Vom Vorschußverein zur Regionalbank (Wilfried Heupel)

Villinger Volksbank seit 129 Jahren vor Ort

Von 69 Bürgern gegründet

Die Gründung einer Bank schoben die Villinger nicht auf die lange Bank. Also machten sich 69 Bürger ans Werk und hoben am 19. März 1867 einen genossenschaftlichen Vorschußverein aus der Taufe. Das war zugleich die Geburtsstunde der Villinger Volksbank, die sich demzufolge jetzt im 129. Jahr ihres Bestehens befindet.

Natürlich war der Villinger Vorschußverein ein Kind seiner Zeit. Nichts steht für sich allein, alles hingegen im Zusammenhang. Die Volksbank ist nicht denkbar ohne die gesellschaftspolitischen Einflüsse und Herausforderungen zur Zeit ihrer Gründung, so auch der entwickelten und schließlich in die Tat umgesetzten genossenschaftlichen Ideen. Sie ist nicht denkbar ohne die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Und sie ist nicht denkbar ohne den begreiflichen Wunsch nach einer finanziellen Basis all jener, die entschlossen waren, die Chancen, die ihnen die gesellschaftliche Veränderung bot, privatwirtschaftlich zu nutzen.

Was für die Gründungszeit gilt, trifft ebenso für die gesamte Folgezeit zu: Entwicklung bedeutet Veränderung; entwickeln kann sich demzufolge nur, was sich verändert. Die Entwicklung der Villinger Volksbank zur größten Kreditgenossenschaft in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ist die Folge der organischen Veränderung, die es ermöglicht, stets die aktuellen Aufgaben zu meistern. Für den Bestand eines Unternehmens ist die Gründung Voraussetzung, aber eine Gründung ist nicht die Garantie für den Bestand. Auch an der fast 130jährigen Geschichte der Volksbank wird deutlich, daß alles zu seiner Zeit ein Teil der Entwicklung ist: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Teilhaber, die Kundschaft, die Bevölkerung, die Stadt, das wirtschaftliche Umfeld, die sozialen Gegebenheiten. Kurz: Das Zusammenwirken aller internen und externen Kräfte.

Die Idee, einen Vorschußverein in Villingen zu gründen, stammt von Bürgern dieser Stadt. Sie wurde also nicht von außen in die Stadt hineingetragen, sondern entstand in der Mitte des Gewerbevereins aus der Notwendigkeit, eine vor Ort ansässige Genossenschaftsbank zu etablieren. Deutlich war zu diesem Zeitpunkt, daß es im damaligen mittelständischen Gewerbe an allen Ecken und Enden an Investitionskapital mangelte. Zur Finanzierung unbedingt vorzunehmender Anschaffungen waren keine Mittel vorhanden. Hilfe von „außen“ war nach abschlägigen Bescheiden im Jahre 1865 durch den badischen Handelstag in Karlsruhe, in Villingen eine Filiale der unter staatlicher Aufsicht stehenden Badischen Bank anzusiedeln, nicht zu erwarten. Da kam den Villinger Gewerbetreibenden das in diesen Jahren ganz hoch im Kurs stehende genossenschaftliche Gedankengut des Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich-Wilhelm Raiffeisen wie gerufen: Hilfe durch Selbsthilfe!

Die 69 Gründungsmitglieder des Villinger Vorschußvereins, dem Vorläufer der Volksbank, sind namentlich bekannt. Diese Namensliste macht schnell klar, daß sich der hiesige Gewerbeverein voll und ganz in diesen Vorschußverein einbringt. Da ist der Kaufmann Ferdinand Stocker, der Vorsitzende des Gewerbevereins, der dann im Vorschußverein das Amt des Kontrolleurs übernimmt. Da sind ebenso Franz Josef Dold und Joseph Ignaz Ummenhofer, die der Kommission des Gewerbevereins zur Filial-Ansiedlung der Badischen Bank angehörten, die allerdings mit ihrem Anliegen auf wenig Gegenliebe stieß. Es sind angesehene Bürger aus Villingen und Umgebung, die die Gründung vornehmen.

