Der Palmesel (Herbert Muhle)

Auf dem Weg nach Golgotha . . .

Vorwort

Als ich 1945 nach Villingen kam, zeigten mir meine kleinen Kusinen mit weitaufgerissenen Kinderaugen und Aufgeregtheit eine Stelle im Sägebach: „Wo die Franzosen den Palmesel reingeschmissen hatten“. Was war geschehen? Einige, vermutlich nicht ganz nüchterne Besatzungssoldaten — Zeitzeugen berichten von Marokkanern, denen als Moslems Alkoholkonsum verboten ist — hatten die Palmchristusfigur in ihrem Auslagerungsplatz im „Kneipphaus“ entdeckt — sich draufgesetzt und gegenseitig mit großer Gaudi durch die Gegend gezogen, bis ihnen der Spaß im Wortsinne vergangen war, und sie das Spielzeug einfach in den Bach warfen. Sehr weit waren sie ja auch nicht gekommen, wahrscheinlich war das „Fahrgestell“ der Figur auch damals schon sehr defekt. Natürlich hatte sich die Bevölkerung darüber geärgert, und natürlich war die Handlungsweise nicht in Ordnung, aber ich konnte mich eigentlich nicht so sehr darüber empören, hatte ich doch auch eine mir peinliche Kriegserinnerung, wo wir als deutsche Soldaten religiöse Gefühle einer Dorfbevölkerung nicht gerade schonend behandelt hatten. Noch heute sehe ich den Zorn, die Angst und die Hilflosigkeit in den Augen der Menschen, als wir nach getanem, sicher auch nicht allzu großem Frevel weiterzogen. Und den Marokkanern war ohnehin sicher nicht bewußt, daß es sich bei dem Gegenstand ihres Vergnügens um eine „Heiligenfigur“ handelte, und schon gar nicht um eine historische, verbietet doch der Koran die Darstellung menschlicher Wesen, geschweige denn göttlicher. Es war ja auch Krieg und Nachkriegszeit, wo die Sitten ohnehin verrohen. Vielleicht hatten die Kerle sogar instinktiv etwas getan, was unser Palmesel im Laufe seines „Lebens“ — im wahrsten Sinne des Wortes — hatte „ertragen“ müssen. Natürlich wußte ich zu dem Zeitpunkt dieser Geschichte auch nicht, daß die Kriegsgegner Villingens es auch schon in früheren Jahrhunderten nicht immer besonders gut mit unserem Grautier gemeint hatten. Aber das ist eine andere Geschichte, auf die wir später zurückkommen wollen. Für mich stellte sich damals die Frage, was ist das überhaupt, ein Palmesel? Diese Figur war mir noch nie begegnet, obwohl ich natürlich die Geschichte vom Einzug Christi in Jerusalem kannte.

Ein älterer „Brockhaus“ half weiter: Ein fahrbarer hölzerner Esel, auf dem eine Christusfigur sitzt; wurde bes. in Süddt., wo aus dem 13.-15. Jhdt. künstlerisch bedeutende Beispiele erhalten sind (H. Multscher), bei den Prozessionen am Palmsonntag mitgeführt. Die Figur begann, mich zu interessieren, und als ich bald darauf Professor Paul Revellio kennenlernte, ließ ich mir den Palmesel zeigen, und noch heute weiß ich, wie mich dieses Figurenensemble faszinierte.

Christus auf dem Palmesel

Ist es die natürliche Größe oder die Unmittelbarkeit der Begegnung, die aufrechte Haltung oder der Ausdruck des Heilands, der die rechte Hand als Salvator segnend empor hält, während die linke die Zügel des Reittieres hält? Ist es der Gegensatz zwischen der majestätischen Haltung des Reiters und der vergleichsweise niederen Wertung des Reittiers, eben des in unseren Breiten nicht sehr hochgeschätzten Esels? Es ist der Eindruck der Gesamtheit, des „In-sich-geschlossenen“, aber es ist vor allem die Alleinstellung der Gesamtfigur. Es ist das ganz andere Erleben einer religiösen Plastik, die wir sonst nur im Zusammenhamg mit Altären oder Pfleilern, kurz im Kontex mit dem sakralen Raum erleben. Nun ist ja auch die ursprüngliche Bestimmung dieser Figur die Verkündigung des Wortes der Heiligen Schrift für das Volk, das zur hohen Zeit der Verbreitung des Palmeselkultes nicht lesen und schreiben konnte. So wurde aus der bildlichen Darstellung eines ursprünglich liturgischen Requisites ein „Gemeindespiel“ mit unmittelbar erlebter Religionsempfindung. Der wohl profundeste Kenner des Palmeselkultes, von dessen Feder die umfassendste wissenschaftliche Abhandlung über den Palmesel stammt 1), der Pfarrer Anselm Graf Adelmann von Adelmannsfelden, der uns aus Rundfunk und Fernsehen bekannt ist, machte gelegentlich eines kunstwissenschaftlichen Symposiums an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart zu diesem Thema darauf aufmerksam, daß das Volk, das im frühen Mittelalter Christus als Weltenrichter und natürlich hohen Herrn erlebte, die Figur „Christus auf dem Palmesel“, besonders liebte, weil sie „einen demütigen König“ zeigte. Die Leute sähen es immer gern, wenn sich ein hoher Herr auf ihrer Ebene bewegt. —Sicher hat auch dies dazu beigetragen, daß sich der Palmesel im Mittelalter ganz großer Beliebtheit und Verbreitung erfreute. Graf Adelmann kann immerhin 291 Orte urkundlich nachweisen, an denen Palmeselprozessionen stattgefunden haben. Er hat eine Karte der Prozessionsorte angelegt, aus der wir ersehen können, daß die Kernzone des Palmeselbrauches das schwäbisch-alemannische, fränkische und bayerische Gebiet ist, um das sich im Norden wie im Süden ein Kranz von Orten befindet, in denen sich dann auch Sonderformen bzw. Abwandlungen des Brauches finden. Immerhin konnte Graf Adelmann 1968 ca. 190 noch vorhandene Figuren nachweisen, die sich aber überwiegend nicht mehr im kirchlichen Besitz, vielmehr in Museen befinden, die weitest entfernten im Victoria and Albert Museum in London sowie im Metropolitain Museum New York.

