Katalog der Bibliothek des Franziskanerklosters Villingen (Dr. Babette Stadie)

Rekonstruktion

Dieser erste Bericht aus der laufenden Forschung zu Geschichte und Verbleib der Franziskaner Klosterbibliothek wird fortgesetzt 1).

Im Stadtarchiv Villingen-Schwenningen haben sich Archivalien zum Franziskanerkloster und seiner Geschichte erhalten, teils wurden sie auf Veranlassung von Roder noch 1882 aus Privatbesitz für die Stadt zurückgekauft 2).

Das Archivale DD 69 besteht aus einem Schreiben der Vorderösterreichischen Regierung an den Magistrat der Stadt Villingen vom 27.03.1794 und einem angefügten Bücherverzeichnis.

Im Schreiben, das die Regierungs- und Kammerräte Ferdinand Graf von Bissingen-Nippenburg und Reichsfreiherr von Brandenstein unterzeichneten 3), werden Regelungen zum Vermögen des Franziskanerklosters besprochen. Der Magistrat, als Verwalter des Klostervermögens für den Religionsfonds, hatte am 10.03.1794 angefragt, wie mit der weitläufigen Bibliothek der Minoriten zu verfahren sei 4). Die Vorderösterreichische Regierung bestimmte, daß ein Bücherkatalog von Guardian und Provinzial zur nächsten Unterredung mitzubringen sei [Anhang 1]. Ein solches Verzeichnis ist dem Schreiben angefügt. Es trägt keinen Titel, wurde aber mit einer „2“ in einem Quadrangel bezeichnet und dem Schreiben, das mit einer „1“ ebenfalls in einem Quadrangel versehen ist, zugeordnet (Abb.1). Dieser sachsystematisch gegliederte Katalog mit einem Umfang von 57 engst beschriebenen Seiten spiegelt den Zustand der Bibliothek im Jahr 1794 wieder [Anhang 2] (Abb.2).

Die politische Situation der Stadt und des Franzis-kanerordens um 1794 ist kurz zu erinnern 5): Villingen als Vorderösterreichische Stadt hatte mit der Vorderösterreichischen Regierung und Kammer in Freiburg i. Br. zu verhandeln, die während des 1. Koalitionskrieges (1792 —1797) ihre meisten Ämter nach Konstanz (1792 —1798) verlegt hatte. Französische Emigranten, Militär waren in Kloster und Stadt einquartiert, die Existenz von Klöstern ging ihrem Ende entgegen.

Die Franziskaner in Villingen, Konventuale, gehörten bis 1781 zur Oberdeutschen Minoriten-provinz. Ein Dekret Kaiserin Maria Theresias vom 7. April 1772 besagt, daß vorderösterreichische Ordenshäuser keine Verbindung (nexus) zu außerösterreichischen haben dürften. Es wurde durch eine Verordnung von Kaiser Joseph II. vom 24. 03. 1781 durchgeführt. Die Franziskaner entschlossen sich eine neue, kleinere Provinz zu bilden 6). 1791 mußten die letzten Villinger Franziskanermönche ihr Kloster verlassen; sie lebten seitdem in Privathäusern der Stadt, wohin sie das Nötigste mitnahmen. Dies waren auf jeden Fall Provinzial Konstantin Wittum, der noch so lang wie möglich versuchte im Kloster zu leben (1724-1796), Guardian Benjamin Hartmann (1720 —1806) sowie maximal fünf weitere Mitbrüder 7).

Das Klostergebäude wurde Kaserne und Lazarett; Verzeichnisse über das Klostervermögen wurden angelegt, eine Versteigerung des Klosterhausrats folgte 1793, im Jahr darauf wahrscheinlich eine weitere bei der auch die Bibliothek aus dem Kloster entfernt wurde. Das Kloster selbst wurde per Dekret 1797 aufgehoben 8).