Rückblickend auf das, was am 19. März 1867 geschah, wird 1917 zum 50jährigen Bestehen des Vorschußvereins schriftlich vermerkt: „Die damals schon beginnende Entwicklung der Großindustrie in Verbindung mit den sich immer mehr sammelnden und in den Dienst der Großindustrie stellenden Kapitalkräfte drückten immer schwerer auf den Mittelstand in Deutschland, auf Handel und Gewerbe, so daß nur durch den Zusammenschluß größerer Verbände und Schaffung gemeinsamer Betriebsmittel der notwendige Ausgleich und zugleich damit das kräftig wirkende Gegengewicht geschaffen werden konnte.“ 1)

Verarmung des Mittelstandes

Die Gefahr, die sich damals auch im Schwarzwald abzuzeichnen begann, nachdem sie bereits die östlichen, nördlichen und westlichen Landesteile Deutschlands weitgehend erfaßt hatte, war eindeutig und nicht zu übersehen: Verarmung und daraus resultierende Beseitigung des Mittelstandes. „Nachdem die Zünfte als veraltet in Verfall geraten und an ihre Stelle die Gewerbefreiheit mit ihren Licht- und Schattenseiten getreten war, nachdem Dampfkraft und andere Errungenschaften der Wissenschaften, die unaufhaltsamen Fortschritte auf dem Gebiet des Maschinenwesens eine vollständige Änderung im Erwerbs- und Wirtschaftsleben hervorgerufen hatten, trat die soziale Frage in den Vordergrund“, heißt es 1917 zu den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. 1) In Baden wurde 1862 die Gewerbefreiheit eingeführt. Bei allen heutigen Nachforschungen kristallisiert sich letztlich eine Frage als besonders bemerkenswert heraus: Warum entschlossen sich die führenden Mitglieder des Gewerbevereins damals dazu, statt an dem Ziel festzuhalten, eine staatliche Filial-Bank nach Villingen zu holen, nun selbst einen genossenschaftlichen Vorschußverein zu gründen? Sie übernahmen nämlich damit eine Vorreiterrolle im Schwarzwald, worüber sie sich bestimmt sehr wohl im klaren waren. Warum verabschiedeten sie sich also innerhalb von nur zwei Jahren von der Aktiengesellschaft und begeisterten sich für die Genossenschaft?

Zwei Ursachen waren aller Wahrscheinlichkeit nach ausschlaggebend. Zum einen gab es zu diesem Zeitpunkt bereits gute Genossenschafts-Bei-spiele in Preußen, Sachsen, Thüringen — und ebenso in Baden. Man konnte sich also ausreichend informieren und hat das auch sehr ausgiebig getan. Zum andern hatte die genossenschaftliche Struktur einen ganz entscheidenden Vorteil, der dem Naturell der Gewerbetreibenden entgegenkam: Der Vorschußverein war selbständig und demzufolge frei von jeglicher staatlicher oder wie auch immer gearteter Gängelei. Gerade dieser Punkt —der wirklichen und nicht etwa verkappten privaten Hilfe durch Selbsthilfe — mag den initiativen und engagierten Mitgliedern des Gewerbevereins in besonderer Weise entsprochen haben. Er kam dem Wunsch nach Eigenständigkeit am stärksten entgegen. Und: Eine solche Einstellung zeugt ebenso vom großen Mut zum Risiko, das sich aus einer solchen Unternehmung damals ebenfalls ergab. Der Vorteil war indes nicht zu übersehen, weil eine solche Bankeinrichtung prompt verwirklicht werden konnte und man nicht nochmals beim badischen Handelstag in Karlsruhe anklopfen und betteln mußte. Denn Eingaben zur Errichtung einer Filial-Bank und die Ablehnung einer solchen Bitte hinterließen verständlicherweise bei den heimischen Gewerbetreibenden den Eindruck, in den Augen der „Carlsruher“ nicht kreditwürdig zu sein.

