Wasserwerke in Villingen (Eugen Bode)

Mühlen, Sägewerke, Tuchwalken, Hammerwerk

Hartes Brot ist nicht hart – gar kein Brot ist hart! Dies war sicherlich der Grundgedanke, weswegen die Müller und Wirte draußen auf dem Lande im Mittelalter als die Wohlhabendsten und Einflußreichsten galten. So trifft dies auch in der Stadt Villingen zu. Hier lebten die Müller nach einem besonderen Recht, dem „Müller-recht“. Obwohl außerhalb der Stadt liegend, galten sie nicht als Ausbürger, sondern als Vollbürger, und der Boden der Villinger Mühlen wurde behandelt wie wenn er in der Stadt gelegen hätte, obwohl er bis zum 16. Jahrhundert unter der Gerichtsbarkeit der Grafen zu Fürstenberg stand. Die außerhalb der Stadt wohnenden Müller (Korn-, Öl-, Rinden- und Sägmüller) gehörten zu der bedeutenden Bäkkerzunft. Die gewöhnlichen Bürger durften damals nur im Mantel und Hut vor dem Rat der Stadt erscheinen, dem Müller war es allein gestattet, in seiner Arbeitskleidung, dem Sack unter dem Arm, vor den Rat zu treten.

Im Jahre 1358 erließ der Rat der Stadt eine Mühlenordnung, eine der ältesten des Landes; darin wird u. a. bestimmt, daß jede Mühle nur zwei Teilhaber haben darf. Jeder Müller und Mahlknecht mußte vor dem Mahlen schwören, nicht mehr zu nehmen, als ihren bestimmten Lohn; auch die Frau des Müllers mußte schwören. Damals bestand auch eine Aufsichtsbehörde. Zwei Beamte wurden am Tag der Sonnwende bestellt, sie mußten schwören, alle Verstöße gegen die Müllerordnung zu rügen, später heißen sie Zargenbesetzer. In der Mühlen-ordnung wird die Größe der Zargen festgelegt. Auch die Viehhaltung der Müller wird bestimmt. Eine Mühlenordnung vom 19.10.1680 verbietet den Müllern den Verkauf von Weißmehl und Grieß, sie verlangt, daß der Müller „gute Knechte anstelle und keine Roßbuben, die nur zum Schaden mit ander Leut gut umgehen“. Der Müller darf keine Mastschweine halten und nur ein Mutterschwein und zwei Schweine im Jahr. Vom Geflügel ist ihm erlaubt: ein Guller und zwölf Hennen, Gänse und Enten zu halten ist ihm verboten. Die Zahl des erlaubten Großviehs wird für jeden durch Protokoll festgelegt. „Wenn einer mehr Rosse hält als durch das Protokoll erlaubt, so muß er für jedes dieser Rosse zwei Kühe wegtun, zwei Schafe gelten für eine Kuh“. Immer wieder hatten die Müller gegen jene Beschränkung ihrer Viehhaltung angekämpft, die der Rat verfügt hatte.

Gegen die wachsenden Eingriffe des Rats wandten sich die Müller – 14 Meister und Knechte — durch ihren berühmt gewordenen Auszug nach Hüfingen am 6. Oktober 1522, weil sie sich, gegen eine Verordnung des Rates, der im Interesse der Kunden eine Einschränkung der Vieh- und Geflügelhaltung verlangte, wehrten. Der Chronist Heinrich Hug schildert uns anschaulich den Verlauf dieses Müllerstreikes. Da der Rat die vier Müller aus Oberndorf als Streikbrecher kommen ließ, so mußten sich die Müller unterwerfen. Sie wurden eingesperrt und mußten 2 Jahre die ansehnliche Summe von 200 fl. bezahlen. Daß der Rat nicht mit sich spaßen ließ, zeigen die im Stadtarchiv noch erhaltenen Urfedebriefe der Müller.

Während des 30jährigen Krieges wurden auch die außerhalb der Stadt liegenden Mühlen in Mitleidenschaft gezogen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurzer Streit zwischen Stadt und Müllern im Jahre 1522.

