Zur Geschichte der ehemaligen Stadtbibliothek Villingen (Dr. Babette Stadie)

In diesem Artikel werden erste Forschungsergebnisse zur Geschichte der heutigen Dienstbibliothek des Städtischen Archivs und der Museen in Villingen-Schwenningen (im Folgenden SAM) dargestellt. Die Geschichte der ehemaligen Stadtbibliothek Villingens ist zugleich Teil der Institutionsgeschichte des Villinger Archivs und Museums.

Die Bibliothek steht den Archivbenutzern zur Verfügung, dient den Mitarbeitern bei ihrer täglichen Arbeit und zur Beantwortung von Anfragen. Sie ist eine wissenschaftliche Bibliothek, in der Bücher, Zeitschriften und Zeitungen für spätere Generationen bewußt aufgehoben und für die Benutzung bereitgehalten werden.

Abb. 1: Ferdinand Förderer (1814 -1889)

 

Ganz andere Aufgaben erfüllt die heutige Stadtbibliothek. Als öffentliche Bücherei sucht sie primär aktuelle, allgemeine Informationen zur allgemeinen, politischen und beruflichen Bildung sowie zur Unterhaltung anzubieten. Die Bücher werden ständig aktualisiert und sogenannte veraltete Literatur abgegeben.

Die heutige Stadtbibliothek Villingen- Schwenningen geht in Villingen zurück auf die 1902 eingerichtete Lesehalle, ab 1938 Städtische Volksbücherei, und in Schwenningen auf die 1948 gegründete Volksbücherei‘). Die heutige Stadtbibliothek und die ehemalige Villinger Stadtbibliothek haben nur den Namen gemeinsam. Zur Gründung einer Stadtbibliothek reichten 1877 Ferdinand Förderer [Abb. 1] und Ferdinand Stocker einen Antrag beim Gemeinderat der Stadt Villingen ein. Hintergrund dieses Vorhabens war die positive Resonanz auf die 1876 ins Leben gerufene Altertümersammlung. Das Gründungsgesuch zur Stadtbibliothek [Abb. 2] lautet:

An Verehrlichen Gemeinderath hier

Die Gründung einer Stadtbibliothek betreffend Die günstige Aufnahme und der gute Fortgang der städt. Alterthümersammlung ermuntert uns, das Unternehmen nach einer anderen Richtung zu erweitern und diese Sammlung durch Gründung einer Stadtbibliothek zu vermehren. In diese gedenken wir aufzunehmen:

Bücher, Schriften, Manuskripte, Urkunden die Geschichte, Culturverhältniße u. Zustände unserer Vaterstadt Villingen zu allen Zeiten betreffend

Bücher und namentlich Quellenwerke über die deutsche Kaiser- und Kriegs-Geschichte von ehedem, über die Geschichte der Erzhäuser Österreich und zunächst unseres Kernlandes Baden (Zährin-gen). Bücher u. Schriften über unsere nähere Umgebung: Fürstenberg, Rottweil, Schramberg, St. Georgen etc.. Sodann

c, auf andere Werke von antiquarischem Werthe, wie Bibeln, Curiositäten, alte Drucke, Kupfer- u. Holzschnitte.

Wir hoffen und werden uns bemühen, gestüzt auf die freundliche Zusicherungen der Herrn Pfarrer Oberle in Dauchingen, auch nach dieser Richtung etwas zu schaffen, das unserer Stadt nur zur Ehre gereichen kann.

Weitere Kosten als die unserer Sammlung gewährten jährlichen Subsidien verursacht unser Vorhaben vorläufig nicht: wir glauben auf patriotischem Wege noch Dieses und Jenes zu erhalten, das außerdem zu Grund ginge, bei unserm beabsichtigten Zwecke aber zu ehrendem Andenken der Geber aufbewahrt bleiben würde.

Und deshalb stellen wir hiemit auch an Einen Verehr!. Gemeinderath die ergebene Bitte geneigtest genehmigen zu wollen, daß als Grundlage unseres Unternehmens, alle in der Bürgermeisteramts Canzlei noch vorhandenen und für vorhabenden Zweck käuflichen Bücher, wie Mone’s Zeitschrift, das Freiburger u. Fürstenberger Urkundenbuch, die Geschichte Badens etc. etc. der städtischen Alterthümer-Samm-lung, wenn nöthig gegen Revers ausgefolgt werden. Über das Ganze wird ein sachdienlicher Katalog angefertigt, der fortlaufend geführt dem Literaturfreund u. Geschichtsforscher eine bequeme Übersicht bieten soll darüber, was in unserer Stadtbibliothek zu finden ist.