Der Weg der genossenschaftlichen Selbsthilfe bestand denn auch vor allem in der nicht zu unterschätzenden psychologischen Wirkung, vom Kreditunwürdigen zum Kreditwürdigen zu führen. Mit der Genossenschaft wurde dem Bürger nicht nur Kredit gegeben, sondern ebenso ein hohes Maß an Selbstachtung, Selbstbewußtsein und Selbstwertgefühl. Ein selbstbewußtes Bürgertum, das sich zu einem wesentlichen Teil aus dem gewerbetreibenden Mittelstand rekrutierte und das in dieser Zeit Verarmung und Schmach durch industrielle Umwälzungen hatte erdulden müssen, reagierte aus verständlichen Gründen auf ablehnende Bescheide besonders sensibel.

 

Das Geschäftslokal des Vorschußvereins in der Rietstraße 20-22. Ab 1896 befand sich hier die Hauptstelle des Vorschußvereins —der Volksbank — bis Ende 1984. Am Gebäudeteil Rietstraße 20 weist noch heute ein Wappenschild auf die früheren Besitzer hin, die „Zunft der ehrsamen Müßiggänger“. Gemälde von Albert Säger 1917 / 18.

 

Die damals aktuelle Notwendigkeit dafür, sich rasch und unverzüglich mit der Etablierung des Vorschußvereins zu beschäftigen, ergab sich sicherlich aus dem sich endlich abzeichnenden Bau der Eisenbahn. Nach fast 30jährigen Bemühungen war es gelungen, die zuständigen Instanzen für die Anbindung Villingens zu begeistern. „Einen ständigen und zähen Befürworter fand die Stadt in dem zuständigen Landtagsabgeordneten, dem Donaueschinger Apotheker Ludwig Kirsner, der sich unermüdlich für die Belange der Verkehrserschließung der Baar einsetzte. Sein Name wäre heute vergessen, hätte die Stadt Donaueschingen nicht eine Straße nach ihm benannt.“ 2)

Eine erfreuliche Erscheinung

Nur wenige Monate nach Gründung des Vorschußvereins erschien am 13. Juni 1867 ein Bericht im „Der Schwarzwälder“, der die Funktion des Vereins bestens beschrieb und gleichzeitig ein gutes Stück Öffentlichkeitsarbeit beweist: „Eine der erfreulichsten Erscheinungen unserer Zeit bildet das segensreiche Gedeihen der vielen, seit 13 Jahren in Deutschland entstandenen Vor-schußvereine, welche nach dem Plane von Schul-ze-Delitzsch dem kleinen und mittleren Handwerksbetriebe das Kapital verschaffen … Es bestanden wohl früher und bestehen zum Teil daneben noch Anleihe- und Sparkassen; allein deren Wesen und Verhältnis ist ganz anderer Art wie jenes der Vorschußvereine. Während bei ersteren der Geldsuchende nur Schuldner ist, ist er bei letzteren auch zugleich Mitaktionär, Mitteilhaber des Unternehmens, Mitglied des darleihenden Vereins. Die Vorschußvereine sind die Selbsthilfe gegen das große Kapital und gegen Wucherzinsen; sie beruhen auf gesunden volkswirtschaftlichen Grundsätzen und dienen ebenso den Gewerbetreibenden wie den kleinen Landwirten.

 

Das Hauptgeschäft der Volksbank eG Villingen am Riettor. Das Bankgebäude wurde im Januar 1985 bezogen, nachdem das ehemalige Zentralkaufhaus (ZK) von Grund auf umgebaut und neu gestaltet worden war.

 

Die Lichthof-Galerie in der Volksbank: Seit mehr als zehn Jahren Ort der Begegnung bei monatlich wechselnden Ausstellungen überwiegend heimischer Künstler.

