Das Konzept „Kulturgeschichte“ (Dr. Michael Hütt)

im Villinger Franziskanermuseum 1)

Die am 7. Oktober 1995 eröffnete Dauerausstellung im Franziskanermuseum ist der erste Teil einer umfassenden Neukonzeption des gesamten Museums. Zugleich ist sie das erste Ergebnis der Arbeit eines noch relativ neuen wissenschaftlichen Teams am Museum 2). Einige programmatische Erläuterungen zu unserer Konzeption mögen vor diesem Hintergrund vielleicht auf Interesse stoßen und zur Diskussion in der geschichts- und museumsinteressierten Öffentlichkeit anregen. Für uns wäre dies ein Beleg für die Lebendigkeit der Institution Franziskanermuseum.

Die neue Abteilung trägt den nüchternen, wenig spektakulären Titel „Kulturgeschichte Villingens vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts“. Der Begriff der „Kulturgeschichte“ istschillernd und man hat öfter den Eindruck, daß er gerade deshalb manchmal aus Verlegenheit angewandt wird, wenn man nicht so genau weiß, was man eigentlich betreibt. Diesen Vorwurf wollen wir uns natürlich nicht machen lassen.

Tatsächlich erfolgte erst nach der Fertigstellung der Konzeption ein Wechsel in der Bezeichnung des Ergebnisses. Zuvor sprachen wir von „Stadtgeschichte“. Der Grund für die Änderung lag in der Entdeckung einer frappierenden Übereinstimmung zwischen unserer Themen- und Raumaufteilung im Franziskanermuseum 1995 und dem „System der deutschen Geschichts- und Alter-thumskunde entworfen zum Zwecke der Anordnung der Sammlungen des germanischen Museums“ in Nürnberg von 1853 3). Worin diese Übereinstimmung besteht, was sie über die Art unserer Konzeption aussagt und was das alles mit dem Begriff Kulturgeschichte zu tun hat, das soll in einem kleinen Exkurs erläutert werden.

Freiherr Hans von und zu Aufsess, Initiator und Gründer des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, unterteilt in seinem verästelten System zunächst zwischen „Geschichte“ und „Zuständen“, um dann die Geschichte, worunter er „die Thathandlungen, Begebenheiten der Menschen“ 4) versteht, recht schnell beiseite zu schieben 5). Wir müssen gestehen, in unserer Ausstellung ähnlich verfahren zu sein. Aus dem Bereich der Ereignisgeschichte Villingens erfährt man auf wenigen Schrifttafeln nur einige dünne Daten. Zur Ehre einer eigenen Ausstellungsabteilung sind lediglich die Belagerungen des Dreißigjährigen Krieges und des Spanischen Erbfolgekrieges gelangt, und die auch nur, weil uns daran hauptsächlich das Leben in der belagerten Stadt und die Erinnerung der Villinger an diese Ereignisse interessiert haben. Unter den „Zuständen“ unterteilt Aufsess zwischen „allgemeinen Cultur- und socialen Zuständen“ einerseits und „besonderen Anstalten für allgemeines Wohl“ andererseits. Letztere erfahren noch einmal eine Untergliederung in Anstalten „für geistiges Wohl, Religionsanstalten“ und Anstalten „für materielles Wohl, Staatsanstalten“. Diese Aufteilung werden Sie bei einem Rundgang durch die Ausstellung wiederfinden. Dort haben wir entsprechend den drei Flügeln der Klosteranlage drei Grundthemen behandelt. Im mittleren, zentralen Quertrakt stellen wir Dinge aus, die nach heutiger Terminologie dem Bereich der Alltagsgeschichte zuzuordnen sind, also die „allgemein Cultur- und socialen Zustände“. Tatsächlich findet sich in dieser Abteilung nichts, was nicht auch 1853 in der weiteren Ausdifferenzierung der Sammlungskonzeption des Germanischen Nationalmuseums unter diesem Stichwort berücksichtigt worden wäre. Man findet dort Exponate zu „Land und Leute: Geschlechts- und Familienverhältnisse, Standes- und Classenverhältnisse“, „Leben: Lebensbedarf und Erwerb: Leibesbedeckung; Leibesunterhalt; Erzeugung und Erwerb: natürlicher: Landbau und Thiernutzung; künstlicher: Industrie, Gewerbe und Handel; Lebensweise: Sitten und Gebräuche, sociale Verhältnisse: Geselligkeit, Courtoisie, Unterhaltungen, Feste“.