Geschichtlicher Hintergrund

Die Arbeit von Pfarrer Graf Adelmann ist auch deshalb so bemerkenswert, weil bei den üblicherweise sehr ergiebigen Quellen wie kirchlichen Bibliotheken oder liturgischen Anordnungen nur sehr wenig, um nicht zu sagen fast nichts, über den Palmeselbrauch zu finden ist. Ritualien, Benediktionale, Libri Ceremoniarum oder auch Breviere geben nur sehr selten Auskünfte2). In Chroniken und weltlichen Berichten, auch den sogenannten Libri ordinarii findet man hingegen mitunter sogar sehr ausführliche Berichte, so z. B. in der „Chronik der Grafen von Zimmern“ (Zimmer’sche Chronik)3) [Text Anhang] aus dem Anfang des 16. Jhdt. Für die Villinger Figur findet sich ein Hinweis in der Chronik „Mercurius Villinganus“ des Joann Baptist Steidlin von 16344). Wir werden später näher darauf eingehen. Der Grund für die Nichterwähnung des Palmesels in den Ritenbüchern mag wohl darin zu suchen sein, daß die Kirche den Palmesel in der Palmsonntagsprozession nur duldete und niemals als „Prozessionsgerät“ anerkannt hat. Dies erklärt auch das Ende dieses Brauches am Ende des 18. Jhdts., das ganz einfach per Verfügung und Verbot durch die Bischöfe erfolgte. Der Brauch war wohl zu sehr mit „heidnischen“ und abergläubischen Elementen versetzt. Es läßt sich nachweisen, daß es eine ganze Anzahl von Fruchtbarkeits- und Frühjahrsritualien schon in vorchristlicher Zeit gab, z. B. für das alte Persien mit palmtragenden Priestern, die auf Eseln reitend die Felder segneten. Es gibt noch viele Beispiele. Es würde den Rahmen dieser Betrachtung sprengen, wenn wir hier die kulturgeschichtliche Bedeutung des Esels weiter ausbreiteten, einmal als biblisches Symbol der Unkeuschheit, aber auch als Zeichen des Auserwähltseins, z. B. Bileams sprechende Eselin, die Gottes Willen mehr verstand als der Mensch. Und gehört unser fastnächtlicher Butz-esel nicht auch in dieses ein wenig mythische Geflecht? Man tut dem Esel in unseren Breiten eher unrecht. Er war immer das geduldige, mitunter störrische Last- und Reittier der niederen Stände und hatte im Ansehen gegenüber dem Pferd einen schweren Stand. Aber wenn man fragt, wer der größte Helfer der Menschheit in der kulturhistorischen Entwicklung war — Pferd oder Esel —, muß man sich eindeutig für letzteren entscheiden. Erst heutzutage wachsen die unzähligen Säumerpfade um das Mittelmeer zu, die bis in unsere Tage für Mensch und Esel die Lebensader einer mediterranen Zivilisation und Kultur waren. Und hatten nicht Ochs und Esel die ungeheure Bevorzugung erfahren, Zeugen bei der Geburt Christi zu sein? —