Die Säkularisation verlief in mehreren Abschnitten: Sie begann unter Kaiserin Maria Theresia (1773 Jesuitenorden), deren Reformen Kaiser Joseph II. fortsetzte (1781/82 beschauliche Klöster, 1784 Bruderschaften). Die Französische Revolution mit ihren Umstrukturierungen und Kriegen, der Reichsdeputationshauptschluß von 1803 sowie Württembergische Besitznahmen und die Großherzogtum Badischen Aufhebungen ab 1806 besiegelten endgültig das Schicksal der meisten Klöster, ihres Vermögens und damit auch ihrer Bibliotheken. Die Gelder der veräußerten Besitztümer kamen in den Österreichischen Religionsfonds, der 1782 von Joseph II. eingerichtet worden war. Nach Einspruch, daß der Fonds für Gesamtösterreich Verwendung fand, wurde unter Leopold II. 1790 der Vorländische Provinzialreligionsfonds vom Hauptreligionsfonds abgetrennt 9).

In der Vorderösterreichischen Zeit hatte die K. K. Hofbibliothek in Wien erstes Zugriffsrecht auf die Bibliotheksbestände, dann Städte wie Konstanz und die Universität Freiburg i. Br. Unter Großherzoglich Badischer Herrschaft wählte nun die Hofbibliothek in Karlsruhe als Erste aus, dann die Universitäten Heidelberg und Freiburg i. Br. Nicht nur Bücher, sondern ganze Bibliothekseinrichtungen wurden begutachtet, verzeichnet, verpackt, auseinandergerissen, verteilt, als unnötig oder als Doubletten Befundenes ausgeschieden, europäischen Antiquariatshändlern und Privatpersonen überlassen. Die politische Umbruchsituation hatte vernichtende Wirkung für den Kulturbestand der Stadt (u. a. Klarissen, Benediktiner). Die Vorgänge waren gesetzlich geregelt und wurden von Kommissionen durchgeführt 10).

Seit Beginn der 80er Jahre lebten die Franziskaner in der Angst vor Auflösung ihres Klosters. Die Ereignisse 1782 bei Aufhebung des Klarissenldosters, bei der Bücher für die K. K. Hofbibliothek in Wien ausgesondert und übrige Bücher „körbeweise“ verbrannt wurden, werden die Überlegungen, was und wie zu retten sei, beschleunigt haben 11). Es kann angenommen werden, daß Guardian Benjamin Hartmann und seine Mitbrüder erst im Rahmen des allgemeinen Vermögensnachweises den Bibliothekskatalog 1793 bzw. 1794 anlegten. Benjamin Hartmann kann durch einen Schriftvergleich ein Großteil des Katalogs zugeschrieben werden. Da das Verzeichnis in Kriegszeiten nach Konstanz ins Augustinerkloster, Sitz der Kammer, mitgebracht werden sollte und für die vorderösterreichische Verwaltung vorgesehen war, wird eine Abschrift oder eine zweite Mitschrift angefertigt worden sein. Der Katalog entstand unter schwierigsten Bedingungen und den Umständen entsprechend gibt er nicht den über Jahrhunderte gewachsenen Buchbestand der Bibliothek wieder. Die Mönche dürften möglichst pragmatisch vorgegangen sein und die Bücher nach der vorhandenen Aufstellung oder nach Vorfinden aufgelistet haben. Die Bücher sind wie damals üblich sachsystematisch und nach Größen unterteilt verzeichnet. Eine Auszählung ergab ca. 2880 Einträge hauptsächlich in lateinischer aber auch solche in deutscher Sprache; aufgeführt sind Handschriften, Inkunabeln, gebundene und ungebundene Druckwerke bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein. Die Bibliothek war von ihrem Umfang her wesentlich größer, da Einträge gemacht wurden wie: et alia, et plures eius Sermo-nes, Predigten von verschiedenen Materien, oder z. B. das ungebundene Werk Katalog S. 57 „Jungfräuliches Jahr und Tag“ in 88 Exemplaren vorhanden war. Auch wird das Verzeichnis S. 57 mit dem Eintrag beschlossen: „Nebst andern unbedeutenden Fragmenta — Theses etc.“ (Abb. 2).

