Villinger Wappen der Jahre 1284 und 1530 (Gerhard Hirt)

Die Erklärung des Models mit den 3 Wappen des Reiches, Österreichs und der Stadt Villingen durch unser Vereinsmitglied Walter Gentner ist Anlaß, auch die Wappenvarianten des alten Villingen kurz anzusprechen, ohne dabei geschichts-trächtige Erläuterungen zu verbinden.

Wie meistens, wenn man etwas aus der Geschichte unser traditionsreichen Stadt sucht, wird man im Buch unseres Ehrenbürgers Paul Revellio „Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen“ fündig, das übrigens genau vor 30 Jahren innerhalb der Schriftenreihe der Stadt Villingen veröffentlicht wurde. Aus diesem Buch mit seinen umfassenden und hochinteressanten Ausführungen zur Stadtgeschichte, das leider vergriffen und nicht mehr zu kaufen ist, finden wir bezüglich der alten Villinger Wappen folgendes: „Das imposanteste der älteren Siegel der Stadt begegnet uns zum ersten Mal an einer Urkunde vom August des Jahres 1284. Es muß in einem denkwürdigen Augenblick der Stadtgeschichte geschaffen worden sein. Denn nur ein Jahre zuvor war die Stadt von Kaiser Rudolf von Habsburg dem Hause Fürstenberg als ewiges Reichlehen verliehen. Ein langwieriger Streit zwischen dem Reich und den Erben des Zähringer Hauses hatte damit sein Ende gefunden.“

Der Adler ist das Wappentier der zähringischen Stadtgründer. Diese haben Villingen, wie wir alle wissen, im Jahre 999 das Markt-, Münz- und Zollrecht verliehen. Und wenn damit das Jahr 999 genannt ist, so steuern wir mit Riesenschritten dem 1000jährigen Jubiläum entgegen, wo man sicher jetzt sehr schnell gezielte Vorbereitung für ein angemessenes Jubiläumsjahr aktivieren wird.

Machen wir einen Sprung in das Jahr 1530. Ein erweitertes Wappen war der Stadt in jenem Jahre verliehen worden und zwar „wegen ihrer Treue sonderlich der gemainen aufruer und emperung in dem nächstvergangenn fünfundzwanzigsten Jahr (Bauernkrieg von 1524 / 25) und dann seither im zwispalt und mißverstandt unseres heiligen christlichen Glaubens (Reformation).“

„Das neue verbesserte Hauptpanier, Stadtzeichen oder Schilt“ war der Stadt am 10. August 1530 verliehen worden. Es besteht in einem blau-weiß gespaltenen Schild, darin ein aufrecht fliegender golden bewehrter roter Adler, über dem Schild ein Helm mit blauer und weißer Decke in Form eines Bausches, darüber aufrecht stehend ein Pfauenschweif in grün gespiegelten Farben.

Der Geschichtsbeschreibung ist zu entnehmen, daß der praktischen Verwendung dieses neuen Wappens allerdings Hindernisse entgegenstanden. Dies hing damit zusammen, daß ein Adler auch das fürstenbergische Wappen zierte. Er eignete sich also schlecht zur Abgrenzung des benachbarten fürstenbergischen und villingischen Hoheitsgebietes.

Wenn das Wappen der Stadt Schwenningen so wie bei den Fürstenbergern auch ein Adler geschmückt hätte, dann wäre es nicht notwendig gewesen, der gemeinsamen Stadt eine Vignette zu verpassen (rot / grüne Balken), mit der sich viele Bürger nicht identifizieren können. Wie dem aber auch sei: Das alte Wappen von und für Villingen muß und wird für „alle Zeit und Ewigkeit“ unangetastet bleiben.