Kommen wir wieder zu unserem Palmesel zurück. Unstrittig ist wohl das erste schriftliche Zeugnis über eine Palmsonntagsprozession mit einem Esel aus den Jahren 982 und 992, die sich in einer Lebensbeschreibung des heiligen Bischofs Ulrich von Augsburg (gest. 973) für dessen Heiligsprechung findet. Allerdings bezweifelt auch Graf Adelmann, ob es sich tatsächlich um einen plastischen Palmesel handelte, es kann sich auch um eine bildliche Darstellung gehandelt haben. Wir halten uns aus diesem Gelehrtenstreit heraus und erfahren, daß die nächsten schriftlichen Hinweise erst wieder im 13. Jhdt. zu finden sind, und aus dieser Zeit stammen dann auch die ersten erhaltenen Plastiken, 3 Stück an der Zahl (in den Museen Zürich, München und Berlin). Aus dem 14. Jhdt. haben sich nur neun Stücke erhalten, eines davon in Dotternhausen in der Nähe von Rottweil Kreis Balingen. Dieser war bei der Palmprozession noch jetzt oder wieder in „Gebrauch“. Als man die Figur —die ihre letzte „Lackierung“ erst in den 1960er-Jahren mit handelsüblichen Farben durch wohlwollende aber nicht gerade sachkundige Hände erfahren hatte — an das „Institut für Technologie der Malerei und gefaßten Skulptur“ der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart gab, um sie einer fachgerechten Restaurierung unterziehen zu lassen, wurde ihr beachtliches Alter und ihre außerordentliche kunstgeschichtliche Bedeutung entdeckt. Die Kirchengemeinde, die sich eigentlich nur eine Freilegung auf die Originalfarbe (die „Fassung“) vorgestellt hatte, war eher erschrocken darüber, weil sie ja eine so altehrwürdige Figur nun gar nicht mehr in Prozessionen mitführen könnte, und Dotternhausen ist eine der ganz wenigen Gemeinden (es sind wohl noch im ganzen sieben), in denen heute noch die Palmprozession mit dem „Heiland auf dem Palmesel“ abgehalten wird (siehe auch Anhang). In 11 Gemeinden wird er noch heute am Palmsonntag—zum Teil auch geschmückt — im Chor der Kirche aufgestellt.

Aber wir sind unserer Zeit schon wieder weit voraus. Ungefähr 60 erhaltene Skulpturen sind im 15. Jhdt. entstanden. Dies ist auch die Zeit der größten Verbreitung des Brauches, die „hohe Zeit der Palmeselprozessionen“ (Adelmann). Es finden sich unter ihnen bedeutende Kunstwerke, so von Hans Multscher aus Ulm. Unsere Villinger Figur stammt ebenfalls aus dieser Zeit und ist von beachtlicher künstlerischer Qualität.

