Erinnerungen an die Schulzeit geweckt

Ausstellung: Schiefertafel, Griffel, Federkasten . . .

Eine überaus positive Resonanz fand die Ausstellung „Schiefertafel, Griffel, Federkasten“, die GHV-Mitglied Wilfried Steinhart im Frühjahr 2001 im Heimatmuseum Brigachtal-Überauchen veranstaltete. Die Besucher kamen in Scharen, um sich in die eigene Schulzeit zurück versetzen zu lassen. Der Geruch von Schieferstaub und Kreide und der Anblick alter Schulbänke und Wandtafeln, Schrifttafeln mit dem Sütterlin-ABC, Griffelkästen und Federmäpple, alter Schulbücher und Hefte erfreute nicht nur die reiferen Jahrgänge, sondern auch Kinder und jugendliche Besucher, die hier erfahren konnten, wie es war, als Mama und Papa, Oma und Opa, Gotti und Getti die Schulbank drücken mussten.

Ein dickes Lob hat sich Wilfried Steinhart verdient, der mit dieser Ausstellung, deren Besuch auch im Programm des Geschichts- und Heimatvereins stand, vielen Menschen eine Freude machte. Er hat eine ganz besondere Beziehung zum Thema Schiefertafel, denn er ist praktisch mit diesem wichtigen Utensil früherer Schüler- Generationen aufgewachsen. Sein Vater, Anton Steinhart, war Mitinhaber der renommierten Schiefertafelfabrik Gebrüder Steinhart in Dettingen bei Horb am Neckar, die ihre Produkte in Süddeutschland verkaufte und auch in zahlreiche Länder exportierte. Bis zu 60 Mitarbeiter wurden in dem Betrieb, der auch große Schultafeln für Klassenzimmer, Federkästen, Rechenmaschinen und andere Artikel für den Schulbetrieb herstellte, beschäftigt.

Wilfried Steinhart (rechts) erwies sich als fachund sachkundiger Führer durch die Ausstellung in Überauchen. Er konnte zahlreiche, auch prominente Gäste – wie hier den Bundestagsabgeordneten Meinrad Belle mit Frau Evelyn – begrüßen.

 

Wilfried Steinhart, Jahrgang 1940, schaffte nach seiner Lehre als Werkzeugmacher bis 1960 im elterlichen Unternehmen, das fünf Jahre später die gesamte Fertigung einstellte. Er hat – im wahrsten Sinne des Wortes – das Erbe seiner Väter gut verwaltet und die Restbestände der Firma Gebrüder Steinhart, sowie wichtige Akten und Dokumente, vor der drohenden Vernichtung bewahrt. Als Rentner hat er daraus eine Sammlung zusammengestellt, die er in Form einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich machte. Nachdem diese Dokumentation schon 1999 zur 1000-Jahrfeier in Villingen zu sehen war, wurde sie im Frühjahr 2001 in einer Sonderschau des Heimatmuseums Brigachtal-Überauchen erneut der Nachwelt präsentiert. Die Medien berichteten ausführlich. Das Fernsehen machte die Ausstellung landesweit bekannt und auch viele prominente Gäste ließen sich den Ausflug in die längst vergangene Schulzeit nicht entgehen.

Die Tageszeitungen lobten die Initiative des geschichtsbewussten Rentners Wilfried Steinhart und lockten viele Besucher in die Ausstellung, die wegen des großen Interesses, sogar verlängert werden musste.

Im Schwarzwälder Boten war unter der Überschrift: „Griffel kratzen wieder über Schiefertafeln“ unter anderem zu lesen:

„Mit dieser Sammlung wurde ein Stück Schulgeschichte bewahrt“ so die Worte von Schulleiter Kurt Ohmann, als er im Überauchener Museum die Ausstellung „Schiefertafel, Griffel, Federkasten“ eröffnete.