Auszug aus HEINRICH HUGS CHRONIK von 1495 bis 1533, herausgegeben 1883 von Dr. Christian Roder:

Ebenso auf St. Fidentag (6. Oktober), es war ein Zinstag, liefen früh am Morgen die Müller hier zu Villingen alle weg, Meister und Knecht; es waren 14 Meister, und sie meinten, mit ihrem bösen Benehmen einen Rat (Stadtrat) zu zwingen, wie sie wollten. Und sie zogen gen Hüfingen, da zehrten sie aus gemeinsamen Säckel. Deshalb schrieb der Rat denen von Oberndorf um Müller; diese schickten uns vier Müller, die uns mit Mehl versorgten. Also schrieb Herr Konrad von Schellenberg für die Müller und bat für sie, denn sie hatten ganz unredlich gehandelt. Darauf schrieb ihnen der Rat wieder hinaus nach Hüfingen: Wer sie geheißen hat hinweggehen, der solle sie auch wieder kommen heißen!

So waren die Müller 18 Tage lang mit großen Kosten in Hüfingen, sie Verzehrten 40 Gulden. Da schrieb Herr Konrad von Schellenberg ein Bittschreiben für sie, darauf schrieb ein Rat ihm wieder hinaus: Sofern die Müller allgemein in eines ehrsamen Rates Strafe gingen, so wollte der Rat sie bürgerlich bestrafen. Und so kamen sie an St. Simon und Juda abends (27. Oktober), es war an einem Samstag, her.

Da versammelte sich der Rat und hieß sie ihre Degen auf den Tisch im Rathaus zu legen. Das taten sie und ihrer 4 wurden in das Bickenkefid (Kefid=Käfig= Gefängnis), 4 in das Oberkeffid und 4 in das Niederkefid gelegt; und 2 waren noch nicht hier, die kamen auch noch hinein.

Und morgens auf den Sonntag auf Simon und Juda hatten die Armbrustschützen ein Gesellenschießen ausschreiben lassen mit den Eibenholzgewehren, allenthalben bei unsern Nachbarn. Da kam Graf Friedrich von Fürstenberg, Junker Burkhart von Schellenberg, der von Buch, Jos Minch und sonst viel edle Leute, desgleichen von Rottweil, von Hausach, von Wolfach und andern Städten. Man gab allen Schützen, die schossen, und es war eine ehrlich, fröhliche Gesellschaft mit Spielen, mit Tanzen und mit allen Freuden und der Rat gab ein Geschenk frei, 3 Ellen weißes und rotes Linnen – Tuch an die Schützen. So kam das Beste (= der Gewinn) nach Geisingen.

Und morgens am Montag (27. Oktober) lud man früh zum Rat; es erschienen alle Frauen der Müller vor dem Rat, baten für ihre Männer, ebenso baten Graf Friedrich und die andern Edelleute für die Müller. Da wurde der Rat rätlich (= der Rat hat getagt) und legte den Müllern allgemein eine Strafe auf, sodaß sie versprechen mußten, dem Rat für ihren Weggang zweihundert Gulden in 2 Jahren zu geben.

Am 17. September 1638 war eine der südlich der Stadt gelegenen Mühlen (unteren Mühlen) Zeuge eines glänzenden Schauspiels. Der kaiserliche General Graf Götz hielt eine Heerschau ab auf einem der Stadt benachbarten Hügel, darauf fand in einer der Mühlen ein Frühstück statt, an dem u. a. die Grafen Wratislaus und Albrecht zu Fürstenberg und der Oberst von Leyen teilnahmen. Auch der Stadtrat war zur Begrüßung erschienen, ebenso der Großprior des Johanniterordens Hermann von Thann und der Abt Gaiser, auch der Oberst Schauenburg, der Vorgesetzte und Gönner Grimmelshausens, des Dichters des Simplizissimus.

Ebenso wichtig wie die Mühlenordnung war die Wasserordnung, diese war bei der Vielzahl der Wasserwerke entlang der Brigach notwendig. Die älteste bekannte Wasserordnung wurde im Jahre 1547 vom Rat der Stadt erlassen. In der Wasserordnung von 1681 wurden auf der Gemarkung 23 Wasserwerke gezählt. Die Wasserordnung von 1447 enthält schon genaue Vorschriften für die Wasserweitergabe vom obersten Werk bis zum untersten. Auch die Eichmarken wurden festgelegt und jährlich kontrolliert. In besonders trockenen Sommern führten die Bäche häufig nicht genug Wasser, und es entstand durch Wassermangel ein zusätzliches Gefahrenmoment. In solchen Fällen setzte der Rat kurzerhand die oberhalb der Stadt liegenden Mühlen still und leitete das Wasser in die Stadt um.

