Sifflet 1’ (Thomas Herzog-Singer)

Johann Andreas Silbermann und die Orgel der Benediktiner in Villingen

Als ich im Sommer 2000 vom Arbeitskreis Silbermann im Förderverein Benediktinerkirche gebeten wurde ein paar Fotos für eine geplante Dokumentation zur Rekonstruktion der historischen Villinger Silbermann-Orgel von 1752 zu machen, war für mich die mechanische Orgel ein recht unbekanntes Instrument. Auch muss ich zugeben, dass ich bis dahin dem Klang einer Rockgitarre den Vorzug gegeben habe; Kirchenmusik und Klassik war eigentlich nie meine Welt. Und ausgerechnet ich soll ein paar Fotos über die Arbeiten an der Orgel machen?

 

Gaston Kern bei der Überprüfung der Klaviaturen.

 

Mir blieb wohl nichts anderes übrig, als mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich bekam ein Buch über den Orgelbau in die Hand, und bereits nach den ersten Seiten war ich fasziniert von der Welt der Orgel. Für mich war klar, wenn die Rekonstruktion der Silbermann-Orgel so etwas einmaliges und großartiges ist, dann sollte die Dokumentation auch etwas Besonderes sein. Ich entschloss mich also für eine Dia-AV-Produktion, ähnlich wie die Show „Civitas Villingen“ die anlässlich der 1000 Jahr Feier in Villingen aufgeführt wurde. Solch ein Projekt kann ich jedoch nur durchführen, wenn ich mich mit dem Thema identifiziere. Dabei ist es nicht nur wichtig sich mit der Technik der Orgel vertraut zu machen, sondern auch mit der Musik, die auf solch einem Instrument gespielt wird. Und das war nicht einfach. Aber je mehr ich mich in die Beschreibung der „Register und die Verschiedenartigkeit ihrer Klangfarben“ vertiefte, umsomehr war bei mir der Wunsch da, die Orgel auch immer wieder zu hören. Beste Voraussetzungen also für die geplante Dia-AV-Show.

Die ersten Fotoaufnahmen begannen im Oktober 2000 in der Werkstatt des Orgelbauers Gaston Kern in Hattmatt im Elsass. Gaston Kern erhielt zwei Jahre zuvor den Auftrag zur Rekonstruktion der Silbermann-Orgel, ein Vorhaben, dessen Realisierung von der internationalen Fachwelt mit Spannung erwartet wird. Schließlich soll erstmals eine Orgel von Johann Andreas Silbermann, von Grund auf rekonstruiert werden. Und dabei handelt es sich nicht um irgendeine; die 1752 in der Benediktinerkirche aufgestellte Orgel ist garantiert eine der bedeutendsten Arbeiten Silbermanns.

Die Orgel, 1812 auf Befehl des damaligen Großherzog von Baden in die Residenz nach Karlsruhe gebracht, existiert heute nicht mehr. Sie wurde während einer Bombennacht 1944 zerstört. Für Gaston Kern und seine Mitarbeiter bleiben für eine detailgenaue Rekonstruktion lediglich Tagebuchaufzeichnungen Silbermanns. Darin ist zwar der Aufbau der Orgel beschrieben, aber nicht wie sie gebaut wird. Wahrlich eine Herausforderung für einen guten Orgelbauer, und für Gaston Kern eine Krönung seines Lebenswerks.

 

Der Pfeifenmacher lötet die aufgerollten Pfeifenkörper zusammen.

Der Orgelbau umfasst ein weites Feld handwerklicher Tätigkeiten, von der Holzund Metallverarbeitung bis zur Feinmechanik. Alle Mitarbeiter Kerns müssen alles können. Und nicht nur das; ein Orgelbauer sollte das Instrument auch spielen können. Es ist nicht nur die ganze Atmosphäre in der Werkstatt die mich seit den ersten Aufnahmen begeistert, auch sind es die Arbeiter die mit ihrem einzigartigen Fachwissen mir geduldig die Arbeitsschritte erklärten.

 


 

Viele Aufnahmen, wie hier bei der Herstellung der Holzpfeifen, werden vom Stativ gemacht. Das ermöglicht ein passgenaues Aneinanderreihen einzelner Standbilder.

 

 


 



Herstellung der Zink-Bleiplatten wie zu Silbermanns Zeiten. Das Material wird auf 350 Grad Celsius erhitzt und abgeschöpft. Ab einer exakten Temperatur wird die Flüssigkeit über eine Bahn gepresst und es entsteht eine Platte, die in kürzester Zeit abkühlt. Die unterschiedlichen Pfeifen haben auch unterschiedliche Materialstärken. Diese werden vor jeder Pressung berücksichtigt. Bevor die Platten letztendlich zu Pfeifen verarbeitet werden, müssen diese noch mit der Hand abgehobelt werden.

 


Eine Windlade wird geschliffen.

  

Die Fotografie

Zur Fotografie der Arbeiten an der Orgel werden ausschließlich Schwarzweiß-Dia-Filme eingesetzt. Die Orgel in der Benediktinerkirche wird mit Farbmaterial aufgenommen. Es wird nicht nur für die Show fotografiert, ein Teil der Aufnahmen wird in dem Buch über die Rekonstruktion der Silbermannorgel zu finden sein. Gleichzeitig mit der Buchvorstellung und der Präsentation der Show wird auch eine Fotoausstellung in der Benediktinerkirche gezeigt. Geplant ist, dass die Show auf einer kleinen Projektionswand innerhalb der Fotoausstellung in einer Kurzversion mehrmals täglich präsentiert wird.

 

Die Show

Im Vordergrund steht die Rekonstruktion der Silbermann-Orgel. Dabei ist die Show in drei Abschnitte aufgeteilt:

1. Historie

Silbermann und die Benediktinerkirche in Villingen Bau der Silbermann-Orgel Geschichte der Silbermannorgel nach 1752

2. Dokumentation

Arbeiten in der Orgelwerkstatt Montage und Intonation in der Benediktinerkirche

3. Impressionen

Die rekonstruierte Silbermann-Orgel

 

Die Technik

Die Show läuft mit maximal 4 lichtstarken professionellen Diaprojektoren. Programmiert und produziert wird so eine Show am Computer; die Abmischung der Musik und Zuordnung bzw. Überblendung der Dias wird mit spezieller Software realisiert. Das AV in einer Dia-AV-Show steht für Audio und Vision; das bedeutet natürlich auch, dass der Bereich Audio den gleichen Anteil an der Show hat, wie der Bildteil. Die hierfür eingesetzte Musik wird mit dem ehemaligen Münsterkantor Stefan Rommelspacher sowie Münsterkantor Christian Schmitt abgestimmt und direkt auf der rekonstruierten Silbermannorgel eingespielt.

Die Präsentation

Voraussichtlich soll die Show einen Tag vor der Orgelweihe am Freitagabend, 20. September 2002 um 20.00 Uhr im Franziskanermuseum zeitgleich mit der Vorstellung der Buchdokumentation, und der Eröffnung einer Silbermannausstellung gezeigt werden. Da der zeitliche Ablauf der Festwoche jedoch noch nicht genau steht, ist dieser Termin auch noch nicht endgültig. Die Show wird in der Benediktinerkirche auf einer 6 x 9 Meter großen Lichtbildwand präsentiert und dauert voraussichtlich 30 Minuten. Der Eintritt ist wie bei „Civitas Villingen“ wieder frei, falls der Zuschauerandrang zu groß ist, wird die Show noch am gleichen Abend wiederholt.

 

Die Orgel wird in der Werkstatt erstmals montiert.