 

Die Mitglieder der Vorschußvereine haben zur Bildung und Verstärkung des Betriebskapitals je monatlich einen Beitrag von 12 — 18 Kreuzern zu entrichten, alle Mitglieder haften außerdem für etwa von dem Vereine selbst bei dritten aufgenommene Darlehen; Vorschüsse werden nur an Mitglieder des Vereins, und zwar nur an solche Mitglieder geleistet, die weder mit einem früheren Vorschuß noch mit einem Beitrage im Rückstand sind und deren Person die nötige Sicherheit für die Rückzahlung bietet. — Ob insbesondere Letzteres der Fall ist, darüber entscheidet der von der Generalversammlung gewählte Ausschuß. Der durch den meist fünfprozentigen Zinsertrag der geleisteten Vorschüsse erzielte Reingewinn wird — nach einem Abzuge für einen Reservefond — als Dividende den Mitgliedern nach der Größe ihrer Beträge gutgeschrieben.“ 3)

Der Vorschußverein begann in sehr bescheidenen Verhältnissen. Das eigentliche Kapital, worüberer verfügte, war die Ehrlichkeit der Mitglieder und die Pünktlichkeit, mit der die Beiträge eingezahlt wurden. „Das Jahr 1867 brachte dem Verein bereits erhebliche Eingänge an Kapital, das ihm anvertraut wurde, so daß es schon in diesem Jahre möglich war, Vorschüsse im Betrage von fl. 9.405, an die Mitglieder abzugeben und gewünschte Kapitalrückzahlungen in größeren Beträgen zu machen. Die Mitgliederzahl betrug Ende des Jahres 1868 83, der Gesamtumsatz war fl. 36.769,10.“ 1)

Aller Anfang ist schwer — das gilt auch für den Vorschußverein. Begünstigt wurden die Anfänge durch die positive Konjunkturperiode zwischen 1868 bis 1874, bei der die 1871 vollzogene Reichsgründung Bismarcks sicherlich keine untergeordnete Rolle spielte. Doch schon in den Jahren 1874/75 bahnt sich eine Wirtschaftskrise größeren Ausmaßes an, die vor allem eine Folge der vorausgegangenen sogenannten Gründerzeit mit ihrem rigorosen Wirtschaftsliberalismus war und rund zwei Jahrzehnte andauerte.

Kein Zuckerschlecken

Auch die Zeit danach bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges war kein Zuckerschlecken, diente aber in einer Phase der wirtschaftlichen Ruhe der bankinternen Konsolidierung. Ihre eigentliche Bewährungsprobe hatte die Bank indes in den Jahren zwischen 1914 und 1918 zu bestehen. Von Einlegern und Mitgliedern wurden außergewöhnliche Liquiditätsansprüche an sie gestellt. Die Entscheidungen der früheren Jahre, die Reserven des Vorschußvereins soweit wie möglich zu stärken, erwiesen sich indes jetzt als segensreiche Maßnahme. Alle Zahlungen konnten geleistet werden. Dennoch ist nicht zu übersehen, daß man sich vom Krieg und seinen Folgen nur sehr langsam erholen konnte. Erst 1929 wird im Einlagenbereich und bei den Ausleihungen nominell wieder der Stand von 1911 erreicht.

Im Jubiläumsjahr 1917 stand ein Mann bereits 23 Jahre lang an der Spitze des Vorschußvereins Vil-lingen, der nicht nur seiner Amtsjahre wegen eine herausragende Persönlichkeit war: Direktor Joseph Schleicher. Außer Hauptlehrer Raimund Burger — Amtszeit von 1880 bis 1891 — waren alle Direktoren höchstens drei Jahre, meistens aber nur ein Jahr im Amt gewesen. Das lag sicherlich daran, daß diese Funktion bis zum Zeitpunkt von Schleichers Eintritt lediglich ehrenamtlich besetzt wurde. Mit Schleicher übernahm ein Mann das Vorstandsamt, der sich als Mann der Genossenschaft vom Scheitel bis zur Sohle verstand.

