Die Besuche der Habsburger in Villingen im Mittelalter(14. und 15. Jahrhundert) (Wilhelm Baum)

Wie läßt sich mit Sicherheit feststellen, wann ein mittelalterlicher Herrscher in einer Stadt zu Besuch war? Diese Informationen liefern uns die Urkunden. Da in den mittelalterlichen Urkunden zumeist neben dem Datum auch der Ort der Ausstellung angegeben wurde, lassen sich Itinerare (= Reiseroutenverzeichnisse) der Herrscher erstellen, die eine Rekonstruktion der Reisen der Regenten ermöglichen. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts residierten die Habsburger zwar zumeist in Wien. Allein die Tatsache, daß das habsburgische Hausarchiv sich bis zum Zusammenbruch der vorländischen Machtstellung der Dynastie (1415) in der Feste Baden im Aargau befand, verdeutlicht die Problematik eines Hauses, dessen Besitzungen sich von Österreich bis zum Elsaß und Sundgau sowie von der Schwäbischen Alb bis nach Friaul erstreckten. So finden wir die Herrscher pausenlos unterwegs im Sattel. Häufig hielten sich die Habsburger in Baden und Brugg im Aargau, Rheinfelden, Basel, Thann und Ensisheim im Elsaß, Freiburg im Breisgau, Rottenburg am Neckar, Meran, Bozen und auch in Innsbruck auf, das seit etwa 1420 zum Hauptsitz der vorderösterreichischen Habsburger wurde. Immer wieder finden wir Frauen der Habsburger als Regentinnen im Elsaß, wie z. B. Johanna von Pfirt, die Gemahlin Albrechts II., Katharina von Burgund, die Gemahlin Leopolds IV. und Eleonore von Schottland, die Gemahlin Sigmunds des Münzreichen. Auch jüngere Prinzen wie Rudolf IV., Leopold IV. und Friedrich IV. verwalteten vor ihrem eigentlichen Regierungsantritt die Vorlande. Albrecht VI. schließlich regierte von 1444-1458 und von 1461-1463 die gesamten Vorlande in eigener Regie. Nach dem Verlust des Aargaues (1415) wurden Freiburg und Rottenburg zu den wichtigsten Nebenresidenzen der Habsburger. In Rottenburg stand ihnen die Burg der Grafen von Hohen-berg zur Verfügung, während in Freiburg das Dominikanerkloster gelegentlich als Fürstenherberge diente. In Villingen hielten sich die Regenten nur sehr selten auf, was sich z. B. dadurch beweisen läßt, daß Albrecht III. nach dem Tod seines Bruders Leopold III. (1386) ebenso auf eine persönliche Anwesenheit bei der Huldigung verzichtete wie etwa auch Friedrich III. 1442. Kaiser Friedrich III. betrat während seiner 53 Jahre währenden Regierungszeit (1440-1493) Villingen offensichtlich überhaupt nie. Dies mag aber auch damit zusammen hängen, daß Städte wie Villingen oder das ebenso habsburgische Bräunlingen nicht so exponiert lagen wie die übrigen Besitzungen und daher auch kaum gefährdet waren.

Die spärlichen Quellen lassen die Hintergründe der Besuche nicht immer deutlich werden. Die Untersuchung stützt sich in erster Linie auf die vom Wiener Archivar Ernst Birk zusammengestellten Regesten, die E. M. Lichnowsky in seiner „Geschichte des Hauses Habsburg“ veröffentlichte; alle Belege aus diesem Regestenwerk werden daher lediglich in Klammern mit Bandnummer und Regestennummer zitiert. Eine weitere wichtige Quelle bilden die von Wollasch erschlossenen Bestände des Villinger Stadtarchivs.2) Die Bestände des Tiroler Landesarchivs Innsbruck, des Hauptstaatsarchivs Stuttgart, des Badischen Generallandesarchivs Karlsruhe und des Bayerischen Hauptstaatsarchivs München wurden zumindest für das 15. Jahrhundert weitestgehend durchgesehen. Auch wenn hier und da kleinere Ergänzungen durchaus möglich sind, dürfte sich am Gesamtbild wohl kaum etwas ändern.

Wie Karl Siegfried Bader betonte, verlief die Erwerbung Villingens durch die Habsburger nach dem gleichen Schema wie die von Bräunlingen und Freiburg: im Streit zwischen dem Stadtherrn und der Stadt war das Haus Österreich „der lachende Dritte“.“ In einer Zeit der allgemeinen Umgestaltung der Ratsverfassungen war die Stadt Villingen mit den Stadtherren, den Grafen Götz und Johann von Fürstenberg-Haslach, in heftigen Streit geraten. „Die Art, mit der Villingen alsbald an Habsburg Rat und Hilfe fand, zeigt eindeutig, daß die österreichischen Herzöge schon von vornherein ihre Hand im Spiele hatten.“4) Herzog Albrecht II. „der Lahme“ (t 1358), der Sohn König Albrechts I., war am 16. Juni 1326 in Villingen, wo die Bevölkerung ihm freiwillig huldigte. Die Bürger schworen ihm, seinen Brüdern und Erben als rechten Herren mit Leib und Gut gehorsam zu sein. Wenn Albrecht außer Landes sei, wollten sie dem seiner Brüder, der in Schwaben und im Elsaß regiere oder seinem Pfleger „in den oberen Landen“ gehorchen.‘ Am gleichen Tage bestätigte Albrecht II. den Villingern ihre Privilegien: Er gelobte, sie zu schützen und bei den Rechten zu belassen, die sie unter dem verstorbenen Grafen Egeno von Fürstenberg hatten, keine Burg in der Stadt zu errichten, nur 40 Mark Steuer zu verlangen und den Schultheißen nach dem Rat der Bürger zu ernennen.6) Der eigentliche Kaufvertrag, durch den die Grafen Johann und Egeno die Stadt Villingen um 7500 Mark an Albrecht II. und seine Brüder verkauften, datiert jedoch erst vom 30. November 1326.7) Der erste Besuch eines Habsburgers in Villingen ist demnach im Zusammenhang mit dem Versuch zu sehen, in der strategisch wichtigen Stadt an der Ostabdachung des Schwarzwaldes Fuß zu fassen.

Albrecht II. starb 1358. Sein ältester Sohn, Herzog Rudolf IV. „der Stifter“ (+ 1365), hatte sich bereits in den letzten Lebensjahren seines Vaters häufig in den Vorlanden aufgehalten. Seine hochgesteckten Pläne bezüglich einer Erneuerung des Herzogtums Schwaben mußte er nach dem Eingreifen seines Schwiegervaters, Kaiser Karl IV., jedoch im Esslinger Vertrag vom 5. September 1360 aufgeben. Rudolf besuchte Villingen nach seinem Regierungsantritt in allen habsburgischen Gebieten am 4. Februar 1361. In Anwesenheit seines Bruders, Herzog Friedrichs III., des Churer Bischofs Peter und seines Kanzlers Bischof Johann von Gurk sowie anderer Adeliger bestätigte der Herzog den Villingern die inserierte Urkunde seines Vaters vom 16. Juni 1326.8) Am 1. Februar 1361 war Herzog Rudolf noch in Brugg im Aargau und am 6. März bereits in Baden im Aargau; der Besuch in Villingen dürfte demnach nicht allzu lange gedauert haben.