Religiöse „Funktion“ und was daraus wurde

Wenn, wie aus dem Vorhergesagten hervorgeht, die Figur des „Christus auf dem Palmesel“ eigentlich mehr in der Volksfrömmigkeit wurzelt, so soll doch nicht verkannt werden, daß sie, zumindest im Ursprung, kein frommes „Spielzeug“ war. Als reale Darstellung vergegenwärtigt sie Christi Einzug in Jerusalem, und dieser ist ja biblisches Geschehen. „Die Palmeselplastik war also in erster Linie ein Kultbild“ so Adelmann, und „Ihr angestammter Platz ist die Prozession“5) Dennoch wurde die Figur durch Aufstellen in der Kirche vor und nach den Prozessionen und später — nach dem kirchlichen Verdikt auch aus liebgewordener Gewohnheit — mitunter zum Andachtsbild für die persönliche Verehrung und Kontemplation. Gelegentlich wurden die Palmesel auch wie ein Gnadenbild verehrt, oder es wurden mit ihnen Reliquienprozessionen durchgeführt. So hat der oben erwähnte Palmesel von Dotternhausen in seinem Bauch ein kleines, ursprünglich verschließbares Fach, das möglicherweise als Reliquienschrein diente. In der späteren Entwicklung findet man auch Palmesel, denen man Brote, Eier, Früchte u. ä. in den Bauch legte, weil man sich davon besondere Heilkräfte versprach, dies aber zeigte schon die Veränderung des Brauches an. Ursprünglich war die Prozession nur als Palmprozession, ein Straßenumgang, selten als Flurumgang veranstaltet, vielmehr war die Berührung der Figur mit dem geweihten Palmzweig für Haus, Hof und Vieh von Wichtigkeit. Hieraus hat sich später wohl auch der Brauch des sogenannten „Palmschießens“ entwickelt, der leicht in groben Unfug ausarten konnte. Aber es entwickelten sich aus der reinen Prozession heraus eine ganze Anzahl außerkirchlicher Gebräuche: Das Rutenschlagen (siehe oben), Eierschmuck- und Unterlegen von Brot und Frucht, der „Heischegang“ (frommes, später weltliches Betteln) und am Ende dann um die Palmeselfigur eine allgemeine Gaudi und Volksfeste, die sich besonders im 18. Jahrhundert ausbreiteten. Eine ganz besondere Form der Palmeselverehrung war die Funktion als „Berührheiltum“ und hier wieder insbesondere das Aufsetzen von Kindern, meist fast nur von Knaben. Adelmann‘) vermutet, daß sich auch hier Christliches (Matth. 19, Vers 4) „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ und überkommene Fruchtbarkeitsbräuche vermischten. Aber gerade diese Verwendung der Palmeselfigur hat wohl am meisten zu seinem kirchlichen Verbot geführt, lagen doch diese Bräuche sehr nahe oder schon außerhalb der Grenze zum Aberglauben. Es hatte sich weitgehend eingebürgert—als aus dem strengen Osterbrauch längst ein ausgelassenes Volksfest geworden war —, vielerorts mit dem Palmesel auf Wiesen und Plätzen, auch manchmal schon am Rande der „Umführung“, allerhand höchst weltliche Vergnügungen zu veranstalten. Schon früher waren die Ministranten unter Begleitung des Kantors oder Lehrers durch die Straßen gezogen und hatten unter Absingen religiöser Lieder um fromme Gaben „gebettelt“. Wir sprachen schon über diese Form des „Heischganges“. Aber bald schon verbreitete sich die Form der Belustigung, daß nach Beendigung der Prozession und der folgenden Aufstellung der Figur in Chor oder Portal der Kirche, die Messmer das Recht erhielten, den Palmesel im Kreuzgang (so in Konstanz) oder an der Ringmauer des Friedhofes (so in Freiburg, die Mauer hieß bis zu ihrem Abbruch: Eselsmauer) entlangzuziehen und Kinder gegen ein Trinkgeld ein oder mehrmals auf und ab zu ziehen‘. Manch einer vermutet bei dieser „Anwendung“ des Palmeselsteils mit, teils ohne aufgesessenen Christus den Vorgänger des heutigen Karussells. Die Kinder erhielten meist am Palmsonntag von ihren Götten ein Taschengeld —übrigens auch wenn möglich neue Kleider— und durften einen Teil des Geldes für das Reitvergnügen verwenden. Daß so mancher Messmer oder Totengräber sein nicht eben großes Budget durch diese Nebeneinnahme verbesserte und wohl auch einen Teil davon schnell in einen höherprozentigen Schluck umwandelte, blieb nicht aus. Das Herumziehen, das sich oft bis in den Abend des Palmsonntag erstreckte, machte sicher auch durstig, und so ging wohl mancher Palmesel zu Bruch, wenn zu heftig galoppiert wurde und durch den „Gebrauch“ wohl auch manche Farbfassung zu Schaden kam, Ohren brachen ab, und Schwänze gingen verloren. Obwohl die eingangs erwähnten französischen Soldaten demselben Gaudi-Bedürfnis nachgefolgt sind? Es existiert ein Foto aus dem Jahre 1934 von unserem Villinger Palmesel, bei welchem dem Tier der Schwanz fehlt (obwohl man den Schatten für einen solchen halten könnte), bei dem aber vor allem die Kruppe (das Hinterteil des Tieres) deutliche Gebrauchsspuren in der abgeplatzten Farbe zeigt. Dies legt die Vermutung nahe, daß in Villingen der Brauch des Kinderaufsetzens ebenfalls gepflegt wurde. Auch zeigt ein, bei einer heute neben der Figur aufgestellten Erklärungstafel des Franziskaner-museums, befindliches Foto aus der Zeit vor der Restaurierung deutlich ein ersetztes Stück Mantel hinter dem Bein des Reiters. Da der Mantel vom Eselskörper ziemlich weit absteht, war dieser Teil (oder diese Teile) wohl (vermutlich sogar beidseitig) schon früher abgebrochen. Gebrauchsspuren, die auch schon vor dem „Marokka-nerritt“ entstanden sein können? Schriftliche Quellen für dieses Kinderaufsetzen sind jedoch hierfür bisher bezüglich Villingen nicht gefunden worden. —Auch ist bisher nicht bekannt, in welchem Zusammenhang unsere Palmchristusfigur mit den nachweislich seit dem 16. Jahrhundert aufgeführten Vil I inger Passionsspielen stand. Auch hier kann natürlich eine Verbindung gesucht werden, waren doch sowohl die Palmprozessionen als Darstellung des Einzugs Christi in Jerusalem, sei es sowohl als „geistliche Prozession“ oder als „Prozes-sionsspiela), als auch die Passionsspiele, Teil der gesamten Osterliturgie. Gemeinsam ist beiden Veranstaltungen das von der Bevölkerung nur mit Widerspruch und Hinauszögern hingenommene, von der Kirchenobrigkeit verordnete Ende.

Für unser Gebiet geschah dies durch ein Hirtenschreiben des Konstanzer Bischofs Maximilian Christoph von Root aus dem Jahre 1790. In diesem heißt es: „Es sollen die Passions-Comedien, Herumführung des Palmesels und die Auffahrtsceremonien gänzlich unterbleiben“. Es wird berichtet, daß das Volk erbost gesagt haben soll:

Es existiert ein Foto aus dem Jahre 1934 vom Villinger Palmesel, bei dem vor allem die Kruppe (Hinterteil des Tieres) deutliche Gebrauchsspuren im Bereich der abgeplatzten Farbe zeigt. Das legt die Vermutung nahe, daß in Villingen der Brauch des Kinderauf-setzens ebenfalls gepflegt wurde. (Bild: Hugo Conrads, in: „Mein Heimatland“ Heft 3/4, 1934). Vgl. auch Zeichnung ganz unten.

 

… und so hat man sich den „lustigen Palmeselritt“ vorzustellen.