Die Sachsystematik ist nicht außergewöhnlich für eine Klosterbibliothek [Anhang 2]. Schwerpunkt bildet die Praktische Theologie mit gut 1400 Einträgen, wovon ein Drittel auf Predigttexte entfällt. Die Theologie, inclusive der Bibeln umfaßt 285 Einträge, die akademischen Disziplinen: Recht, Medizin, Philosophie und Geschichte sind mit fast 500 Einträgen vertreten, Sprache und Literatur mit ca. 400 und die Handschriften bilden den Abschluß mit 390 Einträgen.

Die Titelaufnahmen sind von unterschiedlichster Qualität und Tiefe, teils sehr rudimentär. Großteils wurden Angaben gemacht: Zur Bandanzahl, ob es sich bei dem Eintrag um Mehrfachexemplare handelte, Beibindungen existierten oder Werke unvollständig waren. Zwei Beispiele seien hier genannt. Katalog S. 1 „Biblien: Biblia sacra latina“ und Katalog S. 12 „Canonista Fol.: Remigii Ma-schat et Joan: vvalbrech resolutiones quaestionum etc. [..] donatum Hofman p. prior […]“.

Handschriften und Inkunabeln dieser Bibliothek weist Roder 1904 in der F. E Hofbibliothek in Do-naueschingen nach; wie sie in deren Besitz gelangten, bleibt noch ungeklärt. 1794 regierte Fürst Karl Joseph Aloys von Fürstenberg (Regierungszeit 1760 —1796), nach ihm Karl Egon von Fürstenberg (Regierungszeit 1796-1854). Die Bibliothek betreute Johann Baptist Müller von 1790 bis 1814. Frau Langner-Drescher schreibt in ihrer Arbeit zur Geschichte der Bibliothek nichts über Bücher mit Provenienz der Franziskaner Klosterbibliothek oder über den in Frage kommenden Zeitraum 12).

1993/94 wurde nach dem Handschriftenverkauf (1050 Titel, ca. 1370 Bde.) der E F Hofbibliothek an das Land Baden-Württemberg eine Wanderausstellung mit 50 Werken erarbeitet. Zwei Handschriften mit Villinger Franziskanerprovenienz sind im Ausstellungskatalog „Unberechenbare Zinsen“ beschrieben, sie wurden ausgestellt: Nr. 31 Heiligenlegenden aus Füssen von 1454 deren Auftraggeberin Anna von Kirchberg war und Nr. 34 das Donaueschinger Passionsspiel aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, ein Aufführungsexemplar für den Leiter des Spiels 13). Weitere Manuskripte der Franziskanerbibliothek, der Katalog hat ca. 390 Einträge in dieser Rubrik, werden sich in diesem Bestand finden.

Im gleichen Zeitraum wurden auch Inkunabeln, davon 7 der Franziskanerbibliothek, an die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart verkauft 14).

1994 fand dann bei Sotheby in London eine Versteigerung weiterer Inkunabeln der Donaueschinger F. E Hofbibliothek statt, unter denen 89 aus der Franziskanerbibliothek stammten. Sie weisen handschriftliche Besitzeinträge oder/und ein „LCV“ (Liber Conventus Villingani) auf dem vorderen Buchdeckel eingeprägt auf.

Zu den vier 1994 rückgekauften Werken: Malleus Maleficarum, Hexenhammer, vom 17. März 1494 unter „Civilista In quart.“ Katalog 5.13, Melbers Wörterbuch für Prediger von 1488 unter „Vocabularia. Fol.“ Katalog S. 46, Petrus Tartaretus‘ Ex-positio in summulas Petri Hispani vom 18. Januar 1500/01, Robertus Caracciolus‘ Opera varia vom 16. Mai 1496 15), kamen zwei weitere hinzu: Ein Psalterium mit der Provenienz Klarissenkloster. Psalmista secundum consuetudinem romane curie, um 1500 verlegt von Lucantonio Giunta 16) und Sermones von Gabriel Biel, herausgegeben von Wendelin Steinbach um 1500 in 3 Bänden. Einige dieser Werke sind inzwischen im Franziskanermuseum in der Dauerausstellung im 1. Obergeschoß zu sehen 17).

