Villingen im Zeitalter der Französischen Revolution(1770-1815) (Michael Tocha)

Lange nach dem Ereignis, als die Wunden längst verheilt waren, schrieb der Villinger Benediktiner Johann Baptist Schönstein in der Abgeschiedenheit des Klosters Amtenhausen die folgenden Sätze über die Französische Revolution nieder:

„Im Jahre 1789, brach in Frankreich die grauenvolle Revolution aus. In Strömen floß der Bürger Blut in schauerlichen Mordscenen zu Paris in den Provinzen, ohne Rücksicht auf Stand, Alter und Geschlecht. Die Tempel, die Altäre wurden entweihet, die Klöster geplündert und zerstört. Die Göttin der Vernunft in schamlosen Dirnen zur Verehrung in den Tempeln aufgestellt und angebetet. Die der Kirche treuen Priester beispiellos und gräßlich verfolgt und ermordet. 1 . . . J Eltern lieferten ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, Geschwister ihre Geschwistern, Verwandte ihre Verwandten mit kalter Hand dem Tod. Der gute König Ludwig VXI, fiel unter dem Beil der Quillotine den 21 Jäner 1793, und die Königin Antoinette, Erzherzogin von Oesterreich desgleichen am 16 October 1793. Des Königs Schwester Elisabeth, eine seltenes Beispiel der Frömmigkeit. Der zehnjährige Kronprinz genannt Ludwig XVII, starb äußerst mißhandelt im Gefängnisse den 8 Juni 1795. Von dem bluttriefenden Frankreich er-goß sich ein verheerender Krieg wie der unaufhaltsame Lavastrom eines feuerspeienden Vulkans über alle Teile Europas vom Tajo bis an die Wolga. l . . . Unnennbares Verderben in Hinsicht auf den Staat, und noch vielmehr in Hinsicht auf die Kirche begleitete den französischen Krieg bei jedem Schritte. „1)

Welch bitteres, unversöhnliches und einseitiges Urteil! Kein Wort über die Errungenschaften der Revolution —Menschenrechte, politische Mitbestimmung, gerechtere Verteilung des Bodens —, kein Wort auch über die Mißstände des Ancien Régime oder die Unfähigkeit und Verderbtheit seiner Repräsentanten. Wir wollen hier nicht gegenargumentieren, sondern nur verstehen, warum jemand so urteilt. Die Welt, der Pater Johann seine geistige Bildung und noch seine jetzige Existenz verdankte, war verschwunden. Als junger Mann war er in das Kloster St. Georgen zu Villingen eingetreten — nun gab es keine Klöster mehr, weder hier noch sonstwo. Auch Amten-hausen, wohin er sich als Prior und Beichtvater zurückeezoeen hatte. stand kurz vor seiner Aufhebung. Alles ging unter „im Sturme der Zeiten, die so vieles Hohe und Edele und Gemeinnützige schauerlichst zerstörten.“ Hier wie an vielen anderen Stellen seiner kurzen Geschichte St. Georgens finden wir die Erklärung für all seine Verbitterung: der Wandel aller Verhältnisse, den das „verkehrte und stürmische Zeitalter“ der Französischen Revolution und Napoleons herbeigeführt hat und als dessen Opfer sich Pater Johann zusammen mit vielen anderen begreift.

Diesem Wandel am Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts wollen wir nachgehen, soweit er sich mit Blick auf Pater Johanns „theurste Vaterstadt“ Villingen darstellen läßt. Dabei dürfen wir weniger als bei anderen Themen und Zeitaltern eine eigenständige und unverwechselbare Geschichte dieser Stadt erwarten. Vielmehr kommen die allgemeinen, zumindest südwestdeutschen Entwicklungen in ihren Auswirkungen hier am Ort zur Sprache. Villingen ist nur ein Beispiel, das durch zahlreiche andere ersetzbar wäre, weil zahlreiche andere Städte fast das gleiche Schicksal erlitten. So ist bei diesem Thema das spezifisch lokale Geschehen weniger faßbar als vielleicht sonst; vielmehr geht die Ortsgeschichte in besonderem Maße aus dem Strom der allgemeinen Geschichte hervor.

Villingen um 1770

Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts haben wir es noch mit dem alten, in Jahrzehnten, ja Jahrhunderten kaum veränderten Villingen zu tun. Um 1770 hatte die Stadt etwas über 3000 Einwohner. Die meisten von ihnen waren Ackerbürger und vor allem Handwerker. Es gab zwei Frauen- und drei Männerklöster, außerdem die Kommende des Johanniterordens, so daß der Anteil an Bewohnern geistlichen Standes beträchtlich war. Sowohl Franziskaner wie Benediktiner unterhielten ein eigenes Gymnasium. Die gesamte Bevölkerung war in zehn Zünften organisiert, neuen Handwerkszünften sowie der Herrenzunft der „Ehrsamen Müßiggänger“. Über die Zünfte erfolgte die gesellige und berufliche Einbindung, aber auch die Teilhabe der Bürger an der städtischen Selbstverwaltung. Seit 1762 gab es in Villingen auch einen gewerblichen Großbetrieb: In diesem Jahr nämlich genehmigte der Rat dem Basler Johann Jacob Thurneysen die Einrichtung einer Seidenspinnerei, die rund 100 Menschen in Heimarbeit beschäftigte.‘ Solche Textilverlage, wie diese Betriebsform genannt wird, waren damals im Schwarzwald verbreitet.

Die Ratsverfassung war seit der Mitte des 18. Jahrhunderts im Niedergang begriffen. Seit 1757 bestand der innere Rat aus dem Bürgermeister, dem Schultheißen, zwei Deputationsräten, dem Syndikus sowie fünf Räten. Diesen zehn Personen standen im äußeren Rat nur noch neun Zunftmeister gegenüber — bis 1750 waren es 27, dann immerhin noch 18 gewesen. Jetzt entsprach also die Verfassung in keiner Weise mehr der Zusammensetzung der städtischen Bevölkerung. Ihr obligatorischer Charakter kommt auch darin zum Ausdruck, daß nur noch der innere Rat die Magistratsmitglieder wählen durfte. Auch das alte Grundrecht, die Ratsmitglieder durch die Bürgerschaft zu verpflichten, entfiel.‘ Gegen diese neue, von der österreichischen Regierung auferlegte Ratsverfassung haben die Villinger jahrelang aufbegehrt, bis sich durch die Revolutionskriege und den Anfall an Baden das Thema auf andere Weise erledigte. Die lange Zugehörigkeit der Stadt zu Habsburg hat zweifellos Gefühl der Anhänglichkeit an Herrscherhaus und Territorium hervorgebracht; und gerade im 18. Jahrhundert finden wir in Villingen manchen Beweis eines österreichischen Patriotismus.‘ Um 1770 sind aber auch Lockerungen und Trübungen des Verhältnisses erkennbar. Im dritten Stand der breisgauischen Landstände hatte Villingen gleich nach Freiburg bis zuletzt eine wichtige Rolle gespielt. Als die Wiener Regierung plante, die ständische Mitregierung einzuschränken, reiste 1763 eine Deputation an den Hof, der als Vertreter des Dritten Standes der Villinger Schultheiß Joseph Handtmann angehörte.‘ Vergeblich — die Kaiserin Maria Theresia und ihr Staatskanzler Kaunitz bestanden auf ihren Forderungen. Die Stände wurden 1764 aufgehoben und durch einen Ausschuß, den landständischen Konseß, ersetzt, in dem Villingen nicht mehr vertreten war. Vielleicht paßt auch ein Detail aus der berühmten Brautfahrt der Prinzessin Marie Antoinette nach Paris 1770 in diesen Zusammenhang: Sie kehrte mit ihrem Gefolge im Schloß zu Donaueschingen, auf fürstenbergischem Territorium also, ein, um von dort nach Freiburg weiterzureisen —aber eigentlich, so schreibt Otto Rombach, hätte der Hochzeitszug auch in der Herrschaft Triberg einkehren müssen „und vorher auch in Villingen, wo Kaiserbilder im Ratssaal hingen, wo heute noch die alten habsburgischen Wappen, in Holz geschnitzt, die Türen bekrönen.“6)

