Das Villinger Amt des Klosters St. Katharinental (Anneliese Müller)

Im Jahre 1242 wurde 1 km westlich von Diessenhofen im heutigen Thurgau (Schweiz), am Südufer des Rheins, das Dominikanerinnen-Kloster St. Katharinental angelegt. Schon im 13. Jahrhundert unterhielt es enge Beziehungen zur Stadt Villingen. Allein zwischen 1260 und 1400 haben mindestens 39 Villingerinnen, vor allem aus angesehenen und begüterten Familien, im Kloster den Schleier genommen.

 

Das Dominikanerinnenkloster St. Katharinental1), 1242 bei Dießenhofen (Thurgau) am heutigen Ort angelegt und 1869 aufgehoben, ist auf der Baar ziemlich in Vergessenheit geraten, seitdem es 1835 unter dem Druck der Verhältnisse seine letzten hiesigen Güter hatte veräußern müssen. Die wenigen Heimatforscher, die inzwischen darauf gestoßen sind, haben offenbar wenig damit anzufangen gewußte). Daß dieses Kloster fast 600 Jahre lang eine eigene, von Villingen aus verwaltete Schaffnei besessen hat, ist überhaupt erst in den letzten Jahren bemerkt worden3). Die vorliegende Abhandlung soll deshalb dieses „Villinger Amt“, seine Entstehung und Verwaltung einmal als Ganzes vorstellen, wobei das Thema in diesem Rahmen bei weitem nicht erschöpfend behandelt werden konnte.

Der zum Villinger Amt gehörige Besitz lag in den früheren Kreisen Donaueschingen, Neustadt, Tuttlingen und Villingen und wurde mit Sicherheit seit dem 15. Jh. gesondert verwaltet. Er umfaßte ursprünglich je ein Gut in Aasen, Bachheim, Döggingen, Kirchdorf, Klengen, Neudingen, Sumpfohren und Waldhausen (abgeg. Bei Döggingen), 10 Höfe in Dürrheim, die Häringshöfe bei Pfaffenweiler, 2 Güter in Pfohren, 3 Güter in Tuningen, Kelnhof und ein Gut in Überauchen, ein Haus, Liegenschaften und Geldeinkünfte in Villingen und eine Geldabgabe aus Tannheim, wozu noch Korngülten von den Zehntquarten in Bräunlingen und Löffingen und 2 Güter in Bräunlingen kamen. Besitz in Waldhausen bei Villingen war bereits 1261 abgestoßen worden. Hoheitsrechte irgendwelcher Art hatten nicht erworben werden können.

Grundlage für die Entstehung des Amtes sind die Beziehungen zwischen dem Kloster und der Stadt Villingen gewesen. Es soll daher zunächst auf diese eingegangen werden.

Urkundlich läßt sich die Verbindung erstmals 1259 nachweisen: in jenem Jahr schenkte der Reichenauer Ministeriale Heinrich von Salenstein dem Kloster ein Haus in der Stade). Auch der Hof in Waldhausen, der 1261 verkauft wurde 5), muß um diese Zeit erworben worden sein. Aber solchen Handlungen waren naturgemäß persönliche Beziehungen vorausgegangen, die man im wesentlichen der Villinger Stadtadelsfamilie von Tannheim 6) wird zuschreiben dürfen. Ein Angehöriger der Familie, Burkhart von Tannheim, lebte schon um 1258 mit seiner Ehefrau als Pfründner beim Kloster. Darüber, wie diese Verbindung zustande gekommen ist, lassen sich nur Vermutungen aufstellen. Der Tradition zufolge 7) soll Burkhart durch einen gewissen Rudolf von Villingen für das geistliche Leben gewonnen worden sein, einen sonst unbekannten Mann, der wohl ein Geistlicher und kaum in Villingen wohnhaft gewesen ist, da sein Name eine Herkunftsbezeichnung darstellt. Man wird diese Mittlerrolle jedoch kaum einer einzelnen Person zuschreiben dürfen, sondern eher — man betrachte die geographische Lage Villingens und die Stadtpolitik des 13. Jh. 8)— einer Stadt, nämlich Schaffhausen. Diese Stadt war mit Villingen nicht nur über eine gute Fernstraße sondern auch durch mannigfache persönliche, wirtschaftliche und politische Interessen verbunden, andererseits haben die Schaffhauser Bürger zu den ersten gehört, welche die junge Gründung St. Katharinental gefördert und unterstützt hatten. Villingens Stadtherr, Graf Heinrich von Fürstenberg, ist allem zufolge am Zustandekommen der Verbindung unbeteiligt gewesen 9).

Die Beziehung zwischen Stadt und Kloster wurde weiterhin von der Familie von Tannheim getragen, für die St. Katharinental später einen eigenen Jahrtag errichtete, eingedenk der von derselben empfangenen Wohltaten“‘. Infolgedessen ist der klösterliche Freundeskreis in Villingen genau zu bestimmen: er bestand im wesentlichen aus den vier Familien von Tannheim, Hainburg, Hemerli und Stehelli, die, eng miteinander versippt, im 14. Jh. nach Rang und Tätigkeit an der Spitze des Stadtadels und der Stadt standen. Man wird kaum fehlgehen, wenn man annimmt, daß auch die anderen damals im Zusammenhang mit dem Kloster genannten Einzelpersonen und -familien irgendwie in diesen Kreis gehört haben. Sicher war dies der Fall bei der Familie Blumberg: Vormund der Agnes Blumenbergin, deren Eltern sich in den Kriegswirren 1291/92 mit zwei Kindern ins Kloster geflüchtet hatten, ist Burkhart von Tannheim gewesen 11). Möglicherweise trifft dies auch auf eine andere Villingerin zu, die Frau Silbernknöllin, die um 1284 mit ihrer Tochter nach St. Katharinental kam und eine Villinger Fleischbank einbrachte12); man weiß nämlich inzwischen, daß die von Tannheim an den dortigen Fleischbänken beteiligt gewesen waren13). Insgesamt darf die Beziehung zwischen dem Kloster und den führenden Schichten der Bürgerschaft bis in die Zeit um 1300 als eine überwiegend persönliche betrachtet werden.

 

Das Kloster wurde 1869 aufgehoben und ist heute, vorzüglich restauriert, ein kantonales Alters- und Pflegeheim. — Im Hintergrund rechts das ehemalige Kornhaus, davor mit hohem Giebel die Klosterkirche, links anschließend der Konventstrakt. Das kleinere Haus mit der Traufseite zum Betrachter, vor der Kirchenfassade, ist die einstige Hofmeisterbehausung, das langgestreckte Gebäude davor ein Wirtschaftsgebäude. Das quadratische Haus links war das Hofmeisterhaus von 1781, links dahinter das Herrenhaus von 1744/45. Die Hangseite, im Bild links, ist das deutsche Steilufer über dem Rhein bei Gailingen.

 

Deutlichste Auswirkung waren die zahlreichen Klostereintritte weiblicher Familienangehöriger: wir kennen für die Zeit zwischen 1260 und etwa 1400 mindestens 39 Villingerinnen, die in St. Katharinental den Schleier genommen haben 14), darunter jene Elisabeth Hainburg, die auf Grund ihres vorbildlichen Lebenswandels eine eigene vita erhalten hat 15) . Gleichzeitig lassen sich aber auch Laienbrüder und Pfründner aus Villingen im Kloster nachweisen 16), und im übrigen hat sich eine Reihe von Jahrtagstiftungen erhalten17), von deren Stiftern sicherlich etliche ihr Begräbnis im Kloster gefunden haben. Von Anfang an waren, meist über geistliche Ausstattungen und Zuwendungen, Liegenschaften und Einkünfte in und bei der Stadt erworben worden, wenn auch zunächst nicht in nennenswertem Umfang; dazu gehörte z. B. die durch Konrad Blumberg geschenkte Mühle zum Steg 18) . Allerdings hat man im Kloster, wie die 1261 erfolgte Abstoßung des Waldhauser Hofes zu beweisen scheint, zunächst nicht daran gedacht, hier größere Außenposten zu erwerben und zu behalten. Erst als sich gegen 1300 der auf der Baar gelegene Besitz ansehnlich vermehrt hatte, scheint man die Erweiterung desselben ernsthaft betrieben zu haben. Unter den Neuerwerbungen waren weitere Güterstücke und Einkünfte in der Stadt selbst: 1313 schenkte Burkhart von Tannheim 7 Mm Wiesen vor dem Riettor an eine Jahrzeit für seine Eltern19), 1345 gab seine Nichte Katharina 2 Pfd. Pfg. jährlichen Zins von einer Wiese zum gleichen Zweck 20). Die Mühle vor dem Niedertor, auf deren Platz heute das städtische Schlachthaus steht 21), war 1318 um 72 M. S. von der Witwe Katharina des Schultheissen Hug Stehelli erkauft worden 22). An jährlichen Einkünften kamen später noch 5 Pfd. H. vom Villinger Schultheißenamt hinzu, welche Schwester Anna von Klingenberg dem Kloster zwischen 1410 und 1465 zugebracht hatten), und 1467 konnte von der Witwe des Hans Stehelli eine Reihe von Gartenzinsen um 20 Pfd. H. erworben wer-den24). Obwohl diese Güter und Zinse nicht sonderlich viel einbrachten, bot sich, als es um die Schaffung eines eigenen Amtes ging, Villingen natürlicherweise als Verwaltungsmittelpunkt an: es lag zentral inmitten des klösterlichen Grundbesitzes, war bei weitem die bedeutendste Stadt im Umkreis, hatte den zum Absatz des Getreides notwendigen Markt, und das Kloster besaß dort ein außerordentlich geräumiges Haus, welches sich zur Aufnahme der jährlich einlaufenden Naturalzinsen bestens eignete.

Dieses Haus war, wie vorbeschrieben, 1259 von Heinrich von Salenstein erworben worden25). Leider fehlen für die folgende Zeit alle Quellen, sicher ist jedoch, daß der Erwerb keineswegs die sofortige Aufnahme ins städtische Bürgerrecht nach sich gezogen hat. Auch scheint das Haus zunächst nicht vom Kloster selbst genutzt worden zu sein: als nach 1259 erstmals wieder etwas darüber zu erfahren ist, 1313, wurde es von Burkhart Hennerli bewohnt und in jenem Jahr dessen Neffen Burkhart von Tannheim als Pfründgut auf Lebenszeit zur Nutznießung überlassen26). Die nächste Nachricht zeigt, daß 1465/66 mit Hans Stehelli immer noch ein Stadtbürger darauf saß27), der es sich allerdings mit dem sogenannten Hauswirt teilte, von dem noch die Rede sein wird28). Sämtliche Abgaben trug, nachzuweisen erst mit dem 15. Jh., das Kloster. Vielleicht darf man, mit gebührender Vorsicht angesichts der Quellenlage, annehmen, daß St. Katharinental das Gebäude vorher jeweils einem ihm freundschaftlich verbundenen Stadtadeligen anvertraut hat, der möglicherweise die Abgaben zu tragen hatte und wohl die Vertretung des Klosters bei der Stadt und die Überwachung der wenigen Lehenleute übernahm. Die Einsetzung des Hauswirtes datiert wohl nach der Aufnahme ins Villinger Bürgerrecht, da um jene Zeit auch der Besitz beträchtlich zunahm. Erst mit der Einsetzung eines ständigen, in Villingen verbürgerten Schaffners in der zweiten Hälfte des 15. Jh. dürfte das Klosterhaus endgültig dem jeweiligen offiziellen Amtsträger als Wohn- und Amtssitz übertragen worden sein.

Das Bürgerrecht konnte 1314 erworben werden. Warum dies nicht schon 1259 geschehen ist, läßt sich nicht ohne weiteres klären. Natürlich könnte von Seiten des Klosters kein Interesse daran bestanden haben; möglicherweise sind entsprechende Versuche auch durch den häufigen Ämterwechsel vereitelt worden29). Mit größerer Wahrscheinlichkeit waren es jedoch die politischen Verhältnisse, die sich als hinderlich erwiesen. Wie bereits bemerkt, ist kein Interesse des Stadtherrn Heinrich von Fürstenberg an dem unter habsburgischer Oberhoheit stehenden Kloster zu vermerken, und ihm muß doch wohl zumindest ein Mitspracherecht an der Bürgerannahme zugestanden werden. Die Art, wie die Aufnahme dann schließlich erfolgt ist, entbehrt ohnehin nicht gewisser Züge, die ein bezeichnendes Licht auf das Verhältnis zwischen Stadtherrn und Bürgerschaft werfen. Ihr war ein seit 1311 andauernder Streit des Grafen Egino von Fürstenberg, Heinrichs Sohn, mit dem Kloster um gewisse Rechte, besonders an den Häringshöfen, vorangegangen, der von Seiten des Grafen so erbittert geführt wurde, daß er schließlich das Interdikt zu gewärtigen hatte. Der Streit wurde daraufhin am 15. Oktober 1314 durch einen dem Kloster günstigen Kompromiß beendet; die Zeugen der Urkunde gehörten zum größten Teil, die darunter befindlichen Villinger Bürger sämtlich zu den Freunden des Klosters 30). Zwei Tage später bat Egino die Stadt, das Kloster unter ihre Bürger aufnehmen zu wollen und versprach demselben seinen Schutz31). Die Stadt scheint dieser Bitte rasch, vermutlich ganz im Gegensatz zu ihren sonstigen Gepflogenheiten, entsprochen zu haben — man fragt sich, ob die Bitte des Grafen nicht eine reine Formalität und dazuhin eine Art zusätzlicher, ihm abgerungener Entschädigung an das Kloster und die durch seine Schuld zeitweise vom Interdikt bedrohte Stadt dargestellt hat32). St. Katharinental wurde fortan unter die Villinger Ausbürger gerechnet, die Bürgereigenschaft ruhte auf dem Klosterhaus in der Rietstraße33). Dafür entrichtete das Kloster der Stadt jährlich seit dem 15. Jh. 2 ß H Hofstattzins‘) (im 18. Jh.: 2 xer) und die Steuer in Höhe von 2 Pfd. H. (seit 1581 1 fl. 3 b zuzüglich 3 fl. Schatzung, seit dem Ende des 17. Jh. 3 fl. 45 xer Steuer und ebensoviel Schatzung)35), wozu noch die jeweils wechselnden Belastungen kamen, welche die Stadt auf ihre Bürger umzulegen genötigt war. Das Haus war zudem mit einer Abgabe von 4 ß H (später: 20 xer) an die Lichtpflege im Münster belastet, die als Gegenwert für 1/2 Pfd. Wachs erhoben wurden und wohl eine unbekannt gebliebene Jahrtagstiftung im Hintergrund hatten. Sämtliche Abgaben wurden bis zur Veräußerung des Hauses im allgemeinen regelmäßig entrichtet, das Haus selbst ging 1795 um 1500 fl. rh. an die Hofmeistersgattin und Schaffnerstochter Walburga Hafen geb. Handmann über 36).