Eine kurze Stichprobe am Bestand der F. F. Hofbibliothek zeigte, daß sich außer Handschriften und Inkunabeln weitere Werke der Franziskanerbiblio-thek erhalten haben. Mit Provenienzeintrag versehen sind z. B. zwei Bücher: Laurentius Valla, Ele-gantiarum libri sex […] von [1529] im Katalog S. 45 unter „Libri grammatici. Fol.“ und Ulrich Zasius, Rhetorica ac dialectica Tractatio legalis, Basel 1543 im Katalog S. 43 unter „Libri Rhetori-ci In octav.“ 18).

Ein solcher Nachweis ist durch verschiedenartige Namensansetzungen und Titelaufnahmen schwierig; z. B. ist bei Sotheby ein Nachschlagewerk wie folgt vermerkt: „Brack, Wenceslaus: Vocabularius rerum De verbis; De modo epistolandi — Isidorus Hispalensis — Etymologiae (excerpts) — Hugo de Sancto Victore. Didascalicon [Basel: Peter Kol-licker], 27 October 1483“ (Sotheby 1994 Nr. 70, DS Inc. 11). Der Katalogeintrag in der Rubrik „Vocabularia. Fol.“ S. 45 lautet dagegen: „Hugo ä S. victore. vvocabul: 1483“.

In der Zwischenzeit wurden dem Stadtarchiv und den Museen Villingen-Schwenningen Werke mit Provenienzeintrag der Franziskaner zu Villingen über den Antiquariatsmarkt angeboten, die aber nicht zurückgekauft werden konnten. So das Werk: „Formulare und Tütsch rhetorica. Straßburg: Heinrich Knoblochtzer, 1483“. Auf die Versteigerung der „Biblia Latina. Mit Postilla von Ni-colaus de Lyra. Nürnberg: Anton Koberger, 1485“ bei Christie’s in London 1995 wies uns ein anderer Händler hin. Diese erste illustrierte lateinische Bibel wurde mit anderen Büchern der Bute Library des fiten Marquess of Bute versteigert. Ein international geschätzter Bibelsammler erstand sie. Nach den Erläuterungen im Versteigerungskatalog, existierte in der Franziskanerbibliothek ein weiteres Exemplar dieser Bibel, das 1994 bei der Londoner Versteigerung verkauft wurde (Sotheby 1994 Nr. 54, DS Inc. 330) 19).

An dieser Stelle sei noch ein Exkurs zur Geschichte der Bibliothek angeführt.

Die Franziskaner brauchten für ihre Aufgaben der Predigt, Seelsorge, Glaubensüberwachung und Lehre Bücher. Eine Stiftung von 40 rheinischen Gulden zum Bau einer Bibliothek erhielten die Villinger Franziskaner 1415 von Gertrud von Mülheim 20). Beziehungen zur Universität Freiburg, die in Pestzeiten des 16./17. Jahrhunderts ihren Unterricht auch in Villingen fortsetzte, sind bekannt 21). Von 1569 besitzen wir eine kurze aber prominente Bibliotheksbeschreibung. Balthasar Maler, der als Buchdrucker und Buchbinder in Zürich bei Chr. Eustachius Froschauer arbeitete, hatte mit seinem Vater, Josua, die Bibliothek der Franziskaner besucht: „Sie führten mich in das Barfüßer-Closter, daselbst ich ein gar kostliche Librey funden, gar naach alles von geschribnen und bermentinen Büchern, gemeinlich alle an Ketti-nen angelegt.“ 22). Zwei Jahre später, 1571, wird bei einem Kontrollbesuch des Klosters auch die Bibliothek inspiziert, laut Guardian Georg Fischer gab es aber keine verbotenen Bücher 23). Ab dem 17. Jahrhundert benutzten neben den Mönchen und Novizen auch externe Schüler der Lateinschule die Bibliothek 24), Vorlesungen in Philosophie und Komödien-Aufführungen sind ab 1711 erwähnt 25). Beim Wiederaufbau des durch die Belagerung der Truppen Camille Tallards 1704 stark beschädigten Klosters wurde im erweiterten Nordflügel die Bibliothek im 3. Stock eingerichtet 26). 1777 ist Pater Balthasar Aufdermauer als Bibliothekar verantwortlich 27) und drei Jahre später, 1780, wird im Bibliothekssaal das dreitägige Provinzkapitel feierlich begonnen 28). 1794 wurde mit dem Bücherverzeichnis ein letztes Dokument zur Existenz der Bibliothek und ihres Bestandes geschaffen.