Zur Aufnahme des Leztern haben wir einen alterthümlichen Kasten bestimmt, der in der Benediktiner-Sakristei noch aufgefunden wurde.

Villingen, 18. Okt. 1877.    Förderer Stocker 2)

Diesem Gesuch wurde am 23. 11. 1877 entsprochen 3).

Bereits zur Eröffnung der Altertümersammlung 1876 erschien das erste, bei Linsenmann gedruckte ,Verzeichniss der Gegenstände, welche in der Alterthümer- Sammlung der Stadt Villingen z. Z. sich befinden‘. Grundstock waren zum einen die von Fidel Hirth, dem Schließer des Alten Rathauses 4), zusammengetragenen Objekte, sowie Schenkungen und Leihgaben von Bürgern. Bereits hier sind unter den Gegenständen Manuskripte, Bücher und Schriften aufgeführt 5).

In einer Extra-Beilage des ‚Schwarzwälder‘ Nr. 85 von 1884 ist ein summarisches Verzeichnis, Schenkungen zur städt. Alterthümer- Sammlung und zur Stadtbibliothek betreffend‘ für den Zeitraum von 1876 bis 1884 als Dankeschön an die Schenkenden abgedruckt 6).

 

Abb. 2: Gründungsgesuch der Stadtbibliothek vom 18. 10. 1877

 

 

Abb. 2: Gründungsgesuch der Stadtbibliothek vom 18. 10. 1877

Im Villinger Adreßbuch von 1898 ist die Altertümersammlung im Alten Rathaus beschrieben. In Zimmer III des 2. Stockwerks war das Bibliothekszimmer in dem der Besucher „Incunabeln, Atlanten, Karten, Pläne, Kupferstiche und Bildwerke“ vorfand 7). Genauer ist der Bestand im ,Führer durch die Alterthümersammlung der Stadt Villingen‘ aufgeführt (zwischen 1900 und 1914 bei der Buchdruckerei Görlacher in Villingen gedruckt). Z. B. sind unter der Rubrik ,Incunabeln – heute Frühdrucke genannt – Werke aufgeführt, die bis jetzt in der Bibliothek vorhanden sind: das ,Narrenschiff‘ von Sebastian Brant, Basel bei Lamparter, lateinische Ausgabe von 1507 sowie die ,Cosmographey‘ von Sebastian Münster (3. Aufl., Basel 1614). ,Atlanten, Karten, Pläne`, Kupfer- & Bildwerke‘ sowie ‚Kalender‘ sind gesondert genannt, letztere sind fast alle komplett vorhanden, so z. B. ,Lahrer Hinkender Bote`, Wanderer am Bodensee`, Einsiedler Kalender`, Kalender für Zeit und Ewigkeit‘ (von Alban Stolz, 1. Jg. 1843 verlegt bei Förderer; auch im Manuskript vorhanden) 8).

Neben den gedruckten Nachrichten zur Bibliothek geben die heute im Osianderhaus vorhandenen handschriftlichen Inventare und Verzeichnisse detaillierte Auskunft über den größten Teil des Bestandes der Bibliothek: die Alt-Systematik von 1877 / 78 bis ca. 1963, das Repertorium und die Inventarbücher der gesamten Institution von 1876 bis heute, das von Ferdinand Stocker angelegte Ausleihbuch der ,Bibliothek der Stadt Villingen. Verzeichnis der abgegebenen Bücher‘ von 1893 bis 1948 [Abb. 3], das Verzeichnis der ,Schwarzwald Bibliothek‘ von Oskar Spiegelhalder bis 1925 und das Verzeichnis des Buchbestandes im Nachlaß Josef Honold bis 1967.

