Prof. Fritz Kaiser (1891-1974) (Dr. Bernd. Riedel)

Erinnerung an einen großen Künstler aus Villingen

Betrachten wir die Literatur über heimische Maler insbesondere aus Villingen und der Baar, so werden wir den Namen von Prof. Fritz Kaiser leider vergeblich suchen. Er wurde jedoch am 27. 9. 1891 in Villingen geboren, als Sohn des Zigarrengroßhändlers Karl Kaiser und seiner Frau Emma, geb. Mayer, gebürtig aus dem Hotzenwald bzw. aus dem Meßkircher Raum. Er wuchs mit seinen zwei Brüdern bis zu seinem Studienbeginn im Jahre 1909 in der Brigachstraße in Villingen auf. Sein Abitur machte er am Gymnasium in Donaueschingen. Dies war der Beginn der lebenslangen Freundschaft mit dem Schriftsteller Max Rieple. Ein von Kaiser gemaltes Ölportrait von Rieple hängt im Rieple-Archiv in Donaueschingen. In späteren Jahren besuchte Kaiser Villingen noch oft, er gab Cellokonzerte und malte Villingen und die Umgebung.

1966 wurde ihm zum 70. Geburtstag als Anerkennung für seine künstlerischen Leistungen die „Hans-Kraut-Plakette“ von der Stadt verliehen. Zum 75. Geburtstag verlieh ihm die Stadt den großen Villinger Stadtsiegel in Silber. Das Ölbild „Ansicht von Villingen“ und das Aquarell „Im Riet“ sind im Besitz der Stadt. Schon in der Schulzeit frel die künstlerische, wie auch musische Begabung von Kaiser auf. Seine Mutter förderte ihn und meldete ihn gegen den Willen des Vaters an der Kunstakademie in Karlsruhe an. Sein Onkel, Pfarrer Rinkenburger aus Pfohren, bei dem er zeitweise wohnte, förderte ihn ebenfalls, zumal dieser später Konservator für kirchliche Kunstaltertümer am Bodensee wurde.

Selbstbildnis, Öl, 1965

 

Sofort nach dem Abitur begann er sein Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe zunächst bei dem Trübnerschüler L. W. Plock, dann bei Prof. Ritter, um als Meisterschüler bei Prof. Wilhelm Trübner sein Studium zu vollenden. Gleichzeitig mit seinem Studium der Malerei studierte er am Musikkonservatorium Cello und Klavier.

Trübner wurde die künstlerisch prägende Figur für sein malerisches Schaffen. Er entwickelte dessen leuchtende Farbgebung mit dem flächenhaften, mosaikartigen Farbauftrag, das Zusammenspiel von Licht und farbigem Schatten zu seiner eigenen unverwechselbaren Handschrift weiter. 1914 waren die Lehrjahre in Karlsruhe zu Ende. Die ersten Ausstellungen 1912 und 1914 in Mannheim, Frankfurt, im Münchener Glaspalast und die große Deutsche Kunstausstellung in Baden-Baden waren erfolgreich und viel beachtet. Der Weg zurück in die Enge der Heimatstadt war nicht mehr möglich angesichts erster Erfolge und Eindrücke in der Welt der Malerei. Ein weiterer Grund für die Abkehr von seiner Heimatstadt war die in diesen Jahren begonnene, lebenslange Freundschaft mit der Familie Wißler auf der „Halde“ am Schauinsland. Hier in dieser herben und stürmischen von einem hohen Himmel überdachten Landschaft, eingebettet im Blick auf den Feldberg und das Belchenmassiv, hat Kaiser seine künstlerische wie auch menschliche Heimat gefunden.

Noch heute finden wir auf der „Halde“ die großartigsten Werke seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit der Natur und seiner Menschen. In Hofsgrund ist er begraben, jenem Ort mit der markanten kleinen Kirche, den stattlichen Gehöften und den sturmgebeugten Windbuchen, die er so oft in seinen Bildern festgehalten hat. Hier war es auch, wo er nach vierjährigem Fronteinsatz in Frankreich seine künstlerische und menschliche Identität während eines einjährigen Aufenthaltes wiederfand.

In seinem Schaffensdrang lösten sich seine Werke vom Einfluß Trübners. Eine expressive Übersteigerung der Farbgebung wie auch das Entfernen von naturgegebenen Normen setzte sich durch. So rücken seine Bilder in die Nähe des deutschen Expressionismus. Diese Einflüsse sind auf den Kontakt zu Max Liebermann und Lovis Corinth zurückzuführen, die er 1916 in Berlin traf und deren Werke er besonders schätzte.