Der verdienstvolle langjährige Direktor Joseph Schleicher (1895-1925) mit Gattin. Fotografie vom 21. 10. 1917

 

Gerade zum Ende des vorigen Jahrhunderts und auch noch zu Beginn dieses Jahrhunderts hatten sich die Kreditgenossenschaften etlicher Annäherungsversuche zu erwehren, die in den Bestrebungen bestanden, die Kreditgenossenschaften den ortsansässigen Sparkassen oder Bank-Aktiengesellschaften zuzuschlagen. Daran waren die zuständigen Regierungsstellen nicht ganz unbeteiligt. Das mag daran gelegen haben, daß die Genossenschaften nicht wenigen Politikern ein Dorn im Auge waren, weil jede Neuorientierung des gemeinschaftlichen und demokratischen Zusammengehens zunächst einmal auf erhebliches Mißtrauen stieß. Kreditgenossenschaften sind von Beginn ihres Bestehens an demokratisch strukturiert. Derartige Strukturen waren damals nicht jedermanns Sache.

Joseph Schleicher machte — salopp formuliert —aus dem Bänkle eine Bank, formte den Vor-schußverein zu einer Institution, sprach auch erstmals von einem Unternehmen und verlieh den Aktivitäten bankeigene Professionalität.

Entwicklung vollzieht sich nicht linear, sie besteht aus Umwegen, aus Versuchen, aus der ständigen Lernfähigkeit, aus der permanenten Suche nach dem besten Weg. Überaus zahlreiche Personen und Persönlichkeiten wirken in den einzelnen Epochen an der Entwicklung mit. Daß der Weg das eigentliche Ziel ist, ergibt sich aus dem Anfang: Alles beruht auf dem Vergangenen und ist demzufolge die Grundlage für das Gegenwärtige. Die Zukunft selbst, also der weitere Weg, ist völlig offen. Und genau darin liegt die große Chance. So entstand auch die Volksbank, die die Höhen und Tiefen der 20er Jahre überstand und beispielsweise 1923 eine Inflationsbilanz von 74.124.546.823.000.000 Mark auswies. Darin zeigt sich letztlich, daß selbst absolute Zahlen immer relativierbar sind. Denn zwei Jahre später bilanzierte die Bank — nach vollzogener Währungsumstellung — gerade mal noch 1.011.541 Reichsmark.

Vorstand und Aufsichtsrat (AR) des Vorschußvereins Villingen am 17. März 1918: (sitzend v. 1. n. r.) Fr. Jos. Schmid AR, Schloß AR, Direktor Joseph Schleicher, AR-Vorsitzender M Oberle, 1. Görlacher AR, G. Schönstein AR, (stehend v. n. r.) Nägele AR, Kontrolleur E. Steinwede, Kassierer E. Minnich, C. Beha AR.

Das gleiche Bild zeigte sich dann zwei Jahrzehnte später, als 1945 die Bilanz den Betrag von 20.900.000 Reichsmark aufwies, während 1949 nach der Währungsreform nur noch ein Zehntel dieser Summe zu registrieren war. Diesmal allerdings in D-Mark, die sich in den folgenden Jahrzehnten zur europäischen Leitwährung mauserte und an der sich auch die Nachkriegsgeschichte der Volksbank mit ihrer steilen Aufwärtsentwicklung ablesen läßt.

