Zur Geschichte der Villinger Mauer- und Tortürme (Werner Huger)

Eine Analyse ihrer Baugeschichte und Funktion

Bis in unsere Tage galt die Feststellung Paul Revellios, daß ab 1220 „der Umbau der Umwallung in Stein begonnen worden sei, wohl zunächst mit den Toren“ 1). Eine der Mauer und den Türmen vorausgehende Wallanlage müßte man sich demnach als ein Erdwerk mit Palisade und vorgelagertem Graben vorstellen. Verschiedene archäologische Aufschlüsse der letzten Jahre belegen allerdings, daß es ein Befestigungswerk dieser Art „mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gegeben hat“ 2).

Im Februar 1218 stirbt mit dem kinderlosen Berthold V. der letzte Zähringerherzog, der Stadtherr Villingens. Mit ihm erlischt im Mannesstamm die Zähringerdynastie. Der Deutsche König, Friedrich II., bezeichnet im November 1218 Villingen als seine Stadt, als „villa nostra“. Er begründet seinen Anspruch nicht allein als oberster Lehens-herr, an den die Stadt zurückfällt, sondern als abgeleiteter Erbe. Ein mehrjähriger Streit, der bis zur kriegerischen Fehde ausartet, mit dem Grafen Egino von Urach, dem Schwager Bertholds V. 3), und Begründer der späteren Fürstenberger-linie, wird endgültig erst 1226 zu Gunsten Friedrichs beigelegt. Schon 1220 demonstriert Friedrich II., inzwischen auch Kaiser, den tatsächlichen Besitz Villingens. Der für die Verwaltung Schwabens – und damit auch für Villingen zuständige Graf, der Schenke Konrad von Winterstetten, trifft mit seinen administrativen Vollmachten in Villingen ein, wo er auch urkundete 3). Es ist, wie eingangs erwähnt, bislang herrschende Meinung, daß ab 1220 Villingen seine Ummauerung, das gewaltigste steinerne Gemeinschafts-Bauwerk, erhielt. Keinen Zweifel sollte es geben, daß das zumindest ab der Beilegung der Differenzen zwischen Kaiser und Grafen im Jahre 1226 der Fall war. Das ursprüngliche Befestigungswerk besteht aus einer durchweg mit vermörtelten Bruchsteinen errichteten Mauer, in die Türme eingefügt und mit ihr funktional verbunden sind. Es war und ist die heute noch mit rund 60 % im Bestand sichtbare sogenannte innere Ringmauer 4). Von fachlicher Seite wird für die Dauer der Errichtung von Mauer und Türmen eine errechnete Bauzeit von zwanzig Jahren angegeben, fehlen doch bisher, wie schon Revellio bemerkt, urkundliche Nachrichten 5). Grundsätzlich ist im Mittelalter jeder steinerne Turm ein Befestigungswerk für sich. In unserem Falle ist er als Typus mit dem Ausdruck „Wehrturm“ zu belegen. Die Türme dienen stets der Ausschau, mit Erker und Plattform dem Schießen mit Armbrust oder Feuerwaffe, dem gezielten Steinwurf, der Aufstellung von Wurfmaschinen bzw., nach einem Umbau, der Aufnahme von Kanonen. Die Tortürme erfüllen außerdem ihre Aufgabe als Durchlaß. Ansonsten entspricht der Standort eines Turmes dem taktischen Anliegen, wie etwa beim Romäusturm, von wo man das Hubenloch einsehen und mit Feuerwaffen bestreichen kann. Die Türme tragen ein von Zimmerleuten aufgerichtetes dauerhaftes Dach, das nur gelegentlich, wie noch zu zeigen sein wird, aus kriegerischem Anlaß teilweise entkleidet wird, allerdings ohne den Dachstuhl zu verändern. Im übrigen kann für eine Beschießung nach außen jederzeit der darunter befindliche senkrechte Kniestock mit mindestens 90 cm lichter Höhe freigelegt werden, der nur eine Holzverschalung besitzt. Fast alle mittelalterlichen Türme stehen noch: Von den Tortürmen das Riet-, Bicken- und Obere Tor, von den übrigen Wehrtürmen der Romäus-, Kaiser- und Elisabethenturm. Seit dem 19. Jahrhundert abgerissen sind das Niedere Tor und drei kleinere Türme, die man im engeren Sinne, zusammen mit dem Kaiser- und dem Elisabethenturm, zu den sogenannten Wachttürmen zählt. Sie erfüllen, wie erwähnt, immer auch eine Wehrfunktion. Abgeleitet aus dem mittelhochdeutschen Wortsinn, ist ein solcher Turm ein Ort, wo gewacht, also beobachtet wird und der mit einer beheizbaren Wachtstube ausgestattet ist, wo sich die zum Wachtdienst eingeteilten Bürger aufhalten mußten. Das geschah allerdings nur zeitweilig, wenn es der „stette not unde hute“ wegen sein mußte, d. h. in Notzeiten, wenn es galt, durch Bewachung Schaden abzuwenden 6). Durch die exponierte Stelle in der Ringmauer, mit der stadtauswärts gerichteten Seite bündig in der Flucht der Mauer verlaufend, ist diese selbst Mauerteil des Turmes und umgekehrt. Gerade deshalb müssen wir diese Türme im weiteren Sinne zu den Wehrtürmen rechnen. Von den kleineren Wachttürmen 7) steht, wie erwähnt, nur noch der Elisabethenturm.

Das Riettor. Die Mauerzone zwischen den beiden Eckquaderungen stammt aus dem Jahre 1541.

 

Ein weiterer, größerer stand in der Ringmauer zwischen dem heute sogenannten „Glockehiisli“ und dem Niederen Tor, wahrscheinlich am unteren Ende der Zinsergasse. Seine im Bild erkennbare bauliche Struktur, mit dem im Dachgeschoß nach außen kragenden Holzerker, lassen auch auf die Wehrfunktion schließen 8). Der nächste Kleinturm hat sich im südöstlichen Teil der Ringmauer, zwischen Niederem Tor und Kaiserturm, befunden, etwa auf Höhe des noch erhaltenen Pulverrondells; der letzte schließlich stand in der nordwestlichen Ringmauer.

Eine wissenschaftliche Urkunde moderner Art erhellt seit Oktober 1993 als dendrochronologisches Datum die Szene und nennt als Stand einer bestimmten Bauphase des Riettorturms Winter 1232 / 33, das Fällungsdatum eines eichenen Torbalkens 9). Zum erstenmal gibt es ein konkretes Datum, das mit der Errichtung der Wehranlage, die ja als Einheit zu sehen ist, in Verbindung zu bringen ist. In diesem Zusammenhang mag, des besseren Verständnisses der nachfolgenden Ausführungen wegen, eine kurze Vorbetrachtung zur Dendrochronologie erlaubt sein. Durch die dendochronogische Analyse (dendro = Baum, -chronologie = zeitliche Folge) können unter bestimmten Bedingungen Holzproben unbekannten Alters auf das Jahr genau datiert werden. Das geschieht durch den Vergleich von Jahrring-Breitenfolgen eines Holzes nach dem sogenannten Überbrückungsprinzip mit einer gesicherten Standardkurve. Inzwischen geschieht das unter Zuhilfenahme des Computers. Wie auch mit den Untersuchungen in Villingen belegt ist, eignen sich dafür nach der Eiche auch Hölzer aus Fichte, Tanne und Kiefer. In Villingen wurden diese, den konstruktiven Zusammenhang der Bauhölzer in den Türmen begleitend, der besagten Jahrringdatierung unterzogen. Bei den meisten Proben aus den Villinger Türmen war die Waldkante (Wk), d. h. der natürliche Wuchsrand des Baumes, vorhanden. Damit ließ sich nicht nur die Jahrring-Breitenfolge des Querschnitts der Hölzer (Balken) analysieren, sondern aufgrund des jüngsten Wachstumsringes, jahrgenau das Fällungsdatum, sogar mit Saisondatierung (Winter/Frühsommer), ermitteln. Die Entnahme der Holzproben (Bohrkerne) aus den konstruktiven Elementen der inneren Holzaufbauten der Türme muß im statistischen Sinne als eine Stichprobe gelten. Zahl und Auswahl der Holzproben dürften ausreichend sein, um akzeptable bauhistorische Aussagen über die einzelnen Phasen, dieser zwar zeitlich unterteilten aber dennoch geschlossenen Baukonstruktion, zu machen, d. h. die Stichprobe als repräsentativ gelten zu lassen.

So wie hier beim Bickentor springen alle Tortürme mindestens fünf Meter hinter die Flucht der Ringmauer zurück. Dadurch ließ sich ein einstiger Angreifer vor dem Tor im Rücken und von der Seite aus bekämpfen.

Die zeitlich benachbarten oder gleichen Fällungsdaten erlauben den Schluß, daß Fällung und Verzimmerung der Hölzer eng beieinander liegen. Damit erledigt sich die mögliche Vermutung, die Hölzer könnten schon mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte vorher geschlagen, gelagert und dann erst verbaut worden sein 10). Die Dendrochronologie als naturwissenschaftliche Methode zur genauen Altersbestimmung einer geeigneten Holzprobe in Verbindung mit der Verarbeitung des Holzes, aus dem sie stammt, hat also ebenso wie eine schriftliche Nachricht einen Urkundscharakter, ja sie ist darüber hinaus geeignet, schriftliche Nachrichten oder Bauinschriften zu „eichen“ oder zu korrigieren, wie wir noch sehen werden. Im baugeschichtlichen Zusammenhang mit den Hölzern steht das Mauerwerk, das gilt für eine Ersterrichtung ebenso wie für eine „Großreparatur“. Wie Abbildungen immer wieder belegen, ist man in früheren Jahrhunderten bei der Aufrichtung eines Gebäudes ebenso vorgegangen wie heute. Sobald im Innern eine Ebene die Standfestigkeit gewährleistet, wird von dieser Bühne aus aufgemauert, dann wird „aufgebockt“, und schließlich zieht die Stockwerksebene wieder nach. Sie besteht z. B. im Romäusturm aus einer Balkenlage, die auf einem Streichbalken entlang der inneren Mauerseite über Steinkonsolen aufliegt. Abgedeckt wird die Lage mit Stoß auf Stoß gefügten unbefestigten Holzbohlen (Dielen), die man in früherer Zeit „Flecklin“ nannte. Die Stockwerke werden im Romäusturm durch versetzte Treppenläufe an Ständerkonstruktionen miteinander verbunden. Die Hölzer sind gebeilt, holzverzapft und die Treppenstufen bestehen aus aufgesetztem Dreikantholz. Im Rietturm und den anderen Türmen ist die Konstruktion einfacher. In der Regel laufen die Balkenenden in Mauerlöcher aus, wo sie aufliegen. Die Treppen führen entlang der Wand geradlinig nach oben. Im Oberen Tor sind sie teilweise versetzt. Für die mechanisierten Arbeitsvorgänge, insbesondere für Transporte in die Höhe, ist seitlich einer oberen Etage eine Aufzugsvorrichtung, die im Falle des Romäusturms aus einer stattlichen Welle zwischen zwei Ständern besteht, im Riettorturm aus einer Rolle, im Oberen Tor aus einer Spindel. Für die eigentliche Aufrichtung des Turms ist aber auch an einen schwenkbaren Auslegekran auf der jeweils obersten Plattform zu denken. Ein Beleg dafür sind die Zangenlöcher in zahlreichen Quadersteinen. Nicht zum erstenmal wurde an Bauwerken der alten Stadt auch am Riettor nachgewiesen, daß im inneren (oder äußeren) Mauerwerk Reste von Gerüsthölzern stecken, die man im Falle des Riettors einer Jahrringdatierung zuführen konnte. Derartige Hebel dienten demnach einem Baugerüst, dessen Verwendungsumfang wir zwar nicht kennen, von dem wir aber wissen, daß es allemal dem Maurer dazu diente, in Körperhöhe zu arbeiten. Solche Konstruktionen begleiten einerseits die Errichtungsphasen des Mauerwerks, andererseits eignen sie sich vor allem auch für Sekundärarbeiten, z. B. Ausfugung, Verputz und Reparatur sowie für die Sicherheit (Fanggerüst). Wichtig für die Baugeschichte sind demnach die Lage der Holzstümpfe am Gebäude und ihre Datierbar-keit. Diese korrespondieren mit dem Baustand oder der Veränderung eines Baustandes.

Soweit zeitgenössische Nachrichten oder eine Bauinschrift es erlauben, wird nachfolgend aufzuzeigen sein, wie die baugeschichtlichen Zusammenhänge sich in Verbindung mit der Dendrochronologie zu einem Bild formen.

Tortürme: Niederes Tor, Bickentor, Riettor, Oberes Tor

Vorbetrachtung:

Im Gegensatz zu allen anderen Türmen fällt bei den Tortürmen auf, daß sich ihr Standort fünf Meter hinter der Ringmauerflucht befindet, d. h. ihre Außenfront hinter die Mauer stadteinwärts „zurückspringt“. Es wurde dieser Tage die Behauptung aufgestellt, man habe beim Bau der Mauer zwecks Sicherung der Stadt den Durchlaß zunächst mit einer Hilfskonstruktion verschlossen und erst nachher dahinter die Tortürme aufgerichtet, und so habe sich halt die „Kammer“ vor dem Tor ergeben. Als Gedanke zur technischen Vorgehensweise ist gegen diese Überlegung nichts einzuwenden. In der weiterführenden Konsequenz übersieht diese Theorie allerdings die eigentliche Absicht, das funktionale Prinzip des Wehrbaus, das sich schon für den Burgenbau in der Antike, z. B. Mykene, nachweisen läßt. Das hat vermutlich auch Revellio so gesehen, wenn er von der „älteren Form der Toranlage“ spricht. Solange es nur diese Mauer und noch keine zweite, vorgelagerte gibt, ersetzt diese Form der Wehrarchitektur den Zwinger.

Notiz des Jahres 1535 von Valentin Ringlin, der ab 1534 die Villinger Chronik des Ratsherren Heinrich Hug fortsetzte. Sie lautet übertragen: Und um den Heiligen-Drei-Königstag hat man den Rietturm abgebrochen, um Invocavit den Bickenturm, die sind vor dem Abbruch ( . .?) 500 Jahr bestanden.