Von 1919 bis 1926 wurde Kaiser dann in Freiburg ansässig, wohin seine Mutter schon vorher gezogen war. Zahlreiche Studienreisen in seiner Freiburger Zeit führten ihn in die Lüneburger Heide, in die Schweiz, nach Italien und nach Frankreich. Er malte ein halbes Jahr am Bodensee, wo Kaiser seine Vorliebe für die Darstellung des Wassers entwickelte. Ein weiteres halbes Jahr reiste er sowohl malend als auch konzertierend durch Schweden. Er organisierte Ausstellungen seiner Bilder in Stockholm, Motala und Linköping. Weitere Ausstellungen waren in Hamburg, Köln, Hannover, Karlsruhe, Baden-Baden und Frankfurt zu sehen. Er konzertierte auch, wie schon vor dem Krieg, in Villingen.

1924 fand im Freiburger Kunstverein jene vielbeachtete große Kunstausstellung statt, die Kaisers überregionalen Ruf weiterhin festigte. Es wurden Bilder der „Halde“ in all ihrer Vielfalt gezeigt vom flimmernden Sommertag bis zur windzerzausten, silberglänzenden Windbuche. Nicht nur die Landschaftsbilder beeindruckten sondern auch die großartigen Portraits z. B. der Familie Wißler, von Schwarzwälderinnen oder Schwarzwälder Bauern. Der Grundstein zum begehrten Portraitisten war gelegt. Schwedische Kritiker verglichen Kaiser mit ihrem berühmten Maler Andreas Zorn. Groß angelegte und komponierte Bilder mit Darstellungen des bäuerlichen Lebens erinnern mit der dunklen-tonigen Farbgebung an Gemälde von W. Leibl und seinem Umkreis, dem Kaiser offensichtlich sehr nahe gestanden hat.

Seine Neugier und sein künstlerisches Streben waren jedoch noch nicht erfüllt. 1926 verlegt Kaiser seinen Wohnsitz nach Frankfurt. Er wird von 1937 bis 1940 Präsident der Frankfurter Künstlergesellschaft und Ausstellungsleiter in Hessen-Nassau (Wiesbaden). 1944 wurde ihm in Berlin der Professorentitel verliehen.

Weitere Studienreisen nach Frankreich, in die Schweiz, nach Pommern, Hamburg und Spanien folgten.

1939 wurde Kaiser wieder in den Krieg zunächst nach Frankreich dann nach Rußland eingezogen, er geriet 1944 in russische Gefangenschaft und wurde 1948, an Dystrophie schwer erkrankt, nach Freiburg entlassen. Sein Atelier in Frankfurt und viele seiner Bilder sind zerstört. Auf der „Halde“ konnte er ein weiteres Mal Kraft schöpfen, um seinen künstlerischen Weg wieder zu beschreiten.

 

Blick von Stockburg, Öl, 1923

 

Der Vertrag, Öl, 1929

 

Gutacherin, Öl, 1935
Auf der Halde, Öl, um 1920

 

 

Windbuchen auf dem Schauinsland

1952 fand wieder die erste Ausstellung in Freiburg statt, 1953 folgte die große Ausstellung im Karlsruher Kunstverein und im Albertinum in Dresden. Gemäldeankäufe der Stadt Karlsruhe, Staatsankäufe für das Landtagspräsidium und Regierungspräsidium in Stuttgart bzw. Freiburg zeugten von seiner wiedergewonnenen künstlerischen Kraft. Viele Städte wie Dresden, Barcelona, Madrid, Stockholm, Kopenhagen, Philadelphia, Freiburg, Hamburg, Stuttgart, Darmstadt, Frankfurt, Villingen besitzen heute Gemälde. Seine letzte große Ausstellung fand 1967 im Augustinermuseum in Freiburg statt.

Am 15. 5. 1974 starb Fritz Kaiser in seinem Atelier in der Silberbergstraße in Freiburg.

Literaturverzeichnis:

Brüstle H.: Villingen; Kurze Kunstgeschichte Villingens v. J. Fuchs.

Hofstätter Dr. H.: Das Schwarzwaldbild; Augustinermuseum Freiburg.

Hofstätter Dr. H.: Kunst und Künstler in Baden, 1955.

Huber E.: Kunstgeschichte u. Kunstdenkmäler in „Der Schwarz-wald-Baar-Kreis“.

Mülfarth L.: Neines Lexikon Karlsruher Maler, 1987.

Münzer M.: Unsere bildenden Künstler aus Vergangenheit und Gegenwart.

Rieple M.: Leben und Werk des Malers Fritz Kaiser; EJ 1968.

Schwarzweber H.: Der Maler Fritz Kaiser; EJ 1932.

Vollmer: Lexikon der Bildenden Künste.

Gemäldeausstellung Fritz Kaiser, Augustinermuseum Freiburg, 1967.

Durch das schöne Badner Land; Kraftpostführer, 4. Auflage.

Schwarzwälder Kunstalmanach: Maler des Schwarzwaldes und der Baar, Villingen 1946.