Nach dem plötzliche Tode Rudolfs IV. (1365) übernahmen zunächst dessen Brüder Albrecht III. (t 1395) und Leopold III. (t 1386) die Verwaltung der habsburgischen Gebiete, die seit 1360 mit dem Ausdruck „Haus Österreich“ (Domus Austriae) bezeichnet wurden. 1379 teilten die beiden Brüder im Vertrag von Kloster Neuberg im Mürztal ihre Besitzungen; fortan verwaltete die „albertinische“ Linie das eigentliche Österreich, während die Steiermark, Kärnten, Tirol und die Vorlande an die „leopoldinische“ Linie fielen. Nach der Erwerbung Freiburgs (1368) und der Grafschaft Feldkirch (1375) konnte Leopold III. 1379 die Reichslandvogtei in Schwaben und 1381 die Grafschaft Hohenberg mit Rottenburg erwerben. Nach dem Regensburger Frieden von 1355 herrschte an der Peripherie zur Eidgenossenschaft zunächst zwei Jahrzehnte Ruhe, bis das aggressive Vorgehen Luzerns, das 1385 das habsburgische Amt Roten-burg bei Luzern besetzte, den Herzog zum Eingreifen zwang. Im Zusammenhang mit seinen Bemühungen zur Sicherung der Grafschaft Hohenberg kam Leopold III. am 30. August 1384 auch nach Villingen; es war dies der dritte Besuch eines Habsburgers in der Stadt. Der Herzog konnte die Kaufsumme für die Grafschaft in Höhe von 66000 Gulden nämlich nur mühsam zusammenbringen; wahrscheinlich erhielt der Verkäufer, Graf Rudolf III. von Hohenberg, die Summe niemals vollständig bezahlt. Am 30. August 1384 überließ Leopold III. nun in Villingen Graf Rudolf III. unter gewissen Bedingungen die Grafschaft Hohenberg auf Lebenszeit (IV, 1875).9 Da der Herzog am 23. August 1384 noch in Brugg, am 31. August jedoch bereits in Rottweil war, kann der Aufenthalt in Villingen nicht lange gedauert haben. Knapp zwei Jahre später fiel Leopold III. am 9. Juli 1386 in der Schlacht bei Sempach gegen die Eidgenossen. Obwohl sein zweitältester Sohn Leopold IV. bei seinem Vater in den Vorlanden war, überließen die Söhne Leopolds ihrem Onkel Albrecht III. zunächst die Verwaltung ihrer Gebiete.

 

Der Begründer der „albertinischen“ Linie der Habsburger reiste nun in die Vorlande, um die Huldigungen entgegenzunehmen. Im Juli 1387 reiste er über Augsburg und Ulm in die Vorlande. In Mengen, Baden im Aargau, Rheinfelden, Neuenburg, Freiburg, Kenzingen, Breisach, Ensisheim, Bergheim im Elsaß, Thann, Waldshut, Ehingen, Zofingen, Schaffhausen und Feld-kirch ist er nachweisbar. Er besuchte die lothringische Reichsabtei Luders (Lure) und verhandelte in Dijon mit Herzog Philipp dem Kühnen über die Hochzeit seines Neffen Leopold IV. mit dessen Tochter Katharina. Nach Villingen und Bräunlingen kam er jedoch nicht.

Albrecht III. verwaltete die habsburgischen Besitzungen bis zu seinem Tode im Jahre 1395. Bereits seit 1392 übte jedoch sein Neffe Leopold IV. (t 1411) die Regentschaft in den Vorlanden aus. Am 11. Juni 1392 stellte er in Villingen zwei Urkunden aus. Der letzte sichere Aufenthalt des Herzogs war am 24. Mai in Rottweil; danach urkundete er wieder am 27. Juni in Freiburg, so daß man annehmen kann, daß auch dieser vierte Besuch eines Habsburgers in Villingen nur von kurzer Dauer war. Er erneuerte der Stadt einige Gerichtsprivilegien seines Vaters, die jedoch die Rechte seines Vormundes Albrecht nicht beeinträchtigen sollten.“ Dann erlaubte er dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt, schädliche Leute zu fangen und abzuurteilen.11)

Leopold IV. läßt sich noch ein zweites Mal in Villingen nachweisen. Am 21. Februar 1397 war er in Rottenburg (VII, 148b). Von dort reiste er weiter nach Villingen, wo er am 28. Februar den Brüdern Hans und Konrad Bock von Rottweil mehrere Lehen verlieh.12) Am 5. März nahm er in Ensisheim den Grafen Eberhard III. von Württemberg als Rat in seinen Dienst. Demnach war auch der zweite nachweisbare Besuch Leopolds IV. in Villingen nur von kurzer Dauer.

Bis 1402 regierte nun Leopold IV. allein in Tirol und den Vorlanden. Dann mußte er seinen jüngsten Bruder, Herzog Friedrich IV. „mit der leeren Tasche“, an der Verwaltung beteiligen, dem er am 6. Juni 1404 die Verwaltung der Gebiete „jenseits des Arlberges“ abtrat. Dieser machte sich Ende Juli von Innsbruck in die Vorlande auf. Über Feldkirch und Schaffhausen reiste er zunächst nach Ensisheim, wo er von Ende August bis Ende Oktober blieb. Am 4. und 5. November war er in Stühlingen, am 6. in Villingen und am 7. wieder in Stühlingen. Der Besuch in Villingen dauerte demnach höchstens einen Tag. Am 6. November erlaubte er in Villingen dem Hans von Tierberg, aus den pfandweise innegehabten Einkünften von Warenberg einen Teil an die Lichtpfleger von Villingen zu versetzen.“ Es scheint dies der einzige Besuch Herzog Friedrichs IV., der seit 1406 die alleinige Regentschaft in den Vorlanden innehatte, in Villingen gewesen zu sein.

Im XIII. Jahresheft des Geschichts- und Heimatvereines Villingen habe ich 1988 dargelegt, welche Folgen der Zusammenbruch der habsburgischen Machtstellung in den Vorlanden 1415 für Villingen hatte.'“ Allein Villingen hielt in den Vorlanden Österreich die Treue, wie Herzog Ernst, der Bruder Friedrichs IV., der nach der Ächtung desselben die Verwaltung Tirols übernommen hatte, am 15. Dezember 1415 in einer Urkunde für die Stadt betonte. Dennoch mußte Villingen versuchen, zwischen den Blöcken zu lavieren. Bereits einen Tag vor der Ächtung des Herzogs schloß Villingen am 29. März 1415 einen Vertrag mit der Reichsstadt Rottweil, sich nach Möglichkeit aus dem Streit zwischen dem König und dem Herzog herauszuhalten und gegeneinander keinen Krieg zu beginnen. Beide Städte gestanden einander jedoch zu, ihrem Herrn auf dessen Ersuchen hin finanzielle Unterstützung zu gewähren.“ Nach dem Friedensvertrag zwischen König Sigmund und Herzog Friedrich bestätigte der Herzog der Stadt am 4. Juli 1418 in Breisach die Privilegien. Selbst kam er jedoch nicht mehr nach Villingen, das jedoch vom 18. bis 20. August 1418 den deutschen König Sigmund als Gast in seinen Mauern sah.

Der Wiederaufbau der habsburgischen Machtstellung in Schwaben vollzog sich nur mühsam. 1426 konnte Friedrich IV. nach dem Tode der Herzogin Katharina, der Witwe Leopolds IV., die Gebiete im Elsaß und im Sundgau zurückgewinnen. 1427 erwarb er Freiburg und die Breis-gaustädte zurück.16) 1436 kehrte auch die Herrschaft Feldkirch wieder unter die österreichische Herrschaft zurück. Die Auseinandersetzungen um die Rücklösung der habsburgischen Besitzungen, die König Sigmund dem Grafen Friedrich VII. von Toggenburg verliehen hatte, mündeten unmittelbar in den Zürichkrieg (1440-1446). Nach dem Tode Herzog Friedrichs IV. (t 1439) übernahm dessen Neffe Friedrich V. von der Steiermark die Verwaltung Tirols und der Vorlande und die Vormundschaft über den 12jährigen Sigmund, den Sohn Friedrichs IV. 1440 wurde er zum deutschen König gewählt; er zählte sich jetzt als Friedrich III.. Angesichts der Bedrohung der vorländischen Gebiete schickte Friedrich III. mit seinem jüngeren Bruder Albrecht VI. nun erstmals seit 40 Jahren wieder einen österreichischen Regenten in die Vorlande. Von allen acht Habsburgern, die hier im Mittelalter in Villingen weilten, war er am häufigsten hier. 17)

Insgesamt achtmal läßt sich Albrecht VI. in Villingen nachweisen, darunter mehrfach auch für einige Wochen. Nach dem Reichstag zu Nürnberg, auf dem Friedrich III. im August und September 1444 mit den Fürsten über eine Hilfe gegen die Eidgenossen und Armagnaken verhandelt hatte, verließ Albrecht VI. am 10. September 1444 Nürnberg und reiste über Ulm, Rottenburg und Rottweil nach Villingen, wo er sich vom 25. September bis zum 12. Oktober aufhielt.‘ Bei diesem Aufenthalt koordinierte Albrecht VI. die gegen die Eidgenossen und die Armagnaken zu treffenden Maßnahmen. Am 11. Oktober bestätigte er der Stadt Villingen die Privilegien; 19) dann ritt er weiter nach Breisach, wo er mit dem Dauphin von Frankreich verhandelte.

