Vier Inkunabeln der Franziskaner- Klosterbibliothek kehren zurück (Dr. Babette Stadie)

Am 1. Juli dieses Jahres konnten auf der Londoner Inkunabelauktion bei Sotheby 1) vier Inkunabeln der ehemaligen Franziskaner Klosterbibliothek Villingens (mit Besitzvermerk) für das Stadtarchiv und die Museen Villingen- Schwenningen erworben werden 2). Im Sotheby-Katalog sind sie wie folgt aufgeführt:

Nr. 81 – Caracciolus, Robertus: Opera varia (ed. Philippus de Rotingo. Venice: Georgius Arrivabe-nus, for Bernardinus Rasina (Rasma?) and Be-nedictus Fontana, 16 May 1496 [Verschiedene Werke, u. a. Reden].

Nr. 165 – Institoris, Henricus, and Jacobus Sprenger: Malleus maleficarum [. . .] 5 December 1484 [. . .], Nuremberg: Anton Koberger, 17 March 1494 [Der Hexenhammer. Eine Anleitung das Hexenunwesen betreffend.] (Abb.).

Nr. 214 – Melber, Johannes: Vocabularius prae-dicantium, sive Variloquus. Strassburg: Johann Prüss, 1488 [Lateinisch-Deutsches-Predigtwörterbuch].

Nr. 304 – Tartaretus, Petrus: Expositio in sum-mulas Petri Hispani. [Lyons: Nicolaus Wolf], 18 January 1500/01. [Kommentar zur Sammlung theologischer Schriften des Petrus Hispanus, d. i. Papst Johannes XXI].

Sie kamen nach fast 200 Jahren in ihr Haus, heute das Franziskaner Museum, in Villingen zurück. Auf ein Schreiben der Kaiserlichen Regierung vom 27. März 1794 aus Konstanz hin wurde der Bestand der Klosterbibliothek für den Verkauf aufgezeichnet (Aufhebung des Klosters 1797) 3). Dieser handschriftliche Katalog mit 57 eng beschriebenen Seiten von Guardian Hart mann ist unbeschädigt im Stadtarchiv verwahrt 4).

 

 

 

 

Hexenhammer (Nr. 165): Erstes Blatt mit Besitzeintrag, letztes Blatt Kolophon.

Roder schreibt zum Verbleib der Franziskaner-bibliothek 1904: „Einen Teil dieser Werke, besonders alte Drucke, hat die f. fürstenbergische Regierung, wahrscheinlich bei der Versteigerung

1794, für die Hofbibliothek in Donaueschingen erworben, zu deren Bestand sie noch gehören [. . . ]“ 5). Den zurückgekauften Hexenhammer (Nr. 165 Malleus maleficarum) führt Roder in seiner Liste auf 6). Aus der Donaueschinger F. F. Hofbibliothek kamen – für alle überraschend 326 Nummern Inkunabeln, darunter 82 Nrn. (nach der Donaueschinger Inkunabelzählung 89 Nrn.) des Franziskanerklosters zur Versteigerung ). Eine Überprüfung der Titel am handschriftlichen Katalog Hartmanns ergab Übereinstimmung, so daß sofort – der Auktionskatalog kam erst knapp zwei Wochen vor der Versteigerung ins Stadtarchiv – versucht wurde, wenigstens einige Werke zurückzuholen.

Hatte um 1800 die Fürstenbergische Regierung versucht, einiges der Franziskanerklosterbibliothek zusammenzuhalten, so wurde nun privat einzeln versteigert. Die Inkunabeln des Franzis-kanerkosters, die nicht ersteigert werden konnten, sind auseinandergerissen und für die Forschung in den meisten Fällen nicht mehr erreichbar.

Anmerkung:

Herrn Stadtarchivar Dr. H. Maulhardt danke ich für seine Hilfe bei diesem Artikel.

1) Auktions-Katalog London, Sotheby: Incunabula, Ist July 1994. Weitere Verkäufe fanden statt: Auktions-Katalog London, Sotheby: June, July 1982 und Anfang 1994 wurden 85 Inkunabeln, die von besonderer Bedeutung für die Bibliotheken in Karlsruhe und Stuttgart waren, bereits an das Land Baden-Württemberg verkauft, darunter 7 Nummern mit Franziskanerbibliothek Provenienz (Auk-tionsKatalog Sotheby 1994 pp. 11 – 13, p. 262 ff., p. 303).

