Werner Huger wurde Ehrenmitglied unseres Vereins (Günter Rath)

 

Am 21. April 1993 ehrte der Geschichts- und Heimatverein Villingen seinen ehemaligen langjährigen 1. Vorsitzenden.

In seiner Laudatio anläßlich der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden sagte der derzeitige 1. Vorsitzende Günter Rath u. a.:

Du hast, lieber Werner, diesen Verein über ein Jahrzehnt geführt, Du hast ihm auch sonst auf vielfältige und höchst produktive Weise gedient, und mehr noch: Du hast diesen Verein und seine Mitglieder auf Deine ganz persönliche Art verkörpert wie sonst niemand.

Das sehen die Mitglieder nicht anders als Deine ehemaligen Mitstreiter.

Noch während Deiner beruflichen Tätigkeit im Landkreis Konstanz hast Du die Leitung des Geschichts- und Heimatvereins Deiner Heimatstadt übernommen.

Mit dieser freiwilligen Verpflichtung verbindet sich ein besonders erfolgreiches Wirken. Deine organisatorische Begabung hat dazu beigetragen, unseren Verein zu einem angesehenen Kreis von annähernd 500 Mitgliedern anwachsen zu lassen, ein Verein, der über seine tüchtigen Mitarbeiter durch Vorträge und Exkursionen und eine Fülle von Publikationen vor allem der Öffentlichkeit die Heimat näherbringt, jene Heimat, von der Du selbst einmal geschrieben hast, sie sei nicht nur ein geographischer Begriff sondern ein geistig-seelischer Raum, in dem sich Geschichte vollzieht.

In Deiner Zeit wurden zehn Jahreshefte des Geschichts- und Heimatvereins herausgegeben mit nahezu 800 Seiten. Damit sind alle bisherigen Einzelpublikationen übertroffen worden. Du selbst hast mit über dreißig Beiträgen diese Jahreshefte bereichert. Ich darf stellvertretend besonders die wissenschaftlich-theoretische Abhandlung über die Gründungsidee der Stadt Villingen nennen, die in besonderem Maße die Aufmerksamkeit und Anerkennung der Fachwelt hervorgerufen hat.

Und es kommt noch etwas hinzu: Die Menschen mögen Dich in Deinem ganz persönlichen Stil, in dieser Mischung aus Weltläufigkeit und Bodenhaftung, aus Pragmatismus und Selbstvertrauen, aus kreativer Umtriebigkeit und praktischem Sinn.

So hast Du dem Geschichts- und Heimatverein Deinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt. Du hast ihn vorangebracht, Du hast ihm in dieser Stadt und der Region Respekt verschafft. Du hast viel bewegt in diesem Verein, Du hast Dich keiner Entwicklung verschlossen, bist aber selten einer aufgesessen. Die Hände in den Schoß legen war nicht Deine Sache. Damit wollte ich nicht sagen, alles, was Du unternehmen oder durchsetzen wolltest, sei aussichtsreich gewesen.

Wir haben gelegentlich freundschaftlich darüber gestritten. Aber macht es nicht den schöpferischen Menschen aus, daß er vieles unternimmt, plant und entwirft, damit manches gelingt? Lieber Werner, Du hast dem Geschichts- und Heimatverein viel gegeben. Du hast Dich dabei nie geschont. Dir würde jeder Orden, den wir vergeben können, gut anstehen. Die Ehrenmitgliedschaft des Geschichts- und Heimatvereins Villingen ist kein Streugut, es wird behutsam mit ihr umgegangen.

Ich bin sicher, Du wirst deshalb die Ehrenmitgliedschaft des Geschichts- und Heimatvereins nicht verschmähen. Zu dieser Ernennung darf ich Dir auch die Glückwünsche des Herrn Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg übermitteln.

Lieber Werner,

ich darf Dir nun die Urkunde, die Dich zum Ehrenmitglied des Geschichts- und Heimatvereins macht, überreichen.

Äußeres Zeichen unseres Dankes ist dieses Bild, daß Du selbst mit ausgewählt hast. Es möge Dich an viele arbeitsreiche, aber sicher auch schöne Stunden Deiner Zeit als Erster Vorsitzender unseres Vereins erinnern.

Es wäre zu allgemein zu sagen, Werner Huger hat sich um den Geschichts- und Heimatverein verdient gemacht.

Ich möchte mit den Worten schließen:

Der Geschichts- und Heimatverein Villingen dankt Dir, der Geschichts- und Heimatverein Villingen zählt auch in Zukunft auf Dich.

Mein Damen und Herren, verehrte Frau Huger, liebe Paula,

all das, was Werner Huger für den Geschichts- und Heimatverein geleistet hat, die unzähligen Arbeitsstunden, die vielen Kilometer, die er abgefahren hat, das ganze Engagement wäre nicht möglich gewesen, ohne Dein Verständnis, Dein Zurückstehen in vielen Situationen.

Es scheint das Schicksal vieler Ehefrauen von im öffentlichen Leben engagierten Männern zu sein, Blumensträuße als Dank zu erhalten. Ich darf Dir als kleines Dankeschön ebendiesen überreichen, wir sind uns alle wohl bewußt, welch großartigen Beitrag Du für die Entwicklung des Geschichts- und Heimatvereins in den letzten Jahren geleistet hast. Herzlichen Dank.

Heimat in der Moderne

„Ich weiß, ich weiß: Heimat, das ist der Ort, wo sich der Blick von selbst näßt, wo das Gemüt zu brüten beginnt, wo Sprache durch ungenaues Gefühl ersetzt werden darf . . .“ Damit Sie mich nicht mißverstehen, lieber Martin Witt, ich gebe zu, daß dieses Wort in Verruf gekommen ist, daß es mißbraucht wurde, so schwerwiegend mißbraucht, daß man es heute kaum ohne Risiko aussprechen kann. Und ich sehe auch ein, daß es in einer Landschaft aus Zement nichts gilt, in den Beton-Silos, in den kalten Wohnhöhlen aus Fertigteilen, das alles zugestanden; wenn es schon so ist: was spricht denn gegen den Versuch, dieses Wort von seinen Belastungen zu befreien? Ihm seine Unbescholtenheit zurückzugeben?“

Aus: Siegfried Lenz, Heimatmuseum, München 1981, Seite 120.