Wilare, Phaphinwiller, Pfaffenweiler … (Eberhard Menzel)

Etwas Kirchen- und damit Ortsgeschichte

Beschreibung der Malereien in der Turmkapelle

Geschichte

Die Orte Pfaffenweiler und Herzogenweiler bildeten bis in das 12. Jahrhundert eine eigene Mark, „Wiler“, die vermutlich zur Urmark Klengen gehörte, Königsbesitz 817. Zwischen 1134 und 1200 wurde die Mark getrennt, ein Teil wurde dem Kloster Salem — gegr. 1134 — geschenkt, das heutige Pfaffenweiler.

1200 wird erstmals im St. Galler Urkundenbuch die Kirche „eclesia de Phaphinwiller“ genannt, die damals vermutlich St. Peter geweiht war. Er wird 1365 als Patron erwähnt. Vermutlich waren die Zähringer Herzöge die Kirchengründer, da deren Schutzpatron der hl. Petrus war. 1239 erscheint erstmals der Name „Wilare“ in den Büchern des Klosters Salem, 1275 auch im Diözesanbuch Freiburg: wilare in silva nigra, also im Schwarzwald. 1324 erfolgte die Inkorporation beim Kloster Salem. Ab 1464 bis zur Säkularisation hat die Pfarrei zum Kloster St. Georgen in Villingen gehört, damaliger Name „Pforren“.

Am 30. 4. 1600 hat Weihbischof Sigmund von Konstanz, Titularbischof zu Schönenstatt und Metropolit (!) einen Altar zur Hl. Dreifaltigkeit geweiht, so heißt die Kirche ja auch noch heute. Bis 1777 wechselten die Besitzverhältnisse zwischen Äbten und Bischöfen mehrmals, jeder baute die alte Kirche um, und das z. T. mehrmals.

Mit dem Ende des Klosters St. Georgen kam die Pfarrei zur Stadtpfarrei Villingen, und wurde eine Pfarrei „ex currendo“, also ohne Ortspfarrer. 1807 wurde der Ruf nach Selbständigkeit wach, ein Pfarrhaus sollte gebaut werden, wo sollte der Pfarrer sonst auch wohnen? Wie heute: Mittel waren keine vorhanden. 1779 ergibt ein Baufond im Ordinariat jährlich 250 Gulden aus Hand- und Spanndiensten, 1865 war Pfarrer August von Villingen, Vöhrenbach und Kirchdorf, mit der Abtrennung der Pfarrei Pfaffenweiler nach hartem Kampf einverstanden, mußte er doch auf die Einnahmen aus Pfaffenweiler verzichten! 1869 wird dann unter Pfr. Alberik Schmalzl eine selbständige Pfarrei errichtet. Bis heute haben 26 Pfarrer oder Pfarrverweser die Leitung inne gehabt. Zur Zeit ist Pfaffenweiler nicht mehr eigenständig und wird von Pfr. Bernhard Eichkorn, zusammen mit St. Fidelis, Rietheim, Tannheim und Herzogenweiler geleitet.

Soviel — hoffentlich nicht zu viel — zur Historie.

Baugeschichte — jüngere Geschichte

Anfang der 60er Jahre wurde die alte Kirche abgebrochen, bis auf den Turm, der heutigen Turmkapelle. Das alte Gotteshaus war zu klein geworden und wurde durch einen rechtwinkelig zur alten Kirchenachse gestellten Neubau ersetzt. Die Grundsteinlegung erfolgte 1965, am 22. 10. 1967 wurde die neue Pfarrkirche „Hl. Dreifaltigkeit“ durch Weihbischof Karl Gnädinger eingeweiht, der damalige Pfarrer war Bruno Schoske. 1972 unter Pfr. Clormann wurde das Turmoberteil erneuert, da wegen Baufälligkeit vom Landratsamt Läuteverbot angeordnet wurde. Bei dieser Maßnahme wurde auch ein zusätzliches Fenster im Turmunterteil nach Norden ausgebrochen.

Dabei wurden die Malereien in der Turmkapelle

entdeckt. Das Fenster wurde allerdings trotzdem ausgebrochen, na ja. Seit 1971 also waren die Malereien bekannt und es wurden erste Erhaltungs-und Rettungsversuche unternommen. Wie schon 1750: es war kein Geld da und letztendlich schliefen die Aktivitäten ein. Die Turmkapelle wurde als Rumpelkammer genutzt, Palmen ohne Gebinde, Kerzenreste, Kartonagen, Leichenwagen, alles ist dort „versteckt“ worden. Die Wende kam 1986.