Rasante Entwicklung

Ein Unternehmen zieht Kreise, was sich ebenso von der Volksbank behaupten läßt. Ausgehend von Villingen, wird sie zunehmend Teil des Schwarzwaldes und der Baar. Zum Jahresbeginn 1927 war auf Wunsch und Betreiben der dortigen Geschäftswelt in St. Georgen eine Filiale gegründet worden. Im Jahr des 100jährigen Bestehens —also 1967 — kam die Volksbank Donaueschingen, die 1926 als Gewerbebank gegründet worden war, zur Villinger Volksbank. Bereits am 1. April 1963 war die Filiale Blumberg eröffnet worden. Die Bank war also schon vor der Kreis- und Gemeindereform im Jahre 1972 in den damals noch selbständigen Landkreisen Villingen und Donau-eschingen präsent. Sie ist tatsächlich im Schwarzwald und auf der Baar daheim! Und am „Vorabend“ des 125jährigen Bestehens kam es dann 1991 zur Verschmelzung der Villinger Volksbank mit der Spar- und Kreditbank Donaueschingen/Villingen. Die Verbindung zwischen diesen beiden Städten hatte sich zudem am 19. Dezember 1938 ergeben, als die Spar- und Kreditbank mit der gleichnamigen Bank in der Zähringer-Stadt fusionierte. Heute lautet der offizielle Name „Volksbank eG, mit Sitz Villingen-Schwenningen“. Im allgemeinen heimischen Sprachgebrauch ist und bleibt sie indes die Villinger Volksbank, zumal sie — wie bestimmt vielen älteren Bürgerinnen und Bürgern erinnerlich — von 1920 bis 1944 die noch lokalere Bezeichnung „Villinger Bank“ trug. Der Name „Vorschußverein“ hatte immerhin mehr als ein halbes Jahrhundert lang Bestand. Die Namensgebung ist — wenngleich man sie nicht überbewerten darf — ein Indiz für die Entwicklung, die schließlich zur heutigen Regionalbank führte. Sie setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein und intensivierte sich ab den 60er Jahren. 1960 lag die Bilanzsumme bei rund 25 Millionen DM, 1995 betrug sie 1,6 Milliarden DM. Sie hat sich also um mehr als das Sechzigfache vergrößert. Daß in dieser Zeit sämtliche modernen elektronischen Bankeinrichtungen mit Riesenschritten in der Volksbank Einzug hielten, läßt sich allein schon daran ermessen, daß der Personalbestand keineswegs diese Steigerungsrate vorzuweisen hat, was schon wegen der Unterbringung gar nicht möglich wäre. Wohl aber war auch hier ein kräftiger Zuwachs zu verzeichnen. Die gegenwärtige Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beträgt rund 320 — sie hat sich stabilisiert. Nahm also in dreieinhalb Jahrzehnten die Bilanzsumme um mehr als das Sechzigfache zu, so der Personalbestand lediglich um das Vierfache. Ohne eine hochmoderne technische Ausstattung, die ständig ergänzt oder erneuert wird, wäre die umfassende Dienstleistung nicht zu erbringen. Genauer: Die Technik schafft personelle Kapazitäten für die persönliche Beratung und Betreuung der Kunden, für die professionelle Ausrichtung im Markt.

Die Expansion der Volksbank verdeutlicht sich ebenso eindringlich wie anschaulich an weiteren zwei Punkten: An der hohen Mitgliederzahl, also an der Zahl der Bankteilhaber, und an den Gebäuden.

28.000 Mitglieder

Es waren 69 Mitglieder, die den genossenschaftlichen Vorschußverein als gleichzeitige Teilhaber im Jahre 1867 gründeten. 50 Jahre später zählte der Bankverein rund 600, beim 100jährigen Jubiläum schließlich 8.000. Bis 1990 verdoppelte sich diese Zahl — und heute sind es sage und schreibe 28.000 Volksbank-Mitglieder. An Kunden zählt die Bank rund 100.000.

Beteiligungs-Erklärung— die Volksbank-Mitglieder sind Teilhaber; das wird durch die Zeichnung des Geschäftsanteils dokumentiert. Die Volksbank hieß von 1920 bis 1944 „Villinger Bank«.

Was die Gebäude angeht, stand die Wiege der Volksbank wechselweise in den Privatwohnungen der jeweiligen Kassierer Ernst Dold und Gustav Killy. Danach mietete der Verein ein kleines Geschäftslokal im Haus von Ernst Schönecker, wo die Geschäfte von 1874 bis 1896 betrieben wurden. „Nunmehr erwies sich der bescheidene Raum als zu klein, wir mieteten im ehemals C. H. Wernerschen Haus das untere Stockwerk mit drei Räumen, womit wir uns behelfen mußten, bis es uns gelang, dieses für uns sehr günstig gelegene Gebäude käuflich zu erwerben.

 

Die Vorstandssprecher und Bankdirektoren Dr. Volker Lindner (links) und Siegfried Wolber (rechts) mit Ministerpräsident Erwin Teufel anläßlich des Festaktes zum 125jährigen Volksbank-Bestehen im Villinger Franziskaner-Konzerthaus.