 

Schon 1259 schenkte der Reichenauer Ministeriale Heinrich von Salenstein dem Kloster St. Katharinental ein Haus in der Stadt Villingen. Ob es bereits das hier im Bild gezeigte war, ist nicht zu entscheiden. Jedenfalls war die Schaffnei, d. h. der Verwaltungssitz des Villinger Amtes, bis zur Säkularisation in diesem Hause Rietstraße 31. Das Kloster besaß in Villingen das Bürgerrecht.

Mit dem Erwerb des städtischen Bürgerrechtes war die erste Phase in den Beziehungen Stadt-Kloster beendet—für das Kloster konnte nun die Sicherung seines Besitzstandes beginnen, gefolgt vom Aufbau einer Schaffnei. Für die Zeit bis kurz nach 1400 sind die Quellen allerdings wenig ergiebig, es haben sich nur einige wenige Lehenbriefe erhalten. Die Besiegelung von Lehensreversen durch die Stadt zeigt zumindest, daß das Kloster seine Bürgerpflichten ernst nahm. Die persönlichen Bindungen liefen zunächst weiter, um erst gegen Ende des Jahrhunderts langsam einzuschlafen; die Zahl der Klostereintritte ließ nach und hörte schließlich ganz auf‘. Die Gründe dafür sind unter anderem in den veränderten Zeiten zu suchen. Seit 1326 unterstand die Stadt Villingen dem Hause Habsburg, was ein demonstratives Verhältnis zu dem habsburgischen Kloster hatte hinfällig werden lassen. Das Stadtregiment war unmerklich auf andere Familien übergegangen, die führenden Familien des 14. Jh., soweit es sie noch gab, zogen den Aufstieg in den Landadel vor 38). Man gab jetzt auch seine Töchter vorzugsweise in die heimischen Klöster, die vermutlich mit geringeren Aussteuersummen zufrieden gewesen sind als St. Katharinental, wo das Leben inzwischen stiftsmäßigen Charakter angenommen hatte39). Die Beziehungen zwischen Stadt und Kloster begannen sich zu versachlichen.

Auch das Interesse des Klosters galt seit dem 14. Jh. überwiegend der einträglichen Verwaltung seines Grundbesitzes. Um Reibungen zu vermeiden empfahl es sich, mit der Stadt in gutem Einvernehmen zu stehen. Man war darum auch sehr besorgt, noch eine Information des 17/18. Jh. für den Villinger Verwalter weist denselben ausdrücklich auf diesen Punkt hin. Natürlich gab es auch weiterhin persönliche, freundschaftliche Verbindungen, die jedoch nun das Ergebnis der wirtschaftlichen Gegebenheiten waren: so zu dem Hauswirt, dem Schaffner, den Lehenleuten. Die Stadt selbst gewann nur einmal eine über ihre Funktion als Gerichtsinstanz und Schaffnersitz hinausgehende Bedeutung: als während der Reformation 1531 ein Teil des Konventes das Kloster verließ und, nach einem Aufenthalt in Engen dort von der „Pest“ vertrieben, sich nach Villingen begab. Die 21 Frauen lassen sich hier von Ende Oktober 1531 bis Anfang 1532 nachweisen, sie wohnten allerdings nicht in ihrem eigenen Haus, in dem der Schaffner saß, sondern vermutlich im gegenüberliegenden Antoniterhaus 40). Sie erfreuten sich allgemeiner Unterstützung, sowohl von Seiten der Stadt wie befreundeter Adeliger, die Bürger sollen von dem exemplarischen Lebenswandel so angetan gewesen sein, daß sie die Klosterfrauen zu bleiben baten; die Stadt soll sogar versprochen haben, das Holz zu einem Klosterbau stellen zu wollen 41). Das Angebot wurde allerdings hinfällig, als nach der Schlacht bei Kappel eine Rückkehr in das eigene Kloster möglich wurde.

Mit dem Erstarken der Stadtherrschaft begannen auch immer wieder zutage tretende Querelen, weil die Stadt begann, ihre seit 12 78 nachzuweisenden Privilegien exzessiv anzuwenden 42).

Da St. Katharinental seinen Klosterbau nicht im städtischen Jurisdiktionsbereich hatte, waren die Folgen nur mittelbar, stellten jedoch im Laufe der Zeit schwerwiegende Rechtsverluste dar. Schon früh hatte die Stadt versucht, Einfluß auf die Klosterpflegschaften zu nehmen und spätestens im 16. Jh. erreicht, daß diese unter ihre Ämter gerechnet wurden. Der jeweilige Schaffner hatte also Bürger der Stadt zu sein und dem dortigen Rat zu schwören 43). Ein 1673 unternommener Versuch des Klosters, sich dem zu entziehen, indem es die damals vakante Schaffnei mit dem verdienten Hofmeister Johann Michael Jäger besetzte, scheiterte am Einspruch der Stadt, welche den Nichtbürger Jäger unter Hinweis auf ihre Privilegien abwies44). Folgenschwerer waren die ebenfalls im 17. Jh. zu beobachtenden Versuche, die Zuständigkeit des Villinger Stadtgerichtes für bestimmte Rechtsfragen zu umgehen. Der Ausgang einer Streitigkeit, entstanden durch die Ladung eines Kirchdorfer Lehenmannes wegen ausständiger Zinse nach Konstanz, die von der Stadt mit Befremden zur Kenntnis genommen worden war, ist unbekannt45). Dafür konnte sich die Stadt im Streit um die Verleihung der Häringshöfe um 1650 vollständig durchsetzen: die Belehnungen waren nach wie vor vor ihrem Gericht durchzuführen, und dem Kloster wurde in einem 1655 erfolgten Vergleich gerade noch zugestanden, daß der jeweilige Inhaber um die Belehnung einkommen müsse; eine Veräußerung der Höfe war jedoch seither auch ohne klösterliche Erlaubnis möglich46). St. Katharinental scheint sich der Lage vollständig gefügt zu haben, und so ist bis ins 19. Jh. über die gegenseitigen Beziehungen nichts Sensationelles mehr zu berichten.

Der außerhalb der Stadt gelegene, zum späteren gleichnamigen Amt gehörige Grundbesitz ist, abgesehen von wenigen Stücken, die noch im 13. Jh. an das Kloster gekommen waren, im wesentlichen im 14. Jh., meist zwischen 1318 und 1350 erworben worden. Im 15. und 16. Jh. kamen noch kleinere Einkünfte dazu, im 17. Jh. nochmals zwei Güter, dann ist der Besitz, abgesehen von den unumgänglichen Verlusten und Tauschhandlungen, bis ins 19. Jh. konstant geblieben.

Herkunft, Erwerbsart und -jahr ist von vielen der Güter bekannt, im übrigen der Einfluß Villinger Bürger nicht zu übersehen. Die drei Güter in Aasen, Bachheim und Döggingen verdankte das Kloster dem Schaffhauser Bürger Jakob Hun, der sie 1311 mit Konsens seines Lehenherren, des Konstanzer Bischofs, seiner Tochter Agnes beim Klostereintritt mitgegeben hatte‘. Ebenfalls einer (Aussteuer-)Schenkung entstammten vier der zehn Dürr-heimer Güter: diese hatte der Villinger Bürger Konrad Blumberg, der sich um 1291/92 mit Frau (Adelheid) und den Töchtern (Irmengard und Agnes) ins Kloster geflüchtet hatte, mitgebracht48). Die sechs restlichen Güter erwarb St. Katharinental 1333 um 443 Pfd. H. von dem Grafen Berthold von Sulz, der 2/3 daran kurz zuvor aufgekauft hatte«. Die beiden Güter in Neudingen und Sumpfohren waren Eigentum des Villinger Bürgers Konrad von Tannheim gewesen, der sie 1318 dem Kloster um 30 M. S. verkaufte50). Diese Summe war so niedrig, daß angenommen werden darf, daß der Verkäufer die Differenz — die beiden Höfe dürften zusammen etwa 75 M. S. wert gewesen sein — seiner um jene Zeit ins Kloster eingetretenen Tochter Elisabeth mitgegeben hat 51). Die Kaufsumme hatten die Brüder Berthold und Eberhard von Stoffeln dem Kloster zur Verfügung gestellt, mit der Auflage, aus den Einkünften der erkauften Güter ein Leibgeding und später Jahrzeiten bestreiten zu wollen52). Die drei Güter in Tuningen stammten aus dem Besitz der Villinger Familie Stehelli; Schultheiß Hug Stehelli und sein Bruder Heinrich verkauften zunächst 1309 einen Anteil um 161/2 M. S., 1321 konnten 2 weitere Güter von Hugs Witwe Katharina, ihrem Sohne Konrad und dem Schwager Heinrich um 71 Pfd. Brisger erworben werden53).

Weniger einfach liegt die Sache bei den restlichen Orten. So gibt es über den Erwerb des Kelnhofes in Überauchen und der Häringshöfe keine eindeutigen Hinweise, wenn man nicht die Bemerkung „unkaufte Leut“ bei Überau-chen im Rodel von 1339/45 als einen solchen, nämlich auf eine Schenkung, werten will. Beide werden erstmals in einem undatierten Rodel vom Beginn des 14. Jh. genannt‘. Während der Jahre 1311-14 sperrte Graf Egino von Fürstenberg die davon gehenden Einkünfte — den Häringshof scheint er auch annektiert zu haben — ungeachtet aller kirchlichen Strafen, die er damit auf sich lud 55). Der Vergleich, der schließlich zustande kam, ging allein um den Häringshof, weshalb anzunehmen ist, daß dem Kloster in Überauchen einigermaßen gesicherte Besitztitel vorlagen. Die Ansprüche an den Häringshof hingegen verkaufte der Graf dem Kloster um 20 M. S., d. h., er verkaufte den Hof sannt der Sägemühle als lediges Eigen.

 

Im Frühjahr 1989 begann für das große alte Haus an der Rietstraße ein neuergeschichtlicher Abschnitt. Von der Webergasse geht der Blick auf die Rückseite des einstigen St. Katharinentaler Verwaltungssitzes, wo gerade die Baumaschinen dabei sind, das Gebäude völlig auszukernen.

Es wäre interessant zu wissen, welcher Art diese Ansprüche gewesen sind, denn die 20 M. S. müssen lediglich eine Abfindung dargestellt haben. Die drei Höfe des Jahres 1829 umfaßten etwa 575 Jauchert (sie hatten eine Sondermarkung), und selbst wenn man annimmt, daß der ursprüngliche Hof kleiner gewesen ist und seit dem 14. Jh. eine Vermehrung des Grundbesitzes etwa durch Rodung stattgefunden hat, so muß dennoch, vergleicht man das Gut mit anderen, ähnlichen Objekten, der gesamte Hof des 14.1h. etwa einen Wert von 200 M. S. gehabt haben). Der ganze Vorgang scheint auf eine vom Landes- oder Vogteiherrn nicht genehmigte Schenkung bzw. auf die Ablösung von Vogtrechten hinauszulaufen. Weitere Aussagen sind leider nicht möglich, zumal die Nennungen in dem obengenannten Rodel und zu 1311 die Erstnennungen des Häringshofes überhaupt darstellen. Eine Vermutung sei indes erlaubt: Niedergerichtsherr im benachbarten Pfaffenweiler waren die Schenken von Salenstein namens des Klosters Reichenau, und die Kastvogtei über die reichenauischen Besitzungen auf der Baar scheinen die Grafen von Fürstenberg ausgeübt zu haben56). Wer jedoch der eigentliche Schenker des Hofgutes gewesen ist, darüber gibt es keinerlei Anhaltspunkte.