Im Südflügel ist der Bereich von Herrschaft und Verwaltung untergebracht, also die „besonderen Anstalten für materielles Wohl“ — wobei man hier zugegebenermaßen den „Staat“, den Aufsess im Sinn hat, durch „Stadt“ ersetzen müßte. Behandelt werden „Staatsverfassung, Ordnung und Rechte“, „Staatsverwaltung: Regierungsweise, Regierungsorgane, Finanzmittel, Fürsorge für das Staatswohl: Polizei, Wohltätigkeitsanstalten; Staatsschutz: Rechtsschutz: Gerichtsbarkeit, Gerichte, Gerichtsverfahren, Rechtsnormen, … Rechtsfälle. Waffenschutz: Kriegswesen, Kriegsbedarf, Kriegsleute, Waffengattung, Kriegs- und Waffenübung“. Der Nordflügel beherbergt schließlich mit den Exponaten zu und aus den Villinger Klöstern und Kirchen das, was Aufsess unter den besonderen Anstalten für geistiges Wohl versteht.

Was sagt diese merkwürdige Parallele zwischen dem ersten Konzept für ein Geschichtsmuseum aller Deutschen 1853 und dem Konzept eines Heimatmuseums 1995? Zufall ist es ja wohl nicht, also sind entweder wir so altmodisch oder Aufsess ist so modern. Selbstverständlich ist letzteres der Fall.

Die Gründung des Germanischen Nationalmuseums 1852 erfolgte durchaus in Opposition zur herrschenden akademischen Geschichtsauffassung und zu den bereits bestehenden Kunstmuseen 6). Widmeten sich die staatstragenden Historiker um 1850 in erster Linie den politischen Ereignissen, den Schlachten, den Urkunden und Verträgen, in denen die Staaten und die großen Persönlichkeiten der Weltgeschichte als Handelnde auftraten, so versuchte man dagegen in Nürnberg, die Aufmerksamkeit auf das „Volksleben“ zu lenken, und in dem, was man „soziale Strukturgeschichte“ nennen könnte 7), die eigentliche Triebkraft des geschichtlichen Fortschritts zu erkennen. Alle historischen Hinterlassenschaften wurden berücksichtigt, auch und gerade die materielle Kultur des Alltags, wie Kleidung und Gewerbeerzeugnisse oder Belegstücke aus dem Zusammenhang von Festen und Gebräuchen. Bemerkenswert ist ebenso der Versuch, die Verfassungsgeschichte von der Staatsordnung bis zum Kriegswesen, die Kirchen-und Religionsgeschichte sowie die Geschichte der Wissenschaften und der Künste und damit auch den Sammelbereich der bereits bestehenden, aus den fürstlichen Sammlungen hervorgegangenen Kunstmuseen in das historische Gesamtbild zu integrieren. Damit reichte man in zweierlei Hinsicht über alle späteren realisierten Museumstypen hinaus: Erstens in der Rückführung der gesammelten Gegenstände auf ihre ursprüngliche Funktion innerhalb historischer Lebenswelten und zweitens in der Anerkennung des Quellenwerts aller historischen Hinterlassenschaften vom rostigen Nagel bis zum Altarbild.

