Herr Fabrikant Dr. Wilhelm Binderwurde 1988 Ehrenmitglieddes Geschichts- und Heimatvereins Villingen.

Dr. Wilhelm Binder, Frau Binder, 1. Vors. W Huger

 

In seiner Laudatio wandte sich der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins direkt an den Geehrten und führte dabei aus:

Die Regularien einer Hauptversammlung sind die Pflichtübungen, die uns die Satzung aufgibt. So gesehen, ist die Zusammenkunft von Mitgliedern eines historischen Vereins nichts besonders. In der Tat erhält der heutige Tag seine Erhöhung durch den Beschluß des Vorstandes einen Mann zu ehren, der viele Jahre seines Lebens ein Förderer der Erforschung und Darstellung von Geschichte und Kunst seiner Heimatstadt war und ist.

Ich begrüße sehr herzlich unser ehemaliges Vorstandsmitglied, Herrn Dr. Wilhelm Binder, und Sie sehr verehrte Frau Binder. Im Jahresheft 1983 habe ich aus Anlaß Ihres 70sten Geburtstages geschrieben, daß man die unmittelbare Ausstrahlung bei einer Darstellung wie dieser nur beschreibend wiedergeben kann. Auch bei einer mündlichen Darstellung muß es bei diesem Maß an Unzulänglichkeit bleiben. Noch in der Zeit, in der Sie uns als Vorstandsmitglied mit Rat und Tat zur Seite standen, war uns Ihre Individualität stetiger Anspruch, indem Sie uns zu Sachlichkeit und positiven Ergebnissen zum Wohle des Vereins herausforderten. Vielleicht war einer der Gründe, daß Sie nie ein Mann der vielen und anspruchsvollen Worte waren — im Gegenteil. Auf eine stille Art waren Sie unbestechlich in Ihrem Urteil. Manchmal hatte man den Eindruck, daß Sie den Glanz und die Eitelkeit der äußeren Welt hinter sich gelassen haben, um damit umso wesentlicher sein zu können.

Sie wurden vor nunmehr einem dreiviertel Jahrhundert in der Bleichestraße in Villingen geboren. Nach der Schulzeit und dem Abitur, das Sie in dem benachbarten Schwenningen ablegten, studierten Sie an der heutigen Universität Karlsruhe Physik und Elektronik. 1938 schlossen Sie Ihr Studium mit dem akademischen Grad eines Diplomingenieurs ab. Es war Ihr Los, das Sie mit zahlreichen jungen Menschen Ihrer Generation teilten, daß die ersten drohenden Wolken des herannahenden Zweiten Weltkrieges Sie einholten. Sie erlebten das Leid des zweiten Weltkriegs. Ein gnädiges Schicksal hat es Ihnen erlaubt, im großen und ganzen unbeschadet aus dem Krieg heimzukehren und Ihre berufliche Arbeit aufzunehmen. Sie traten damals in das Unternehmen Ihres Vaters ein, das noch ein kleiner Betrieb vor den Mauern der Stadt war, in dem noch industriehandwerklich gefertigt wurde. Als Komplementär, d. h. persönlich haftender Gesellschafter, traten Sie dem Vater zur Seite. Nach dessen Tode übernahmen Sie 1953 das Unternehmen, um es in den folgenden Jahrzehnten aus einer einstigen Werkzeugmacherei auf den Höhepunkt eines Weltunternehmens zu führen. Außerdem gründeten Sie im Jahre 1960 die Firma Binder-Aviatik, die von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des Donaueschinger Flugplatzes war. Wir vergessen es nicht, wie Sie zweimal Ihrem Geschichts- und Heimatverein die Möglichkeit gaben, das Gebiet um Villingen mit einer Ihrer Maschinen zu überfliegen, um nach archäologischen Spuren zu suchen. Mit bereits über 70 Jahren bedienten Sie sogar noch selbst den Steuerknüppel. Eine letzte Gründung ist die Firma Binder-Datentechnik, mit der Sie Ihren Namen hinaus in die Lande trugen. Wie Sie mir einmal gestanden haben, fühlten Sie sich dennoch nicht in erster Linie als Unternehmer sondern zutiefst als Ingenieur. So war der Aufstieg der Binder-Magnete, wie man Ihr Unternehmen landläufig nennt, vor allem Ihrer Ingenieurleistung zu danken. Etwa 36 Patente aus der Mechanik, der Elektronik und der Magnettechnik wirkten mit, ein Unternehmen mit annähernd 1300 Beschäftigten hervorzubringen. Es war kein Nebenprodukt, wenn Sie damit zahlreichen Familien in Stadt und Land eine Existenzgrundlage geboten haben.