Schenker des Kelnhofes in Überauchen könnte allerdings ein Villinger Bürger gewesen sein, da das Kloster 1339 einen Anteil von einem solchen zurückkaufen mußte 57). Ein zweites Gut konnte 1338 von Kloster Salem um 70 M. S. erworben werden 58). Die beiden Höfe in Klengen und Pfohren werden ebenfalls in dem Rodel vom Anfang des 14 Jh. genannt, das Gut in Kirchdorf 1325 und Besitz in dem in Döggingen aufgegangenen Waldhausen im Rodel von 1339/45. Hinweise auf die Erwerbsart hat man derzeit allein bei dem Gut in Klengen: da es mit einem Wachszins belastet war, dessen Empfänger allerdings derzeit noch unbekannt ist, könnte es ursprünglich einer geistlichen Institution gehört haben60). Die Einkünfte aus Löffingen und Bräunlingen wurden im 15. und 17. Jh. erworben. Die 5 Mtr. Getreide aus der Bräunlinger Zehntquart hatte Schwester Agnes von Klingenberg 1410 ihrer ebenfalls im Kloster lebenden Schwester Anna auf Lebenszeit überlassen mit der Auflage, daß sie nach deren Tod an die Familienjahrzeit im Kloster fallen sollten 61). Ein jährliches Kernengeld von 6 Mtr. aus der Zehntquart in Löffingen wurde Verena von Klingenberg 1463 bei ihrem Klostereintritt mitgegeben; von der Möglichkeit, diesen Zins mit 100 fl. rh. auszulösen, hat die Familie keinen Gebrauch gemacht62). Die allerletzte Erwerbung an das Villinger Amt stellten die beiden Güter bzw. deren Einkünfte in Bräunlingen dar, welche allerdings erst nach langen Streitigkeiten ab 1685 bezogen werden konnten. Sie waren dem Kloster, zusammen mit weiteren Liegenschaften und fahrender Habe, 1646 und erneut durch ein Testament vom 10. April 1649 durch die Witwe des Bräunlinger Oberschultheißen Hans Ulrich von Ramschwag, Anna Magdalena von Göberg, vermacht worden. Sie hatte sich nach denn Tode des Gatten ins Kloster zurückgezogen, dort offenbar den Status einer Pfründnerin erlangt und war gegen 1654 gestorben. Ihr Testament wurde zwar als gültig erklärt, die Hinterlassenschaft war jedoch mit Schulden belastet, wurde zunächst zugunsten der Gläubiger vergantet und erst spät kam eine Einigung zustande, welche dem Kloster wenigstens die beiden Güter eingebracht hat 63). Welchen Status die verschiedenen Güter bei der Übernahme durch das Kloster gehabt hatten, läßt sich im allgemeinen nicht mehr feststellen, wenn auch angenommen werden darf, daß zumindest die größeren Höfe noch im Hochmittelalter erblich gewesen sind. Waren sie jedoch nicht als Fallehen übernommen, so wurden sie alsbald in solche umgewandelt: im 15. h. bestand das Amt, ausgenommen den Besitz in der Stadt Villingen, ausschließlich aus Hand- und Schupflehen. Begreiflicherweise herrschte dagegen bei den Untertanen der Wunsch vor, die Erblichkeit ihrer Lehen zu erreichen, der vom Kloster, schon wegen der Entfernung der Güter vom Verwaltungshauptsitz, nicht geteilt werden konnte: abgesehen davon, daß man die Übersicht über Handänderungen verlorenzugehen drohte, bestand bei einem Erblehen kaum mehr die Möglichkeit, Einfluß auf die Einsetzung des bestmöglichen Wirtschafters zu gewinnen. Dennoch ließ sich die Entwicklung nicht aufhalten; wie sie im einzelnen verlaufen ist, war allerdings weitgehend von Zufälligkeiten abhängig, wie z. B. der Haltung der jeweiligen Gerichtsherrschaft. Am weitesten scheinen die Dinge früh im Bereich von Stadt und Johanniterkommende Villingen gediehen zu sein: in Dürrheim führte schon 1440 ein Lehenmann einen Prozeß mit der Behauptung, sein Lehen sei erblich und könne daher wegen ausstehender Zinse nicht heimfallen 64). Den Beweis blieb er allerdings schuldig. Im Gebiet der Stadt setzten die Erblichkeitskäufe im 16. h. ein: die Härings-höfe hatten den erblichen Status schon 1604, das Gut in Klengen erlangte ihn zwischen 1615 und 1670, ein Gut in Überauchen 1661. Die zum Amt Tuttlingen gehörigen Lehen erscheinen 1732 als Erblehen, dürften dies aber schon etwa ein Jahrhundert früher gewesen sein‘. Die Güter in Neudingen und Pfohren im Amt Donaueschingen wurden im 18. h. in Erblehen umgewandelt, als das Kloster wegen damals begonnenen Klosterneubaus, der ungeheure Mittel verschlang, zusätzliche Gelder benötigte. Am längsten hielten sich die Schupflehen im Amt Hüfingen; es hat allerdings auch hier den Versuch gegeben, zumindest das Gut in Döggingen dem damaligen Inhaber in ein Erbgut umzuwandeln, nachdem drei Generationen von Lehenbauern es ohnehin wie Eigen behandelt hatten 66). Als jedenfalls im 19. h. die Allodifikationen einsetzten, war unter den Gütern des Amtes fast kein Schupflehen mehr zu finden.

Da die Güter keinen zusammenhängenden Komplex bildeten und weit vom Kloster entfernt lagen, war von Beginn an die Möglichkeit ohne Wissen und Zustimmung des Klosters getätigter Veräußerung von Güterstücken und Gutsanteilen gegeben. Schon 1383 war ein Drittel des Aasemer Gutes an die Villinger St. Erhartspfründe verkauft worden; St. Katharinental bezog, da ein weiteres Drittel der Einkünfte an die Villinger Johanniter ging, lediglich noch 1/3 der Gesamtzinse67). Ähnlich stand es mit anderen Gütern, z. B. dem Tuninger Etterlehen, welches die Herrschaft Württemberg im 18. h. als Eigen betrachtete; es zinste neben der Herrschaft und Sankt Katharinental noch der Weißen Sammlung in Rottweil 68). Häufiger war allerdings der Verlust einzelner Lehenstücke, die von den Zinsleuten im Laufe der Zeit unter ihr Eigengut gebracht oder veräußert wurden, was sich meist erst bei der nächsten Urbaraufnahme herausstellte und dann in der lapidaren Bemerkung „ist verloren“ niederzuschlagen pflegte. Dies hatte besonders in Dürr-heim, wo ein größerer Besitzkomplex vorhanden war, beträchtliche Ausmaße angenommen. Das Lagerbuch von 1719 verzeichnete erhebliche Verluste, bis 1829 nahmen sie noch um ein Mehrfaches zu 69).

Die Teilung der Güter konnte hingegen bis ins 16. Jh. weitgehend verhindert werden, einzig das Gut in Pfohren scheint bereits im 14. h. geteilt gewesen zu sein. Naturgemäß waren davon besonders die größeren Güter betroffen: geteilt wurden im 16. h. die Güter in Pfohren und Überauchen, im 17. und 18. h. die Häringshöfe, im 18. h. die Güter in Überauchen, Kirchdorf und Dürrheim. Im allgemeinen erlangten die geteilten Höfe sofort die Selbständigkeit, Tragereien blieben selten und lassen sich erst Ende des 18. Jh. feststellen. Dann allerdings fast überall, da dies offenbar die einzige Möglichkeit war, den Überblick über die in kleinste Parzellen zerteilten Lehen zu behalten. Wieweit den Schaffner eine Mitschuld an dieser Entwicklung getroffen hat, läßt sich nicht mehr nachweisen, der entsprechende Verdacht liegt jedoch nahe. Andererseits ist anzunehmen, daß seit Ende des 18. h., als St. Katharinental selbst von der Aufhebung bedroht war, diese Einzelheiten nicht mehr so wichtig genommen worden sind. Als dann die Auflassung des Amtes ohnehin in der Luft lag, 1829, stellte sich noch heraus, daß einer der Dürrheimer Träger den Zins, den er von seinen Mitinhabern kassiert hatte, nicht weiterzuleiten pflegte. Auch darüber hat sich niemand mehr sonderlich aufgeregt.

Der genaue Zeitpunkt, zu dem die Besitzungen zu einem eigenen Amt zusammengefaßt worden sind, ist unbekannt, kann aber nicht vor dem 14. h. gelegen haben, da bis dahin die Einnahmen kein nennenswertes Ausmaß erreicht hatten.

Die wenigen Urkunden, die sich aus dem 14. h. erhalten haben, erlauben keine Rückschlüsse, und der erste Schaffner, ein Pfründner des Klosters, wird 1414 genannt 70). Die frühen Rödel allerdings — nicht der vom Beginn des 14. h., jedoch die von 1339/45 und 1359 71) — führen die später zum Amt gehörigen Orte immer vom sonstigen Klosterbesitz getrennt, in Teilrödeln, auf. Es darf daher wohl, da der Besitzerwerb um 1350 weitgehend abgeschlossen war, als gesichert angenommen werden, daß bereits um die Mitte des 14. h. eine Sonderverwaltung bestanden hat. Wie diese allerdings ausgesehen hat, läßt sich höchstens vermuten. Ihre Entwicklung ist an der des Schaffneramtes abzulesen und darüber läßt sich erst mit dem Einsetzen der Schaffnerrechnungen im Jahre 1437 ein etwas klareres Bild gewinnen.

Schon bei der Behandlung des Klosterhauses war darauf hingewiesen worden, daß dieses im 14. h. offenbar von Angehörigen des Villinger Stadtadels bewohnt wurde, die dafür wohl in gewissem Umfang die Vertretung des Klosters gegenüber der Stadt wahrzunehmen hatten. Von Seiten des Klosters dürfte zunächst der Hofmeister auch für den Villinger Besitz zuständig gewesen sein; vielleicht hat auch schon damals jeweils einer der im 13. h. so häufig genannten Gemeinder, Pfleger und Prokuratoren des Klosters Geschäfte in Zusammenarbeit mit diesem Hausbewohner geführt72). Als jedoch gegen Mitte des 14. h. aus dem Ehrenamt eine Vollzeitbeschäftigung geworden war, scheint man den sogenannten Hauswirt, einen wohl den städtischen Mittelschichten entstammenden Mann, in das Klosterhaus gesetzt zu haben, wofür dieser gewisse Verantwortlichkeiten zu übernehmen hatte. Wie weit diese im 14. h. gingen, ist unbekannt, im 15. h. jedenfalls hat er die Einnahmen verwaltet und die notwendigen Ausgaben erlegt. Ebenfalls nicht bekannt ist, wann im Kloster das eigentliche Amt eines Villinger Schaffners geschaffen worden ist. Es bestand jedoch spätestens in der 1. Hälfte des 15. h., und seine ersten Inhaber waren nacheinander die Pfründner und Laienbrüder Cläwi Has73), Br. Ulrich Schmid genannt Schwab74), Burkhart Genter 75) und Bürkli Buman76), die sämtlich im Kloster lebten und dem dortigen Hofmeister hinsichtlich ihrer Amtsführung unterstanden. Der jeweilige Villinger Meister (später wurde der Amtsinhaber Pfleger, dann Schaffner, schließlich Verwalter genannt) erhielt zusätzlich zu seiner Pfründe als jährliche Besoldung die sogenannte Besserung in Höhe von 2 Pfund H, wohingegen der Hauswirt offenbar keinerlei Besoldung sondern nur die Erstattung seiner Auslagen erhielt. Allerdings ließ ihm das Kloster Anerkennungsgaben zukommen: so bezog er regelmäßig auf Weihnachten eine Anzahl von Birnenzelten, deren Zutaten (Gewürze) aus den Einkünften des Amtes erkauft wurden. Die Rechnung von 1458 führt auch ein Paar Handschuhe für ihn auf. Da der Villinger Meister, wie die Verzehrkosten ausweisen, sich häufig in der Stadt und ihrer Umgebung aufhielt, darf angenommen werden, daß sich die anfallenden Geschäfte derart auf Hauswirt und Meister verteilt haben, daß letzterer, soweit dies nicht in die Kompetenz des Hofmeisters fiel, die offizielle Vertretung des Klosters wahrnahm und der erstere mehr mit den praktischen Aufgaben betraut war. Beide beschäftigten auch Knechte, welche Botendienste sowie die Überbringung von Geld und Naturalien ins Kloster übernahmen. Da diesen, den Rechnungen zufolge, lediglich die Unkosten erstattet wurden, bleibt offen, ob sie im übrigen aus dem Einkommen von Hauswirt oder Meister besoldet, nur für bestimmte Aufgaben angefordert wurden oder überhaupt in Klosterdiensten standen.

Der erste weltliche Pfleger wurde 1457, offenbar auf Lebenszeit bzw. Wohlverhalten eingesetzt. Seine Besoldung erfolgte nicht mehr in Geld sondern in Naturalien, nämlich jährlich 5 Malter Getreide, je zur Hälfte Vesen und Haber, sowie in den dem Amt anfallenden Küchelgefällen len. An der Amtsführung selbst änderte sich wenig, der Hauswirt blieb im Klosterhaus sitzen und besorgte weiterhin die ihm vertrauten Geschäfte, was sich empfahl, da der Pfleger Heinrich Schurhamer 77) anscheinend kein Villinger Bürger und auch nicht ständig in der Stadt wohnhaft war; zumindest weist z. B. die Rechnung von 1464 auch für ihn Verzehrkosten aus. Als der Hauswirt Jakob Hettlinger wohl um 1466 gestorben war, wurden vermehrt einheimische Lehenleute zu kleineren Diensten herangezogen, von denen einer, der aus Grüningen stammende Mosch, später anscheinend Pfründner in St. Katharinental geworden ist. Nach dem Tode des Heinrich Schurhamer trat 1476 sein Sohn Hans die Nachfolge im Amt an‘. Ihm wurde als erstem Pfleger durch den Laienbruder Ulrich und den Villinger Stadtschreiber das Klosterhaus geliehen79). Allerdings beherbergte dieses spätestens seit 1477 wieder einen Hauswirt, der sich das Haus offenbar mit dem Schaffner geteilt hat‘; es ist vielleicht jener Kromer gewesen, der, zusammen mit seiner Frau, die Verwaltung des Amtes übernahm, als sich der Schaffner 1485 aus unbekannten Gründen von Villingen absetzte. Bei seinem plötzlichen Abgang hinterließ er 102 Malter unverkauft auf dem Kasten liegendes Getreide, wozu noch die Einnahmen des Vorjahres in Höhe von 75 Malter kamen, wovon er lediglich 12 Malter verkauft hatte; auch seine Ausgaben enthalten nur das Unumgängliche. Zudem läßt sich aus den Rechnungen feststellen, daß er dem Kloster von 1481 her Geld für nicht verkauftes Korn schuldete. Das Kloster schickte sofort den Hofmeister nach Villingen, der zusammen mit dem Kromer die Geschäfte in Ordnung brachte, wobei des Kromers Ehefrau die jährliche Abrechnung übernahm. Gleichzeitig wurde gegen den abgezogenen Pfleger Klage erhoben, mit welchem Erfolg allerdings, ist nicht mehr zu ermitteln.