Es ist das taktische Anliegen dieser Konstruktion, im Bereich des Torzugangs eine Flankierung zu schaffen, die es erlaubt, einen Angreifer vor der Schwachstelle Tor von der rechtwinkligen Mauer herab seitlich oder im Rücken zu bekämpfen. Diese Absicht wird bei alten Städten und Burgen vielfach auch dadurch erreicht, daß man statt der Zurücksetzung des Tores seitlich vorspringende Ecktürme errichtet. Dann fehlt allerdings der Turm über dem Tordurchlaß. Wir wissen nicht genau, wie die Tortürme nach der Errichtung ausgesehen haben. Es gibt zwar beim Oberen Tor und Romäusturm deutliche Hinweise am Mauerwerk für eine spätere Erhöhung, ansonsten sind wir auf Hypothesen angewiesen. Es dürfte aber aufgrund bautechnischer Merkmale kaum zweifelhaft sein, daß es sich um sogenannte Schalentürme gehandelt hat, „bei denen die Stadtseite entweder offene Galerien oder eine Fachwerk-wand erhielt“ 10a). Wir wissen aber von einer Umbauphase der Tortürme, für die Revellio, unter Bezugnahme auf die Chronik des Villinger Ratsherren Heinrich Hug, leider so nicht zutreffend, die Jahreszahlen 1533 (Bickentor) und 1541 (Riettor) nennt.

Am 5. August 1920 bricht im Innern des Bickentorturms ein Brand aus und zerstört das mittelalterliche Innengerüst.

 

Als Begründung führt er aus, „die Tortürme, zur Ausschau und zur frontalen Verteidigung im Nahkampf bestimmt, sollten jetzt als Batterietürme dienen und damit für die Abwehr in die Ferne“, wofür sie bisher zu schwach gewesen seien 11). Die Chronik des Heinrich Hug bricht mit dem Jahre 1533 ab, d. h. Hug verstummt und ist vermutlich bald darauf gestorben. Sie wird seit 1534 von Valentin (Veltin) Ringlin bis 1567 fortgesetzt 12). Als Abschriften, vermutlich des 17. Jahrhunderts, geben die beiden Handschriften A und B (es gibt noch weitere) inhaltlich denselben Sachverhalt wieder 13). Danach wurde im Jahre 1534 der Niedere Turm „abbrochen“. Im folgenden Jahr 1535 „um die Heiligen Drei König“ wurde der Rietturm und „um Invocavit“ der Bikkenturm „abbrochen“. (Dagegen findet man in dieser Quelle nichts über das Obere Tor.)

Das Niedere Tor

Die Umbauphase der Tortürme insgesamt beginnt, laut obiger Quelle, im Jahre 1534, als zunächst der „Niedere Thurm abbrochen“ wurde. Revellio (S. 290) bemerkt unverständlicherweise „Das Niedere Tor, von dessen Umbau im 16. Jahrhundert wir nichts hören, …“. Die zitierte Chronik nennt uns ja das Datum für den „Abbruch“, dem folglich nach 1534, ohne längeres Zögern, ein Wiederaufbau gefolgt sein müßte.

Der Ausdruck „abbrochen“ in der von Ringlin weitergeführten Hug’schen Chronik ist das heute noch übliche Dialektwort der Vergangenheitsform „abgebrochen“. Da keine erläuternden Hinweise erfolgen, kennen wir die Qualität dieser Feststellung nicht, d. h., es bleibt uns vorläufig verborgen, welcher bauliche Umfang inhaltlich gemeint war. Wir müssen deshalb das Wort zunächst so verwenden, wie es mitgeteilt ist, setzen es aber als Substantiv oder Verb in Anführungszeichen. Üblicherweise versteht man unter „abbrechen“ ein Bauwerk dem Erdboden gleichmachen. Im Falle der Türme bedeutete dies einen vollständigen Abriß der steinernen Substanz. Gegen eine solche Auslegung spricht das städtische Ratsprotokoll von 1683.

Dort erfahren wir, der „Niederturm ist ganz schadhaft und zerspalten, dahero diesen Winter hindurch die erforderlichen Stein und Materialia beigeschafft, als dann gegen den Frühling die notwendige Reparation vorgenommen werden soll“ 14). Wäre der Turm 1534 vollständig abgebrochen worden, so ist kaum vorstellbar, daß ein neuer nach nur 150 Jahren sich in einem derartigen Zustand befindet. (Man vergleiche den guten Zustand der noch erhaltenen Stadttore, die in ihrer steinernen Substanz unbeschädigt dastehen, obwohl inzwischen weitere Jahrhunderte ins Land gegangen sind und der heutige Kraftfahrzeugverkehr seit Jahrzehnten stärkere Belastungen für die Statik bringt als je zuvor.) Hat man womöglich 1534 – und bei den anderen Türmen 1535 – die statische Substanz der Eckquaderung und des sie verbindenden meterdicken Mauerwerks unberührt gelassen? Muß also der chronikalische Ausdruck „abbrochen“ relativiert, d. h. eingeschränkt werden? Die parallele Nachricht von 1535 für den Riettorturm soll uns über die inzwischen möglich gewordene Analyse nachfolgend eine Antwort geben. Das städtische Ratsprotokoll vom 1. April 1847 registriert, daß die wiederholte Steigerung des Abbruchs des Niederen Tors genehmigt wird 15). Diesmal war es tatsächlich ein völliger Abbruch und so ist im Falle des Niederen Tores eine direkte Antwort nicht mehr möglich.

Das Bickentor

„Um Invocavit (Anmerkung: 6. Sonntag vor Ostern, 1535) hat man den Bickenturm abbrochen“. Über die Qualität und die zeitliche Abfolge seines „Wiederaufbaus“ läßt sich nichts mehr feststellen, denn am 5. August 1920 bricht in seinem Innern ein Brand aus 16). Die dendrochronologische Nachforschung stellt fest, daß „Innengerüst und Dachwerk völlig erneuert“ seien 17). Strukturvergleiche der äußeren Mauerwandung und der Fenster erlauben allerdings den Analogieschluß zum nachfolgend erörterten Riettorturm. Dem Dendrochronologen Burghard Lohrum entgehen aber nicht die „Reste einer hölzernen Gefängniszelle“ im 2. Obergeschoß. Er vermerkt: „Das Schwellholz mit der Jahreszahl 1541. Nach den Befunden am Riettor offenbar dort abgebaut“. Diese angeblichen Befunde sind am Riettor allerdings durch keine ausreichenden Hinweise verifizierbar, so daß die Aussage Vermutung bleiben muß. Es gibt sogar im Riettor ein zeitlich gegenteiliges Indiz, wie noch zu zeigen sein wird. Es fällt außerdem auf, daß die Verzimmerung der würfelförmigen Kammer keine Tür sondern in halber Höhe lediglich einen fensterartigen Laden an der Südseite besitzt. Einen Arrestanten hätte man geradezu hineinkippen müssen. Hätte die Kammer eigentlich nicht 1920 verbrennen müssen oder wurde sie erst nach 1920 hier aufgestellt? Die Fragen sind derzeit nicht beantwortbar. Jedenfalls ist es vermutlich nicht die urkundlich überlieferte erste Kammer. Im Innern der tunnelartigen Tordurchfahrt befindet sich unmittelbar hinter dem äußeren Torbogen und oberhalb des Spitzbogens sichtbar ein eichener Balken, der, offenliegend, links und rechts im Mauerwerk eingelassen, die Süd- und Nordseite der Tordurchfahrt verbindet. Lohrum bezeichnet ihn als Torbalken. Tatsächlich gehört dieser Balken nicht zum Gerüst des Turms sondern funktional zum Tor. Er besitzt an der Unterfläche seiner Enden je ein kreisrundes Loch, in dem sich einst der obere Angel des jeweiligen Torflügels drehte. (Auf ein gleiches Element beim Riettor sei schon jetzt verwiesen.) Die aus ihm entnommene Holzprobe „Dl“ besaß 88 Jahrringe, eine Anzahl, die grundsätzlich für eine Datierung ausreicht. Leider fehlen aber an dem eichenen Bauholz gegen das Wachstumsende des Baumes das weichere Splintholz mit der abschließenden Waldkante, so daß sich das Fällungsdatum nicht jahrgenau ermitteln läßt und damit auch nicht die genauere Verbauungszeit. Lohrum gibt für den letzten erhaltenen Ring das Jahr 1247 an und nennt als früheste Fällung 1267 plus/minus 10 Jahre. (Diese Methode ist wissenschaftlicher Konsens unter den Dendrochronologen.) 17)

Nachdem die oben zitierte archivalische Nachricht für den „Abbruch“ des Bickentores sowie des Riettores das Jahr 1535 nennt, können wir nur über die Analyse der Daten und des Befunds am Riettor auf die Parallelität des „Wiederaufbaus“ schließen.

Das Riettor

In der Tordurchfahrt des Riettors findet sich an der gleichen Stelle wie beim Bickentor ein einstmals der gleichen Funktion dienender Torbalken. Es handelt sich um ein Eichenholz mit 79 Wachstumsringen, die in der Waldkante enden. Lohrum ermittelte, auf diese Weise gesichert, als Fällungs-zeit Winter 1232/33. Von insgesamt 23 aus dem Turm entnommenen Bohrkernen trägt die Probe die Bezeichnung „D23“ 18). Nachdem der Balken zum Tor gehört, muß als Basiskonstruktion zunächst der Turm vorhanden gewesen sein und nicht umgekehrt. Da auch in diesem Balken die kreisrunden Löcher zur Aufnahme der Torflügel-Angeln zu sehen sind, befindet er sich in situ, d. h. ursprünglicher Lage. Außerdem gibt es keinen Hinweis, der Zweifel an seiner Primärverbauung zuließe. Als das Tor im 19. Jahrhundert seiner Funktion ledig war, verblieb er an seinem Platz, und nachdem er nicht im Wege war blieb er ganz einfach vergessen. Durch diesen Balken erhalten wir einen Hinweis, wonach offensichtlich das Basisgeschoß des Riet- bzw. Bickentorturms von dem späteren „Abbruch“ nicht erfaßt wurde.

Torbalken am Riettor in ursprünglicher Lage. Das Eichenholz wurde im Winter 1232 / 33 gefällt. Als ältestes Baudatum der gesamten Befestigungsanlage Villingens ist damit belegt, daß das Riettor ab 1233 baulich soweit errichtet war, um eine Toranlage aufnehmen zu können.

 

 

Balken, deren Holz im Winter 1532/33, 1533/34 und 1534/35 gefällt wurden, verweisen auf den Verbauungszusammenhang des hölzernen Innengerüsts im Riettorturm. Sie stehen in Beziehung zur schriftlichen Nachricht aus dem Jahr 1535, wonach man in diesem Jahr den Turm „abbrochen“ habe. Das Bild zeigt eine der Stellen, wo der Dendrochronologe eine Bohr-kernprobe für die Jahrringdatierung entnommen hat.

 

Es wird noch zu klären sein, inwieweit das auch für das übrige aufgehende Mauerwerk gilt. Die Saisondatierung Winter 1232/33 für die Fällung des Eichenholzes liefert uns, nach Abschluß der dendrochronologischen Untersuchungen vom Herbst 1993, das bisher am längsten zurückliegende Baudatum der gesamten Wehranlage, ein noch älteres ist nicht zu erwarten, es sei denn, es fände sich zufällig in der Stadtmauer ein datierbares Gerüstholz. Es ist deshalb erlaubt zu sagen, daß ab 1233 der Riettorturm so weit baulich beschaffen war, daß eine Toranlage eingebaut werden konnte. Neben der von der Südseite eng und steil in den Turm führenden steinernen Stiege ist die Lage des Balkens nach Höhe und Länge ein Beleg, daß sich am ursprünglichen Tordurchlaß bis heute nichts geändert hat. 1844 hatten sich die Frachtfuhrleute generell über zu enge Tore beschwert. „Bauverständige weisen aber darauf hin, daß es (das Tor) um 4 Zoll (= 12 cm) breiter und um einen Schuh (= 30 cm) höher gemacht werden kann, letzteres durch Vertiefung des Straßenpflasters“ 19). Demnach dürften damals die steinernen Basen mit dem Loch für die Torangeln verschwunden sein.

Die zeitgenössische schriftliche Nachricht von 1535 „Und um der hailligen Drey Könnigstag hatt Man Den Riieththurn abbrochen . . .“, ist verwirrend, versteht man doch im Sprachgebrauch, wie erwähnt, unter „abbrechen“ etwas dem Erdboden gleichmachen. Ohne die Untersuchung des Turms vorweg zu nehmen, darf gesagt werden, daß der Riettorturm in diesem Sinne nicht abgebrochen wurde. Dennoch läßt sich mit dem Datum 1535 eine Baumaßnahme verbinden, die das hölzerne Innengerüst und die stadtseitige Mauerwand (Ostseite) betrifft. Vier Vollgeschosse über der Tordurchfahrt (1. – 4. OG) besitzen heute an der Decke des Raumes ein Gebälk aus grundsätzlich acht Balken, ausgenommen das 1. OG. Diese überbrücken den etwa vier Meter messenden quadratischen Raum in Richtung Süd/Nord und liegen mit ihren Enden außer an der Treppe, in Mauerlöchern auf. Ihre Oberfläche trägt als Abdeckung die Stoß auf Stoß und unbefestigt gefügten Fußbodendielen des nächsten Stockwerks, wiederum mit der Ausnahme des 4. OG, wo keine Bohlen-lage (mehr) vorhanden ist. Die Hölzer für die Balken des 1., 2. und 3. OGs sind im Winter 1532/33 bzw. 1533 /34 gefällt worden. Im Gebälk des 4. OG verweisen die Daten auf Winter 1534/35 und Sommeranfang 1537 20). Logischerweise erfolgt die Einbringung der Stockwerksbalken von unten nach oben. Wir erhalten so eine schlüssige Ver-bauungsfolge für Gebälkhölzer, die zwei Jahre vor und zwei Jahre nach dem urkundlichen „Abbruch“-Datum 1535 gefällt worden sind. Der zeitliche Zusammenhang ist offensichtlich. Daraus ist zu schließen, daß man nach einer vorangegangenen Planungsphase im Jahre 1535 nicht den gesamten Turm sondern nur sein Innengerüst „abbrochen“ hat, wozu stadtseitig entweder offene Galerien mit Brüstung oder eine Fachwerkkonstruktion, vermauert oder holzverschalt, oder beides in Kombination gehörten. (Vgl. Foto Stadtturm in Meersburg). Nach diesem „Abbruch“ oberhalb der Tordurchfahrt müßte der Turm wie der heutige Schellenberger Turm („Katzeliesele-turm“) in Ravensburg ausgesehen haben (vgl. Foto). Ein Eingriff in die Mauersubstanz ist schon deshalb auszuschließen, weil die auf der Mauerkrone aufsitzende Unterkonstruktion des Dachwerks aus einer Zeit zwischen 1523 und 29 stammt (vgl. Fußnote 20). Wie noch zu zeigen sein wird, waren die Villinger Tortürme mit großer Wahrscheinlichkeit sogenannte Schalentürme, die oberhalb des Tordurchfahrt-Geschosses „Drei-Wand-Türme“ waren, mit einer Mauerstärke von 185 bis 220 cm. Nach der Einbringung des neuen Gebälks in die tiefe Nord- und Südwand hat man die stadt-seits offene Schale des Turms mit einem riegelfreien 75 cm starken Mauerwerk verschlossen und in jedes Stockwerk zur Stadt hin ein Fenster mit einer Nische eingebracht.