Dennoch darf neben Ihrer Leistung als Ingenieur der kluge Kaufmann nicht unerwähnt bleiben. Sowohl in der Praxis als auch in der begleitenden Wissenschaft haben Sie unübersehbar Zeichen gesetzt. Unvergeßlich bleibt, wie Sie es neben aufreibender Alltagsarbeit fertig brachten, ein begleitendes wirtschaftswissenschaftliches Studium an der Universität in Graz zu absolvieren und im Jahre 1951 mit dem Doktortitel rerum politicarum abzuschließen. Zu Ihren Leistungen als Unternehmer gesellte sich Ihr öffentliches Engagement. Von 1956-1974 waren Sie Mitglied des Gemeinderates. In diese Zeit fällt die damals erwartungsfrohe Geburt der gemeinsamen Stadt Villingen-Schwenningen. Gewissermaßen als Gründungsstadtrat müssen Sie zu Ihrem eigenen Leidwesen heute erkennen, wie unvollkommen eine geschichtliche Chance genutzt wurde. Als ehemaliger Chef der Fraktion der Freien Demokraten dürfen Sie wenigsten zur Kenntnis nehmen, daß Sie in Frau Doris Fels eine engagierte und mutige Nachfolgerin als Stadträtin gefunden haben. 1962 wurden Sie Mitglied der Vollversammlung und Präsidiumsmitglied der Industrie- und Handelskammer. Sie wirkten ebenfalls als Mitglied im Stiftungsrat des Heilig-Geist-Spitals. So gesehen war es eine bescheidene aber hochverdiente Ehrung, wenn Ihnen aus Anlaß Ihres 70sten Geburtstages im Jahre 1983 das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen wurde.

Die Beschreibung Ihrer Persönlichkeit wäre unvollkommen, bliebe eine weitere Seite Ihres Wesens unerwähnt. Mit den technischen, kaufmännischen und politischen Fähigkeiten verbanden Sie das Interesse an Geschichte, Kunst und Literatur: Kurz an Wissenschaft und Kultur und dies in der besonders hervorgehobenen Verbindung mit Ihrer Heimatstadt Villingen. Gerade dieser Aspekt, gekoppelt an Ihre Tätigkeit im Geschichts-. und Heimatverein, ist der besondere und für einen Geschichtsverein eigentliche Grund der heutigen Ehrung.

Ihre hier vorgelegten Leistungen enspringen dem glückhaften Umstand, daß Sie die schon in der Kindheit und Jugend empfangenen Prägungen in der Ihnen gebliebenen Heimat mit unverwechselbarer Handschrift gestalten konnten. — Das Forschen nach dem Verbleib eines Villinger Denars, jener Silbermünze, die erstmals im 11. Jahrhundert geprägt wurde, war 1963 erfolgreich, als Sie in einem Leningrader Museum fündig wurden. Sie ließen daraufhin durch einen Numismatiker einen Wachsabdruck machen und die pekunäre Kostbarkeit als Nachprägung in der staatlichen Münze zu Karlsruhe anfertigen. Die Einzelstücke sind heute geschätzter Besitz manchen Bürgers und Mitarbeiters Ihres Hauses.

Sie förderten nicht nur die Herausgabe mehrerer Bücher über Villingen und seine Geschichte, Sie waren vielmehr der Initiator und Mitautor und nicht zuletzt der großzügige Spender. So entstanden:

1969 Die Kunstschätze aus Villingen

1971 Die Ratsverfassung der Stadt Villingen

1971-1974 die bedeutenden Bände „Magdalenenbergle 1-4

1976 Das Leben im alten Villingen und schließlich die Arbeit über den Magnetismus und die Kunst des Erfindens.

Unvergeßliche Verdienste bleiben Ihnen für die ideelle und materielle Förderung bei der Schaffung der bewunderten Villinger Münsterportale.

Eine weitere kulturelle Arbeit war die Erforschung des Lebens des spätmittelalterlichen Humanisten Heinrich Loriti, genannt Glareanus, der als akademischer Lehrer an der Universität Freiburg und zeitweilig, während der Pestzeiten, im Kloster der Franziskaner zu Villingen als Gelehrter wirkte. Die Festveranstaltung der Kunstwochen Baden-Württemberg 1988 in der ehemaligen Franziskanerkirche zu Villingen war einer der Höhepunkte im Veranstaltungskalender. Still und ungenannt waren Sie es, der die Idee geboren und in die Tat umgesetzt hatte. Es ist uns eine Ehre, in dem soeben erschienenen Jahresheft des Geschichts- und Heimatvereins für das Jahr 1988 den substantiell so bedeutenden Festvortrag des Professor Mertens aus Tübingen abdrucken zu dürfen. Mag auch mancher Anregung von Ihnen durch die Widerstände in dieser Welt kein Erfolg beschieden gewesen sein, so erwähne ich dies nur deshalb, um die Bedeutungslosigkeit gegenüber all den positiven Erfolgen anzumerken und um festzustellen, daß Sie unbeirrt bis auf den heutigen Tag ein als gut und richtig bewertetes Ziel zu erreichen bemüht waren und sind. Herr Dr. Wilhelm Binder, der Geschichts- und Heimatverein Villingen verleiht Ihnen die Ehrenmitgliedschaft und bittet Sie, diese anzunehmen.