Abb. 3: Ausleihbuch 1893 – 1948

 

Der von Förderer im Gründungsgesuch genannte ,sachdienliche Katalog‘ in altertümlichem Kasten wurde tatsächlich angelegt und bis ca. 1963 fortgeführt. Verschiedene Hände können unterschieden werden, so die von Ferdinand Förderer (bis zu dessen Tod 1889), danach von Ferdinand Stocker und von Paul Revellio (zwischen 1923 und 1959). Der Katalog ist bis heute in zwei Schubern erhalten und wird als ,Alt-Systematik` bezeichnet, die deutlich die Sammlungsschwerpunkte widerspiegelt:

Theologie (107 Titel)

Geschichte (727 Titel)

Jurisprudenz (13 Titel)

Philosophie / Literatur (30 Titel)

Kalender / Zeitungen (86 Titel)

Kunst / Gewerbe / Volkswirtschaft (65 Titel)

Naturwissenschaften (9 Titel)

Kataloge (16 Titel)

J: Volkskunde (13 Titel).

 

Abb. 4: Titelseite – Signaturenetikett Bc 82

 

Abb.5: Alt-Systematik – Titelkarte Bc 82

Die Bände tragen am unteren Buchrücken – bei Broschüren auf der Vorderseite unten links – ein Papieretikett mit der jeweiligen Signatur [Abb. 4]. In der Systematik sind unter ,Be: Villingen` von Georg Pictorius 9) vier Werke verzeichnet: ,Tuen-dae sanitatis% Paris: Martinus Iuvenis, 1555″Apotheoseos`, Basel 1558″Sermonum convivalium`, Basel 1559″De herbarum virtutibus`, Basel 1581. Unter ,Bc: Badische Geschichte‘ lassen sich auch von Förderer (1814-1889) verlegte Werke finden. Förderer besaß eine Buchdruckerei, war Buchhändler, Verleger sowie Herausgeber des ‚Schwarzwälder‘ (1840 ff.) und Gemeinderatsmitglied 10). Sein persönliches Engagement trug wesentlich zum Gedeihen der Bibliothek bei, sein Einsatz reichte von Buchschenkungen, nicht nur aus dem eigenen Verlagsprogramm, bis hin zur eigenhändigen Verzeichnung der Bucheingänge in den verschiedenen Verzeichnissen. Um nur einige seiner Ausgaben zur Revolution von 1848 zu nennen: ,Des badischen Volkes materielle Bedürfnisse und Wünsche‘ (1848)“Gedanken über Deutschlands nächste Zukunft‘ (1848) [Abb. 5]“Hecker, der Mann des Volkes‘ (1849) und ,Philaletes. Politisches Vermächtniss eines Russomanen‘ (1849).

Das Repertorium der Altertümersammlung und die Inventarbücher sind die gemeinsamen, chronologisch geführten Eingangsbücher der Altertü-mersammlung, der Bibliothek und des Archivs. Die Inventarnummern sind fortlaufend vergeben. Sie lassen sich in vielen Bänden vorne im Buchdeckel auf einem Aufkleber mit der Aufschrift ,Stadt Villingen No. ..` wiederfinden. Zudem existieren unterschiedliche Stempel: ein querovaler mit der Umschrift ,Stadtbibliothek Villingen‘ und ein rechteckiger mit der Aufschrift, Altertümer-Sammlung Villingen Nr. Die verschiedensten Kombinationen von Inventarnummern, Alt-Systematik Signatur und Stempeln kommen vor. Seit ca. 1963 wurden die Bibliotheksneuzugänge nicht mehr in die Alt-Systematik eingearbeitet; sie sind aber anhand der Inventarbücher zu ersehen. Bei den meisten Eintragungen sind Verfasser, Titel, Erscheinungsjahr, der Wert und die Eingangsart – ob Schenkung mit Namen des Schenkenden, Nachlaß, Städtische Ämterabgabe, antiquarischer Kauf oder Neuerwerbung – vermerkt.

Abb. 6: Johann Nepomuk Oberle (1807 – 1891)

 

Aus den Schenkungseinträgen ist zu ersehen, daß z. B. Pfarrer Johann Nepomuk Oberle (1807 1891) [Abb. 6] aus Dauchingen, wie Förderer im Gründungsgesuch hoffte, noch zu Lebzeiten der Bibliothek bedeutende Bücher vermachte und weitere wertvolle per letzten Willen 11). In der o. g. Extra-Beilage des ‚Schwarzwälders‘ von 1884 sind allein von Oberle ca. 150 Titel alsSchenkung aufgeführt, z. B. ,Auszug bewährter Historien der fürnembsten Heiligen Gottes‘, von Bischof Fabricius, 1582, Carions ,Chronica, die vier Monarchien‘, 1558 und Arnolds ,Kirchen-und Ketzer-Historien‘, 2 Bde. 1699 / 1700.