1719: „Wegen Wassermangel in der Stadt wird den oberen Müllern mitgeteilt, daß man das Wasser allein in die Stadt lassen, da wegen 6 Müller die ganze Stadt in Gefahr sei“.

1766: Nach langer Trockenheit lagen die Bäche in der Stadt trocken und damit bestand große Gefahr bei einem Brand. Es wurde daher angeordnet, das Wasser, das über die oberen Mühlen lief, in die Stadt zu leiten. Im Dezember wurden die betroffen Müller aber vorstellig:

„Lassen bittlich anhalten, dieweilen das Wasser sich in etwas gebessert, ihnen auf ihren Mühlgang das Wasser wieder angedeihen zu lassen, solle zunächst ein Augenschein vorgenommen werden“ (Rodenwaldt Band I).

Plan von Villingen (1836) mit den damaligen Mühlen außerhalb der Stadt.

 

Ausschnitt aus einer geologischen Karte von 1898, in der die Wasserwerke und Mühlen, die in diesem Bericht beschrieben werden, mit Zahlen markiert sind. Lediglich die Tuchfabrik Dold 1), die Groppermühle 2) und die Mühle im hinteren Wieselsbachtal 25) sind nicht berücksichtigt, da sie außerhalb dieses Kartenausschnittes liegen. 3) Walke (Walkmühle an der oberen Brigach), 4) Feldnermühle, 5) Unterer Hammer, 6) Rindenmühle, 7) Vitmühle, 8)Oberle’s Mühle, 9) Rothe Mühle, 10))Breite Mühle, 11) Langmühle, 12) Spitalmühle, 13) Vickersmühle, 14) Lumpenmühle, 15) Weissmühle, 16) Schleife, 17) Dietriechsmühle, 18) Bickenmühle, 19) Schramberger Mühle, 20) Pulverlis Mühle, 21) Herrenmühle, 22) Kuthmühle, 23) Ölmühle, 24) Marbacher Mühle, 26) Schleife, 27) Säge bei der Schleife, 28) Säge beim Viehhof, 29) Niedere Grabenmühle.

 

1.) Dem Lauf der Kirnach beginnend bei der Tuchfabrik Dold, bei der Ruine Kirneck:

Aus den Ratsprotokollen: 1851. Die Tuchfabrikanten Dold & Maier beabsichtigen, im Unterkirnachtal in der Nähe des sog. Schusterhäusles, eine Wollspinnerei zu errichten. 1864: Antrag zum Neubau eines Spinnereigebäudes im Kirnachtal. Der Gemeinderat habe hierzu nichts einzuwenden. 1882: Die Firma Dold setzt die Tuchfabrik am oberen Wasser mit 10 PS Wasserkraft und die Spinnerei bei der Ruine Kirneck mit 12 PS Wasserkraft zum Verkauf aus. 1904 wurde die Fabrik zum Burghotel umgebaut, später Kloster Maria Tann, heute Über- und Aussiedler-Unterkunft. Oberhalb Maria Tann eigenes Kraftwerk der Gemeinde Unterkirnach zur zusätzlichen Stromversorgung der Gemeinde.

2.) Groppermühle, heute Steinbruch mit Schotterwerk.

3.) Walke, 1542 ob der Walken, 1823 bey der Walke. Ehemalige Tuchwalke (Walkmühle) an der oberen Brigach. Diese Tuchwalke wurde 1830 zu einem Hammerwerk umgebaut und von Osiander und Schönecker betrieben, ist Ende 1870 eingegangen. Eine Zeitlang wurde hier eine Lumpenzerreißmaschine betrieben, dann wurde das Hauptgebäude zum Hotel Kirneck umgebaut. In den 1880er Jahren sollte dort eine Telegra-phenstangenbeize errichtet werden durch Graf v. Kastex, aber die Sache wurde, weil man eine Vergiftung des Fischwassers befürchtete, verboten. Um die Jahrhundertwende wurde im Nebengebäude ein elektr. Kraftwerk eingebaut. Von hier aus wurde außer dem Hotel Kirneck auch das Waldhotel mit elektr. Strom versorgt. Dieses elektr. Kraftwerk bestand noch nach dem zweiten Weltkrieg. Im Jahre 1907 auch Lieferung in das städt. Stromnetz, ca. 25 kW, mietweise von Fabrikant Säger.