 

Von der Standfläche des obersten Geschoßbodens bis zur Mauerkrone sind es bei allen Türmen durchschnittlich nur 75 cm. Auf der tiefen Mauerkrone müssen in späterer Zeit die Geschützrohre der städtischen Kanonen aufgelegen haben, mit denen man zum Kniestock hinaus in die Ferne schoß, nachdem man zuvor die Bretterverkleidung entfernt hatte. Die Geschützlafette ruhte dabei mit ihrem Fuß auf den Bohlen, die Raum für den Rückstoß gaben. (Vgl. auch Text auf Seite „Oberes Tor“, Seite 42).

Im 1. und 3. OG heute durch Bild und Uhr verschlossen.) Noch aber war offensichtlich der endgültige Umbau damit nicht beendet. Irgendwann wurde oberhalb des 4. OG und unterhalb der Mauerkrone ein Zwi-schengeschoß eingebracht. Es gibt drei Auflagebalken, und zwar entlang der Westwand, über die Mitte des Raums und in der Ostwand aufliegend. Über diesen drei Süd-Nord ausgerichteten Balken liegt das Gebälk für den letzten oberen Fußboden. Die deutlich geringer dimensionierten Balken liegen erstmals in West-Ostrichtung. Sie tragen die Fußbodendielen. Vom Fußboden dieses organisch nicht so recht passenden Zwischengeschosses bis zur Mauerkrone sind es noch durchschnittlich 79 cm (Hüfthöhe). Die letztere Bemerkung hat ihren Grund in dem Umstand, daß der mittlere der drei Auflagebalken im Norden und im Süden jeweils in die auf dieser Höhe befindlichen Fensternischen hineinläuft und dabei die Späh- oder Lichtschlitze halb verdeckt. Das ist nur damit zu erklären, daß diese Geschoßkonstruktion erst später eingebaut wurde.Sie ist auf jeden Fall Standfläche. Die rund 80 cm höhere Mauerkrone mit mindestens 180 cm Tiefe, dürfte dann die Auflagefläche des Geschützrohres für den direkten Fernschuß gewesen sein. Die aus den Zwischenbodenhöl zern entnommenen zwei Holzproben wurden leider nicht datiert. Die Jahreszahl hätte nicht nur Auskunft über den Einbau des Zwischenbodens gegeben sondern die Änderung in der Fortifikation zeitlich belegt 21). Ab Fußboden des Zwischengeschosses ergibt sich bis zum ersten waagerechten Balken des Dachwerks eine Standhöhe von 170 cm (Mauerwerk rd. 80 cm + hölzerner Kniestock rd. 90 cm = 170 cm). Es ist auch die Frage zu beantworten, wann das stadtseitige östliche Mauerwerk errichtet wurde. Im Sturz des steinernen Fenstergewändes im 2. OG ist, von außen sichtbar, die Jahreszahl 1541 eingemeißelt. Derartige Baudaten sind dann aussagefähig, wenn sie z. B. dendrochronologisch bestätigt werden können. Im Stockwerk darunter (1. OG, mit Bild) konnten von zweien der insgesamt vier aus der Mauer im Innern hervortretenden Stümpfen der Gerüsthölzer Proben entnommen und datiert werden. Die Fällungsdaten sind Winter 1539/40 und 1540/41 2). Das Ende der Umbaumaßnahmen bildete demnach die Schließung der noch offenen stadtseitigen Front durch ein massives Mauerwerk mit einer Stärke von 75 cm um das Jahr 1541. Das Fällungsdatum Winter 1539/40 läßt sich auch für die ehemalige (alte) Treppe im 3. OG ermitteln.

Das heutige Wandbild am Riettor mit der Kreuzabnahme, von Albert Säger um die Wende zum 20. Jahrhundert gemalt, verdeckt das unterste Turmfenster. Im Innern befinden sich in dieser Höhe, links und rechts der Fensternische, Stümpfe ehemaliger Gerüsthölzer. Ihr Fällungsdatum bestätigt das außen im Fenstersturz eingemeißelte Baudatum von 1541.

 

 

 

 

Abschließend sei auf eine bauliche Besonderheit im Turm eingegangen. Hier gibt es einen historischen Zusammenhang mit der städtischen Gerichtsbarkeit. Die Stockwerke besitzen, bis auf eines, keine raumteilenden Einbauten. Im 1. OG, dem Stockwerk über der Tordurchfahrt, ist jedoch die westliche Hälfte durch eine Mauer vom Vorraum, in den die Zugangsstiege mündet, abgeteilt. Diese Mauer stößt an die Nord- und Südwand. Ihre Stärke beträgt 63 cm.

In der Mitte besitzt sie eine Türöffnung mit Quadermauerung des Türgewändes. Links (südlich) davon ist in halber Höhe ein schmales Fensterchen eingebracht (vgl. Foto). Hinter der Wand entsteht so eine Kammer von 1,70 m Tiefe und 4,05 m Breite, das sind knapp sieben Quadratmeter. Unterhalb des Höhenniveaus der Stockwerks-balken vor der Kammer sind in ihr eigene Balken eingebracht. Sie streichen, diesmal von West nach Ost, über den Raum und sind in die Westwand des Turms und die Trennmauer zum Vorraum eingelassen. Die sechs stark dimensionierten Hölzer tragen auf der Oberfläche zunächst eine Bohlenlage, über der wiederum eine Vermörtelungszone bis zur Fußbodenhöhe des dar-überliegenden Stockwerks aufgebracht ist, eine schwere Zwischendecke also. Im Gegensatz zum Raum vor der Kammer, wo die Stiege einmündet, besitzt diese einen Dielenboden. – Eine solche massive Konstruktion auf so geringem Grundriß macht nur Sinn, wenn man ihr die Rolle einer ehemaligen Arrestzelle (keffit, gefengknusse) zuweist. Es ist eine allgemeine Praxis, daß man in früheren Jahrhunderten in den Städten die Türme auch als Gefängnisse verwendete. Dazu benutzte man leerstehende Stuben oder Kammern bzw. hat sie zu diesem Zweck eigens eingebaut. Für Villingen kamen der Diebsturm (Romäusturm), der Niedere Turm, der Bicken- und Riettorturm sowie der Turm des Oberen Tors in Frage. (Eine solche Zelle ist uns auch aus den Jahren 1600 und 1601 mit der Bezeichnung „im oberen Stüblein des Rats“ urkundlich überliefert. Vermutlich handelt es sich um die sogenannte Folterkammer im alten Rathaus. Man sollte hier die Überlieferungsstränge ernst nehmen. Wir können jedenfalls aus diesem Hinweis schließen, daß man außerhalb der Türme „auch andere sichere Räumlichkeiten“ verwendete.) Ein solches Gefängnis ist funktional, d. h. als Strafvollzug, nicht mit einem heutigen Gefängnis zu verwechseln. Es spielte eine untergeordnete Rolle. Man verwies lieber einen Deliquenten aus der Stadt, dann war er meist vogelfrei, oder man wendete eine der zahlreichen Leibesstrafen an. Derartige Kammern waren für leichtere Delikte reserviert. (Die Inhaftierung des Romäus, Dezember 1497, im Diebturm blieb eine Ausnahme).

 

Im 1. Obergeschoß des Riettors, im Stockwerk über der Tordurchfahrt, befindet sich eine etwa 7 qm große steinerne Kammer. Sie war sehr wahrscheinlich ein „keffit“: eine mittelalterliche Arrestzelle, wie sie quellenmäßig für alle Stadttortürme nachgewiesen ist. Die Bilder zeigen die Kammer von außen und innen und belegen deren Festigkeit.

 

Das „Keffit“diente der Beugehaft (Schuldnerhaft, Erzwingung des Urfehdeschwurs), begrenzter Arreststrafe bei Übertretungen, Untersuchungshaft und der Geldersatzstrafe. Es saßen gelegentlich auch Kinder über zehn Jahren ein.

Die dendrochronologischen Daten verweisen die Entstehung der Kammer mit Wahrscheinlichkeit ins Jahr 1498 23).

Das Obere Tor

Nirgendwo sind Archivalien zu entdecken, die Auskunft über die Baugeschichte des Oberen Tores geben, obwohl gerade hier die Erwartungen berechtigt waren. Bis auf ein einziges Baudatum ist es wieder die Dendrochronologie, die wenigstens die baulichen Veränderungen aus der Endphase der Wehrfunktion dieses Turmes in größerem Umfang entschlüsselt 24).

Das Obere Tor mit seinen bedrohlich wirkenden Doppel-Schießscharten.

 

Zunächst fallen äußerlich drei Merkmale ins Auge: Unter den übriggebliebenen Tortürmen ist er der höchste und übertrifft mit seiner relativen Höhe von 33,76 Metern die beiden anderen um annähernd 4,5 Meter 25), also um Stockwerks-höhe; ferner ist die Tordurchfahrt, an denen des Bicken- und Riettors gemessen, bei annähernd gleicher Breite, überproportional hoch. Dafür sind keine verkehrstechnischen Gründe erkennbar. Schließlich fällt auf, daß das stadtseitige Mauerwerk offensichtlich nicht zum ersten Bauzustand gehört. Alle drei Stadttortürme haben ein auf Sicht gearbeitetes Eckquaderwerk aus der Werkstatt des Steinmetzen. Es zielt, neben der Baustatik, auf psychologische Wirkung beim Belagerer. Die dazwischen liegenden Mauerflächen bestehen aus gebrochenen Steinen und sind verputzt, mit einer Ausnahme: die Außenseite (Nordseite) des Oberen Tors, wo der ursprünglich anscheinend vorhandene Putz 26) fehlt und somit das Bruchsteinmauerwerk freiliegt.

Oberhalb des äußeren Torbogens gliedert sich die Fläche erkennbar zunächst in eine helle Zone. Am Übergang zur oberen dunkleren läuft von links nach rechts, saumartig, eine niedrige, gleichmäßig gearbeitete Steinlage, während darüber die Bruchsteine wieder unregelmäßiger nach Form und Größe sind.

Im Scheitel des äußeren Torbogens das Datum einer baulichen Veränderung: 1828.

Diese unterschiedliche Mauerwerksfärbung erweckt den Anschein, daß es sich um zwei Bauphasen handelt und damit als baulichen Abschluß um eine Erweiterung der Turmhöhe. Diese Vermutung wird leider durch keine schriftliche Nachricht bestätigt 2), und auch das dendrochronologische Ergebnis ergibt in der stratigraphischen Analyse keinen zeitlich differenzierten Hinweis auf Mauerwerk und hölzernes Innengerüst 28). Dafür erhalten wir ein Datum für die äußere (nördliche) Toröffnung. In den zwei Schlußsteinen des Torbogens ist die Jahreszahl 1828 eingemeißelt 29). Leider schweigen auch hier die städtischen Ratsprotokolle 30). Die datierte Baumaßnahme, die sich offenbar nur auf den heute etwa 6,30 m hohen oberen Abschluß des Torgewändes beschränkte und den in der heutigen Höhe bereits vorhandenen inneren Durchgang bis zu seinem Gewölbescheitel unberührt ließ, sagt aber, wann der vorausgehende mittelalterliche Zustand beseitigt wurde. Sie ist zweifellos der planerische und gestalterische Vorgriff auf die spätere Beseitigung der äußeren Befestungsanlagen im 19. Jahrhundert, denn noch steht davor der sogenannte Erker des Oberen Tores, das Vortor in der äußeren Wallanlage (Ringmauer und Fülle), der erst 1840, mit den zwei Wällen „rechts und links an demselben“, abgebrochen wurde 31). Und eine weitere Aussage ist gesichert: Wer sich, z. B. um 1655, von Norden kommend, dem stattlichen Tor hinter der vorderen Umwallung näherte, dem blickten aus der Höhe, wie Augen, die drei übereinander liegenden Doppelschießscharten, gesäumt von steinernen Geschützkugeln, drohend entgegen. Auch hier wird man u. a. eine psychologische Absicht unterstellen dürfen. Von Norden führen die ineinander mündenden Straßen von der gleichermaßen bedeutsamen Nachbarstadt Rottweil und von Frankfurt über den Schwarzwald als Magistrale auf die Stadt zu 3). Die eindrucksvolle äußere Fassade des Oberen Tores soll gleichermaßen abschrecken wie imponieren. Es wird nämlich noch zu zeigen sein, daß es im Turminnern, zum Zeitpunkt 1655, keine funktionale Entsprechung zu diesem fortifikatorischen Aussehen gibt, und der Betrachter im Innern enttäuscht vor einem Rätsel steht. Das Wort vom Imponiergehabe erhält hier erstmals seine Berechtigung.