Gerade über diesen umfassenden Anspruch spotteten die etablierten Historiker. Indem sich der Ansbacher Geschichtsforscher Karl Heinrich Ritter von Lang über das Sammeln „alter Grabestöpfe, Streithämmer, Bierhumpen, verrosteter Spangen und verzerrter Heiligenbilder“ 8) lustig machte (alles Dinge, die auch im Franziskanermuseum präsent sind), versuchte er, die Gegenstände als wertlos hinzustellen und ihren systematischen Zusammenhang entschieden zu leugnen, weil er ihre Aussagekraft und damit ihren Wert in Bezug auf historische Lebenswelten ignorierte 9).

Die beschriebene Kontroverse war Teil der allgemeinen Auseinandersetzung um die Herangehensweise der Kulturgeschichte vor dem Hintergrund der bürgerlichen Revolution von 1848. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts waren in Deutschland zahlreiche Veröffentlichungen erschienen, die entweder den Begriff „Culturgeschichte“ im Titel führten oder doch einen entsprechenden Inhalt hatten. Allen war eine ähnlich universale Herangehensweise gemeinsam. Die Verfasser stammten zumeist aus der akademisch gebildeten Mittelschicht und nur selten aus dem Hochschulbereich. Ihren Rückhalt fanden sie in den zahlreich entstandenen Vereinen „für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde“ 10), deren Mitglieder Pastoren, Gymnasialprofessoren, Gerichtsräte, Ärzte, Oberförster und Kaufleute waren. Viele von Ihnen beteiligten sich 1848 aktiv an der Revolution.

Mit welchen gesellschaftspolitischen Motiven die Beschäftigung mit der Kulturgeschichte verbunden war, läßt sich durch ein Zitat belegen, das aus der Vorrede von Wilhelm Wachsmuths 1850 erschienener „Allgemeiner Kulturgeschichte“ stammt 11): „Wenn der theilnehmende Beobachter der jüngsten Vergangenheit […] in dem Glauben an Fortschritt und Gesittung in Staatseinrichtungen und Staatshändeln irre wird, so erlangt er in der Culturgeschichte die Zuversicht, daß der unermeßliche Gütervorrath, der der Menschheit in Gewerbe und Verkehr, in Wissen und Kunst zugewachsen ist und täglich sich noch mehrt, dem politischen Ungeist in Anarchie und Despotismus nachhaltigen Widerstand leisten und den Fortschritt im Großen und Ganzen sichern werde; in ihr findet die hohe Mission der Menschheit sich wieder. Darum hat der Verfasser gegenwärtigen Buchs in seinem Mißbehagen an der politischen Geschichte der neuesten Zeit sich jener zugewandt“ 12). An diese Funktion der Herausarbeitung eines im „unermeßlichen Gütervorrath“ enthaltenen Informationspotentials über die Kulturfähigkeit und das kulturelle Vermögen der Menschheit knüpfen wir heute an, wenn sich auch die Zuversicht in den unaufhaltsamen Fortschritt der Kultur verflüchtigt hat. Der nachhaltige Widerstand gegen den Ungeist, den Wachsmuth in den Gegenständen der Kulturgeschichte entdeckt, ist der kulturpolitische Kern unseres Rückgriffs auf eine fast 150 Jahre alte Museumskonzeption. Diese Haltung ist zwar recht bescheiden und etwas resignativ, aber sie ist nicht unpolitisch, ist kein Rückzug in eine konfliktbereinigte vergangene Idylle, in der vermeintlich alles noch besser und in Ordnung war. Es geht vielmehr um das Sammeln von materiellen Sachgütern und von kulturgeschichtlichen Zusammenhängen als Speicherung oder Vorratshaltung und um deren Vergegenwärtigung in der Ausstellung als auf die Zukunft zielende geistige Anregung 13).

Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, übrigens ebenso wie das Franziskanermuseum in einer ehemaligen Klosteranlage mit Kirche und Kreuzgang angelegt, ist nie im Sinne des Aufses-schen Systems verwirklicht worden. Hier wie überall gab man schon bald den Anspruch auf, die Museumsobjekte mit Bezug auf ihren historischen Kontext, ihren ursprünglichen Gebrauchszusammenhang auszustellen, zugunsten einer vornehmlich ästhetischen Präsentationsweise als Kunst-bzw. Kunstgewerbesammlung sowie einer Aufsplitterung in einzelne, isoliert voneinander ausgestellte Sammlungsbereiche unter der Leitung spezialisierter Fachwissenschaftler. Nur auf der Ebene der Heimatmuseen blieb eine vergleichbar universale, historisch orientierte Sammel- und Ausstellungspraxis erhalten, freilich begrenzt auf ein eng umrissenes lokales Umfeld. Diesem Museumstyp im Schatten der wissenschaftlich orientierten Museumsgeschichte entspricht auch die 1876 gegründete Villinger Alterthümersammlung. Ihre Initiatoren entstammten demselben kulturellen Umfeld wie die Kulturgeschichtler und die Mitglieder der häufig auch Sammlungen anlegenden Geschichtsvereine der ersten Jahrhunderthälfte. Die Hauptperson in Villingen, der Verleger Ferdinand Förderer, war ebenfalls an der Revolution von 1848 aktiv beteiligt. Wir sind deshalb besonders dankbar, daß in einer historischen Dissertation zur Zeit u. a. auch die Entstehungsgeschichte unseres Museums erforscht wird das im Jahre 2001 sein 125jähriges Jubiläum feiern wird. Es wird sich dann noch klarer als bislang erweisen, inwiefern unser neu-altes Ausstellungskonzept mit dem Geist und den Intentionen der Gründungsväter übereinstimmt.

Ausgangspunkt unserer Konzeption war aber zunächst der typische und der üblichen Aufteilung der Museen in Objekt- oder Materialgruppen sich zäh widersetzende Mischbestand der „verrosteten Spangen und verzerrten Heiligenbilder“, der nur in bezug auf Raum (Villingen) und Zeit (bis zum Ende des 18. Jahrhunderts) systematisierbar war. Wir haben diesen Bestand neu aufgearbeitet, um dem beschriebenen hohen Anspruch des Museums als Ort der Orientierung und der Selbstvergewisserung in der heutigen Welt gerecht zu werden. Den tatsächlich naiven und dilettantischen Anspruch einer Berücksichtigung aller historischen Hinterlassenschaften und einer lückenlosen Dokumentation vergangener historischer Epochen, der hinter den gerade skizzierten Bemühungen des letzten Jahrhunderts steckte, teilen wir heute nicht mehr. An die Stelle der Hoffnung auf die Möglichkeit einer umfassenden und objektiven Rekonstruktion der Vergangenheit ist heute die Einsicht in die notwendig fragmentarische Überlieferung und die unvermeidlich hypothetische Sicht auf das historische Ganze getreten. Dem tragen wir Rechnung, indem wir zwar versucht haben, die gesamte Bandbreite der historischen Wirklichkeiten von den Daten der Ereignisgeschichte bis zu den Strukturen der Alltagsgeschichte zu berücksichtigen, aber von vornherein eine exemplarische Themenauswahl getroffen haben, die diese Bandbreite aufscheinen läßt, ohne sie voll auszuschöpfen. So wird man an manchen Stellen vielleicht etwas vermissen, was man auch noch hätte zeigen und sagen können, dafür an anderen aber tiefer ausgelotete Zusammenhänge aufgedeckt finden. Ein komplettes Kompendium der Villinger Kulturgeschichte findet man nicht.

