Das Dominikanermuseum Rottweil (Dr. Winfried Hecht)

Am 24. Januar 1992 wurde das Dominikaner-museum Rottweil als Zweigmuseum des Württembergischen Landesmuseums eingeweiht. Im historischen Stadtkern der alten Reichsstadt öffnete damit nach dem Stadtmuseum, der Kunstsammlung Lorenzkapelle und dem Salinenmuseum Unteres Bohrhaus ein viertes Museum seine Tore. Darüber hinaus erhielt die regionale Kulturlandschaft Schwarzwald-Baar-Heuberg einen neuen, unübersehbaren Akzent, dessen Wertigkeit in seinem Rang als Zweigmuseum des Stuttgarter Landesmuseums zum Ausdruck kommt. Seinen Namen erhielt das neue Haus nach dem Rottweiler Dominikanerkloster, an dessen Platz es gebaut wurde, aber ebenso unter Berücksichtigung der verdienstvollen kulturellen Arbeit, welche hier die Söhne des hl. Dominikus im Sinne eines weltoffenen christlichen Humanismus über Jahrhunderte für Rottweil und das Einzugsgebiet der Stadt geleistet hatten. Eine Rolle spielten auch die Bezeichnungen vergleichbarer Museen in Freiburg i. Br., in Schwäbisch Gmünd oder Villingen mit dem Franziskanermuseum.

Die Vorgeschichte

Das 1266 gegründete Dominikanerkloster Rottweil, das beispielsweise nachweislich schon 1303 eine Ordenshochschule (studium) in seinen Mauern beherbergte, wo man im Stil Meisters Eckarts, Taulers oder Seuses dachte, schrieb und predigte, wo ebenso die Seelsorge für Randgruppen der Stadt wie die auswärtigen Gesellen selbstverständlich war, wo aber auch die Rottweiler Fasnet immer ihren Platz hatte, wurde 1802 vom württembergischen Staat säkularisiert. Die beachtliche barocke Kirche des Klosters gelangte an die neu entstandene evangelische Gemeinde und entging so dem möglichen Abriß, als man ihren „Zopfstil“ noch nicht ganz so großartig fand wie heute. Die Konventsbauten dienten im 19. Jahrhundert zunächst als Kaserne, dann als Schulhaus und wurden 1972 etwas vorschnell vollends abgebrochen. Damit hatte man einen zentral gelegenen, traditionsreichen Bauplatz, denn als Parcplatz war er auf die Dauer doch wohl zu gut. Seit langem gab es in Rottweil museale Ambitionen. Immerhin fand noch unter reichsstädtischen Vorzeichen 1784 im Bereich von Arae Flaviae, der römischen Vorgängerstadt Rottweils, eine erste, übrigens erfolgreiche Ausgrabung statt, die zumindest damaligen wissenschaftlichen Ansprüchen genügte. 1831 wurde der Rottweiler Geschichts- und Altertumsverein gegründet, der es sich zur Aufgabe machte, römische „Alterthümer“ nicht nur planmäßig auszugraben, sondern der Öffentlichkeit auch in einem Museum zu zeigen. Auch wenn man schon früh das prachtvolle Orpheus-Mosaik entdeckte, so reichte es aus vielerlei Gründen nicht zu mehr als einem Saal des Alten Gymnasiums in Rottweil, um derartige Kostbarkeiten zu präsentieren. Daran konnte auch der württembergische Kronprinz als Ehrenpräsident des Geschichtsvereins nichts ändern. Immerhin gab es mit ihm erstmals einen „Draht“ nach Stuttgart, der danach immer wieder eine Rolle spielen sollte.

