Keine Zukunft ohne Vergangenheit

Aus der Rede des 1. Vorsitzenden auf der Jubiläumsveranstaltung am 2. Juli 1994

Am 9. Juni 1969 erfolgte in den Villinger Zeitungen der Aufruf geschichtsinteressierter Bürgerinnen und Bürger, einen Geschichts- und Heimatverein wieder zu begründen.

Mit dem Zweck, Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Landschaft- und Denkmalschutz und die Denkmalpflege in stadtgeschichtlicher und regionaler Hinsicht zu fördern, fand am 16. Juni 1969 die von Uta Baumann, Dr. Wilhelm Binder, Wolfgang Blessing, Hans Brüstle, Dr. Josef Fuchs; Frieda, Gertrud und Hildegard Heinzmann und Dr. August Kroneisen einberufene Gründungsversammlung des Geschichts- und Heimatvereins Villingen statt.

25 Jahre danach präsentiert sich der Geschichts- und Heimatverein als angesehener Verein, dessen Ziele und Engagement breite Anerkennung in der Bevölkerung gefunden haben. Die Zahl der Mitglieder hat stetig zugenommen. Von 1969 spontan eingetretenen 81 Damen und Herren ist sie auf nunmehr 434 angestiegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich möchte dennoch nicht verschweigen, daß wir in unseren Bemühungen um neue Mitglieder nicht nachlassen dürfen. Ich würde mich deshalb freuen, wenn Sie unseren Aufruf in eigener Sache aufgreifen würden, und mit ihrem Beitritt bzw. der Werbung neuer Mitglieder Ihre Verbundenheit zur Stadt Villingen zum Ausdruck bringen.

Durch Vorträge und Führungen, Besichtigungen, Lehr- und Studienfahrten, die jährliche Herausgabe eines Jahresheftes und seine kommunalpolitischen Aktivitäten versucht der Geschichts- und Heimatverein, der Volks- und Landeskunde ebenso zu dienen wie der Heimatkunde und der Stadtgeschichte.

Er ist damit zu einem Faktor geworden, der aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken ist. Die Forderung für die Zukunft muß daher lauten, den Geschichts- und Heimatverein der Öffentlichkeit, wo immer es geht, präsent zu halten und seine Ziele bewußt zu machen.

In einer Zeit, die gern dazu neigt, in den Tag hineinzuleben, ist das Gegengewicht schöpferischer Daseinsgestaltung gefragt. Die „Familie“ Geschichts- und Heimatverein kann ein solches Gegengewicht bilden.

Das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Verantwortlichkeit der Stadt gegenüber kann und soll jene schöpferischen Kräfte freisetzen und uns gleichzeitig befähigen, gemeinsam Initiativen zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger zu entwickeln.

Niemand kann es sich heute leisten, in Gleichgültigkeit dem gegenüber zu stehen, was mit seinem Lebensraum geschieht, am allerwenigsten der Geschichts- und Heimatverein, den seine Satzung verpflichtet, an der sinnvollen Neugestaltung und Erhaltung des heimatlichen Kulturguts mitzuwirken.

Der Geschichts- und Heimatverein wird auch in Zukunft bemüht und bereit sein, seinen Sachverstand in einen regen Gedankenaustausch mit den für die Entwicklung der Stadt Verantwortlichen einzubringen, und dort seine Stimme erheben, wo für ihn falsche und schädliche Entwicklungen erkennbar auftreten. Wir tun dies auch in Zukunft in Loyalität zur Gesamtstadt, bitten aber auch um Verständnis dafür, daß der Schwerpunkt unserer Arbeit Villingen ist und bleibt.

Es ist unser Bestreben, unseren kommunalpolitischen Beitrag zu leisten, daß einer breiten Öffentlichkeit die Heimat nähergebracht wird, von der der langjährige Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, Werner Huger, einmal geschrieben hat, sie sei nicht nur ein geographischer Begriff, sondern ein geistig-seelischer Raum, in dem sich Geschichte vollzieht.

Die Wahrung der Tradition ist eine wichtige Aufgabe im Hinblick auf Geschichte und Kulturgeschichte unserer schönen Stadt. Als Geschichts- und Heimatverein schöpfen wir unsere Kraft aus der Geschichte. Dort sind Grundlagen und Orientierung für den Blick in die Zukunft zu finden. Ohne bloßer Traditionsverein zu sein, wollen wir weiterhin die Verpflichtung erfüllen, nachfolgenden Generationen unser historisches Herkommen, die Vielfalt unseres Werdens aufzuzeigen, damit nichts verloren geht. Dies soll Ansporn für uns alle sein, die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam anzugehen und zu bestehen.

Das Gegenwärtige aus dem Vergangenen zu entwickeln, um ihm eine Dauer für die Zukunft zu sichern, wie es Freiherr vom Stein einmal formulierte, bleibt Auftrag und Verpflichtung des Geschichts- und Heimatvereins Villingen.