Die frühere Waldmühle und ihre Nachfolger (Hermann Preiser)

 

Zu den frühesten bekannten Mühlen in Villingen gehörte die Waldmühle. Sie war nicht nur seit 1663 ein bekannter Mühlenbetrieb, sondern ab dem Jahre 1902 auch ein beliebtes und angesehenes Ausflugsziel vor den Toren der Stadt, das allerdings am 30. April 1918 aus wirtschaftlichen Überlegungen an die Fabrikanten Hermann Schwer aus Triberg und Sylvester Grimm aus Spaichingen veräußert und damit zum Stammhaus der späteren Weltfirma Saba wurde.

Bevor der Privatier Armbruster die Waldmühle aber verkaufen konnte, hatten die Oberles sie aufgebaut und betrieben. 1870 wurde der Kundenmühle von J. N. Oberle eine Bäckerei angegliedert, die mit drei Gesellen betrieben wurde und deren Produkte in der Villinger Zeitung angezeigt wurden. Aber nicht nur Brot und frisches Gebäck, Kränze und Zöpfe wurden angeboten, sondern nach und nach errichteten die Oberles auf ihrem Grundstück eine Mosterei, die mit Wasserkraft betrieben wurde. Mostobst für 7,50 Mark pro Zentner war ein besonderes Angebot, das reißenden Absatz fand. Einige Jahre später verlegten die Oberles ihre Bäckerei in die Obere Straße, wo man ein Haus erworben hatte. Dort entstand eine für die damalige Zeit hochmoderne und große Bäckerei mit vielen Spezialitäten im Angebot. Die Bäckerei, die ihre Brotpreise täglich in der Villinger Zeitung bekanntgab, nahm zwischenzeitlich einen solchen Umfang an, daß man sich gezwungen sah, den Mühlen- und den Bäckereibetrieb zu trennen. Hermann Oberle behielt die Kundenmühle, die Bäckerei firmierte fortan unter dem Namen Gebrüder Oberle.

Hermann Oberle führte seinen Mühlenbetrieb bis zum Jahre 1906 weiter, hatte aber weitsichtig bereits im Jahre 1902 auf seinem Brigach-Grund-stück ein Hotel-Restaurant mit einer großen Terrasse zur Brigach hin erbaut. Am 21. 6. 1902 wurde in der Villinger Zeitung für den 26. Juni zum Eröffnungsessen in ein „gediegen ausgestattetes Familienheim mit 12 comfortablen Fremdenzimmern und 20 Betten, Badezimmer, Flußschwimmbad für Herren und Damen, Lawn-Tenis und Kinder-Spielplatz, Gelegenheit zu Gondelfahrten“ eingeladen. Gäste von auswärts wurden am Bahnhof abgeholt und die Küche der Waldmühle bot zahlreiche Spezialitäten, Bier vom Faß und Münchener Bier in Flaschen waren für die Ausflügler eine willkommene Attraktion. Auch die Prominenz ließ es sich nicht nehmen, in der Waldmühle einzukehren, sogar der Fürst zu Fürstenberg mit Gefolge beehrte das Ausflugslokal mit seinem Besuch.

1908 gab Hermann Oberle seinen Betrieb auf und die Waldmühle erhielt in Paul Lutz, dem vorigen Inhaber des gleichnamigen Hotels in Karlsruhe einen neuen Besitzer, der sie schließlich an den Privatier Armbruster veräußerte. Armbruster, dessen Tochter ist die Mutter von Stadtrat Arnulf Wunderlich, erwarb nach dem bereits erwähnten Verkauf an Schwer und Grimm das Haus Bahnhof-straße 12 in Villingen.

 

Die Bäckerfamilie Oberle konzentrierte sich aber nicht allein aufs Brotbacken, sondern sie ist auch Besitzer zahlreicher Patente zu einer rationelleren Brotbereitung. Im rückwärts liegenden Teil der Bäckerei wurden Bäckereimaschinen und Backöfen ersonnen, die in der damaligen Zeit konkurrenzlos waren.

Einer der bedeutendsten Abnehmer von Oberle-Backöfen war das Grand Hotel in St. Moritz und schon am 22. März 1903 lieferte Oberle Backöfen nach Japan.

Die zwanziger Jahre waren auch für die Firma Oberle nicht nur goldene Zeiten; das Geschäft erlahmte, teilweise auch, weil die Konkurrenz leistungsfähiger geworden war. Ein Ingenieur der Firma, Fridolin Winkler, der eine Tochter der Oberles geheiratet hatte, suchte zu retten, was zu retten war und gründete im Riet in gemieteten Räumen, aber zunächst in kleinem Rahmen, in wirtschaftlich schwieriger Lage im Jahre 1923 (1 Brot kostete damals 240.000 Mark) die Firma Fridolin Winkler, Spezialfabrik für Bäckereimaschinen und Backöfen und begann vollautomatische Brötchen-, Teigteil- und Rundwirkmaschinen herzustellen. In den folgenden Jahren, insbesondere aber nach dem Zweiten Weltkrieg, nahm die Firma einen rasanten Aufschwung; der Name Winkler etablierte sich zu einem festen Begriff in den Bäckereibetrieben auf der ganzen Welt.