1851 erhielt die Stadt Rottweil von König Wilhelm L von Württemberg die Sammlung Dursch. Ihre spätgotischen Holzbildwerke und Tafelmalereien hatte der Rottweiler Dekan, Kirchenrat Dr. Georg Martin von Dursch, zusammengetragen und beabsichtigte, sie zu veräußern, worauf wieder über die Schiene des örtlichen Geschichtsvereins Stuttgart mit Erfolg aktiviert wurde. Der König erwarb die Sammlung mit privaten Mitteln vergleichsweise preisgünstig und schenkte sie der Stadt Rottweil. Vermutlich wollte er gegenüber den Rottweilern so das eine oder andere wieder’gutmachen, was die Rottweiler in den Revolutionsjahren von 1848 und 1849 zu radikalen Demokraten hatte werden lassen, die auf ihrem Marktplatz die deutsche Republik ausgerufen hatten. Jedenfalls wurde die Sammlung des Kirchenrats Dursch 1851 in der ehemaligen Friedhofskirche von St. Lorenz, einem stilvollen, überaus reizvoll gelegenen Gotteshaus aus dem späten 16. Jahrhundert aufgestellt, und Dursch hat sie dort bis zu seinem Tod 1881 als Kustos betreut. Allerdings waren die etwa 150 Holzplastiken und 25 Altarbilder in der Kapelle damals notgedrungen so beengt aufgestellt, daß man ihre Unterbringung von Anfang an als Provisorium betrachtete. Nicht nur Alt- und Kunsthistoriker haben noch im 19. Jahrhundert immer wieder das Ziel angesprochen, die Schätze der Sammlung Dursch und ebenso die Funde aus der Römerstadt Arae Flaviae sachgerecht und würdig unterzubringen, was nichts anderes bedeutete als ihrem nicht nur lokalen, sondern deutlich überregionalen Rang entsprechend. Diese Zielvorgabe wurde auch früh in die Rottweiler Kommunalpolitik aufgenommen und hat die Entwicklung der Stadt in der Folge begleitet — oft sehr im Hintergrund, aber immer zumindest ein wenig gegenwärtig.

Die Römerfunde wurden 1884 in der „Altertumshalle“, an der oberen Hauptstraße verbessert untergebracht. Um diese Museumsabteilung entwickelte sich das heutige Stadtmuseum, das auch die Reichsstadt und ihre Kultur, beispielsweise mit der Fasnet, darstellen sollte. Für die Sammlung Dursch wollte man 1912 eine Art Kreuzgang an die Lorenzkapelle anbauen, um ihre Kunstwerke etwas großzügiger vorstellen zu können. Aus diesem Vorhaben wurde nichts, denn der 1. Weltkrieg und die Not der Inflationsjahre setzten andere Prioritäten. Danach erbte Rottweil die Villa des Pulverfabrikanten Duttenhofer ausdrücklich für eine museale Nutzung, aber das qualitätsvolle wilhelminische Gebäude im kleinen Park jenseits der Hochbrücke erwies sich für eine entsprechende Nutzung als ungeeignet und zu klein. Bald interessierten sich für dieses Haus auch andere, denen in der Folge Kanonen wichtiger als Museen waren: Die Kreisleitung der NSDAP richtete sich in der Villa Duttenhofer ein.

Die Planung des neuen Museums

Nach der 800-Jahrfeier der Stadt Rottweil kam das Thema „Museumsneubau“ seit 1950 wieder auf die Tagesordnung, immer wieder angestoßen vom Rottweiler Geschichts- und Altertumsverein sowie vom langjährigen Kustos der Sammlung Dursch, Willi Stähle. Als erster Erfolg dieser Bemühungen wurde 1965 der Entwurf zu einem Museumsbau hinter der Predigerkirche von Professor Manfred Lembruck vorgelegt, der freilich den nicht einfachen, anspruchsvollen städtebaulichen Gegebenheiten des Baugeländes nur unzureichend Rechnung trug. 1968 gründeten die Rottweiler einen Förderverein, der in wenigen Jahren immerhin 100000 DM zusammentrug. Entscheidend wurde jedoch, daß es damals unter Vermittlung des amerikanischen Kunsterziehers Professor Dr. Henry Schaefer-Simmern gelang, die baden-württembergische Landesregierung für das Rottweiler Anliegen zu gewinnen, welches danach von Ministerpräsident Filbinger und Finanzminister Robert Gleichauf, der den Wahlkreis Rottweil im Stuttgarter Landtag vertrat, nachhaltig gefördert wurde. Schon damals spielte in der Diskussion der Gedanke eine Rolle, das künftige Museum zu einem Kulturzentrum auszuweiten.