„Da sieht man’s, daß der Bischof zu Konstanz lutherisch geworden ist“. Dabei war der Konstanzer Bischof, in dessen Bistum der Palmeselkult seit je seine weiteste Verbreitung gefunden hatte, auch wohl nur ein ausführendes Organ, wenn auch ein strenges. Man muß auch dieses kirchliche Verdikt im Zusammenhang sehen mit der aufklärerischen Kirchenreform, die von Kaiser Josef II. teils mit, teils mehr wohl gegen den Willen der Kirche betrieben wurde. Und es gab ja wesentlich einschneidendere Maßnahmen als das Verbot der Passionsspiele oder der Palmeselprozession, von denen ja auch Villingen in erheblichem Maße betroffen worden war, und ganz sicher waren aus den frommen Bräuchen, besonders in der lebensfrohen Zeit des Barock, ausschweifende, ja im Falle des Palmesels, abergläubische Veranstaltungen geworden, die nicht mehr in die beginnende Zeit des Rationalismus paßten. Bemerkenswerterweise hat dann auch der Palmesel mit einigen seiner Bräuche Eingang in das „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“9) gefunden. Hier findet sich auch — mit einer, vom Verfasser nicht nachprüfbaren Quellenangabe — die Schilderung einer Eselsverbrennung: „Ein Schmied, der einst einen Palmesel mit groben Worten verbrennen wollte, wurde ein paar Schritte weiter von einer Kugel getroffen“. Wir werden dieser lexikalischen Aussage in diesem Beitrag nochmals begegnen. — Vielfach wurde den bischöflichen Anordnungen der Gehorsam versagt. Man weiß, daß z. B. in Konstanz noch zu Wessenbergs 10) Zeiten der Palmesel unter Gejohle durch die Gassen gezogen wurde. Es mag sich hier ähnlich wie bei der Verehrung des ebenfalls verbotenen „Herz-Jesu-Bildes“ um einen protestierenden privaten Ungehorsam der Gläubigen gehandelt haben, doch war das Ende des Palmesels nunmehr endgültig gekommen. Es kam, um das Verbot der Palmeselprozession endlich durchzusetzen, zu regelrechten öffentlichen „Hinrichtungen“ der Esel (an Christus als Reiter vergriff man sich allenfalls, indem man die Beine entfernte, um sozusagen nur noch einen segnenden Torso zu erhalten). Es ist bekannt, daß der Konstanzer Stadtpfarrer Strasser den Esel zersägen, zerspalten und verbrennen ließ. Und eigenartigerweise begegnet uns hier auch wieder (diesmal bei Federer 1933/34)11) die Geschichte mit dem Verbrennungsversuch: „In ViIlingen übernahm ein Schmied das Henkeramt. Er wollte den Palmesel verbrennen. Als der lange kein Feuer fangen wollte, rief er ungeduldig: ,Der Teufel will nit brinnen.‘ Wenige Schritte weiter traf ihn eine tödliche Kugel, die aus der Stadt geschossen wurde.“ — Die Geschichte des Palmesels geht hier zu Ende.

 

Textausschnitt aus der Chronik „Mercurius Villinganus“ von Johann Baptist Steidlin, aus dem Jahr 1633 berichtend. (Stadtarchiv).

 

 

 

 

 

Beschäftigen wir uns aber noch einmal mit unserer auf uns gekommenen Figur. Schriftliche Überlieferungen in Dokumenten haben sich bisher, bis auf die im Stadtarchiv befindliche (leider nicht mit Originaltitel versehene) Chronik „Mercurius Villinganus“ von Johann Baptist Steidlin finden lassen. Aber hier lesen wir nun wohl den Ursprung dieser eigenartigen Verbrennungsgeschichte. Gegen Ende seiner Chronik über die Belagerungen 1633 und 1634 schreibt Steidlin: . . . kann ich nicht umgehen zu erzählen, was sich auch vor / nach / unnd vorwehren-der Belägerung für Trostzaichen wunderthätig sehen und merken lassen . . . Ferner / wie glaubwürdig berichtwirdt / haben sie [die Feinde] auss bemelter Kirch [„der Todten Capell in der Altstatt“] den Palmesel / sambtder darauff sitzenden Bild Christi / so villeicht inn die 400 Jahr alt war / inn das Läger geführt / als einen Reutter auff die Wacht gestellt / endtlich einer auss ihnen ein Fewr [Feuer] darunter gemacht / und verbrennen wöllen / weil er aber lang nit brennen wollt / gesagt: Der Teufel will nit brinnen: welcher Bösswicht kaum ettlich Schritt von dannen für sich gangen / alssbaldt von einer auss der Statt geschossenen Kugel getroffen / und zu der Nacht (wie etliche dess Feindts selbsten bekennt) gesehen / und also fewrig dise Wort zum öfftern aussprechend gehört worden:

Der Teuffel will nit brinnen.