Syndikus Dr. Andreas Bernhard Handtmann (1730-1803)—der „ältere Syndikus“— war zur Zeit der Französischen Revolution und der Koalitionskriege der oberste Verwaltungsbeamte in der Stadt Villingen. Er ist allerdings nicht identisch mit dem oben genannten Schultheiß Joseph Anton Handmann aus Villingen, der zusammen mit Franz Josef von Schmidfeld im Jahr 1763 als Deputierter des Breisgauischen Dritten Standes in Wien Verhandlungen führte.(Fotografie nach der Kopie eines Ölbildes, Privatbesitz).

Schließlich ist auch an die Pläne Josephs II. 1777 zu erinnern, die Vorlande gegen Gebiete in Bayern einzutauschen. Zumindest im Rückblick möchte man in all diesen Vorgängen schon Vorzeichen für die Loslösung von Österreich erkennen, die kein halbes Menschenalter später tatsächlich eintreten sollte.

Dem rückschauenden Betrachter, mit der ungeheuren Beschleunigung des historischen Prozesses seit 1789 vertraut, erscheint das ausgehende 18. Jahrhundert vielleicht im milden Licht einer Spätzeit. Aber gerade nach heutigen Wertmaßstäben war vieles doch auch abstoßend: Noch im 18. Jahrhundert ist in Villingen Hexenglaube nachweisbar; uneheliche Mütter wurden aus der Stadtgemeinschaft verjagt; selbst Diebe grausam zu Tode gebracht. In den Straßen und Gassen herrschten Unrat und Gestank vor; immer wieder berichten die Ratsprotokolle von Streitereien, die wegen des Ausleerens von Nachtgeschirren auf die Straße entstanden waren (zu Recht greift der neue Münsterbrunnen gerade auch dieses Motiv auf!). Die Zünfte verhinderten den wirtschaftlichen Fortschritt; periodisch wiederkehrende Mißernten stürzten die Mehrheit der Menschen in Hunger, Krankheit und Not. Die „gute alte Zeit“, als die wir uns die vorrevolutionäre und vorindustrielle Lebenswelt so gern vorstellen, hat es so wahrscheinlich nie gegeben. Von daher erhält die Forderung vieler Zeitgenossen des ausgehenden 18. Jahrhunderts nach Aufklärung des Bewußtseins und Modernisierung der Verhältnisse eine kaum bestreitbare Berechtigung.

Reformen schaffen Unruhe

Die Reformen Kaiser Josephs II. brachten ab 1770 Bewegung in die festgefügte Welt auch des alten Villingen. Da die Vorgänge bekannt und an verschiedenen Stellen dargelegt sind, soll hier ein chronologischer Überblick genügen.

Am 14. März 1770 teilte Syndikus Handtmann dem Guardian und Konvent der Franziskaner mit, daß durch kaiserliches Dekret die Passionstragödien und -prozessionen abgeschafft seien. Diese hatten darin bestanden, daß am Karfreitag ein Zug verkleideter Personen vom Franziskanerkloster durch die Stadt zum Münster zog, wo dann die Kreuzigung Christi in recht drastischer Weise nachvollzogen wurde. Der Brauch war 1585 mit der Gründung der „Bruderschaft der fünf Wunden Christi“ in Villingen eingeführt worden. Was damals mit religiösem

Ernst begonnen worden war, war inzwischen zur Fastnachtsposse verkommen. So berichtete 1769 der Triberger Obervogt v. Pflummern nach Freiburg, in der benachbarten Stadt Villingen pflege „die Vorstellung der Creuzigung Christi nächtlicher weilen unter verschiedenen Excessen und Ohnanständigkeiten auf öffentlichem Marktplatz vorzugehen“.7) Zwar schickten Guardian und Bruderschaft mehrfach Abgesandte nach Freiburg, um die Rücknahme dieses Dekrets zu bewirken; die Regierung ließ sich indes nicht erweichen. 1772 wurde ein verwandter Brauch bei den Franziskanern, der Einzug ihrer Studenten in Geißlerhemden und mit Geißeln in die Kirche abgeschafft. Jetzt war es der Magistrat, von dem der Anstoß dazu ausging. Das ist insofern bemerkenswert, als hier eine Annäherung der Villinger führenden Persönlichkeiten an den Geist der josephinischen Aufklärung und die daraus abgeleitete Politik erkennbar wird.

Diese Haltung bestätigte sich im gleichen Jahr, als der Streit um die Ratsverfassung von 1757 wieder aufbrach. Die Wahl der Zunftvertreter im äußeren Rat stand an, und bei dieser Gelegenheit wurden wieder die Abwechslung zwischen Amtleuten und Zunftmeistern sowie die freie Magistratswahl, also de facto die Rückkehr zur Ratsverfassung von 1748, gefordert.

Die Mitglieder des inneren Rates standen nun allerdings ganz auf der Linie der Regierung, was in diesem Fall weniger auf ihr fortschrittliches Bewußtsein als auf ihre erweiterte Machtfülle sowie auf die Gehaltserhöhung zurückzuführen war, die ihnen 1757 gewährt worden war. Der Streit schwelte weiter bis ins nächste Jahrzehnt und gelangte 1781 auf seinen Höhepunkt: Als die Bürgervertreter wieder eine Deputation nach Wien schicken wollten, um die Rücknahme der „höchst schädlichen und verhaßten“ Verfassung zu bewirken, kam es zum Bruch zwischen Magistrat und Bürgerschaft. Die Abreise der Deputation wurde polizeilich verhindert; statt dessen spielte der Rat die Abreise einer eigenen Delegation nach Wien vor, die allerdings nur bis Donaueschingen fuhr und dort übernachtete. Welches Verhältnis jetzt zwischen Stadtregiment und Bürgerschaft herrschte, veranschaulichen die Schmähschriften, die 1781 gegen die Magistratsmitglieder verfaßt wurden. So heißt es in der „Kapuzinerpredigt“, hinter der der Wirt des „Wilden Manns“ (nomen est omen!), Ignaz Mayer, steckte: „Unsere Herren sind Hurenbuben und Ehebrecher, Schelmen an dem gemeinen Weisen, [ . . . ] verlogene, galgenmäßige Herren haben wir.“8) Bemerkenswert ist das Selbstbewußtsein, mit dem die Bürger gegen den Magistrat und indirekt auch gegen die österreichische Landesherrschaft aufbegehren — von Duckmäusertum gegenüber der Obrigkeit kann in Villingen am Vorabend der Französischen Revolution jedenfalls keine Rede sein!