ALBRECHT VI. — Herzog von Österreich —gest. 1463.

Sein älterer Bruder, als deutscher König Friedrich III., schickte ihn angesichts der Bedrohung der vorländischen Gebiete als österreichischen Regenten in die Vorlande, und so wurde er zum Herren über Villingen. Von allen acht Habsburgern, die im Mittelalter in ihrer Stadt Villingen weilten, war er am häufigsten hier, nämlich achtmal. So war er zum Beispiel 1455 zweimal in der Stadt, wovon er sich einmal, am 20. Juni, mit dem aus Villingen stammenden Gelehrten Matthäus Hummel traf, um die Gründung der Universität Freiburg zu besprechen.(Bild: Wien, Österr. Nationalbibliothek, Cod. 1846, fol. 1).

 

Diese handschriftliche Seite enthält die Aufzeichnungen über die Ausgaben Albrechts Vl. in Villingen im September und Oktober 1444: „Item, an freytag vor michaelis ist sein gnad gen Phillingen komen und da beliben uncz auf den eritag vor sant Gallen tag zum fruemal . .“ (Die Kostenaufstellung enthält u. a. einige pikante Ausgaben.) Text aus: Innsbruck, Tiroler Landesarchiv, Cod. 158: Kammerregister Albrechts VI. (1443/1445), fol. 41 r.

Der nächste Besuch Albrechts VI. in Villingen dauerte vom 13. Januar bis 2. Februar 1445.20) Am 28. Januar stellte der Herzog einen Lehensrevers über die Grafschaft Pfirt an den Bischof von Basel aus (VI, 980). In den nächsten Monaten hielt Albrecht sich am Hochrhein auf, wo er Angriffe der Eidgenossen abwehrte. Am 9. Juni 1446 konnte endlich der Zürichkrieg durch Pfalzgraf Ludwig IV. beendet werden. Albrecht VI. hielt sich 1446 und 1447 zumeist in Freiburg und Ehingen auf; im September und Oktober 1447 weilte er in Wien. Erst im Juli 1448 war er ein drittes Mal in Villingen. Er bemühte sich darum, die Burg Hohenberg, die an den Ritter Jost von Hornstein verpfändet war, wieder einzulösen. Am 21. April 1448 zitierte der Herzog Jost von Mittenwald aus nach Villingen. Jost ersuchte Albrecht nun am 8. Mai um freies Geleit nach Villingen, das er auch erhielt. Am 22. Juli 1448 befahl Albrecht Jost von Hornstein von Villingen aus, nach Freiburg zu kommen, um dort mit ihm über die Pfandschaft Hohenberg zu verhandeln.21) Der Herzog hatte diesen seinen dritten Besuch in Villingen offensichtlich bereits etliche Wochen vorher geplant. Noch im gleichen Jahre finden wir Albrecht VI. ein viertes Mal in Villingen. Am 12. September erklärte er Jost von Hornstein die Fehde, da dieser die Burg Hohenberg nicht herausgeben wollte. Am 12. Oktober schloß er in Villingen mit Jost einen Friedensvertrag. Jost verpflichtete sich, den Streit Herzog Sigmund zur Entscheidung zu übertragen, dem Albrecht die zur Burg Hohenberg gehörenden Besitzungen übergeben sollte.22) Am 14. und 17. Oktober bestätigte Albrecht in Villingen einigen Geistlichen verschiedene Rechte und Einkünfte in Villingen.23) Kurz darauf fand der Überfall Hans von Rechbergs auf Rheinfelden statt; am 8. November ist Albrecht VI. in Säckingen nachweisbar. Es war das vierte Mal, daß der Herzog Villingen einen Besuch abgestattet hatte.

1449 hielt Albrecht VI. sich hauptsächlich in Freiburg auf, von Oktober bis Anfang November besuchte er das unruhige Freiburg im Üchtland, wo er die bürgerkriegsartigen Wirren beizulegen versuchte. Am 3. April 1450 trat er in Innsbruck seinem Vetter Sigmund die Besitzungen an der Peripherie zur Eidgenossenschaft, im Hegau und in Oberschwaben ab. Der Städtekrieg zwischen den verbündeten süddeutschen Fürsten und den schwäbischen Reichsstädten ging am 22. Juni 1450 mit dem Frieden von Bamberg zu Ende. Kurz zuvor besuchte Albrecht VI. im Mai 1450 Villingen zum fünften Male.

 

Er war mittlerweile mit dem berüchtigten Ritter Hans von Rechberg, der wohl nicht ohne sein Wissen die Überrumpelungsaktion gegen Rheinfelden durchgeführt hatte, wodurch diese 1415 verlorengegangene wichtige habsburgische Rheinfestung wieder in den Besitz Österreichs gekommen war, zerstritten. Am 3. Mai fragte Rechberg den Herzog an, wo der für den 1. Juni angesetzte Verhandlungstag stattfinden solle. Danach antwortete Albrecht VI. von Villingen aus, er werde sich in Kürze nach Mengen begeben. Am 17. Mai verlängerte er dann von Villingen aus die Frist bis zum 22. Juni. Dann verschob der Herzog den Tag noch einmal, der nun für den 29. Juni in Villingen angesetzt wurde.24) Am 11. Mai bestätigte Albrecht von Villingen aus einen Vergleichsvertrag mit Basel über die Rheinschiffahrt.“ Wann der Herzog nach Villingen kam, läßt sich nicht sicher bestimmen; er war zumindestens vom 11. bis 17. Mai 1450 in der Stadt; am 22. Mai ist er bereits in Freiburg nachweisbar.

1451 reiste Albrecht VI. nach Wiener Neustadt zu seinem Bruder Friedrich III., um diesen auf der Romreise zur Kaiserkrönung zu begleiten. Nach der Rückreise von Rom trennten sich die Brüder im Juni 1452 in Villach. Albrecht kehrte nun in die Vorlande zurück. Am 8. August 1452 heiratete er in Böblingen Mechthild von der Pfalz. Nun hielt er sich häufiger in Rottenburg am Neckar auf, das seiner Gemahlin als Witwengut verschrieben wurde. Vom Herbst 1452 bis April 1453 war er hauptsächlich in Wiener Neustadt bei seinem Bruder, der ihm am 6. Januar 1453 die Erzherzogswürde verlieh und zwei Tage darauf eine Hausordnung mit ihm schloß, in der der Kaiser ihm die gesamten Vorlande abtrat, also auch die Gebiete, die Albrecht VI. 1450 gegen eine finanzielle Entschädigung Herzog Sigmund überlassen hatte. Der Erzherzog hielt sich von Mai 1453 bis Juni 1454 in erster Linie in Freiburg, Rottenburg und Ensisheim auf; nach Villingen scheint er nicht gekommen zu sein.

Im Jahre 1454 besuchte der berühmte burgundische Herzog Philipp der Gute den Türkenreichstag zu Regensburg. Am 3. Mai wurde er in Günzburg von Beauftragten Erzherzog Albrechts willkommen geheißen. Einige Tage darauf kam er nach Regensburg, das er am 22. Mai wieder verließ. Auf dem Rückweg nach Burgund kam er von Stuttgart nach Rottenburg, wo Albrecht VI. und Erzherzogin Mechthild ihn mit seinem Gefolge am 29. Juni begrüßten. Der burgundische Chronist Matieu d’Escouchy berichtete über den Empfang durch die Erzherzogin. Am 30. Juni reiste Philipp mit seinem Gefolge in Begleitung Albrechts ab. Am 1. Juli übernachteten sie im erzherzoglichen Schloß in Horb. Am 2. Juli diente das Franziskanerkloster in Villingen der prachtvollen Gesellschaft als Quartier. Villingen dürfte wohl kaum je ein derartig prunkvolles Ereignis im Mittelalter erlebt haben als die Ankunft des Gefolges des reichen Burgunderfürsten. 26) In einem gewissen Sinne rächte es sich, daß die Villinger 1326 von Albrecht II. das Privileg erwirkt hatten, daß die Habsburger keine Burg in der Stadt errichten durften.

Dadurch gab es eben auch keine Möglichkeit zur Hofhaltung. In Freiburg hingegen bot der Erzherzog dem Burgunderherzog fünf Tage hindurch ein „großes Fest“, bevor Philipp über Neuenburg und Basel wieder nach Burgund zurückkehrte.

