Neuer Leiter der Städtischen Archive und Museen Villingen-Schwenningen (Dr. Heinrich Maulhardt)

Am 1.4.1991 habe ich die neugeschaffene Stelle eines Leiters der Städt. Archive und Museen angetreten. Zuvor war ich sechs Jahre in Rottenburg am Neckar tätig als Leiter des Diözesanarchivs und der Schriftgutverwaltung im Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Geboren wurde ich vor 38 Jahren in Eltville am Rhein, wo ich zur Schule ging und meine Kindheit und Jugend verbrachte. Nach dem Studium, das ich mit einer Promotion im Fach Mittelalterliche Geschichte an der Universität Frankfurt am Main abschloß, war ich Archivreferendar des Landes Nordrhein-Westfalen und legte die archivarische Staatsprüfung an der Archivschule Marburg ab. Ich war als Archivar tätig an den Hessischen Staatsarchiven Darmstadt und Marburg sowie beim Bistumsarchiv Limburg/Lahn.

Mein erster Kontakt mit der Museumsarbeit kam zustande im Jahre 1980 beim Museum der Stadt Rüsselsheim, das aufgrund seiner als vorbildlich empfundenen Konzeption und seiner neuen Wege der didaktischen Präsentation den Museumspreis des Europarates erhielt. Ich habe drei Jahre lang durch Führungen und Vorträge an der Arbeit des Museums partizipiert und war an der Vorplanung einer Ausstellung über die Geschichte von Rüsselsheim beteiligt, wobei besonders auch moderne museumspädagogische Fragestellungen berücksichtigt wurden.

Die Hauptaufgabe eines Stadtarchivs besteht in der Übernahme und Verzeichnung von wichtigem Schriftgut der Stadtverwaltung aber auch von bedeutenden Personen und Institutionen der Stadt. Es dient der Stadtgeschichte sowie der Rechts-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Das Stadtarchiv sichert öffentliche und private Rechte der Stadt, z. B. durch Aufbewahrung von Urkunden und Akten zum städtischen Vermögen. Es sollte Gedächtnis, Gewissen und Gehilfe der Verwaltung sein, aber auch als Informationsspeicher allen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stehen.

Zur Sicherung des Archivguts werden beschädigte Archivalien in zuverlässigen Restaurierungswerkstätten wiederhergestellt, wichtige Dokumente – vor allem aus dem Stadtarchiv Villingen – müssen aus Gründen der Sicherung des Archivguts verfilmt werden.

Die Benutzung der historischen Quellen im Archiv steht jedem Bürger offen, der sie für ein wissenschaftliches oder privates Forschungsanliegen auswerten möchte. Der Zugang der Bevölkerung zu ihrer Geschichte soll aber auch durch (Dokumenten-) Ausstellungen in Zusammenarbeit mit den Museen gebahnt werden. Die Kooperation mit den Schulen im Bereich Archive und Museen herzustellen ist für mich eine wichtige Aufgabe.

Nach langjähriger Tätigkeit als Leiter des Stadtarchivs Villingen ging Dr. Josef Fuchs zum Jahresende 1990 in den Ruhestand. Zu seinem Nachfolger wählte der Gemeinderat der Stadt Villingen-Schwenningen Dr. Heinrich Maulhardt. Die Redaktion des Jahresheftes gibt dem neuen Archivleiter Gelegenheit, sich vorzustellen.

Mit den Geschichtsvereinen der Stadt, mit historisch interessierten Institutionen und Personen möchte ich zusammenarbeiten und das Gespräch pflegen.

Im Bereich der Museen steht für den Stadtbezirk Villingen durch den Ausbau des Franziskaners eine Neueinrichtung und in diesem Zusammenhang eine Gesamtkonzeption aller bisherigen Schausammlungen an. Die Firma Fokus hat unter Anleitung der Städtischen Museen dazu im Juni 1991 eine Rahmenkonzeption vorgelegt. Die Neueinrichtung des Franziskanermuseums und die Überarbeitung der bisherigen Schausammlungen wird Aufgabe der nächsten Jahre sein. Dabei gilt es auch die Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere die Zeit nach dem 1. Weltkrieg bis heute zu dokumentieren. Dieses Anliegen berücksichtigt ebenso der im Stadtbezirk Schwenningen entstandene Verein „Förderkreis lebendiges Uhren-Industriemuseum e. V.“, der sich zum Ziel gesetzt hat, insbesondere die Geschichte der Uhrenindustrie darzustellen mit besonderem Augenmerk auf den technischen Produktionsprozeß.

Zur Erhaltung des „historischen Gewissens“ der Stadt halte ich den Beschluß des Gemeinderates, die Villinger Innenstadt als Gesamtanlage im Rahmen des § 19 Denk-malschutzgesetz zu schützen ohne sie gleichsam zum Museum zu erklären, für folgerichtig.

Archive und Museen sollen die Bürgerinnen und Bürger zu einem intensiveren historischen Bewußtsein hinführen, aus dem heraus sie auch (bessere) Gestaltungen ihrer Zukunft ableiten können.

26. Juli 1991    Dr. Heinrich Maulhardt