1774 erfuhr das Schulwesen der Stadt eine Veränderung, als das Gymnasium der Franziskaner in das der Benediktiner integriert wurde. (Den Franziskanern wurde statt dessen der Betrieb der Trivialschule übertragen.) Immerhin gehörte Villingen damit zu den wenigen vorderösterreichischen Städten, die überhaupt noch ein Gymnasium (ab 1777 als „Lyzeum“ bezeichnet) besitzen durften.

Hatten die Reformen der 70er Jahre eher die rationalere Gestaltung von Bereichen , in denen sich Wildwuchs und Mißstände breitgemacht hatten, zum Ziel, so ging es ab 1782 an die Substanz. Im Nützlichkeitsdenken Josephs II. und seiner Berater hatten beschauliche Ordensgemeinschaften keine Daseinsberechtigung. Hinzu kam, daß die Klarissen in Villingen seit Jahren verschuldet waren. So fielen sie 1782 gemeinsam mit den Dominikanerinnen der Vettersammlung dem österreichischen „Klostersturm“ zum Opfer. Allerdings bedeutete Aufhebung in diesem Fall Modernisierung — den Weiterbestand als Klostergemeinschaft der Ursulinen, die sich seither große Verdienste um die Mädchenerziehung in der Stadt erworben haben.

1784 wurden die elf religiösen Bruderschaften abgeschafft und ihr Vermögen für den staatlichen Religionsfonds eingezogen. Auch das Prozessionswesen wurde immer mehr eingeschränkt. An diese Stelle gehört der Hinweis, daß die religionspolitischen Vorstellungen, die hier in die Tat umgesetzt wurden, eine wenn auch indirekte Villinger Wurzel haben. Johann Jakob Riegger (1705-1775), Professor des Kirchenrechts erst in Innsbruck, dann in Wien, hat als Berater der Kaiserin die Auffassung des Hofs vom Recht des weltlichen Herrschers, auch im Bereich der Kirche Mißbräuche abzustellen und Reformen durchzuführen, wesentlich mitgeprägt. Sein Vater stammte aus Villingen und war dann Kanzlist bei der Regierung in Freiburg.9)

Eine zeitgenössische Portaltür hat sich im Hause Färberstraße 18 in Villingen erhalten. Aus der Jahreszahl 1789 im Türsturz ist zu entnehmen, daß dieses schöne Beispiel der neuen Stilepoche des Klassizismus mit ihren klar gegliederten Schmuckformen im Revolutionsjahr entstanden ist, fern ab der großen Politik.

 

Daß im Kreis der Ratsherren die neuen Ideen zu wirken begannen, legt auch ihre wiederholte und dringende Bitte nahe, das Gebäude der Vettersammlung und das entvölkerte Franziskanerkloster in Kasernen umzuwandeln. Davon erhoffte man sich einen Impuls für die stagnierende Wirtschaft der Stadt. So zog im November 1786 eine Abteilung des vorderösterreichischen Hausregiments „Bender“ in das Sammlungsgebäude ein. Sie blieben hier bis zum Beginn der Revolution, als sie im August 1789 gegen die Aufständischen in den österreichischen Niederlanden eingesetzt wurden.10) Die Stationierung dieser „Kaiserlichen“ in Villingen eröffnete eine längere Phase der Anwesenheit von Truppen in der Stadt — einer Anwesenheit, derer man nur wenige Jahre später schon ganz und gar überdrüssig sein sollte.

Am Vorabend der Französischen Revolution bietet die Stadt Villingen ein uneinheitliches Bild. Die Bürgerschaft ist noch weitgehend befangen in traditionellen Denk-und Verhaltensweisen, während von oben die Modernisierung vieler Lebensbereiche durchgesetzt worden ist. In den Kreisen des Rats ist man noch am ehesten den neuen Strömungen gegenüber offen. All das schafft Unruhe und manchen Verdruß. Geradezu erbittert wird um die Ratsverfassung gestritten; läge hier nicht ein Ansatzpunkt, an dem revolutionäre Propaganda greifen könnte?

1789-1791 — »rien«?

Die Nachricht vom Sturm auf die Bastille brauchte fünf Tage, um nach Straßburg zu gelangen. Am 19. Juli begannen dort Unruhen, am folgenden Tag stürmte das Volk das Rathaus und setzte den Magistrat ab. Seither war die Stadt eine Hochburg der Revolution und ein Fanal vor Deutschlands Toren. Im August brachen dann auch auf dem deutschen Ufer des Oberrheins Unruhen aus. Insbesondere auch die Ortenau bis hin nach Wolf-ach stand in hellem Aufruhr. Dann aber scheint die revolutionäre Welle am Schwarzwald verebbt zu sein. In einem Bericht der fürstenbergischen Regierung heißt es Ende August, „daß in diesseitigen Landen bis zur Zeit von einigen Unruhen nicht das mindeste zu hören seye.“11)

Nun darf man nicht immer gleich einen Bastillesturm erwarten, wenn man den Wirkungen der französischen Ereignisse auf der Spur ist. Nicht nur Gesellenaufstände und Hungerrevolten in den Städten, Fron- und Steuerverweigerungen oder Klosterstürme auf dem Land, sondern auch unscheinbare Vorkommnisse wie die Tätigkeit französischer Agenten und die Verbreitung von Flugblättern gehören zu diesem Thema. Und bei dieser Sichtder Dinge gibt es in der Tat Hinweise, daß unsere Gegend von der Revolution doch nicht so ganz unberührt geblieben ist, wie es zunächst den Anschein hat.

Für den 27. August 1791 gibt es einen chronikalischen Hinweis aus Donaueschingen, der „Postwagenconducteur“ Duffner habe, als er mit dem Postwagen von Straßburg zurückkam, „unterschiedliche aufrührerische Druckschriften“ ausgeteilt. Auch würden auf den Jahrmärkten Tabaksdosen mit aufrührerischen Versen verkauft.“) Von Villingen ist zwar nicht ausdrücklich die Rede, aber es ist kaum anzunehmen, daß Duffner ausgerechnet der größten Stadt auf seiner Route jene Flugblätter vorenthalten hat.