 

Farbpostkarte aus dem Jahre 1907

 

4.) Feldnermühle, früher oberer Hammer.

1335 erbaut, 1806 noch oberer Hammer von Osiander und Schönstein, später Kunstmühle, zuletzt von Familie Feldner, 1905 Anschluß des Waldhotels an das städt. E-Werk. „Es soll dem Mühlenbesitzer Feldner für das nächste Jahr für die Lichtlieferung für das Waldhotel eine Garantiesumme von 1500 Mark geboten werden, falls im nächsten Jahr das städt. Werk in Betrieb gesetzt wird“.

5.) Unterer Hammer, zuletzt Hotel Waldblick beim Kurgarten, heute abgebrochen.

Zwei Fotos von der ehemaligen Rindenmühle. Auf dem oberen Bild sieht man an den Dachluken einen Seilzug zum Antrieb landwirtschaftlicher Geräte im Ökonomiegebäude.

 

6.) Rindenmühle

1611-1860 Rindenmühle der Rotgerberzunft, ab 1860 Getreidemühle, heute Inhaber Franz Weißer, Mühle am Kneippbad.

7.) Bei der Vitmühle, 1783 St. Veit, 1806 Veitmühle, 1876 abgebrannt, heute J. Burger, Seb.-Kneipp-Str. 1.

8.) Oberle’s Mühle, später Waldmühle, benannt nach den ehemaligen Besitzern der Mühle, der Familie Oberle.

In den Ratsprotokollen 1783 lesen wir: „Beschwerde der Müller, daß der Müller Baptist Oberle einen Knecht halte, der nicht Müllerge-sell sei, aber trotzdem einen Müllerschurz trage …, auch hat der Knecht, wenn er in die Stadt fährt, keinen Müllerschurz zu tragen.“ Übrigens kann Oberle seinen Knecht zu allen Geschäften brauchen, wie er ihn tauglich findet. 1811 heiratet Joh. Bapt. B. Oberle Maria Agathe Riegger, Tochter des Joh. Nep. Riegger, Herrenmüller. Fischer nennt 1914 ’s Müllerjörglesmühle, dann Parkhotel, später SABA.

9.) Rothe Mühle

1322 Mühle am Gewerbekanal oberhalb der Stadt. 1839 abgebrannt und 1843 als Tuchfabrik Dold wieder aufgebaut. Nach Bader hieß die Rothe Mühle im 15. und 16. Jahrhundert Ziegelmühle. Die Ziegelmühle paßt jedoch auch auf die Oberles Mühle. Im Adreßbuch von 1884: Leo Oberle, Mühlebesitzer, Oberwasser 605, Hermann Oberle, Müller, Oberwasser 609. 1902: Hermann Oberle zur Waldmühle, Waldstr. 28. Nach einer Karte von 1836 ist die rote Mühle die Franksche Mühle. Nach der Chronik der Kuthmühle ist deren Lehensherr die Johanniter-Kommende.

10.) Breitemühle

1630 Mühle am Gewerbekanal. Wohl so genannt nach der breithingelagerten Form des Gebäudes, des mächtigen Giebels, nach der Stadt zugekehrt. 1364 unter dem Namen „Willersbacher Müli“ nach dem Herrengeschlecht der Willersbach. Ein Heinrich de Willersbach erscheint in einer Urkunde vom 28. Januar 1244.

Die Weilersbacher Mühle hatte auch lange vor 1364 schon bestanden. In den Villinger Stadtrechten wird erwähnt, „das fünfzig ehrbare Männer darüber vernommen wurden, wie von alters her das Wasser in die Stadt geleitet wurde: um das Wasser zu Villingen, wie es gau soll und sich in die Gassen tailen soll“. Nach deren Aussage wurde einstimmig beschlossen und am 16. Oktober 1364 verordnet:

„Die Brigach soll sich unterhalb der Willersbach Muli (das ist die Breitemühle) teilen, und zwar so, das der besser Teil des Wassers gang durch die Star.