Der daraufhin, spätestens 1486 ernannte Pfleger Hans Koler81 stammte erstmals aus Villingen, eine Lösung, die von der Stadt sicherlich angestrebt worden ist und sich angesichts der vorbeschriebenen Vorgänge auch von Klosterseiten empfehlen mußte. Daß man nicht den Hauswirt mit dem Amt betraut hat, scheint darauf hinzuweisen, daß vom Inhaber desselben eine gewisse Vorbildung verlangt wurde, da er den Umgang mit Behörden einigermaßen selbständig wahrzunehmen hatte. Die Besoldung wurde angehoben; den Jahrrechnungen zufolge bezog der Schaffner jetzt jährlich 8 Malter Getreide, je zur Hälfte Vesen und Haber, dazu mit Sicherheit die anfallenden Küchelgefälle. Über die persönlichen Verhältnisse dieser Schaffner ist allerdings weniger bekannt, als uns lieb wäre, dies gilt für Koler ebenso wie für seine Nachfolger Ulrich Sifrid82), Jakob Riecker 83), Hans Riecker 84), Jakob Riecker 85) und Kaspar Krauth 86). Die Riecker waren eine Weberfamilie, die bald zu Einfluß in der Stadt gekommen ist: Jakob d. Ä. war, falls sich die Nennung von 1520 auf ihn bezieht, Zunftmeister der Schneider und Krämer, Jakob d. J. saß im Rat. Krauth, der 1593 noch als Hintersasse genannt worden war, hatte das Amt offenbar mit der Witwe des Jakob Riecker erheiratet. Im großen und ganzen scheint diese Auswahl zu bestätigen, daß St. Katharinental den Vorschriften der Stadt hinsichtlich Besetzung von Klosterämtern weitgehend entgegengekommen ist 87).

Der erste, uns erhaltene Bestallungsrevers eines Schaffners datiert vom 18. Februar 1616 und wurde von dem Villinger Bürger Thomas Engesser ausgestellt, der im gleichen Jahr in Gericht und Rat genommen wurde und später Bürgermeister der Stadt geworden ist 88). Die Urkunde bestätigt die vordem geäußerten Vermutungen: das Amt wurde auf Widerruf verliehen, d. h. auf Wohlverhalten des Schaffners bzw. gegenseitiges Einverständnis, die Übergabe erfolgte durch Handschlag und gegen Ablegung eines Eides von Seiten des Belehnten. Die Besoldung war nochmals angehoben worden: diesmal auf 12 Malter Getreide, je zur Hälfte Vesen und Haber, wozu die Küchelgefälle kamen sowie die Nutzung des Klosterhauses samt Zubehör, einem Acker oder einer Wiese vor der Stadt, an welchen Punkten sich bis zur Auflösung des Amtes nichts mehr geändert hat. Kleinere Hausreparaturen hatte der Schaffner auf eigene Kosten ausführen zu lassen, größere konnte er, wenn zuvor bewilligt, abrechnen. Zudem oblag ihm die Sorge für das Klosterhaus, wobei er besonders auf die Überwachung der Feuerstellen, die Reinigungspflicht für die Kamine und die sofortige Reparatur schadhafter Fenster und Dächer hingewiesen wurde. Der Neuernannte hatte im übrigen einen Bürgen zu stellen, in späteren Zeiten wurde statt dessen die Hinterlegung einer Kaution gefordert 89).

 

Hinter der Kirche im Klosterbereich St. Katharinental steht das große Kornhaus, das noch aus dem Mittelalter stammt. Auf der Höhe vor den Klostermauern liegt eine ebenfalls wegen ihrer Größe auffallende kreuzförmige Scheune (um 1600). Beide Gebäude sind ein Beleg für die wirtschaftliche Bedeutung des Klosters in der feudalistischen Zeit. Allein das Villinger Amt, mit seinem großen Pfleghof in der Rietstraße, verwaltete seit dem 15. Jahrhundert umfangreiche Besitzungen in den früheren Landkreisen Villingen, Donaueschingen, Tuttlingen und Neustadt.

 

Spätestens mit Engesser beginnt die Reihe der juristisch vorgebildeten oder wenigstens studierten Schaffner, zu denen vielleicht schon Johann Michael Wäscher 90) gehört hat, sicherlich jedoch die Doktoren Johann Konrad Stentzel 91) und Johann Heinrich Berger92), die Schultheißen Josef Anton Handtmann d. Ä.93) und der Jüngere 94), Franz Xaver Handtmann 95) sowie die Angehörigen der Familie Willmann, die wir später als Amtsinhaber kennen. Eine undatierte, aus dem 17./18. h. stammende Information über die Villinger Schaffnei definiert den Schaffner denn auch als einen Mann, der, mit genügender Kaution versehen, etwas studiert hat, Landes und der Leute kundig, weder zu arm noch zu reich und mit Dienstgeschäften nicht allzu sehr überhäuft sein solle 96). Diese Bedingungen waren, nicht nur der in jener Zeit allenthalben anschwellenden Aktenflut wegen, eine Notwendigkeit geworden: wie bereits angedeutet waren infolge zunehmender Territorienbildung auf der Baar die St. Katharinentaler Güter inzwischen auf verschiedene Hoheitsbereiche verteilt und dadurch anfälliger für Rechtsverluste geworden. Wieweit allerdings die häufige Personalunion von Schaffner und städtischem Beamten zumindest im Bereich der Stadt Villingen zusätzlich zu diesen Rechtsverlusten beigetragen haben mag, sei dahingestellt. Vielleicht darf der 1673 von Klosterseiten unternommene, gescheiterte, Versuch, einen offenbar landfremden Mann auf die Schaffnei zu setzen, in diesem Zusammenhang gesehen werden. Wieweit in der Folge die Stadt sich durch Empfehlungen eine weitere Einflußnahme auf das Schaffneramt gesichert hat, ist unbekannt, der Verdacht liegt zumindest im Falle des Dr. Stenzel nahe.

Der Übergang der Stadt an Baden hat auch hier seine Folgen gehabt. Wieweit denn die beiden letzten Klosterverwalter, der großherzogliche Badische Buchhalter und spätere St. Blasianische Domänenverwalter Johann Ferdinand Willmann 97) und der Ihm wohl verwandte Mathäus Willmann98) noch freiwillig hatten eingesetzt werden können, läßt sich derzeit nicht sagen.

Von Anfang an wurden der jeweilige Schaffner und seine Amtsführung von Seiten des Klosters streng überwacht. Im 15. h. erschien der jeweilige Hofmeister, meist von einem Pfründner, dem Bau- oder Pfistermeister sowie von Knechten begleitet, häufig in Villingen und das nicht nur zur obligatorischen Rechnungslegung. Er und seine Begleiter besahen Korn — nach Unwettern zwecks Gültnach laß oder zur Feststellung der Qualität —, rechneten mit den Zinsleuten, verliehen Güter zusammen mit dem Schaffner, kauften Käse und erledigten vor Gericht anhängige Angelegenheiten 99). Daran hat sich in der Folge wenig geändert; der Schaffner war bis zum Ende des Amtes, wie seine letzte Amtsbezeichnung aussagt, lediglich ein Verwalter des Klosters, der Vermittler zwischen diesem und den Lehenleuten. Alle wichtigen Dinge sind von jeher im Kloster entschieden worden und besonders bei Angelegenheiten, welche rechtliche Folgen nach sich zu ziehen geeignet waren, erschien der Hofmeister selbst im Amtsbereich, wo er entweder allein oder zusammen mit dem Schaffner die entsprechenden Geschäfte wahrnahm: Verhandlungen mit der Herrschaft Fürstenberg wegen eines Lehengutes in Neudingen führte 1614 der Hofmeister alleine, einer Neuvermarkung 1682 wohnten hingegen Hofmeister und Schaffner bei. Seit dem 18. h. hat sich das Kloster wenn möglich noch stärker eingeschaltet. Dabei stand das letzte Wort jedoch keineswegs dem Hofmeister sondern unbedingt der Priorin zu, die zumindest seit dem 18. h. auch die Korrespondenz mit dem Schaffner überwachte und in ihrem Namen führen ließ.

Die Aufgaben des Schaffners bestanden im wesentlichen aus dem Einzug der jährlich anfallenden Zinsen, der Überwachung der Lehengüter und ihrer Inhaber und einer gewissen Vertretung des Klosters gegenüber den verschiedenen Obrigkeiten der St. Katharinentaler Güter. Selbständiges Handeln war dabei noch am ehesten im Bereich des Zinseinzugs möglich. Dieser erfolgte im allgemeinen um Martini, im 14. h. war auch vereinzelt auf St. Thomas Tag, Weihnachten, Johann Evangelista und Ostern geliefert worden 100). Eier wurden noch im 16. h. gerne auf Ostern, Hühner auf den Sommer, wohl zur Sonnwende, bezogen. Die anfallenden Zinse waren von den zuvor zur Lieferung aufgeforderten Lehenleuten jeweils auf eigene Kosten und im allgemeinen in natura auf den Villinger Kasten zu führen, eine Ausnahme bildeten die Löffinger und Bräunlinger Korngülten, die seit dem 16. h. fast durchweg in Geld bezogen wurden. Für kleinere Getreidemengen konnte seit dem 18. h. ebenfalls gelegentlich der Gegenwert in Geld entrichtet werden. Bei der Anlieferung der Zinse in Villingen hatte der Schaffner anwesend zu sein, es oblag ihm, den Zustand (Sauberkeit!) der Ware und das richtige Gewicht festzustellen und zu notieren. Auf Wunsch hatte er den Empfang zu quittieren. Nebenher waren die Zinsleute im Auge zu behalten, damit keiner unbeaufsichtigt den Kasten betrat. Säumige unter den Zinsern waren zu ermahnen, denn ausständige Zinse sollten baldmöglichst nachgeliefert werden. Anhand der Einnahmeverzeichnisse läßt sich nämlich feststellen, daß dem Kloster jährlich nur etwa drei Viertel der ihm zustehenden Einnahmen auch geliefert wurde. Da der Schaffner für Ausstände haftete, sind diese in den folgenden Jahren im allgemeinen nachgeliefert worden. Der Lehenmann hatte aufgrund seines Lehenbriefes ohnehin die Möglichkeit, den Zins ein oder zwei Jahre schuldig zu bleiben, erst dreimaliger Zinsauflauf konnte zum Verlust des Lehens führen.

 

Die Kirche von 1732-35, mit ihrem fast scheunenartig wirkenden Äußeren und dem hohen Giebel, sowie die dreigeschossigen schmucklosen Konventsge-bäude von Franz Beer (1715-18), gegliedert in Eck- und Mittelbauten (Risalite), zeugen von dem Einfluß der bedeutenden Priorin im Spätbarock, Maria Domenica Josepha von Rottenberg (gest. 1738). Bild unten: Zur äußeren Wirkung der Kirche steht das Kircheninnere in großem Gegensatz. Der Vorarlberger Joh. M. Beer schuf eine zentralraumartige Freipfeiler-Hallenkirche über dem Grundriß eines griechischen Kreuzes. Die intim wirkende Kirche bereitet mit ihrer Raumlösung die Rokokokirchen vor. Jacob Carl Stauder aus Konstanz entwarf den 1738 vollendeten, in warmen Braunton gehaltenen Hochaltar.

 

Diese Maßnahme wurde übrigens selten angewandt, da man den verschiedenen Obrigkeiten keine Handhabe bieten wollte, gegen das Kloster einzuschreiten und natürlich aus Sorge um den Besitzstand wurde dem Schaffner vorgeschrieben, in solchen Dingen vorsichtig vorzugehen, um den Zinsmann nicht durch allzu große Schärfe zu ruinieren. Zu den anderen, seit dem 14. Jh. erweiterten Pflichten des Schaffners gehörte es, die Lehengüter hinsichtlich unerlaubter Teilungen, Belastungen und Veräußerungen zu überwachen, tüchtige Lehenleute auszuwählen und dem Kloster vorzuschlagen, ferner, die Zinser gut im Auge zu behalten, besonders, wo „verdächtige Umstände“ herrschten, ein Bauer etwa schlecht wirtschaftete oder Lehenstücke unter Eigentum zu verschwinden drohten. Diese Aufsichtspflicht dürfte keine sonderlich angenehme Aufgabe gewesen sein, zumal sie unter Umständen durch die Haltung der jeweiligen Obrigkeit — die im allgemeinen auf Seiten der Untertanen notfalls auch gegen das Recht stand — sehr erschwert werden konnte. Daß auch die Haltung des Schaffners nicht immer dem entsprochen haben dürfte, was man im Kloster von ihm erwartete, wurde schon angedeutet. Wenn z. B. im Jahre 1829 festgestellt werden mußte, daß der letzte Dürrheimer Lehen-brief aus dem Jahre 1728 stammte und der letzte für Überauchen ausgestellte Lehenbrief von 1777, obwohl das Gut bereits zwei Mal den Besitzer gewechselt hatte usw., dann ist dies nicht nur mit Unsicherheit der Zeiten und den Wirren verschiedener Kriegszeiten zu erklären, besonders dann nicht, wenn aus den Rechnungen ersichtlich wird, daß z. B. die Kriegszeiten die Zinslieferung kaum beeinflußt haben und die Zinser dem Schaffner bestens und namentlich bekannt waren.