Im Jahre darauf war Albrecht VI. zweimal in Villingen. Am 20. Juni 1455 besprach er in Villingen die Gründung der Freiburger Universität mit Matthäus Hummel, dem späteren ersten Rektor der neuen Hochschule, die mit Villinger Pfründen dotiert wurde.27) Am 22. Juni gewährte der Erzherzog in Villingen der Stadt Rottweil Geleit, solange sie mit ihren Feinden in offener Fehde sei. 28) Am 30. Juni nahm Albrecht die Reichsstadt dann in Rottweil selbst in Schutz. Bereits am 7. August weilte Albrecht mit seiner Gemahlin neuerlich und wohl letztmalig in Villingen, nachdem er noch am 31. Juli in Freiburg gewesen war. Beide verliehen dem Stift und Kapitel St. Moritz in (Rottenburg-) Ehingen die Pfarrkirche zu Spaichingen für einen Jahrtag am Freitag nach Allerheiligen.29) Es war dies offensichtlich der letzte Besuch des Erzherzogs in der Stadt Villingen. Ende des Jahres verließ Albrecht VI. die Vorlande für immer und reiste nach Wien, wo er sich bis 1458 aufhielt. Dann trat er seinem Vetter Sigmund die Herrschaft über die Vorlande ab und erhielt von seinem Bruder Friedrich III. die Verwaltung Oberösterreichs zugesprochen. Kein Habsburger des Mittelalters besuchte Villingen so oft wie dieser bis heute vielfach verkannte Erzherzog, der viel für die Vorlande leistete.

Nach der Übernahme der Regierung der gesamten Vor-lande am 10. Mai begab sich der 31 jährige neue Landesherr Sigmund im Oktober 1458 in die Vorlande, um die Huldigungseide persönlich entgegenzunehmen. Er besuchte Radolfzell, Waldshut, Laufenburg, Rheinfelden, Basel, Neuenburg, Breisach und Freiburg, wo er vom 2. bis 4. Dezember weilte. Da eine Kopie der Urkunde vom 11. Mai 1458, in der Albrecht VI. die Vorlande am 11. Mai 1458 aufforderte, Sigmund zu huldigen, am 5. Dezember 1458 von dem Ritter Bilgeri von Heudorf in Anwesenheit Herzog Sigmunds in Villingen ausgestellt wurde, läßt sich schließen, daß der neue Landesfürst sich auch in Villingen persönlich huldigen ließ.30) Da er vom 8. bis zum 21. Dezember 1458 in Ensisheim nachweisbar ist, kann der erste Aufenthalt in Villingen jedoch nur von kurzer Dauer gewesen sein. Zu Beginn des Jahres 1459 hielt Sigmund sich dann hauptsächlich in Radolfzell auf. Über Feldkirch, wo er sich den größten Teil des Februar aufhielt, kehrte er nach dem 9. März nach Innsbruck zurück.

Im September des Jahres 1460 brach der Thurgauer Krieg zwischen Österreich und den Eidgenossen aus. Am 1. Oktober brach Herzog Sigmund mit Truppen nach Vorarlberg auf, um die Vorlande zu schützen. Als er über Feldkirch und Bregenz am 26. Oktober in Radolfzell eintraf, erfuhr er, daß die österreichische Rheinbrückenstadt Dießenhofen am gleichen Tage kapituliert hatte. Anfang November konferierte er auf der Reichenau mit den Bodenseestädten. Ende November begannen die Konstanzer Friedensverhandlungen, die am 7. Dezember zum Abschluß eines Waffenstillstandes führten. Der nicht sehr kriegerische Herzog zog es bei den Kämpfen wie bei den Verhandlungsrunden zumeist vor, sich in einigem Abstand vom Geschehen aufzuhalten. Am 26. November brach er von Radolfzell aus nach Villingen auf, das zuvor militärisch verstärkt worden war und am 1. November eine größere Besatzung erhalten hatte. Am 28. November hielt Sigmund, „auf seinem großen Hengste reitend“, seinen Einzug in Villingen. Trompeter und Pauker hielten Wache vor seinem Quartier. In Villingen gab es zunächst Versorgungsschwierigkeiten. Der Küchenmeister trieb dort zwölf Ochsen auf.31) Am 9. Dezember bestätigte Sigmund in Villingen Stiftungen an die Universität Freiburg, die erst im gleichen Jahre ihren Vorlesungsbetrieb eröffnet hatte (VI, 457). Am 15. Dezember genehmigte er eine Verpfändung Albrechts VI. und beauftragte seinen Rat Thüring von Hallwi I, Getreide und Geld für weitere etwaige militärische Auseinandersetzungen aufzutreiben (VI, 458f). Im Thurgau hatte sich allein die Stadt Winterthur gegen die eidgenössischen Belagerer halten können. Am 19. Dezember 1460 teilte Herzog Sigmund nun der Stadt Winterthur von Villingen aus mit, daß sie aufgrund des Waffenstillstandsvertrages bis zu einem endgültigen Friedensvertrag „still zu sitzen“ habe.32) Der schwäbische Adelige Hans Wernher von Zimmern verhandelte damals „haimlichen bei herzog Sigmunden von Österrich, welcher …dozumal zu Villingen am Schwarzwaldt war, so vi I, das derselb ime aus besondern gnaden deren Losungen zu Oberndorf und den vier dörfern Waltmessingen, Peffendorf, Bochingen und Altoberndorf, welche der apt von Hirsaw dozumal verpfent gehapt, vergunt und bewilligit “ 33) Kurz zuvor hatte Sigmund auch die Pfandsumme auf Veringen erhöht und Bräunlingen an Graf Heinrich VI. von Fürstenberg übertragen. Nachdem Herzog Sigmund sich in Villingen noch einen neuen Schlitten hatte anfertigen lassen, verließ er nach dem 19. Dezember 1460 Villingen, weil er das Weihnachtsfest unbedingt in Radolfzell verbringen wollte. Bis zum 18. Januar blieb er dort; dann reiste er über Kempten und den Fernpaß nach Innsbruck zurück.

Am 30. März 1461 übergab Herzog Sigmund die Verwaltung der Vorlande wieder an Erzherzog Albrecht, der von den Schweizern mehr gefürchtet wurde als der eher friedfertige Sigmund. Nach dem Tod Albrechts VI. am 2. Dezember 1463 fielen die Vorlande dann endgültig wieder an Sigmund zurück. Im September 1464 reiste Sigmund über den Fernpaß nach Vorarlberg und blieb vom 17. Dezember 1464 bis zum 12. Januar 1465 in Radolfzell. Anschließend hielt er sich einige Tage in Biberach auf und reiste zu den Landfriedensverhandlungen nach Ulm. Über Memmingen reiste er dann nach Tirol zurück. Villingen besuchte er auf dieser Reise ebensowenig wie auf der vorländischen Reise im Winter 1466/67, auf der er in Stockach, Basel, Straßburg, Ensisheim, Thann und Altkirch war.

Im Sommer des Jahres 1467 besuchte Herzog Sigmund den Reichstag zu Nürnberg. Anschließend kam er zum dritten Male nach Villingen. Am 29. August war er noch in Haigerloch. Am 3. September war er bereits in Villingen, wo er einem Bürger von Riedlingen einen Laienzehnten verlieh.“) Herzog Ludwig IX. ersuchte er am gleichen Tag um Hilfe gegen die Eidgenossen, die ihn überfallen wollten. Herzogin Eleonore, die zu Beginn des Jahres 1467 die Regentschaft in den Vorlanden übernommen und sich seither in Thann aufgehalten hatte, kam nun auch nach Villingen, wo Sigmund noch am 4. September war.35) Bereits am 7. September war Sigmund in Freiburg; von dort aus kehrte er nach Innsbruck zurück, wo er am Ende des Monats eintraf.