Heute gibt es uns wichtige Informationen, wirft aber auch Fragen zu Geschichte und Entwicklung der Bibliothek auf, die zu beantworten sind.

Abkürzungen

A.Kat.    Auktionskatalog

AFA    Alemania Franciscana Antiqua

An.Kat. Antiquariatskatalog

Au.Kat. Auktionskatalog

DS    Donaueschingen

FDA    Freiburger Diözesan Archiv

GHV    Geschichts- u. Heimatverein Villingen, Jahreshefte

K-SAM Amt für Kultur, Abteilung Stadtarchiv und Museen VS

LTK    Lexikon für Theologie und Kirche

SAVS    Stadtarchiv Villingen-Schwenningen SVG Baar Schriften des Vereins für Geschichte […] der Baar

Anhang 1 (Abb. 1, siehe nächste Seite)

Vorbemerkung zu Blatt 1

Gelbes Blatt Papier H. 33 x B. 28 cm, 4 gr., Badische Oberrandheftung, aufgelöst. Vordruck, Tinte, schwarz und rot.

[Blatt 1] Stadt-Gemeinde Villingen.

Rubrik: XX. Stiftungs = Sachen. Franziskaner

Betreff

Den Bücher-Catalog über die Bibliothek, der Minoritten.

DD 69 Ld 74    Jahr 1794
Stadtarch.

Vorbemerkung zu Blatt 2

Papier H. 34,1 x B. 22 cm, 6 gr., Badische Oberrandheftung, aufge-

löst. Tinte, schwarz. Bleistiftanstreichungen.

Schreiben der Regierung Konstanz an den Stadtmagistrat Transkription

[Blatt 2 — recto] 304 S.

Der Stadtmagistrat hat den Minoritenguardian / samt dem Minoritenprovinzial aus dem dortigen / Minoritenkloster anher abzuschicken, um über einige Gegenstände mit denselben eine mündliche / Unterredung pflegen zu können: zugleich hat der / Magistrat da sich unterm 10 ten d: M. wegen Veräußerung der Bibliothek des Minoriten = Klosters / angefragt worden ist, denselben mitzugeben, daß / sie ihren Bücherkatalog mitbringen sollen.

Zu der anher vorzunehmenden Reiße / hat der Magistrat denselben die Reißekosten / aus dem administrierenden Vermögen des Minoritenklosters gegen Quittung ausfolgen zu lassen und in der zu stellenden Administrations. / Rechnung in Ausgab zu bringen. Uibrigens ist ganz recht daran ge- / schehen, daß die entbehrlichen Effecten des zum Militärgebrauch verwendeten Minoritenklosters daselbst mittlerweil veräußert worden sind. Das / noch vorhandene unveräußerte Silber, welches der / Minoritenprovinzial noch in Händen hat, ist, nachdem es vorhin gehörig beschrieben abgewogen / und abgeschätzt seyn wird, nach der Hofresolution / vom lten April d. J. und der in Druck heraus- / gegebenen Nachricht an das Münzamt in /

SAVS: DD 69 Schreiben der Vorderösterreichischen Regierung vom 27 03. 1794

 

I.

[Blatt 2 — verso]

Günzburg einzuliefern, um den hiervon jährl. / abfallenden Zinß samt dem Praemio zum / Nutzen der nochlebenden dortigen Minoritten verwenden zu können.

Gleichwie sofort der Magistrat in seinem / Bericht vom10ten Hornung abhie einfließen / läßt, daß die jeweiligen Quartalsrechnungen / über das unter städtische Administration genomene Minoritten = Klostervermögen bisher / den daselbst noch lebenden H. Minoriten ordentlich vorgelegt, von ihnen gutgeheißen, / und unterfertigt worden seyen:

So hat derselbe nun die ohnehin mit/Ende des Monats März zu schließende Haupt- / und Jahresrechnung samt dem Protokoll / und Ausweiß über die veräußerten entbehrlichen Effecten und vorräthig geweßenen / Früchten binnen 14 Tagen unfehlbar aller/ einzubefördern.