2) Fischer 9.7.1994.

3) Sack 1985, Register.

4) Wollasch 1972, Bd. II. p. 110 – Sign. DD 69 no. 2739. „Anweisung der ksl. Regierung zu Konstanz an den Villinger Magistrat für die Verwaltung des Vermögens des Franziskanerklosters, wichtigster Punkt ist der geplante Verkauf der Bibliothek, wofür ein eigens zusammengestellter umfangreicher Katalog den Akten beigefügt wurde.“

Dieser handschriftliche Katalog der Franziskanerbibliothek wird mit Erlaubnis Herrn Dr. Maulhardts in der Folge von mir transkribiert und publiziert.

5) Roder 1904, pp. 305 / 306 Anm. 1.

6) Roder 1904, p. 306 Anm. 1 nennt an Inkunabeln im Besitz der F. F. Hofbibliothek:

– Duns Scotus, Johannes: Quaestiones in quattour libros Senten-tiarum. Hrsg. Thomas Penketh u. Bartholomaeus Bellatur. Venedig 1477 fol. [Zu den vier Büchern der Sentenzen des Petrus Lombardus. Auktions-Katalog Sotheby 1994, Nr. 103; Sack 1985, Nr. 1300].

– Johannes Turrecremata: Quaestiones in epistolas et evangelias. Basilea 1481 [?] [Zu den apostolischen Briefen und Evangelien.] Antonini: summula confessionis 1484 fol. [Beichtanleitung. Auktions-Katalog Sotheby 1994, Nr. 19 (?)].

– Paulus Florentinus: Breviarium totius iuris canonici, sive Decretorum breviarium. Memmingen: Albert Kunne, 1486. [Abriß des Kirchenrechts und der Dekretalien. Auktions-Katalog Sotheby 1994, Nr. 243; Sack 1985, Nr. 2683].

7) Von den Inkunabeln der Franziskanerbibliothek sind 15 im Auktions-Katalog Sotheby 1994 abgebildet (Sotheby Nr. – Donaueschinger Inkunabelnr.: Nr. 27 – Inc. 469 (LCV), Nr. 54 – Inc. 330 vol. IV, Nr. 64 – Inc. 105 (LCV), Nr. 79 – Inc. 126, Nr. 85 – Inc. 132 (LCV), Nr. 103 – Inc. 190 u. Inc. 181 (LCV), Nr. 105 – Inc. 186 (LCV), Nr. 118 -Inc. 205 (LCV), Nr. 160 – Inc. 284 (LCV), Nr. 176 – Inc. 496 u. Inc. 497 (LCV), Nr. 224 – Inc. 328 (LCV), Nr. 243 – Inc. 206 (LCV), Nr. 244 -Inc. 383 u. Inc. 450 (LCV), Nr. 289 – Inc. 426, Nr. 316 – Inc. 474). Im Anhang finden sich Beispiele von Provenienz-Einträgen und Stempeln der Franziskanerbibliothek.

Quellen:

Stadtarchiv und Museen Villingen-Schwenningen: DD 69.

Bibliographie:

Auktions-Katalog London, Sotheby: Incunabula from the Court Library at Donaueschingen. Sold by Order of His Serene Highness Prince Joachim zu Fürstenberg. Sale LN 4389. London, Friday lst July 1994.

Fischer, Peter: Ein Hexenhammer fürs Museum. Ergebnisse: Die Fürstenberg-Inkunabeln bei Sotheby’s. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Kunstmarkt, 9.7. 1994.

Roder, Christian. Die Franziskaner zu Villingen. In: Freiburger Diözesan-Archiv. 32. Bd., d. i. N. F. 5. Bd., Freiburg i. Br.: Herder, 1904. pp. 232 – 312.

Sack, Vera: Katalog der Inkunabeln der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br.. 3 Bde., Wiesbaden 1985.

Wollasch, Hans-Josef (Bearb.): Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen. Urkunden, Akten und Bücher des 12. – 19. Jahrhunderts („Rodersches Repertorium“), Bd. II: Akten und Bücher. Register. Villingen 1972 (Schriftenreihe der Stadt Villingen).