Hier deutet sich möglicherweise eine recht interessante Episode an. Man weiß, wie Agenten in Straßburg gewonnen wurden. Auch Duffner mag dort in einem Wirtshaus mit Anhängern der Revolution (wer war das in Straßburg nicht?) zusammengesessen und von ihren Ideen begeistert worden sein. Vielleicht überredete ihn auch ein Nationalgardist an der Zollstelle, einen Packen Flugblätter mitzunehmen und auf dem Weg auszuteilen. Und wie reagierten die Menschen, die solche Flugblätter in die Hand bekamen? Zwar hatten die Behörden Anweisung gegeben, solche Schriften sofort einzuziehen. Aber fanden sich nicht vielleicht auch in Villingen Leute, die anderen daraus vorlasen? Welche Stimmung, welche Gespräche gab es an den Stammtischen der Stadt, wo man doch ganz gern auf die Obrigkeit schimpfte? Wir wissen es nicht. Aber vielleicht ist jene Notiz wie die Spitze eines Eisbergs, von dem wir das meiste nicht sehen können. Es ist nicht ausgeschlossen, daß eine gründliche Durchsicht der Ratsprotokolle, insbesondere aber der vorderösterreichischen Polizeiakten (im GLA Karlsruhe) hier noch manche aufschlußreiche Einzelheit zu Tage fördern könnte.13)

Teuerung

Ausbruch und Verlauf der Französischen Revolution sind elementar mit Hunger und Not breiter Bevölkerungskreise verbunden. Während des ganzen Jahrhunderts war der Brotpreis nicht so hoch gewesen wie am 14. Juli 1789! Bekannt ist der zynische Ausspruch Marie Antoinettes, das Volk solle doch Kuchen essen, wenn es kein Brot habe. Nach 1792 kam unter die Guillotine, wer den staatlich festgesetzten Brotpreis umging. Wir haben es mit einer der zyklisch wiederkehrenden Krisen des Ancien Régime zu tun: 1788 und 1789 gab es zwei Missernten hintereinander; Brot wurde für viele bald unerschwinglich, bereits im Winter 1788/89 kam es zu zahlreichen Unruhen und Gewaltakten infolge der Lebensmittel Knappheit.

Natürlich war die Hungerkrise nicht auf Frankreich beschränkt. Sie war allgemein, und auch in Villingen lassen sich ihre Erscheinungen nachweisen. So können wir ab 1790 einen starken Preisanstieg feststellen, bei Fleisch z. B. bis 1796 um 100 %. Schon 1790 mußte sich der Rat mit dem Problem befassen: „Da bei den plötzlich ansteigenden Preisen eine Einigung zwischen den Metzgern und den Fleischschätzern nicht erzielt werden konnte, wurden 2 Ochsen geschlachtet und ausgehauen“, um festzustellen, welcher Verdienst tatsächlich nach dem amtlich festgesetzten Preis zu erzielen sei.14) Daß der Rat eine „Korn-Polizey“ betrieb und in Notzeiten preisregulierend eingriff, war nach der damaligen Wirtschaftsauffassung selbstverständlich. So wurde Ende 1793 der Privatverkauf von Agrarprodukten (zu überhöhten Preisen!) verboten; alle „Früchte“ mußten im Kaufhaus auf der Oberen Straße abgeliefert und gelagert werden. Hier wurden das benötigte Saatgut und der Eigenbedarf der Bürger unter Aufsicht zum gewöhnlichen Preis abgegeben. Dieser Eingriff in den Marktmechanismus war notwendig, um „durch Zusammenfluß der Früchte an einem öffentlichen Ort die Wohlfeilheit des Preises, welcher für das Publikum und besonders für die Armen, Handwerker und Bauersmann eine bereits unerschwingliche Höhe erreicht hat, zu erzielen, welcher nur das Wohl des gesamten Publikums zum Ziel hat und auf andere Weise nicht erreicht werden kann.“

Aber auch als Arbeitgeber war der Rat mit dem Problem der Teuerung konfrontiert. So bequemte er sich 1795 dazu, einem städtischen Bediensteten den Lohn von 20 auf 24 Kreuzer aufzubessern, „da bei so wirklich harten Zeiten, wo alle Victualien auf den höchsten Preis gestiegen, es einem Mann, ohnehin mit einer zahlreichen Familie überladen, allerdings nicht möglich wird, mit täglich 20 Kreuzer sich durchzubringen., „6)

Das sind nur einzelne Beispiele. Hunger, Teuerung und mangelnder Absatz für gewerbliche Produkte betrafen alle, oder doch die allermeisten. Unter den Menschen herrschten Existenzangst, Anfälligkeit gegen Krankheiten, wirtschaftliche Not. Es sind diese Faktoren, die das Klima und die Stimmung in Villingen während der Zeit der Französischen Revolution wesentlich bestimmten. Im Zusammenhang mit der Teuerung steht 1793 der Versuch, eine städtische Textil“fabrik“ einzurichten. Zunftmeister Eiselin, der Pfleger der „Seelenjahrzeitpflege“, die aus dem Vermögen ausgestorbener Familien Almosen an die Armen ausgab, schlug vor, das Geld dieser Einrichtung besser anzulegen: Unter der Leitung von Josef Riegger sollten die 5-7 Strafgefangenen, die sich im Haus der Seelenjahrzeitpflege aufhielten, Wolle und Loden herstellen. Es entstand also ein städtisches Arbeitshaus. Die Proteste der Tuchmacherzunft wehrte der Rat ab und nannte als Begründung für diesen Schritt:

„Ist Villingen in einer solch üblen Lage, daß auf allen Seiten nichts als Teuerung, Elend und Not sich versehen läßt. Dann der allzu große Armenhaufen, der mangelnde Verdienst für Lebensunterhalt und der schlechte Umtrieb der Professionen. „17)

Man sieht an dieser Begründung recht deutlich, wie drängend die wirtschaftlichen und sozialen Probleme auch in Villingen inzwischen geworden waren. Der Versuch scheiterte allerdings schon nach wenigen Monaten, weil die Fabrik mit Verlust arbeitete und deshalb geschlossen werden mußte. Dennoch bleibt dieser Vorgang der beachtliche Versuch, auch gegen den Widerstand der traditionalistischen Zünfte durch Beschäftigungspolitik seitens der „öffentlichen Hand“ einer wirtschaftlichen Krise gegenzusteuern. Hier deutet sich zaghaft der Anbruch einer neuen Wirtschaftsgesinnung an.

Kriegsnöte

Mehr noch als die Teuerung hat in Süd- und Westdeutschland der Krieg die Wahrnehmung der Revolution bestimmt. Die Teuerung war naturgegeben, sie wäre so oder so gekommen; der Krieg aber ergab sich aus den politischen Ereignissen und Entwicklungen in Frankreich. Er ist auch für die Menschen in Villingen zum Hauptmerkmal der Epoche geworden.