 

 

Der damalige Pfarrgemeinderat und der Verfasser haben in fünfjähriger (!) zäher und nervenaufreibender Kleinarbeit letztendlich die Zusage zur Restaurierung der Malereien erhalten. Dazu half z. B. auch der heutige Ministerpräsident Erwin Teufel; ein Teufel im Gotteshaus ist also doch nicht ganz abwegig. Die Architektur der Turmkapelle, des letzten alten Teiles der Kirche, zeigt im Innenraum einen quadratischen Grundriß mit Kreuzgratgewölbe. Die Bilder stellen einen neutestamentarischen Zyklus aus dem Leben Jesu dar, von der Verkündigung bis zum Einzug in Jerusalem.

Die Malerei verläuft an den Wänden der Nord-Ost- und Südseite sowie in den Fensternischen der Ost- und Südwand und setzt sich in den Zwickelfeldern fort. Auch die Deckenfelder sind mit Symbolen ausgemalt. Der Zyklus schließt am Boden mit Quaderimitationen ab, die einzelnen Bilder sind in rechteckige Felder aufgeteilt und mit choraler Ornamentik getrennt. Die hier vorhandene Maltechnik wird als „al secco“ bezeichnet, im Gegensatz zu „al fresco“, wo naß in naß gearbeitet wird. Secco = trocken (Kenner ital. Weine wissen sofort Bescheid!). Die gesamte Darstellung befand sich in einem verheerenden Zustand. Vom beauftragten Restaurator Oeß aus Konstanz mußte die polychrome Malerei untersucht und in einzelnen Schritten, nachfolgend beschrieben, restauriert werden.

 

Als erster Schritt erfolgte die Freilegung der Malschichten, die später aufgebracht worden waren, bis zur mittelalterlichen Schicht, so wie sie sich heute präsentiert. Die Freilegung erfolgte mit Skalpell und Stirnlupe, jede Schicht ist vor Entfernung dokumentiert und fotografiert worden. Der zeitliche Aufwand betrug ca. 50 Stunden für einen halben Quadratmeter. Die einzelnen Schichten vom Grund bis zur letzten Schicht zusammengefaßt:

Kalksandmörtel

Kalkschlämme

Kalkseccomalerei wie vorhanden, 1. Restaurierung 1462 (lat. Inschrift in der Südwand) Putzschicht

Kalkseccomalerei barock

4 Schichten Kalktünche

4 Schichten Leimfarbe verschiedenfarbig

Ruß, Dreck, Schimmel.

Als nächster Schritt erfolgte wegen vieler Hohlstellen eine Mörtelsicherung durch Hinterspritzen eines Spezialmittels (Ledan) mit Einwegspritze und Kanüle. Die Hintersprit-zung wurde solange durchgeführt, bis eine Stabilisierung der gefährdeten Hohlstellen eingetreten war. Die anschließende Mörtelfestigung wurde mit Kieselsäureesther vorgenommen, um eine haltbare Verfestigung zu erreichen.

Anschließend daran die Malschichtfestigung mit Spezialmitteln, und die Kittung von Hacklöchern, Rissen und Mörtelfehlstellen. Hier wurde ein Kalksandmörtel, handwerklich und in der Zusammensetzung wie im Mittelalter, aufgebracht. Nach der Festigung hat der Restaurator die ganze Fläche einer Reinigung unterzogen, um Grauschleier, Kalkreste u. a. zu entfernen. Zur Reinigung ist verdünnte Ameisensäure, Ammoniak und demineralisiertes Wasser verwendet worden. Daran schloß sich eine Gesamtfixierung an, bevor als letzter Schritt die Retusche

vorgenommen wurde. Ziel der Retusche war eine Beruhigung der Bildfelder und eine bessere Lesbarkeit. Es wurden — wie früher versucht — keine Rekonstruktionen vorgenommen, die Arbeiten wurden nur in sehr feiner Punktretusche ausgeführt. Wo z. B. keine Gesichter mehr freizulegen waren, wurden also auch keine nachgemalt. Niemand würde der Venus von Milo die Arme wieder ankleben, das Kunstwerk wäre — so auch hier — für alle Zeiten ruiniert.

 

 

Der Turm der renovierten Kirche in Pfaffenweiler

 

Die Fertigstellung war 1992 im Oktober, die nun im neuen-alten Glanz erstandene Turmkapelle wurde von Regionaldekan Buhl im Rahmen eines Festgottesdienstes geweiht und somit der lithurgischen Bestimmung übergeben. Heute finden Meditationen, Abendgottesdienste, Trauungen und mehr im musealen Raum statt.

Eine wie auch immer geartete Beschreibung kann den wirklich fantastischen Eindruck des Originals nicht wiedergeben, ebensowenig Fotos, wenn schon das zu reproduzierende Abbild unscharf ist.

Liebe Leser, besuchen Sie die Turmkapelle im heutigen Stadtteil Pfaffenweiler, es lohnt sich.