ das Früh’re wieder käm‘

Da möchte ich die Augen sehen!

Wie’s ist wär‘ nicht für sie bequem,

Sie würden fast vor Schreck vergehen.

Elektrik, Dampf, Automobil

Verdunkeln jetzt die alten Zeiten,

Was früher war, ist Kinderspiel

Luft, Licht und schön auf allen Seiten.“

Moder schildert das Villingen um 1906 als eine

Einkaufsmetropole, in deren Hauptstraßen die

Geschäfte alles anbieten, was das Herz begehrt.

Ganz Villingen ein Bazar, ein Kaufhaus!

„So manche Stadt mit Bazar glänzt

Hier wird gemeinsam es ergänzt;

Denn kommt man durch das Tor herein,

So schauet man verwundert drein,

Wie’s rechts und links in seltner Pracht

Dem fremden Aug‘ entgegen lacht.

Farben, Wichse, schöne Schwämme,
Hornpokale, Schirm‘ und Kämme;
Schaukelpferde, zahm und willig,
Samt dem Sattel auch noch billig.
Alles ist für jedermännig,

Kostet manchmal nur zehn Pfennig Manches kann man, kaum zu glauben Für ein Nickel sich erlauben.“

124 Verse opfert das große Gedicht zur Centenar-Feier dem Villinger Warenangebot; es war so riesig, daß

„Keine Großstadt kann es wagen

Selber mehr von sich zu sagen.“

Der Villinger Einzelhandel wurde zum Träger der wichtigsten städtischen Funktion: nämlich Einkaufsparadies des Umlandes zu sein, Schaufenster für den Wohlstand und Luxus der neuen Zeit.

Feierlichkeit, Kunst und Kommerz ließen sich ganz hervorragend miteinander verbinden. Städtische Kultur wurde jetzt zur Warenhaus- und Konsumkultur, ihre Vorreiter-Funktion in den Bereichen der politischen Kultur hatten die Städte im Laufe des 19. Jahrhunderts eingebüßt. Wenn man in Villingen schon nicht mit der Pracht einer großstädtisch-bürgerlichen Warenhaus-Szenerie aufwarten konnte, so konnte hier die ganze Stadt zum Warenhaus werden, und das Angebot war wenigstens im Gedicht überwältigend. Festlich-herrschaftliche Pracht verlockte zum Kaufen, daran hat sich bis heute nichts geändert. Warum sollte die Pracht der 900-Jahr-Feier, die anmutige Gestalt einer mittelalterlichen Stadt nicht für solche Zwecke eingesetzt werden?

So empfand es jedenfalls der Villinger Einzelhandel, der den Gemeinderat aufforderte, zum Stadtfest keinen fremden Händler zuzulassen und auf das positive Vorbild der Schwenninger Kollegen verwies, die bei großen Feierlichkeiten ebenso verführen. Nicht nur Fortschritt und Handel, auch die Fabriken werden bei Moder besungen.

„Gar vielerlei ist der Betrieb
in so gar mancherlei Fabriken;
Wie zauberhaft, wie’s Manchem lieb,
Sieht man das Schwere überbrücken!
Die Riemen ziehn, die Räder geh’n,
Und hundertfältig sind die Zwecke
Doch das geheimnisvolle Dreh’n
Hilft allen glücklich um die Ecke.“

Fabriken verwandeln sich in diesen Versen in geradezu schwerelose Zauberreiche, in denen sich die modernen Wunder mit Hilfe von „Riemen“ und „Rädern“ vollziehen. Die ca. 800 Arbeiter, die in diesen „Zaubergebilden“ ihren 10-Stunden-Tag verbrachten, werden mit keiner Silbe erwähnt, ganz zu schweigen von den harten Arbeitsbedingungen, unter denen hier gearbeitet werden mußte. In diesem Wunderland würden sie wohl nur unpassend wirken. Die Fabrikanten sind die Könige dieser Zauberbereiche, welche sie mit Genie und Fleiß aufbauten, wie z. B. ‚Werner Karl I“, gemeint ist der Firmengründer der Uhrenfabrik Werner, der im Gedicht königsgleich auftritt.

