Jahresbericht 1994 (Dr. Heinrich Maulhardt)

des Stadtarchivs und der Museen Villingen-Schwenningen

— Gekürzte Fassung! — Den ausführlichen 25seitigen Jahresbericht erhalten Sie im Stadtarchiv und bei den Städt. Museen. Er enthält u. a. eine ausführliche Themenliste über alle im Stadtarchiv bearbeiteten Themen zur Stadtgeschichte.

1. Allgemeines

In den Bereichen Archiv und Museen wurden in diesem Jahr größere Vorhaben abgeschlossen. Am 19. Mai wurde das Gebäude des Stadtarchivs, Lantwattenstraße 4, Stadtbezirk Villingen, in Anwesenheit des Oberbürgermeisters eröffnet. Damit ist eine zentrale Benutzung der Bestände des Stadtarchivs mit Ausnahme derjenigen der kleineren Stadtbezirke, außer Mühlhausen, möglich. Die Arbeitsbedingungen für Archivpersonal und Benutzer sowie die Lagerungsbedingungen des Archivguts haben sich dadurch wesentlich verbessert. Die Benutzerzahlen des Archivs sind sprunghaft angestiegen. Noch nie haben so viele Personen das Archiv ausgewertet.

Das Stadtarchiv hatte an den Arbeiten zur 900-Jahr-Feier Rietheims wesentlichen Anteil. In seiner Federführung lagen die publizierte Ortsgeschichte, Dokumentenausstellung, der Festvortrag des Stadtarchivars und die finanzielle Abwicklung. Ebenso wirkte das Archiv an der organisatorischen Vorbereitung mit.

Das Franziskanermuseum arbeitete intensiv an der musealen Gestaltung des 1. Obergeschosses „Stadtgeschichte Villingens bis 1800“. Der Gemeinderat genehmigte am 14. April die Förderung des Museums im Rahmen des Stadtqualitätspro-gramms, so daß die Finanzierung des 1. OG, das am 7. Oktober 1995 eröffnet wurde, gesichert ist.

Stadtarchiv und Franziskanermuseum erarbeiteten gemeinsam eine historische Dokumentation für den Kaiserturm, die seit 7. Mai als ständige Ausstellung dort gezeigt wird. Das Thema der Ausstellung lautet „Geschichte der Wehrbauten und der Verteidigung Villingens.“

Am 10. Dezember wurde der erste Bearbeitungsabschnitt des Uhrenindustriemuseums eröffnet. Seit 1991 haben die Mitarbeiter des Heimatmuseums im dienstlichen Auftrag an dem Projekt mitgewirkt. Dr. Reinartz arbeitete an der Einrichtung des Museums im dienstlichen Auftrag als Geschäftsführer des Fördervereins.

Sechs Inkunabeln aus der ehemaligen Bibliothek des Franziskanerklosters Villingen konnten am

Juli auf einer Versteigerung in London erworben werden. Eine kurzfristig gestartete Spendenaktion für den Ankauf der Bücher erbrachte 38.029,63 DM.

Das Amt nahm an dem Treffen „150 Jahre badische Revolution“ von Städte- und Gemeindevertretern in Offenburg teil. Es möchte zu dem Jubiläum insbesondere eine Ausstellung machen.

2. Stadtarchiv

Infolge fachwidriger Lagerung von Archivalien in der Vergangenheit, auch in den kleineren Stadtbezirken, waren eine Menge von 849 Umzugsbehältern Archivgut angeschimmelt, die zu einer Firma nach Trier gefahren werden mußte. Dort wurden die Schimmelpilze und -sporen abgetötet. Durch den persönlichen Einsatz der Mitarbeiter bei den Transportfahrten konnten ca. 25.000 DM eingespart werden. Das geschilderte Problem und seine Lösung verdeutlichen, daß es sich langfristig lohnt, Fachpersonal einzustellen und geeignete Gebäude zu erwerben.

 

Benutzung

Benutzungstage (1 Benutzer: 1 Tag)

1991 = 99 1992 = 107 1993 = 198 1994 = 577 Zahl der Benutzer (persönliche Benutzung im Benutzerraum) 1991 = 58 1992 = 54 1993 = 68 1994 = 161 Schriftliche wissenschaftliche, heimatkundliche und genealogische Anfragen

1991 = 35
1992 = 49
1993 = 35
1994 = 88

Veröffentlichungen

„Liebes altes Schwenningen. Bilderbuch einer Stadt im Wandel.“ Herausgegeben von Manfred Reinartz im Auftrag der Stadt Villingen-Schwenningen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs und der städtischen Museen, Band 11.

„900 Jahre Rietheim“, Geschichte und Gegenwart 1094 /1994. Schriftenreihe der Stadt Villingen-Schwenningen, Band 6.

Das Stadtarchiv eröffnete eine neue Reihe „Blätter zur Geschichte der Stadt Villingen-Schwenningen“. Das erste Heft, „Judenschicksale in Villingen“, wurde von drei Schülerinnen im Rahmen eines Projekts erarbeitet.