Der vierte und längste Aufenthalt Sigmunds in Villingen fällt in die Zeit des Waldshuter Krieges von 1468, als Herzog Sigmund hier – wieder in einigem Abstand von der Front – sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Ende Juli kam er nach Radolfzell, und am 5. August ersuchte er von Singen verschiedene Reichsfürsten um Hilfe gegen die Eidgenossen, die am 22. Juli mit der Belagerung der Stadt Waldshut begonnen hatten, die bis zum 27. August dauerte. Vom 11. August bis zum 12. September 1468 ist der Herzog in Villingen nachweisbar. Am 11. August forderte er die Stadt Freiburg auf, zwei Räte nach Villingen zu schicken, um sich über den Krieg zu beraten (VII, 1295). Zwei Tage darauf übertrug er Heinrich von Fürstenberg die Einkünfte in Klengen, Kirchdorf und im Brigental in der Herrschaft Warenberg bei ViIIingen.36)Von Villingen aus koordinierte Herzog Sigmund seine diplomatischen Aktivitäten.37) Am 15. August begannen die Waffenstillstandsverhandlungen in Dogern bei Waldshut. Am 26. August schloß Herzog Sigmund in Villingen ein Bündnis mit der Ritterschaft vom St. Georgen Schild in Schwaben (VII, 1301). Einen Tag später wurde die „Waldshuter Richtung“ besiegelt, die den Krieg beendete. Am 1. September lud Sigmund von Villingen aus Graf Ulrich von Württemberg zu einem Fürstentag nach Speyer ein.38) Am 9. August mußte ein gewisser Hans Bosch, der einige Leute in der Umgebung ViIIingens wegen ihrer Bereitschaft, gegen die Eidgenossen zu kämpfen, verächtlich gemacht hatte, vor dem Bürgermeister und dem Rat von Villingen Urfehde leisten.39) Dies zeigt doch, daß die Bevölkerung der Stadt die Politik des Landesherren unterstützte. Dieser lieh sich am 10. September in Villingen von Oswald von Tierstein 500 Gulden.‘ In Villingen arbeitete Herzog Sigmunds Rat Hans Sernteiner im September 1468 bereits die nächsten taktischen Züge gegen die Eidgenossen aus: der Kaiser sollte die Eidgenossen ächten und Herzog Sigmund die Annahme der „Waldshuter Richtung“ verbieten. Am 12. September warnte der Herzog von Villingen aus seinen Hofmeister Jakob Trapp, vor den Eidgenossen auf der Hut zu sein.

 

 

 

 

Dann verließ er die Stadt und begab sich nach Freiburg, wo er am 14. September nachweisbar ist. Auf dem Landtag zu Neuenburg setzte er am 19. September den Markgrafen Karl von Baden zum neuen Landvogt ein und ritt nach Speyer, um mit den süddeutschen Fürsten über ein neues Bündnis gegen die Eidgenossen zu verhandeln. Im Frühjahr 1469 reiste Herzog Sigmund nach Frankreich und in die Niederlande, wo er sich mit Karl dem Kühnen von Burgund traf und am 9. Mai den Vertrag von St. Omer abschloß, in dem er ihm das Elsaß und die Stadt Breisach mit dem Schwarzwald und den vier Waldstädten am Rhein verpfändete. Im Juli 1469 kehrte er nach Breisach zurück, wo er bis zum 15. nachweisbar ist. Dann kam er zum fünften und letzten Male nach Villingen, wo er vom 19. Juli bis zum 9. August nachweisbar ist. Am 19. Juli versprach er dem Ritter Marquard von Baldeck, ihm von den 40000 Gulden, die er aufgrund des Vertrages von St. Omer von Karl dem Kühnen erhalten werde, 17000 Gulden Schulden zu bezahlen (VII, 1376). Am 21. erteilte er von Villingen aus seinem Rat Peter von Mörsperg einen dementsprechenden Auf-trag.41) Am 22. Juli wandte er sich von Villingen aus an den Tiroler Ritter Oswald von Wolkenstein den Jünge-ren.42) Am 29. Juli beauftragte er von dort aus den Truchsessen Johann von Waldburg, mit den Äbten der Klöster Weingarten, Salem und Weissenau Verhandlungen zu führen.43) Am 9. August wandte er sich an die Stadt Straßburg, die die österreichische Breisgaustadt Kenzingen als Pfandbesitz innehatte. Er ersuchte sie, dafür zu sorgen, daß er von Kenzingen aus eine möglichst starke militärische Unterstützung erhalte, die sie auf den 8. Oktober nach Villingen schicken sollten.44) Es war dies der letzte Tag, an dem Sigmund der Münzreiche in Villingen nachweisbar ist. Bereits am 2. September 1469 war Sigmund wieder in Innsbruck.

Erst nach dem Abschluß der „Ewigen Richtung“ kam Herzog Sigmund im März 1474 wieder in die Vorlande. Von Konstanz aus reiste er über Zürich und Einsiedeln nach Basel und von dort über Neuenburg nach Freiburg, wo er sich jedoch nur wenige Tage aufhielt. Bereits Mitte Mai war er wieder in Radolfzell und Ende Mai in Innsbruck. 1475 unternahm Sigmund im April eine ganz kurze Reise nach Freiburg. 1477 wollte er nach Zürich zu Verhandlungen mit den Eidgenossen; bereits in Bregenz kehrte er jedoch wieder um. 1478 unternahm Sigmund, der mittlerweile von Kaiser Friedrich III. zum Erzherzog ernannt worden war, vom April bis Juni seine letzte Reise in die Vorlande, die ihn nach Radolfzell, Freiburg und Ensisheim führte.‘ Nach Villingen kam er bei diesen Reisen jedoch nicht mehr. 1481 kam Erzherzog Sigmund noch einmal bis Bregenz; für den 54jährigen, der nach damaliger Lebenserwartung bereits ein Greis war, war dies die letzte Reise über Tirol hinaus. Am 16. März 1490 übergab der leutselige Landesfürst nicht ganz freiwillig seine Länder an König Maximilian I., den Sohn Kaiser Friedrichs III. Am 4. März 1496 starb Erzherzog Sigmund in Innsbruck.

Zum Abschluß unserer Betrachtung über die Aufenthalte der Habsburger in Villingen sei noch ein Aufenthalt Maximilians I. erwähnt. Nach seinem Regierungsantritt in den Vorlanden ließ der neue Herr sich allenthalben huldigen. Die Bestätigungsurkunden weisen jedoch einige Probleme auf, da der König sich nach anderen Urkunden um die gleiche Zeit in Österreich aufhielt. Vom 5. bis zum 18. Mai 1490 ist er in Ulm nachweisbar, wo er am 6. den Landvogt Kaspar von Mörsperg und Dr. Konrad Stürtzel beauftragte, für ihn die Huldigungen entgegenzunehmen. Vom 31. Mai datiert eine Privilegienbestätigung aus Freiburg, vom 12. Juni eine aus Neuenburg am Rhein, vom 17. Juni eine aus Laufenburg, vom 16. Juli eine aus Breisach und vom 23. Juli eine aus Endingen. Dem steht jedoch gegenüber, daß der König sich am 13. Juni in Rottenmann in der Steiermark aufhielt sowie am 15. Juli in Enns, von wo er Erzherzog Sigmund aufforderte, mit der Jagd nicht auf ihn zu warten. In der zweiten Julihälfte eilte er nach Graz, um die Rückeroberung seiner östlichen Erbländer nach dem Tode des Königs Mathias Corvinus von Ungarn voranzutreiben. Am 14. August war er in Bruck an der Mur, von wo aus er Sigmund eine Armbrust schickte, die bei der Eroberung von Hartberg erbeutet worden war. Am 19. August konnte er dann endlich in Wien einziehen. Die Urkunde, mit der der König am 4. August in Villingen den Bürgern die Privilegien bestätigte, dürfte daher von Mörsperg und Stürtzel im Auftrage Maximilians und nicht von diesem selbst ausgestellt worden sein.46) Eine von Wollasch erwähnte Privilegienbestätigung Maximilians vom 2. August 1429 (!) geht auf eine Kopie der Urkunde vom 4. August 1490 zurück, bei der das Datum verlesen wurde.47) Eindeutig sicher ist jedoch der Besuch Maximilians vom 25. und 26. April 1499 während des Schwabenkrieges von 1499, in den König Maximilian Ende April des Jahres persönlich eingriff. Der Villinger Chronist Heinrich Hug berichtet darüber: „Item uff donstag nach sant Jergentag (25. April) do kam der king gen Villingen; do zugend usser von der statt im engegen hundertt, den schanckt der king 6 guldin, die ferzarttend wir by ainan-der. Und mornens am fritag fru umb zehne raitt aller zug mit im hinweg, des zugs zu ross 8 hundertt, und rittend gen Kosstentz.“48)