Das hölzerne Innengerüst des Oberen Torturms, mit den Trepppenläufen aus dem 1Z Jahrhundert, belegt eine späte Um- und Neubauphase des Turminnern. Alte Öffnungen nach außen wurden geschnitten und ihrer Funktion beraubt. – Das älteste in diesem Turm ermittelte Datum stammt aus dem inneren Fensterrahmen (unterer Bildrand, Mitte): 1494. Im Bild links oben: Westlicher Turmzugang im zweiten Obergeschoß.

 

Das Obere Tor besitzt, neben dem hohen Erdgeschoß mit der Durchfahrt, sechs Obergeschosse und damit, wie erwähnt, eines mehr als z. B. das Riettor. Der noch unverändert vorhandene ursprüngliche Zugang führt von dem westlich angebauten Hause, der ehemaligen Kirneggersammlung und späterem Teil des Zeughauses, im jetzigen Wohnbereich des 2. Obergeschosses, schräg nach oben durch die Mauer und mündet auf Höhe des steinernen Fußbodens über der Tordurchfahrt in den Turm. Die alte Tür im Turminnern ist noch vorhanden und schließt unten bündig mit dem Fußboden ab. Der Korridor durch die Mauerwand ist im Wohnbereich des Hauses seit ungeklärter Zeit vermauert. Dafür gibt es noch einen zweiten Turmzugang über das Dachgeschoß ins heutige zweite Turmgeschoß. Die Durchgangsbasis in der Mauer, unmittelbar hinter der nordwestlichen Quaderecke, ist mit der Ebene des Speicherfußbodens schwellengleich. Zieht man auf dieser Ebene eine gedachte Linie in den Turm hinein, dann läge diese, wenn man stadtauswärts auf den Turm schaut, zwischen dem ersten Fenster mit dem Rundbogen und der darüber liegenden schmalen senkrechten Schießscharte. Heutzutage führt der Durchgang auf ein sechs Stufen hohes Podest einer sich in der Nordwestecke abwinkelnden Stockwerkstreppe. Dieses liegt allerdings mehr als eine Trittstufe höher, so daß man bei Dunkelheit in den Turm hineinstolpern würde.

Es wäre der Höhenlage nach denkbar, daß dieser Zugang in der Frühphase des Turms eine Anbindung an den Wehrgang der inneren Ringmauer besaß, und dabei außerdem zu einem anderen Innengerüst gehörte, wo ein entsprechender Fußboden sinnvoll die beiden Öffnungen jeweils einem eigenen Stockwerk zuordnete. Das ist heute nämlich nicht mehr der Fall, wie nachstehend zu zeigen sein wird. Aus einem Ständer, als Konstruktionselement in der Abwinklung der Treppe, wurde eine Probe entnommen und diese dendrochronologisch auf Sommeranfang 1652 datiert 33). Mit dieser Jahreszahl ergibt sich ein weiterer Anknüpfpunkt. Insgesamt erweist sich das Innengerüst, vom 1. Obergeschoß bis ins Dachwerk (Balken, Treppen, Dachstuhl), als relativ jung und datiert mit den Fällungswerten der Hölzer zwischen die Jahre 1651 und 1655, also in die noch unruhige Zeit bald nach dem Dreißigjährigen Kriege 34). Diese Phase bezeichnet einen vollständigen Um- und Neubau des Turminneren. Mit ihm wurden offensichtlich Stockwerkshöhen verändert und vermutlich als äußerer Abschluß zur Stadt hin das heutige Mauerwerk mit den Fenstern (und später der Uhr) eingebracht, in das, höhenversetzt, zwei Entlastungsbögen eingebaut sind. Das Niveau der heutigen Stockwerksböden paßt im Höhenabstand zwar zu den stadtseitigen Fenstern, die Lagen behindern aber, zusammen mit den Treppenläufen entlang der nördlichen Wand, vom 1. bis 3. Obergeschoß, nachhaltig den Zugang zu den alten Öffnungen nach außen. Das ist ein indirekter Beleg für eine ehemals andere Stockwerksaufteilung. Diese Annahme wird durch die Datierung zweier Holzrahmen gestützt. Sie gehören zu der im 1. Obergeschoß befindlichen Lichtöffnung, die von außen durch ihren runden Scheitelabschluß wie ein romanisches Fenster wirkt. Die Kanthölzer befinden sich am inneren Ende des durch die hier 2,25 m messende Mauer führenden Lichtkanals. Die beiden senkrechten Rahmen aus Eiche haben das Fällungsdatum „Winter 1493/94“ 35). Das ist gleichzeitig das älteste im und am Turm ermittelte Datum.

Es würde verwirren, wollten wir die Strukturen des Innengerüsts detailiert auflisten. Zum Grundsätzlichen: Sämtliche Geschoßflächen sind mit den sie als Unterzüge tragenden Balken, in der Streichrichtung West-Ost, mit deren Enden im massiven Mauerwerk eingelassen. Eine statische Einbindung der Balken in die verhältnismäßig schwache stadtseitige (südliche) Mauer gibt es dagegen nicht. Ja es fällt auf, daß die rd. 75 cm tiefe Mauer recht ungesichert zwischen die beiden Eckquaderungen eingebettet ist und ihren Halt vor allem durch das Eigengewicht erhält, das statisch über die zwei höhenversetzten Entlastungsbögen auf die Eckquaderung abgeleitet wird. Wie lose der Verbund ist, erkennt man besonders in unseren Tagen an den Stellen, wo der Putz abgefallen ist.

Bevor die Villinger Tortürme eine massive, rund 75 cm starke Mauer zur Stadtseite hin erhielten, könnten sie wie hier der Torturm von Meersburg ausgesehen haben: Fachwerkwand oder/und offene Galerien.

Von der Oberen Straße her ist, entlang der stadtseitigen westlichen Quaderung (links), von oben nach unten eine Baunaht zu erkennen, durch die im Innern des Turmes sogar das Tageslicht durchscheint. Diese bautechnisch schlechte Anbindung an das abweisende Quaderwerk verrät beim Oberen Tor besonders deutlich die Grundkonstruktion als Schalenturm. (Vgl. die eingangs gemachten Ausführungen).

Nach dem Ausräumen des Innengerüsts und vor dessen Erneuerung (16. und 17. Jahrhundert) müßten die Tortürme wie heute der Schellenberger Turm („Katzelieselesturm“) in Ravensburg ausgesehen haben.

 

Die Verbauung der Hölzer (Balken) läßt sich, wie schon verdeutlicht, zeitlich eingrenzen, und zwar mit dem Jahr 1655 als wahrscheinlichstem Datum. Eine schriftliche Nachricht liegt nicht vor, zumal die Ratsprotokolle für die Zeit von 1619 bis 1671 fehlen 36). – Auch ein sonst emsiger Chronist schweigt: Abt Georg Michael II. Gaisser (1595 – 1655), von der Benediktinerabtei St. Georg zu Villingen, hat in seinem Tagebuch häufig auch „minder wichtige tägliche Vorkommnisse“ aufgeschrieben 3). Soweit die Aufzeichnungen erhalten sind, findet sich bis zu seinem Tode am 29. August 1655 keine Notiz über eine Baumaßnahme am Oberen Tor.

Wir erwähnten das Rätsel von den Schießscharten in der Nordfassade des Turms. Diese waagerechten Öffnungen laufen ab ihrer leicht erhöhten Mitte nach links und rechts in ein abschließendes Halbrund aus und erscheinen dem Betrachter wie die Auflagefläche für zwei Geschützrohre. Sie haben außen eine lichte Breite von etwa 110 cm. Der nach Innen führende Kanal von 200 bis 190 cm Länge verengt sich mit den Seitenflächen trichterförmig und mißt an seinem inneren Ende im Turm nur noch etwas mehr oder weniger als 35 cm. Von diesen Öffnungen gibt es insgesamt sieben: im 6. und 5. OG je zwei im Westen, Osten und Norden, wobei in der nördlichen Fassade im 4. OG eine weitere hinzukommt. Sie alle sind wandseitig im Turminnern mit einer flachen glatt behauenen Steinplatte, annähernd in Rechteckform, verschlossen. In der Mitte ist ein kreisrunde Lichtöffnung von etwa 25 cm Durchmesser. Die Steintiefe beträgt rund 20 cm. Die Oberfläche des Steins beträgt weniger als einen halben Quadratmeter 38). Im 4. OG ist der Abstand vom Fußboden bis zur Unterkante nur 75 cm, wobei die Nordöffnung wegen des Laufs der Treppenstiege im Gebrauchsfalle kaum zugänglich wäre. Im nächsten, dem 5. OG, sind Fußboden und Platte rund 135 cm auseinander. Selbst wenn man von dem extremen Höhenunterschied absieht, macht es der Innendurchmesser des Kanals, hinter der Steinplatte, mit knapp 35 cm unvorstellbar, daß, spätestens ab 1655 hier Kanonen funktional aufgestellt werden konnten. Es bleibt der Eindruck, die imposanten Schießscharten seien irgendwann lediglich zu einer Drohgebärde nach außen geworden.

Eine letzte Standebene des Turms ist, wie beim Riettor und dem Romäusturm, ein oberes Zwi-schengeschoß, das mit 6 cm starken Bohlen auf Balkenunterzügen, genau wie bei den Untergeschossen, hergestellt wurde. Auch von hier sind es nur noch 75 cm bis zur Oberkante der Mauerkrone, die ungefähr 190 cm tief ist. Dieses 6. OG ist das Dachgeschoß, über dem die vorzügliche Zimmermannsarbeit des mächtigen Dachwerks offenliegt und den Raum überspannt. Auf diesem Boden ist in senkrechter Achse, mit oberer Festigung im Balken darüber, eine hölzerne Spindel von Baumstammstärke als Aufzugsvorrichtung eingelassen. Auf der äußeren Mauerkrone sitzt ein rund 120 cm hohes Rahmenwerk, das, wie beim Riettor und dem Romäusturm, von außen mit einer provisorischen Holzverschalung abgedeckt ist.

Alle Doppelschießscharten des Oberen Tores sind an ihrem inneren Ende nur noch rd. 35 cm breit. Sie sind außerdem wandseitig mit einem Quaderstein verschlossen, der in der Mitte ein Loch von etwa 25 cm Durchmesser besitzt. Im Bild: Innerer Abschluß der obersten nördlichen Schießscharte. Darüber ist ausschnitthaft der letzte Boden unterhalb der Mauerkrone sichtbar, der als Geschützebene diente.

Es ist unvorstellbar, daß das mächtige Zeltdach mit seinem schweren Balkenwerk bei Belagerungen abgenommen wurde. Es darf davon ausgegangen werden, daß die oberste Bohlenlage dieses Geschosses, 75 cm unterhalb der Mauerkrone, die Geschützebene war. Von hier aus konnte man mit ballistischem Vorteil gezielt in die Ferne, z. B. auf den Bickeberg oder den Hoptbühl, mit entsprechendem Kaliber schießen. Zweifellos war diese Möglichkeit eine Folge der um 1498 vorgenommenen Reorganisation des Geschützwesens durch Maximilian I. (König Maximilian, der spätere Kaiser, war oberster Landesherr Villingens und weilte, wie Heinrich Hug berichtet, während des Schwabenkriegs 1499 kurz in Villingen.) Im Anschluß führte Kaiser Karl V. die Reform weiter, die „am Beginne des 16. Jahrhunderts zu einer hereinbrechenden gänzlichen Umgestaltung des gesamten Kriegswesens und der Kriegsführung“ wurde 39).

Ab dieser Zeit ist auch in Villingen damit begonnen worden, die Türme umzubauen (Stärke? Höhe? Innengerüst!), was sich schließlich durch die Chronik des Valentin Ringlin (1534 f.) bzw. die dendrochronologischen Daten beweisen läßt, auch wenn die Steine selbst schweigen.

Man wird sich auf der obersten Ebene die Turmbewaffnung folgendermaßen vorzustellen haben: Auf der rund 190 cm tiefen, ebenen Mauerkrone lagen die Geschützrohre jeweils in der Lade einer Lafette, die keine Räder besaß, wie auf einem niedrigen Bock. Der schief nach abwärts gerichtete Protzstock ruhte mit seinem rückwärtigen Ende, einem kurzen Fuß, auf dem Bohlenboden auf, der als Rutschfläche für den Rückstoß des Geschützes diente. Um in die Ferne schießen zu können, brauchte deshalb nicht das Dach „abgehoben“ zu werden. Es genügte, den über einen Meter hohen, auf der Krone aufsitzende Rahmen von seiner Holzverblendung zu befreien oder diese, wenn technisch vorgesehen, zu verschieben, und man hatte freies Schußfeld und vollständige Durchlüftung. Die Auffassung, „die Dächer der inneren Thor; thürme (und auch der zwei großen Mauertürme) wurden in Kriegszeiten abgehoben“, halten wir für ein Fehlinterpretation. Ein solcher Vorgang wäre aus mehreren Gründen widersinnig gewesen 40).

Spätmittelalterliches „keffit“ (Arrestzelle) des Oberen Tores mit nur 4,5 qm Grundfläche.

 

Ein aus heimatkundlicher Sicht bewegendes Detail hat sich im Oberen Tor bewahrt: Es ist die weit und breit aussagefähigste Arrestzelle des ausgehenden Mittelalters, also ein sogenanntes „keffit“ oder „gefengknusse“, wie wir es seiner inhaltlichen Funktion nach bereits bei der Beschreibung im Riettorturm erörtert haben. Die hier vom Zimmermann gefertigte Konstruktion ähnelt der im Bickentor befindlichen. Sie steht in der südwestlichen Ecke des 2. Obergeschosses, neben dem Fenster. Die bis unter die Decke reichende Kammer hat folgende Innenmaße: Länge 280 cm, Breite 160 cm und Höhe 225 cm. Der eingebaute hölzerne Fußboden besitzt somit eine

Wie schon beim Riettorturm findet sich auch im Oberen Torturm eine oberste Standebene knapp unter der Mauerkrone. In Verbindung mit der senkrechten Spindel als Lastenaufzug, ist auch sie als Geschützebene zu deuten.