Andere Eingangsvermerke der Inventarbücher nennen Städtische Ämter, wobei die amtsinternen Nummern nicht getilgt wurden. Aus dem Forstamt existiert z. B. das ,Forstgesetz für das Grossherzogtum Baden‘, Karlsruhe bei Groos 1833 mit handschriftlichem Eintrag (Stadt Villingen 1834, Inventar Nr. 23).

Auch von Villinger Institutionen kamen Buchschenkungen in die Bibliothek, z. B. vom weiblichen Lehrinstitut 12) sowie von Gesellschaften der Stadt, die eigene Bibliotheken für ihre Mitglieder führten, so von der Museumsgesellschaft, die auf die Herrenstuben-Sozietät, ab 1829 Leseverein genannt, zurückgeht 13). Bände aus dem Bestand der Museumsgesellschaft tragen noch heute den Aufkleber mit der Nummer ihrer Herkunftsbibliothek und im Buch selbst den Stempel, Museum Villinger‘. Innen im vorderen Buchdeckel ist jeweils ein Zettel des § 60 der Museums-Statuten, Museums-Bibliothek Villin-gen Ausleihe und Benutzung der Bücher betreffend, eingeklebt. Als Beispiel sei genannt das, Staats-Lexikon oder Encyklopädie der Staatswissenschaften in Verbindung mit vielen der angesehensten Publicisten Deutschlands‘ hrsg. von Rotteck und Welcker, 19 Bde. Altona: Hammerich, 1834 -1848. Bis heute sind noch zwei gedruckte Verzeichnisse der Buchbestände der Museumsgesellschaft erhalten: Von 1847 der, Katalog über die sämmtlichen der Museums-Gesellschaft zu Villingen gehörenden literarischen Werke und Schriften, Villingen 1847′ aus dem Bestand der ehemaligen Stadtbibliothek und von 1926 die Broschüre ,Museumsgesellschaft Villingen. Verzeichnis der Bücherei. Stand vom 1. März 1926′ Villingen: Müller 1926, aus dem Nachlaß Josef Honold.

Vom Villinger Gewerbeverein, der ebenfalls eine Bibliothek zur Bildung seiner Mitglieder führte, sind vorhanden: ,Gewerbeverein Villingen. Ver zeichniß über die vorhandenen Bücher, Zeitschriften und Karten‘ Villingen: Förderer 1867 und ,Gewerbe-Verein Villingen. Verzeichnis über die vorhandenen Bücher, Zeitschriften und Karten nebst Statuten und Bestimmungen über die Benützung der Bibliothek und des Lesezimmers‘ Villingen: Görlacher 1882. Vermutlich kamen auch aus dieser Bibliothek Bücher in den Bestand der ehemaligen Stadtbibliothek.

1929 wurde von der Stadt Villingen die Schwarzwaldsammlung Oskar Spiegelhalders (1864 1925) angekauft, mit der die Schwarzwald-Bibliothek – ein bisher wenig beachteter Buchbestand – in die Stadt kam. Die Bände der Schwarzwald-Bibliothek sind alle mit einem querovalen Stempel mit der Umschrift, Stadt-Archiv Villingen‘ gestempelt [Abb. 7]. Ein von Spiegelhalder selbst handschriftlich angefertigtes Verzeichnis [Abb. 8] – ähnlich denen zu seiner Museumssammlung – führt insgesamt 650 selbständige Titel auf. Meist sind es kleine Schriften, Sonderdrucke und Broschüren. Davon stammen ca. 30 aus dem 17. / 18. Jh., über 400 aus dem 19. Jh. und mehr als 180 aus dem frühen 20. Jh. Ihr Erscheinungsschwerpunkt liegt von den vierziger Jahren des 19. bis in die ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jhs.

Abb. 7: Stempel ,Stadt-Archiv Villingen`

 

Die Mehrheit der Werke befassen sich mit Baden. Sie lassen sich zu drei großen Bereichen zusammenfassen: einmal Geschichte und Ortsgeschichte, zum zweiten Volkskunde und drittens Handel, Gewerbe und Industrie des Schwarzwaldes. Es gibt nur relativ wenige Schriften welche örtlich über den angegebenen Rahmen hinausgehen und etwas über Württemberg, das Elsaß und die Schweiz berichten.

