„Sammeln ist Leidenschaft“ (Gunda Woll)

Die Sammlung Karl Kratt im Franziskanermuseum Villingen

Vorschau auf eine Ausstellung vom 13. Dezember 1992 bis 24. Januar 1993

Am 1.12.1991 übergab der gebürtige Villinger Karl Kratt seine Schloß-, Schlüssel- und Beschlägesammlung an das Franziskanermuse-um Villingen-Schwenningen. In den folgenden Wochen wurde die Sammlung verpackt und überführt. Zurück blieb ein leergeräumtes Haus und ein wehmütiger Sammler, der mit neuem Elan weitersammelt

Karl Kratt, Jahrgang 1910, gelernter Werkzeugmacher, Esperanto-Fan und Lehrer, ehemaliger Betriebsrat und Schlösser-Narr begann vor über 30 Jahren mit dem Sammeln von Schlössern. Er selbst erinnert sich an den Beginn seiner Leidenschaft. Ausgangspunkt war die Einladung, alte Bücher bei der Familie Efinger anzusehen. Die Bücher interessierten ihn zwar nicht, aber zufällig sah er ein altes Schloß. Fasziniert betrachtete er das Innere und war begeistert von der Mechanik und den ehemals nicht sichtbaren aber dennoch „kunstvoll gearbeiteten“ Teilen.

Über dreißig Jahren sammelt der gelernte Werkzeugmacher Karl Kratt Schlösser, Schlüssel, Truhen und Beschläge — im weitesten Sinne Erzeugnisse des Schlosserhandwerks.

Auf Floh- und Antikmärkten, in Antiquitätengeschäften oder bei Privaten fand er seine Objekte. Scheinbar zufällig zog es ihn immer wieder zu alten Häusern, Scheunen etc. und häufig kehrte er von einem Ausflug mit Erfolg zurück. Manchmal war es ein kleines Schlüsselchen, ein andermal ein verrostetes Truhenschloß, bei dem — nach sorgfältiger Reinigung — Ziselierungen oder ähnliche Verzierungsspuren zum Vorschein kamen. In Villingen und Umgebung sprach’s sich rum, daß der „Krane Karle“ Schlösser sammelt, daß man ihm mit einem alten Schloß eine Freude machen konnte, oder daß man hier eine schöne Uhr o. ä. gegen ein Schloß eintauschen konnte. Systematisch baute er seine Sammlung aus — immer auf der Suche nach noch nicht vorhandenem. Selbst auf seinen großen Reisen nach China, Neuseeland und Rußland fand die Sammlerseele keine Ruhe —gab es doch Basare, wo es ein Schlösschen oder ein Schlüssel aufzustöbern galt.

In 30 Jahren Sammeltätigkeit kam eine beachtliche Kollektion von Hangschlössern, Türen und Möbelschlössern, Truhen, und Schlüsseln zusammen. Aber auch eine Kupferstichsammlung, die die Metallverarbeitung vom Roheisen bis hin zur Schloßherstellung illustriert, oder ein Ausleger mit Schlosserzeichen ist dabei.

Mit kindlicher Begeisterung und großem Sachverstand sammelte Karl Kratt alles was „alt“, „kunstvoll gearbeitet“, originell, technisch interessant oder einfach nur eindrucksvoll war. Seine Schloßkollektion weist Tür- und Möbelschlösser aus allen Zeiten auf, vom gotischen Schnappschloß bis zum modernen Einsteckschloß. Die technische Entwicklung wurde dabei ebenso dokumentiert, wie dem Stilwandel und den unterschiedlichen Funktionen Rechnung getragen wurde. Es gibt große Holzschlösser mit mächtigen bis zu 40 cm langen Eisenschlüsseln, die ehemals Speicher oder Weinkeller verriegelten, aber auch kleine zierliche Truhenschlös-ser, sog. Katzenkopfschlösser. Alte Truhen mit wertvollen Beschlägen und Schlössern sind die teuersten und auch größten Sammelgüter.

Ende letzten Jahres trennte sich Karl Kratt von den wertvollsten Objekten seiner Sammlung und verkaufte sie an seine Heimatstadt Villingen-Schwenningen. Im Franziskanermuseum werden die Schlösser z. Zt. inventarisiert. Jedes einzelne Objekt wird sorgfältig im Computer registriert, fotografiert und gekennzeichnet. Der weiter sammelnde Karl Kratt unterstützt die Arbeiten mit seiner Objektkenntnis, durch Informationen zu den Kauforten und -umständen. Zur Jahreswende wird im Franziskanermuseum die „Schloßsammlung“ der Öffentlichkeit in Form einer Ausstellung vorgestellt. Endgültig sollen die Highlights der Sammlung nach Krattschem Wunsch im Museum Altes Rathaus präsentiert werden.

 

Türschloß aus Hammereisenbach, um 1800, Eisen, geschmiedet, ausgeschnitten, 26,6 x 19,8 x 16 cm

 

 

 

Türschloß aus Brockhagen, 1616, Eisen, geschnitten, 46,8 x 47,5 x 3 cm