Jeder Müller mußte schwören, daß der bei einem Brand in der Stadt sogleich das Wehr so stellen werde, daß alles Wasser in die Stadt fließt. „Wanne er erst höre die sturmlüten von fures wegen, da er denne den Dilen unverzoglich fur tug und das waßer, das neben der stat abgat, wise in die stat ane geverde“.

1971 wurde die Mühle abgebrochen. Heute an derselben Stelle Wohn- und Bürogebäude der Familienheim Schwarzwald-Baar-Heuberg eG. Pontarlierstr. 9.

Farbpostkarte aus dem Jahre 1902

 

Die Abbildung ist für die meisten älteren Villinger ein noch vertrautes Bild: Das wuchtige Gebäude der „Breiten Mühle“, entlang der Waldstraße, mit dem geheimnisumwitterten „Male“ direkt unter dem Dachfirst.

11.)Langmühle

1892 abgebrannt, soll ein langes Gebäude gewesen sein und daher den Namen bekommen haben. Letzter Müller: Christian Fleig, Oberwasser 623. Heute an derselben Stelle Sägewerk Beha.

12.)Spitalmühle

1363 Mühle vor dem Riettor. 1634 Spitalmühle (Abt-Gaiser-Tagebuch) bis zum Jahre 1879 Mühle am Gewerbekanal; in diesem Jahr verlegte der Säger Storz sein Sägewerk am Warenbach bei der Schleifekapelle in die von ihm erworbene Spitalmühle. Das Anwesen gehörte ursprünglich dem Kloster Tennenbach und ging später in den Besitz des Heilig-Geist-Spitals über. 1884 Leo Storz, Sägemühlebesitzer, Oberwasser 602, 1902 Leo Storz, Sägewerk, Westliche Ringstraße 13.

 

 

Der „Säge-Storz“ vor dem Riettor. Unübersehbar stand er am Anfang der Weststadt. Ende der 60er-Jahre wurde das Gebäude abgerissen. Ein Einkaufsmarkt das ZK etablierte sich dort, aber nicht für lange Zeit. Heute steht auf diesem Platz der moderne Komplex der Villinger Volksbank.

 

Das Foto aus dem Jahre 1913 zeigt die Tormühle. In dem niederen Vorbau befand sich die Radkammer, über den damals noch offenen Sägebach. Die Fußgänger-Durchbrüche beim Riettor entstanden erst 1924.

 

13.) Vickersmühle, Tormühle

„1390 die batstub vor riettair ist des spitals, Nachschrift etwa 1500 ist jetzt ain mili“.

Zwischen innerer und äußerer Stadtmauer vor dem Riettor am Gewerbekanal. Einst Badstube, später Mühle, zuletzt nach dem Besitzer Vickersmühle genannt. Als Mühle schon lange außer Betrieb. Heute Bäckerei Leute.

14.) Lumpenmühle

1595 stand an der heutigen Forsthausstraße hinter dem Städt. Forstamt bis nach dem 1. Weltkrieg Stuhlfabrik Wilhelm Rinkwald. Heute Digital-Kienzle.

15.) Weissmühle

Müllerbaptists Mühle, später Hammerwerk Laun. Dann Kienzle Apparate bzw. Mannesmann-Kienzle, heute Digital-Kienzle.

16.) Schleife

1631 nach Abt Gaiser, ehemalige Metallschleiferei am Krebsgraben, dann landwirtschaftliches Anwesen, heute Maurer, Neuwiesenweg.

17.) Dietrichs Mühle

Stegmühle, auch Volmers Mühle.

Lage nicht mehr genau festzustellen. Die meisten Mühlen in und außerhalb der Stadt wechselten im Laufe der Jahrhunderte ständig ihre Bezeichnungen. Die Identifizierung vieler Mühlennamen, die in alten Urkunden erwähnt werden, ist infolgedessen sehr schwierig.