Lassen wir die Geschichte selbst als fromme Legende auf sich beruhen. Wir haben aber hier ein schriftliches Zeugnis über unseren Christus auf dem Palmesel, der zu dieser Zeit natürlich noch keine 400 Jahre alt war. Er hatte aber immerhin —darauf kommen wir noch zu sprechen—so etwa 160 Jahre auf dem Buckel, und das ist im Volksglauben schon beinahe eine Ewigkeit. Wir erfahren aus dieser Geschichte, daß sich die Figur im Besitze der Münsterpfarrei befunden haben muß, denn das Pfarrecht war 1530 von der Altstadtkirche (heute Friedhofskapelle) auf das Münster übergegangen. Die Palmeselfiguren verbrachten das Jahr über in der Regel an festen Plätzen, meist im Turm oder in abseits liegenden Kammern der Kirchen, das Volk nannte die Plätze „Eselsställe“. Es ist also anzunehmen, daß sich der Villinger Eselsstall in der Altstadtkirche auf dem Gottesacker befand. Mit ein wenig Phantasie ist jedenfalls vorstellbar, daß die Palmsonntagsprozession an der alten Pfarrkirche ihren Anfang nahm und sich Christi Einzug in Jerusalem von dort her in die Stadt Villingen trefflich „inczenieren“ ließ. —Das Aufstellen von Heiligenfiguren bei Angreifern wie Verteidigern war im Mittelalter eine Art, wir würden heute sagen, „Imponiergehabe“. Es kommt in vielen Belagerungsbeschreibungen dieser Zeit vor, und gerade in GLaubenskriegen wie dem „Dreißigjährigen“ konnte man damit die religiösen Gefühle des jeweiligen Gegners schon erheblich verletzen. Die Kunst der „Psychologischen Kriegsführung“ ist älter als wir glauben.

Kunstgeschichtliches zu unserem Palmesel

Wie sprachen schon von der Faszination, die vom Gesamtensemble des Villinger „Christus auf dem Palmesel“ ausgeht. Da ist zunächstdie Lebensgröße der Figur. Und doch sind die Größenverhältnisse innerhalb der Figur unterschiedlich. Die Größe der Gliedmaßen nimmt im Verhältnis zum Gesamtkörper nach oben hin ab. Die Hände und Füße der Christusfigur sind verhältnismäßig groß. Betrachtet man die Christusfigur von der Seite, so fällt ein fast pyramidenförmiger Aufbau auf. Hierzu trägt das weit aufbauschende Gewand erheblich bei. Unterstützt wird dieser Eindruck noch durch die vorwärts drängende Haltung der Zügel —wie der Segnungshand. Auch Haare und Bart tragen zu dem pyramidenförmigen Eindruck bei. Möglicherweise hat die Christusfigur zu früheren Zeiten eine Krone getragen, dies könnte den oben beschriebenen Eindruck beeinflußt haben. Man weiß auch nicht, ob die rund um den Kopf zur Aufnahme einer Krone oder Kopfbedeckung angebrachte Abschnitzung schon beim Original vorhanden war. Der erst in letzter Zeit ergänzte Kranz um den Kopf des Heilands erzeugt jedenfalls eher einen lastenden Eindruck der an sich aufragenden Christusfigur. Die Reiterhaltung der Figur wirkt durch das kontrastreiche Verhältnis von sichtbarer Körperform und ausschwingender Draperie des Mantels besonders stark. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Röhrenfalten, die vom Oberkörper der Christusfigur weit abstehend herabfallen und bei der Stauung auf dem sattellosen Eselsrücken betont abknicken. Der Mantel ist von vorne nach hinten unter den Reiter geschlagen und bildet dadurch eine Art Satteldecke. Hierdurch werden die Schenkel recht deutlich sichtbar, da sich der Mantel über ihnen spannt. Auf der dadurch entstehenden Rückseite hinter den Beinen fallen mehrere Röhrenfalten frei herab. So wird, wie bei spätgotischer Plastik üblich, der Vorwärtstrieb sichbar gemacht. Der Gesichtsausdruck des Herrn zeigt eine realistisch lebensvolle und technisch sehr fein ausgeführte Fassung, die ebenfalls einen starken Eindruck ausübt. Die Haare sind locker fallend und die Hände mit deutlich sichtbaren Äderchen sehr fein ausgeführt. Eine wirklich qualitätvolle Figur!

Der Esel fällt zunächst durch seine versammelte Gesamthaltung auf. Es scheint fast so, als ob er sich seiner großen Verantwortung als Reittier Christi bewußt sei. Der Bildhauer hat die Tierskulptur mit großem Gefühl für das Körpervolumen erstellt. Die Bewegung wirkt nicht eselig störrisch, sondern eher würdevoll schreitend. — Der Kopf hat eine schöne, aber auffällig kurze Form. Allerdings ist die „Rampfnase“ (wie man beim Pferd sagen würde) gegenüber ähnlichen Stücken dieser Zeit sehr auffällig. Diese Nase ist ein einmaliges Charakteristikum unseres Villinger Esels. Besondere Aufmerksamkeit hat der Bildhauer der reichen und abwechslungsvollen Mähne gewidmet. Leider sind die Ohren —die später ersetzt sind —zu groß geraten. Es könnte sein, daß diese — wie der Wagen, auf dem die Gesamtfigur steht—dem Vorbild im Ulmer Museum zu stark nachempfunden wurden. Weitere Teile, die ersetzt sind: Schwanz, möglicherweise die Hufe (?), und ein Teil des herabhängenden Mantels hinter dem linken Bein, wahrscheinlich hinter beiden Beinen. Zaumzeug und Zügel, die früher sicher häufig ersetzt worden waren, wurden ganz entfernt.