Eigentlich unerwartet erhielt das Rottweiler Museumsprojekt 1971 nachhaltigen Auftrieb durch die vorübergehende Schließung der Kunstsammlung Lorenzkapelle, die erst 1977 und dann auch nur mit stark reduziertem Ausstellungsprogramm wiedereröffnet wurde. Ein Jahr später legte sich der Rottweiler Gemeinderat in der Standortfrage für das neue Museum endgültig fest und nahm den Vorschlag der baden-württembergischen Landesregierung an, das Museum als Zweigmuseum des Württembergischen Landesmuseums einzurichten. 1979 wurde der Wettbewerb für das Museum ausgelobt, aus dem der aus Österreich stammende, in Karlsruhe arbeitende Architekt Gerhard Assem erfolgreich hervorging; Assem plante und führte auch die Erweiterung des Pfälzer Landesmuseums in Speyer durch, das zuletzt die große Salier-Ausstellung gesehen hat.

Inzwischen hatten Land und Stadt 1980 die Verträge über die Grundstücksinvestitionen, die Leihe der Exponate und den Museumsbetrieb geschlossen. Die Stadt hatte das Grundstück und die Exponate einzubringen. Die Baukosten sollten zu zwei Fünfteln von der Stadt, zu drei Fünfteln vom Land aufgebracht werden. Der Betrieb des Museums sollte Sache der Stadt werden, die konservatorische Betreuung der wertvollen Ausstellungsstücke beim Landesmuseum liegen. Natürlich gab es gegen diese Regelungen auch in Rottweil Widerstand, und mancher hoffte, das Vorhaben käme im Landeshaushalt nie über den anfänglichen Null-Titel hinaus. Unerschütterlich zu ihm standen der Oberbürgermeister und die Rathausfraktionen der CDU und der SPD.

1986 gelang der Durchbruch, als die Stadt ihren Finanzierungsanteil mit Hilfe des Bundes und des Landes sicherstellte. Von Gesamtkosten von gut 20 Mio. DM hatte sie etwa 5,5 Mio. zu tragen, sicher eine schwere Last angesichts der notorischen Finanzschwäche der Stadt Rottweil und der vielen sonstigen Aufgaben, deren Bewältigung von ihr zurecht erwartet wird.

Das neue Museum wird gebaut

Ansicht des neuen Dominikanermuseums in Rottweil

 

Im Sommer 1987 begann der Bau am Museum, den die Stadt bereits 1985 genehmigt hatte. Bald zeigten sich im Baugrund die frühen archäologischen Spuren des Rottweiler Predigerkonvents, einerseits nicht nur von Denkmalpflege und Stadtgeschichtsforschung freudig notiert, aber auch bauseits eher erschrocken zur Kenntnis genommen. Beide Seiten kamen jedoch letztlich mit erträglichen Verzögerungen aneinander vorbei. Es entstand ein Baukörper als geistvolle Interpretation der Idee des vormaligen U-förmigen Konvents der Dominikaner, der Rücksicht auf die stadtbildlichen Gegebenheiten nimmt, ohne sich anzupassen, der mit Eigenwert im Blickzusammenhang mit der Predigerkirche steht, aber in keiner Weise versucht, sich gegen die barocke Kirche durchzusetzen, ein Bau, der eher nach innen orientiert ist, um seine Aufgabe erfüllen zu können —sachgerecht und würdig, wie es nun schon seit Generationen nicht nur in Rottweil erwartet wurde.

Inzwischen ist das Dominikanermuseum eröffnet und bereits jetzt haben mehr als 10000 zahlende Besucher seine drei Abteilungen besichtigt. Erste Erfahrungen 1iegen vor, es wird deutlicher, wo die Stärken und die Schwächen des neuen Hauses liegen. Museums- und sicherheitstechnisch wurde sicher das Beste geboten, was möglich war. Andererseits ist die personelle Ausstattung eher knapp. Einen museumspädagogischen Dienst gibt es bisher nicht, statt dessen wurde aus ehrenamtlichen Kräften eine Gruppe von etwa zwei Dutzend Interessierten aufgebaut, welche im Museum führen können und bisher etwa 130 Führungen gehalten haben.

 

Das künstlerisch bedeutsamste Ausstellungsstück in der Abteilung „Arae Flaviae“ ist das Orpheus-Mosaik, das schon im 19. Jahrundert ausgegraben wurde.

Einen Vorteil bedeutet ohne Frage die enge Verbindung mit dem Württembergischen Lan-desmuseum. Mit ihr haben sich finanziell und technisch Möglichkeiten der Restaurierung des Museumsgutes aufgetan, an welche die Stadt Rottweil zuvor kaum denken konnte. Natürlich können vor dem gleichen Hintergrund jetzt auch leicht zusammengehörige Exponate gemeinsam ausgestellt werden, die zuvor aus ihrem Zusammenhang genommen in den Rottweiler Magazinen oder jenen der Landesmuseen standen. Schließlich bieten sich der Museumswerbung über den Apparat des Württembergischen Lan-desmuseums verbesserte Chancen.