1372 „ob der statt zu Villingen, bi der muli zu dem stege

1473 stegmuli vor dem tore, früher volmars muli 1516 steegmuly“

Vor dem Tore am Gewerbekanal stand eine Mühle, heute Binder-Magnete, die im Laufe der Jahre mehrmals ihren Namen wechselte. Zuletzt hieß sie Dieterles Mühle. Als Sägewerk brannte sie in den 1880er Jahren ab und wurde als Orchestrionfabrik (Hirt) wieder aufgebaut. Nach H. Maier identisch mit Volmars- und Stegmühle, auch Frankenmühle, vielleicht auch identisch mit der Schleife am Krebsgraben.

18.) Bickenmühle

1364 bickenmuli Mühle an der Brigach, nordöstlich vom Bickentor, am Fuße des Bicken-bergs, 1806 auch ’s Georgesemuli genannt, später Steimersmühle. Als Steimer’sche Mühle anfangs des 20. Jahrhunderts bei der Anlage der Friedrichstraße abgebrochen. Etwa an dieser Stelle Firma Wursthorn.

Im Adreßbuch 1884 Markus Steimer, östliche Vorstadt 631.

19.) Schramberger Mühle

auch Hillismühle, nach Fischer, Pius Mühle 1732 auch Siechenmühle. Lag am Lauf der Brigach, etwa am südlichen Ende der Luisen-straße, heute Bahnhofstr. 10, Polizeirevier.

20.) Pulverlis Mühle, später Schallersmühle 1806 Pulverlismühle. Mühle südlich der Stadt. Pulverlis ist ein Beiname für ein Villinger Geschlecht namens Ummenhofer (1736 der sog. Pulverle) von welchen um diese Zeit wahrscheinlich einer auf der Mühle saß. Die Mühle wechselte öfters ihren Namen. In den 1880er Jahren befand sich eine Wattefabrik darin, später wurde sie Städtisches Armenhaus. 1908 abgerissen und an ihrer Stelle der Städt. Schlachthof erbaut.

Herrenmühle vor dem Brand von 1926

 

21.) Herrenmühle

1656 Pächter Georg Oberle

1698 an Johannes Riegger verliehen

1736 an Joseph Riegger für 1 Jahr verliehen 1736 wird vom Rat der Stadt dem bisherigen Beständer Joseph Riegger die „Mart“-Mühle wieder für 1 Jahr verliehen, in Ansehung dessen, daß er die Mühle namhaft verbessert und die vergessenen Kriegsjahre hindurch große Kosten erlitten und die um die alten Bestand Schilling. NB. Joseph Riegger ist der Sohn des Johannes Riegger. Vermerk Stadt-Archiv: Herrenmühle vermutlich nach dem ursprüng. Stadtherren und Besitzer der Warenburg-Herrschaft Warenburg, zuletzt in den Händen derer von Tierberg, dann städtisch. Letzter Herrenmüller Albert Julius Riegger 1890.

 

Kuthmühle, Hochwasser im Januar 1910

 

Das Hauptgebäude der Herrenmühle heute

22.) Kuthmühle

In der Wasserordnung 1547 erstmals genannt, unter Valentin Allgaier, vor dem im Besitz derer von Tannheim, die Mühle hieß lange Jahrhunderte Eschinger Mühle, also im Besitze des Edelgeschlechts derer von Eschingen, also des einstigen Ortsadels von Donaueschingen, von dem auch ein Zweig in Villingen seßhaft war. 1368 im Güterverzeichnis des Klosters Tennenbach erstmals genannt, danach im Besitz derer von Tannheim. 1760-1844 im Besitz der Familie Kuth, daher der Name Kuthmühle. Am 21.3.1844 erwirbt der Ochsenwirt Xaver Riegger die Mühle, für seinen Bruder Karl Riegger. Seitdem im Besitz der Familie Riegger.

23.) Ölmühle

1763 sog. Ehlmühle

Unterste Mühle auf der Gemarkung Villingen an der Brigach, auch Schätzles Mühle genannt. 1516 Unterste Mühle, 1538 Schätzlis Mühle seit 1871 im Besitz der Familie Riegger, Karl Christoph Riegger, Ölmüller.