Grundfläche von nur 4,5 m2, der Rauminhalt füllt rd. 12,5 m3. Selbst für einen einzigen Einsitzenden ist das ein mehr als bescheidener Raum. Aus starken Bohlen gefertigte Wände gibt es nur an der östlichen und nördlichen Seite, die beide zum Innenraum des Turmgeschosses weisen, der den Vorraum bildet. Als Westwand bietet sich der Einfachheit halber die steinerne Turmwand an, ebenso an der schmäleren Südseite, in die außerdem eine Nische eingelassen ist, mit einem kleinen steinernen Gewände für einen einstigen Lichtschlitz, auf dem ein Gefangener im Jahre 1744 seinen Kommentar hinterlassen hat. Unterhalb der Nische ist eine befestigte hölzerne Sitzbank angebracht. Auf ihr liegen einige Gefäßscherben. In der Mitte der östlichen Holzwandung ist ein schmaler und niedriger Einstieg, gleichsam einem Schlupfloch, mit einer massiv gearbeiteten Tür, die sich von außen mit einem Querholz verriegeln ließ. Südlich (links) davon gibt es annähernd in Kopfhöhe eine schmale rechteckige Luke, die wiederum von außen mittels eines Ladens verschlossen werden konnte.

. . . das Innere (hinter der Sitzbank eine verschlossene Fensternische).

 

Irgendwann sind in diesem Bereich schon früh geringfügige Veränderungen vorgenommen worden. Zwei Schwellhölzer der Kammer wurden dendrochronologisch ausgewertet. Das Fällungs-datum lautet Winter 1575/76 41). Diese Arrestzelle steht eingepaßt in ein Stockwerk, dessen Fußbodenbalken und die Balken der Decke mit insgesamt vier Proben die Fällungsdaten Winter 1650/51 und einmal Winter 1653/54 erbringen 4). Die Kammer ist demnach bis zu 78 Jahre älter. Wie kommt die in ein jüngeres Stockwerk? Über diesen Sachverhalt kann nur gemutmaßt werden. An den Holzwänden der Kammer, sowohl außen als vor allem innen, sind Jahreszahlen um 1590 bis 1688 und weitere Zeichen eingeritzt. Dies ist das eigentliche, unmittelbare Erlebnis der Spuren im Turm: Die Mitteilungen von Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, ihre Nachricht aus der Zeit der Gefangenschaft hinterlassen haben.

Am steinernen Rahmen des einstigen Lichtschlitzes hat ein ehemaliger Gefangener im Jahre 1744 seinen Namen „. . . ICH JOHAN IE“ hinterlassen.

Zahlreiche Einkerbungen berichten vom Haftjahr, mit dem Namen oder den Initialen der Person und den Symbolen ihres Handwerkerstandes und damit dem soziologischen Standort. Aber auch Kreuzkerben zählen die Tage des Einsitzenden und ein fünfzackiges magisches Zeichen verrät die Angst, vor der von außen kommenden Gefährdung, die damit gebannt werden sollte. Nachdem sich u. a. als Handwerkersymbol ein Müllerzeichen nachweisen läßt, hätten wir gerne eine Beziehung zu einem lokalhistorischen Ereignis hergestellt 43). Um den Rat unter Druck zu setzen, waren im Oktober 1522 14 Müller, Meister und Knechte, für 18 Tage nach Hüfingen ausgewichen. Der Rat war gezwungen, um fremde Müller zu bitten. Am Ende mußten die Ausreißer klein beigeben und kamen in die Stadt zurück. Zuerst waren es 12, die man je zu viert ins „Bickenkefid“, „Niderkefid“ und „Oberkefid“ einschloß, ehe sie dann, mit einer Zahlungsfrist von zwei Jahren, für ihren Weggang 200 Gulden Strafe zu zahlen hatten, womit sich der Arrest erledigte.

Leider kann es, den dendrochronologischen Ergebnissen zur Folge, nicht die auf uns überkommene Kammer sein, denn es hat sie danach noch gar nicht gegeben. Es liegen 54 Jahre dazwischen.

 

Auf den hölzernen inneren und äußeren Wandseiten befinden sich zahlreiche Einkerbungen der einstigen Arrestanten, die u. a. als Gesellen- oder Meisterzeichen zu einer Soziologie der Gefangenen werden. Hier hat ein Müller sein Statussymbol, ein Mühlrad, hinterlassen. Aus der Welt des Magischen stammt das Zeichen eines Fünfecks (kein Davidstern bzw. Hexagramm!) Es muß als Bannungssymbol gegenüber bösen Mächten oder als Chiffre für einen zu beschwörenden glücklichen Ausgang gedeutet werden. (Darunter Kreuzkerben über die abgesessene Zeit) 67).

 

 

 

 

 

 

Bei dem Zeichen mit den Initialen, der Jahreszahl 1593 und dem erhöhten oder „Erzengelkreuz das auf dem Kreis („der Scheibe des Weltalls“) steht, handelt es sich vermutlich um eine Druckermarke, was ein erstaunlich früher Hinweis auf die Buchdruckerkunst in Villingen wäre. 67)

Wachttürme und Wehrturm: Kaiserturm, Elisabethenturm und der Romäusturm

Der Kaiserturm

Als die nationale Euphorie 1871 als Folge der Kaiserproklamation und Gründung des 2. Deutschen Kaiserreichs in den Köpfen steckte, erhielt der Turm seinen letzten, bis heute bewahrten Namen 44).

Noch auf dem „Plan der Statt Villingen“, dem Festungsbauplan von Johann Baptist Gumpp um 1692 (lt. Revellio), trägt er die Bezeichnung „Gerber thurn“. Er steht in dem Viertel, in dem die Angehörigen der Gerberzunft ihren Handwerksbereich hatten und auch wohnten. Nach ihnen trägt die heute noch so genannte Straße den Namen Gerbergasse 45). In der Abschnittsaufteilung der Wehranlage sind die Gerber hier zuständig und haben als Miliz in diesem Turm ihr Wachtlokal. Ein Bild davon gibt uns Abt Gaisser 46), wenn er am 18. März 1638 berichtet, „. . . daß die Weimaraner zur Nachtzeit die Mauern zu stürmen beschlossen hätten, was zur Folge hatte, daß die Bürger alarmiert und während der ganzen Nacht Wachen bezogen wurden“.

Der Kaiserturm – einst der Gerber-Turm. Rechts am Gewände des Durchgangs befindet sich in halber Höhe eine Bauinschrift.

 

Dieses zünftlerische Verhalten war Bestandteil der Wehrverfassung der Stadt. Gelegentlich bedurfte es allerdings der Ermahnung, „die Bürger, Knecht und Bürgersohne sollen fleißig Obacht geben und sollen sich in der Wachstube nit mit Spielen unterhalten, da die Wachstube für die Wacht und nit für den Kurzweil erbaut worden“ 4). – Von der Stube aus wurden die Wachen zu den Kontrollen auf den Mauerabschnitt geschickt, für den sie zuständig waren. Im Kaiserturm war diese Wachstube im 4. und damit zweitletzten OG; es war selbstverständlich keine „Türmerstube“, wie dieser Tage in einem Prospekt irrtümlich geschrieben wird 48). Obligatorisch war der Ofen in den Wachstuben. „Um die Kosten für das Heizen der Wachstube zu sparen, waren die Torhüter berechtigt, von jedem hereinkommenden Wagen mit Brennholz ein Scheit abzunehmen“ 49). Nach seiner Lage und aufgrund seiner Höhe (relativ 31 m), ist der Kaiserturm sowohl Wach-als auch Wehrturm.

In den Steinquader gemeißeltes Baudatum am Kaiserturm: 1372 (Vgl. die Übertragung in Fußnote 50 a)

Er sitzt, wie eingangs bemerkt, bündig in der östlichen inneren Ring-mauerflucht, wo ihm insbesondere zu der Zeit, als es noch keine vordere Wallanlage gab, eine vertikale Verteidigungsfunktion zukam. Mit seiner zu geringen Mauerstärke ist er von vorneherein nicht als Geschützturm in die Ferne konzipiert worden. In unserem Raum spielte das Artilleriewesen im 14. Jahrhundert noch eine untergeordnete Rolle. Nach den Dendro-Daten D5 (Westfenster) und D16 (Balken) wurde er nicht als Schalenturm gebaut. Über der Wachstube beobachtete man aus den beiden obersten östlichen Fensterluken Bewegungen auf und teilweise hinter dem Hoptbühl, der, topographisch günstig, stets feindliches Aufmarschgebiet war, und außerdem konnte man den alten Verbindungsweg ab der Brigachbrücke zum Dorf Villingen (beim Friedhof) mit leichteren Feuerwaffen bestreichen. In späterer Zeit orientierte sich seine Zweckbestimmung vor allem in die Ferne, soweit es seine Wehrfunktion betrifft. Im unmittelbaren Vorfeld, noch vor der äußeren Umwallung, bedeutete der noch nicht korrigierte Brigachlauf ein natürliches Annäherungshindernis, ganz abgesehen davon, daß man auch den Stadtgraben fluten konnte.

Baugeschichtlich ist der Kaiserturm unter allen Türmen am geschlossensten und ein Musterbeispiel für die Synchronität von hölzernem Innengerüst und Mauerwerk. Im gesamten Unterbau, vom 1. bis zum 5. Obergeschoß, und im Dachwerk ist das Fällungsdatum der funktional unterschiedlich verwendeten Hölzer entweder Winter 1370/71 oder Sommeranfang 1372 50).

An der Westseite des Turmes ist am vierten Quaderstein des Torgewändes im Erdgeschoß, in etwa 1,45 m Höhe, neben einem Steinmetzzeihen (Stirnseite innen) eine Bauinschrift eingemeißelt. Sie lautet:

ANNO DOMINI M° CCC° LXX° SECVDO INCEPT9 TURRISTE.

Es ist die mittelalterliche Schreibweise für Jahreszahlen, sprachlogisch additativ korrekt dargestellt und danach entsprechend zu übersetzen: Im tausenddreihundertsiebzigsten zweiten Jahr des Herrn wurde dieser Turm begonnen 50a). An der ursprünglichen originalen Lage des Steins gibt es keinen Zweifel, und so belegt dieses Datum, daß man mit den gefällten und bearbeiteten Hölzern ab 1372 zusammen mit den Mauersteinen den Turm in relativ kurzer Bauzeit Stock für Stock errichtet hat. Damit stellt sich zumindest die Frage, ob man mit den Stadttor-türmen nicht ebenso verfahren ist. D. h. es ist die Annahme zulässig, man habe sie im Bereich der meterdicken Mauern in einem Akt zur derzeitigen Höhe aufgeführt, nachdem die Quaderung selbst keine optischen Hinweise gibt.

Über die baulichen Veränderungen seit 1992/93 und die neue Zweckbestimmung seit 1994, nämlich den Turm für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wird an anderer Stelle ausführlich berichtet 51).

Der Romäusturm

Er ist im Grundriß und der Mauerstärke der mächtigste, gleichzeitig aber auch der höchste Turm (relativ 39,5 m) der Villinger Wehranlagen. Die Oberkante der Eingangsschwelle des östlichen Zugangs, in Höhe des ehemaligen Wehrgangs, liegt 5,90 m über dem heutigen gepflasterten Boden, der wie beim Kaiserturm, offensichtlich künstlich erhöht worden war. Ein schmaler Gang führt etwa 2,50 m durch die Mauer der Ostwand ins Innere. Die Turmsohle liegt rund 8,80 m unterhalb des Niveaus der Eingangsschwelle. Der Boden dieser Sohle besteht aus Stein (Quader oder Platten). Das quadratische Turminnere hat hier eine Seitenlänge von durchschnittlich 4,15 m. Achtzig Zentimeter unterhalb der Oberkante der Eingangsschwelle befindet sich an der östlichen und westlichen Innenwand, auf mehreren Mauerkonsolen aufliegend, je ein Streichbalken, der in Nord-Südrichtung verläuft. Auf ihnen liegen im rechten Winkel vier Balken, die einst die Fußbodenbohlen des 1. Obergeschosses trugen (sie fehlen heute), acht Meter über der Sohle 52). Eine sich in den einzelnen Stockwerken abwinkelnde Treppe führt nach oben. Jeweils im 3., 4. und 5. Obergeschoß verjüngt sich die Mauerstärke aus statischen Gründen nach außen, auffällig an der dem Feind zugekehrten Westseite. Die Differenz der Einsprünge, einer Art innerer Sohlbank, führt zu einer Mauerstärke zwischen 2,80 m bis unter zwei Meter, entsprechend vergrößert sich die lichte Weite des Innenraums. Die stadteinwärts gerichtete Ostmauer mißt im 5. OG nur noch 1,70 m.

Das äußere Mauerwerk des Turms besteht an den Ecken zunächst aus dem Bossenwerk, dessen Buckelquaderung auch die West-, gewissermaßen Schauseite, des Turmes von unten bis oben geschlossen verkleidet. Das Bossenwerk wurde im Mittelalter „vielfach als künstlerisches Mittel zur Veranschaulichung der Festigkeit benutzt“ 53). Diese Form des Quadermauerwerks hat sich allgemein an den Türmen im städtischen Bereich weit über die staufesche Zeit hinaus gehalten. „Zahlreiche Fehldatierungen gehen darauf zurück“ 54), so auch beim Romäusturm. Revellio glaubt den Turm, mit dem Hinweis auf das Quaderwerk, insbesondere „mit seinen unteren Partien“ noch ins 13. Jahrhundert verweisen zu dürfen 55). Bei F. X. Kraus dagegen wird die Meinung vertreten, „die Erbauung seiner unteren Hälfte fällt wohl in den Anfang des 15. Jahrhunderts, die der oberen, wie aus der Verschiedenheit der Mauerung und der Farbe der Steine zu ersehen ist, einige Jahrzehnte später“ 56). Wiederum sind es die Ergebnisse der dendrochronologischen Untersuchungen, die seit 1993 die meisten Rätsel entschlüsseln und dabei gleichzeitig keinem von beiden recht geben 5). Die homogene Struktur des Bossenwerks an der Westfassade liefert kaum verwertbare Hinweise auf einzelne Erbauungsphasen des Romäusturms, dessen frühere Bezeichnung „Diebturm“ lautete, sieht man von der Weihung an den Heiligen Michael ab, der ebenfalls namengebend war, analog zu den Heiligen der übrigen Türmen. Dagegen ist die Ostfassade zur Stadtseite aufschlußreich: Das Mauerwerk unterhalb der Eingangspforte ist zwar nicht fugenlos, aber die lagig verbauten riesigen und behauenen Steinblöcke wirken wie Zyklopenmauerwerk. In dieser Zone gibt es keine absolut zu datierenden Baumerkmale. Deshalb bleibt das Baudatum für das Erdgeschoß offen. Das ändert sich ab der Ebene des Eingangsbereich und damit des ersten Obergeschosses. Im Sturz hinter der Eingangstür liefert das Holz das Dendro-Datum 1382 ± 10 und ein Ständerholz der Treppe im 1. OG wurde im Winter 1356/57 gefällt 58). Das zweite Obergeschoß ist der Bereich oberhalb und unterhalb des im Westen und Osten sichtbaren Lichtschlitzes in der Mauer. Auf diesem Stockwerk steht eine Kammer, die mit den Riegelwänden modern sein dürfte, mit der massiven Abdeckung aus Stoß auf Stoß gefügten Balken, mit der Ziegellage darüber, aber den Rest des alten, in den Quellen nachgewiesenen „Keffits“, der Arrestzelle darstellt. Von der östlichen Außenseite betrachtet, endet das Geschoß unterhalb der ersten breiteren Lichtöffnung in der Mauermitte.