Bezeichnend für die Tätigkeit des Schaffners als reiner Verwalter des Klosters ist auch, daß er kein eigenes Archiv unterhielt. Sämtliche wichtigen Urkunden und Akten wurden im Kloster aufbewahrt, in Villingen lagen offenbar nur Kopien wichtiger Dokumente, die jeweils gültigen Urbare und die sogenannten Protokollbücher, worin der Schaffner Streitigkeiten mit den Lehenleuten zu vermerken hatte 101).

Die Schriftsätze wurden, soweit möglich, im Kloster verfertigt, die Quittungen und Lehenreverse hatten dann, nach ihrer Unterschrift oder Besiegelung, wieder nach St. Katharinental zurückgeschickt zu werden. Nur gelegentlich und naturgemäß meist in Prozeßangelegen-heiten, wurde der Villinger Stadtschreiber bemüht 102), und die Ausgaben für Papier und Schreibstoffe in den Rechnungen sind absolut unbedeutend. Die vom Schaffner benötigten und daher für ihn bestimmten Informationsunterlagen wurden ihm bei Amtsantritt ausgehändigt, worüber er eine Aufstellung ins Kloster zu schicken hatte 103). Der Schaffner besaß auch kein eigenes Amtssiegel, sondern hatte sämtliche anfallenden Urkunden im Kloster besiegeln zu lassen, soweit nicht eine andere Gerichtsherrschaft zuständig war.

Die Erträgnisse des Amtes stammten überwiegend aus dem Verkauf der jährlichen Getreideeinnahmen, unter denen die Vesen- und Habergülten mit rd. 94 Maltern den größten Teil ausmachten, während die Roggen-, Gerste- und Mischletengülten mit zusammen 6 Maltern eine so unbedeutende Menge darstellten, daß sich ihr Einzug kaum lohnte. Tatsächlich ging man auch im Laufe der Zeit immer mehr dazu über, diese nicht mehr in natura einzuziehen, sondern den Gegenwert in Geld zu erheben, was man gelegentlich auch bei kleineren Mengen an Vesen und Haber tat. Neben den Getreideeinnahmen, die durch Abfall und Abgerben immer etwas geschmälert wurden, spielten die reinen Geldeinkünfte nur zeitweise eine Rolle. Bis zum 16. Jh. waren jährlich etwa 18 Pfund Heller eingenommen worden. Diese Summe reduzierte sich infolge Ablösung der Villinger Garten- und Wiesenzinse104) sowie der Abtretung der Gült vom Schultheißenamt an die Stadt 105) bis zum 18. Jh. auf jährlich 5 fl. 20xer, die im wesentlichen von der Villinger Klostermühle beigebracht wurden. Dazu konnten allerdings außergewöhnliche Einnahmen unterschiedlicher Höhe aus Kapitalzinsen und Rückzahlung von Kapitalien kommen, da St. Katharinental öfter und nicht nur gegenüber seinen eigenen Lehenleuten als Darlehengeber auftrat und gelegentlich auch Zinsbriefe an Stelle von Bargeld übernahm. Auch die aus Erblehen-verkäufen erlösten Summen, die häufig ratenweise und im allgemeinen zu 5 % verzinslich abgetragen wurden, konnten die Geldeinnahmen erheblich steigern. Insgesamt kann festgestellt werden, daß das Amt, welches schon in gewöhnlichen Jahren zumindest imstande war, sich selbst zu tragen, im allgemeinen beträchtliche Überschüsse brachte.

Die Einnahmen dienten vorrangig dazu, die laufenden Kosten des Amtes zu decken, weshalb sie zunächst beim Schaffner zusammenliefen. Noch im 15. Jh. waren sie offenbar durch den Hauswirt eingezogen worden, der mit dem Villinger Meister darüber abgerechnet hatte. Dieser hatte dann die Rechnung und alle vorhandenen Gelder ins Kloster transferiert, später einlaufende Ausstände wurden in bestimmten Abständen durch vertrauenswürdige Personen nach St. Katharinental gebracht. Nach der Einsetzung eines eigenen Pflegers übernahm dieser die Abrechnung, die jetzt gegenüber dem Hofmeister erfolgte, welcher zu diesem Zweck im Frühjahr, meist um den 1. Mai herum, nach Villingen kam und Rechnung samt Geldern ins Kloster beförderte. Daß der Schaffner selbst zur Rechnungslegung ins Kloster reiste, wurde anscheinend erst im 18. Jh. üblich; die dabei anfallenden Kosten trug das Amt.

Die Ausgaben, welche der Schaffner zu tragen befugt war, setzten sich aus ständig wiederkehrenden und wechselnden Posten zusammen, wobei von den ersteren etliche von gleichbleibender Höhe waren. Zu diesen zählten vor allem die an die Stadt zu entrichtenden Gelder: Steuer, Hofstattzins und Abgabe an die Lichtpfleger, außerdem die in Naturalien erfolgende Schaffnerbesoldung. Regelmäßige Ausgaben stellten auch die Umlagen der Stadt Villingen dar, dazu die Bau- und Reparaturkosten wechselnder Höhe, welche für das Klosterhaus besonders in Kriegs- und Einquartierungs-zeiten ein beträchtliches Ausmaß annehmen konnten.

Während diese Ausgaben im Laufe der Zeit eher anstiegen und im 18. Jh. als regelmäßige Posten in den Jahrrechnungen auftauchen, ging eine andere Ausgabe, die der Verzehrkosten, welche im 15. Jh. gelegentlich den höchsten Betrag in den Rechnungen ausgemacht hatte, auf ein normales Maß zurück, was sich aus der Stabilisierung des Amtes erklären läßt. Andere Unkosten: Beschlagen und Füttern der Pferde (später weitgehend durch Postgebühren abgelöst), Zinssammler- und Schnitterlöhne, Facht- und Meßgeld, Unkosten bei der Kornausfuhr und Zollgebühren, Schreibgebühren und Kanzleikosten erscheinen zwar regelmäßig in den Abrechnungen, erreichten jedoch keine auffallenden Höhen. Ganz geringe Beträge machten die hin und wieder genannten Diskretionen, Geschenke an Primizianten oder in ein Kloster eintretende Leute aus dem klösterlichen Freundeskreis, aus, einmal (1702) wurde auch ein Goldschmied beschäftigt, welcher eine „Schildkrottschale“ für die Priorin in Silber faßte. Einen großen Anteil der Einnahmen verschlangen hingegen, zumindest im 15. und 16. Jh., die klösterlichen Käsebestellungen, deren Lieferung ebenfalls zu Lasten des Amtes ging. Die Käse wurden zunächst durch Fuhrleute ins Kloster gebracht, im 16 Jh. übernahm dann der Villinger Klostermüller, gegen Verringerung seines Jahreszinses, die Überbringung. Im 18. Jh. waren diese Käufe aus den Rechnungen verschwunden, aber nur, weil sie mittlerweile aus dem Etat der Priorin bezahlt wurden.

Die nach Abzug aller dieser Ausgaben verbleibenden Gelder gingen ans Kloster, wobei eine weitere Verminderung dadurch eintrat, daß die in Vi II ingen gültige Währung schlechter war als die in Dießenhofen übliche. Zur Verwaltung dieser Villinger Einnahmen hatte man im Kloster, vielleicht schon vor dem 15. Jh., ein eigenes Amt, das der Villinger Schreiberin geschaffen. Es erscheint erstmals 1440 in den Quellen und wechselte, wie alle Klosterämter, alle drei Jahre. Die jeweils damit betraute Schwester hatte bestimmte Ausgaben zu tragen; es war dies zunächst der Gegenwert für 5 Pfund Wachs, welche jährlich dem Straßburger Hochstift zu entrichten waren, eine Abgabe, welche mit dem Amt an sich überhaupt nichts zu tun hatte106). Sodann übernahm sie die Auszahlung einer Zahl von Leibgedingen und Jahrtagstiftungen, welche auf das Amt versichert waren und im Jh. eine große Zahl ausmachten, die sich dann im Jh. mit dem Ableben der Begünstigten bald erheblich verminderte, zumal Neuversicherungen selten blieben. Größere Summen wurden ferner verwendet, um zusätzliche Käsemengen in den das Kloster umgebenden Orten zu kaufen. Andere Unkosten:Botengänge, vom Hofmeister entrichtete Gerichtskosten, Zollgebühren u. a. blieben unbedeutend. Über alle Ausgaben hatte die Schwester jährlich vor den Amtsfrauen, dem klösterlichen Rat, den Beichtvätern, denen sich häufig der Provinzial zugesellte, dem Hofmeister und gelegentlich auch (vorübergehend im 15 Jh.) Abgesandten der Stadt Dießenhofen Rechnung zu legen, auch die hierbei anfallenden Unkosten trug das Amt. Die nun verbleibende Summe ging an den Etat der Priorin, soweit ersichtlich ohne besondere Verpflichtungen. Mit dem weiteren Ausbau der Villinger Schaffnei wurde das Amt aufgelöst; es verschwand nach 1470 und die damit verbundenen Aufgaben wurden von der Schaffnerin in Zusammenarbeit mit der Priorin wahrgenommen. Da sich die mit dem Amt zusammenhängenden Ausgaben immer mehr verringerten, wurde die Anfang des 16. Jh. noch bestehende Sonderverwaltung schließlich ganz aufgegeben, spätestens im 17. Jh. gingen die „Nettoeinnahmen“ des Villinger Amtes direkt an die Priorin, welche dafür aus ihrem Etat die Straßburger Wachszinse, Leibgedinge und Käsekäufe bis zur Einheitsverwaltung des 18. Jh. finanzierte. Die Auflösung des Villinger Amtes begann im Grunde bereits im 17. Jahrhundert 107). Durch den Westfälischen Frieden von 1648 war St. Katharinental endgültig an die Eidgenossenschaft gekommen und fand sich seither, da es seinen auf Reichsboden gelegenen Besitz beibehielt, ständig zwischen zwei Fronten. Jeder Zwist zwischen Reich und Eidgenossen machte sich alsbald in Form von Fruchtsperren oder Inkammerationen bemerkbar, und vor allem wurde das Kloster nunmehr von beiden Seiten anläßlich jeder Steuer-, Anlage- und Schatzungserhebung zur Kasse gebeten. Im Villinger Amt machte sich neben dem Landesherrn, der bereits 1676 die Besitzungen ausländischer Grundeigentümer und die daraus resultierenden Einnahmen hatte aufnehmen lassen, besonders die Stadt selbst bemerkbar. Spätestens seit dem Spanischen Erbfolgekrieg erhob sie eine ständige jährliche Schatzung in Höhe der Jahrsteuer, wozu in der Regel weitere Extrasteuern kamen. Die Auswirkungen auf das durch die im 18. Jh. ununterbrochen andauernden Einquartierungen im Klosterhaus bereits geschädigte Kloster begannen sich zu zeigen: der Schaffner bemühte sich seither, möglichst wenig Bargeld und Wertsachen im Hause zu behalten und fing an, jede größere Summe sofort ins Kloster zu transferieren. Nachdem infolge der schlechten Zeiten auch die städtischen Gebühren —Schreibtaxen, Fachtkosten, Meßgeld in der Kornlaube u. a. — stark angestiegen waren, hielt er sogar gelegentlich den Zinseinzug außerhalb der Stadt ab, um Geld zu sparen. Damals wurde auch mehr Korn als sonst üblich direkt ins Kloster geschickt. Unnötig, zu vermerken, daß auch die Lehenleute sich immer mehr verselbständigten, was umso leichter war, als das Kloster, gegen Ende des Jh. infolge der klosterfeindlichen Politik Napoleons von der Aufhebung bedroht, die Zügel etwas schleifen ließ. Angesichts der schlimmen Zeiten versuchte es lediglich, die Unkosten niedrig zu halten und trennte sich 1795 von dem Villinger Haus. Aber die Zeiten besserten sich keineswegs. Ende 1803 ließ die österreichische Regierung, als Ersatz für verlorene Gebiete, den schweizerischen Besitz auf ihrem Boden inkammerieren; das entsprechende Gesetz wurde erst nach dem Übergang der vorderösterreichischen Lande an Baden, 1806, aufgehoben. Die neuen Landesherren setzten jedoch grundsätzlich die Politik ihrer Vorgänger fort, besonders, was die Besteuerung der fremden Grundbesitzer anging. Eine zu diesem Zweck angefertigte Aufstellung von 1806 ergab immerhin, daß das Villinger Amt damals noch einen jährlichen Durchschnittsertrag von 472 fl. (Anfang des 18. Jh. hatte er etwa bei 1500 fl. gelegen) erbrachte bei 330 fl. Ausgaben. Inzwischen hatten aber auch die Gemeinden, in denen St. Katharinental Grundbesitz hatte, damit begonnen, die ihnen auferlegten Steuern auf die klösterlichen Güter umzulegen; die Landesregierung ihrerseits war von der Besteuerung der Liegenschaften zu der der Einnahmen fortgeschritten. Die zwischen Kloster und Verwalter geführte Korrespondenz kennt daher in der Folge fast nur noch das Thema Steuern — das alles zu einer Zeit, als St. Katharinental, immer noch von der Aufhebung bedroht, zusätzlich durch Angliederung der heruntergewirtschafteten Ökonomie des Klosters Paradies belastet war. Auch der junge Kanton Thurgau, dem bei seiner Bildung lediglich finanziell unergiebige Orte zugeteilt worden waren, sah von Beginn an in dem Kloster eine Goldgrube, die er sich nutzbar zu machen bemüht war. Sowohl die thurgauische als auch die badische Gesetzgebung mußten planmäßig zur Abstoßung von Außenposten führen. In St. Katharinental versuchte man zunächst noch, auf Zeitgewinn zu spekulieren, so, als man 1817 dem Verwalter (auf Grund einer kantonalen Regiminalverordnung, wonach keine Kapitalforderungen nebst ausstehenden Zinsen im Ausland stehen durften) das auf dem Amt stehende Guthaben von 1272 fl. 323/4 xern übertrug, mit der Anweisung, künftig Ausstände in Geld nicht mehr einzutragen. Spätestens mit der Veröffentlichung der badischen Gesetze seit 1820 zur Überführung des Lehenbesitzes in Privateigentum beugte man sich den Realitäten. Zwischen 1829 und 1832 wurden die Häringshöfe, die Güter in Döggingen, Kirchdorf, Neudingen und Pfohren, sowie der größte Teil der Dürrheimer Lehen allodifiziert; damals hat man sich wohl auch zu der, allerdings erst 1835 ausgesprochenen, Einsicht durchgerungen, daß die verbleibenden Gefälle in keinem Verhältnis zu den Verwaltungskosten standen und damit zu der Absicht, die Villinger „Filial-Gefällverwaltung“ eingehen zu lassen. Neben den Allodifikationsverhandlungen mit den Lehenleuten liefen wohl schon 1829 Vorverhandlungen mit der Fürstenbergischen Regierung, die schließlich mit den beiden Verträgen vom 7. August und 23. November 1835 abgeschlossen wurden 108). St. Katharinental verkaufte seine gesamten Restgefälle in Aasen, Bräunlingen, Dürrheim, Klengen, Löffingen, Sumpfohren, Tuningen, Überauchen und Villingen (den dortigen Mühlenzins), nämlich jährlich 146 Malter 7 Sester 3 Meßle 3 Becher Getreide, 15 Hühner, 272 Eier und 3 fl. 50 xer Geldzinse um 6600 fl.und die Allodifikationskapitalreste aus den Lehen des Martin Held in Döggingen und des Joseph Link in Dürrheim um 1045 fl. Beide Verträge traten mit dem 1. Januar 1836 in Kraft; die Kaufsumme war für die restlichen Monate des Jahres 1835 mit 4 % zu verzinsen. Sie wurde durch das F. F. Hofzahlamt im Gasthof „zum Schiff“ in Schaffhausen hinterlegt und dort von dem Bevollmächtigten des Klosters, J. B. Lenz aus Paradies, abgeholt.