Aus der Chronik der Kuthmühle: 1871 kauft Kasel Riegger aus der Bommerschen Gantmasse die Ölmühle und führt die Mühle weiter. Die Kuthmühle übergibt er seinem ältesten Sohn

Peregrim. Die Ölmühle übernimmt sein Sohn Carl Friedrich 1883, dessen Sohn aus zweiter Ehe Richard übernimmt nach seinem Tod 1918 als letzter Ölmüller die Mühle. Ende des 18. Jahrhunderts bis Anfang des 19. Jhts. war die Mühle im Besitz der Familie Ackermann.

24.) Marbacher Mühle

Dem Lauf der Brigach folgend kommt die Marbacher Mühle 1480 Erblehengut des Klosters St. Blasien, Besitzerin und Nutznießerin der Mühle war die Stadt Villingen, die die Mühle nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg 1662 wieder aufgebaut hatte. Die Stadt hatte das Mühlgut an einen Beständer verpachtet, das war seit 1711 Johannes Riegger.

Nach dem österreichischen Erbfolgekrieg wollte die Stadt die Mühle verkaufen, jedoch machte der Abt von St. Georgen, der die Lehensherr-lichkeit der Mühle 1734 von St. Blasien gekauft hatte, von seinem Zugrecht Gebrauch und brachte die Mühle in seinen Besitz. Noch 1769 versuchte die Stadt, die Mühle wieder in ihren Besitz zu erlangen.

25.)Dem Laufe des Wieselsbachs bzw. Warenbachs folgend stand beim sog. Viehhof im hinteren Wieselsbachtal eine Siedlung, darunter befand sich auch eine Mühle. Nach ihr ist auch das Waldgewann „Mühlerin“ bezeichnet. Von der ganzen Siedlung steht nur noch der sogenannte Viehhof.

Olmühle

 

26.) Schleife „1417 Warenbach bi der Schlifimühle“

1516 wird die Schlifimühle am Warenbach verkauft. Ehemalige Metallschleiferi durch Wasserkraft (Warenbach) getrieben. Der Betrieb wurde 1895 eingestellt. Nach einer Anzeige im Nachtrag zum Adreßbuch von 1902 bestand die Schleife damals noch.

27.) Säge bei der Schleife 1630 bei dem neuen „Weyer“

Die Säge wurde 1879 abgebrochen und in die Stadt unmittelbar vor das Riettor an der Stelle der ehemaligen Spitalmühle verlegt. (Sägewerk Storz) heute Volksbank.

28.) Sägewerk beim Viehhof

Unterhalb des Walkebucks ehemaliger Viehhof, dann Tuckwalke, später Mühle und zuletzt Sägewerk, dieses brannte im Jahre 1909 ab. Nach dem Brand entstand an dieser Stelle ein Bauernhof, heute Wiese. Im Adreßbuch 1889: Josef Beha, Sägemühlebesitzer, Viehof 667.

29.) Niedere Grabenmühle

1508 „nieder graben muli, 1605 grabenmühle.

Diese Mühle stand zwischen innerer und äußerer Stadtmauer am Ausgang der Gerbergasse und wurde durch den Gerberbach betrieben. Vielleicht identisch mit Eugensmühle nach Roden-waldt B. II. 1858 Auffüllung und Planierung des inneren und äußeren Stadtgrabens durch den Abbruch der Füllung bei der ehemaligen Eugensmühle.

Weitere Bezeichnungen

Ziegelmühle, Vogtmühle 1336, eine der drei unteren Mühlen (Herren-, Kuth- oder Ölmühle), Sauremühle „1630 bey der sauren Mile“ Ruedismühle 1630, Hans Flecken Mühle 1685, Kunstmühle. Der Name Kunstmühle ist häufig und bezeichnet eine auf eigene Rechnung mahlende und verkaufende Mühle.

Quellen:

H. Maier: „Die Flumamen der Stadt Villingen“

Dr. Häßler: „Die Breitenmühle und das Geschlecht der Riegger“

Badische Zeitung v. 12.8.1966

A. Fischer: „Aus Villingens Vergangenheit“

Prof. P. Revellio: „Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen“

Rodenwaldt B I und B II: „Das Leben im alten Villingen“

„Chronik der Kuthmühle“ Verfasser unbekannt