Trotz allen Fortschritts in Handel und Gewerbe scheint das Handwerk immer noch in alter Blüte zu bestehen.

Jed Handwerk golden Boden hat,

Wo’s ist, ist eine Ehrenstelle;

Wenn emsige Hände nimmer matt,

Dann schafft auch im Getrieb die Welle.

Dann bringt die Arbeit viel hervor.“

Die Probleme, unter denen Teile des Handwerks leiden, die Konkurrenz durch die moderne Industrie, die Situation der häufig zugewanderten Industriearbeiter, die Wohnungsnot, all das wird ausgeblendet. Zünftige Werte und mittelalterliche Sozialidylle beherrschen immer noch die offiziellen Festbilder. Die Symbolfigur bleibt Hans Kraut mit seinen Gesellen, gefolgt von den Villinger Zünften, wie es bei der 900-Jahr-Feier noch einmal so überzeugend vor aller Augen demonstriert wurde. Ein buntes geschäftiges Treiben! Vor den Schattenseiten schloß man in Festesstimmung beharrlich die Augen. Armut fand nicht statt!

Für uns heute drängt sich bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte des 19. Jahrhunderts fast der Eindruck auf, als handle es sich bei der Welt der Bürger und der Welt der Arbeiter um zwei vollständig getrennte Bereiche, die nichts miteinander zu tun hatten.

1847 bei der Grundsteinlegung des Bezirksstrafgerichts wurde in den Grundstein neben einer geschichtlichen Darstellung auch eine statistische Beschreibung der augenblicklichen Situation eingemauert. Die wirtschaftliche Lage der Stadt war eher schlecht; es fehlte an ausreichenden Arbeitsmöglichkeiten sowie an genügend Nahrungsmitteln. Der Chronist berichtete darüber:

Seit 32 Jahren genießen wir nun die goldenen Früchte des Friedens. Einzig das Hunger- und Theuerungsjahr 1817, dem auch das heurige nachzuahmen drohte, steht uns noch in abschreckendem Andenken. Tausende werden nun dem Leben erhalten, die sonst der Hand der grimmigen verfallen sein würden. Ackerbau, Viehzucht, Gewerbe und Handel sind in zeitgemäßen Erblühen, wenn gleichwohl für geraume Periode ein Stocken derselben fühlbar ist. Eine Chemische-, eine Tuch-, eine Mehlfabrik, eine Fabrikation von … Essig sind seit etwa 10 Jahren dahier entstanden.

Einen Haupthebel des künftigen Wohlstandes suchen wir in der bevorstehenden Wirksamkeit des Bezirksstrafgerichtes, dem wir hoffen auch in nicht allzuweiter Ferne ein Kollegialgericht für bürgerliche Rechtspflege folgen wird.

Zu dem sind unsere Augen gerichtet auf den bevorstehenden Bau einer Eisenbahn von Offenburg bis Konstanz über hier, dessen Beginn aber durch den gegenwärtig vorherrschenden ungünstigen Geldmarkt zur Zeit nicht erfolgen konnte. Euch wird es vergönnt sein diesen Schienenweg in seinen großen Wirkungen zu bewundern; Ihr werdet Dank wissen der Generation, die solchen Bau erstrebte.“ 36)

Wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Fortschritt war 1847 noch untrennbar. Von der gerade aufblühenden Industrie erhoffte man sich eine Verbesserung für alle!

Wertewandel des 19. Jahrhunderts:

Von der Bürgerfreiheit zur industriellen Konsumkultur. 37)

Über seine deutschen Zeitgenossen äußerte sich Friedrich Nietzsche um 1900: „Sie sind von vor-gestern und übermorgen — sie haben noch kein Heute.“ 38)

Die Flucht in die Vergangenheit war überall gegenwärtig, man schwelgte geradezu in der Rückbesinnung.

Den Entbehrungen der Gegenwart wurde eine harmonische Vergangenheit entgegengesetzt. Den Widersprüchen der Aktualität wich man aus, indem man die Gegenwart unkritisch als das Ende und den Vollzug eines heroischen Mittelalters setzte. Geschichte wurde zur Bestätigung der eigenen Größe, eine ideale Überhöhung der konfliktgeladenen Gegenwart.

