Erneute archäologische Untersuchung der Wallanlage des keltischen Siedlungsareals aufd em Kapf beim Kirnacher Bahnhöfle

In den Monaten Mai und Juni 1989 sollte in Schwenningen, im Bereich des alemannischen Friedhofs „Auf der Lehr“, eine weitere archäologische Grabung stattfinden. Sie wurde unerwartet durch Schwierigkeiten beim Genehmigungsverfahren gestoppt. Nachdem die sachlichen und personellen Voraussetzungen bereits vorlagen, mußte auf eine Ersatzgrabung ausgewichen werden. Das Landesdenkmalamt Freiburg, Abt. Bodendenkmalpflege, ordnete deshalb eine neuerliche, 6 Wochen dauernde, Untersuchung der hallstattzeitlichen Anlage auf dem Kapf beim Kirnacher Bahnhöfle an. Ziel war es, die nach der ersten, von Prof. Hübner 1959 durchgeführten Grabung noch offen gebliebenen Fragen zu klären. Hübner hatte damals nichts Näheres über die innere Struktur des Walles, der zum sogenannten „äußeren Wallgrabensystem“ gehört, herausbekommen. Ferner sollte der Bereich der mittelalterlichen Wehranlage, wo im sogenannten „inneren Wallgrabensystem“ die Steinmauer der Frontseite, nach der Grabung 1959 zu Anschauungszwecken rekonstruiert, offen lag, aus konservatorischen Gründen wieder verfüllt werden.

Wir besuchten zunächst am 30. Mai 1989 die Grabung, wo uns in bewährter Freundlichkeit der Grabungsleiter Klaus Hietkamp informierte: Im Innenbereich der keltischen Siedlung, also der Fläche östlich des äußeren Walles, wurde im südlichen Bereich ein 2 m x 30 m breiter Grabungsschnitt angelegt, der bei sehr geringer Tiefe bis in den anstehenden Boden reichte. Vgl. Foto. Hier ergaben sich keine hallstättischen Befunde. Die auf dem Bild im Schnitt erkennbaren Steine sind natürliches, oberflächlich aufliegendes Restgestein im Verwitterungsboden des Buntsandsteins. Es konnten lediglich einzelne Scherben, ohne besondere Signifikanz, aufgelesen werden. Sie sind nur als prähistorische Keramik zu identifizieren.

 

Grabungsschnitt im keltischen Siedlungsarial, Mai 1989.

Die zweite archäologische Maßnahme war ein einzelner Grabungsschnitt, quer durch den Wall, dessen Durchstoß in der Tiefe 15 m lang war und als Breite im Wallbereich, also der Längsseite des Walles folgend, 4 m maß. Unsere fotografischen Wiedergaben dokumentieren zu Anschauungszwecken den Zeitpunkt 30. Mai und 14. Juni 1989. An diesem letzten Datum hat uns Klaus Hietkamp folgende Auskunft gegeben:

Der Aufbau dieser Befestigungsanlage, die heute für den Betrachter als Wall erscheint, und die nach ihrer ursprünglichen Funktion ein Annäherungshindernis war, dürfte zu ihrer eigenen statischen Festigkeit aus einer Rahmen- oder Kastenkonstruktion bestanden haben. Sie dürfte der um einige Jahrhunderte jüngeren Anlage eines keltischen murus gallicus geähnelt haben. D. h., es sind zur Stabilisierung der Erdschüttung rechtwinklig sich kreuzende liegende Balken anzunehmen. Dieser Schluß ist erlaubt, weil keine Pfostenlöcher angetroffen wurden. Eine mögliche, die Vorderseite schützende bzw. abschließende Steinmauer fehlt; es hätte nämlich sonst im Bereich des vorgelagerten und im Schnitt erneut nachgewiesenen nur wenig tiefen aber dafür breiten und flachen Sohlgrabens eine Menge Bruchsteine angetroffen werden müssen, was nicht der Fall war. Die in der Wallschüttung auftretenden größeren Steine, wie sie auch auf der Fotografie zu erkennen sind, gehören zur Erdverfüllung, die in ihren Farbabstufungen deutlich nachweisbar war. Im Schüttmaterial des Walles fanden sich wiederum vereinzelte Keramikscherben, deren Herkunft ebenfalls nur als prähistorisch zu bezeichnen ist. Der als „Profilschnitt 9, ViIlinger Kapf 1989“ bezeichnete Grabungsschnitt ergab eine jetzt noch vorhandene Wallhöhe, ab alter Grundfläche, von durchschnittlich 1,50 bis 1,60 m Höhe und bestätigt die Erkenntnisse aus der Grabung von 1959 (Klaus Hietkamp, im Bild vor dem Westprofil eines zunächst belassenen Mittelstegs, steht bereits etwa 20 cm unter der alten Grundfläche des Walles.) Die antike Höhe des Walles ist mutmaßlich mindestens drei Meter hoch gewesen. Über ihren obigen Abschluß (Palisade?) ist nichts bekannt. Die antike Breite des Walles, d. h. die ursprüngliche Tiefe seines Querschnitts, betrug ca. vier Meter. Die vom Geschichts- und Heimatverein ViIlingen 1988 unter Benutzung der bisher vorliegenden wissenschaftlichen Literatur formulierte Erläuterung auf der Hinweistafel beim äußeren Wall ist auch weiterhin inhaltlich richtig, unbeschadet gewisser Detailerkenntnisse der jüngsten Untersuchung 1989.

 

Sicht von außen (Westen) gegen das Profil des noch nichtdurchstoßenen Mittelstegs des hallstattzeitlichen Walles auf dem Kapf beim Kirnacher Bahnhöfle, 14. Juni 1989.