In den letzten Jahren wurde innerhalb museologischer Debatten, aber auch in der allgemeinen kulturphilosophischen Diskussion ein regelrechter Kult um das Exponat im Museum getrieben, das als Fragment historischer Lebenswelten, als authentische Einzelheit sowohl die Nähe zur Vergangenheit sinnlich-anschaulich vermittle als auch die Empfindung des historischen Abstands und der Fremdheit 14). Auch in unserer Ausstellung steht deshalb das Exponat ganz im Vordergrund. Dabei haben wir bei der Exponatauswahl und -zusammenstellung nicht nach Materialgruppen oder Gattungen getrennt, sondern nach den historischen Gebrauchszusammenhängen Verbindungen hergestellt. So ergänzen sich die verrosteten Spangen und verzerrten Heiligenbilder gegenseitig, um ein möglichst umfassendes, vielschichtiges Bild von den behandelten Themen zu geben.

Der Dialektik von anschaulicher Nähe und historischer, funktionaler Fremdheit der Exponate haben wir Rechnung zu tragen versucht, indem wir eine klare gestalterische Trennung angestrebt haben zwischen dem Objekt mit der Aura des Authentischen und den heutigen Erklärungen, die den historischen Zusammenhang in den Köpfen der Betrachtenden aufscheinen lassen. Alle Texte und erklärende Graphiken sind auf einer räumlichen Ebene, von uns sogenannten didaktischen Bändern zusammengefaßt.

Die moderne Ausstellungsgestaltung entläßt die Besucher nie aus dem Ende des 20. Jahrhunderts. Es gibt keine inszenierten Rekonstruktionen vergangener Lebenswelten, keine stimmungsvollen Bilder einer konfliktbereinigten Idylle. Wir bleiben furchtbar spröde und nähern uns nur vorsichtig den ursprünglichen Zusammenhängen an. Die Ausstellungsarchitektur will durchaus Assoziationen wecken, aber keine perfekten Imitationen bieten, kein scheinbar vollständiges Tableau entwerfen. Sie will, wie die ganze Ausstellungskonzeption, Anregungen bieten, den Zugang erleichtern, die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen, rechnet aber mit einem aktiv hinsehenden und mitdenkenden Besucher. Zu dieser Ebene des konkreten Erscheinungsbildes der Ausstellung berufen wir uns auf einen weiteren Kronzeugen, den Kulturwissenschaftler Walter Benjamin, der über den Sinn eines im guten Sinne populären Museums schrieb: „Die Aufgabe der echten wirksamen Darstellung ist es geradezu, das Wissen aus den Schranken des Fachs zu lösen und praktisch zu machen“ 15). Und: „Nicht gelehrter sollen … (die Besucher) die Ausstellung verlassen, sondern gewitzter“ 16).

Anmerkungen:

1) Der Beitrag ist eine leicht erweiterte und mit Anmerkungen ver­sehene Version meiner Rede zur Eröffnung der Abteilung „Kultur­geschichte Villingens vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahr­hunderts“ am 7. Oktober 1995.

2) An der Ausstellungskonzeption waren die hauptamtlichen wis­senschaftlichen Mitarbeiter des Museums Anita Auer und Michael Hütt beteiligt sowie mit Casimir Bumiller, Bertram Jenisch, Ute Ströbele und Annelore Walz ein Team aus Wissenschaftlern ver­schiedener historischer Fachdisziplinen. Ebenso hohen Anteil an der Gesamtkonzeption hatten die Innenarchitekten HG Merz und Ulrich Zickler sowie der Graphiker Dietmar Burger.

3) Hans von und zu Aufsess, System der deutschen Geschichts- und  Alterthumskunde entworfen zum Zwecke der Anordnung der Sammlungen des germanischen Museums (mit einer Einführung von Bernward Deneke), in: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.), Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852 — 1977. Beiträge zu seiner Geschichte, München/Berlin 1978, S. 974 — 992.

4) Ebd., S.978.

5) Die Untergliederungen der Geschichte nehmen im ausführli­chen System gut drei, die der Zustände über 19 Spalten ein; vgl. ebd., S.981-992.