ROMÄUSTURM: Äußeres Mauerwerk und hölzernes Innengerüst ergeben eine korrespondierende Schichtenfolge der Baugeschichte.

Die betreffende Baugrenze ist an der abschließenden Steinlage erkennbar. Die Fällungsdaten der in diese Zone gehörigen Bauhölzer liegen in einem Falle am Sommeranfang 1389, fünfmal Sommeranfang 1390 und einmal im Winter 1390/91. Für das gesamte Geschoß kann demnach eine maximale Bauzeit von zwei Jahren angenommen werden, mit Schwerpunkt der Bauphase im Jahr 1390 59). Zwischen den beiden langrechteckigen senkrechten, in der Mitte des Mauerwerks übereinander stehenden breiteren Lichtöffnungen trennt im Turminnern eine Balkenlage mit Bohlenabdek-kung das obere 4. vom unteren 3. Obergeschoß. Die Decke des 4. OG bildet eine dicht an dicht gesetzte Balkenlage. Sie ist gleichzeitig der Unterzug für den Bohlenboden des 5. OGs. Aus beiden Niveaus wurden Bohrproben entnommen, die wiederum ein neues Datum für das Höherwachsen des Turmes erbringen.

 

 

 

 

 

 

 

Eine mächtige Aufzugswelle und ein großes Fenster zur Stadtseite nach Osten im 4. Obergeschoß des Romäus-turms. Die Bodenbalken, als Basis der Aufzugsvorrichtung, stammen, entsprechend dem Fällungsdatum dreier Holzproben, aus den Jahren: Winter 1428/29 und 1429/30. Heinrich Hug (a. a. 0.) berichtet für das Jahre 1498 vom Ausbruch des legendären Romäus aus dem Turm. Dieser habe auf einem Stockwerksboden „bine“, mhd. büne) Seile vorgefunden, mit denen er seine weiteren Fluchtvorbereitungen („russt sich“) bewerkstelligte, um sich schließlich aus einer Fensteröffnung („beg“) nach unten abzuseilen.

Man kann die Zone außen an der deutlich helleren Wandung erkennen. (Es ist der Bereich, wo sich an der Nordostecke die drei untereinander liegenden, vom Feind herausgeschossenen, Scharten befinden.) Die Hölzer der beiden Geschoßabdekkungen gehören mit vier Proben ins Fällungsjahr Winter 1429/30, eine in den Winter 1428/29. Nimmt man eine enge Verbauungszeit, dann dürfte der Schwerpunkt für die Errichtung des 3. und 4. Obergeschosses ins Jahr 1430 fallen 60). Die Balken am Übergang zum 5. OG, die als Basisbalken die Bohlen des Fußbodens im 5. OG aufliegen haben, zwingen durch ihre dichte aneinandergereihte Verlegung zu einer Interpretation. Hier ist für das 5. OG an eine Optimierung der Lastenverteilung im Auflagebereich zu denken. Diese Lasten könnten vor allem Wurfgeschosse jeder Art und Menge aus Stein gewesen sein. Bezeichnenderweise steht im Geschoß unter dieser Ebene (4. OG) ein in sorgfältiger Zimmermannsarbeit zwischen zwei Ständern eingelagerte Aufzugsvorrichtung in Form einer baumstarken Welle, mit der die Seile aufgerollt wurden. Man kann sie zweifellos auch mit dem historisch belegten Ausbruch des Lokalhelden Romäus im Jahr 1498 in Verbindung bringen, wird doch gesagt, daß er Seile vorgefunden hat 61).

Lohrum (a. a. 0.) weist zurecht daraufhin, daß es auf Höhe der Fußbodenebene im 5. OG einen außerhalb vorkragenden (hölzernen) Umlauf gegeben habe, möglicherweise eine Art gedeckte Laube, ähnlich einem Wehrgang. (Die Löcher für die Tragebalken sind zusammen mit den dazugehörenden Kanälen durch die 1,50, 1,70 und zwei Meter starken Mauern noch zu sehen und ab und zu verirrt sich durch sie ein Rietvogel in den Turm.)

 

Auf dieser ehemals obersten Standebene (seit 1430) des Romäusturms waren die acht türgroßen Öffnungen (zwei auf jeder Seite) bis zur Fußbodenhöhe herunter-geführt. Durch sie gelangte man auf einen vor dem äußeren Mauerwerk umlaufenden hölzernen Wehrgang. Vermutlich wurden dann später, als man den vorkragenden Umgang aufgab, vier der rund 2,10 m Hochrechteckigen Durchgangsöffnungen durch Tieferlegung des Sturzes und Aufmauerung von unten zu quadratischen Geschützfenstern verkürzt. Es sind dies die zwei an der Westseite und je eine an der Nordwest- und Südostseite. Ihre Sichtverbindung geht zum Kalkofen und Hubenloch sowie zum Vorfeld des Riet- und Niedertorturms. In einer statisch einfachen Konstruktion, auf Stempeln aufliegenden Streichbalken, wurden wiederum später (nach 1430) eine weitere Geschützebene aufgesetzt, bestehend aus Bohlen über Balkenunter-zügen. Vermutlich verstärkte und erhöhte man dann gleichzeitig die abschließende steinerne Mauerkrone im Westen und Nordwesten gegen das Hubenloch. Auf die gleiche Art wie beim Riet- und Oberen Tor findet sich eine oberste Ebene knapp unter der Mauerkrone. Sie erlaubte auch beim Romäusturm den Artillerieschuß zum Kniestock hinaus.

An der Westseite des Romäusturms befindet sich, etwas unterhalb, zwischen den zu Geschützfenstern verkleinerten ehemaligen Austrittsöffnungen, ein vom Steinmetzen gefertigtes Wappenensemble. Die stilisierte Arbeit zeigt das Allianzwappen Österreich – Villingen, wobei noch im 15. Jahrhundert die Helmzier und der Pfauenschwanz allein das Wappen des Hauses Österreich, des Stadtherren, repräsentiert.

 

Ein solcher Umlauf macht nur Sinn, wenn es keine zweite, vorgelagerte äußere Mauer gibt, was für das Jahr 1430 noch behauptet werden darf 6). Auf diese Weise war eine vertikale Verteidigung von der Höhe herab durch Steinwürfe, Steinschleudern oder mit der Armbrust möglich. Begünstigt wird der Beschuß eines unmittelbar vor der Mauer stehenden Feindes noch durch den über die Mauerflucht vorspringenden Turm. Der Umlauf befand sich entlang der Unterkante der an allen vier Turmseiten paarweise sichtbaren senkrechten Öffnungen, links und rechts in der Mauer. Steht man davor, sind sie in Wirklichkeit über 2 m hoch, die Öffnung beträgt an der engsten Stelle 60 cm als Durchgang.

Im stratigraphischen Bereich der Balken am Übergang vom 4. zum 5. Obergeschoß, mit dem Dendro-Datum Winter 1429/30, befindet sich an der westlichen Außenseite, an der Schauseite, des Turms eine stilisierte künstlerische Steinmetzarbeit. Auf der oberen Ecke eines nach Norden gekippten Wappenschildes sitzt ein Helm auf, den ein aufrechtstehender Pfauenschwanz ziert. Rechts (südlich) davon ist noch einmal eine Schildfläche aus dem Stein herausgearbeitet. Es dürfte sich um die Darstellung eines Allianz-wappens handeln, wobei der Wappenteil mit der Helmzier das Haus Österreich und das Wappenschild daneben die Stadt symbolisiert. In Verbindung mit dem Allianzwappen Österreich – Villingen, erscheint diese Zier des Pfauenschweifs, die Allianz überhöhend, auch auf einer Wappentafel aus dem 15. Jahrhundert, mit dem Datum 1471, am Haus Färberstraße 44 63). Die Stadt Villingen erhielt erst später, ab 10. August 1530, durch die königliche Gunst Ferdinands I, ihr „verenden, geziert und gepessert“ Wappen, ebenfalls mit Helmzier und „aufrecht ain volkomner phawenswantz“ 64). An der Ostseite, zur Stadt hin, befindet sich in gleicher horizontaler Lage ein einzelnes gekipptes Wappen, ohne erkennbare Reliefie-rung. Vielleicht war es als das Wappen der Stadt gedacht. Es liegt stratigraphisch in der Zone, die als letzter Mauerteil das 5. OG umschließt. Irgendwann wurde der hölzerne Umlauf entfernt. Wir vermuten zu der Zeit, als die zwei westlichen Öffnungen, die nordwestliche und südöstliche durch Vermauerung oben und unten verkürzt wurden. Damit wurde die rechteckige Öffnung in eine viereckig-verkleinerte überführt als Artilleriefenster. Die anderen hochrechteckigen Öffnungen behielten dagegen ihre vertikale Form. Es dürfte die Zeit gewesen sein, als nach 1430 die Fußbodenebene zur Geschützplattform wurde, um einen Feind in der Ferne, auf dem Hubenloch und dem Kalkofen, sowie vor dem Riettor zur fassen. (Vgl. hierzu unter „Oberes Tor“ die „Reorganisation des Geschützwesens“). Es ist kaum mehr verwunderlich, im Romäus-turm, wie im Riet- und Obertorturm, als letzte Standebene innerhalb des 5. OGs ein Zwischen-geschoß anzutreffen. Sein Bodenniveau reicht unter die Oberkante der ehemaligen Austrittsöffnungen und verrät den späteren Einbau dieser Ebene. Im 5. OG springt die Mauer nochmals ein, die Mauerstärke beträgt dann nur noch 170 cm. Auf der Sohlbank als Versprung stehen den Wänden entlang Stempel, die umlaufende Balken tragen. Diese sind wiederum die Auflage für 9 Balken, denen die Bodenbohlen aufliegen. Das Zwischengeschoß wirkt recht provisorisch und wenig sorgfältig gearbeitet. In diesem oberen Bereich sind bereits die ersten sekundär verbauten Hölzer anzutreffen, weshalb vermutlich der Dendrochronologe keine Proben entnommen hat. Dieser Zwischenboden war zweifellos als eine zweite obere Geschützebene gedacht. Im Westen und Nordwesten wurde die Mauerkrone mit sekundär verbauten Quadern erhöht und verstärkt. Die Mauerkrone trägt den bis zu 140 cm hohen Kniestock, über dem sich das Zeltdach ausbreitet. Es ist heutzutage in allen wesentlichen Teilen ein neueres Dach. Das als Teil des Dachwerks über den Innenraum laufende Gebälk der Substruktion ist noch alter Bestand. Zwei zentrale Balken wurden dendrochronologisch erfaßt.

Wo sich am heutigen Elisabethenturm die zwei übereinander liegenden Fenster an der Westseite des ehemaligen Wachturms befinden, gab es einst einen zweigeschossigen Erker mit Beobachtungs- und Schießscharten nach links und rechts.

 

Der eine besitzt den Wert „Winter 1663/64“, der andere ergibt mit dem letzten erhaltenen Ring das Jahr 1662 65). Dieser Befund gibt dem weiter oben erwähnten Aussehen des Kupferstichs von der Beschießung 1704 recht, wonach kein Dach abgehoben worden war (vgl. Fußnote 40).

Der Elisabethenturm

Er sei als letzter der noch stehenden Türme kurz dargestellt. Seit wann er seinen Namen besitzt, konnte nicht geklärt werden. Auf einem Stich des 19. Jahrhunderts, kurz vor der endgültigen Schleifung der äußeren Befestigungsanlagen, „Ansicht von Villingen“, gezeichnet von Follenweider, Druck Herder Freiburg, trägt er an seiner westlichen Außenseite einen zweistöckigen Erker mit Schießscharten links und rechts. An dessen Stelle befinden sich heute die zwei übereinander liegenden Fenster zu den Ringanlagen. Er steht nicht, wie der Romäusturm, vor der Mauer sondern ist mit ihr bündig wie der Kaiserturm.

Der Turm, der heute von historischen Vereinen genutzt wird, konnte offenbar nur im Dachwerk untersucht werden. Es ist aber aufschlußreich genug, daß die datierten drei Proben folgende Fällungsdaten ergeben: Winter 1471/72, Winter 1492/93 und Winter 1493/94 66). Vielleicht hat Marschall Tallard 1704 das Dach zusammengeschossen, es besaß ehemals beidseitig einen Steilgiebel, aber Teile der Trägerkonstruktion blieben seit über 500 Jahren erhalten.

Anmerkungen:

1) Paul Revellio, Beiträge zur Geschichte d: Stadt Villingen, Herausg. Stadt Villingen, Ring Verlag Vlg., 1964, S. 284/285.

2) Bertram Jenisch, Archäol. Landesdenkmalamt Frbg., Vortrag b. Gesch.- u. Heimatverein Villingen, November 1993.