 

Doch auch diese Räume wurden bald zu eng, und somit schritten wir im Jahr 1906 zu einem umfassenden gründlichen Umbau, dem wir einen einstöckigen Anbau anfügten …“ 1) Es handelt sich um das Haus Riet-straße 22, das — gemeinsam mit dem Gebäude Rietstraße 20 — bis Ende 1984 Heimat der Volksbank war. Alles unter einem Dach zu haben und damit eine höhere Arbeitseffizienz zu erzielen, war die Absicht, als das ehemalige Zentralkaufhaus am Benediktinerring erworben und dann vollständig umgestaltet wurde. Im Januar 1985 zog die Bank von der Rietstraße vor das Riettor — die Adresse: „Am Riettor 1“. Neu- und Umgestaltungen der Bankgebäude erfolgten ebenso in St. Georgen, Donaueschingen, Blumberg und Geisingen.

Die Volksbank in St. Georgen am Bärenplatz. Im Jahre 1927 wurde auf Wunsch zahlreicher Gewerbetreibender in der Bergstadt eine Filiale der Villinger Volksbank eröffnet. In Donaueschingen wurde die genossenschaftliche Spar- und Kreditbank im Jahre 1870 gegründet, also vor immerhin 126 Jahren. 1991 erfolgte die Fusion mit der Villinger Volksbank, die schon seit 1926— ursprünglich mit der Bezeichnung „Gewerbebank“— dort ansässig war.

 

Kein anonymes Gebilde

Die Volksbank eG ist kein anonymes Gebilde, keine namenlose Einrichtung. Von der Gründung bis heute verbinden sich mit ihr bekannte Personen, durch die letztlich die Bank „persönlich“ wird. Die Fülle erlaubt nur einen Auszug bei den Vorstandsmitgliedern: Oberamtmann Karl Heinrich Baader und Ernst Dold, Ferdinand Stocker und Ignaz Joseph Ummenhofer, Notar Ludwig Bauer und Gustav Killy in den Anfangsjahren. Dann die Zeit des eigentlichen Aufbruchs mit Joseph Schleicher, Ernst Minnich, Erich Steinwede und Carl Baumann. Und schließlich die rasante Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg bis hinein in die 60er Jahre mit Johannes Isslei, Fritz Minnich, Christian Trautwein, Josef Huger und Josef Schmidt. Dann die neue Etappe mit Beginn des „elektronischen Zeitalters“ und dem Weg zur Regionalbank mit Christian Burgbacher, Siegfried Wolber und Dr. Volker Lindner, der bis 1983 tatkräftiger Finanz-Bürgermeister der Stadt Villingen-Schwenningen gewesen war. Auch daran wird deutlich, wie tiefgreifend die Verbindungen zwischen Stadt und Land, Bevölkerung und Volksbank sind.

Die Volksbank steht in ihrer fast 130jährigen Geschichte für Kontinuität, sie ist Teil dieser Region. Von Personen des Mittelstandes gegründet, hat sie sich den mittelständischen Anliegen im Verlauf ihres Bestehens stets geöffnet. Als Genossenschaftsbank auf privatwirtschaftlicher Basis ist sie zu einem modernen Unternehmen für Finanzdienstleistungen geworden: bürgernah, kundenorientiert, wirtschaftsfördernd!

Quellenangaben:

Joseph Schleicher: Vorschuss-Verein Villingen e. G. m. u. H. Villingen. 1867 —1917: Jubiläums-Denkschrift.

Ulrich Rodenwaldt: Das Leben im alten Villingen. Band 2: Geschichte der Stadt im Spiegel der Ratsprotokolle des 19. und 20. Jahrhunderts. Hrsg. Geschichts- und Heimatverein Villingen e. V.

Joseph Schleicher: Vorschuss-Verein Villingen e. G. m. u. H. Villingen (1917);

Wilfried Heupel: Villinger Volksbank. Ihre Bank. Hrsg. Villinger Volksbank eG. (1985).