Wir können somit resümieren, daß von der Erwerbung Vill ingens durch Österreich im Jahre 1326 bis zum Jahre 1500 die Herzöge Albrecht II., Rudolf IV., Leopold III. und Friedrich IV. jeweils einmal in Villingen waren, während Leopold IV. zweimal dort nachweisbar ist. Nach 40jähriger Unterbrechung kam dann 1444 mit Albrecht VI., der achtmal in Villingen war, wieder ein Landesfürst dorthin. Herzog Sigmund der Münzreiche war insgesamt fünfmal in Villingen zu Besuch, und zwar in den 11 Jahren von 1458 bis 1469. Dann kam erstmals nach drei Jahrzehnten mit König Maximilian I. wieder ein Habs-burger nach Vi II ingen. Dieser hielt sich dort während des Schwabenkrieges von 1499 kurz in Villingen auf. Kaiser Friedrich III. besuchte die Stadt nie. Von den nichthabsburgischen Kaisern war Sigmund von Luxemburg 1418 in Villingen. Eine besondere Attraktion für die Stadt war sicher auch der Besuch Herzog Philipps des Guten von Burgund im Jahre 1454 gemeinsam mit Albrecht VI. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Besuche der Regenten für die etwas abseits vom großen Geschehen liegende Stadt Villingen Höhepunkte in der Stadtgeschichte des Mittelalters waren.

Fußnoten

1) E. M. Lichnowsky: Geschichte des Hauses Habsburg, Bd. III (13081358), Wien 1838; Bd. IV (1358-1395),Wien 1839; Bd. V (13951439), Wien 1841; Bd. VI (1437-1457),Wien 1842; Bd. VII (14571477), Wien 1843 u. Bd. VIII (1478-1493)

2) Wollasch Hans-Josef: Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen, (= Schriftenreihe der Stadt Villingen), Villingen 1970

3) Bader Karl Siegfried: Der deutsche Südwesten in seiner territorialstaatlichen Entwicklung, Sigmaringen 1978,84

4) ebenda, 82

5) Regesta Habsburgica III: Regesten der Herzoge von Österreich sowie Friedrichs des Schönen als deutschen Königs, hrsg. v. Lothar Gross, (= Publikationen des österr. Instituts f. Geschichtsforschung), Innsbruck 1924, 210, Nr. 1706

6) ebenda, Nr. 1707; vergl. dazu: Wollasch, s. Anm. 2, 16 Nr. 70

7) ebenda, 216, Nr. 1754

8) Wollasch, s. Anm. 2, hier 30, Nr. 140

9) vergl. dazu: Regesten der Markgrafen von Baden I, hrsg. v. Richard Fester, Innsbruck 1900, 143, Nr. 1384f

10) Wollasch, s. Anm. 2, 47, Nr. 223

11) ebenda, Nr. 224

12) Schmid L.: Monumenta Hohenbergica. Urkundenbuch zur Geschichte der Grafen von Zollern-Hohenberg und ihrer Grafschaft, Stuttgart 1862, 782, Nr. 786; vergl. dazu: Günter Heinrich: Urkundenbuch der Stadt Rottweil, (= Württembergische Geschichtsquellen 3), Stuttgart 1896, 235, Nr. 589

13) Wollasch, s. Anm. 2, 53, Nr. 255

14) Baum Wilhelm: Die Stadt Villingen in der Auseinandersetzung zwischen Kaiser Sigmund von Luxemburg und Herzog Friedrich IV. „mit der leeren Tasche“ von Österreich, in: Geschichts- u. Heimatverein Villingen, Jahresheft XIII, 29 – 43

15) Günther, s. Anm. 12, hier 329f, Nr. 803

16) Baum Wilhelm: Freiburgs Rückkehr zu Österreich (1426/27). Ein Beitrag zur Geschichte der Politik Herzog Friedrichs IV. von Österreich im Krieg zwischen König Sigmund von Luxemburg und Filippo Maria Vis-conti von Mailand mit der Republik Venedig, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“ 107, 1988, 7-21

17) vergl. dazu: Baum Wilhelm: Albrecht VI. (t 1463), Erzherzog von Österreich. Skizze einer Biographie, in: Der Sülchgau 31, 1987, 23-45

18) vergl. dazu das Raitbuch Albrechts VI.: Innsbruck, Tiroler Landesar-chiv, Cod. 158, fol. 41r; vergl. dazu auch: Maier Germana: Studien zur Geschichte Herzog Albrechts VI. von Österreich (1418-1463), ungedr. Diplomarbeit, Salzburg 1987, 115-117

19) Wollasch, s. Anm. 2, 84, Nr. 412

20) Innsbruck, Tiroler Landesarchiv, Cod. 158, fol. 86v; vergl. dazu: Maier, s. Anm. 16, 121-123

21) Hornstein-Grüningen Edward: Die von Hornstein und von Hertenstein. Ein Beitrag zur schwäbischen Volks- und Adelskunde, Konstanz 1911, 164, t-w

22) ebenda, 161 u. 165f

23) Wollasch, s. Anm. 2, 86f, Nr. 424f

24) Regesten der Markgrafen von Baden III, hrsg. v. Heinrich Witte, Innsbruck 1907, 252, Nr. 7110

25) Urkundenbuch der Stadt Basel VII, hrsg. v. Johannes Haller, Basel 1899, 415, Nr. 264

26) Schwineköper Berent: Das „Große Fest“ zu Freiburg (3.-8. Juli 1454), in: Geschichte – Wirtschaft – Gesellschaft. Festschrift Clemens Bauer, Berlin 1974, 73-91, hier 83

27) Schreiber Heinrich: Geschichte der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg im Breisgau, Freiburg 1857, 18

28) Gmelin Otto: Aus einem Registrarium des Erzherzogs Albrecht von Österreich, von 1454 und 1455, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 24, 1872, 113-128, hier 114f, Nr. 2

29) Martin Ernst: Erzherzogin Mechthild, Gemahlin Albrechts VI. von Österreich. Versuch einer Lebensgeschichte, in Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts- Althertums- und Volkskunde 2, 1872, 145-271, hier 203, Nr. 21; vergl. dazu: Regesta Episcoporum Constantiensium IV., hrsg. v. Karl Rieder, Innsbruck 1928/30, Nr. 11904

30) Wollasch, s. Anm. 2, 97, Nr. 468

31) Hörtnagl Hans: Herzog Sigmund des Münzreichen Kriegszug gegen die Eidgenossen im Herbst 1460, in: Tiroler Heimat 9, 1927, 41-53, hier 49

32) Meyer Bruno: Der Thurgauer Zug von 1460, in: Thurgauische Blätter zur vaterländischen Geschichte 97, 1960, 15-47, hier 46, Nr. 51

33) Die Chronik der Grafen von Zimmern, hrsg. v. Hansmartin Decker-Hauff, Bd. 1, Sigmaringen, 4.A.1978, 182

34) Fürstenbergisches Urkundenbuch VI, Tübingen 1889, 192, Nr. 114, 8 351

35) Köfler Margarethe u. Caramelle Silvia: Die beiden Frauen des Erzherzogs Sigmund von Österreich -Tirol, (= Schlern-Schriften 269), Innsbruck 1982, 72

36) Wollasch, s. Anm. 2, 106, Nr. 512

37) Baum Wilhelm: Sigmund der Münzreiche. Zur Geschichte Tirols und der habsburgischen Länder im Spätmittelalter, (= Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstitutes 14), Bozen 1987, 287-292

38) Baum Wilhelm: Der Speyerer Fürstentag von 1468. Die Außenpolitik Sigmunds des Münzreichen vom Thurgauer Krieg bis zum Bündnis mit Karl dem Kühnen von Burgund (1460-1469), in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 136, 1988, 153-178, hier 169f

39) Wollasch, s. Anm. 1, hier 106, Nr. 513

40) Thommen Rudolf: Urkunden zur Schweizer Geschichte aus österreichischen Archiven IV (1440-1479), Basel 1932, 362, Nr. 390

41) Innsbruck, Tiroler Landesarchiv, Urk. II 1819

42) Nürnberg, Germanisches National-Museum, Wolkenstein-Archiv, Fasz. 35

43) Karlsruhe, Generallandesarchiv 8/78

44) Regesten der Markgrafen von Baden IV, hrsg. v. Albert Krieger, Innsbruck 1915, 272, Nr. 9940

45) Baum Wilhelm: Sigmund der Münzreiche im Elsaß, in: Schlern 62, 1988, 136-145

46) Wollasch, s. Anm. 2, 141, Nr. 682

47) Wollasch, s. Anm. 2, 67, Nr. 332

48) Hug Heinrich: Villinger Chronik von 1495 bis 1533, hrsg. v. Christian Roder, (= Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart CLXIV), Tübingen 1883, 13

Urkunde Albrechts II., Herzog von Österreich, in der in der Nachfolge der Fürstenberger die Stadt Villingen in seinen Schutz nimmt, 16. Juni 1326. (Villingen, Stadtarchiv, Urk. B 1, Abbildung in Originalgröße).