3) Vgl. Werner Huger, Die Gründungsidee der Stadt Villingen, Jahresheft XI, Gesch.- u. Heimatver. Vllg. 1986/87, S. 6 ff., sowie zitierte Beurkdg.: J. N. Schleicher, Villingen unter den Grafen v. Fürstenberg, Konstanz 1872, S. 12 ff. (Die Gebeine des Schenken Konrad v. Winterstetten heute in der ehemal. Zisterzienserinnenklosterkirche Baindt b. Ravensburg).

4) Paul Nägele, Gedanken zur Villinger Stadtmauer, Jahresheft XVI, Gesch. u. Heimatverein Villingen, 1991/92, Seite 45.

5) Ebd. Seite 56.

6) Franz Xaver Kraus, Die Kunstdenkmäler des Kreises Villingen, Akad. Verlagsbuchhdlg. J. C. B. Mohr, Frbg. 1890, Rubrik Amt Vllg., S. 795, Verweisung auf Fürstenb. Urkundenbuch V/201, vgl. auch Rodenwaldt, Bd. I, S. 155 u. 194, wie Fußnote 14.

7) Vgl. Stadtansicht zwischen 1685 und 1695, Federzeichnung im Generallandesarchiv Karlsruhe, Legende: 15, Nachweis über Revellio, a. a. 0. Seite 463.

8) Sog. Gumppsche Plan, gez. 1692 v. J. B. Gumpp, Kaiserlicher Vorländischer Ingenieur, Nachweis ü. Revellio, a. a. 0., Seite 291.

9) Burghard Lohrum, Hans-Jürgen Bleyer, Ingenieurbüro für Hausforschung, Datierung, Bauaufnahme, Ettenheimmünster und Metzingen: Villingen, Riettor, dendrochronologische Untersuchung durch Ing. B. Lohrum, Ettenheimmünster, September 1993; im Auftrag des Landesdenkmalamtes Baden/Württbg., Außenstelle Freiburg. Es handelt sich um die Meßergebnisse von sechs dendrochronol. Objekt-Untersuchungen: Türme – im einzelnen nachstehend belegt.

10) Ein weiteres Indiz für diese Behauptung liegt darin, daß es nach dem Augenschein der äußeren Beschaffenheit der Hölzer keine holzphysikalischen oder werktechnischen Merkmale gibt, die einen anderen Schluß zuließen. Vgl. zur Thematik insgesamt: Ernst Hollstein, Trier, Die Abhängigkeit des dendrochronologischen Datiererfolges von Holzart, Holzqualität und Konservierung, in: Sonderdruck aus Mitteilungen der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Reinbeck bei Hamburg, Nr. 77, Holzbiologie, Juli 1970, Seite 37 f. – Hollstein schreibt von der „kaum widerlegbaren These“, die lautet. Bauhölzer sind in früheren Zeiten – entgegen den heutigen Baubestimmungen – in der Regel ad hoc geschlagen und unmittelbar nach der Fällung im saftfrischen Zustand verzimmert worden. Diese These gilt gelegentlich nicht für geflößte Hölzer.

10a) Auf der westlichen oberen Mauerseite des Oberen Tores zur Stadt hin, ist entlang der Quadersteinkante (im Bereich des abgefallenen Verputzes) an der Berührungslinie zum gemörtelten Mauerwerk eine Baufuge (Baunaht) zu erkennen, die auf die wahrscheinliche Ursprungsform als Schalenturm hinweist. Das gleiche gilt für den Riettorturm im Innern; in einem der Obergeschosse ist in der Nordostecke eine solche Naht als Riß sichtbar. (Anschauliche Beispiele für Schalenturm, Galerien und Fachwerk gibt es in Ravensburg und dem verbliebenen Torturm in Meersburg; vgl. die Fotoabbildung.).

11) Revellio, a. a. 0., Seite 287.

12) Christian Roder (Herausgeber), Heinrich Hugs Villinger Chronik von 1495 bis 1533, Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart, CLXIV., Tübingen 1883, Nachwort Seite 217 und 219.

13) Abschriften der von Valentin Ringlin weitergeführten Hug’schen Chronik, Handschriften A und B – A: Deckblatt: Mscrpt CXI, NB, 24 Kefer, runder Stempelaufdruck: L. KOP. SOPH. Bibliothek Überlingen, in Überlingen – B: Kefer: Pro Notia, Msc CXIII, A und B gleichlautend für das Jahr 1535: Um die Heiligen Drei König hat man den Riethturm abbrochen, um Invocavit den Bickenthurm, sind vor dem Abbruch 500 Jahr gestanden. – Vgl. abgebildete Fotografie. Leider gibt es keine parallele Nachricht aus den Ratsprotokollen vor 1540 (?)/1549(?), da diese nicht mehr existieren; vgl. Fußnote 36.

14) Dr. U. Rodenwaldt, Das Leben im alten Villingen, (1. Band). Herausgeber Dr. W. Binder, Villingen 1976, Seite 193.

15) Ders., Band II, Herausgeber Geschichts- und Heimatverein Villingen, 1990, Seite 68; vgl. auch Seite 66 und 65: Bereits 1844 war mit dem Abbruch des vor dem Torturm liegenden Niederen-Tor-Erkers (Vortor) begonnen worden. Auf ihm hatte der Torwart seine Wohnung. Vgl. zur Torwächterwohnung auch Abt Gaissers Tagebücher vom Jahre 1621 – 1655, zitiert nach Bd. I der maschinenschriftl. Vervielfältigung Stadtarchiv Villingen, 1972, S. 321: 1. März 1633 sowie F. X. Kraus a. a. 0., Seite 795, Nr. 10 Brücken.

16) Vgl. Herbert Schroff/ Heinz Bühler, Villinger Bilddokumente, Verlag Revellio, Villingen-Schwenningen, 1976, S. 96.

17) Burghard Lohrum, a. a. 0., Villingen Bickentor, dendrochronol. Untersuchung, Ettenheimmünster, September 1993.

18) Ders., Riettor, dendrochr. Unters., Ettenheim., Sept. 1993, hier: Probe D23; weiter begutachtet restliche Proben: Dl – D22, an der betreffenden Stelle einzeln zitiert.

19) Rodenwaldt, a. a. 0., Band II, Seite 66.

20) 1. OG Vorraum: Eine Holzprobenentnahme D16, lt. Planzeichnung Lohrum von diesem am Ort der Entnahme offensichtlich versehentlich mit der Nr. „19“ beschriftet. Lt. Planerläuterung Fällung Winter 1532/33, Holzart Kiefer, 48 Ringe, Waldkante. OG: Proben Nr. 14, 59 Ri., Waldkante (Wk); Nr. 15, 40 Ri., Wk, beide Proben Holzart Kiefer und Fällungsjahr Winter 1532/33. OG: Zwei Probenentnahmen, aber nur Nr. 11 datiert (nicht datiert Probe Nr. 12), Kiefer, 39 Ri., Wk, Winter 1533/34 (Winterfällung ist ein Zeitraum und bedeutet stets Fällung nach der Wachstumsperiode und vor Wachstumsbeginn im Frühjahr des folgenden Jahres.). OG: Drei Proben: Nr. 6, Tanne 56 Ri., Wk, Sommeranfang 1537; Nr. 7, Kiefer, 76 Ri., Wk, Winter 1534/35. Dachwerk: Nr. 1, Fichte, 75 Ri., Wk, Sommeranfang 1523; Nr. 2, Fichte 73 Ri., Wk, Sommeranfang 1529; Nr. 3, Fichte, 79 Ri., Wk, Sommeranfang 1526.

21) Es wurden zwei Proben entnommen aber nicht dendrochronolo-gisch ausgewertet: D4, Tanne, 149 Ri., Wk und D5, Kiefer, 82 Ri., ebenfalls Waldkante.

22) Probe D17, Kiefer, 32 Ri., Wk, Fällung: Winter 1540/41; Probe D18, Kiefer, 36 Ri., Wk, Fällung: Winter 1539/40. Einen zeitlich parallelen Hinweis gibt es für die „alte Treppe“ im 4. OG, bei der es sich nur noch um die beiden in schiefer Ebene nach oben verlaufenden Balken handelt, auf denen die sonst aufgesetzten massiven Trittstufen fehlen. Probe D13, Kiefer, 46 Ri., Wk, Fällung: Winter 1539/40.

23) Aus den insgesamt sechs Balken mit einer lichten Länge von 170 cm hat Lohrum vier Proben entnommen und sie in seinem Planaufriß als die Proben D19, 20, 21 und 22 bezeichnet. Der Planaufriß ist seitenverkehrt. Die richtige Lage der Entnahmestellen ergibt sich, wenn man den Plan gegen das Licht hält; dann stimmt allerdings wiederum die Lage der „alten Treppe“ im 4. OG u. a. nicht mehr. Von diesen vier Proben ist vor Ort nur die Probe 21 am Balken angeschrieben, die anderen müssen entsprechend angenommen werden. Danach ergibt sich folgende Datierung in der Kammer: D19, unter Beachtung der Ausführungen zu Fußnote 20: Holz: Eiche, 65 Ri., Splint, letzter erhaltener Ring: 1482; D20, Eiche, 81 Ri., Splint, letzter erh. Ring: 1486; D21, Eiche, 194 Ri., Splint, letzter erh. Ring: 1493; D22, Eiche, 161 Ri., Wk, Fällung: Winter 1497/98.

Nur die Probe D22 liefert mit der Waldkante ein signifikantes Datum. Da Lohrum bei den anderen Proben die jeweilige Anzahl der Splintjahrringe nicht angibt, ist die Methode: Letzter Jahrring + 20 ± 10 nicht anwendbar. Aber selbst wenn man aus den Hölzern mit den Splintjahren einen Mittelwert bilden würde und diese nach dem obigen Rechenverfahren auflösen, käme man auf eine Jahres zahl, die zeitlich unterhalb jedes anderen im Turm angetroffenen Fällungsdatums läge, d. h. die oberhalb des steinernen Torbogens im 1. OG auf diesem aufsitzende Kammer dürfte der älteste Teil des Innenausbaus sein.

24) Burghard Lohrum, a. a. 0., Villingen Oberes Tor, dendrochronologischen Untersuchung, Ettenheimmünster, Sept. 1993.

25) Vgl. Schroff/ Bühler, a. a. 0., Seite 119.

26) Dieselben, Seite 40.

27) Die erhaltenen städtischen Ratsprotokolle beginnen ab 1540 (lt. Wollasch 1540, lt. Roder 1549) und enthalten, soweit überhaupt vorhanden, keinen Hinweis auf Baumaßnahmen. Damit entfällt ein Vergleich mit dendrochronologischen Ergebnissen insgesamt. Vgl. Wollasch, Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen, Band II, S. 139, Nr. 2963.

28) Lohrum, Oberes Tor, a. a. 0.

29) Vgl. Fotografie. Nach Rodenwaldt a. a. 0., Band I, 5.154 Fußnote, soll 1827 das Kaufhaus inmitten der Oberen Straße als „Verkehrshindernis“ abgebrochen worden sein; vgl. aber auch Fußnote 30.

30) Die Ratsprotokolle sind (lt. Revellio und Mitteilung des Stadtarchivs 1994) für die Zeit von 1810 – 27 nicht vorhanden. Einige Beschlüsse aus 1827 sowie dem Jahr 1828 ff. enthalten keinen entsprechenden Hinweis.

31) Rodenwaldt, a. a. 0., Bd. II, Seite 63.

32) Bezeichnenderweise führte die alte Trasse der Bundesstraße 33 noch bis in die 1970er-Jahre von Norden her durch das Obere Tor zum Marktplatz und von dort nach Osten über die Bickenstraße zum Tor hinaus, am Bahnhof und der Friedhofskirche vorbei.

33) Lohrum, a. a. 0., Probe D6, Tanne, 52 Ringe, Waldkante.

34) Ders. 1. OG: Dl, Kiefer, 38 Ringe, Wk, Winter 1650/51; D2, Kiefer, 38 Ringe, Wk, Winter 1653/54 (beides Deckenbalken).

OG: D6, Treppenständer, Tanne, 52 Ringe, Wk, Sommeranfang 1652; D7, Kiefer, 43 Ringe, Wk, Winter 1650/51; D8, Kiefer, 35 Ringe, Wk, Winter 1650/51.

OG: D9, Treppenständer, Fichte, 51 Ringe, Wk, Sommeranfang 1655; D10, Balken, Kiefer, 43 Ringe, Wk, Winter 1650 /51, D11, Balken, Kiefer, 42 Ringe, Wk, Winter 1650/51.

OG: Die einzige entnommene Probe, D12, Balken nördlicher Unterzug, Fichte, 76 Ringe, Wk, wurde nicht datiert.

OG: 3 Balken, D13, Fichte, 95 Ringe, Wk, nicht datiert; D14, Kiefer, 70 Ringe, Wk, Winter 1651/52; D15, Kiefer, 75 Ringe, Wk, Winter 1653 /54.

OG: Kniestock des Dachwerks, D17, Fichte, 80 Ringe, Wk, Winter 1653/54; D16, Fichte, 77 Ringe, Wk, Winter 1653/54, D16 und D17 gehören zum Rahmen des Kniestocks. Die Probe D18 des Kniestocks (Ständer), Eiche, 74 Ringe, mit ungeklärter Waldkante, wurde nicht datiert.

35) Lohrum, a. a. 0., 1. OG: D19, Eiche, 125 Ringe, Wk; D20, Eiche, 116 Ringe, Wk, beide Winter 1493/94; D21 im Sturz, Eiche, 86 Ringe, Splint, nicht datiert.

36) Vgl. Wollasch, Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen, Bd. II, S. 139; danach existieren die Jahrgänge 1540 – 53, 1608 18, 1672 – 77, 1681 – 1809 der Ratsprotokolle; vgl. auch Fußnote 30.

37) Gaisser, Tagebuch, maschinenschriftliche Vervielfältigung, Auszug des Stadtarchivs Villingen, 1972 (seitenverkehrte Ausgabe), 2. Band, Notizen von 1650-55, ab Seite 1240 bis Schluß; Übertragung aus dem Lateinischen von Stemmler.

