Dr. Wilhelm Binder 80 Jahre alt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 3. April 1993 vollendete Dr. Wilhelm Binder sein 80. Lebensjahr. Der Geschichts- und Heimatverein Villingen widmet seinem Ehrenmitglied aus diesem Anlaß ein Dankeswort und will damit die zahlreichen Leistungen auf verschiedensten Gebieten der Geschichtsforschung unserer Heimatstadt und der Veröffentlichung historischer und kunsthistorischer Schriften würdigen, die durch Initiative von Dr. Binder herausgegeben wurden.

Schon als Kind hatte Wilhelm Binder in der Werkstätte seines Vaters, der 1911 als Mechanikermeister eine eigene Firma gegründet hatte, Gelegenheit, die fundamentalen technischen Begriffe wahrzunehmen, und so entschloß sich der Abiturient, an der TH Karlsruhe Elektronik und Physik zu studieren und beendigte 1938 sein Studium als Diplomingenieur. In der Erkenntnis, daß sein Vater ihn zum Ausbau des einst handwerklichen Betriebes zu einem Industrieunternehmen brauche, verzichtete er auf eine weitere Hochschullaufbahn. In den Nachkriegsjahren gelang es dem Diplomingenieur Binder, den Betrieb von Jahr zu Jahr auszubauen, wobei durch seine Forschungstätigkeit auf dem Gebiet des Magnetismus im ganzen etwa vierzig Patente angemeldet werden konnten.

Über den eigenen Betrieb hinaus hat Wilhelm Binder seine Grundgesetze der Magnettechnik auch auf andere Gebiete übertragen und fand dadurch die Beziehung zur Aerodynamik. Es mag für den Menschen Binder ein Ausgleich gewesen sein, daß er das Fliegen als Hobby wählte und in seiner knapp bemessenen Freizeit sich die Welt und besonders seine Heimatstadt Villingen von oben ansah.

Als verantwortungsbewußter Bürger in unserer Nachkriegsdemokratie ließ sich Wilhelm Binder 1956 in den Stadtrat seiner Heimatstadt wählen. Nachdem er in den 60er-Jahren neben der beruflichen Arbeit ein Studium der Betriebswirtschaft absolviert hatte, – er hatte klar erkannt, daß der technische Leiter eines Industriebetriebes auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse besitzen müsse, – versuchte er bei seiner Stadtratstätigkeit immer wieder, positiv auf den Haushalt einwirken zu können. Unvergessen sind die jährlichen Etatreden zu den Haushaltsberatungen, die von hoher Warte aus und mit unternehmerischem Geist vorgetragen wurden. Es war nicht nur für den Stadtrat, sondern auch für die Verwaltung ein schwarzer Tag, als seine Vorschläge wieder einmal keinerlei Konzilianz erfuhren und Dr. Binder am 18. 12.1974 die Sitzung verließ und sein Mandat schweren Herzens niederlegte.

Bei aller beruflichen Inanspruchnahme war Dr. Binder immer seiner Heimatstadt Villingen in besonderem Maße zugetan. So scheute er 1963 keine Mühe, den alten Villinger Denar in einem Museum in Leningrad ausfindig zu machen und trotz des damals noch bestehenden „Eisernen Vorhangs“ das Original nachprägen lassen zu dürfen.

Villingen verdankt ihm die Herausgabe oder die Unterstützung bei der Herausgabe einer ganzen Reihe von Büchern und Schriften, u. a. 1962 „Luftaufnahmen von Villingen“, 1969 „Kunstschätze aus Villingen“, 1972 „Die Ratsverfassung der Stadt Villingen“, verschiedene Bücher und Schriften über die Ausgrabungen am Magdale-nenberg, 1976 „Das Leben im alten Villingen“ von Rodenwaldt, 1990 dessen 2. Band und 1988 „Textilkunst aus fünf Jahrhunderten“.

Aber in seiner Heimatstadt machte er nicht Halt mit seinen Forschungen und Interessen; so verstand er es in den 80er-Jahren, dem Leben und Gedankengut des Schweizer Humanisten Heinrich Loriti, genannt Glareanus, nachzuforschen und den fast Vergessenen in seiner Heimatgemeinde Mollis bei Glarus wieder in Erinnerung zu bringen.

Der Geschichts- und Heimatverein Villingen verdankt seinem Gründungsmitglied, Herrn Dr. Wilhelm Binder viele Anregungen und Ratschläge. Er wurde deshalb im Jahre 1988 zum Ehrenmitglied ernannt. Unser Verein wünscht ihm noch viele glückliche, kreative Jahre!