 

Die ehemals habsburg-österreichische Stadt Diessenhofen im Thurgau, vom heutigen deutschen Ufer aus gesehen, unterhalb Gailingen, Kreis Konstanz: Rheinseite mit alter Holzbrücke und Pfarrkirche St. Dionys, die auf dem Grundriß einer bereits 757 genannten Eigenkirche steht. Seit 1264 war die Stadt im Besitz des Grafen und späteren Deutschen Königs Rudolf von Habsburg, hier als Erben der Kyburger.

Schwierigkeiten ergaben sich nunmehr lediglich aus einem Passus der Haupturkunde, wonach das Kloster bestimmte Archivalien herauszugeben sich verpflichtet hatte, womit man sich jedoch Zeit ließ. Zwei darüber angefertigte und differierende Aufstellungen zeigten zudem, daß zwischen dem, was die Fürstenbergische Standesherrschaft wollte und dem, was das Kloster herauszugeben bereit war, ein erheblicher Unterschied bestand. Auch die letzte Aufstellung, die schon erheblich weniger Archivalien als die erste enthielt, scheint nicht eingehalten worden zu sein. Die Aktenauslieferung ging so schleppend vor sich, daß sich darüber eine rege Korrespondenz mit der F. F. Domanialkanzlei ergab, welche St. Katharinental schließlich am 20. Februar 1837 mit einer Klage wegen Nichterfüllung des Kaufvertrags drohte. Offenbar sind daraufhin die fraglichen Stücke noch im selben Jahr ausgeliefert worden, zumindest ist über diesen Punkt keine weitere Korrespondenz vorhanden. Damit war das ViIIinger Amt endgültig Vergangenheit geworden.

 

Der Siegelturm ist eines der Wahrzeichen der Stadt Diessenhofen. — In der abgebildeten Form als Zeitglockenturm stammt er aus dem Jahre 1545. Er bildet als Torturm die östliche Begrenzung der ab 1178 planmäßig als Rechteck angelegten Stadt.

 

 

Von 1264 und von 1442-1460 unterhält Diessenhofen zur ebenfalls habsburgisch-österreichisch landesherrlichen Stadt Villingen lebhafte Beziehungen. Als österreichisches Amtszentrum hatte es auch enge Beziehungen zum benachbarten Kloster St. Katharinental. — Das Stadtbild zeigt hierdie mittlere der drei Parallelstraßen, die Hauptstraße, die gleichzeitig als Markt diente.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der oben abgebildeten Erkerhäuser befindet sich auf der Fassadenseite noch das Wappen mit dem Doppelkopfadler des Kaisers, der einstigen habsburgischen Landesherrn, als sie noch die Souveräne des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation waren.

 

 

In Diessenhofen besaß das nahe Kloster St. Katharinental ein repräsentatives Haus, das dem Kloster auch hier, wie in Villingen, das Bürgerrecht sicherte. Das 1571 errichtete Gebäude wird verschönt durch eine bemalte Fassade u. a. mit dem Fresko „Maria als Himmelskönigin“, von J. C. Stauder, 1735.

Anmerkungen

1) St. Katharinental hat meine bereits 1972, allerdings nur im Vervielfältigungsverfahren erschienene Dissertation zum Thema. Darin wurde auch das Villinger Amt behandelt, für die vorliegende Abhandlung wurde der Text allerdings im Aufbau verändert und beträchtlich erweitert.

2) KARL WACKER, Der Landkreis Donaueschingen, Konstanz 1966, = Schriften des Landkreises Donaueschingen 26. Bad Dürrheim, Weg und Ziel. Heimatbuch des Heilbades, Karlsruhe 1969, S. 79/80. Die Angaben über den St. Katharinentaler Grundbesitz sind so Iükkenhaft wie das gesamte Kapitel, in dem der Verfasser durch reines Abschreiben von Lagerbüchern eine Anzahl von Gütern vortäuscht, die es nicht gegeben hat. Die meisten Höfe waren hingegen mit Abgaben an verschiedene Institutionen belastet und erscheinen daher in verschiedenen Urbaren.

3) Oberländer Chronik 299, 1966 (Das Gotthaus Diessenhofen in der Rietstraße in Villingen) und 303, 1967 (Das Kloster St. Katharinental und seine Bodenzinse). Ich vermute, daß diese Nachrichten das Ergebnis eines vor längerer Zeit von mir gehaltenen Vortrags gewesen sind.

4) Das heutige Haus Rietstraße 31. Die Nachricht stammt aus dem St. Katharinentaler Repertorium von 1732 (Thurgauisches Kantonsarchiv Frauenfeld = ThStA: 7’44’120), die Originalurkunde scheint beim Verkauf des Hauses extradiert worden zu sein und sich nicht erhalten zu haben.

5) Fürstenbergisches Urkundenbuch (FUB) V, Nr. 131

6) Vgl. dazu meinen Artikel „Die Herren von Tannheim in Villingen“ in: Tannheim, Geschichte von Dorf und Kloster am Ostrand des Schwarzwaldes = Schriften des Landkreises Donaueschingen 31, 1971, 5. 88-112.

7) FREI-KUNDERT, Zur Baugeschichte des Klosters St. Katharinental, in: Thurg. Beitr. zur vaterl. Geschichte 66, 1929, S. 1-176, 5. 146 A 27. 8)

8) Zur Villinger Frühgeschichte ist zuletzt erschienen: KARL SIEGFRIED BADER, Villingen und die Stadtgründungen der Grafen von Urach-Freiburg-Fürstenberg im südöstlichen Schwarzwaldgebiet in: Villingen und die Westbaar, herausgeg. von Wolfgang Müller = Veröffentlichungen des Alemannischen Institutes 32, 1972.

9) Ein Interesse des Grafen Heinrich von Fürstenberg an dem Kloster ist weder durch eine Schenkung noch durch den Klostereintritt einer seiner Töchter festzustellen. Zwar führt der Totenrodel (vgl. A 14) in Spalte 3/50-52 drei Schwestern von Fürstenberg auf, diese dürften jedoch kaum zur gräflichen Familie gehört haben, da diese bestens bekannt ist. Vermutlich handelt es sich bei dem Namen um eine Herkunftsbezeichnung, Spekulation könnte die drei Damen auch in Verbindung zur Familie von Tannheim bringen, deren einer Zweig in Fürstenberg begütert war und offenbar auch dort saß. Warum der Stadtherr, der sonst als klosterfreundlich gilt, ganz im Gegensatz zu den führenden Familien „seiner“ Stadt das Kloster nicht förderte, ist eine wichtige, aus dem Spannungsverhältnis des Grafen zur Stadt zu erklärende Frage. Ich hoffe, darüber gelegentlich eine eigene kleine Abhandlung vorlegen zu können.

10) Thurgauisches Urkundenbuch (TUB) 6, 5. 887 Nr. 153 (1357, Dezember 2)

11) TUB 4, S. 273 Nr. 1170

12) ThStA: 7’44’63 — A 7 C 3 (Rödel A. 14..Jh. und 1325)

13) ZGO 8, 1857, S. 126 f (1370, März 12)

14) RUDOLF HENGGELER, Der Totenrodel des Klosters St. Katharinental b. Dießenhofen, in: Zs. f. Schweizer. Kirchengeschichte 26, 1932, S. 154 ff (TR) verzeichnet die folgenden Schwestern: Margreth, Bertha, Mechthild, Fortunata, Adelheid, Hiltburg, Eufe-mia, Lucia, Katharina, Elsbeth, Mechthild, Adelheid, Katharina, Hedwig, Elsbeth, Hailwig, Eufemia, sowie Hiltburg (Silbernknöllin) von Villingen, deren eigentliche Familiennamen im allgemeinen unbekannt geblieben sind, ferner Anna, Judenta und Anna Stehelli, Eu-femia, Irmengard, Adelheid, Adelheid, Lucia, Luggart, Elisabeth und Luggart von Tannheim, Lucia, Elsbeth, Gertrud, Lucia, Elisabeth und Anna Hainburg (ob auch die 1670 verstorbene Magdalena Hainburg noch zur Villinger Familie gehört hat, erscheint fraglich), Anna, Hailwig, Katharina, Clara und Verena Hemerli, Irmengard, Hedwig und Margret von Fürstenberg, sowie Adelheid Blumenbergerin und ihre Töchter Irmengard und Agnes. Sämtliche zu den einzelnen Persönlichkeiten bekannten Daten und Quellen aufzuführen, erscheint hier nicht angebracht.

15) Zentralbibliothek Zürich: Ms Z V 698: Das selige unnd tugentsame leben der seligen und Gott geweichten Jungkfrauwen Schwoster Elisabethen Hanburgin von Villingen, closter frauwen in Sant Catha-rina thal bey Dießenhofen.

16) Über die Pfründner hat sich kein Verzeichnis erhalten, obwohl ihre Zahl recht groß gewesen sein muß, ebenso steht es mit den Laienbrüdern. Zufällig bekannt sind die Pfründner Burkhartvon Tannheim und Konrad Blumberg, von denen der letztere 1291/92 ins Kloster gekommen und nach einem Jahr dort gestorben sein soll: FREI-KUNDERT S. 149. Von den Laienbrüdern kennt man vor allem Berthold den Metzger, der 1275 aus der Zinspflicht entlassen wurde, um geistlich werden zu können, sich 1296 in Sankt Katharinental nachweisen läßt und 1304 verstorben war. Sein Jahrtag wurde am 24. März gehalten: TUB 4, S. 119 Nr. 1046 und 7, S. 833 Nr. 31, FREI-KUNDERT 5. 149/50, ThStA: 7’44’62 (zu 1275, Kopie). Ein weiterer Konverse, Heinrich von Villingen, wird 1280-90 genannt: TUB 3, S. 590 und 778, und die Brüder B. und H. von Villingen wurden 1342 wegen gegen das Kloster Paradies begangener Straftaten des Landes verwiesen: TUB 7, S. 898.

17) Bis zur Zeit der Klosteraufhebung wurden noch gehalten die Jahrzei-ten für die Brüder Rudolf und Marquart im Bach und deren Mutter (gestiftet 1299), Berthold Metzger (gest. 1304), Burkhart von Tann-heim und seine Ehefrau Elisabeth (gest. 1313, März 7), Konrad von Tannheim (gest. 1345, Juli 3) und Konrad Wolf von Leipferdingen, seine Ehefrau und seine Eltern (gest. 1387, Juli 25).

