Roter Adler – Schwarzer Adler (Gerhard Graf)

Wie kommt der Adler auf das Villinger Wappen?

1520 hatte Papst Leo X. der Annahme des Titels „Erwählter Römischer Kaiser“ durch den Habsburger Karl V. (*1500 †1558) zugestimmt. Dieser regierte von Spanien aus, wo er 1516 als Karl I. den Thron bestiegen hatte. Sein Bruder Ferdinand, Erzherzog von Österreich (*1503 †1564), erhielt von ihm vertraglich am 28. 04.1521 einen Teil seiner Herrschaft in den österreichischen Ländern. Im Vertrag von Brüssel am 07. 02.1522 wurde Ferdinand außerdem die Herrschaft über Oberitalien, Tirol und die Vorlande zugeschlagen.

In den Vorlanden (= Vorderösterreich) lag die Stadt Villingen. Somit war Ferdinand ihr Landesherr und die Villinger Bürger seine Untertanen geworden. Mit den Verträgen von 1521 und 1522 wurde praktisch die Teilung des habsburgischen Besitzes in eine spanische und eine österreichische Linie vollzogen. Der Machtwechsel erfolgte nicht ohne Reibungsverluste.

Erzherzog Ferdinand sah sich bei seinem Regierungsantritt in den österreichischen Ländern großen Schwierigkeiten gegenüber. Die Stände und politische Gegenspieler rebellierten.

Ferdinand griff hart durch. Aufständische Anführer wurden hingerichtet. Wechselseitiges Treueverhältnis, begründet auf der Huldigung der Untertanen und den Zusagen des Stadtherrn, bedurfte neben der Gewährung von Rechten und Erfüllung von Pflichten gelegentlich eines sichtbaren Zeichens der Huld des Landesherrn. Anlässlich des Reichstages in Regensburg kam es in einer Urkunde vom 10. August 1530 dazu.

Mit Brief, Siegel und eigenhändiger Unterschrift gewährte Ferdinand seiner „stat Vilingen und alle ir nachkommen in ewige zeit“ ein „verendert, gezirt und gepessert“ Wappen. Als Grund erfahren wir, dass „…zeither unsrer regirung, als nemlich in der gemainen aufruer und emperung im nächstverschinen fünfundzwaintzigsten jar (Anmerkung:

Bauernkrieg 1525) vergangen und dann seidther im zwispalt und missverstandt unsers hailigen, cristenlichen glaubens…“ die Stadt sich glaubensgetreu, beständig, untertänig, gehorsam und vorbildlich erwiesen habe.

Als äußeres Zeichen wurde nun vom Landesherrn dem bisherigen blau-silbernen Wappen neben Helmzier und „aufrecht am volkomner phawenswantz“ (Anmerkung: ein Wulst aufrecht stehender Pfauenfedern in natürlichen Farben) ein roter Adler, nach rechts gewendet mit goldenen Fängen, als Gunst hinzugefügt.

Es ist also der rote Adler einer Zuwendung des Landes- und Stadtherren für Verdienste und Solidarität der Bürger zu verdanken.

Die neue Wappenkombination wird als sogenanntes Gnadenwappen angesprochen. Ferdinand war zum Zeitpunkt seiner Wappenverleihung am 10. August 1530 noch Herzog von Österreich. Erst am 05. Januar 1531 wurde er in Köln zum römisch-deutschen König gewählt und sechs Tage später als Ferdinand I. in Aachen gekrönt. (1556 wurde er nach Abdankung seines Bruders Karl V. auch „Römischer Kaiser“.) Anfangs des 15. Jahrhunderts wurde der Doppeladler (zwei Köpfe) zum Wappentier des Kaisers und versinnbildlichte die übernationale Reichsidee. Der einköpfige Adler dagegen galt als Symbol des deutschen Königtums. Es war die von Kaiser Sigismund aus dem Hause Luxemburg (*1368 †1437) sanktionierte Auffassung, dass der Adler des Kaisers zwei Köpfe habe, der des künftigen Kaisers (König) dagegen sich mit einem Kopf zu begnügen habe. (Der römisch- deutsche Kaiser, der Habsburger Franz II., hat den Doppeladler in seiner Eigenschaft als zweifacher Kaiser, nämlich zusätzlich als Franz I. von Österreich, als Symbol der Kaiserwürde aus den Ruinen des verfallenden Reiches ins heutige Wappen der Republik Österreich, 1804/1806, hinübergerettet.) Die Adlersymbole des Königs und des Kaisers sind in der heraldischen Farbe Schwarz ausgeführt.

Wir finden den schwarzen Adler immer wieder in den heutigen Wappen einstiger reichsunmittelbarer Städte (Reichsstädte). Diese leisteten ihren Huldigungseid nur dem König bzw. Kaiser und zahlten ihm eine Reichssteuer. – Da Ferdinand zur Zeit der Wappenverleihung an seine Stadt Villingen weder König noch Kaiser war konnte er also nur ein Wappen seiner Herrschaft verleihen.

Es war aber nicht das österreichische Gesamtwappen der habsburgischen Gebiete: rot/weiß (silber)/rot sondern am Ort seines Regierungssitzes Innsbruck der mit dem Kopf nach rechts gewendete rote Adler der tiroler Linie des Hauses Habsburg.

So führen noch heute die Tiroler und, inzwischen als Nostalgie, die Villinger das ehemalige landesherrliche Wappen den roten Adler im Schilde.

Zusätzliche Literatur:

R. Reifenscheid, Die Habsburger in Lebensbildern, Verlag Styria

1982; einigkeit und recht und freiheit, nationale Symbole …‚ Herausgeber Bundeszentrale f. pol. Bildung, 1985.

Werner Huger, Erläuterungen zum Titelbild des Jahresheftes XII,

1987/88, Geschichtsund Heimatverein Villingen, Seite 1.