Am 20. April 1792 erklärte die Nationalversammlung dem „König von Böhmen und Ungarn“ den Krieg. Das hatte vorwiegend innerfranzösische Ursachen, aber die österreichisch-preußische Erklärung von Pillnitz zugunsten Ludwigs XVI. 1791 erleichterte es der Kriegspartei um Brissot außerordentlich, den Gegner auszumachen. Einen erheblichen Anteil an der Feindseligkeit der Revolutionäre hatte auch die Anwesenheit französischer Emigranten auf deutschem Boden. Schon am 14. Juli 1789 flüchteten die Prinzen Artois und Condé aus Paris; ihnen folgte nach und nach eine immer größer werdende Anzahl von Adligen, bald auch Geistlichen und sogar Bürgern und Bauern. Sie begaben sich an zahlreiche Orte des Ober- und Mittelrheingebiets; bald aber wurde Koblenz, die Residenz der Trierer Erzbischöfe, zu ihrem eigentlichen Mittelpunkt. Hier ließen sich 5000 zumeist adlige Emigranten nieder, so daß die Stadt in Frankreich zum Inbegriff einer von außen gesteuerten Gegenrevolution wurde. Bei der einheimischen Bevölkerung waren diese Gäste wegen ihres arroganten Auftretens, ihres ausschweifenden Lebens und ihrer Unverschämtheiten gegen Frauen und Mädchen berüchtigt. Aber auch den Behörden wurden sie schnell suspekt, weil sie sich im Exil nicht rein privat verhalten, sondern politisch-militärisch wirken wollten: Condé und andere gingen daran, eigene Armeen aufzustellen, mit denen sie in Frankreich einmarschieren und der Revolution ein Ende bereiten wollten.18) Das mußte französische Maßnahmen geradezu herausfordern, woran den Politikern gar nichtgelegen sein konnte. Deshalb schlug der Freiburger Regierungspräsident v. Sumerau schon bald nach seinem Amtsantritt im Januar 1791 vor, die Emigranten in Vorderösterreich im Raum Bräunlingen-Villingen, also in sicherem Abstand von der französischen Grenze, zu konzentrie-ren.19) Anfang 1792 stand Condé mit seiner Armee in Ettenheim. Österreich war bereit, ihn aufzunehmen, allerdings auf verschiedene Orte verteilt. Nach Kriegsausbruch erging mehrfach die Anordnung Sumeraus, Emigranten dürften sich nur in den Städten Villingen, Konstanz, Rottenburg und Ehingen aufhalten. 20)

Ausschnitt einer Kostenabrechnung der Stadt Villingen anläßlich der Truppendurchmärsche 1792 im ersten Koalitionskrieg.

Wir sehen also, daß Villingen in der vorderösterreichischen Emigrantenpolitik eine gewisse Rolle spielte.

Ob sie sich tatsächlich hier eingefunden haben, ist fraglich. Denn der Krieg hatte die Rolle zumindest der bewaffneten Verbände doch entscheidend verändert. Nun waren sie gesuchte Bundesgenossen und hatten an der Vorbereitung der Kampagne nach Frankreich einen wichtigen Anteil. Als aber die Koalitionsarmeen in der berühmten Kanonade von Valmy aufgehalten und zurückgedrängt wurden, da erlitten die Emigranten gleich eine doppelte Niederlage: Ihr Traum, Frankreich im Spaziergang zurückzugewinnen, war gescheitert, und auch mit ihrer Vorzugsstellung und ihrem Einfluß in Deutschland war es nun vorbei. Ihre Armeen lösten sich auf oder mußten, wie die Condés, im Solde wechselnder Herren kämpfen.

In eben dieser Situation wird Villingen nun doch der vorübergehende Aufenthaltsort für das Korps Condé. Am 28. Oktober zogen nämlich 4000 Mann in der hiesigen Gegend ins Winterquartier, um dann im Frühjahr in Richtung Konstanz weiterzumarschieren. Condé selbst, sein „Hof“ und Generalstab bewohnten das inzwischen aufgehobene Franziskanerkloster; mit ihm waren noch rund 1 500 zumeist adlige Personen in der Stadt. Den Bürgern war diese Einquartierung offenbar nicht sehr lästig; denn — noch! — bezahlten die Gäste ihren Aufenthalt mit gutem Geld. Jedenfalls finden sich in den Ratsprotokollen keine Klagen. Deshalb wissen wir allerdings auch nicht viel über das Verhalten der Franzosen hier und ihren Umgang mit den Einheimischen. Ein Ereignis ist aber doch aktenkundig geworden: Am 29. Januar 1793 ließ Condé in der Franziskanerkirche einen Gedenkgottesdienst für den wenige Tage zuvor hingerichteten Ludwig XVI. feiern! 21) Diese hochpolitische Veranstaltung war der letzte bedeutsame Akt, den das ehrwürdige Gotteshaus am Ende einer reichen Geschichte erlebte. Es ist gewiß nicht übertrieben zu sagen, daß zumindest an diesem Tag Villingen eine Hochburg der Gegenrevolution war.

Man könnte den Eindruck gewinnen, der Krieg sei anfänglich für Villingen weniger belastend als einträglich gewesen. Ende 1793 aber wurden hier auch seine Härten spürbar: Am Oberrhein tobten heftige Kämpfe, und die Stadt Villingen mit ihren Dependenzorten mußte zweimal Abteilungen von je 150 Mann für jeweils 14 Tage für die Landmiliz aufbieten. Zugleich kamen mehrere hundert verwundete Soldaten hier an, die im Franziskanerkloster, in der Vetter-Sammlung, in den Zunfthäusern und sogar im Rathaus versorgt wurden.22) Die Quellen geben nur über die Tatsache selber Auskunft— aber wenn man sich vorstellt, wie wenig die damalige Medizin verwundeten Soldaten wirklich zu helfen vermochte, kann man sich das Ausmaß des Elends, der Leiden und auch des Sterbens vorstellen, die sich damals in den Mauern der Stadt zutrugen.

Immer häufiger wurden nun die Durchmärsche und Einquartierungen von Soldaten. 1794 tauchen erstmals auch Kroaten von der österreichischen Militärgrenze auf dem Balkan in Villingen auf, sogenannte „Rotmäntel“, „Grenzer“ oder „Cravatten“. Sie waren überall wegen ihrer Rohheit gegenüber der Zivilbevölkerung gefürchtet. Aus diesem Grunde wurden sie in der unteren Ger-bergasse einquartiert, wo die ärmsten Leute Villingens wohnten. Nach diesen merkwürdigen Gästen nannte der Volksmund das Gerberviertel später „Crawatzi“.23) Mit dem Jahr 1796 steigerten sich die Belastungen durch Einquartierungen, Requisitionen, Plünderungen und auch Kämpfe erheblich, weil nun auch Franzosen in immer wieder neuen Wellen durch diese Gegend zogen. Nachdem Preußen im Sonderfrieden von Basel 1795 aus der Koalition gegen Frankreich ausgeschieden war, richteten sich die französischen Stöße vor allem nach Süddeutschland, gegen Österreich. Im Juni überschritt die Armee des General Moreau bei Kehl den Rhein und rückte über den Kniebis nach Württemberg vor. Als die Kunde davon am 4. Juli in Villingen eintraf, herrschte große Bestürzung, und zahlreiche Bürger flohen in die Schweiz. Das war keine übertriebene Panik: Vorbei waren die Zeiten, da die Soldaten der Revolution Krieg nur den Palästen, aber Frieden den Hütten bringen wollten. Schon seit September 1793 waren sie wieder zu den „droits ordinaires de la guerre“ übergegangen, 24) was nicht nur Ernährung auf Kosten des besetzten Landes, sondern auch Übergriffe und Willkür gegen seine Bewohner bedeutete. Als der Einmarsch der Franzosen immer wahrscheinlicher wurde, holten die Bürger das Nägelinskreuz aus der Bickenkapelle und überführten es in feierlicher Prozession ins Münster — so wie sie stets ihre Zuflucht bei diesem Kreuz gesucht hatten, wenn Krieg oder Seuchen ihnen als Bedrohungen erschienen, aus denen es einen menschenmöglichen Ausweg nicht mehr zu geben schien. Die Stadt wurde zunächst mit „Kaiserlichen“ belegt; auch das Conde’sche Korps tauchte wieder in der Stadt auf, zahlte diesmal aber nicht, sondern mußte von den Bürgern unentgeltlich verpflegt werden, wie alle anderen Soldaten auch. Diese Truppen zogen sich vor einer Unterabteilung der Moreau-Armee zurück, die am 21. Juli in die Stadt einrückte. Ihr General Jordis, der im Benediktinerkloster logierte, hatte seine Soldaten zwar im Griff, aber er verlangte riesige Mengen an Getreide, Heu, Stroh und Geld.

