SIE FRAGEN —WIR ANTWORTEN Verdrehte Heimatgeschichte

Rolf Seitler, unser Mitglied, weist uns darauf hin, daß der Inhalt der Informationstafel auf dem Kapf beim Kirnacher Bahnhöfle sachlich falsch sei. Er schreibt, es sei ein Anachronismus, wenn es heißt „frühmittelalterliche Wehranlage vermutlich aus der Hallstattzeit“, beides schlösse sich gegenseitig aus (vgl. Foto).

ER FRAGT:    Kann der Geschichts- und Heimatverein dafür sorgen, daß der Text geändert wird?

WIR ANTWORTEN:    Der Text ist inzwischen geändert!

Wir haben uns nach Eingang des Briefes umgehend mit dem Leiter des städtischen Forstamtes, Herrn Forstdirektor Härle, in Verbindung gesetzt, der uns bereitwillig zusagte, die Änderung zu besorgen. Wir verfaßten daraufhin die Textänderung, wobei es sachlich notwendig war, zwei Informationstexte für die räumlich und zeitlich verschiedenen Wallanlagen zu formulieren. Auf Bemühen von Herrn Härle spendeten die Metallwerke Schwarzwald GmbH (Messingwerk), Villingen, die zwei Textplatten, und die Mitarbeiter des städtischen Forstamtes stellten die räumlich getrennten Tafelgerüste auf. Dem städtischen Forstamt und den Metallwerken Schwarzwald sei namens aller künftigen Besucher der Verteidigungsanlagen auf dem Kapf gedankt. (Vgl. die Fotografien der neuen Texttafeln, Oktober

 

Der Text dieser Hinweistafel auf dem Kapf beim Kirnacher Bahnhöfle ist sachlich falsch.

 

Die mittelalterliche Wallanlage ist neben einer hallstattzeitlichen die jüngere (vermutlich 1500 Jahre). Sie besteht aus einem Erdwall von etwa zwei Meter Höhe und ist an der Vorderseite mit einem Trockenmauerwerk verblendet (Bereich im Rücken der Frau). Vorgelagert ist ein Spitzgraben (in ihm steht der Mann auf dem Bild).

 

 

 

Die sachlich richtigen Hinweise enthalten die zwei neuen Texttafeln aus dem Jahr 1988.

 

Wortlaut der Texttafel neu:

Mittelalterliche Wehranlage auf dem Kapf (sogenanntes inneres Wallgrabensystem)

Nord-südlich verlaufende Wehranlage, Länge 110 m, Wall mit Steinmauer als Frontseite, rund 2 m Höhe, vorgelagerter Spitzgraben.

Anlage quert den steil abfallenden Bergsporn zwischen Kirnach und Brigach von Hang zu Hang und sicherte dreieckige Grundfläche von rund 0,5 ha Größe (90 m Länge, 120 m Basisbreite), überlagert ältere, hallstattzeitliche Siedlungsschicht. Ursprünglicher Zugang über Erdbrücke zur Toranlage vermutlich am Nordende.

Wortlaut der Texttafel neu:

Hallstattzeitliche Wehranlage auf dem Kapf (sogenanntes äußeres Wallgrabensystem) Erdwall — etwa 1,5 m hoch, 8 m breit— mit vorgelagertem breiten und flachem Sohlgraben. Tordurchlaß nahe innerhalb liegender Quelle.

Sicherte ein dreieckiges Siedlungsareal von rund 2 ha Größe (210 m Länge, ca. 200 m Breite).

Gesamtanlage durch zahlreiche Keramikfunde und eine Prunkfibel als einfache Siedlung mit verhältnismäßig hoher Bevölkerungszahl ausgewiesen. Sie ist im Zusammenhang mit der Gewinnung und Verhüttung des in unmittelbarer Umgebung anstehenden Brauneisenstein-erzes zu vermuten. Zusammengehören von Fürstengrab Magdalenenbergle (551 v. Chr.) und Siedlung unzweifelhaft.