Buchbesprechung SABA, Die Produktion von 1924 —1949 (Heinrich Boewe)

Wolfgang Menzel — Schriftenreihe zur Funkgeschichte Band 5

Verlag Dr. R. Walz, Kelkheim 1995

ISBN 3-9802576-3-0

Unter diesem schlichten Titel hat die Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens (GFGF) ein Werk herausgegeben, daß sich mit der gesamten Fertigung der Schwarzwälder-Apparate-Bau-Anstalt, August Schwer Söhne, in Villingen befaßt.

Nach dem Erwerb der Waldmühle 1919 wurden zunächst Tür-, Sicherheits- und Fahrradglocken hergestellt. In dieser Zeit wurde „SABA“ nur als Telegramm-Adresse geführt. Nachdem der Unterhaltungsrundfunk am 29. Oktober 1923 mit einem Konzert eröffnet wurde, brachte SABA die ersten Radio-Fernhörer auf den Markt und der Name SABA wurde dabei zum Markenzeichen. Die hiermit einsetzende Entwicklung der Firma SABA zum Hersteller technisch hochwertiger und aufwendiger Geräte der deutschen Radioproduktion ist Gegenstand dieses Buches.

Der Autor, Wolfgang Menzel, ist Typenreferent für SABA bei der GFGF und hat seit über 10 Jahre geforscht und zusammengetragen, was von Anfang bis zum Ende bei SABA auf dem Gebiet der Radiotechnik geschehen ist.

Das Ergebnis der ersten Epoche bis zum Neubeginn 1949 liegt jetzt als Buch mit 242 Seiten vor. In seinem Geleitwort schreibt Hans Georg Brun-ner-Schwer: „Es wurde in früherer Zeit schon öfters versucht, Chroniken über die Geschichte des Hauses SABA zu erstellen. Solche Chroniken sind aber mit einer gewissen Skepsis zu bewerten, zumal subjektive Eindrücke die Vergangenheiten sehr stark verwischen. Zur objektiven Darstellung der Vorgänge ist die Untersuchung sämtlicher vorhandener Geräte notwendig. Ich war positiv überrascht von der sehr ausführlichen Erfassung in dieser Veröffentlichung… SABA zwischen 1924 und 1949 wird so zu einem echten Dokument“. Mit viel Mühe und Hilfe aus dem Kreis der Funkhistoriker und Radiosammler, von denen etwa 1700 in der GFGF organisiert sind, gelang es dem Autor die Daten der gesamten Produktlinie bis ins Detail vom ersten Kopfhörer, über die Radiobauteile und Bausätze, die HANN-Serie und den „Sieger“ SW 35, zum sensationellen 980 WLK mit Motor-Sender-Suchlauf und der ersten Nachkriegs-Baureihe zusammenzutragen. Das Ziel, von jedem Gerät eine exakte Beschreibung und eine gute Abbildung zu bringen, ist mit mehr als 200 Bildern dokumentiert. Viele Innenansichten zeigen, daß der Gründer der SABA, Hermann Schwer, immer sehr darauf bedacht war, Qualität an allererste Stelle zu setzen.

So ist es verständlich, daß die Geräte aus der Anfangszeit mit ihren teils hochglanzvernickelten Bauteilen in den Kristallglaskästen heute hochbegehrte Sammlerstücke geworden sind.

Ergänzend zu den Produktbeschreibungen der einzelnen Baujahre sind Erklärungen über technische Besonderheiten eingefügt. Wolfgang Menzel bezieht erfreulicherweise, bei der technischen Entwicklung der SABA-Produkte, auch alles Weitere was zur Produktion gehört, mit ein. Seine Statistiken geben Auskunft über Verkaufszahlen, Preise und Umsätze und die Anzahl der Beschäftigten. Auch klammert der Autor die Rüstungsproduktion nicht aus. Sie hatte bereits 1940 einen Anteil von 88 %, und schon 1941 produzierte SABA fast ausschließlich für die Wehrmacht.

 

 

 

Diese Produktionsdaten aus der Anfangszeit der SABA fehlen in der Autobiographie von Hermann Brunner-Schwer, die 1990 bei Elster, Bühl-Moos, unter dem Titel „SABA Bilanz einer Aufgabe“, veröffentlicht wurde, und als kritisch analysierte Geschichte des Familienunternehmens angesehen wird. Vermutlich war dem Unternehmer die Diplomarbeit „Die Entwicklung der Produktpolitik eines Unternehmens der Rundfunk- und Fernsehindustrie, dargestellt am Beispiel der Firma SABA seit Einführung des kommerziellen Rundfunks“, die Sisi Hörzinger 1973 angefertigt hat, unbekannt, denn die fehlt in seinem Literaturverzeichnis. Dank Wolfgang Menzel, der diese Daten in seine Arbeit eingefügt hat, ist dieser Mangel ausgeglichen.

Ganz bewußt geht der Autor nicht auf die Geschichte des Familienunternehmens und die wirtschaftlichen Zusammenhänge ein. Diese Zurückhaltung ist berechtigt und angebracht. Er müßte sich sonst sehr kritisch mit dem Buch von Hermann Brunner-Schwer auseinandersetzen, das manches subjektiv und einiges, besonders bei technischen Belangen, auch unkorrekt darstellt. Das vorliegende Buch wendet sich vor allem an den funkhistorisch Interessierten. Wenn es trotzdem keine trockene, technische Lektüre wurde, sondern allen Lesern, die an der Geschichte dieses bedeutenden Industrie-Unternehmens in Villingen interessiert sind, empfohlen werden kann, dann, weil es der Autor mit vielen Randaspekten aufgelockert und bereichert hat. Eindrucksvoll die frühe Werbung, die sogar mit Werbeplakaten für den Export nach Japan belegt wird. Viele Abbildungen, die Einblick in die Fertigungssäle, Werkstätten und Prüfabläufe geben, und überwiegend aus der Sammlung von Herbert Schroff erstmalig veröffentlicht wurden. Diese Bilder sind sehr beeindruckend, weil sie auch aus dieser Zeit die Arbeitsbedingungen und das soziale Milieu dokumentieren. Das Buch ist nicht nur für ehemalige „Sabanesen“ lesenswert, sondern es bewahrt auch die Erinnerung an ein bedeutendes Unternehmen in unserer Stadt, dessen Ende im Jahr 1993 besiegelt wurde. Zu wünschen wäre, daß die Nachkriegsepoche, die ebenso technisch interessant und marktwirtschaftlich dramatisch verlaufen ist, nicht nur für die Zeitzeugen vom Autor fortgesetzt wird.