Französische Soldaten folgen dem Schlachtruf „Aux armes, citoyens!“ (Zu den Waffen, Bürger!). (Bild aus: Deutschland und die Französische Revolution 1789/ 1989, S. 72).

In Bayern wurden die Franzosen von Erzherzog Carl zur Umkehr gezwungen, und Moreau organisierte seinen berühmten Rückzug durch den Schwarzwald. So tauchten seine Truppen am 8. Oktober wieder vor Villingen auf, viele von ihnen in erbärmlichen Zustand. Am 9. kam es bei der Altstadt zunächst zu einem Gefecht, dann zu einer dreistündigen Kanonade: Die Franzosen schossen von der „Wanne“ herunter, während die Kaiserlichen mit zwei Geschützen vom Bickeberg feuerten. Nachdem die Franzosen sich durchgesetzt hatten, hausten sie in der Stadt „in aller Furie“: sie raubten und plünderten, wo sie konnten, und nahmen den Leuten mitten auf der Straße Geld, Kleidung und Uhren weg. „Drei Tage lang wurde keine Glocke mehr geläutet und kein Gottesdienst mehr gehalten.“25) Nach ihrem Abzug kamen zunächst keine Franzosen mehr nach Villingen, dafür aber große Kontingente kaiserlicher Truppen, und diese, daran läßt unser Chronist Eisele keine Zweifel, waren eine ebenso große Belastung wie jene: So wurden z. B. im Spätsommer 1797 die gesamten Felder östlich der Stadt bis hin nach Nordstetten durch ein Feldlager von 24 000 Soldaten völlig ruiniert.26)

Noch belastender als 1796 wurde das Jahr 1799. Auf das Scheitern des Friedenskongresses zu Rastatt folgte der Ausbruch des zweiten Koalitionskrieges (1799-1802); und wiederum zogen französische Armeen durch Villingen, wurden weiter östlich geschlagen und fluteten durch unsere Gegend wieder zurück. Am 4. März fiel eine wahre Riesenarmee mit 33000 Mann und 36000 Pferden in Villingen ein. „Manche Leute gerieten dadurch so sehr in die Not, daß sie den Wirten sogenannte Gottengelder, Zinn, Gaißen etc. versetzen mußten, nur um dem Feind genug Wein anschaffen zu können.27) Ihr Kommandant, General Jourdan, wohnte bei den Benediktinern. Er zeigte sich zunächst von einer höflichen Seite, stellte aber bald immer weitergehende Forderungen. Ihm selbst war der beste Klosterwein zu schlecht, er verlangte Champagner und für die Mittagstafel 25 Gänge! Für seine Armee hatten die Bürger 100 Malter Getreide und 6000 Zentner Heu zu liefern, doch daran herrschte großer Mangel, man konnte der Forderung nicht nachkommen. Deshalb sollten die Häuser der Bürger von Militär durchsucht werden, was der Magistrat nur mit Mühe abwenden konnte. Schließlich mußten die Bauern wegen des Futtermangels ihre eigenen Tiere notschlachten. In diesen Zusammenhang fällt auch die weitere Verwüstung des Franziskanerklosters: Die Wand zwischen Kirche und Kreuzgang wurde durchgebrochen, um drei Backöfen zur Versorgung der Soldaten einbauen zu können.

Am 13. März zogen die Franzosen weiter, wurden aber schon bei Ostrach und Stockach von Erzherzog Karl geschlagen und tauchten deshalb am 26. wieder in Villingen auf. Wieder stellte General Jourdan unerfüllbare Forderungen; den Bürgern wurden die letzten Ochsen aus den Ställen weggeholt. Als die Stadt beim Abzug am 31. März eine Kontribution von 14 000 Gulden nicht leisten konnte, ließ Jourdan sieben wohlhabende Bürger als Geiseln mit nach Straßburg nehmen, unter ihnen den Stadtsyndikus Handtmann. Sie kamen erst wieder frei, als der Fabrikant Thurneysen in Basel der Stadt das Lösegeld vorschoß.28) Später gab es in dieser Sache noch Verdruß, als der Magistrat von den Geiseln eine Beteiligung an den Kosten wünschte.29)

Kaum waren die Franzosen abgezogen, als auch schon rund 14000 Österreicher einrückten. Ihre Pferde standen in der Franziskanerkirche, und mancher Bürger hatte 40 bis 50 Mann im Haus, die er unentgeltlich verpflegen mußte! Im Frühsommer mußten Villinger Bürger zusammen mit Bauern der Umgegend zwischen Überauchen und Tannheim Schanzen anlegen für den Fall, daß die kaiserliche Armee sich vom Rhein hierher zurückziehen müßte. „Sie kosteten viel und nutzten nichts, “ bemerkt dazu trocken der Chronist Eisele. 30) Noch heute sind diese Schanzen im Wald oberhalb von Tannheim deutlich zu erkennen.

Auch 1799 gilt als Epochenjahr: Es markiert das Ende der Französischen Revolution durch den Staatsstreich des Generals Napoleon Bonaparte. Aus der Sicht der kleinen Leute in Deutschland, auch in Villingen, war dieser Vorgang allerdings kaum wahrnehmbar und letztlich auch ohne Belang: Die gleiche Geschichte der Bedrückung und Ausplünderung, in die man durch den Umschwung in Frankreich hineingeraten war, ging auch jetzt ohne Einschnitt weiter; ja der Veränderungsprozeß hat sich nach 1800 sogar noch einmal stark beschleunigt, so daß dann auch hier wesentliche Ergebnisse der Revolution eingeführt worden sind. Auch das gehört noch in den Rahmen dieser Darstellung; aber da die Ereignisse erforscht und bekannt sind, kann ein Überblick über die Napoleonische Epoche Villingens genügen.

Während der Revolutionskriege wurde das Franziskanerkloster als Kaserne und Pferdestall benutzt.