18) Die Schenkung ist urkundlich nicht nachzuweisen, jedoch wahrscheinlich durch die Tatsache, daß diese Mühle, gen. Symsowers Mühle, 1313 und 1339/45 als Leibgeding der Agnes Blumenbergin erscheint (TUB 4, S. 273 und FUB V, Nr. 331.5) den Rödeln vom A. 14. Jh. und 1325 zufolge hatten sie Blumenbergs Kinder (ThStA: 7’44’63 —A7C3).

19) TUB 4, S. 271 Nr. 1169

20) TUB 5, S. 125 Nr. 1816

21) Frdl. Mitt. v. Herrn HAAS vom Städt. Grundbuchamt, Villingen

22) TUB 4, S. 381 Nr. 1250

23) Die Einkünfte des Villinger Schultheißenamtes, 8 M. S. (vgl. § 26 des Stadtrechtes von 1371) waren 1329 durch Herzog Otto zu Osterreich an Rudolf und Hans von Blumberg verpfändet worden (FUB 6, S. 43 Nr. 25.5a, Original in ThStA: 7’44’56—A 6C 4). Ein Nachkomme der Obigen, Rudolf von Blumberg, nahm 1384 die Witwe seines Bruders Burkhart, Agnes von Klingenberg, zur Gemeinderin an seinem Anteil sowie an 15 Pfund vom Villinger Hauszins und 1 Pfund von der Lauben, alles auslösbar mit 120 M. S. (FUB 6, S. 43 Nr. 25.5, Original: ThStA: 7’44’56—A 6 C2). Agnes von Klingenberg trat in der Folge dem St. Katharinentaler Konvent bei und vermachte 1410 1/3 ihrer Pfandschaft, insgesamt 5 Pfund Heller, ihrer Schwester Anna, die damals ebenfalls ins Kloster eingetreten war (FUB 6, S. 43 Nr. 25.5c, Original: ThStA: 7’44’57 —A 6 C4). Nach Annas zwischen 1441 und 1465 erfolgtem Tod ging der Zins an die Jahrzeit ihres Vaters Hans von Klingenberg und wurde seither vom Kloster bezogen. Er wurde am 8. Dezember 1621 der Stadt Villingen, zum Ausgleich für Steuerschulden, überlassen (StA Villingen: U 1632).

24) 1467, Oktober 25 (Sonntag vor Simon und Juda) beurkunden Agnes Kellerin, Witwe des Hans Stähelin, Bürgers zu Villingen, und ihr Sohn Konrad Stähelin, daß ihr 1- Gatte und Vater dem Kloster St. Katharinental seinerzeit um 20 Pfund Heller, in seinem Haus, das dem Kloster gehört, genau angegebene Zinse von Gärten vor dem Niedertor verkauft, aber versäumt hat, darüber einen Kaufbrief ausstellen zu lassen, was sie jetzt nachholen. Sr: Stadt Villingen und Konrad Stähelin, Or. Perg. von 2 S. 1 1. besch. (ThStA: 7’44’56—A 6 C 4). Den Jahrrechnungen zufolge muß der Kauf 1465 oder 1466 getätigt worden sein, vgl. Rechnung von 1466, Montag nach Allerheiligen (ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4).

25) Heinrich von Salenstein war vermutlich Niedergerichtsherr in Pfaf-fenweiler namens des Klosters Reichenau gewesen; ob es sich bei dem Haus um sein Eigentum gehandelt hat, ist unbekannt.

26) Vgl. A 11

27) Vgl. A 24

28) Vgl. die Jahrrechnungen (ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4)

29) Die Klosterämter wechselten ursprünglich alle drei Jahre. Später wurde diese Gewohnheit, vermutlich aus praktischen Gründen, bei Hofmeister und Villinger Schaffner aufgegeben, für die eigentlichen Klosterämter jedoch beibehalten.

30) TUB 4, S. 302 Nr. 1192 — FUB II, Nr. S. 51 (Original: ThStA: 7’44’67 — A 6 C 4). Von den Zeugen Albrecht von Blumberg, Heinrich von Randegg, Brun und Johann von Kürnegg und Wezzel von Rischa hatten die beiden ersteren Verwandte im Kloster, die Familie von Rand-egg war, ähnlich denen von Tannheim in Villingen, dem Kloster als Wohltäter verbunden. Die anwesenden Villinger Bürger waren Burkhart Hemerli, Konrad Hainburg, Berthold, Konrad und Johann von Tannheim.

31) FUB II, Nr. 77 S. 52

32) Egino hat allem zufolge kaum die Autorität seines Vaters genossen, man betrachte die verschiedenen Zugeständnisse, die er der Stadt Villingen immer wieder machen mußte (Oberrh. Stadtrechte a. a. 0.).

33) StA Villingen: AAA a/1 p. 5 und 147 (cives extranei, die gedinget hant) und AAA a/3, V (Ausdinger).

34) Dies entspricht der Abgabe von 1 ß d, welche nach der Urkunde von 1284 jeder Bürger von 1 Hofstatt zu geben hatte (Oberrh. Stadtrechte 11/1, Villingen, bearb. von CHR. RODER, Heidelberg 1905, S. 5). Vgl. dazu auch die Jahrrechnungen des Schaffners.

35) Vgl. die Jahrrechnungen des Schaffners (ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4 und 7’44’191 —93)

36) ThStA: 7’44’59 — A 6 C 4 (1795, Oktober 25). Begründung für den Verkauf war, daß der Vater der Käuferin viel Geld zu Bau- und Reparaturkosten verwendet habe.

37) Die letzte, nachweislich aus Villingen stammende Klosterfrau, Anna Hainburg, ist nach 1408 verstorben (ThStA: 7’44’55 zu 1408, Oktober 27).

38) Dies haben zumindest die Stehelli, die sich später nach Stocksburg nannten, erreicht. Die von Tannheim haben ebenfalls den Versuch unternommen (durch den Erwerb der Burgen in Bräunlingen und Tu-ningen), die Familie ist jedoch um 1423 in männlicher Abfolge erloschen.

39) Die von St. Katharinental geforderten Aussteuersummen betrugen im 15. Jh. durchschnittlich 100 fl. rh.

40) ALFRED AMANN. Die Klosterfrauen in St. Katharinental und die Reformation, in: Kath. Schweizerblätter NF 9, 1893, S. 240-50, der seinerseits auf der „Geschichte des Gotteshauses St. Catharinen Thal“ des P: MAURITZ HOCHENBAUM van der Meer (Zentralbibliothek Zürich: Ms Rh Hist. 20, S. 379) basiert, bringt die Nachricht, die Klosterfrauen hätten in Villingen in ihrem Haus, genannt zum St. Anton, gewohnt. Dies stimmt nur zum Teil. Ein Schreiben der Exilpriorin von 1531, November 7 (StA Luzern: Landvogtei Thurgau, Schachtel 363.2) spricht davon, daß der Konvent in St. Antonius Haus wohne und die Reformationschronik einer bisher unbekannten Klosterfrau (Kantonsbibliothek Frauenfeld: Hs Y) präzisiert, daß ihnen ein Priester das Haus zum St. Anton zum Wohnen überlassen und auch einen Türdurchbruch ins Nachbarhaus erlaubt habe. Da das eigentliche Antoniterhaus in jener Zeit leergestanden zu haben scheint (MANFRED HERRMANN, Das Antoniterhaus in Villingen, in: Schriften d. Baar XXVIII, 1970, S. 121 ff) darf angenommen werden, daß es sich bei dem Haus zum St. Anton um das Antoniterhaus gehandelt hat.

41) HOCHENBAUM a. a. 0. S. 380

42) Besonders Oberrh. Stadtrechte 5. 2 Nr. II, 3 Nr. III, 23 Nr. XVIII und XIX, 89 Nr. XXVII und 97 Nr. XXXIV.

43) Oberrh. Stadtrechte S. 141 Nr. 25 (Eidbuch von 1573)

44) ThStA: 7’44’61 — A 6 C 4: Schreiben der Stadt Villingen an den Ordensprovinzial P. Hyacinth Neidecker von 1673, November 9

45) F. F. Archiv Donaueschingen: Fremder Herren Güter Vol. VIII Fasc. 7: Schreiben von Priorin und Konvent an den fürstenbergischen Landvogt in Sachen des Hans Sulzmann von 1614, März 15

46) StA Villingen: U 1721 (1655, Mai 4)

47) TUB 4, 5. 242 Nr. 1146 (1311, August 9). Die Aussteuerschenkung geht aus der Urkunde nicht hervor, sie ist dadurch zu erschließen, daß nach dem Fragment einer Profeßliste (WOLFGANG IRTENKAUF, Das Frauenkloster Hofen und der Hegau in: Hegau 1, 1957, S. 26/28 und Korrektur durch Reinhard Frauenfelder in: Hegau 2, 1957, S. 110/ 11) Agnes die Hünin um 1311 dem Konvent beigetreten ist, wo sie noch um 1331 lebte (TUB 4, S. 609 und ThStA: 7’44’40: 1328, Februar 12, Dorsalvermerk).

48) Dieser hatte sich während des Krieges zwischen Bischof Rudolf von Konstanz und dessen habsburgischen Vettern (1291/92) mit Frau und 2 Kindern ins Kloster geflüchtet, dem er Geld für ein Dormitorium zubrachte (FREI-KUNDERT S. 149). Die Namen von Frau und Töchtern lassen sich an Hand des Totenrodels erschließen (TR IV 1/2 und VIII 26), der Name der zweiten Tochter auch durch TUB 4, 5. 273 und FUB V, Nr. 331.5, wo sie mit den 1313 erwähnten Leibgedingen aufgeführt ist. Die Herkunft der vier Höfe ist durch den Eintrag in einem Rodel A. 14. Jh. nachzuweisen: „die gut die uns Blumenberch gab“ (ThStA: 7’44’63 — A 7 C 3) sowie durch den verschiedentlich anzutreffenden Zusatz „unkaufte güter“ in anderen Rödeln des 14. Jh.

49)FUB V, S. 373 Nr. 393. Den Dorsalvermerken zufolge scheint die Kaufsumme von den Herren von Stoffeln aufgebracht worden zu sein.

50) FUB V, S 346 Nr. 365 (1318, Februar 6)

51) Zum Neudinger Hof gehörten im 18. Jh. rd. 42 Jauchert, zum Gut in Sumpfohren im 16. Jh. 20 J. Vergleiche mit den Kaufpreisen anderer Güter gleicher Größe legen die geäußerte Vermutung nahe, Elisabeth von Tannheim muß der Profeßliste (vgl. A 47) zufolge zwischen 1311 und 1317 ins Kloster eingetreten sein, wo sie noch 1370 lebte (TUB 6, S. 887 und Hauptstaatsarchiv Stuttgart: B 104 Nr. 1518). Die im 14 Jh. übliche Aussteuersumme scheint 45 M. S. betragen zu haben.

52) TUB 4, 394 Nr. 1257

53) TUB 4, 5. 200 Nr. 1117, und S. 431 Nr. 1294. Die Güter waren später mit Abgaben, die wohl aus Vogtrechten resultierten, an die württ. Kellerei Tuttl ingen belastet, ferner mit Zinsen an die Weise Sammlung St. Ursula in Rottweil, vgl. HStA Stuttgart: Weltl. Lagerbuch Nr. 1888 zu 1787, wo das sog. Etterlehen als ein herzogliches Kellereilehen geführt wird.

 

54) ThStA: 7’44’63 — A 7 C 3

55) TUB 4, S. 238 Nr. 1143, S. 251 Nr. 1154, S. 258 Nr. 1158, S. 268 Nr. 1165 und S. 302 Nr. 1192 (Vergleich von 1314, Oktober 15, dieser auch FUB II, S. 51 Nr. 76).

56) ThStA: 7’44’59 —A 6 C 4

57) FUB VII, 5. 458 ff (Archivalien im StA Villingen).

58) TUB 4, S. 742 Nr. 1622 59)

59) TUB 4, S. 733 Nr. 1611

60) ThStA: 7’44’61 — A 6 C 4. Die Jahrrechnungen von 1463 und 1464 verzeichnen, jeweils für das Vorjahr, eine Abgabe von 3 ß „von Wolf Schniders Hof wegen“ als Gegenwert für Wachs. Da die Abgabe vom Kloster getragen wurde, dürfte es sich nicht um eine Jahrtagstiftung gehandelt haben, da der Wachszins in solchen Fällen vom Hofinhaber getragen werden mußte.

61) FUB VI, S. 43 Nr. 25.5 c (1410, Mai 25). Die Quarten der Kirchen zu Bräunlingen und Löffingen waren durch Bischof Heinrich zu Konstanz an Rudolf von Blumberg verpfändet worden, er nahm 1384, September 28 seine Schwägerin Agnes von Klingenberg zur Gemeinderin auch an diesen Gütern, vgl. dazu A 23

62) FUB VI, Nr. 241.2 (Original: ThStA: 7’44’57 —A 6 C 4)

63) ThStA: 7’44’8 — A 1 C 3: 1 Fascikel, die Ramschwagische Erbschaft betr. (mit Urkundenabschriften)

64) ThStA: 7’44’57 —A 6 C 4: Prozeß gegen Hans Clewin 1440, April 27 und März 16.