Ute Schulze: „Der Kaiserturm in Villingen — seine Instandsetzung und heutige Nutzung“, in: „Denkmalpflege in Baden-Württemberg“ 3/1994, S. 109. Herbert Aderbauer besorgte im Rahmen eines Werkvertrags die Grundlagenstudie „Ortsgeschichte Obereschach. Historische Grundlagen, Bibliographie, Archivalien, Themenvorschläge.“ Diese Arbeit soll die Untersuchungen zur Ortsgeschichte Obereschachs anleiten und erleichtern. Im Rahmen eines Werkvertrags wurden von Andreas Nutz die Arbeiten an der Edition der älteren Bürgerbücher Villingens 1336 —1590 fortgesetzt.

Am 26. Oktober genehmigte der Verwaltungs-und Kulturausschuß die Herausgabe einer Stadtgeschichte Villingen-Schwenningen, die 1998 aus Anlaß der 1000-Jahr-Feier (1999) erscheinen soll. Die Stadtgeschichte wird im Hermann-Kuhn-Verlag Schwenningen publiziert.

Ausstellungen

Vom 17. Mai — 19. Juni fand im Franziskaner-museum die Ausstellung „Farben, Felder & Figuren. Das Landeswappen und die kommunalen Wappen in Baden-Württemberg“ statt.

Aus Anlaß der „Ersterwähnung des organisierten Villinger Bürgermilitärs im Jahre 1294“ (Historische Bürgerwehr Villingen) wurde von Stadtarchiv und Franziskanermuseum die Ausstellung „Stationen der städtischen Verteidigung Villingens von 1294 — 1803“ präsentiert, die vom 5. —19. September in der Kundenhalle der Sparkasse VS im Stadtbezirk Villingen zu sehen war.

3. Städtische Museen

Allgemeines

Am 5. Mai wurde eine Vereinbarung über die museumspädagogische Zusammenarbeit zwischen dem Staatlichen Schulamt Villingen-Schwenningen und der Stadt Villingen-Schwenningen geschlossen. Die Ziele der Arbeit beinhalten insbesondere die Einführung von Lehrerinnen und Lehrern in die Arbeit im Museum als besonderem Lernort und die Konzeption von speziellen Führungen und Aktionen für Schulklassen, um so den Schülern Zugänge zu ihrer nächsten Umgebung zu ermöglichen. Das Staatliche Schulamt beauftragte für die museumspädagogische Arbeit Diplom-Pädagogin Lehrerin Jane Heinichen, Hauptschule am Deutenberg. Ihr steht ein Deputat von 3 Wochenstunden zu.

Im Berichtszeitraum wurden gemeinsam mit dem Kulturamt die Bemühungen zur Gründung eines Fördervereins „Kulturzentrum Franziskaner Villingen-Schwenningen“ fortgesetzt. Zweck des Vereins ist die Förderung von Musik, Kunst und Kultur, Bildung und Erziehung, Wissenschaft und Forschung. Der Satzungszweck des Vereins soll vor allem durch die Förderung des Konzerthauses, der Museen und des Ausstellungswesens im Kulturzentrum Franziskaner erreicht werden.

Franziskanermuseum / Museum Altes Rathaus Museen, Hochbauamt und Kulturamt erarbeiteten gemeinsam mit Architekt Fuhrer einen Plan zur baulichen Optimierung des Franziskaners: Vergrößerung des Foyerbereiches, Verbindungen zwischen den Teilen des Gebäudekomplexes, Schaffung eines infrastrukturellen Zentrums mit Kasse und Cafeteria, Verbesserung der Bedingungen für Wechselausstellungen.

Für das 2. Obergeschoß des Klostergebäudes wurde die Vorplanung zur musealen Gestaltung abgeschlossen und in mehreren vorbereitenden Treffen die Grundkonzeption erarbeitet. Die dafür notwendigen Werkverträge wurden abgeschlossen. Für die Neupräsentation der Schwarzwaldsammlung wurde die inhaltliche Konzeption einschließlich Arbeits- und Zeitplan vorgelegt. Ein entsprechender Werkvertrag wurde abgeschlossen, ebenso wie für die Neukonzeption des Magdalenenbergs. Herbert Schroff lieh dem Museum seine umfangreiche SABA-Sammlung. Ein Leihvertrag, an dem man, mit Unterbrechungen, fast ein Jahr arbeitete, wurde von beiden Seiten unterzeichnet.

Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit

Es wurden zwei Praktikantinnen betreut und ein kleines „Forschungsprojekt“ gemeinsam mit der Hebammenschule der Städtischen Kliniken für 1995 initiiert. Die Kleinskulptur „Jesuskind im Paradiesgarten“ wurde für eine restauratorische Diplomarbeit untersucht. Eine Dissertation über Ofenkacheln des 16. Jahrhunderts im südwestdeutschen Raum mit Objekten aus unserer Sammlung steht kurz vor dem Abschluß. Verschiedene Ausstellungsprojekte anderer Aussteller wurden bei der Recherche oder in Form von Leihgaben unterstützt: Augustinermuseum Freiburg (Klosterarbeiten), Jörg Zimmermann (Textilien, Handwerkszeug), Württembergisches Landesmuseum („Nikolaus Weckmann“), Freilichtmuseum Neuhausen („Fremde im Dorf‘) und das Freilichtmuseum Kommern („St. Nikolaus“). Die Museumspädagogische Abteilung wurde auf- und ausgebaut: Einrichtung des Museumspädagogikraumes, Beschaffung von Arbeitsmaterial und Requisiten (Tracht, Krätzen, Uhrenkoffer, Sitzkissen, Hocker). Die Pressearbeit in diesem Bereich wurde intensiviert und ein Programm mit öffentlichen Führungen aufgestellt. Die Führerinnen wurden aus- und weitergebildet: Teilnahme am Tagesseminar des Vereins für Museumspädagogik Baden-Württemberg, Ausarbeitung und Vermittlung von vier Standardführungen. Der Arbeitskreis für die Zusammenarbeit mit den Schulen tagte siebenmal. Es fanden zahlreiche Führungen statt für Schulklassen, Erwachsene und neue Zielgruppen (Eltern mit kleinen Kindern). In der Erwachsenenpädagogik wurden durch die Zusammenarbeit mit der VHS im Kreativbereich verschiedene Projekte angeregt (Museumskalender, Strohseminar VHS).

Im Rahmen der VHS wurden Stadtführer ausgebildet und ein Seminar zur Neueinrichtung des 2. OG des Franziskanermuseums Abteilung Zeitgeschichte begonnen („Museumswerkstatt“). Das Museum beteiligte sich mit einer Einzelaktion zum Alten Rathaus am Tag des offenen Denkmals (11.September). Es präsentiert sich der Öffentlichkeit in einem Faltblatt sowie Plakat pro Quartal mit den öffentlichen Führungen und Veranstaltungen.

Sonderausstellungen:

»Frequenzwechsel“ (13. 11. 1993 — 16. 1. 1994)

„Ärzte gegen Atomkrieg: Hiroshima“ (26.4. — 26. 5. 1995)

„Industriearchitektur in Villingen und Schwen-ningen“ (Vorbereitung)

„Schemen aus 4 Jahrhunderten“ (Vorbereitung)

„Restaurieren heißt nicht wieder neu machen“ (Vorbereitung)

Veröffentlichungen:

Michael Hütt, Beitrag in: „Der Kaiserturm“, herausgegeben von der Kreishandwerkerschaft Schwarzwald-Baar-Kreis, VS 1994.

 

Anita Auer / Michael Hütt u. a.: „VS-Franziskaner-museum“, in: Museumsblatt, April 1994, H 13, S. 75 —79.

Heimatmuseum / Uhrenmuseum, Uhrenindustriemuseum

Die Tätigkeit der Mitarbeiter des Heimatmuseums stand im Zeichen zweier Projekte:

Herausgabe des Buches „Liebes altes Schwenningen. Bilderbuch einer Stadt im Wandel“, das am 14. November 1994 im Verlag Hermann Kuhn erschien, vor allem aber

Einrichtung und Aufbau des Uhrenindustrie-museums Villingen-Schwenningen (1. Bauabschnitt), das am 10. Dezember eröffnet wurde. Das in Fabrikräumen der ehemaligen Württembergischen Uhrenfabrik Bürk Söhne befindliche Uhrenindustriemuseum trägt der Tradition Schwenningens als der einst bedeutendsten Uhrenstadt der Welt Rechnung. Es vermittelt wichtige Einblicke in die Technik-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt und der Region und kann zu einem attraktiven touristischen Ziel an der 1992 eröffneten Deutschen Uhrenstraße werden.

4. Dienstbibliothek

Die wissenschaftliche Dienstbibliothek umfaßt rd. 20.000 Bände aus den Sachgebieten Geschichte, Kunstgeschichte, Volkskunde, Archivkunde, Museumskunde, Germanistik. Sie weist auch einen beachtlichen Altbestand auf. Auf einer Versteigerung Fürstenbergischer Bibliotheksbestände in London konnten sechs Inkunabeln, Buchdrucke vor 1500, mit der Provenienz Franziskanerkloster sowie Kloster St. Clara Villingen ersteigert werden. Durch die Versteigerung wurde der älteste Bestand der ehemaligen Franziskaner-bibliothek, rd. 90 Bände, auseinandergerissen und damit dem Bibliothekswesen und der historischen Forschung insbesondere zu Villingen schwerer Schaden zugefügt. Insgesamt verzeichnete die Bibliothek an Neuzugängen 410 Titel.