Die drei Abteilungen des neuen Museums

Die Abteilung Arae Flaviae im Untergeschoß des neuen Museums zeigt jetzt in 24 Abteilungen einen Querschnitt durch die Geschichte von Rottweils römischer Vorgängerstadt und den Alltag ihrer Bewohner. Paradefund blieb das in Trier restaurierte Orpheus-Mosaik von etwa 180 n. Chr., das jetzt erstmals vor einem Gesamtmodell des römischen Rottweil zu sehen ist. Großen Raum nimmt die Darstellung der Besetzung des Gebiets am oberen Neckar durch die Römer ein, für die das spätere Arae Flaviae mit seinen sechs Kastellen ja eine Schlüsselrolle spielte. Besondere Anschaulichkeit gewinnt dieser Bereich des Museums durch die Replik der kompletten Ausrüstung eines Soldaten der im Raum Rottweil eingesetzten XI. Legion und den rekonstruierten „Hörnchensattel“, einer für das ehemalige römische Imperium bisher einmaligen Rekonstruktion an Hand von Einzelfunden aus Rottweil.

Neben Exponaten, die schon seit dem 19. Jahrhundert ausgestellt waren, fallen Funde auf, welche erst in den letzten Jahren bei Ausgrabungen gemacht wurden. Beeindruckend sind dabei vier römische Sparbüchsen in Form von Krügen aus Keramik und die Gußformen einer Falschmünzerwerkstatt aus der Mitte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts. Geradezu bestechend in ihrer Qualität, aber nicht weniger in ihrem Erhaltungszustand, weiter zwei römische Gläser, die aus Gräbern des „Südfriedhofs“ am Rand der Römerstadt stammen. Aus dem gleichen Zusammenhang vermißt man eigentlich nur die gleichfalls als Grabbeigaben verwendeten sechs Stücke Kinderspielzeug, die im Original im Archäologischen Landesmuseum in Konstanz ausgestellt sind. Gezeigt werden aber erstmals auch weitgehend vollständig die reichen Bestände an römischen Münzen aller Werte, die ebenfalls schon seit langem in Rottweil auftauchten und gesammelt wurden. Im Dominikanermuseum Platz gefunden hat schließlich auch das Labrum von einem der Rottweiler Römerbäder, das bisher als Brunnenschale im Freien stand und von dem sich ein Parallelstück in Hüfingen erhalten hat.

Informationsreich und aufwendig ist die graphische Aufarbeitung all dieser Kostbarkeiten, wobei sich die Zuordnung der Texte zu den Objekten sicher noch wird verbessern lassen. Nur eine wesentliche Schwäche hat die Römerabteilung im neuen Museum: Was geschieht, wenn sich in Rottweil in nächster Zeit großformatige Römerfunde einstellen, denn ausgegraben wird im untergegangenen Arae Flaviae nach wie vor und noch unentdeckt sind beispielsweise die Altäre, welche der Römerstadt einstens ihren Namen gaben.

Erstmals wieder seit 21 Jahren vollständig und großzügiger als jemals vorher sind in der Abteilung „Sammlung Dursch“ Holzbildwerke und Tafelbilder der schwäbischen Spätgotik ausgestellt.

 