Konstanz am 27ten März 1794.

[Unterschriften] Gr. Bissing

Brandenstein

Stadtmagistrat zu Villingen.

Anhang 2 (Abb. 2, siehe nächste Seite)

Vorbemerkung zum Katalog

Papier H. 35 x B. 42,5 cm, insges. 114 gr., Badische Oberrandhef-tung, aufgelöst. 15 Bogen geheftet (5 Bogen = S. 1-10 u. S. 51-60, darin 7 Bogen = S.11-38, und danach 3 Bogen = S. 39 — 50) die erste Einlage mit 7 Bogen ist nur per Oberrandheftung mit dem Übrigen verbunden gewesen, aber nicht mitgeheftet.

Das Papier hat pro Bogen 2 Wasserzeichen, die zu der Gruppe mit Baslerstab in von Ranken umwundenem Oval gehören (29).

Die Paginierung war vorhanden, die Foliierung wurde für Verfilmungszwecke 1996 vorgenommen. Seite 1 ist unten rechts mit einer „2“ in einem Quadrangel bezeichnet.

Innerer und äußerer Rand der Seiten sind mit Bleistiftstrichen abgeteilt. Es finden sich Bleistift- und blaue Buntstiftanstreichungen. Die Überschriften wurden gemittelt und in größeren Buchstaben geschrieben. Der Beginn einer Eintragung mit Autorenname oder Titel ist jeweils unterstrichen. Mehrere Einträge zu einem Autor sind leicht nach rechts eingerückt, reicht ein Eintrag über die Zeile hinaus, beginnt er in der nächsten Zeile nach links außen versetzt. Unterstrichen sind auch Sacheinteilungen, manchmal Größenangaben, Jahreszahlen oder die Anzahl der vorhandenen Exemplare. Kürzungen sind durchweg benutzt.

 


 

SAVS: DD 69 Handschriftlicher Katalog, erste u. letzte Seite

 

Handschriftlicher Katalog

der Franziskaner Klosterbibliothek in Villingen, 1794

Transkription der sachsystematischen Einteilung

S. 1 Biblien Fol.                                                   24 Einträge

Concordantia                                                                   6

Commentarii                                                                  51

S. 2 Von der Heil: Schrift abhandlende Bücher      10

S. 3 SS: Patres                                                                 50

S. 5 Concilia                                                                     9

Theologi speculativi Fol. / In quart. / in octav etc.    155

S. 8 Controversista 4.                                                   29

S. 9 Theologi Morales. Fol. / In quart. / In octav. etc.    141

S.11 Canonista Fol. / In quart. / In octav etc.            86

S.13 Civilista [Fol.] / In quart. / In octav etc.             79

S.14 Medici. Fol. / In quart. / In octav. etc.                43

S. 15 Philosophi Fol. / In quart. / In octav. etc.       140

S.17 Historici Sacri. Fol. / In quart. / In octav. etc.    50

S. 18 Historici Profani. Fol. / In quart. / In octav etc    101

S. 20 Concionatores. Fol. / In quart. / in octav. etc.    466

S.29 Catechista Fol. / In quart. / In octav. etc.               38

S. 30 Liturgisten. [?] Fol. / In quart. / In octav etc.      62

S.31 AScetici. Fol. / In quart. / In octav etc.                 251

S. 36 Vita Sanctorum. Fol. / In quart. / In octav. / In duodez.    27

S.36 Libri Monastici. Fol. / In quart. / In octav.          67

S.38 Libri clericales                                                         26

S. 38 Libri confraternitatum.                                        22

S.39 Libri precarii.                                                          63

S.40 Libri classici.                                                           74

S.41 Epigramata variorum.                                            1

S.42 Ars Metrica                                                               1

Poeta diversi.                                                                  21

Comedia.                                                                         29

S.43 Oratores.                                                                 21

Libri Rhetorici in Fol. / In quart. / In octav etc.       34

S. 44 Libri Poetici                                                           28

Libri Grammatici. Fol. / In quart. / In octav.            61

S.45 Vocabularia. Fol. / In quart.                                29

S.46 Libri Gallici                                                             44

S.47 Libri Italici                                                              21

S.48 Libri Miscellanei Fol. / In quart. / in octav.    115

S.50 Manu-Scripta in Fol. / In quart.                         350

S. 56 Manuscripta Recentiora. [Fol.] / In quart. / In octav.    42

S. 57 Ungebundene Bücher.                                         10

Nebst andern unbedeutende Fragmenta — Theses etc.