Revolution von oben

Die Durchmärsche und Einquartierungen fremder und eigener Soldaten gingen noch weiter bis zum Friedensschluß von Lunéville 1801. Dort wurde auch die Abtretung des Breisgaus mit Villingen an den Herzog von Modena beschlossen. Doch der hatte an seiner neuen Erwerbung gar kein Interesse, weshalb es zwei Jahre dauerte, bis die Übernahme stattfand. Aber auch die Villinger hatten an ihrer neuen Landesherrschaft kein Interesse; man nahm sie mit einem Achselzucken zur Kenntnis — eine Nebensächlichkeit, die man am Rande einer Ratssitzung als Punkt 18 abhakte.31) Ohnehin blieb das alles ein Zwischenspiel in dem Länderschacher, dem diese Stadt mehr als andere ausgeliefert war: Im Frieden von Preßburg 1805 fiel Villingen an Württemberg. Auch das wäre eine kurze, kaum wahrgenommene Episode geblieben, wenn nicht die Württemberger aus der Stadt herausgeholt hätten, was herauszuholen war. Die deutsche Säkularisation ist überall mit Härte durchgeführt worden; aber die raffgierige Planmäßigkeit, mit der das Villinger Benediktinerkloster ausgeplündert wurde, als praktisch der badische Kommissar schon im Anmarsch war, sucht doch ihresgleichen.

Vielleicht war es unter allen gegebenen Möglichkeiten noch das Beste, unter die Herrschaft des aufgeklärten und fürsorgenden Karl Friedrich von Baden zu kommen. Allerdings wurde auch schnell deutlich, was es bedeutete, einem Musterstaat des rheinbündischen Deutschland zugeschlagen worden zu sein. Villingen wurde straff, und das heißt auch ohne jede Rücksicht auf örtliche Traditionen und Bedürfnisse, in den zentralistischen Verwaltungsapparat des neuen Staatswesens eingefügt. Der Magistrat bekam einen badischen Beamten als Stadtamtmann mit doppeltem Gehalt vorgesetzt. Mit der jahrhundertelangen Selbstverwaltung war es somit vorbei — die Stadt stellte jetzt nur noch die unterste Ebene einer absolutistischen Bürokratie dar. In diesen Zusammenhang gehört auch die Einführung des Code Napoleon als badisches Landrecht im Jahre 1808. Damit wurden die rechtlichen Ideen der Französischen Revolution, Gleichheit aller vor dem allgemeinen Gesetz und der neue, bewegliche Eigentumsbegriff, nun auch hier, eben auch in Villingen, die Grundlage einer neuen gesellschaftlichen Ordnung: die ständische Gliederung war überwunden durch die bürgerliche Gesellschaft. Auch in der rheinbündischen Zeit gingen die Kriege weiter, aber sie bekamen jetzt im Erleben der Menschen einen anderen Charakter. War man zuvor durch ständige Truppendurchmärsche hier am Ort stark belastet worden, so mußten nun badische Soldaten für die Kriege Napoleons überall in Europa bereitstehen. Bereits im November 1806 wurden zum erstenmal 20 junge Vil I in-ger als Rekruten eingezogen. Das geschah nun jedes Jahr so bis 1812. Außerdem waren in Kriegsjahren noch besondere Steuern zu zahlen, so 1807 (Krieg gegen Preußen), 1808 (Krieg gegen Österreich), 1810 (Krieg gegen Spanien) und 1811 (Vorbereitungen zum Rußlandfeldzug).32) Auch am katastrophalen Feldzug nach Rußland waren Soldaten aus Vi II ingen beteiligt; mindestens einer, Mathias Singer, ist 1812 an der Beresina umgekommen.33)

 

Noch einmal, im Herbst 1813, waren die Menschen in Villingen in ihrer Stadt selbst mit der Grausamkeit des Krieges konfrontiert. In den Klöstern der Stadt wurde das österreichische Hauptlazarett mit rund 2 000 Verwundeten eingerichtet. Diese wurden schlecht verpflegt und von ihren Wärtern oft roh behandelt. Viele dieser Unglücklichen starben hier. Jeden Morgen fuhren Wagen durch die Stadt und luden die Toten nackt auf; sie wurden auf dem Hoptbühl begraben.34) Solche Szenen gehören mit in das Bild jener „Befreiungskriege“, die die Epoche der Französischen Revolution und Napoleons zu ihrem Abschluß brachten.

Bilanz und Ausblick

Mit den Friedensschlüssen von 1814 und 1815 begann ein neues Zeitalter — eine lange Friedensepoche, aber auch eine Epoche, in der um die Verwirklichung der Errungenschaften der Französischen Revolution auch in Villingen noch gestritten werden sollte. Welche Auswirkungen aber hat sie unmittelbar auf diese Stadt gehabt, welche Veränderungen haben sich im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit diesem weltgeschichtlichen Ereignis in der kleinen Stadt Villingen vollzogen? War die Veränderung der Zeitläufte wirklich so einschneidend, wie Pater Johann Schönstein als miterlebender Zeitgenosse dies empfand?

Von eher vordergründiger Bedeutung ist der Wechsel der Landeszugehörigkeit von Österreich über Modena und Württemberg zu Baden. Ein dynastisch und territorial geprägtes Geschichtsbild mag uns dazu verleiten, solche Dinge zu überschätzen.

 

Die Reitzensteinische Kreiseinteilung 1809. Die Namen der Kreise lassen eine Orientierung an den französischen Departements erkennen. Villingen war 1810-1819 Hauptort des Donaukreises. (Aus: Territorien-Ploetzt Baden-Württemberg, 5. 67).

Den Menschen von damals bedeutete das nicht allzu viel; Beweis sind die Ratsprotokolle, die diese Veränderungen nebenbei abhandeln, und die lustlosen Pflichtübungen der Huldigungsfeiern, mit denen die neue Landesherrschaft jeweils angenommen wurde. Den Betroffenen konnte es auch ziemlich gleichgültig sein, wer gerade regierte: Um die Bedürfnisse und Wünsche am Ort hat sich keiner jener Duodezfürsten und Zaunkönige geschert; die Menschen hier waren Untertanen, Steuerzahler, Manövriermasse im Länderschacher, Ausbeutungsopfer, bestenfalls noch die unmündigen Objekte landesherrlicher Fürsorge. Selbstverständlich bestimmte der Anfall Villingens an Baden die künftige großräumige Einbindung der Stadt: etwa die bleibende Orientierung über den Schwarzwald hinweg auf Freiburg als kulturelles und kirchliches Zentrum, ihren Anschluß an die Rheintaleisenbahn über die Schwarzwaldbahn, auch ihre den naturräumlichen Gegebenheiten widersprechende und bis heute nachwirkende Distanz zu den württembergischen Nachbarstädten einschließlich Schwenningens.