Bequemer erweitern lassen würde sich die Sammlung Dursch im Nord- und Westflügel des Dominikanermuseums. Beispielsweise dann, wenn im Kunsthandel Holzbildwerke oder Altartafeln auftauchen, die in Rottweil bereits vorhandene Exponate ergänzen. Immerhin ist es bei der Wiederaufstellung der Sammlung schon jetzt gelungen, ganze Altäre aus Einzelbestandteilen so wieder zusammenzustellen, wie sie in der Spätgotik wohl einmal ausgesehen haben. Dabei ließe sich natürlich leicht aufbauen auf dem, was Kirchenrat Dursch an spätgotischen Kostbarkeiten aus dem Raum zwischen Hier und Schwarzwaldkamm, zwischen Bodensee und Mittlerem Neckar aus der Zeit zwischen etwa 1300 und 1550 zusammengetragen hat. Hier fehlt eigentlich keine Stilstufe der damaligen Kunstentwicklung, kein ikonographisches Thema, gleich ob es sich um die Schutzmantelmadonna oder die Pieta, die Anbetung der Könige oder die unterschiedlichsten Heiligen handelt. Vertreten sind die großen Zentren der schwäbischen Spätgotik angeführt von Ulm und gefolgt von Wangen, Biberach, Ravensburg oder auch Rottweil, ebenso wie die großen Namen dieser Kunst etwa Hans Multscher, Gregor und Michel Erhart, Zeitblom, die beiden Syrlin, Niklaus Weckmann oder Daniel Mauch, eines Hans Thoman, Michael Zeynslers oder des Meisters von Weilen, der wohl in Rottweil tätig war.

 

Das „Dominikanerforum“ im Dominikanermuseum soll Stätte des aktuellen kulturellen Geschehens in Rottweil und darüber hinaus werden, wie beim Künstler-Symposion „1. Rottweiler Sommer“.

 

Hervorragend herausgearbeitet in der Neuaufstellung der Sammlung wurden die Bezüge zur allgemeinen Kunstentwicklung oder etwa die Querverbindung zwischen Plastik und Graphik. Aufmerksamkeit verlangen ferner große Altarwerke wie der Wangener Altar ebenso wie ausgesprochen qualitätvolle „Kleinstücke“, wie die Dreikönigsgruppe aus Kirchberg, der Ölberg aus Neudingen oder der Mohrenkönig aus Amtenhausen in der Baar. Natürlich fesseln den Besucher aus unserem Raum besonders die „heimatlicheren“ Kunstwerke wie sie beispielsweise aus St. Georgen im Schwarzwald zahlreich vertreten sind. Exponate wie die beiden reizvollen Magdalenentafeln werden durch ursprünglich zugehörige Stücke in anderen Museen unseres Raums ergänzt — wie im vorliegenden Fall in den F. Fürstenbergischen Sammlungen in Donaueschingen.

Das Dominikanerforum als dritte Abteilung des neuen Dominikanermuseums wird programmatisch von einem eigenen Beirat geführt und von der Rottweiler Stadtverwaltung betreut. Es will nicht nur zurückblicken auf große kulturelle Leistungen der Vergangenheit, sondern mitgestalten, was bei uns kulturell wächst, und ihm den erforderlichen Platz einräumen. Die unterschiedlichsten Veranstaltungen sollen dieses Ziel erreichen helfen. Kunstausstellungen und Konzerte, Diskussionen und Kleinkunst, Lesungen und Theater sind geplant. Gemeinsames Kennzeichen für das geplante Veranstaltungsprogramm wird sein kulturelles Niveau sein. Das bedeutet natürlich auch, daß ins Dominikanerforum Veranstaltungen geholt werden sollen, die sonst vielleicht an unserer Region vorbeigehen würden.

Zur Museumseröffnung wurde eine Ausstellung mit Stahlplastiken von Erich Hauser gezeigt. Es folgte ergänzt von einer parallelen Veranstaltung auf dem Hohenkarpfen eine erste Gesamtdarstellung des Malers Paul Kälberer, der die „neue Sachlichkeit“ in unserem Raum an maßgeblicher Stelle vertreten hat. Für dieses Jahr vorgesehen ist beispielsweise noch eine Ausstellung über Geschichte und Kultur der Sorben, die damit erstmals in Westdeutschland dem Publikum in einer entsprechenden Veranstaltung nahegebracht werden.

Mit der Arbeit im Dominikanerforum, aber auch dem, was in den beiden klassischen Abteilungen des Dominikanermuseums Rottweil geboten wird, geht es keineswegs darum, den kulturellen Konkurrenzkampf in unserem Raum anzuheizen. Das neue Museum versteht sich vielmehr als zusätzliches Angebot gerade für eine Region, die kulturell insgesamt in gar keiner Weise als Provinz angesprochen werden kann. Das bedeutet die Bereitschaft zur Zusammenarbeit auf dem kulturellen Sektor, von der alle, nicht allein die Rottweiler, nur profitieren können. Oder: Sollte das neue Dominikanermuseum nicht einmal ein größeres Ausstellungsvorhaben beispielsweise mit den Villinger Museen ins Auge fassen?

 

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