Rund um die Gebrauchsgegenstände aus längst vergangenen Schultagen dreht sich die Ausstellung, zu der Raimund Kammerer, Vorsitzender der Gesellschaft für Altertums- und Brauchtumspflege eine stattliche Besucherzahl begrüßen konnte.

„Dies hier ist viel mehr als eine Ausstellung“ fuhr Kurt Ohmann bei der Eröffnung fort, „hier steckt viel Liebe und die ganze Seele drin.“ Nichts sei so sicher, wie der Wandel, die Schiefertafel habe ihn erlebt, fügte Ohmann hinzu. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Schiefertafel. Alles was damit zusammenhängt, wurde von Wilfried Steinhart, dem Urenkel des Firmengründers der Schiefertafelfabrik aus Horb-Dettingen, sorgsam vor dem Verschrotten bewahrt. Bei einem Bummel durch das Museum können sich die Besucher beim Betrachten der Tafeln, Griffel, Federkästen und alten Lesebücher in die eigene Schulzeit zurückversetzen. Alte Schulbänke laden ein, Platz zu nehmen und mit dem Griffel etwas auf die Tafeln zu schreiben. „Man muss sich ganz schön anstrengen, um schön in die Linien zu schreiben“, meinte Bundestagsabgeordneter Meinrad Belle.

 

 

Groß und Klein drückten bei der Ausstellung „Schiefertafel, Griffel, Federkasten“ die Schulbank. Die Kinder erfuhren so etwas vom Schulalltag ihrer Eltern und Großeltern.

 

Wilfried Steinhart, der selbst noch in der Fabrik seines Vaters gearbeitet hat, zeigte den Besuchern einige der vielen Handgriffe, die zur Herstellung einer Schiefertafel nötig waren. Er gewährte auch einen Einblick in die alten Geschäftsbücher der Firma und zeigte schmunzelnd die Betriebsverordnungen, die aus dem Jahre 1881 stammen. Bei 25 Pfennig Strafe war den männlichen und weiblichen Arbeitern der Kontakt untereinander verboten. Wer sich nicht daran hielt, dem drohte sogar die Entlassung.

Der Südkurier wusste „Wie die Karos auf die Tafel kamen“. Hier ein Auszug aus einem umfassenden Bericht: Fein säuberlich pinselte Rektor Kurt Ohmann einen Satz auf seine kleine Schiefertafel. Zusammen mit Evelyn Belle, der Gattin des Bundestagsabgeordneten, drückte der Brigachtaler Schulleiter wieder einmal die Schulbank. Wie die vielen anderen Besucher erinnerten sich die beiden bei der Ausstellungseröffnung an ihre eigene Schulzeit.

Der Altertums- und Brauchtumsverein Brigachtal hätte kaum einen besseren Ort finden können. Das heutige Museum nämlich war in früheren Jahren das Schulgebäude von Überauchen, viele Generationen von Schülern haben hier auf Schiefertafeln das ABC gelernt. Kaum vorzustellen war für die heutige Schülergeneration, dass ihre Großmütter und Großväter auf den kleinen Tafeln rechnen und schreiben gelernt hatten.

Rektor Kurt Ohmann dankte Wilfried Steinhart, der seine Sammlung von altem Schulinventar und Materialien zur Verfügung gestellt hatte. Mit interessanten Details ließ er die Entwicklung der Schiefertafeln aus historischer Sicht Revue passieren. Schmunzelnd wies er etwa darauf hin dass zum Beispiel in Preußen die Karos auf der Tafel viel größer sein mussten als die badischen Karos.

In Baden-Württemberg wurden Schiefertafeln ausschließlich in der Schiefertafelfabrik der Gebrüder Steinhart in Horb-Dettingen produziert. Damit schließt sich der Kreis zum leidenschaftlichen Sammler Wilfried Steinhart aus Villingen, der als Urenkel des Firmengründers von Jugend an einen Bezug zu den dunklen Schultafeln hat.