Anmerkungen

Dieses Projekt wird freundlicherweise von Prof. Heinz Holeczek, Universität Freiburg i. Br., unterstützt. Frau Holzhüter, F. F. Hofbibliothek Donaueschingen, danke ich besonders für ihre kollegiale Hilfe.

Fürstenbergisches Urkundenbuch Bd. 1 1877 S.X. Roder FDA 1904 S. 312.

SAVS: DD 69 Nr. 2739. K. K. Hof- dann Vorderösterreichischer Landesstellen Schematismus 1793 S.41/42. Quarthal 1977 5.133 ff.

SAVS: DD 68 Nr. 2729.

siehe hierzu z. B. Brüstle 1971 S. 71-81; Tocha GHV Jh. XIV (1989/90) S. 7 -19. Bei Erscheinen dieses Artikels hat im November die vom Stadtarchiv erstellte Ausstellung „Villingen als vorderösterreichische Stadt am Ende des Alten Reiches (1750-1806)“ im Alten Rathaus in Villingen stattgefunden. Begleitend wird H. 2/1996 Blätter zur Geschichte der Stadt VS zum Thema erschienen sein und Herr Prof. Quarthal seinen Vortrag gehalten haben.

Eubel 1886 S. 137 ff., 5.176. Stengele FDA 1902 S. 212. Roder FDA 1904 S. 283, S. 288/9.

wie 4) Zu Konstantin Wittum siehe Eubel 1886 S. 368/9 Anm. 789, zu Benjamin Hartmann siehe Roder FDA 1904 S. 294. Bei den übrigen Mitbrüdern kann es sich nach Eubel 1886 5.324/5 Anm. 635 um: Joh. Bapt. Wittum, Joh. Chrysost. Wittum, Philipp Schach, Georg Hummel, Marianus Mayer handeln.

Roder FDA 1904 S. 308. Lauer 1928 S. 347. Revellio AFA Bd. III (1957) S.19.

Geier 1905 S. 165. LTK Bd. 8 1963 S. 1175. Vorderösterreich 2. Aufl. 1967 S. 239 – 241.

Mittler 1971. Schmid 1980 S.13/14, S. 20 ff., S.113.

Roder FDA 1904 S. 300 Anm. 2. Loes AFA Bd. III (1957) S. 72/73: „Nur die größten und bestgebundenen Bände wurden herausgenommen und eine Anzahl davon für die k. k. Hofbibliothek ausgewählt. Die übrigen wurden unter persönlicher Aufsicht des Kommissars verbrannt. Er half selbst die Körbe füllen, damit nichts auf die Seite geschafft werden konnte.“

Langner-Drescher 1990 S. 31: „Während der politischen Unruhen der Napoleonischen Kriege und der Mediatisierung erfuhr die Bibliothek keine relevanten Veränderungen.“ Zu Johann Baptist Müller ebd. S. 68/69.

Roder FDA 1904 S. 259, 306. A.Kat. Stuttgart: Unberechenbare Zinsen 1994 S.11, S.116 Nr. 31, 5.122 Nr. 34 mit Abb.

Stadie GHV Jh. XIX (1994/95) S. 63 Anm. 1.

Ebd. S. 62/63.

Frau Dr. Boewe-Koob hat sich des Psalteriums wissenschaftlich angenommen. Ihr Artikel hierzu und zu Makulaturfunden im Stadtarchivs VS wird in der Festschrift zur 1000 Jahrfeier erscheinen.

Im Rahmen der Museumspädagogik des Franziskanermuseums werden Führungen zum Frühen Buchdruck, den Inkunabeln angeboten.