Schwerer wiegt der Niedergang, den die Stadt in der Epoche der Revolution und Napoleons auf allen Gebieten durchmachte. Zu der allgemeinen konjunkturellen Krise kamen die Lasten der Kriege: Einquartierungen, Kontributionen, Requisitionen. Eine wirtschaftliche Erholung war unter solchen Bedingungen nicht möglich. Bereits um 1800 waren Stadt und Umland völlig ausgeplündert und verarmt. Vorbei waren auch die Zeiten, in denen sich bürgerliches Selbstbewußtsein in der städtischen Selbstverwaltung verwirklichen konnte. Die Säkularisation schließlich bewirkte die Austrocknung des geistigen Lebens: Zahllose Werke der bildenden Kunst wurden aus der Stadt abtransportiert und verschleudert, die Archive und Bibliotheken an viele Orte zerstreut. Mit der Aufhebung des Benediktinerklosters verschwand auch das traditionsreiche Gymnasium, trotz verzweifelter Bemühungen des Rats, wenigstens diese wichtige Einrichtung für die Stadt zu erhalten. Unter solchen Bedingungen mußte auch die Kultur der Stadt verfallen, nicht aus Mangel an Talenten – begabte Persönlichkeiten gibt es immer und überall – sondern wegen des Fehlens von Bildungseinrichtungen und eines intellektuellen Klimas, die solche Begabungen anregen und zur Entfaltung bringen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war Villingen auch der geistige Mittelpunkt eines großen Umlandes gewesen; hier wurden Bücher geschrieben und gedruckt, aus dem Gymnasium gingen bedeutende Männer der Wissenschaft hervor – der Historiker Neugart, der Statistiker Grüninger, der Kirchenrechtler Riegger, um nur diese zu nennen.35) All das kommt jetzt zum Erliegen – keine Bücher, keine Namen. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis sich die Stadt allmählich wieder aus der wirtschaftlichen und geistigen Lähmung erhob.

Unter solch widrigen Bedingungen also war die neue Zeit in Villingen eingezogen. Dennoch konnte an Fortbestand und Entwicklung der neuen Verhältnisse kein Zweifel bestehen. Was zwanzig oder dreißig Jahre zuvor bestanden hatte, war nun wirklich vergangen; niemand konnte mehr ernsthaft eine Rückkehr zu alten Zuständenanstreben, selbst wenn mancher mit Wehmut auf sie zurückblickte. Die vielen Gesandtschaften, die die Villinger am Vorabend der Revolution nach Wien geschickt hatten, zeugen alle von einer konservativen, ja reaktionären Gesinnung und hatten den Endzweck, eine Lebenswelt zu erhalten, in der die Zeit gleichsam stillstand. Jetzt aber konnte man nicht mehr hinter die Erfahrung zurückgehen, daß alles Vertraute vergänglich ist, und es kam darauf an, an der immer schneller fortschreitenden Entwicklung einen aktiven und gestaltenden Anteil zu erlangen.

Die Voraussetzungen dafür waren unterschiedlich. Von den Ideen der Französischen Revolution war am ehesten noch die Gleichheit verwirklicht als Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz, so wie es das Badische Landrecht von 1808 bestimmte. Das Reich der Freiheit allerdings war nicht angebrochen. Gewiß, es gab Freiheiten: die Freiheit der Person, Religionsfreiheit, die freie Bewegung des Eigentums. Aber Freiheit im Sinne der Menschen- und Bürgerrechte gab es nicht. Auch hier in Villingen machte man die Erfahrung, daß eine absolutistische Bürokratie Rede- und Pressefreiheit und wirkliche Mitbestimmung in Gemeinde und Staat immer rigoroser verhinderte. So hat die Hauptidee der Französischen Revolution als uneingelöstes Leitbild fortgewirkt und ist dann 1848, diesmal unter tatkräftiger Mitwirkung der Villinger, erneut eingefordert worden.

Anmerkungen

1) Kurze Geschichte des ehemaligen (sic) Benediktiner-Stifts St. Georgen auf dem Schwarzwalde. Einsiedeln 1824, Faksimile-Nachdruck Stadtarchiv Villingen 1988, o. Pag.

2) Vgl. Ulrich Rodenwaldt (Hrsg.): Das Leben im alten Villingen im Spiegel der Ratsprotokolle des 17 und 18. Jahrhunderts. 2. Aufl. Villingen 1983, 5. 58 f.

3) Vgl. Josef Fuchs: Die Ratsverfassung der Stadt Villingen. Villingen 1972, 5. 80 ff.

4) Vgl. Paul Revellio: Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen. Villin-gen 1964, 5. 79 f.

5) Vgl. Alfred Graf v. Kageneck: Das Ende der vorderösterreichischen Herrschaft im Breisgau. Freiburg: Rombach 1981, S. 24.

6) Deutsch-französische Vignetten. Stuttgart: DVA, 1969, 5. 22.

7) Vgl. Chr. Roder: Ehemalige Passionsspiele zu Villingen. In: FDA NF. 17, 1916, S. 190.

8) Fuchs: Ratsverfassung, S. 89.

9) Vgl. Kageneck: Breisgau, S. 27 f.

10) Vgl. Revellio: Beiträge, S. 82.

11) Vgl. J. P. Merk: Tagebuch über die täglichen Kriegsvorfallenheiten 1789 bis 1798. Hrsg. v. F. L. Baumann. In: SVG BaarVI, 1888, 5. 25.

12) Vgl. ebd. 5. 23.

13) Leider gab es in Villingen gegen Ende des 18. Jahrhunderts keine Zeitungen wie etwa in Konstanz oder Schaffhausen. So ist die Auseinandersetzung mit den Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution hier nicht nachvollziehbar. Vgl. Hans-Ulrich Wipf: Schaffhausen unter dem Eindruck der Französischen Revolution. In: Schaffhauser Beiträge zur Vaterländischen Geschichte 50, 1973, S. 112-184.

14) Rodenwaldt: Ratsprotokolle, S. 48.

15) Ebd. S. 47.

16) Ebd. S. 138.

17) Ebd. S. 59 f.

18) Vgl. Franz Dumont: Die Emigranten in Deutschland. In: Ausstellungskatalog Deutschland und die Französische Revolution 1789/1989. Stuttgart: Cantz, 1989, S. 91.

19) Vgl. Kageneck: Breisgau, 5. 81.

20)Vgl. Arnulf Moser: Die französische Emigrantenkolonie in Konstanz während der Revolution. Sigmaringen: Thorbecke, 1975, 5. 19.

21) Vgl. Rodenwaldt: Ratsprotokolle, 5. 163.

22) Vgl. Joseph Simon Eisele: Villinger Chronik von 1794 bis 1812. Hrsg. v. Chr. Roder. In: SVG Baar 1888, S. 3 Anm. 1.

23) Vgl. Revellio: Beiträge, 5. 330.

24) Deutschland und die Französische Revolution, 5. 70.

25) Eisele: Chronik, S. 6.

26) Vgl. ebd. 5. 7 f.

27) Vgl. ebd. S. 9.

28) Vgl. ebd. S. 10 f.

29) Vgl. Hans Joachim Wollasch: Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen, Bd. II, Villingen 1970, S. 118 Nr. 2812.

30) Eisele: Chronik, 5. 11.

31) Vgl. Rodenwaldt: Ratsprotokolle, S. 11.

32) Vgl. Revellio: Beiträge, S. 340.

33) Vgl. Albert Fischer: Aus Villingens Vergangenheit. Villingen: Wiebelt, 1914, 5. 92.

34) Vgl. Revellio: Beiträge, 5. 341.

35) ebd., S. 90 f.

 

Kriegskasse aus dem Dreißigjährigen Krieg, Stadt Villingen, Eisen.