Die bürgerliche Öffentlichkeit, ihre Wünsche, ihre Ängste artikulierten sich nur bedingt. Das gigantische Fest, die ideologische Verknüpfung der mittelalterlichen Stadt mit dem badischen Herrscherhaus, die Macht des Fürsten ersetzten eigene Macht, eigene Größe, traten an die Stelle der eigenen Ohnmacht.

Die Künstler stellten sich in den Dienst dieser Vorhaben.

Welche Verdrängung bürgerlicher Autonomiewünsche, welche Aufgabe eigener bürgerlicher Identität geleistet werden mußte, davon überliefern die Quellen nur wenig.

Die Zeit nach 1850, im Schwarzwald die Zeit der Industrialisierung, in der das traditionelle Handwerk teilweise in schwere Bedrängnis kam, offenbart in den offiziellen Texten nur wenig von ihrer wirtschaftlich-sozialen Wirklichkeit.

Erhalten hat sich in Villingen dagegen ein besonders ausgeprägtes Interesse an den Zähringern, sowie eine betont badische Selbsteinschätzung. Zeiten, in denen die Geschichtsschreibung Mode ist, die Heimatvereine ihren Zulauf haben, sind immer auch Zeiten, in denen wir uns von einer ins Wanken geratenen Umwelt bedroht fühlen. Insoweit diese Rückbesinnung Verständnis für das Gewordene bietet, insoweit sie einen positiv kritischen Gegenentwurf für heutiges liefert, mag es wohl berechtigt sein, über das Vergangene nachzudenken. Selbstverwaltung, Bürgersinn, Solidarität und Nachbarschaft sind Werte, die uns die mittelalterliche Stadtgeschichte überliefert. Der Versuch, diese Werte in das 19. Jahrhundert hinüberzuretten, in den bürgerlichen Grund- und Menschenrechten aufgehen zu lassen, mißlang erst einmal. An die Stelle der Herrschaft durch das Volk trat die Herrschaft der Fürsten des neuen Deutschen Reiches. Die Geschichte legitimierte nun nicht mehr wie noch vor 1848 die Freiheitsansprüche des Volkes, sondern über eine Kette von adligen Ahnen die Macht des Herrschers. Bürgerrechte wurden auf fürstliche Gnadenakte reduziert. Die Formen der Machtdarstellung durch die Fürsten und den Adel wurde von den neuen Industrieführern, denen Deutschland nicht zuletzt seine neue Größe zu verdanken hatte, kopiert. Die Fabrikanten traten an die Stelle der alten Handwerker- und Patriziersippen.

Gefolgschaft und bedingungslose Treue wurden als sogenannte überlieferte, spezifisch deutsche Tugenden propagiert. Diese Werte schienen auch besser geeignet, den allgegenwärtigen Fortschritt durchzusetzen, ohne ihn den Reibungsverlusten der städtischen Kontrolle, bzw. der Kontrolle einer gewachsenen bürgerlichen Gesellschaft zu unterwerfen.

Was häufig als bürgerliche Engstirnigkeit verkannt wird, als „spießbürgerliche soziale Kontrolle“ karikiert wurde, zeigte auch den Willen einer Stadtgesellschaft, ihren Bürgern, d. h. auch den armen Schichten angemessene Sicherheit zu bieten.

„Das berufliche Leben des Bürgers spielte sich in sehr engen Grenzen ab, die sich die Zünfte seit dem Mittelalter gesetzt hatten und an deren Ordnung man zäh festhielt. Alles war bis ins kleinste spezialisiert und reglementiert. Für jeden war zwar ein Lebensraum im Rahmen der allgemein sehr bescheidenen Umstände abgesteckt, aber keiner durfte sich darüber hinaus freimachen oder sich einen Vorteil auf Kosten des anderen verschaffen. Der Neid war ein scharfes Auge … Das enge Zusammenleben innerhalb der Mauern ließ aber unter den damaligen primitiven Verhältnissen keine andere Wahl.“ 39)

Solidarität und Wettbewerb, Fortschritt und Menschlichkeit können oft in einem Spannungsverhältnis stehen. Die Entscheidung für die eine Seite führt manchmal zum Nachteil der anderen. Es ist sicher gerade heute — bei immer engerwerdenden Finanzierungsspielräumen – wieder sinnvoll, sich an die alten Überlebenstugenden zurückzuerinnern.