 

Herzog Leopold IV von Österreich bestätigt der Stadt Villingen Gerichtsrechte, 11. Juni 1392.

 

 

 

Urkunde Herzog Friedrich IV vom 6. November 1404. Mit Ausnahme der Urkunde Herzog Albrechts ll. sind die beiden anderen im nachfolgenden DOKUMENTENANHANG unter Nr. und III. transkribiert. Der Wortlaut der Urkunde Albrechts II. von 1326 findet sich im Wortlaut vollinhaltlich in der Urkunde auf der nächsten Seite und in der Transkription, DOKUMENTENANHANG Nr. I., Urkunde vom 4. Februar 1361, Herzog Rudolf IV

 

Der am 4. Februar 1361 in Villingen von Rudolf IV „dem Stifter“ ausgestellte Freiheitsbrief für Villingen — unten — enthält den vollen Wortlaut der Urkunde seines Vaters Albrechts II. vom 16. Juni 1326, die wir auf der Seite zuvor in Originalgröße abgebildet haben und die wiederum die einzelnen Freiheitsrechte bestätigte, die von den vorangehenden Stadtherren, den Grafen von Fürstenberg, zugestanden worden waren. Die Urkunde von 1361 wurde von Rudolf IV in Anwesenheit seines Bruders Friedrich III., des berühmten Gurker Bischofs Johann Ribi von Platzheim und des Churer Bischofs Peter eigenhändig unterschrieben — ein für Rudolf IV typischer, ansonsten aber seltener Vorgang.

Übertragung der Urkunde in: DOKUMENTENANHANG Nr. 1.

Hier im Wortlaut des Originals nicht abgebildet ist die im DOKUMENTENANHANG als Nr. IV transkribierte Urkunde des Stadtherren aus dem Hause Österreich, König Maximilian I., vom August 1490. Mit dieser Urkunde hat es eine besondere Bewandtnis, die den Forscher, Dr. Wilhelm Baum, zunächst in Zweifel setzte, ob überhaupt das Datum stimmen könne. Die Urkunde trägt nämlich den originalen Vermerk, daß sie vom König selbst in Villingen ausgestellt worden ist. Maximilian war aber zum Zeitpunkt der Urkundsausstellung (4. Aug. 1490) nachweislich gar nicht in Villingen (vgl. hierzu die Ausführungen weiter vorne „Die Besuche der Habsburger in Villingen im Mittelalter“). Offensichtlich handelten bei diesem Rechtsakt der Landvogt Kaspar von Mörsperg und Dr. Konrad Stürtzel im Auftrag und in Vertretung des Königs.

DOKUMENTENANHANG

I.

1361 Februar 4 Villingen

Herzog Rudolf IV. von Österreich bestätigt den Bürgern von Villingen die (inserierte) Urkunde seines Vaters, Herzog Albrechts II. von 1326 Juni 16 und nimmt die Bürger in seinen Schutz und bestätigt ihnen die Freiheiten.

Orig.:Villingen, Stadtarchiv, Urk. B 6 (Perg., Siegel an Perg.streifen mit Ringsiegeleindruck auf der Rückseite) Lit.: Wollasch (1970), 30, Nr. 140

(in verso:) Herzog Rudolfs Freiheit , Lit. B, 1361 4 febr., Ld 6

Wir Rudolff der vierd von gots genaden hertzog ze Osterrich ze Steyr und ze Kernten herre ze Chrayn uf der Marich und ze Porttenow graf ze Habspurch ze Phyrtt und ze Kyburch marichgraf ze Purgow und lantgraf in Elsazzen veriehen und tun kunt offenlich mit disem briefe daz unser getriuwen lieben die purger gemeinlich von Vilingen fur uns komen und habent uns furbracht ein hantfeste die in unser lieber herre und vatter selig hertzog Albrecht umb ir freyheit und recht mit sinem insigel gegeben hat und paten uns, daz wir in dieselben handveste von unsern furstl ichen genaden ge-ruchten ze bestellen und ze vernuwen fur uns unser bruder und fur unser erben. Das haben wir getan in aller der wise als hiernach von wortt ze wortte geschriben stat:

Wir Albrecht von gots genaden hertzog ze Osterrich und ze Steyr herre ze Kreyn uf der Marich und ze Porttenowe gra-fe ze Habspurch zu Kyburch und ze Phyrt und lantgraf in Elsazzen veriehen und tun kuntoffenlich an disem brief allen den, di in ansehent lesent oder horent lesen, die nu lebent oder hernach kunftig sint, daz wir die wisen und bescheiden lute di purger von Vilingen gemeinlich mit I ip und mit gute und ir nachkomen und die stat ze ViIingen in unser und aller unserr bruder und unserr erben besunder schirme genad und hilffe emphangen haben und in genomen iemerme und loben inen bi guten triwen an eydes stat, daz wir si und ir stat ir lib und ir gute innehaben und schirmen Bullen und inen irs rechtens ze helffen und si ouch mit dem rehten ze versprechen gegen menglichem und in allen stellen wo si sin bedurfen. Wir haben inen ouch gelobt bi denselben triwen, daz wir und alle unser bruder und unser erben sy und die stat ze Vilingen ir lib und ir gute lazzen beliben in den rechten und friheiten als sie von dem edeln man graf Egen seligen von Furstenberg und von sinen sonen gehabt habent, als hernach geschriben stat, des ersten daz wir noch unser bruder noch unser erben dehein veste noch burge naher der stat noch in der stat buwen noch machen sollen denne alz si ietz gemachet sint. Die purger sullent ouch uns zu recht ze sture nicht me geben noch unsern brudern noch unsern erben jerlich denne vierczig mark silbers. Wenne ouch daz schultheizzen ampt ze Vilingen ledig wirt, so sullen wir es nach der purger rate einem burger der uns der stat ze vil ingen wol fuget I ihen. Die purger sullent ouch einen ge-butel haben den hertter und den hirtten welen, und sol im der schultheizze die ampte lihen. Swelich purger ze Vilin-gen unser hulde verluset oder ander unzucht tut, es sie umbe den blutenden slach oder minre oder me, daz sol alles uns gericht werden nah der purger urteil und nach der stat recht. Swer unser purger ze Vilingen ist, der sol von siner hofstat nit wann einen schi I ling geben, si sie denn minre oder mer. Wir sullen ouch uber Bise recht und saczunge und uber ander saczunge, die si sitmals gemacht hant, darumb si briefe habent von dem grafen von Furstenberg, die purger und die stat schirmen wider aller mengl ich un bestellen inen ouch dieselben recht und die saczunge als si verschriben sint mit disem briefe, den wir daruber inen zu einer pezzern sicherheit geben haben versigelten mit unserm insigel, der ist geben ze Vilingen an dem achten tage vor sand Johans tage ze sungichten da man zalt von Christes geburt druczehen hundert iar darnach in dem sechs und zwainczigisten jare.