38) Eine Platte an der Ostseite wird mit den Maßen hier exemplarisch mitgeteilt: Fläche 0,46 m2, Breite 85 cm, Höhe 54 cm. Die anderen wurden stichprobenartig vermessen und bestätigen mit den Näherungswerten das obige Ergebnis.

39) Wendelin Boeheim, Handbuch der Waffenkunde, Leipzig 1890, Repro Hildesheim: Gerstenberg, 1984, S. 439 ff. u. S. 434 ff..

40) Vgl. Franz Xaver Kraus a. a. 0., S. 795. Kraus bezieht sich auf „Gaisser a. a. 0., S. 241“; vgl. hierzu die entsprechende Textstelle im Tagebuch des Abtes Gaisser a. a. 0., Band I, S. 309. Gaisser notiert für den 14. November 1632: H. Obrist Leutnant (Anmerkung: gemeint ist Obrist Äscher oder Escher) laßt das Tach vom Bicken-thor abheben. Dasselbe wurde dann mit den anderen Toren und dem Michaelsturm (Anmerkung: Romäusturm) gemacht. – Für den 18.11.32 notiert er: Thach aufm obern thor würt abgehebt. Wäre das gesamte Dach abgetragen worden, hätte man, bei den gewaltigen Dimensionen der Dachstühle eine immense zeitaufwendige Arbeit verrichten müssen. Man hätte gleichzeitig in Kauf genommen, daß in dieser unwirtlichen Jahreszeit Regen, Schnee und Frost in den Turm eindringen. Im übrigen ist mit der Bemerkung Gaissers nicht zwingend gesagt, daß er das gesamte Dach mit seiner Zimmermannskonstruktion meint. Vielleicht meint er tatsächlich nur die vierseitige hölzerne Verkleidung des Kniestocks, die mit ihrem Rahmenwerk und der senkrechten Fläche zur Unterkonstruktion des Daches gehört. Die dendrochronologischen Daten, zumindest aus dem Riettorturm, sprechen seit 1993 jedenfalls eine andere Sprache (s. dort). Die drei Proben aus dem Dachwerk: D1, 2, 3, ergeben als Fällungsdatum jeweils Sommeranfang 1519, 1523 und 1526. Das Dachwerk ist demnach beim Riettor über den Dreißigjährigen Krieg hinaus erhalten geblieben und offensichtlich auch nicht später wieder sekundär verbaut worden. Für den Romäusturm ergibt sich allerdings für einen Dachwerkbalken, Dl, das Fällungsjahr Winter 1663 / 64, bei der Probe D2 ist der letzte erhaltene Ring aus dem Jahr 1662. Es kann sein, daß erst um diese Zeit das 5. OG um ein weiteres Zwi-schengeschoß auf den jetzigen Zustand erhöht wurde. (Vgl. hierzu Romäusturm). Eine klare Antwort gibt der Kaiserturm: Die Hölzer des Dachwerks sind bei dreien von vier am Sommeranfang 1371 gefällt und folglich ebenfalls nie abgenommen worden. Im Oberen Tor gibt es zwei datierte Werte aus dem Rahmenwerk des Kniestocks, die zur Unterkonstruktion des Dachstuhls gehören: D16, Winter 1653/54; D17, Winter 1653/54. Sollte, nimmt man Gaisser wörtlich, der Turm am Ende von 1632 – 54 kein Dach gehabt haben? Es ist ja kaum vorstellbar, daß man eine so gewaltige Zimmermanns-arbeit 1632 abgetragen hat und sie dann erst 1654/55 wieder einbaute. Gab es in den zwanzig Jahren eine vertretbar stabile Interimslösung? Es gibt allerdings historische oder historistische Zeichnungen der „Belagerung der Stadt Villingen im Januar (!) 1633“; vgl. hierzu: Manfred Reinartz, Villingen-Schwenningen und Umgebung in alten Karten und Plänen, Band 1, Verlag Hermann Kuhn, VS-Schwenningen, 1. Auflage, 1987, Nr. 19, 20, 21. Die Abbildungen sind nicht datiert; vgl. dazu das Vorwort. Auf ihnen sind alle Stadttürme ohne Haube, also ohne Dachwerk und Bedeckung. Dafür sind die Turmkronen mit Geschoßkörben bestückt, zwischen denen eine ausladende Fahne weht. Selbst wenn diese Bilder einer frühen Zeit angehören sollten, sind sie nichtsdestoweniger thematisch phantasievoll gestaltet, zeichnerisch ziemlich frei im Detail und letztlich eine spekulative Retrospektive, die keinen gesicherten dokumentarischen Anspruch erheben darf. Vor allem auf der aufschlußreichen Abbildung Nr. 19 ist bezeichnend, daß alle Geschoßlinien weder auf die Turmkronen zu, noch von ihnen ausgehen. Ein Kupferstich von der Tallardschen Belagerung 1704 zeigt demgegenüber, daß bei diesem gewaltigsten Artillerieangriff in der Geschichte der Stadt beim Riettor, Niederen Tor und Romäusturm die Dächer nicht abgehoben sind und, wie der Pulverdampf verrät, unterhalb der Dachkante und des Kniestocks aus Öffnungen des obersten Turmbereichs mit Geschützen geschossen wird. Auch alle restlichen Türme tragen auf diesem Stich ihre zeltförmigen Dachhauben.

41) Lohrum a. a. 0., Probe D3, Tanne, 75 Ringe, Waldkante Wk; D4, Tanne, 78 Ringe, Wk, jeweils Winter 1575/76.

42) Ders. 1. OG, Deckenbalken, Probe Dl, Winter 1650/51, Probe D2, Winter 1650/51; 2. OG Deckenbalken, Probe D7 und 8, jeweils Winter 1650/51.

43) Vgl. Eugen Bode, Wasserwerke in Villingen, in: Jahresheft des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, XVII, 1992/93, Seite 61 ff. mit einem Auszug aus der Hug’schen Chronik.

44) „Kaiserturm“ war nicht die einzige Bezeichnung im 19. Jahrhundert. Vgl. Stadtplan von Martin Blessing, 1806, dort: „Wachtelturm“, Nachweis über Revellio a. a. 0., Seite 68; vgl. auch F. X. Kraus a. a. 0., Seite 102: In dieser 1890 erschienenen Quelle heißt es zwar „Kaiserthurm (jetzt Schnabelsthurm)“, aber die letztere Bezeichnung hat sich nicht durchgesetzt.

45) Vgl. zum Thema „Gerber“ u. a. Wollasch a. a. 0., Bd. I, Nr. 1630 und 1676 sowie Bd. II, Nr. 2012; aber auch Revellio a. a. 0., Seite 348: Nur rd. 40 m nordwestlich des Turms, hat man im Juli 1994 im Innern des Hauses Gerberstraße 19, in dessen Nordteil, bei einer archäologischen Untersuchung, vier kreisrunde mittelalterliche Ger-bergruben mit jüngeren Verfüllungen freigelegt.

46) Gaisser a. a. 0., Band II, Seite 723.

47) Rodenwaldt a. a. 0., 1. Band, 1976, Seite 155, Jahr 1675.

48) Vgl. Prospekt „Der Kaiserturm“. Herausgeber: Kreishandwerkerschaft Schwarzwald- Baar- Kreis, Villingen- Schwenningen, 1994.

49) Rodenwaldt a. a. 0., Band I, Seite 194.

50) Lohrum a. a. 0., Kaiserturm: 1. OG. 2 Balken, Probe D15, Fichte, 67 Ringe, Wk, Fällung: Winter 1370/71 und D16, Fichte, 76 Ringe, Wk, Fällung: Sommeranfang 1372.

50a) Das Zeichen „0“ steht für die Endung „0“, und diese gibt eine Ordnungszahl wieder; der waagerechte geradlinige Strich über dem kleinen „v“ = u steht für das ausgelassene „N“. – M° = Millesimo = tausendste, CCC° = trecentesimo = dreihundertste, LXX° = septua-gesimo = siebzigste und schließlich, statt Ziffern in Buchstaben geschrieben: SECUNDO = ZWEITE, beide, Ziffern und Buchstaben, geben als Ordnungszahlen das Jahr der „Grundsteinlegung“ an. Die restliche Inschrift lautet vollständig: INCEPTUS (die kleine hochgestellte „9“ steht für die Endung „us“) TURRIS ISTEA = „wurde dieser Turm begonnen“. Vgl. hierzu Grundriß der Genealogie, Band 6 der Reihe Schlüssel zu alten und neuen Abkürzungen, von Paul Arnold Grun, Starke Verlag Limburg/Lahn, 1966.

51) Jahresheft XVIII des Geschichts- und Heimatvereins Villingen 1993/94, Seite 60 ff., Text Herbert Pleithner, sowie „Der Kaiserturm“, Prospekt, a. a. 0.

52) Vgl. Werner Huger, Flucht aus dem Diebturm, in: Jahresheft II des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, 1975, S. 4 ff.

53) Kunst-Brockhaus, BD. 2, B. I. Taschenbuchverlag, Mannheim 1987, Seite 59.

54) Cord Meckseper, Kleine Kunstgeschichte der deutschen Stadt des Mittelalters, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1982, Seite 96.

55) Revellio a. a. 0., Seite 285.

56) F. X. Kraus a. a. 0., Seite 796.

57) Lohrum a. a. 0., Romäusturm Villingen, dendrochronologische Untersuchung, Ettenheimmünster, Sept. 1993, Dendro-Daten aus den Proben Dl – D17.

58) Ders., Sturz D17, Eiche, 49 Ringe, kein Splint, letzter erhaltener Ring 1362, deshalb: 1362 + 20 = 1382 ± 10; Treppenständer, D16, Eiche, 54 Ringe, Wk, Winter 1356/57.

59) Ders., D12, Fichte, 62 Ringe, Wk, Sommeranfang 1390 und D13, Tanne, 56 Ringe, Wk, Fällung: Sommeranfang 1390, beide sind Bodenbalken des 2. OG; Proben aus der Treppe: D14, Eiche, 92 Ringe, Wk, Winter 1390/91 und D15, Fichte, 74 Ringe, Wk, Sommeranfang 1390; D9, Tanne, 57 Ringe, Wk, Sommeranfang 1390; D10, Fichte, 68 Ringe, Wk, Sommeranfang 1390; D11, Fichte, 65 Ringe, Wk, Sommeranfang 1390.

60) Ders., Balken zwischen 3. und 4. OG: Probe D5, Fichte, 74 Ringe, Wk, Fällung: Winter 1429/30; Probe D6, Fichte, 80 Ringe, Wk, Fällung: Winter 1429/30; Probe D7, Fichte, 82 Ringe, Wk, Fällung: Winter 1428/29; Balken des Deckenabschlusses 4. OG (= Fußboden 5. OG): Probe D3, Tanne, 77 Ringe, Wk, Fällung: Winter 1429/30; Probe D4, Tanne, 78 Ringe, Wk, Fällung: Winter 1429/30.

61) Vgl. Werner Huger, Flucht aus dem Diebturm, a. a. 0., S. 4, 7, 8. Die Aufzugsvorrichtung steht auf Bohlen die Balkenunterzügen aufliegen, von denen drei Hölzer datiert wurden: D5/6/7, jeweils Fällung Winter 1429/30. Der westliche Ständer, in dem die Achse der Welle ruht, wurde an seinem oberen Ende durch Ausbeilung zwischen die enge Balkenlage eingepaßt und befestigt. Der Veranke-rungsbalken, Probe D3, besitzt ebenfalls das Dendro-Datum Winter 1429/30. Damit ist sicher, daß Romäus bei seiner Flucht (1498) über dieses heute noch vorhandene Innengerüst aufgestiegen ist und wo er wahrscheinlich schon die alte Welle, auf alle Fälle die Seile vorgefunden hat, mit denen er sich die Luke hinunterließ.

62) Revellio a. a. 0., Seite 187, schreibt, daß die Stadt um 1440 aktiv wird, um der Ringmauer schließlich eine zweite Linie vorzubauen (Fülle mit äußerer Ringmauer und äußerem Graben).

63) Bei F. X. Kraus, S. 796, ist zu entnehmen, daß man (Anmerk.: wie beim Michaels- = Romäusturm) „auch an einem Privathaus in der Färbergasse über einen österr.-villingischen Allianzwappen von 1430 den Pfauenschweif“ gewahrt. Ein solches Wappen ist nur für das Haus Färberstraße 44 bekannt. Es trägt, nach Revellio a. a. 0., S. 357 f., allerdings die Jahreszahl 1471, der nicht widersprochen werden kann, nachdem trotz Konsultaion eines Fachmannes keine endgültige Klarheit erzielt werden konnte.

64) Vgl. „Zum Titelbild“, Seite 1 des Jahresheftes Geschichts- und Heimatverein Villingen, Nr. XII, 1987/88.

65) Lohrum a. a. 0., Romäusturm, Dachwerk: Dl, Tanne, 45 Ringe, Wk, Fällung: Winter 1663/64; D2, Tanne, 38 Ringe, Wk?, letzter erhaltener Ring 1662. Eine im Westen und Norden (halbseitig) vorgenommene Erhöhung des Mauerwerks mit behauenen Quadern darf nicht mit dem auf der Nordwestecke in den einst frischen Mörtel eingelassenen Datum „1964“ in Verbindung gebracht werden, sondern ist zweifellos eine Verstärkung der Mauerkrone, u. a. zum Schutz gegen Beschuß. Lohrum a. a. 0., Elisabethenturm, Sept. 1993, folgende drei Proben: Dl, Kiefer, 125 Ringe, Wk, Fällung: Winter 1492/93; D2, Kiefer, 115 Ringe, Wk, Fällung: Winter 1493/94; D3, Tanne, 36 Ringe, Wk, Fällung: Winter 1471/72.

67) Das Buch der Zeichen und Symbole, Verlag für Sammler, Graz – Austria, 1972; Magisches Zeichen Fünfeck, S. 102; Druckermarke: S. 232, „… der Drucker signierte sein Werk genauso wie ein Künstler. Die Druckermarken waren am Ende des Buches angebracht … Die älteste Druckermarke, 1457, aus dem ,Mainzer Psalter` … Eine der häufigsten Grundlagen für frühe Druckermarken war das erhöhte Kreuz über der Scheibe des Weltalls; …