Da verschiedentlich angenommen wurde, unser Palmesel stamme aus der Werkstatt oder dem Ulmer Umkreis Hans Multschers (um 1400 bis 1467), lohnt sich ein Vergleich unserer Skulptur mit den beiden datierten und eindeutig der Werkstatt Multschers zugeordneten im Kloster Wettenhausen und im Ulmer Museum (datiert 1464). Multscher war als führender Bildschnitzer Ulms neben Nikolaus Gerhard der wichtigste Bildhauer, der die formale Entwicklung der gotischen Kunst hin zum Realismus der 2. Jahrhunderthälfte des 15. Jhdt. vorangetrieben hat. Eine Verwandschaft zu unserem Palmesel ist mit Betrachtung der Körperhaltung, der Kopfform Christi sowie der Draperie des untergeschlagenen Mantels recht gut nachvollziehbar. Gegenüber dem feinteilig linearen Stil der Stücke aus der Mu ltscher-Werkstatt besitzt unsere Skulptur jedoch einfachere und gröbere Formen. Das stumpfere Abknicken der Falten am Eselsrücken und an den Ärmeln deutet bereits auf spätere Stiltendenzen hin. Die Falten besitzen ein größeres Einzelvolumen. —Trotz der spürbaren Nachwirkung des Stiles der Jahrhundertmitte (und unter Beachtung der im Vergleich zu den Ulmer Stücken etwas geringeren Qualität) ist am ehesten eine Entstehung der Plastik in den 70er Jahren des 15. Jahrhunderts anzunehmen. — Wir sehen, daß das Alter von 400 Jahren aus dem Jahre 1633 genausowenig stimmt wie die Jahreszahl 1572, die später an der Figur angebracht war und Revellio vermutlich zu dieser Entstehungszeit-Festlegung veranlaßte. Wahrscheinlich ist diese Jahreszahl anläßlich einer Neufassung angebracht worden, als man sich über die kunstgeschichtlichen Zusammenhänge noch nicht so klar war. Sie war vielleicht auch einfach „historisch“.

Unser Palmesel war vor Jahren, nicht zuletzt auch wegen der „Nachkriegs-Strapazen“ mit dem unfreiwilligen Bad im Sägebach in einem höchst gefährdeten Zustand. Es ist das Verdienst von Stadtarchivar Dr. Josef Fuchs, daß mit finanzieller Unterstützung durch wohltätige Vereinigungen, Kreditinstitute und Veranstaltung einer „Aktion für die Restaurierung des Palmesels“ unsere Palmeselskulptur durch die Werkstätte Rau in Ulm 1976-82 restauriert werden konnte. Wir sind, durch die qualitätvolle und einfühlsame Restaurierung, heute in der Lage, unseren Palmesel wieder so zu bewundern, wie ihn die alten Villinger und ihre Kinder in der Stadt am Palmsonntag freudig erlebten.

Nachwort

Ich bin wieder einmal hinübergegangen in den „Franziskaner“ zu meinem „Freund“, der im Chor der ehemaligen Klosterkirche vor den Kulissen der Villinger Passionsspiele nun einen so schönen Platz gefunden hat. Und wie es dabei so geht, war ich schließlich überrascht, als ich beim wiederholten Hinschauen entdeckte, daß der Esel ja ganz verschieden stehende Augen hat. Sie sind schlicht unterschiedlich geschnitzt, das rechte Auge ist größer geraten, und auch die Nüstern stimmen nicht so ganz zueinander. Welch liebenswertes Zeichen menschlich künstlerischer Unzulänglichkeit! Da fiel mir wieder der „Palmeselspezialist“ Pfarrer Graf Adelmann ein. Der erzählte anläßlich des eingangs erwähnten Symposiums in Stuttgart, daß er unlängst eine Dame getroffen habe, die ihm in Anbetracht seiner Leidenschaft für den „Christus auf dem Palmesel“ anvertraute: „Jedesmal, wenn ich einen Esel sehe, muß ich an Sie denken, Herr Pfarrer!“

Anhang I

Der Umzug mit dem Palmesel

Darumb ist zu wissen, das in wenig tagen hernach, als baid herrn, herr Gottfridt und herr Johanns Wernher, wider von Augspurg kommen, uf den palmabendt ain lecherliche historia zu Mösskirch sich begeben; dann als [363] uf selbigen tag der brauch gewest, wie auch noch, das der palmesel nach der vesper mit ainer ganzen prie-sterschaft und den schulern belaitet und von sechsen den fürnembsten im rath daselbst gefiert wurt zu unser Frawen ennet der Ablach, ist der alt herr Gotfrid und herr Johanns Wernher mit etlichen vom adel und andern auch mit gefolgt. Under andern des raths, so den esel gefüert, haben der alt Blese Amman und Hainrich Leupfried der elter im ersten joch gezogen, und als es vor dem undern thor nit von statten geen, hat der Biese mehrmals zu seinem mitgesellen, dem Hainrich Leutfriden, gesprochen: „Hainrich du zeuchst nit.“ Das hat den Hainrich übel verdrossen, aber doch geschwigen. Es hats aber der Blese sovil und oft getriben, das der Leutfridt, wie er dann ain seltzamer, notlicher alter man war, im in die harr nit vertragen kunt, sondern, als der Biese nit nachlassen, sprach er in ainer ungeduldt: „Ich zeuch den teu-fel was treibst du doch? Darvon ist ain gross gelechter entstanden, und habens die schuoler von rathsfründen vernomen, von denen die pfaffen. Also sein dess herr Gottfrid und herr Johanns Wernher, so der procession nachgangen, auch gewahr worden. Der hats den edel-leuten anzaigt, und ist also in ainer geschwinde under den gemainen mann kommen, dadurch bemelter Leut-fridt also gespait worden, das er, wie ich oftermals von den alten Mösskirchern gehört, die hai lig zeit sich wenig sehen lassen oder under die leut kommen ist. Dergleichen facetia hab ich den schwenken Bebelii gefunden. Man sagt, der alt herr Gottfridt hab ine übel darumb gehalten, sprechende: „Das dich botz mag schende! solltu unsers Hergots biltnus ain teufel nennen ? botz mag schende in der mutter ader!“