Im Buch von Zasius befand sich eine Karte mit der Nr. P 47; diese gehört zu einem Forschungsprojekt, bei dem die Provenienz juristischer Literatur untersucht wurde. Das Ergebnis ist von Nolte 1979 publiziert. Er erwähnt weder das Werk noch die Franziskaner-provenienz.

K-SAM: Bibliotheksakten 044.07.61.

Formulare und Tütschrhetorica. Straßburg: Heinrich Knoblochtzer, 1483: Donaueschinger Inv. no. Inc. 209, in: Au.Kat. London, Sothebys 1994 5.108 Nr. 119, in: An.Kat. Hamburg, Jörn Günther 1995 Nr.13 S. 56/57 Abb.

Bibel, lateinisch mit Postilla von Nicolaus de Lyra von 1485, in:

Au.Kat. London, Christie’s 1995 5.142 Nr. 253 Abb.

Roder FDA 1904 5.250.

Stengele FDA 1902 S. 202. Roder FDA 1904 S. 264 Anm. 1. Faller 1973.

Roder SVG Baar 1885 S. 76, S. 79. Roder FDA 1904 S. 306.

Kontrollbesuch nach dem Trienter Konzil (Index librorum pro-hibitorum). Stengele FDA 1902 S. 204.

Stengele FDA 1902 S. 208. Roder FDA 1916 S. 216-252. Revellio AFA Bd. III (1957) S. 40.

Roder FDA 1904 S. 276.

Revellio AFA Bd. III (1957) S. 35.

Stengele FDA 1902 S. 212.

Roder FDA 1904 S. 286/7.

Heitz 1904 S. 15 Nr. 271, 1778: Pris dans un Manuscrit du Chapitre de St. Thomas ä Strasbourg. Pl. LXVI.

Quellen

SAVS: DD 67 -69

K-SAM: Repertorium der Altertümersammlung und Stadtbibliothek Villingens

K-SAM: Bibliotheksakten 044.07.61

Literatur

A.Kat. Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek: Unberechenbare Zinsen. Bewahrtes Kulturerbe. Ausstellung der vom Land Baden-Württemberg erworbenen Handschriften der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek. Hg. Felix Heinzer u. a.; Württembergische Landesbibliothek Stuttgart ; Badische Landesbibliothek Karlsruhe, 2. Aufl. Stuttgart: Württembergische Landesbibliothek, 1994

A.Kat. Krems-Stein, Minoritenkirche – 15. 05.-17.10. 1982: 800 Jahre Franz von Assisi. Franziskanische Kunst und Kultur des Mittelalters. Hg. Niederösterreichisches Landesmuseum. ‚Wien 1982 (Niederösterreichische Landesausstellung ; N. E Nr.122)

An.Kat. Hamburg, Jörn Günther Antiquariat: Fünfundfünfzig Frühe Deutsche Drucke (1471-1554). Hamburg: Selbstverlag, 1995 (Katalog ; 2)

Au.Kat. London, Christie’s St. James’s – 15.03.1995: Valuable English and Continental Books from the Bute Library. Sold by Order of die Executors of die 6th Marquess of Bute. London: Chri-stie’s, 1995

Au.Kat. London, Sotheby Main Gallery – 01. 07. 1994: Incunabula from die Court Library at Donaueschingen. Sold by Order of His Serene Highness Prince Joachim zu Fürstenberg. London: Sotheby, 1994

Brüstle, Hans: Villingen. Aus der Geschichte der Stadt. [Villingen] 1971

Eubel, Konrad (Hg.): Geschichte der oberdeutschen (Straßburger) Minoriten-Provinz. Würzburg: Bucher, 1886

Faller, Richard: Eine Analyse der Verlegungen der Universität Freiburg in Zeiten der Pest. Zulassungsarbeit zur wiss. Prüfung für das Lehramt an Gymnasien. Typoskript. Freiburg i. Br. 1973

Fürstenbergisches Urkundenbuch. Sammlung der Quellen zur Geschichte des Hauses Fürstenberg und seiner Lande in Schwaben. Hg. Sigmund Riezler ; Fürstliches Hauptarchiv Donaueschingen. 7 Bde. Tübingen: Laupp, 1877 -1891

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Photonachweis

Abb. 1 u. 2 — K-SAM, Bibliothek