Die Symbiose zwischen Industrie und Demokratie – 1846 noch ein denkbares Modell, sollte damals nicht gelingen. Die Industrie brauchte die Macht der Nationalstaaten, um ihre Interessen durchzusetzen. Da die Erfolge nicht ausblieben, erschien der neue deutsche Weg als gut und richtig.

Literatur:

Conradt-Mach, Annemarie: Feinwerktechnik – Arbeitswelt – Arbeiterkultur. Ein Beitrag zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Villingens und Schwenningens vor 1914. Villingen-Schwenningen 1985. Glaser, Hermann: Maschinenwelt und Alltagsleben. Reutlingen 1981. Hartmann, Andreas: Freiburg 1900. Waldkirch 1985, S. 199. Ebenso Schadek, Hans und Schmid, Karl (Hrsg.): Die Zähringer. Anstoß und Wirkung. Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung II. Sigmaringen 1986.

Nietsche, Friedrich: Werke. Frankfurt 1976 Bd. 3.

Revellio, Paul: Das alte Rathaus S. 179 – 188 In. Ders.: Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen. Villingen 1964.

Rodenwaldt, Ulrich: Das Leben im alten Villingen. 2. Aufl. Villingen-Schwenningen 1983.

Schadek, Hans und Schmid, Karl (Hrsg.): Die Zähringer. Anstoß und Wirkung. Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung II. Sigmaringen 1986.

Schreiner, Klaus: Die Stadt des Mittelalters als Faktor bürgerlicher Identitätsbildung. Zur Gegenwärtigkeit des mittelalterlichen Stadtbürgertums im historisch-politischen Bewußtsein des 18., 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. S. 517-541 In: Meckseper, Cord: Stadt im Wandel. Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland 1150-1650. Stuttgart 1985 (Landesausstellung Niedersachsen 1985, Ausstellungskatalog Bd. 4).

Schroff, H. u. Bühler, H.: Villinger Bilddokumente. Villingen-Schwenningen 1983.

Schwineköper, Berent: Die heutige Stadt Villingen – eine Gründung Herzog Bertolds V. von Zähringen (1186-1218) S. 75-100. In: Schmid, Karl (Hrsg.): Die Zähringer. Eine Tradition und ihre Erforschung. Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung I. Sigmaringen 1986.

Stadt Villingen-Schwenningen (Hrsg.): Feldforschung in Villingen-Schwenningen. Ein Beitrag zur Diskussion über die Kultur in der Doppelstadt. Villingen-Schwenningen 1991.

Anmerkungen:

1) Zur Industrie- und Gewerbeausstellung 1907, SAVS, Bestand 2.2.

2) Stadtarchiv VS Gewerbe- und Industrieausstellung 1907, Zei­tungsberichte, SAVS, Bestand 2.2.

3) (Emil Braunagel, Villingen im Jahre 1806. In: Das Badener Land

4) v. 16.12.1906), SAVS, Bestand 2.2, XI 3.46.

5) SAVS, Bestand 2.2, XI 3.46.

6) Elterliche und eigene Erinnerungen, geschrieben von Heinrich Dold in den Jahren 1898-1900. Eine Kopie des Originals wurde mir von Uta Baumann überlassen.

7) Alle Zitate aus: SAVS, Bestand 2.2, XI 3.46. (a.a.O.) Der ehemalige Bürgermeister und Abgeordnete der II. Kammer Vetter in seinem Gedenkbrief der Stadt Villingen:

8) 9) 10) 11)(a.a.O.)