Anhang II

MERCURIUS VILLINGANUS

Das ist, Wahrhafte Relation was sich in dem Teutschen Schwedisch wehrenden Krieg mit Villingen einer Löbl: österreichischen Stadt vor dem Schwarzwalde gelegen, sowohl in Geist/weltlich als in Kriegs Sachen von Anno 1632 biss in Anno 1633 zugetragen, in welcher sich ein jeder sovil oder mehr, als in dem gantzen Teutschen, nunmehr lange Jahr continuirten Krieg zu ersehen und augenscheinlich die Wunder Gottes zu observiren hat. Seine lieben Patrioten, und Villingern zu immerwehren-dem Angedenken also vermerkt, und an Tag gegeben.

Durch Joann Baptisten Steidlin

der Philosophie der beider Rechte Doktor.

getruckt im Jahre Christi 1634 zu Freiburg.

Anhang III

Auch hier gibt es eine dokumentarisch belegte Geschichte zu erzählen, die der heutige Ortspfarrer zum besten gibt:

Der „Eselstall“ des Dotternhausener Palmesels war in dem kleinen, im Ort befindlichen Frauenkloster. Nun kam es von ab und an vor, daß zwischen der Priorin des Klosters und dem Pfarrer nicht immer die notwendige christliche Eintracht herrschte. Um ihren Forderungen —gerechten oder unrechten — den nötigen Nachdruck zu verleihen, drohten die Klosterfrauen mit dem augenscheinlich empfindlichen Übel, den Palmesel zum Palmsonntag einfach nicht frei zu geben. Mehrmals sei es sogar so weit gekommen, daß die Klosterfrauen ihre Drohung wahrgemacht hätten und so dem Volk ein lang erwartetes Vergnügen versagt blieb. Aber so ist es nunmal: Wenn die „Obrigkeit“ streitet, haben die kleinen Leute darunter zu leiden.

Quellenverzeichnis:

1. Josef Anselm Graf Adelmann von Adelmannsfelden „Christus auf dem Palmesel“ in: „Zeitschrift für Volkskunde“ 63 (1967) S. 182-200

2. Hansmartin Decker-Hauff, Rudolf Seigel „Die Chronik der Grafen zu Zimmern“ Handschriften der FF Hofbibliothek Donaueschingen Jahn Torbecke Verlag, 1978 Sigmaringen

3. Joan Baptist Steidlin „Mercurius Villinganus“, Stadtarchiv Villingen

4. Fritz Federer „Der Palmesel und die Palmprozession in Baden“ in: „Mein Heimatland“ Heft 3/4, 1934 (Verlag Badische Heimat), gleicher Artikel, gleicher Autor in: „St. Konradsblatt“ Nr. 15, v. 9.4. 1933 Freiburg

5. Bächtold-Stäubi und Hoffmann-Kayser „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“, Berlin/New York 1987

6. Beck: Der Esel in der Symbolik etc., insbesondere vom „Palmesel“ Diözesanarchiv von Schwaben, 21. Jahrgang, Nr. 1, 5. 1905

7. Lulu Weither und Wolfgang Schütz „Der Esel trägt es mit Fassung“, Vortrag bei der Jahrestagung 1989 des Deutschen Restauratoren-Verbandes in Trier (Dotternhausener Palmesel)

8. Bei der Abfassung des kunstgeschichtlichen Teiles mit stilkritischer Zeitzuordnung verdanke ich Anregungen und Fakten meinem Sohn, Dipl.-Restaurator Dr. phil. Felix Muhle

Fußnoten:

1) Siehe Literaturhinweise, Adelmann

2) Adelmann, a. a. 0. Seite 186

3) Wörtlicher Text siehe Anhang I

4) Wörtlicher Titel siehe Anhang II

5) a. a. 0. Seite 186

6) a. a. 0. Seite 187

7) Federer, a. a. 0. Seite 88

8) Adelmann, a. a. 0. Seite 188

9) Bächtold-Stäubi u. Hoffmann-Kayser „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Seite 1382

10) I. H. K. Freiherr von Wessenberg (1774-1860) Generalvikar für das 1827 aufgehobene Bistum Konstanz

11) a. a. O. Seite 89