Bei der Durchsicht der Titel kommen in den einzelnen Teilabschnitten bestimmte Themen bemerkenswert oft vor: In der historischen Literatur gibt es etwa 20 Titel zur 48er Revolution in Baden. Ungewöhnlich viele Texte betreffen die Fürstenbergische Herrschaft (fast 30 Titel) und im Bereich Badische Kirche steht das Erzbistum Freiburg im Vordergrund. Der Schwarzwald ist mindestens 45 mal in Titeln vertreten. Zu den Klöstern St. Blasien und St. Peter sind je 34 und 12 Titel vorhanden. Besonderes Interesse fand die Höllentalbahn (mit 15 Titeln) und die Schwarzwaldbahn Offenburg-Villingen (7 Titel), sowie die Feldbergstraße (6 Titel). Einige Orte sind auffällig oft vertreten: Villingen mit 12 Titeln, Triberg mit 8 Titeln, Lenzkirch und Neustadt mit je 7 Titeln.

Es sind alle Arten von Schriften vorhanden: Karten und Panoramen, Reise- und Stadtführer, historische Darstellungen und Ortsgeschichten, Sonderdrucke von Aufsätzen, Zeitungsartikeln und Broschüren, Statistiken, Vereinsstatuten oder Marktordnungen, literarische Sagen und Märchen, Gedichte und Trauerreden etc. Die zahlreichen Schriften zur Volkskunde behandeln etwa das Schwarzwaldhaus, Holzbauten, Trachten usw.; die Hausindustrie – Spinnerei, Bauern-und Volkskunst – sind bevorzugte Themen. Volkskundliche Ausstellungen und Museen sind mit über 25 Katalogen vertreten. Die alemannische Mundart, Volksdichtung und Volksschriftsteller, wie Heinrich Hansjakob (12 Titel), gehören dazu. In der Volksliteratur (22 Titel) ist vor allen Johann Peter Hebel mit einem Dutzend Werken vertreten. Von Hoffmann von Fallersleben, Lucian Reich, Hermine Villinger, Rudolf Wintermantel sind einzelne Werke vorhanden. 140 Schriften behandeln „Gewerbe, Handel, Industrie“. Davon beziehen sich allein 65 Titel auf die Uhrenindustrie der Region. Über dreißig Kataloge verschiedener Ausstellungen sind gesammelt worden. Unter den ca. 45 Titeln zu Gewerbe und Industrie betreffen einige Handelskammern, Hausindustrie und Heimarbeit, Waldarbeit und Holzhandel, einzelne Holz- und Metallberufe.

 

Abb. 8: Blatt aus dem hs. Verzeichnis der Schwarzwald-Bibliothek Oskar Spiegelhalders

Im Zweiten Weltkrieg sind Bestände des städtischen Archivs und der Sammlungen ausgelagert worden. Im Schabenhausener Rathaus waren die Frühdrucke der Altertümersammlung untergebracht; neben anderen Werken ein ,Missale predicatorum` von 1515, der ,Hortus sanitatis` von 1487 durch Dinkmut, Ulm sowie auch das Manuskript zum ,Passions- Spiel zu Villingen`, 1740 / 8014). Verschiedene Umzüge folgten bis zur heutigen Aufstellung der Bestände der ehemaligen Stadtbibliothek im Osianderhaus in Villingen. Der jetzige Zustand der wissenschaftlichen Bibliothek muß ihrem inhaltlichen Anspruch angepaßt werden. Neben der dringend notwendigen Katalogisierung ist die Inventur aller Bibliotheksbestände grundlegend für das Ordnen und Erschließen. Mit den vorhandenen o. g. Unterlagen werden Konkordanzlisten erstellt, um erste tiefergehende Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen. Dar-überhinaus sind zukünftig adäquates Aufbewahren und Instandsetzen der Bestände anzugehen, um diesen kulturellen Wert zu erhalten.

Ferdinand Förderers Äußerung: „Wir hoffen und werden uns bemühen […] auch nach dieser Richtung etwas zu schaffen, das unserer Stadt nur zur Ehre gereichen kann.“ 15) ist heute so aktuell wie 1877.

Anmerkungen:

Den Kolleginnen und Kollegen des Städt. Archivs und der Städt. Museen sowie der Stadtbibliothek Villingen-Schwenningen danke ich für ihre Unterstützung.

1) Interne Unterlagensammlung zur Geschichte der heutigen Stadtbibliothek von dort zur Einsicht erhalten.

2) Abtl. 2 Bestand 2 V 7c.1: Gründungsgesuch zur Stadtbibliothek vom 18.10.1877.