12) Revellio, Paul: Villingens Übergang an die Rheinbundstaaten Württemberg und Baden. S. 86-90 In. Ders.: Beiträge zur Ge­schichte der Stadt Villingen. Villingen 1964, S. 90.

13) (Breisgauer Zeitung v. 13.8.1899) Zeitungsausschnitte zur 900-Jahr-Feier. SAVS, Bestand 2.2, XI 3.47.

14) (Breisgauer Zeitung v. 15.8.1899) SAVS, Bestand 2.2, XI 3.47.

15) 16) 17) (a.a.O.)

18) Revellio, Paul: Das alte Rathaus S. 179 – 188 In. Ders.: Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen. Villingen 1964 S. 180 und 187 außerdem S. 105 Aquarell der Rathausfassade des Holländers Pieter Francis Peters v. 1849.

19) Hartmann, Andreas: Freiburg 1900. Waldkirch 1985. Darin besonders das Kapitel: Die Auftürmung der Stadttore. S. 184-192 Man denke hier nur an die Kaiserpfalz in Goslar, an die Burg in Braunschweig oder auch an die Freiburger Stadttortürme.

20) (Breisgauer Zeitung v. 15.8.1899) SAVS, Bestand 2.2, XI 3.47.

21) Zeitungsausschnitte zur 900-Jahr-Feier, SAVS, Bestand 2.2, XI 3.47.

22) (a.a.O.)

23) SAVS, Bestand 2.2, XI 3.47.

24) (Donaueschinger Wochenblatt v. 15.8.1899) SAVS, Bestand 2.2, XI 3.47.

25) (Die Neckarquelle) SAVS, Bestand 2.2, XI 3.47.

26) (Breisgauer Zeitung) SAVS, Bestand 2.2, XI 3.47.

27) (Breisgauer Zeitung) SAVS, Bestand 2.2, XI 3.47.

28) Vgl. dazu Das Kapitel 5 „Zähringer verewigt: Brunnen und Denkmäler. S. 365-374. In: Schadek, Hans und Schmid, Karl (Hrsg.): Die Zähringer. Anstoß und Wirkung. Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung II. Sigmaringen 1986.

29) Vgl. dazu Schroff, H. u. Bühler, H.: Villinger Bilddokumente.Villingen-Schwenningen 1983, S. 77.

30) (Vgl. Hartmann, Andreas: Freiburg 1900. Waldkirch 1985, S. 199. Ebenso Schadek, Hans und Schmid, Karl (Hrsg.): Die Zähringer. Anstoß und Wirkung. Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung II. Sigmaringen 1986. S. 401 f .

31) Schroff, H. u. Bühler, H.: Villinger Bilddokumente. Villingen-Schwenningen 1983, S. 77.

32) SAVS, Bestand 2.2, XI 3.46.

33) zitiert nach: Schreiner, Klaus: Die Stadt des Mittelalters als Fak­tor bürgerlicher Identitätsbildung. Zur Gegenwärtigkeit des mittel­alterlichen Stadtbürgertums im historisch-politischen Bewußtsein des 18., 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. S. 517-541 In Meckseper, Cord: Stadt im Wandel. Kunst und Kultur des Bürger­tums in Norddeutschland 1150-1650. Stuttgart 1985 ( Landesaus­stellung Niedersachsen 1985, Ausstellungskatalog Bd. 4) S. 530.

34) (1870, zitiert nach Josef Honold).

35) Conradt-Mach, Annemarie: Feinwerktechnik – Arbeitswelt ­Arbeiterkultur. Ein Beitrag zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Villingens und Schwenningens vor 1914. Villingen-Schwenningen 1985. S. 103 f.

36) SAVS, Bestand 2.2, XI 3.46.

37) Vgl. Glaser, Hermann: Maschinenwelt und Alltagsleben. Reut­lingen 1981 (Darin besonders das Kapitel : Machtgeschützte Fest­lichkeit S. 137-144.

38) Nietsche, Friedrich: Werke. Frankfurt 1976 Bd. 3 S. 706.

39) Rodenwaldt Ulrich: Das Leben im alten Villingen. 2. Aufl. Villingen-Schwenningen 1983 S. 43.