Die Villinger Wappenscheibe (Walter E. Gentner)

 

Dieses Kunstwerk der Renaissance schuf Bildhauer Hans Amann im 16. Jh. Das Original diente als Kuchenbackmodel, hat einen Durchmesser von 30 cm; es wurde 1959 im Kloster St. Ursula entdeckt. Ein weiteres Model mit den Wappen der Äbtissin Apollonia Moser von 1613 stammt ebenfalls aus seiner Hand. Hans Amanns Geburtsort war Ulm, wohin er im Alter zurückkehrte. Dort lebte er noch bis 1597. Sein künstlerisch ebenbürtiger, gleichnamiger Sohn wohnte seit 1605 in der Brunnengasse, heute Haus Nr. 29. Das Geschlecht ist hier 1625 erloschen.

Im Mittelfeld der Wappen-Scheibe steht das Villinger Stadtwappen, welches beim Reichstag in Augsburg am 10. August 1530 verliehen wurde. Damit hat Kaiser Karl der V. dem Wunsche des Magistrates entsprochen, und so die großen Verdienste der Stadt zum Hause Habsburg, sowie die Standhaftigkeit im Bauernkrieg 1524 / 25 gewürdigt. Den Wappenbrief hatte jedoch Erzherzog Ferdinand der I., der gleichzeitig König von Ungarn und Böhmen war, ab 1531 Dt. König, und 1558 zum Kaiser gekrönt, beurkundet. Die Stadt war unter den Habsburgern von 1326 – 1805 vorderösterreichisch.

Das Wappen ist silber-blau gespalten, überdeckt von einem goldbewehrten roten Adler. Silberblau bewulsteter Stechhelm, darüber ein naturfarbener Pfauenfederbusch, die Helmdecken silberblau.

Das rechte Wappen: Einköpfiger, goldbewehrter schwarzer Adler in goldenem Schild war deutsches Königswappen mit heraldischer Königskrone. Im Brustschild stehen die Wappen von Österreich Burgund. Diese Verbindung entstand 1477 durch Kaiser Maximilian I.

Das linke Wappen: Doppelköpfiger, nimbierter, goldbewehrter schwarzer Adler mit kaiserlicher Mittenkrone in goldenem Schild war Symbol des Hl. Römischen Reiches, welches Kaiser Sigismund 1433 offiziell einführte, und allen Dt. Kaisern bis 1806 diente. Das Brustschild Österreich Kastilien bezieht sich auf die Spanischen Königreiche Kaiser Karl des V. Seit 1806 ist der Dt. Reichsadler wieder einköpfig. Das Doppeladler-Wappen hat der österreichische Kaiser Franz der II. anno 1804 übernommen, jedoch ohne die Nimben. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation endete 1806.

Als Schildhalter fungieren ein Greif und ein Löwe.

Die Wappenscheibe ist umgeben von 48 Staats-und Städtewappen als Dokument der Verbundenheit zum Hause Habsburg – Österreich. Im Uhrzeigersinn von oben Mitte in der Reihenfolge stehen die Wappen wie folgt:

1. Kastilien, 2. Aragon, 3. Dalmatien, 4. Kroatien, 5. Jerusalem, 6. Sizilien, 7. Leon, 8. Granada, 9. Toledo, 10. Neapel, 11. Valencia, 12. Norwegen, 13. Schweden, 14. Navarra, 15. Galizien, 16. Minorca, 17. Fünfzehn-Inseln, 18. Mallorca, 19. Jahem, 20. Sevilla, 21. Algesieras, 22. Seeland, 23. Friesland, 24. Flandern, 25. Breisach, 26. Freiburg, 27. Zutphen, 28. Triberg, 29. Burgau, 30. Kyburg, 31. Pfirt, 32. Ober-Elsass, 33. Habsburg, 34. Portenau, 35. Baden, 36. Windisch-Mark, 37. Krain, 38. Cillien, 39. Ober-Österreich, 40. Steiermark, 41. Kärnten, 42. Tirol, 43. Brabant, 44. Burgund, 45. Österreich, 46. Nieder-Österreich, 47. Böhmen, 48. Ungarn.