3) Abtl. 2 Bestand 2 V 7c.1: Annahme des Gründungsgesuchs vom 23.11.1877.

4) Revellio 1964, pp.217 / 218.

5) Verzeichnis der Gegenstände 1876, p.12, p.14, p.16.

6) Schwarzwälder 1884 Nr. 85 Extra-Beilage.

7) Adreß-Buch Villingen 1898, p.XI.

8) Führer durch die Alterthümersammlung [ca. 1910 – 1914], pp. 9-14.

9) Kürz 1895, pp.20 -22.

10) Revellio 1964 passim.

11) Abtl. 2 Bestand 2 V 7c.1: Testament Johann Nepomuk Oberle. Revellio 1964 passim.

12) Inventarnr. Kartei – bis Inv. Nr. 2000: Auswertung zu den Bibliotheksbeständen.

13) Bräun 1992, pp.55 / 56.

14) Abtl. 2 Bestand 2 V 7c.26: Unterbringung der städtischen Archive und Sammlungen (Stand vom 12.10.1944).

15) Siehe Anm. 2.

Quellen:

Archivalien:

Abtl. 2 Bestand 2 V 7c.1
Abtl. 2 Bestand 2 V 7c.26
Abtl. 2 Bestand 50.7

Ausleihbuch Stadtbibliothek Villingen, hs. Repertorium der Altertümersammlung, hs. Inventarbücher der Altertümersammlung, hs., 3 Bde.

Kataloge:

Alt-Sytematik der Bibliothek, hs.

Inventarnummern Kartei – bis Inv.Nr. 2000.

Schwarzwald-Bibliothek Oskar Spiegelhalder, hs., 1 Ordner.

Buchverzeichnis Nachlaß Josef Honold, hs. 1 Ordner, 1 Heft.

Literatur:

Adreßbuch der Großherzoglich Badischen Kreishauptstadt Villingen, hrsg. von Polizeiwachtmeister F. J. Riegger, Villingen: Druck und Verlag C. Görlacher, 1898.

Adreß-Buch der Großh. Bad. Kreishauptstadt Villingen, Villingen: Druck und Verlag von Carl Rambold, 1914.

Bräun, Wolfgang: Die „Herrenstuben-Sozietät“ in Villingen, in: Geschichts- und Heimatverein Villingen, Jahresheft XVII 1992 / 93, pp.55 / 56.

Führer durch die Alterthümersammlung der Stadt Villingen. Mit einigen geschichtlichen und statistischen Notizen, Villingen: Buchdruckerei C. Görlacher, [ca. 1900 -1914].

Heilmann, R.-A. J.: Villingen, seine Statistik und Geschichte, nebst Aufführung der Sehenswürdigkeiten, in: A. Kat. Villingen, Gewerbe-und Industrie Ausstellung, 1907, pp.25 – 56.

Kürz, Ernst Georg: Georgius Pictorius von Villingen, ein Arzt des 16. Jahrhunderts und seine Wissenschaft, Freiburg i. Br. und Leipzig: Mohr, 1895.

Revellio, Paul: Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen. Gesammelte Arbeiten, hrsg. Stadt Villingen im Schwarzwald, Villingen: Ring-Verlag, 1964 (Schriftenreihe der Stadt).

Sack, Vera: Katalog der Inkunabeln der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., 3 Bde., Wiesbaden 1985.

Der Schwarzwälder. Amtliches Verkündigungs-Blatt für den Kreis Villingen, Villingen: Druck und Verlag C. Görlacher, 1884 Nr. 85 Extra-Beilage: ,Schenkungen zur städt. Alterthümer- Sammlung und zur Stadtbibliothek betr.‘.

Spezial-Katalog über Kunst- und Altertums-Ausstellung nebst Nachtrag zum Haupt-Katalog, Villingen: Hermann Müller’sche Druckerei, 1907.

Die Stadtbibliothek + Kreisergänzungsbücherei, hrsg. Stadt Villingen- Schwenningen, Villingen-Schwenningen 1980 (Villingen-Schwenningen informiert, H. 5).

Verzeichniss der Gegenstände welche in der Alterthümer-Sammlung der Stadt Villingen z. Z. sich befinden, Villingen: Druck M. Linsenmann, 1876.

Wollasch, Hans-Josef (Bearb.): Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen, 2 Bde., Villingen: Ring-Verlag, 1972.