65) ThStA: 7’44’58 —A 6 C 4 (1615, März 27) und ThStA: 7’44’60—A 6 C 4 (Urbarkoopie 1670) zu Klengen, 7’44’57 — A 6 C 4 (1608, Dezember 24) und GLA 184/246 (1604, April 5) zu den Häringshöfen, ThStA: 7’44’58 — A 6 C 4 (1661, Januar 25, Kaufpreis 70 fl.) zu Über-auchen.

66) ThStA: 7’44’54 — A 6 C 2 (1721, Mai 9, 1747, Dezember 5, 1747/48) und F. F. Archiv Donaueschingen: Fremder Herren Güter Vol. VIII Fasc. 5 (1721, Mai 16 — August 2).

67) StA Villingen: AAA h/3 (Lagerbuch der Johanniterkommende Villingen 1688).

68) Vgl A 53

69) ThStA: 7’44’60 —A 6 C 4: Lagerbuch von 1719 (Kopie), mit späteren Anmerkungen.

70) ThStA: 7’44’57 — A b C 4 (Tuningen, 1414, November 15).

71) Beide Rödel sind undatiert, lassen sich jedoch nach dem Inhalt (Namensbestand u. a.) zeitlich einordnen: Rodel von 1339/45 in FUB V, Nr. 331.5 (Original im F. F. Archiv Donaueschingen), Rodel von 1359 in ThStA: 7’44’61 —A 5 C 4, hier ließ sich die Jahreszahl aus späteren Nennungen (z. B. ,ThStA: 7’44’61 zu Tuningen 1512) erschließen. Für die spätere Zeit sind wichtig die Lagerbücher von 1577 und 1762 (ThStA: 7’44’58 — A 6 C 4).

72) Beim Verkauf des Hofes Waldhauses 1261 wird das Kloster durch die Laienbrüder Konrad von Marbach (den ersten eigentlichen Hofmeister) und Ortlieb (von Wangen) vertreten: FUB V, S. 88 Nr. 131.3 (Original: StA Villingen U 14). Weitere Urkunden des 13. bis A. 15. Jh. nennen leider keinen Klostervertreter. Die folgenden Ausführungen beruhen im wesentlichen auf den Schaffnerrechnungen, vgl. A 35.

73) Cläwi (Nikolaus) Has gen. Maiger war mit einiger Sicherheit der Sohn des Maierehepaares Hans und Adelheid auf Obergailingen, die am 15. Oktober 1393 dem Kloster versprachen, weder sich noch ihre namentlich genannten Kinder demselben entfremden zu wollen (TUB 8, S. 132 Nr. 4342). Cläwi und sein Bruder Rudi schlossen am 3. Dezember 1409 mit dem Kloster einen Pfründvertrag, worin sie sich u. a. verpflichteten, die Weberei übernehmen zu wollen (ThStA: 7’44’48 —A 5 C 3). Als Villinger Schaffner wird er 1414, November 15 (ThStA: 7’44’57 — A 6 C 4/Tuningen), 1415, Dezember 5 (FUB VI, Nr. 30.3) und Dezember 15 (ThStA: 7’44’56 —A 6 C 4), sowie 1420, Oktober 20 (ThStA: 7’44’47—A 5 C 2) genannt und hat vielleicht dieses Amt erneut zwischen 1440 und 1445 innegehabt (ThStA: 7’44’61 — A 6 C 4). Im übrigen wird er nur noch als Pfründner genannt und war am 8. November 1447 verstorben, da sich damals das Kloster mit seinem in Dießenhofen wohnhaften Sohn Andreas über die Hinterlassenschaft verglich (ThStA: 7’44’7 —A 1 C31.

74) Ulrich Schmid gen. Schwab war der Sohn des Heinrich Schmid gen. Klugschwab und dessen Ehefrau Adelheid, beide von Hilzingen, und erwarb diesen, bereits als Laienbruder, am 18. Mai 1434 ein Leibgeding (ThStA: Abgelöste Urkundenfragmente). Die Villinger Zinse zog er 1437/38 ein und gab das Amt 1438 auf, um es 1441-44 und evtl. 1452 erneut zu bekleiden (ThStA: 7’4’61 —A 6 C 4). Anschließend erscheint er bis 1471 als Pfründner und Baumeister, wurde 1472 zum Hofmeister ernannt, als welcher er noch im Jahr 1474 nachzuweisenist und scheint im gleichen Jahr gestorben zu sein.

75) Er übernahm das Amt 1439 und hat es wohl bis 1441 verwaltet (ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4).

76) Er stammte vermutlich aus Hilzingen und ist 1445-51 als Villinger Schaffner nachzuweisen (ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4).

77) Heinrich Schurhammer stammte aus Engen, wo seine Familie zu den ratsfähigen Familien gehörte. Er rechnete erstmals 1458, ist also wohl im Vorjahr angestellt worden, und letztmals im Mai 1466. Er ist 1466 oder 1467 gestorben (ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4).

78) Er wurde 1467 mit den Amtsgeschäften betraut und übte diese bis 1485/86 aus. Dann gab er, aus unbekannten Gründen, das Amt auf und entzog sich einer evtl. Strafverfolgung durch die Flucht (ThStA: 7’44’61 — A 6 C 4).

79) ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4: Rechnung 1468

80) entfällt

81) Er wird am 1. Mai 1486 als neuer Pfleger genannt, 1499 als Alt-Pfleger und war 1500 verstorben (ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4).

82) Sifrid läßt sich 1499 nachweisen und wird letztmals am 8. Juni 1501 genannt (ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4, 7’44’58—A 6 C 4); am 2. Mai 1503 war er verstorben (ThStA: 7’44’57 —A 6 C 4).

83) Jakob Riecker wurde am 24. Juni 1481 in Villingen als Bürger angenommen (StA Villingen: AAAa/4), erscheint am 2. Mai 1503 als neuer Amtmann und wird in dieser Eigenschaft bis Mai 1522 genannt (ThStA: 7’44’58 —A 6 C 4 und 7’44’61 —A 6 C 4). Er ist möglicherweise identisch mit dem 1520 erwähnten Zunftmeister der Schneider und Kromer (StA Villingen: U 1034).

84) Hans Riecker war ein Sohn des vorigen, amtierte zumindest von 1522 bis zum 6. Mai 1577 als Schaffner. Von Beruf war er Weber (ThStA: 7’44’58 —A 6 C 4 und 7’44’61 —A 6 C 4, F. F. Archiv Donaueschingen: Aliena [St. Katharinental]).

85) Dieser, vermutlich ein Sohn des vorigen, war zumindest von 1580-86 Klosterschaffner, gehörte 1586 dem Villinger Rat an und war 1593 verstorben (ThStA: 7’44’58 — A 6 C 4, StA Villingen: U 1591, F. F. Archiv Donaueschingen: Aliena [St. Katharinental]).

86) Am 22. Februar 1593 heiratete er die Witwe seines Vorgängers, Susanna Sichlerin (StA Villingen: U 1591) und wird bereits am 16. November als Schaffner im Dießenhofer Haus genannt (StA Villingen: U 1605), in welchem Amt er sich bis Ende Oktober 1611 nachweisen läßt (GLA 184/246, ThStA: 7’44’57—A 6 C 4 und 7’44’54—A6 C 2).

87) Vgl. A 43

88) Im gleichen Jahr wurde er am 24. Juli in den Villinger Rat aufgenommen (StA Villingen: AAA a/4), wo er 1650 auch als Bügermeister erscheint (GLA 184/246), er starb 1655 (StA Villingen: a. a. 0.1 Das Schaffneramt scheint er bis zu seinem Tode bekleidet zu haben (ThStA: 7’44’57 — A 6 C 4 und 7’44’61 —A 6 C 4).

89) ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4 (1815, Oktober 31): Die Kaution in Höhe von 300 fl. stellte Johann Baptist Willmann, badischer Domänenverwalter in Villingen.

90) Dieser läßt sich vom 9. Dezember 1656 bis 4. Dezember 1670 im Amt nachweisen (ThStA: 7’44’58 —A 6 C 4 und 7’44’60 —A 6 C 4).

91) Er ist vom 21. Dezember 1682 bis zum 18. Juli 1694 als Schaffner bezeugt, dürfte aber noch bis 1699/1700 amtiert haben. Als des Gerichts wird er 1688 erwähnt, 1694 war er außerdem auch Pfleger der Villinger Vettersammlung (ThStA: 7’44’3 —A 1 C 2, StA Villingen: U 1786 und 3113).

92) Er wurde 1699/1700 zum Schaffner ernannt, als welcher er sich mindestens bis 1732 nachweisen läßt. Ursprünglich Doktor der Medizin — 1702 auch Villinger Stadtphysikus — erscheint er seit 1714 auch als Doktor der Philosophie, 1716 als Geistlicher. Die Rechnung von 1718 weist ihn als Kaplan in Triberg aus und 1732 wirkte er als Pfarrer in Tu-ningen (ThStA: 7’44’181, 7’44’191, 7’44’58 — A 6 C 4, 7’44’61 — A 6 C 4, 7’44’54 — A 6 C 2, 7’44’60 — A 6 C 4 und 7’44’8 — A 1 C 3, F. F. Archiv Donaueschingen: Aliena [St. Katharinental].

93) Dieser erscheint am 29. Januar 1745 als Schaffner und dürfte es bis zu seinem am 6. Februar 1772 gegen 18 Uhr erfolgten Tode geblieben sein. Als Amtsschultheiß wird er 1752/53, als Schultheiß 1763/65 genannt (StA Villingen: AAA a/4, U 1855, 2532, 3189 und 3190, ThStA: 7’44’3 —A 1 C 2, 7’44’54 —A 6 C 2, 7’44’59 —A 6 C 4, 7’44’61 —A 6 C 4 und 7’44’193).

94) Josef Anton Handman d. J. war ein Sohn des vorigen und übernahm nach dem Tode seines Vaters das Amt, welches ihm am 29. Oktober 1772 übertragen wurde. Er wird 1778 und 1795 als Schultheiß, 1783, 1785, 1787 und 1791 als Bürgermeister in Villingen genannt (StA Vil-lingen: AAA a/4, U 2615, 3216, 3218, 3219, 3221, ThStA: 7’44’59 — A 6 C 4, 7’44’60 — A 6 C 4 und 7’44’61 — A 6 C 4).

95) Seit 1787 wird er als Villinger Sekretär genannt und erscheint am 10. Februar 1803 auch als Klosterverwalter, welches Amt er möglicherweise schon 1798 innegehabt hat (StA Villingen: AAA a/4 und U 2615, ThStA: 7’44’58 — A 6 C 4 — 7’44’59 — A 6 C 4).

96) ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4: Information über die Villinger Schaffney

97) Willmann wurde am 20. Oktober 1813 mit dem Amt betraut und wird noch am 13. Februar 1827 als Verwalter, am 5. März als St. Blasianischer Domänenverwalter genannt (ThStA: 7’44’3 — A 1 C 2, 7’44’58—A 6 C 4, 7’44’59 —A 6 C 4 und 7’44’61 —A 6 C 4).

98) Als letzter Verwalter ist er zwischen dem 26. März 1827 und dem 18. November 1835 nachzuweisen (ThStA: 7’44’58 —A 6 C 4, 7’44’59 —A 6 C 4 und 7’44’60 —A 6 C 4).

99) ThStA: 7’44’61 —A 6 C 4 (Jahrrechnungen 1. H. 15. Jh.)

100) Die Villinger Fleischbank zinste im 14. Jh. auf die Fasnacht (StA Villingen: U 147), die Villinger Mühle je zur Hälfte auf Johann Bapt. und Weihnachtsabend (1364-1422: TUB 6. S. 330 und 8, S. 405, ThStA: 7’44’56—A 6 C 4), nachdem sie bei ihrem Erwerb 1318 auf St. Thomas Tag gezinst hatte (TUB 4, 5. 381 Nr. 1250). Seit 1459 wurde der Zins regelmäßig auf Martini erhoben.

101) ThStA: 7’44’60—A 6 C 4 (1670), 7’44’3—A1 C 2 (1745, Januar 29 und 1768), 7’44’61 —A 6 C 4 (1772, Oktober 29).

102) ThStA: 7’44’61 — A 6 C 4 (Jahrrechnung 1468)

103) Vgl. A 96

104) ThStA: 7’44’60 —A 6 C 4 (Kopie): 1531, Dezember 22 (Freitag nach St. Thomas Tag) Priorin und Konvent zu St. Katharinental verkaufen an Jakob Riegger, obersten Zunftmeister zu Villingen, 1 Pfund 2 ß Heller Zins ab 1 Mm Wiesen zu Villingen vor dem Niedertor um 22 Pfund Heller Villinger Währung.

105) Vgl. A 23

106) TUB 3, S. 119: Diese 5 Pfund Wachs hatte das Kloster jährlich für den Erwerb von 20 Mansen in der Umgebung des Klosters von Kyburgischen Ministerialen dem Straßburger Hochstift zu entrichten und ist dieser Pflicht, wenn auch gelegentlich schleppend, bis ins 19. Jh. hinein nachgekommen.

107) Als Quelle für das Folgende dienten im wesentlichen die Jahrrechnungen ThStA: 7’44’191-193, dazu die Korrespondenz 7’44’3 —A 1 C 2, 7’44’59 —A 6 C 4, 7’44’60 —A 6 C 4 und 7’44’61 —A 6 C 4. 108)

108) F. F. Donaueschingen: Amt Hüfingen Vol. XII Fasc. 20

Anmerkung des Geschichts- u. Heimatvereins Villingen: Die Erstveröffentlichung dieses Beitrags erfolgte in „Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar, Heft XXX, Donaueschin-gen, 1974“. Die hier abgedruckte Wiedergabe erfolgt mit Zustimmung des genannten Vereins.

 

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