6) Vgl. zur Diskussion um die Gründung und zu den (wissen­schaftspolitischen Hintergründen: Volker Hartmann, Die deutsche Kulturgeschichtsschreibung von ihren Anfängen bis Wilhelm Hein­rich Riehl, Diss. Masch. Marburg 1971; Heinrich Dilly, James Ryding, Kulturgeschichtsschreibung vor und nach der bürgerlichen Revolution von 1848, in: Ästhetik und Kommunikation 21 (1975), S.15-32, bes. S. 23 f.; Walter Hochreiter, Kulturgeschichte und hi­storische Museen, in: Die alte Stadt 20 (1993), S. 93 —101. Die Wie­derentdeckung des Aufsesschen Systems in den 70er Jahren und sei­ne aktuelle museologische Diskussion ist natürlich Ausdruck einer verbreiteten Hinwendung zu alltags-, struktur- und sozialgeschicht­lichen Fragestellungen, auf der auch unsere Herangehensweise fußt.

7) Vgl. Hochreiter 1993 (wie Anm. 6), S. 94.

8) Eine Äußerung des Ansbacher Geschichtsforschers Karl Hein­rich Ritter von Lang, zit. n. ebd., S. 93. 9

9) Der von gleicher Seite erhobene Vorwurf des Dilettantismus gegenüber dem umfassenden Dokumentationsanspruch der Kulturgeschichder trifft in einer Beziehung durchaus zu. Es bestand die Gefahr eines naiven Empirismus, dem alles gleich wichtig und aus­sagekräftig war und der folglich in einer nicht zu bewältigenden Stoffülle ertrank. Auch Aufsess‘ System, das vor dem Hintergrund eines geplanten „Generalrepertoriums über das ganze Quellenmate­rial für die deutsche Geschichte, Literatur und Kunst“ zu sehen ist, stellt nur einen mühsamen Bändigungsversuch für eine in der Praxis unbewältigbare Materialflut dar.

10) Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 1 (1844), S. 519; zit. n. Hartmann 1971 (wie Anm. 6), S.69; dort auch, S. 68 — 72, allgemein zur Verbindung Kulturgeschichtsschreibung — Geschichtsvereine. 11)Vgl. zu Wachsmuth: Hartmann 1971 (wie Anm. 6), S. 96 —108.

11) Zit. n. Dilly/Ryding 1975 (wie Anm. 6), S. 19.

12) Vgl. die ähnlichen, hier paraphrasierend wiedergegebenen Über­legungen bei Gottfried Korff, Zur Eigenart der Museumsdinge. Ei­nige auf neuere Museumstheorien achtende Schlußbemerkungen zu einem wortreichen Bilderbuch, in: Rosemarie Beier / Gottfried Korff (Hrsg.), Zeitzeugen. Ausgewählte Objekte aus dem Deut­schen Historischen Museum (= Bausteine, Teil 6), Deutsches Histo­risches Museum Berlin 1992, S. 277 —281.

13)Vgl. z.B. Gottfried Korff / Martin Roth, Einleitung, in: dies. (Hrsg.), Das historische Museum. Labor, Schaubühne, Identitätsfa­brik, Frankfurt/ Main /New York/Paris 1990, S.9-37, mit Beleg­stellen von Aby Warburg und Walter Benjamin bis Peter Sloterdijk und Krzystof Pomian; Korff 1992 (wie Anm. 13), 5.277-281; eine auf hohem Reflexionsniveau stehende kritische Sichtung dieser An­sätze bietet: Jürgen Steen, Fragment, Objekt, Exponat. Zum Ob­jektbegriff stadt- und heimatgeschichtlicher Museen, in: Museums­blatt 16 (1995), S.10-13.

14) Walter Benjamin, Bekränzter Eingang, in: ders., Gesammelte Schriften, Frankfurt/Main 1980, Bd. 11, S.559; zit. n. Korff/ Roth 1990 (wie Anm. 14), S. 28.

15) Ebd.