Und wand die vorgeschriben unser lieben purger von Vilingen uns dienstlich sind und getrul ich meinent haben wir in die obgeschriben genad fryheit und recht und was in desselben unsers lieben herren und vatter herczog Albrechts von Osterreich dem got genade brief da vor geschriben ist in allen artikeln und stukchen bewert verniuwet und bestell be-weren verniuwen und bestellen und verheizzen in ouch mit unsern genaden das stet ze haben und si ouch dar uf ze schirmen, darumb sie meinent erloubet dieselben genad friheit und recht mit deheiner frevels geturfticheit uber varen und ir wider sin in deheinen wege. Wer es aber daruber tett, der soll wizzen in unser ungenad und darzu hundert phunt goldes ze wandel yerval len sin der funnfczig phunt in unser chamer und funnfczig phunt den die da von beswe-ret sind worden und geval len sullen. Diser sache sint geczugen die hienach geschriben stent der hochgeborn furst herczog Friderich von Osterrich unser lieber pruderu und die erwirdigen unser lieben frunde her Peter byschof ze Churs2) und herr Johans byschof ze Gurk unser lieber kanczler3) und der edel unser lieber getruwer graf Ulrich von Schownberch und unser getriuwen lieben Walther von Klingen Beringer und Herman gebruder von Landenberg von Griffense Rudolff der Hirns von Schennowe, desglich Nichlas vom Huse Johans von Blumenberch der eltter Heinrich von Rappach unser hofmeister Heinrich der Primmer unser schenkch und Johans der Lozperger unser hofmarchalich und ander erber lute genug die da by waren. Und das zu einem offenn urkunde geben wir in disen brief versigelten mit unserm Insigel, der geben ist daselbs ze Vilingen an donrstag nach unser frowen tage ze der Liechtmesse nach kristes geburt tusent druhundert jar und darnach in dem ayn und sechczigistem jare unsers altersd in dem zwey und zwannczigistem und unsers gewalttes in dem dritten jare.

+ Wir der vorgenannt herzog Rudolf sterken disen prief mit dirr underschschrift unser selbs hant +

II.

1392 Juni 11 Villingen

Herzog Leopold IV. von Österreich bestätigt der Stadt Villingen die Gerichtsrechte, die sein Vater Leopold III. (1369 November 30)4) bestätigte, die jedoch die Rechte Albrechts III. nicht beeinträchtigen sollten.

Orig.: Villingen, Stadtarchiv, Urk. B 15 (Perg.,Siegel an Perg.streifen)

Lit.: Wollasch (1970),47,Nr. 223

(in verso:) Herzog Leupolten frei hait der gesatzen halber. De anno 1392, Lit.B,Ld.6

Wir Leupold von gots gnaden herczog ze Osterreich ze Steyr ze Kernden und ze Krain grave ze Tyrol etc., tun kuntdaz wir unsern lieben getrewen dem burgermaister dem rat und den burgern gemeinlich ze Vilingen von besundern gnaden erlaubt und gegunnet haben erlauben und gunnen auch wissentlich mit dem brief daz si ze Vilingen mugen solich geseczten machen und auff geseczen, der si und dieselb statt notdurftig sind und mugent auch dieselben geseczte wider ablassen und abnemen wenn des not ist und was si also geseczten machen, die dem hochgebornen fursten herczog Albrecht unserm lieben herren und vettern 5) unsern gebrudern uns und unsern erben an unsern rechten nicht schadent, dabey sol es beleiben an alle geverde, und als si unsers lieben herren und vatter herczog Leupold seligen brief auch daruber habent, mit urchund dicz briefs, geben cze Vilingen an zinstag vor gotsleichnamen tag nach Christi gepurd dreuczehenhundert jar darnach in dem zwayundnunczigisten jare.

III.

1404 XI 6 Villingen

Herzog Friedrich IV. erlaubt dem Hans von Tierberg, aus den als Pfand innegehabten Einkünften der Feste Warenburg einen Teil zu versetzen.

Orig.: Villingen, Stadtarchiv, Urk. H 9

Lit.: Wollasch (1970),53, Nr. 255

(in verso:) Lit.H, 9 1404

Wir Fridrich von gotes gnaden hertzog ze Osterrich ze Steyr ze Kernden und ze Krain graf ze Tyrol etc. bekennen umb den satz Warmberg, den unser getrewr Hanns von Tyrberg von uns ynnhat und daraus er den liechtphlegern zu Vilingen drithalb phunt Haller fur viertzig pfunt Haller maint zu verseczen, daz wir dartzu unser gunst und willen gegeben haben wissentlich mit dem brief, doch unsern lieben brudern uns und unsern erben an der losung unvergriffenlich, mit urkund ditz briefs, geben zu Vilingen an dornstag nach Allerhailigen tag, nach Christi geburde viertzehnhundert jar darnach in dem vierden jare.

d(ominus) d(ux) p(er) Jo. …6)

1) Herzog Friedrich III. von Österreich, ein Sohn Albrechts

2) Peter der Böhme 1355-1368 Bischof von Chur, später Erzbischof von Magdeburg

3) Johann Ribi von Blatzheim, Kanzler Rudolfs IV., 1359-1364 Bischof von Gurk, 1364-1374 Bischof von Brixen

4) Wollasch (1970), 36, Nr. 168

5) Es handelt sich dabei um Albrecht III., der für die Söhne Leopolds III. die Vormundschaft innehatte; Wollasch liest „vettern“ irrtümlich als „Vater“!

6) Nicht auflösbare Abkürzung für einen Kanzleibeamten

IV.

1490 August 4 Villingen

König Maximilian l.1)bestätigt dem Bürgermeister, dem Rat und den Bürgern zu Villingen, das ihm wie die „ynndern und vordern Lannde“ von Erzherzog Sigmund abgetreten wurde und ihm gehuldigt habe, sämtliche Freiheiten. Orig.: Villingen, Stadtarchiv, Urk. A 18 Perg., Siegel an Perg.streifen)

Lit.: Wollasch (1970), 141, Nr. 682

(in verso:) Künig Maximilians Confirmation. De anno 1490, Lit. A, Ld.2, 18

Wir Maximilian von gottes gnaden römischer künig zu allen tzeiten merer des reichs ertzhertzog zu Osterreich und zu Burgundi zu Brabant zu Gel ldern etc. grave zu Flandern zu Tirol etc. bekennen offentlich und tun kundt al lermenikIich, als unns dann der hochgeborn Sigmund ertzhertzog zu Osterreich etc. unnser lieber vetter und furst aus ange-sippterfruntschaft genaigtem und gutem freiem willen auch aus redlichen ursachen sein liebe dartzue bewegennde der regirung aller seiner liebe ynndern und vordern lannde abgetretten und die zu unnsern hannden und gewalt gestelt und ubergeben hat, daz unns die erbern weysen unnser getreuen lieben burgermaister rate und burger unnser stat zu Villingen als irem rechten naturl ichen herren und lanndsfursten gesworen und gewundliche huldung getan und unns darauf underteniklich ich gebeten haben daz wir in all ir recht freihait und guet gewonhait die sy von weylannd unnsern vordern fursten und herren von Osterrich heerpracht und erworben und zum negsten von dem obgenanten unnserm lieben vettern und fursten ertzhertzog Sigmunden zu Osterrich etc. bestattung daruber erlangt haben zu vernewen und zu bestatten gnediklich ich geruechten, haben wir angesehen solh ir undertenig und ziml ich bete auch die willigen und unverdrossen dienste so sy weylannd unnsern vorvordern auch dem hawss Osterrich und unns bishier getan haben und furbasser tun sollen und wellen und in dadurch und von sonndern gnaden damit wir in genaigt sein in und Iren nachkommen all und yegklich ich it gnad freihait gesetzte recht brieff privilegia hanndtvesten und guet gewonhaiten die sy lobl ich herpracht und erworben haben vernewet bestatt und confirmiertvernewern bestattigen und bekrefftigen in die auch wissentlich in allen iren puncten stuckgen artickln und begreiffungen in aller mass als ob sy von wort zu wort hierynn begriffen weren dabey si auch beleiben Bullen und der volkomenlich ich geniessen und geprauchen mugen an irrung ungevarlich, und gepieten darauf den edln unnsern lieben getrewen allen unnsern hawbtlewten lanndt-vogten graven freien herren rittern knechten vogten phlegern schulthaissen raten burgern ambtlewten und allen andern unnsern underthanen und getreuen, datz sy die obgenannten von Villingen bey den obberurten iren gnaden freihaiten gesetzten rechten brieven privilegien hanndtvesten und guten gewonhaiten gruebiklich beleiben lassen und sy darwider nicht beswaren noch gestatten beswart zu werden in dhain weiss sonnder sy dabey schutzen schirmen und hannthaben bey unnsern hulden und gnaden. Mit urchund dits briefs geben zu Villingen an mitichen nach sannd Peters tag ad vincula nach Cristi gepurde viertzehen hundert und im newntzigisten unnsers reichs im funfften jaren.

Commissio domini regis in consilio

1) Vergl. dazu die Ausführungen über die Ausstellung der Urkunde und den Aufenthalt des Königs im August 1490 in Österreich